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Trotz allen Medienaufwandes der Bundesregierung und der Verbände, der uns glauben lassen soll, Deutschland hätte sich im vergangenen Jahr aus seinem tiefen Loch als „kranker Mann Europas" schon herausgearbeitet, stecken wir immer noch in tiefen Löchern so ziemlich am Ende des Vergleichsfeldes. Das gilt für den Zuwachs von Bruttoinlandsprodukt, Arbeitnehmereinkommen und Verbrauch privater Haushalte, aber auch bei Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit und dem Anteil jüngerer Jahrgänge unter 30 an der Bevölkerung (Abb. 12356).


Dieser Vergleich schließt die Beitrittsländer nicht ein, weil deren Situation derzeit noch nicht vergleichbar ist. Ein weiteres Jahr Große Koalition hat Deutschlands Position nicht entscheidend verbessern können. Die Bundeskanzlerin, die in ihrer Rede in Davos das Ziel verkündete, Deutschland wieder unter die ersten Drei in der Europäischen Union zu bringen, ist weit davon weg.

Im folgenden werden die einzelnen Felder in vergleichender Betrachtung dargestellt. Wir beginnen mit der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr, die in Deutschland stark gefeiert wurde. Abb. 13232 zeigt Deutschland hier vor Frankreich, Italien und Portugal mit weitem Abstand hinter der Spitzengruppe der ersten Drei mit deren doppelt so starkem Wachstum.


Die Arbeitseinkommen sind nur in Deutschland real weiter zurückgelaufen (Abb. 13233). Diese Entwicklung fällt total aus dem Rahmen und erklärt die im folgenden dargestellten anderen Entwicklungen mit.


Bei der Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte landete Deutschland auf dem vorletzten Platz (Abb. 12344). Die Unterschiede fallen hier besonders stark aus.


Bei durch die Binnenmarktentwicklung stark gebremster Nachfrage kann man sich eigentlich nicht über den miserablen Zustand des deutschen Arbeitsmarktes wundern. Die Vergleichszahlen verbergen noch die in Deutschland besonders verbreitete gering entlohnte Arbeit und Teilzeitarbeit. Die Arbeitslosigkeitsquote war im vergangenen Jahr die drittletzte der EU-15 und die vorletzte bei der besonders kritischen Langzeitarbeitslosigkeit (Abb. 12357, 04022).



Die nun im 7. Jahre für die große Mehrheit der Deutschen besonders ungünstige Wirtschafts- und Sozialentwicklung, kombiniert mit vielerlei Zukunftsängsten, dürfte zu der schwachen Geburtenrate und dem geringen Anteil jüngerer Menschen unter 30 Jahren an der Bevölkerung beigetragen haben. Der vorletzte Platz ist das Ergebnis (Abb. 12358).


Abb. 12360 vergleicht den gewichteten Durchschnitt der EU-14 mit Deutschland.


Und hier in Abb. 12359 noch eine ungewichtete Darstellung des Durchschnitts aller Platzziffern.