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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 14/03/2008 09:37 -

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Die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, sind in der Rezession. Die Lawine an Problemzonen wird immer breiter. Nach den miesen Hypotheken sprang sie auf die Zwangsräumungen, dann die Grundstückspreise, dann den Bankensektor, dann die Börsen, dann die Unternehmensfinanzierung über Bonds, den Dollar, und nun auch Hedgefunds und den Einzelhandelsumsatz über und hat noch sehr viel Fall vor sich.

Diese Lawine hing jahrelang über der Weltwirtschaft. Die Frage war eigentlich nur, wann sie abgehen würde. Als ich vor schon drei Jahren in mein erstes Buch zur Globalisierung ein Kapitel „US-Verschuldung und Dollar-Risiko" einfügte oder vor fast zwei Jahren einen besonderen Schwerpunkt US-Risiko auf dem Infoportal anlegte, sah man die Lawine schon hängen. Ich schrieb schon damals in den Schwerpunkt:

    „Einer der größten Unsicherheitsfaktoren der Weltwirtschaft geht von der Verschuldung und dem außenwirtschaftlichen Ungleichgewicht der USA aus. Um ihr enormes Defizit zu finanzieren, sind die USA zum größten Kapitalimportland der Welt geworden. Parallel zum explodierenden Leistungsbilanzdefizit und Kapitalimport ist die Sparquote immer mehr zusammengebrochen. Davon ist auch der Wechselkurs des Dollars - der bei weitem größten Handels- und Reservewährung der Welt - betroffen. Ein plötzlicher, unkontrollierter Absturz des Dollars hätte sehr negative Auswirkungen auf die Handelsströme, auch den Export aus der Eurozone, und die Finanzmärkte der Welt."

Die Regierungen, auch die Bundesregierung, müssen sie gesehen haben. Niemand hat etwas getan. Nicht einmal eine Lawinenwache wurde aufgestellt. Hypothekenbanken, die diese windigen Kredite vergaben, Investmentbanken, die die noch winderen Papiere strickten und um den Globus herum vertrieben, Hedgefonds, die sie kauften und damit ein Vielfaches an Bankenkredit an Bord nahmen, deutsche öffentliche Banken, die eigens jenseits ihrer Bilanzen selbständige Ableger zum Handel mit solchen Papieren ausgründeten - niemand wurde wirkungsvoll beaufsichtigt. Der Bundesfinanzminister meinte noch gegen Ende letzten Jahres, er hätte keine Probleme mit einem starken Dollar. Der Wirtschaftsminster und der Bundesbankchef wollten uns einreden, die Eurozone könne sich einfach abkoppeln.

1. Vorgeschichte

Handels- und Leistungsbilanz

Die USA leben seit vielen Jahren weit über ihren Verhältnissen. Seit Beginn der 90er Jahre stürzte die amerikanische Handelsbilanz in ein immer größeres Defizit (Abb. 0302).


Seit 2001 haben die USA Leistungsbilanz-Defizit von zuletzt 6 % ihrer gesamten Wirtschaftsleistung aufgebaut (Abb. 12382, 12933), das von den Überschußländern, vor allem China, finanziert wird. Die größte Volkswirtschaft der Welt ist damit zugleich das größte Kapitalimportland geworden.



Haushaltsbilanz

Seit 2002 verschuldet sich auch der amerikanische Staat durch hohe Haushaltsdefizite (Abb. 05087).


Verschuldung der privaten Haushalte

Parallel zum explodierenden Leistungsbilanzdefizit und Kapitalimport ist die Sparquote immer mehr zusammengebrochen (Abb. 12043) und liegt weit unter der anderer Vergleichsländer. Praktisch sind die persönlichen Ausgaben dem verfügbaren persönlichen Einkommen davongelaufen, oder ist das Einkommen nicht mehr ausreichend gestiegen.


Die USA als reichste Volkswirtschaft der Welt wurden dabei das größte Schuldnerland mit einer Gesamtverschuldung nach Drinnen und Draußen von fast 50 Billionen Dollar oder 353 % des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (Abb. 05091).


Strukturierte Papiere

Um den Immobiliensektor anzukurbeln wurden von der Fed die Vorraussetzung für die Hypothekengewährung verwässert. Zusätzlich kam es zu immer mehr Mißbrauch, indem Schuldnern, die sich Immobilien gar nicht leisten konnten, Hypotheken mit anfänglich besonders niedrigem Zins aufgeschwatzt wurden, oft über den Wert der Immobilie hinausgehend und ohne Nachweis eines sicheren Einkommens. Internationale Banken haben diese Hypotheken als Sicherheiten neu geschneiderten strukturierten Papieren beigemischt und international vertrieben, nachdem die amerikanischen Rating Agenturen ihnen Gütesiegel gegeben hatten. Ähnliches passierte mit anderen hochriskanten Anlagen. Abb. 03709 zeigt die Struktur von 2,5 Billionen US Dollar in strukturierten Papieren der verschiedenen Form und den starken Aufwuchs.


Außerdem hat die Fed die amerikanische Zinsrate unter Greenspan sehr niedrig gehalten, was ebenfalls die Verschuldung ankurbelte.

International vermehrte sich die Liquidität enorm, wofür die Bezeichnung „funny money" steht, daß dieses Kunstgeld beschreibt. Man muß sich das als umgekippte Pyramide vorstellen. Das „echte" Geld, oder englisch „cash" beträgt nur etwa 1 % der Gesamtliquidität. M3-Geld, das noch einigermaßen „echt" ist, kommt auf weitere 9 % und wird von den Notenbanken als Indikator für deren Geldpolitik benutzt. Die amerikanische Fed hat ihre Berichte über den Umfang amerikanischen M3-Geldes eingestellt, so daß die Welt hier im Dunkeln tappt.

Immobilien Blase

Nicht überraschend führte die Zufuhr billigen Geldes und leicht aussehender Hypotheken zu einem enormen Anstieg der Immobilienpreise, die sich innerhalb von 10 Jahren verdoppelten (Abb. 03016). Auch dieses Gefühl ständig ohne Arbeit steigenden Wohlstands verführte die Menschen zum Geldausgeben und Verzicht auf Sparen.


2. Krisenfelder

Nun kommen wir zur Jetztzeit. Hier kann nur auf die sechs wichtigsten Krisenfelder eingegangen werden.

Der amerkanische Immobilienmarkt

Derzeit bewegt sich in USA der Anteil verspäteter Hypothekenzahlung auf dem höchsten Niveau seit 23 Jahren. Es wird erwartet, daß in USA neue Hausverkäufe in diesem Jahr um ein Drittel unter dem Wert von 2005 liegen werden. Die Zahl der Zwangsräumungen, von Eigentümern, die ihre Hypothekenzahlungen nicht mehr erbringen können, nachdem die anfangs niedrigen Zinsen jetzt nach oben angepaßt werden, steigt und steigt. Im Februar lag die Verzugsrate schon um 60 % über dem Vorjahreswert. Bereits 223.000 Immobilien waren schon betroffen oder je eine unter 557 amerikanischen Haushalten. Die meisten Zinsanpassung von in diesem Jahr insgesamt 460 Mrd Dollar Hypothekenwert werden aber erst im Verlauf dieses Jahres noch stattfinden. Die Räumungsrate sprang im gleichen Zeitraum um 110 % an.

Insgesamt werden bis zu 1 Million Räumungen erwartet.

Natürlich fallen die Hauspreise nun steil (Abb. 03714). Mehr als 100 Hypothekenbanken haben ihr Geschäft schon eingestellt. Der Vorrat an unverkauften Immobilien ist schon der höchste je gemessene.


Banken, Fonds

Da Banken und Fonds in das Geschäft mit strukturierten Papieren besonder stark verstrickt sind, leiden sie derzeit in erster Linie und müssen von den Zentralbanken mit riesen Dollar- und Eurospritzen über Wasser gehalten werden. Sie werden jetzt von den Rating Agenturen gezwungen, ihre Anlagen zum derzeitigen sehr niedrigen Marktpreis zu bewerten, was sie in die Suche nach neuem Kapital treibt. Es wird geschätzt, daß das Bankensystem zu seiner Rekapitalisierung zwischen 300 und 1000 Mrd Dollar braucht.

Allein bei Papieren auf der Basis der minderwertigen Hyotheken wurden von den Banken schon Verlusten in Höhe von mehr als 200 Mrd Dollar abgeschrieben und werden Gesamtverluste zwischen 400 und 500 Mrd Dollar erwartet. Die Verluste aus Unternehmensbonds können ebenfalls in Höhe von hunderten Milliarden Dollar anfallen.

Mehrere Fonds, die mit solchen Papieren gehandelt haben, mußten schon schließen. In Großbritannien ist ein 2-Mrd-Dollar Hedgefond abgestürzt, der seine Einlagen über Kredite verfünffacht hatte. Einer der größten Private Investment Funds Carlyle Capital Corp. mit Anlagen in AAA Bondpapieren von fast 700 Mrd Dollar Papierwert steht vor dem Konkurs, da das Unternehmen den Nachschußforderungen der Banken nicht nachkommen kann. Für jeweils 1 Dollar Eigenkapital hatte das Unternehmen 32 Mrd Dollar bei den Banken und anderen Anlegern geborgt. Andere große und über Kredite hochgehebelte Fonds können jederzeit vom Drahtseil fallen.

Die Federal Reserve mußte am 14. März 2008 die fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns Cos. in einer Eilaktion mit Sonderkrediten von 200 Mrd Dollar vor der Pleite retten aus Angst vor einem systemischen Risiko für den gesamten Finanzmarkt, wie sie ihren ungewöhnlichen Notanker erklärt. Das letzte Mal war die Fed in den 60er Jahren in einer Rettungsaktion mit eigenen Mitteln involviert, und das letzte Mal, daß sie mit verlorenen Mitteln einspringen mußte, war in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre. Und in der Osterwoche werden nun die anderen vier Investmentbanken ihre Quartalzahlen vorlegen. Unter dem Eindruck des Bear Stearns Debakel erwarten Experten das Schlimmste.

Die Angst vor dem Zusammenbruch weiterer Hedgefonds treibt die Banken, die die Hauptkreditgeber der Hedgefonds sind, wieder zum Horten von Geld, was sich am erneuten Steigen der Zinsen für Kredite zwischen Banken zeigt (Abb. 03718), und dies trotz der gewaltigen Liquiditätsspritzen der Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantik.


Auch die Preise für bisher als totsicher gehaltene AAA gegradete Papiere sind auf 53 % ihres Wertes gefallen (Abb. 03719). Ebenso haben die Versicherungsaufschläge AAA Bonds (Abb. 03720) astronomische Höhen erklommen, und erst recht die für Junk-Bonds (Abb. 03636).




Der Markt an Asset Backed Commercial Paper ist seit Ausbruch der Krise im August 2007 bereits um mehr als ein Drittel geschrumpft (Abb. 03715).


Börsen

Nun mehren sich die Anzeichen, daß die Kreditkrise auf die Börsen überspringt (Abb. 03712). Die Kurse fallen seit Januar an Wallstreet, aber auch an anderen Plätzen. Das trifft in USA die Verbraucher, die sich bereits ärmer fühlen.


Unternehmensfinanzierung

Die Unternehmensfinanzierung über Bonds wird weltweit immer teuerer. Selbst General Electric, eines von nur fünf amerikanischen Unternehmen mit dem besonders sicheren AAA-Rating, mußte in der Anfang März 2008 für einen Bond von etwa 2 Mrd Euro 17 Millionen mehr an Zinsen bieten als noch vor 9 Monaten.

Dollar

Nun stürzt der Dollar immer mehr ab, nachdem in den USA die Rezession anklopft, seit Anfang Februar 2008 schon um 8 % (Abb. 13372). Der Dollar-Index gegen einen Korb der Hauptwährungen ist auf einen absoluten historischen Tiefststand gefallen.


Verbraucher

Die fallenden Immobilien- und Aktienkurse vermindern zum ersten Mal seit 2002 das Vermögen der amerikanischen Haushalte. Jeder Fall der Hauspreise um 10 % entspricht 14 % des amerikanischen Bruttoinlandsprodukt, also der gesamten Wirtschaftsleistung der USA in einem Jahr. Bei 30 % Fall, was für möglich gehalten wird, geht schon ein Vermögen von 42 % des Bruttoinlandsprodukts den Bach herunter, denn um soviel werden die Haushalte ärmer. Um die 10 % sind die Hauspreise bereits gefallen. Schon zeigt der Ausweis der Fed ein Abrutschen der Vermögenswerte im letzten Quartal 2007 (Abb. 05093).


Im Februar 2008 kam es zu einem auf Jahresrate umgerechneten Fall des Einzelhandelsumsatzes um etwa 7 % gegenüber Vormonat (Abb. 05095).


Der viel beachtete Dienstleistungs-Index des amerikanischen Institute for Supply Management für Januar zeigte den stärksten Absturz seit der Rezession von 2001 (Abb. 05090). Der Index reflektiert etwa 90 % der amerikanischen Wirtschaftsaktivität.


20 % der privaten Nachfrage der Welt auf den Waren- und Dienstleistungsmärkten residiert in den USA. Wollte sich da jemand abkoppeln??


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