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Hinweis: Jetzt auch ausgewählte Gastbeiträge:
Karl Mai: Neuere Projektionen für Perspektiven Ostdeutschlands - hier
Jens Wernicke: Schattenkabinett aus Gütersloh - hier
Gastbeiträge zum Thema Keynes - hier



Kommentare werden anonym - soweit nicht anders gewünscht - und teilweise leicht gekürzt (keine Zensur) mit meiner Reaktion wiedergeben





25.08.07- Kommentar zu: 2. Quartal 2007

... da es sich bei den Angaben um Veränderung zum Vorjahr handelt ist die Gesamtentwicklung interessant. Setzt man Wert 2001 auf 100, so ergibt sich eine Produktivitätsteigerung von über 20 % sich.

Reaktion:

In der Tat, die Produktivität hat über die letzten 7 Jahre um 22,1 % zugelegt, wovon die Arbeitnehmer nichts in ihren Lohntüten gesehen haben. Ich habe diese Aussage in meine Analyse aufgenommen.




25.08.07- Kommentar zu: 2. Quartal 2007

.. in Abbildung 04305 beziffern Sie die Veränderung der realen Nettolöhne-/gehälter je Arbeitnehmer im Vergleich zum 2.Quartal 2006 mit +0,6%. In den Tabellen des Statistischen Landesamtes habe ich leider nur die Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte finden können. Diese haben sich in jeweiligen Preisen um +2,9% erhöht.# Mir scheint, daß zwischen den Arbeitnehmerentgelten und den Nettolöhnen-/gehältern die Steuern und Sozialabgaben (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) angesiedelt sind. Unterstelle ich zunächst einmal, daß sich Brutto- und Nettolöhne prozentual gleich entwickelt haben (d.h. Steuerprogression einerseits und der Saldo aus der Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages einerseits und die Erhöhung des Rentenversicherungsbeitrages andererseits sich ausgeglichen haben), dann ergibt meine Rechnung folgendes:

Arbeitnehmerentgeld +2,9%# abzüglich Verbraucherpreisinflation -1,8%

abzüglich Erhöhung der Beschäftigung -1,7%

= Arbeitnehmerentgeld real -0,6%

je Arbeitnehmer Selbst unter der Annahme, daß sich zwischen "Brutto" und "Netto" eine positive Veränderung ergeben haben sollte, so erscheint es mir doch unwahrscheinlich, daß diese +1,2% beträgt (der Summe aus der von Ihnen genannten positiven Veränderungsrate von +0,6% und der von mir rechnerisch ermittelten Veränderungsrate von -0,6%).

Möglicherweise können Sie auch diese Frage klären?

Reaktion:

Die Entwicklung der Bruttolöhne und =gehälter, d.h. vor Abzug der Sozialbeiträge und Steuern war im 2. Quartal 2007 gegenüber Vorjahr +3,3 % und nach Abzug der Verbraucherinflation +1,5 %.




24.08.07- Kommentar zu: 2. Quartal 2007

.. in Ihrer Analyse der BIP-Entwicklung für das 2. Quartal 2007 weisen Sie in Abbildung 04305 einen Anstieg der Privaten Konsumausgaben in Höhe von, wie ich unterstelle: preisbereinigt, +1,7% aus. Das Statistische Bundesamt schreibt in seiner Pressemitteilung Nr. 330 vom 23.08.2007 (Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschafts- leistung im 2. Quartal 2007): "Auch die privaten Konsumausgaben gingen ... leicht um 0,2% zurück ..."

Reaktion:

Ich habe meine Abbildung korrigieren müssen. Der preisbereinigte gekette Wert (Jahr 2000 = 100) lag im 2. Quartal 2006 bei 102,16 und ein Jahr später bei 102.11, was einem Rückgang um 0,05 % entspricht.




20.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 333 19-08-07: Auch Stephan Schulmeister springt zu kurz

.. ich hatte Ihnen am vergangenen Wochenende den Beitrag Stephan Schulmeisters zur Krise an den internationalen Finanzmärkten zugemailt, ergänzt um den Hinweis auf den fehlenden Bezug zu der wachsenden Kluft in der Verteilung von Einkommen und Vermögen.

Ich teile die Ansicht eines Ihrer Leser, daß Stephan Schulmeister dieses Triebmittel der Spekulationsblase als selbstverständlich unterstellt. Für die in der Ökonomie weniger bewanderten Leser der taz ist der Hinweis darauf jedoch angebracht.

Ich bin der Meinung, daß die in der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin kaum vertretenen Repräsentanten einer Alternative zum herrschenden Neoliberalismus (die weitgehend in Konzernhänden (Privatmedien) oder in Parteihänden (Öffentlich-rechtliches Fernsehen/Rundfunk) konzentrierten Medien sind ein Kapitel für sich) sollten sich nach meiner Meinung nicht über das notwendige Maß hinaus gegenseitig "bekämpfen", sondern in Themenfeldern mit weitgehend identischen Auffassungen zusammenarbeiten.

Jedenfalls bin ich nicht der Auffassung, daß man neoliberal ausgerichtete Politiker zu Kritikern des Neoliberalismus hochstilisiert, um diese dann gegen tatsächliche Kritiker des neoliberalen Kurses in Stellung zu bringen.

Beispiel: Zwar zeigen sich beim doppelgesichtigen Sarkozy einige interessante Aspekte (auf die Sie in der Vergangenheit zur Recht hingewiesen haben). Seine Steuerpläne beispiels- weise laufen jedoch auf das Prinzip hinaus: Spitzenverdiener und Top-Vermögende, bereichert euch! Diese Steuerpolitik wird die Einkommens- und Vermögensverteilung in eine noch größere Schieflage bringen und damit weiteres Futter für die globale Spekulationsblase liefern.

Auch der Hinweis auf "liberale" Kreise, die sich Sorgen machen über die zunehmende Ungleichverteilung machen und für eine Kompensation der Globalisierungsverlierer plädieren, scheint erläuterungsbedürftig. Ich glaube kaum, daß beispielsweise das schwarz-gelbe Lager hier Verbesserungen im Sinne breiter Bevölkerungsschichten anstrebt. So haben sich z.B. die Herren Kauder und Westerwelle an diesem Wochenende gegen eine Anpassung des ALG2-Satzes ausgesprochen (auf die verlogene Haltung von "Münte" haben Sie in den vergangenen Tagen zu Recht hingewiesen). Unter Schwarz/Gelb wäre nach meiner festen Überzeugung beispiels- weise mit einer Abschaffung der Erbschaftssteuer zu rechnen. Wirtschaftsminister Glos beispielsweise ist ein entschiedener Befürworter einer solchen Abschaffung, von der "liberalen" FDP ganz zu schweigen.

Ich bin ganz entschieden der Auffassung, daß, um "Ross und Reiter" zu nennen, die Herren Flassbeck, Jahnke, Müller und Schulmeister strittige Punkte konstruktiv diskutieren, das weite Feld der politischen Übereinstimmungen jedoch mit gebündelter Überzeugungskraft in die medial sehr einseitig "informierte" Öffentlichkeit hineintragen sollten.

Reaktion:

Ich verstehe Ihren Kommentar auch als Versuch einer „Wiedergutmachung" an Schulmeister, nachdem Sie es waren, der mich auf die fehlende Verbindung mit der ungleichen Einkommensverteilung in seinem TAZ-Artikel aufmerksam gemacht hatten. Der Versuch stößt leider auf einen Unverbesserlichen, der keinem der in Deutschland etablierten politischen Lager angehört. Ich habe mich dazu in den heutigen Gedanken zur Zeit geäußert.

Ich stilisiere auch nicht neoliberal ausgerichtete Politiker zu Kritikern des Neoliberalismus hoch, wie Sie vermuten, um diese dann gegen tatsächliche Kritiker des neoliberalen Kurses in Stellung zu bringen. Siehe auch dazu die heutigen Gedanken zur Zeit. An das von Ihnen zitierte „schwarz-gelbe Lager" habe ich dabei nicht gedacht. Außerdem warte ich immer noch auf eine deutliche Kritik der Herren Flassbeck, Müller oder Schulmeister an der neoliberalen Handelspolitik, die vor allem an dem Verlagerungsdruck auf die Löhne in Deutschland schuld ist. Flassbeck argumentiert sogar gegen Sozial- und Umweltklauseln in der Welthandelsorganisation (für die die amerikanischen Demokraten und die französische Regierung eintreten) und für die Zulassung von Kinderarbeit im Welthandel, solange wir nicht für bessere Sozial- und Umweltverhältnisse und die Kinder zu zahlen bereit sind. Schulmeister hat jetzt sogar zockende Arbeitslose als Mitschuldige für die globale Kreditkrise ausgemacht (siehe hier).




20.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 333 19-08-07: Auch Stephan Schulmeister springt zu kurz

.. Auf Anfrage bei Schulmeister, habe ich folgende Nachricht erhalten, die ich mit seiner Zustimmung an Sie weitergeben darf:

    „ich sehe weniger Widerspruch zu Jahnke als er selbst: Natürlich ist die langfristige Verschiebung in der funktionellen Einkommensverteilung Teil des Systems, das ich "Finanzkapitalismus" nenne (siehe diverse Artikel auf meiner Homepage). Aber ich kann in einem Zeitungskommentar nicht alle wichtigen Entwicklungstendenzen erwähnen, zumal sich all die "Spiele" auf den Finanzmärkten auch ohne eine massive Umverteilung hätten entwickeln können (nicht zuletzt spielen auch Arbeitnehmer als "day trader"......auch Arbeitlose, wenn auch natürlich nicht die Masse)."


Reaktion:

Erstaunlich, wie die ungleiche Einkommensverteilung auch nach dieser Stellungnahme nur eine unter den Entwicklungstendenzen sein soll und nicht einmal unbedingt kausal für die derzeitige Krise auf den Finanzmärkten. Daß linke Geister in dieser besonderen Situation, auf die man lange warten mußte, nicht die Enden zusammenbringen und überzeugend nachweisen können, wie die soziale Aufspaltung in die Krise führt, verstehe ich wirklich nicht. Noch erstaunlicher, daß jetzt sogar Arbeitslose als Schuldige für die globale Kreditkrise mitherhalten müssen. Wie weit sind doch solche linken Geister von den Realitäten entfernt. Oder aber haben Arbeitslose im glücklichen Österreich mehr Geld zum Zocken als in Deutschland?




19.08.07- Kommentar zu:
global news 816 18-08-07: Die Angst der Fed vor dem Freitag

in einer bestätigenden Reaktion auf einen kritische Hinweis auf einen Artikel von Stephan Schulmeister, vermissen auch Sie den Zusammenhang zwischen zunehmende Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen, und wachsenden Verlagerung von Zahlungsmitteln aus der Realwirtschaft in das globale Spielcasino. Ich möchte eine kleine Lanze für Schulmeister brechen, dessen Generalthema seit vielen Jahren die Frage ist, wie konnte es zu einer Dominanz des Finanzkapitals gegenüber dem Realkapital kommen, und welche Auswirkungen hatte dies für die Gesellschaft.

Schulmeister geht von Unzufriedenheit der Rentiers aus (70er Jahre), welche die Vermehrung ihrer Finanzvermögen durch lukrative Veranlagung oder Spekulation durch niedrige Zinssätze und regulierte Finanzmärkte beschränkt sahen Der Erfolg der Rentiers, die Entfesselung der Finanzmärkte wird seit über 25 Jahren von einer, wirtschaftswissenschaftlich unterstützten, Politik begleitet, welche den Defiziten dieser Entfesselung mit dem „Rückgang der Reallöhne", mit dem „sich selbst ‚Zurücksparen' des Staates" und einer „‚Reformpolitik' gegen(über) Arbeitslosen und prekär Beschäftigten" begegnet, aber letztlich einen „sozialen Trümmerhaufen hervorgebracht" hat.

Wenn Sie schreiben: „Zu der Krise mußte es kommen, weil die Einkommensverteilung unter den Augen und mit Zutun der neoliberalen Regierungen fast aller Länder etwa seit der Jahrtausendwende immer ungleicher geworden ist" so ist dies natürlich richtig. Schulmeister würde hinzufügen, daß dies das Ergebnis einer langfristigen falschen Politik ist, welche dem Finanzkapital erst die Freiräume gegeben hat, eine ihm genehme Einkommensverteilung anzustreben. - Ich würde einfach davon ausgehen, daß für Schulmeister die Ungleichverteilung als Ursache so selbstverständlich ist, daß er sich in diesem Artikel eher auf die Systenmechanik beschränkt.

Reaktion:

Mir ging es eigentlich primär um Flassbeck, aber die Denke beider ist wahrscheinlich an dieser Stelle ähnlich. Auch Flassbeck ist natürlich gegen den Finanzkapitalismus. Aber wenn sich jetzt zum ersten Mal eine Gelegenheit bietet, die falsche Einkommensverteilung und die Krise an den Kreditmärkten in den Mechaniken überzeugend zusammenzubringen, "versagen" beide und beschäftigen sich nur mit technischen Themen des Finanzmarktes. Ich halte das für symptomatisch im Sinne einer Einstellung, die das neoliberale Aufreißen der Warenmärkte nicht mit dem der Finanzmärkte verbindet und die keinen Zusammenhang zwischen den seit 2000 besonders stark und nun weltweit zurücklaufenden Reallöhnen und den aufgerissenen Warenmärkten herstellt. Hier wird vor allem die seit der ständigen Erweiterung der EU und der Aufnahme Chinas in die WTO erstmals glaubwürdige Drohung der Arbeitgeber mit Verlagerung in Billigstlohnländer übersehen. Flassbeck und sicher auch Schulmeister werden nicht einräumen, daß sich durch die schrittweise Integration von Milliarden Billigstarbeitskräften - ohne Sozialklausel in der WTO oder EU - die Spielregeln gründlich geändert haben. Ich kann das nur psychologisch verstehen: Beide sind "alte" Linke, die ihre Systemkritik schon längst vor 2000 entwickelt haben und für die die nachfolgenden Veränderungen keine besondere Bedeutung haben, bzw. entwicklungspolitisch sogar als positiv und total unproblematisch erscheinen. (An der Stelle kam es bei mir auch zum Intellektuellen Bruch mit Albrecht Müller, der mit seiner "alte Hut"-Auffassung von der Globalisierung ähnlich gestrickt ist).

Wir leben nun in einer verkehrten Welt, in der die eigentlichen Sorgen wegen der von der Globalisierung verursachten Verschiebung der Einkommensverteilung von den liberalen Kräften kommen, die Angst vor protektionistischen Entwicklungen haben und daher für eine Kompensation der Verlierer der Globalisierung argumentieren, während für diese Linken in Deutschland und mit Schulmeister auch in Österreich die Verlierer kein besonderes Problem sind.




18.08.07- Kommentar zu: global news 816 18-08-07: Die Angst der Fed vor dem Freitag

nachfolgend der link zu einem Beitrag eines Mitarbeiters des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung in der heutigen taz: Ein nach meiner Meinung wichtiger Aspekt für das Zustandekommen der Spekulationsblase wird in dem Beitrag nicht angeprochen: Die zunehmende Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen, was zu einer wachsenden Verlagerung von Zahlungsmitteln aus der Real- wirtschaft in das globale Spielcasino führt.

Reaktion:

Ja, leider wird auf der linken wissenschaftlichen Seite in Deutschland und Österreich der Zusammenhang nicht gesehen, auf den ich immer wieder hinweise. siehe z.B. hier. Siehe auch vorherigen Kommentar und heutige Gedanken zur Zeit.




18.08.07- Kommentar zu: global news 816 18-08-07: Die Angst der Fed vor dem Freitag

ich bewundere, was Sie an den letzten Tagen und auch heute zu dem internationalen Finanzschlamassel erarbeitet und veröffentlicht haben.

Dennoch erlaube ich mir, Sie auf den soeben, nämlich am 18. 8. um 11.13 Uhr, bei den Nachdenkseiten veröffentlichten Beitrag von Dr. Heiner Flassbeck zu verweisen und Sie zu bitten, diesen herausragend konstruktiv-kritischen oder kritisch-konstruktiven Text in Ihr Infoportal zu übernehmen und auch darüber hinaus für die breitestmögliche Streuung dieses exzellenten hochaktuellen Aufsatzes zu sorgen, insbesondere gegenüber den Massenmedien. Trotz all Ihrer Kritik an Herrn Dr. Flassbeck ("Links-Guru") - springen Sie über Ihren Schatten! Denn nur Konstruktiv-Kritisches oder Kritisch-Konstruktives von höchster Qualität und durchschlagender Argumentationstiefe kann weiterhelfen - vielleicht, eventuell, möglicherweise. Sofern die herrschenden und regierenden Machtqliquen in Konzernen und Politseilschaften nicht schon den allerletzten Verstandesrest verloren haben. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Reaktion:

Vielen Dank für den Hinweis. Ich übernehme grundsätzlich nur Artikel, die mir vom Autor angeboten werden und Flassbeck wird das mit Sicherheit nicht tun.

Im übrigen liegt sein Artikel zwar auf der von mir immer wieder vertretenen Linie, so daß meine Webseite von Flassbeck keine Nachhilfe braucht, jedoch übersieht Flassbeck in seiner unkritischen Haltung zur Liberalisierung der Warenmärkte und zum ungestörten Lohndumping (siehe seine Position gegen eine Sozialklausel in der Welthandelsorganisation) wieder einmal den wichtigsten Punkt: Es geht nicht so sehr darum, die Finanzmärkte an die Kandare zu nehmen, als vielmehr die immer ungleichere Entwicklung der Einkommen, die das Spielgeld im Finanzkasino bereitstellt. Diese ungleiche Entwicklung hängt aber engstens mit Lohndumping oder mindestens der Androhung der Arbeitgeber einer Verlagerung in Billigslohnländer zusammen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie ein so intelligenter Zeitbeobachter wie Flassbeck nicht den Zusammenhang zwischen dem Kasino und dem Ursprung des Spielgelds ziehen und anprangern kann.

Es ist immer wieder der gleiche Fehler bei prominenten Geistern der deutschen Linken. In ihrer Analyse greifen sie nicht weit genug, weil sie in einer Art von falschem Internationalismus verfangen sind und die Interessen der in Deutschland Benachteiligten bei ihrer Liebe für China und für den Verzicht auf Mindestschutz gegen unfaire Handelspraktiken vergessen. Mir ist ein in Deutschland wegen unfairer Konkurrenz im Lohn Gedrückter oder gar Arbeitsloser wichtiger als ein Unternehmer in China, der sich mit den Billigstexporten zum Millionär macht. Die Linken in Frankreich sind da schon viel weiter. Warum kann man 1 und 2 nicht zusammenzählen und die Kandare an den richtigen Stellen anbringen, d.h. bei der übertriebenen neoliberalen Öffnung der Waren- wie der Finanzmärkte zugleich?




15.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 323 14-08-07: Die Wirtschaftsentwicklung im Spiegel der heutigen Medien

Es stellen sich Phasen abflauenden Ärgers ein - so mein Nachdenken über gegenwärtige Krisen jeglicher Art meine Gedanken in ureigene neoliberale Spiralen wandern läßt. So passiert es, daß ich zeitweise fester Überzeugung bin, daß die oder jene Krise gar keine sein und erst recht nicht werden kann. Denn wenn gilt, daß die Einen den Neoliberalismus nachgerade militant etablieren und jetzt auch verteidigen, die Anderen sich an die vermeintlichen Erfolgsstorys anlehnen, beide zusammen über bescheidene Minoritäten an Andersdenkenden hinwegfegen, dann muß es erlaubt sein daraus zu schließen, daß, was man gemeinhin und zu früheren, normaleren, Zeiten als Krise betrachtete, gar keine solche ist. Eine derartige Nichtkrise zeichnet sich dadurch aus, daß sie in phantasiebewehrten Rettungsaktionen mündet und dabei bestenfalls Auslöser vermeintlicher Nachbesserungen des eingeschlagenen Weges ist. Denn eine tatsächlich auszulebende Krise, die ja angesichts des hohen Rausches in tiefste Abgründe führte, wäre der Supergau und entwertete auch lieb gewonnenes, zusammengerafftes Neo-Kapital ins Nirwana.

Ein Beispiel: nicht nur aber ganz besonders der amerikanische Konsumrausch basiert einzig auf einer stetig wachsenden Verschuldungsorgie aller Marktteilnehmer wobei gilt, daß automatisiertes Wachstum am Immobilienbestand und dessen Zuwachs vorzugeben ist. Provozierte bzw. ließe man eine breite (Rück-) Zahlungsunfähigkeit zu, entwertete dies ganze Landstriche mit der Folge, daß nichts und niemand davon unberührt bliebe. Mögen einzelne Zwangsversteigerungen noch lustig sein und günstige Erwerbsquellen darstellen, so muß man sich mal globale Immobilien-Massen-Versteigungs-Arien vorstellen, bei denen der eine Teil verkaufen müßte und der andere nicht kaufen wollte, meist aber nicht mal kaufen könnte. Subtrahierten Sie hier bitte noch die hochgradig mangelhaften Qualitäten der Immobilien in Sachen Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit so blieben bescheidene Reste mit denen kein Staat mehr zu machen wäre. Das gilt aber global in Beijing wie Dallas und Moskau wie Sydney.

Deshalb: wir haben gar keine Finanzkrise, bestenfalls eine Schieflage, eine Phase der Korrektur. Die Korrekteure sind die Banken, allesamt global players, denen gar nicht daran gelegen sein kann, das zuzulassen, was sie auszulösen dringend vermeiden wollten. Deshalb können sie sich auch gegenseitig Liquidität zuschmeißen und fangen auf, was sie nicht fallen lassen dürfen aber ja erst Recht nicht fallen lassen wollen; denn das neue und freie System des Ausbeutens des unglücklich inflationären Faktors Arbeit ist dann doch viel zu lukrativ als daß man nicht unter der Bürde, diesem Faktor noch ein Minimum an Kaufkraft zur Sicherung des Überlebens übrig zu lassen, leiden wollte.

Natürlich klappen solche Überlegungen nur, wenn es eine Kongruenz der Ursache und der Verursacher einer solchen Nichtkrise gibt; wo das fehlt, geht es uns and den Kragen. Dieser, mein abflauender Ärger ist dann auch nicht nachhaltig; kann er gar nicht sein weil ja das, was wir gerade erleben, deutlich die ungeheure Leichtfertigkeit demonstriert mit der die herrschenden Lobbies unserer aller Zukunft in Frage stellen. Und erst Recht die unserer Kinder.




13.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 321 13-08-07: Wie die USA unter Bush auf Kosten des Restes der Welt lebten

Natürlich verfolge ich Ihre Kommentare und Gedanken täglich - eigentlich warte ich dabei stündlich mehr auf Ihre Erläuterungen, was die gewählten termini technii angeht.

Einmal sind es „Milliardenspritzen", im nächsten Moment „pumpen die Zentralbanken die Milliarden" ölgleich in die Märkte; mal wird „Liquidität zur Verfügung gestellt", mal gibt es „Tender", in schwierigen Fällen auch mal „Eiltender". Da werden „Verbindlichkeiten in die Bücher genommen", und mit „Cash" nur so `rumgeworfen. Im Rausch der Geldflüße verwechseln die einen Milliarden mit Billionen und den anderen gehen die Nullen aus.

Wie muß man sich das vorstellen? Etwa so wie an dem studentischen Monopolyspieltisch, an dem nachts um halb drei nach acht Stunden saufen und würfeln die Spieler zu fanatischen Monopolisten fusioniert haben, die sich mit gegenseitigen Bierdeckelschuldverschreibungen in virtuellen Hotels besuchen und längst keinen Sinn mehr verfolgen? Oder wie an einem Pokertisch an dem die Teilnehmer wechselweise von zu Hause die Schwarzscheine nachliefern lassen weil ihre Verluste noch mehr aber die Wettbeträge über alle Köpfe wachsen?

Kann ich die Buchungen eines Monopolyspiels und an einem Pokertisch noch nachvollziehen so kann ich das was uns jetzt ganz ungeniert als globale und globalisierte Rettungsaktionen verkauft wird nur staunend zur Kenntnis nehmen. Das führt doch in geradezu gigantische Verschuldungen; wogegen wird denn das Ganze gebucht? Oder bleibt das alles in der Familie? Die Krähen wahren den Schein, buchen Luft, gewillt, die neoliberale Abzocke vor dem Tode zu bewahren? Inflation, Deflation, Stagflation, ?-flation?

Mir fehlt es an Wissen und dazu noch an der Phantasie, um hier sinnige Antworten zu sehen - Sie können das sicher besser.

Reaktion:

Ja, jetzt wird es astronomisch. Allerdings, die Rettungsaktionen der Zentralbanken am Geldmarkt sind nur auf Kredit und verzinst, jedoch in der Hoffnung, dass die aufnehmenden Banken nicht zwischendurch Pleite gehen.



Kommentar

danke, das ist schon klar, auf Kredit und verzinst - aber wovon sollen denn die gigantischen Beträge zurückgeführt werden und welchen Einfluss hat die Verschuldung auf das weltweite Zinsniveau? Sind die Lombardsätze heute nicht mehr an den Diskont gekoppelt und „unter Banken" frei wählbar? Die Aktien der Banken müssten doch noch viel mehr in den Keller rauschen, denn die Risiken übersteigen ja die Ertragserwartungen der Banken bei weitem, wobei letztere mangels innovativer Anlageformen alla Hedgefond deutlich magerer ausfallen werden - es sei denn, man erfinde das System unter anderem Namen und ein bisschen anders strukturiert auf ein Neues. Das wird sicher angesichts der gerade gemachten Erfahrungen ein bisschen länger halten, etwas cleverer ausfallen the show must go on!




12.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 320 12-08-07: Manche können jetzt die Wahrheit nicht vertragen

Mit großem Interesse lese ich Ihre Kommentare zur Zeit und bin bin quasi ständiger Gast auf ihrem Web.

Bitte machen Sie so weiter, denn diese Art von Mediengestaltung, die so ganz anders ist als der Einheitsquark, den man heutzutage 24 Stunden an die Birne geknallt bekommt ist meines Erachtens der Same, aus dem aus unserer degenerierten Gesellschaft wieder etwas vernünftiges entstehen lassen könnte.

Der Zocker, der Ihre Webseiten als Scheiss bezeichnet( übrigends ein sehr "sachlicher" Kommentar ), dem steht vermutlich der Angstschweiss auf der Stirn und wundert sich, warum der globale Zockerirrsinn jetzt doch nach kurzen 6 -7 Jahren des letzten Chrash´s schon wieder abwärts triftet. Und das, obwohl ihm doch die immer währende Kapitalakkumulation versprochen wurde.Tiefste Steinzeit, kann ich da nur sagen.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ja, man darf solche Reaktionen, die ja selten sind, nicht besonders ernst nehmen.




12.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 318 10-08-07: Ein Riesen-Kasino unter den Augen von Finanzmarktaufsichtsbehörden, Notenbanken und Regierungen?

Zitat von Infortal: "Heute dagegen wird eine Korrekturbewegung an den Märkten nötig, weil sich Banken, Hedgefonds und andere Fonds in unverantwortlicher Weise mit minderwertigen Hypotheken vollgesogen haben, und das angezogen von den höheren Zinssätzen für besonders riskante Anlagen, die auch als besonders riskant eingestuft waren."

Wenn es denn so waere, waere alles ok. Dann wuesste man, wer welches Risiko im Portfolio hat und koennte entsprechend reagieren. So ist es aber leider nicht. Es wurden in den letzten Jahren minderwertige Anleihen mit hohem Ausfallrisiko gemischt mit hochwertigen Anleihen mit geringem Ausfallrisiko. Das ganze wurde zu einem Paket geschnuert und von den Ratingagenturen mit A, AA oder gar AAA-Rating versehen. Die Banken und Fonds haben jetzt also Anleihenpakete mit hervorragendem Rating in den Buechern, wissen aber nicht, ob das Rating auch gerechtfertigt ist. Das fehlende Wissen fuehrt dazu, dass niemand mehr solche Anleihenpakete kaufen moechte, aber moeglichst viele verkaufen. Das bringt jetzt reihenweise Fonds und Banken in Bedraengnis, schliesslich haben sie auf der einen Seite konstant hohe Passiva in den Buechern, auf der anderen Seite aber im Preis verfallende Aktiva. Darum ist auch hoechste Vorsicht geboten, wenn jetzt reihenweise deutsche Banken mit der Meldung an die Oeffentlichkeit gehen, ihre Investments im US-Haeusermarkt haetten alle mindestens ein A-Rating. Meiner Meinung nach kann und wird es alle Banken treffen, und sei es nur ueber den Vertrauensverlust ins gesamte Bankensystem.

Den Banken kann man den Vorwurf machen, dass sie die Anleihenpakete haetten durchschauen muessen und koennen, schliesslich ist das ihr Geschaeft. Wenn jemand AAA-Anleihen mit der Rendite von BBB-Anleihen verspricht, muss irgendetwas faul sein.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Mechanik der CDOs (sogenannte besicherte Schuldverschreibungen) mit der Mischung von minderwertigen Hypotheken und anderen hochriskanten Krediten habe ich immer wieder dargestellt. Natürlich wußten die Banken, daß sie riskante Anlagen betrieben. Diese CDOs waren von den Rating-Agenturen auch als besonders riskant und sicher nicht mit AAA eingestuft und enthielten keine „hochwertigen Anlagen", was die Banken wußten, auch wenn die Rating-Einstufungen später noch einmal weiter abgesenkt wurden. Im übrigen haben alle von den Rating-Agenturen als riskant eingestuften CDOs erheblich an Wert verloren, ob mit minderwertigen Hypotheken oder riskanten Unternehmenskrediten besichert.

Und die Banken wissen auch, wie stark sie da drinhängen. Sonst wäre ja auch nicht so viel inzwischen durchgesickert mit Angaben über Wertverluste bis zur Schließung von Fonds. So hat die IKB nach neuen SPIEGEL-Informationen 7,8 Milliarden in den US-Immobilienmarkt gesteckt, die Postbank hat 600 MioEuro und der Wertpapierbestand der WestLB-Gruppe im Subprime-Sektor beläuft sich auf 1,25 Mrd Euro.




11.08.07- Kommentar zu: Der Links-Guru und die Globalisierung

Ich bin interessierter Leser Ihrer Rundbriefe. Zwar bin ich weder Ökonom noch sonst irgend ein studierter Mensch, dennoch möchte ich meine (laienhafte) Meinung zu Ihren Ausführungen im genannten Artikel kritisch hinterfragen.

Sie schreiben: "Der Fehler in dieser polemischen Argumentation liegt in der Unfähigkeit zwischen Entwicklungsländern zu unterscheiden. Längst sind sie keine Einheit mehr. Es gibt arme Länder, vor allem in Afrika, denen wir dringendst helfen sollten und deren Exporte wirklich keine Gefahr für die reichen Industrieländer darstellen. Und dann gibt es einige wenige aggressive Schwellenländern, vor allem in Asien und hier vor allem China, die einen unfairen Verdrängungswettbewerb gegen viel ärmere Entwicklungsländer und gegen die alten Industrieländer betreiben. Es macht nun mal einen Unterschied, ob marktwirtschaftlich organisierte Länder auf gleicher Wettbewerbsbasis miteinander Handel treiben, oder ob mit China ein Land antritt, in dem die kommunistische Partei bestimmt und mit ihrer Manipulation einen fairen internationalen Wettbewerb verhindert. In China sind Streiks verboten, sind die Gewerkschaften Teil des kommunistischen Systems, werden Hunderte von Millionen Wanderarbeitnehmer mit Zustimmung der Regierung ausgebeutet und rechtlos gehalten, wird der Wechselkurs trotz gigantischer Exportüberschüsse durch weitgehende administrative Anbindung an den Dollar nach unten manipuliert, der Export durch viele Maßnahmen des staatlichen Bankensystems subventioniert und eine internationale Umweltdisziplin abgelehnt." "Es macht nun mal einen Unterschied, ob marktwirtschaftlich organisierte Länder auf gleicher Wettbewerbsbasis miteinander Handel treiben, oder ob mit China ein Land antritt, in dem die kommunistische Partei bestimmt und mit ihrer Manipulation einen fairen internationalen Wettbewerb verhindert" .

Ich möchte hier niemanden in Schutz nehmen, deshalb - wie können Sie generell von Fairness in der "freien" Marktwirtschaft sprechen? Wie können Sie China nun, da China nun selbst das eigene Volk ausbeutet, einen unfairen Verdrängungswettbewerb "vorwerfen", wenn doch jahrzehnte lang zuvor die führenden Industrienationen, inkl. Deutschland und deren Wirtschaft von den herrschenden Umständen in Entwicklungsländern und Schwellenländern wie China profitierten und noch immer profitieren? Kaum ein Produkt was es nicht als "Made in China" gibt und von westlichen Konzernen und Handel vertrieben wurde und wird. Glauben Sie tatsächlich westliche Neoliberale hätten eine andere Moral wie asiatische Neoliberale?

Ich schätze Ihre kritische Denkweise und Ihr Fachwissen. Gerade deshalb wundert es mich, dass Sie in diesem Zusammenhang von Fairness reden. Egal ob freie Marktwirtschaft, soziale Marktwirtschaft oder nun sogar eine faire Marktwirtschaft - es geht immer nur um monetäre Akkumulation.

Glauben Sie nicht, dass die neoliberale Kaste längst den sozialen Effekt einer (sozialen) Marktwirtschaft wegrationalisiert hätte, wenn sie sich dadurch nicht selbst bzw. ihren Selbstzweck in Gefahr bringen würden? Wir sind doch schon auf dem Weg die sozialen Sicherheiten auf das Minimum runter zu schauben ... ein großes Experiment, in dem wir uns befinden. Es wird vom Staat im Innern sicherheitstechnisch aufgerüstet, wohl wissend, dass das Austesten der maximalen Schmerzgrenze eine gewisse Gefahr in sich birgt. Denn das Gleichgewicht muss natürlich erhalten bleiben. Wird der Druck von der einen Seite erhöht (Prekarisierung) muss die andere Seite (innere Sicherheit) mitziehen. Dies wird so lange fortgesetzt bis der Kessel kurz vor dem Zerbersten steht.

Reaktion:

Darüber, was Fairness ist, läßt sich natürlich streiten. Ich meine hier nicht die moralische Kategorie, die Sie wohl hinter diesem Wort vermuten, sondern die ganz praktische politische. Die internationale Handelsordnung geht davon aus, daß Länder auf gleicher Ebene miteinander konkurrieren und keine unfairen Instrumente, wie Dumping oder Exportsubventionen, einsetzen. Dagegen kann man sich mit den von der Welthandelsorganisation erlaubten Mitteln, wie Antidumpingzöllen oder Streitschlichtungsverfahren, durchaus wehren. Sind Sie denn der Meinung, daß man sich solche unfairen Handelspraktiken gefallen lassen soll, auch wenn dabei die eigene Wirtschafts- und Sozialordnung schaden nimmt? Das gilt besonders bei China, und das unterscheidet das Land nun mal von allen anderen Entwicklungsländern ist, daß hier ein kommunistisch regiertes Land mit 1,5 Milliarden Menschen antritt, das Löhne (bei Streikverbot) manipuliert, ebenso den Wechselkurs und den Aussenhandel. Man kann daher China nun mal nicht mit irgendeinem armen Entwicklungsland gleichsetzen.

Im moralischen Sinne haben unsere Neoliberalen natürlich keine wesentlich andere Denkweise wie die asiatischen, die ja von den unseren gelernt haben. An der Ausbeutung in China verdienen die großen westlichen Multis und Handelshäuser noch mehr als ihre chinesischen Partner. Was da am Ende als angebliches Schnäppchen an den deutschen Verbraucher weitergereicht wird, hat für diese Unternehmen immer noch eine gewaltige Handelsspanne gemessen an dem, was sie in China bezahlen. Aber normale Menschen, in Deutschland und anderen alten Industrieländern, deren Löhne mit der Drohung der Verlagerung gedrückt werden oder deren Arbeitgeber wegen der Billigstkonkurrenz schließen müssen, gehören weder in die Kategorie der westlichen oder der chinesischen Neoliberalen, sondern sind am Ende auch Verlierer der neoliberalen Globalisierung.

Immer wieder vertrete auch ich die Ansicht, daß nicht mehr viel "Soziales" in unserer Marktwirtschaft übrig ist. Aber was noch da ist, muß verteidigt werden. Und eine Marktwirtschaft, in der der Wettbewerb in den meisten Bereichen die schlimmsten Auswüchse verhindert, ist es immer noch. Noch haben wir in Deutschland - im Unterschied zu China - unabhängige Gewerkschaften. Auch kann man noch streiken, auch wenn man sich über eine kürzliche Gerichtsentscheidung in Nürnberg nur wundern kann. Das lohnt sich immer noch zu verteidigen. Und man kann immer noch unter vielen Parteien wählen, auch das anders als in China. Ich bin da nicht ganz so pessimistisch wie Sie.




08.08.07- Kommentar von Karl Mai zu: Neue Bundesländer

Mit zunehmender Ernüchterung beim Ost-West-Angleichungsprozess im BIP je Einwohner, die von Skepsis geprägt ist, gewinnen die längerfristigen professionellen Entwicklungsprojektionen hierfür politisches Interesse. Die Ostdeutschlandforschung wissenschaftlicher Institute hat in letzter Zeit neue Ergebnisse zu wichtigen Argumenten für oder gegen die Angleichungshypothese vorgelegt. Hier erfolgt eine Bezugnahme auf aktuelle Studien des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Instituts für Wirtschaftsforschung Dresden (ifo-Dresden), der Technischen Universität Dresden (TU-Dresden, Prof. Seitz) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Schwerpunkte bilden die demografischen, arbeitsmarkt- und produktivitätsseitigen Faktoren als Projektionen in die Zukunft der NBL. Deren haushaltsseitige Implikationen sind in analogen langzeitigen Projektionen erkennbar. Dazu in pdf-Fassung beigefügt ein knapper Überblick.




07.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 309 07-08-07: Wirtschaftsforschung gegen die Arbeitnehmer

hier haben Sie einen sehr scharfen, sehr zutreffenden Kommentar zu Prof. Sinn geliefert. Sinn wurde bekanntlich als hochbewerteter Forscher auf internationalen Spitzenrang gehoben, gerade weil seine oft engsichtige Logik und hintersinnige Argumentation die Kapitalinteressen befördert.

Mir scheint jedoch, Deutschland hat durchaus Besseres zu bieten ...




01.08.07- Kommentar zu: global news 790 01-08-07: Arbeitslosigkeitsstatistik im Juli: Ergebnis einer Echtheitsprüfung

Eine Frage zur "Echtheitsprüfung": Warum meinen Sie, dass man den Anstieg der soz-.-versichpfl. Beschäftigten mit Nebenjob mit dem Rückgang der Arbeitslosenzahl verrechnen kann? Ich vermute, dass diese Zahl doch nur aussagt, dass es mehr solcher Leute mit zwei Jobs gibt, die also auf die Arbeitslosenzahl gar keinen Einfluss haben. Oder wie ist das gemeint?

Reaktion:

Wer einen richtigen vollwertigen und normal bezahlten Job hat, wird in der Regel daneben nicht einen weiteren suchen. Wer aber nur einen schlecht bezahlten, wenn auch versicherungspflichtigen hat, ist auf einen Nebenjob bitter angewiesen. Deswegen halte ich die Entwicklung von 205.000 mehr solcher Nebenjobs nicht für ein gutes Zeichen vom Arbeitsmarkt und der angeblichen positiven Entwicklung versicherungspflichtiger Arbeit. Aber darueber kann man natürlich streiten. Die Entwicklung der Arbeitseinkommen zeigt im übrigen auch, wie trotz einiger Tarifabschlüsse Arbeit in Deutschland real immer billiger wird. Keine gute Entwicklung, auch wenn Sie den Einzelhandelsumsatz verfolgen. Wenn die Konjunktur in USA, dem zweitwichtigsten deutschen Exportmarkt, und anderswo wegbrechen oder der Dollar in den Keller gehen sollte, wird in Deutschland eine kompensierende Binnenkonjunktur - anders als in allen anderen Vergleichsländern - bitter fehlen.




01.08.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 297 01-08-07: Saufen uns die Chinesen jetzt auch noch die Milch weg?

Ihre Analysen verfolge ich beinahe täglich, seit ich bemerkt habe, daß viele Zeitungsmeldungen zur Wirtschaft sonst kaum angemessen beurteilt werden können. Zu Ihren jüngsten "Gedanken zur Zeit" (297) bewegt mich die Frage, was hier wirklich vorgeht. Hat der chinesische Premier tatsächlich gesagt, was BILD behauptet? Wenn ja, wie ist das zu vereinbaren mit der in China offenbar weit verbreiteten Laktoseintoleranz. Wissen Sie dazu etwas Genaueres?

Reaktion:

Die Laktoseintoleranz scheint die Chinesen nicht vom Milchtrinken abzuhalten, schon gar nicht kleinere Kinder. Bekannt wurde das chinesische Problem mit vergiftetem Milchpulver. Milch kann im übrigen in vielen Produkten verarbeitet werden. Der britische Economist, eine seriöse Wirtschaftszeitschrift, berichtete am 29. März dieses Jahres über Fehlplanungen in der chinesischen Milchproduktion. Städtische Chinesen entwickeln ein wachsendes Interesse an Milchprodukten: Milchgetränke, Speiseeis, und sogar neuerdings Käse. Das BILD-Zitat des chinesischen Premierministers soll echt sein. Beim Besuch einer Milchfarm im vergangenen Jahr erklärte er tatsächlich, sein Traum sei, daß alle Chinesen einen halben Liter Milch pro Tag trinken, besonders Schuldkinder. China meldet einen Anstieg der eigenen Milchproduktion von 8 Mio Tonnen im Jahr 2000 auf 28 Millionen in 2005. Die Ausgaben der städtischen Bevölkerung für Milchprodukte verdoppelten sich im gleichen Zeitraum.




29.07.07- Kommentar zu: global news 783 17-06-07: Für die Wohlstandmobilität wächst weltweit der Hunger der Armen

In den global news 783 fehlen leider die Grafiken. Da sie auf dem Server vorhanden sind, gehe ich von falscher Verlinkung aus.

Darueber hinaus kann man die steigenden Nahrungsmittelpreise auch als Chance fuer aermere Laender ansehen. Waren die Weltmarktpreise fuer Nahrungsmittel bislang so gering und das Angebot so hoch, dass die Bauern massenweise aufgeben mussten, koennte es sich jetzt langsam wieder lohnen, Landwirtschaft zu betreiben. Wenn die Landwirtschaft nachhaltig betrieben wird, bietet sie auch einen Schutz vor Bodenerosion und -degradation und damit der Lebensgrundlage aller Menschen. Zum Schutz der heimischen Bevoelkerung muessten die Laender nur Exportbeschraenkungen fuer Biomasse einfuehren. Importbeschraenkungen sind gar nicht noetig, weil die Weltmarktpreise hoeher waeren als die Preise im exportbeschraenkten Land. Russland beschraenkt schon jetzt den Export wichtiger Metalle. Die Metalle duerfen nur an eine staatliche Agentur verkauft werden, die sich dann um den Export kuemmert, zudem muessen die Unternehmen noch Exportlizenzen beantragen. Und China hat kuerzlich die Exportzoelle fuer einige Rohstoffe erhoeht. Was Russland und China koennen, sollten auch andere Staaten koennen.

Die folgenden Absaetze haben wenig mit Globalisierung zu tun, aber Sie sprachen den Punkt in Meldung 783 an: "Die entwickelten Industrieländer wollen ihre Mobilität und Liebe zum Auto in keiner Weise einschränken, auch nicht auf deutschen Autobahnen und mit großhubräumigen Karossen." Der Satz impliziert, dass grosse Hubraeume bei Autos das eigentliche Problem sind. Wenn man sich auf diese Argumentationsschiene begibt, duerfte es schwer fallen zu erklaeren, weshalb ein aus 1,4l schoepfender 170PS-Motor genau die selben Probleme verursacht wie das 4,8l Modell gleicher Leistung. Problematisch ist nicht der Hubraum, sondern die Motorleistung. Zwar verbrauchen kleinere Motoren etwas weniger Sprit, aber

a) fuer 170PS muss man in jedem Fall eine bestimmte Menge Kraftstoff aufwenden, denn ein Motor kann nicht mehr Leistung erzeugen, als im verbrannten Kraftstoff enthalten ist. Ob diese Leistung nun mit 1,4l Hubraum oder 2,8l erzeugt wird, ist praktisch egal

b) die kleineren Motoren erzeugen ihre Leistung nur deshalb, weil sie mit Turbos und Kompressoren aufgeladen werden oder mit sehr hoher Drehzahl betrieben werden koennen

c) Autos mit starker Motorleistung verleiten viele Fahrer auch zu spritverschwendender Fahrweise

d) hohe Motorleistung wird erschwinglicher (denn beim Kauf sind die hubraumkleineren Motoren guenstiger) und setzt sich auch in der Mittelklasse durch.

Insbesondere der Punkt b wird fast nirgends beachtet. Zusaetzliche Turbos/Kompressoren erhoehen die Komplexitaet des Autos immens. Turbos sind Hightechprodukte, die unter vermutlich immensen Energieaufwand produziert werden (gewoehnliche Staehle duerften bei 900°C Betriebstemperatur und 200.000 Umdrehungen/min nicht lange halten). Die meisten Fahrer wissen nicht, wie sie einen Turbomotor pflegen muessen, die Lebensdauer wird also reduziert. Leider sind mir keine Oekobilanzen fuer hochdrehende/aufgeladene Hubraumzwerge bekannt. Es spricht meiner Meinung nach aber viel dafuer, dass der Ressourcenaufwand waehrend der Herstellung und die reduzierte Lebenserwartung schwerer wiegen als der etwas reduzierte Spritverbrauch waehrend der Nutzungsphase. Wir werden leider erst in einigen Jahren feststellen, ob die vor allem von VW in den Markt gedrueckten hochaufgeladenen Motoren beim gewoehnlichen Endkunden genauso lange halten wie die unkomplizierten Saugmotoren.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Verlinkung der Schaubilder ist jetzt korrigiert. Zu Ihren sachlichen Hinweisen hier eine kurze Reaktion. Ich habe ja auf Vor- und Nachteile für die Bauern in den armen Ländern durchaus hingewiesen: „Während die Landwirtschaftsproduzenten für Biotreibstoffe profitieren, werden die Bauern leiden, die Futtergetreide für die Viehzucht brauchen." Bei denen, die nicht Biotreibstoffe anbauen, erhöhen sich die Kosten deutlich. Ob sie auch von steigenden Preisen für Nahrungsmittel profitieren hängt dann davon ab, ob sich in den armen Ländern die Bevölkerung die höheren Preise leisten kann, was oft nicht der Fall sein wird.

Da ich kein Fachmann für Motoren bin, kann ich mich nur darauf beziehen, daß die Flotten der deutschen PKW-Hersteller im europäischen Vergleich durchschnittlich die höchsten Emissionswerte haben. Im einzelnen Modell kann das natürlich unterschiedlich sein.




26.07.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 285 25-07-07: Euro: Quo vadis?

von der deutschen Politik (v.a. in Gestalt von Bundesfinanzminister Steinbrück) wird der Euro-Anstieg als unproblematisch für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit hingestellt (sofern der Anstieg nur nicht zu sprunghaft erfolge).

Diese Haltung ist mehr als verwunderlich:

- zum einen verursacht der starke Euro, der ja auch durch die hohen deutschen Exportüberschüsse mit verursacht ist, in den europäischen Partnerländern enorme Probleme. Deutschland zwingt die Bevölkerung dieser Länder in das Prokrustes-Bett der Reallohneinbußen, ganz so, wie es Deutschland zum Schaden seiner Binnenkonjunktur und zum Schaden des sozialen Ausgleichs in den vergangenen Jahren vorgemacht hat. Und die deutsche Politik sollte sich nicht täuschen: die hierdurch verursachten Probleme in unseren Euro-Nachbarländern werden über kurz oder lang auch auf Deutschland zurückschlagen.

- zum anderen erwecken unsere politisch Verantwortlichen sowie die Lobbyisten der Wirtschaftsverbände den Eindruck, als ob die Senkung der Personalnebenkosten um wenige zehntel Prozentpunkte über das Wohl und Wehe der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft entscheiden würden. Und auch die CDU scheint den Rüttgers-Vorstoß zur längeren Zahlung von Arbeitslosengeld für Arbeitslose mit sehr langen Beitragsjahren zu Gunsten der "Wettbewerbsfähigkeit" der deutschen Wirtschaft geopfert zu haben. Bleibt die Frage, ob dieser Vorstoß jemals ernst gemeint war. Es ist schon verwunderlich, wieso die Euroaufwertung um viele Prozentpunkte angeblich unschädlich für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit sein soll, eine unterlassene Beitragssenkung (z.B. zum Wohle älterer Arbeitsloser mit langen Beitragsjahren) um wenige zehntel Prozentpunkte aber angeblich für das Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft entscheidend sein soll.

Bleibt noch die beunruhigende Frage: Wo sind jene Medien abgeblieben, die der Politik und den Wirtschaftslobbyisten kritisch auf die Finger schauen?

25.07.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 282 24-07-07: Globalisierung: Mentale Blockade in Deutschland?

Sie hatten gestern gefragt, wieso die neoliberale Globalisierung in Deutschland vergleichsweise besser angesehen ist als in vergleichbaren Ländern. Nach meiner Einschätzung sind die Deutschen tatsächlich nicht blöder als andere Landsleute (zumindest noch nicht, aber durch die diversen Bildungsreformen ist auch das nur noch eine Frage der Zeit, wenngleich es allerdings zum englischen Bildungsniveau immer noch ein weiter Absturz ist, aber diese Stichelei nur nebenbei), sondern es hat relativ praktische Hintergründe, die in diesem Fall in der Nazizeit zu suchen sind. Es geht dabei um die in Deutschland unterbrochene Tradition "alternativer" wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute. Während in allen Vergleichsländern die politisch erfolgreichen "linken" Wirtschaftsinstitute der 20er-Jahre fortgesetzt werden konnten, wurden diese in Deutschland rücksichts- uns ausnahmslos geschlossen. Während der Nazizeit durften nur die "konventionellen" und konservativen Wirtschaftsinstitute weiterforschen. Nach Kriegsende nun konnten die linken Wirtschaftstheorien nicht mehr auf bestehende Strukturen, akademische Gemeinschaften, ununterbrochene Diskussionen etc. anschließen, sondern sie mussten nahezu vollständig von vorne anfangen. Ganz anders die Situation bei den "rechten" oder "konservativen" Instituten. Sie konnten in der Nazizeit ungestört ihre theoretische Antwort auf die Weltwirtschaftskrise suchen und hatten dann auch nach Kriegsende folgerichtig eine einigermaßen konsistente Antwort bereit, nämlich den Neoliberalismus, der damals noch "Ordoliberalismus" hieß. Dieser konnte sich zwar in der historischen Situation insb. ab den 50er-Jahren nicht mehr vollständig durchsetzen (Beispiele für Niederlagen wären etwa der EGKS-Vertrag 1952 oder die Retnenreform 1957, und, da waren die damaligen Neoliberalen ganz zerknirscht, die fehlende Verankerung neoliberaler Prinzipien als Verfassungsnorm, was allerdings mit den EU-Verträgen ab 1987 mehr als "geheilt" wurde), aber die Grundlagen der Nachkriegswirtschaft wurde maßgeblich im Zeitraum 1945-1948 von ihnen gelegt. Literaturempfehlung hierzu: Ralf Ptak: "Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft - Stationen des Neoliberalismus in Deutschland", sowie "Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus - Band 18: Europäische Integration - Deutsche Hegemonialpolitik gegenüber Westeuropa 1920-1960" (man beachte den Zeitraum).

Diese fehlende historische Kontinuität nicht-neoliberaler Wirtschaftswissenschaft - verstärkt noch durch die deutsche Ausnahmesituation einer fehlenden Partei links von der Sozialdemokratie ist es m. E., welche die im Vergleich zu anderen Ländern deutliche und auffällige Schlagseite im deutschen Meinungsbild verursacht. Pikanterweise wurden die deutschen Kommunisten 1957 von genau jenen Richtern verboten, die sie 20 Jahre zuvor noch in Konzentrationslager verschleppen oder gleich umbringen ließen. So ist denn auch die heutige Schlagseite im deutschen Meinungsbild eine mittelbare Folge der Nazizeit, und es ist m. E. immer noch ungewiss, ob deren Herrschaftskonzept der Elitenherrschaft (Herrschaft durch und im im Interesse von Eliten als Gegensatz zur Demokratie als Herrschaft durch und für das Volk) sowie deren Konkurrenz- und Ausleseideologie nicht vielleicht doch noch den Sieg davon tragen und uns während der auf uns zurasenden ökosozialen Turbulenzen aus Peak-Oil-Effekt und Klimawandel in ein Zeitalter des Neofeudalismus schleudern wird.

Reaktion:

Vielen Dank für diese mir nicht so bewußte Analyse, die vieles erklären hilft.

Ich frage mich dennoch, ob nicht viel mehr Umstände dazu kommen müssen, um eine solche Volksverdummung zu erzeugen. Denn normale Menschen, die sich hier in Umfragen äußern, sind ja relativ weit von der Wissenschaft entfernt und sollten imstande sein, auf der Basis ihrer Lebensumstände ein eigenes Urteil zu gewinnen. Ich komme dabei immer wieder auf den Punkt, daß die Exportweltmeisterschaft falsch verdaut ist. So etwas, wie Vaterlandsgefühls-Ersatz vor dem Hintergrund der traurigen jüngeren deutschen Geschichte, die keinen normalen Patriotismus aufkommen läßt. Dabei hat die Exportindustrie einen Rieseneinfluß auf Medien und Politik.

Außerdem ist für mich der Neoliberalismus als Weltreligion noch nicht so alt, sondern in dieser Stärke erst seit dem Fall der Mauer und dem Untergang einer alternativen (wenn auch erfolglosen) Wirtschafts- und Gesellschaftsphilosophie unterwegs. Alle die unseligen neueren Tendenzen der starken Spreizung der Einkommen, der irrsinnigen Exportüberschüsse, des Abbaues des sozialen Netzes bei hoher Arbeitslosigkeit, der deutschen Reformitis, des Untergangs der SPD als alternativer Kraft usw. sind erst seitdem zu beobachten.

Kommentar

heutzutage ist "Ideologie" immer "durch Medien vermittelte" Ideologie. Die Vorherrschaft neoliberaler Gesellschaftskonzepte ist ohne die weitreichende Einbindung der Medieneliten nicht zu erklären. Und diese sind mangels eigener Expertise abhängig von dem, was "Fachleute" ihnen erzählen: wem sonst sollten sie glauben. Davon abgesehen ist deren Einseitigkeit ganz einfach auch durch ökonomische Zwänge zu erklären: wem einaml ein Werbekunde aufgrund eines ungünstigen Artikels abspringt, der wird das nächste mal eben positiver über private Rente und negativer über staatliche Rentensysteme berichten. Und jetzt schauen Sie sich mal an, wie denn "Meinungsbildung" in Deutschland (oder anderswo in Europa) stattfindet. Die Menschen kommen ja nicht von sich aus auf die Idee, dass ausgerechnet eine Lockerung des Kündigungsschutzes "mehr Arbeitsplätze schaffen" würde, sondern sie haben solche bizarren Schnapsideen aus Massenmedien und plappern das halt nach. Jeden Tag zigtausendmal beobachtet.

Die "Exportweltmeisterschaft" ist eigentlich ein ganz alter Hut: Schon im Zeitalter von Absolutismus und Feudalsimsus versuchten die Potentaten, über Außenhandelsüberschüsse ihre Kriege und Lustschlösser zu finanzieren und pressten dazu ihre eigenen Untertanen aus, um damit an Devisen heranzukommen. Schon damals wurde auf die "nationale Karte" gesetzt, damit die Menschen bereit sind, diesen Unfug mitzumachen, das hat sich bis heute nicht geändert. Ganz extrem wird dies übrigens in nächster Zeit in China werden, und ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass die chinesischen Herrschafteliten ebenfalls die "nationale Karte" spielen werden, um innere Spannungen nach außen abzuleiten.

Der "Neoliberalismus" heißt noch nicht solange so, da haben Sie recht. Aber als "Weltreligion" ist diese Konstruktion erheblich älter, sie hatte allerdings früher andere Namen: "Sozialdarwinismus", "Survival of the fittest", Auslese- oder Konkurrenzprinzip usw. usf. Im Kern geht es dabei immer um folgende Argumentation: Fortschritt (biologisch wirtschaftlich oder gesellschaftlich) findet immer und ausnahmslos über Konkurrenz statt, bei der der "Schwächere" verdrängt und letztlich ausgelöscht wird. Deshalb ist die Welt so wie sie ist die Beste, denn sie hat sich über Wegkonkurrieren des Schwächeren gebildet, und deshalb darf in diesen Ausleseprozess nicht eingegriffen werden, weil ja sonst nichtoptimale Ergebnisse entstehen. Dahinter verbirgt sich eine Konzeption des Menschen als primär konkurrierendes Wesen. Beide Annahmen sind wissenschaftlich vollkommen haltlos, aber seit 1859 in Deutschland (und in anderen Ländern) - auch interessengeleitet - Mainstream in der öffentlichen Diskussion. Hin und wieder, wenn die diese Konstruktion ganz offensichtlich vollkommen versagt, etwa nach der Weltwirtschaftskrise oder nach dem Nationalsozialismus, sind die Gegner dieser Unfugs im Vorteil, aber die Vertreter des Konkurrenzprinzips lauern immer auf eine Schwäche. Diese Situation war 1989 gegeben, und sie wurde in Deutschland aufgrund der historischen Sondersituation wie in kaum einem anderen Land Europas skrupellos ausgenutzt, ganz vorneweg übrigens unser derzeitiger Bundespräsident als Vollstrecker der deutschen Wirtschafts-, Währungs- und Finanzunion.

Ich behaupte deshalb, dass wir die Folgen eben erst seit 1989 zu sehen bekommen, aber das Geschwür, das die "Immunschwäche" von 1989 opportunistisch ausnutzte, wartete die ganze Zeit lauernd an den betreffenden Schalthebeln. Hier nochmals Literaturtipps: Zum "Konkurrenzprinzip": Joachim Bauer "Prinzip Menschlichkeit - Warum wir von Natur aus kooperieren" Zu den "lauernden Eliten": Arne Heise: "Dreiste Elite".

Reaktion:

Vielen Dank. Ja, ich teile Ihre Analyse, möchte aber trotzdem nochmal auf zwei Aspekte in diesem historischen Kontext zurückkommen. Erstens ist Deutschland stärker autoritär gestrickt (früher hätte man „kaisertreu" und dann „führertreu" gesagt) als Länder mit entweder einer besonderen demokratischen Tradition wie Großbritannien oder einer echten Revolution wie Frankreich. Deutschland hat dagegen viel zu lange unter den Fürsten in den Kleinstaaten gelitten, dann unter dem „eisernen Kanzler" und der Monarchie und schließlich der Führerdiktatur. In Frankreich und Großbritannien hat linkes Denken einen breiten intellektuellen Boden, wie es ihn in Deutschland nie gegeben hat. Auch der NS-Staat fiel nicht vom Himmer. Die Saat war längst vor dem Versailler Vertrag in der deutschen Kultur ausgesäht, bis hin zum Wagner-Wahn. Hitler konnte auch in den noch demokratischen Wahlen gewinnen und fand dann unter deutschen Intellektuellen an den Unversitäten, Beispiel Heidegger, eine wohlwollende Aufnahme und natürlich erst recht in der ihn finanzierenden Großindustrie.

Zweitens, wurden in Deutschland die Neoliberalen und ihre Vorläufer verschiedenen Namens durch die Angst vor dem Sozialismus/Kommunismus seit jeher in Grenzen gehalten, siehe Sozialgesetzgebung unter Bismarck oder die Entwicklung der Bonner Republik. Das und der verlorene Zweite Weltkrieg haben den oben angesprochenen besonderen deutschen „Schwächen" relativ enge Grenzen gesetzt. Seit dem Fall der Mauer gibt es solche Grenzen nicht mehr. Ich glaube daher, vielleicht anders als Sie, daß 1989 ein echter Einschnitt ist und nicht nur einer in der Wahrnehmung war. Erst seitdem ist der Neoliberalismus meiner Ansicht nach eine echte und unbestrittene Weltreligion, bis hin zu Rot-China.




19.07.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 274 19-07-07: Informationsportal in den „Giftschrank"?

Leider sind die genannten Weisheiten nachrangig zu dieser: „Die Sieger schreiben die Geschichte !"

Reaktion:

Nicht alle Menschen werden sich von den „Siegern" ewig belügen lassen. Z.B. haben sie sich in Deutschland bisher nicht überzeugen lassen, daß man wieder sorglos Geld ausgeben kann. Und, falls der Crash kommt, wird es wenig Sieger geben.

Kommentar

beim Lesen des Kurzartikels „Informationsportal in den Giftschrank?" fiel mir folgendes spontan ein: Ratschlag eines Psychotherapeuten an seinen Klienten, der an der Glaubwürdigkeit der offiziellen Arbeitslosenstatistik verzweifelt und ihn um Rat aufsucht: Nach der offiziellen Heilkunde kann ich ihnen zwar auch nicht weiter helfen. Allerdings empfehle ich ihnen: Meiden Sie auf keinen Fall das Informationsportal von Joachim Jahnke, dort finden sie genau das, was zwar vom Mainstream abweicht, ihnen aber „Heilung" versprechen könnte, wenn sie das Portal nur öfter besuchen und sich Zeit nehmen, die aufbereiteten Informationen dort nach einem individuellen Therapieplan erstellen und ausarbeiten. Lassen Sie uns noch heute damit anfangen.

Reaktion:

Vielen Dank für den gut formulierten Rat des Medizinmannes. Ich werde bei der Wahrheit bleiben, so wie ich sie verstehe.

Kommentar

Finde das ist ein Beweis für Ihre sehr gute Arbeit ! Ich denke Sie geben mir recht: Mann läuft Gefahr als „Schwarzseher" hingestellt zu werden, so wie Sie, der nur die realen Fakten auf den Tisch legt. Für meine Person denke ich, ich lebe in der Realität und diese sieht anders aus als in den Medien und Politikersprache.

Für viele Menschen ist es z.B. nicht nachvollziehbar, warum jetzt auf einmal ca. 3 Millarden in den Sozialversicherungskassen fehlen, wenn im Frühjahr noch ein Überschuss da war und mit weniger AL somit mehr Menschen in das System einbezahlen. Oder warum Sprudeln die Steuern, naja lassen wir das. Aber mit Sicherheit findet der Mensch der dieses alles hinterfragt bei Ihnen Antworten, auch wenn es dann weht tut.

Reaktion:

.. Ich sehe nur teilweise „schwarz", bin aber grundsätzlich optimistisch, daß die Menschen sich nicht so einfach für „dumm" verkaufen lassen. Und wenn die Wähler einer Partei, wie der SPD, oder einer ganzen Regierung davon laufen, werden sie ihren Kurs wechseln.

Kommentar

.. ich lese ihre Seite immer wieder gerne als kritische, unabhängige Informations-Quelle. In letzter Zeit fühle ich mich immer stärker an die DDR erinnert, die auch Jubelmeldung über Jubelmeldung verlautbaren lies, bis es zu spät war und kritische Gedanken gab es da nur unter der Hand, nicht in der offiziellen Geschichtsschreibung.

Wenn dann noch rosa Zukunft im Fernsehn davon spricht, das es in Fragen der Sicherheit keine Denkverbote geben darf und Schäuble quasi einen Persilschein auf alles austellt, dann kommts mir hoch! Das U-Boot Steinmeier redet vom dritten Wirtschaftswunder etc. und ich weis endlich wie Galle schmeckt.

Ich hoffe Sie bleiben am Ball!

P.S. Meine Definition (aus dem 3d-Center-Forum) von diesem Aufschwunggelaber derzeit: "Ja wir haben eine Aufschwung, das ist der Aufschwung derjenigen, die auf dem richtigen Ende der Wippe zur Minderheit gehören, die vom Abstieg der Mehrheit auf dem anderen Ende der Wippe in den Himmel gehoben werden - im Prinzip sehen diese einen Aufschwung für sich, weil deren Ende der Wippe sich derzeit noch schneller hebt, als die gesamte Wippe sinkt, das wird sich in Zukunft zeigen, wie lange das noch gut geht..."




16.07.07- Kommentar zur Webseite

Andererseits stellt sich mir beim lesen ihrer Website hin und wieder die Frage: "Und wo bleibt das Positive?!" :-D z.b: Lohnerhöhungen bei 4%, bipwachstum 06,07,bei 2,6%,sinkende arbeitslosenquote,sprudelnte Staatseinnahmen...

Reaktion:

eine kurze Reaktion auf das von Ihnen vermißte Positive. Soll ich wirklich meine Zeit vergeuden, das, was die Normalmedien ohnehin schon im Überfluß tun, auch noch zu kopieren? Sie selbst lesen ja auch die anderen Medien und können sich dann eine Meinung bilden, von der ich Sie gar nicht abbringen möchte.

Die Lohnerhöhungen um 4 % gelten nur für einige Tarifverträge und müssen netto nach Inflation und Steuer gesehen werden. Ein sehr großer Teil der Unternehmen läuft in Deutschland außerhalb von Tarifverträgen oder arbeitet mit Zeitverträgen, für die die Abschlüsse nicht gelten. Wir werden ja in wenigen Tagen bei der Veröffentlichung der Ergebnisse des 2. Quartals sehen, um wieviel sich nicht nur die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen, sondern auch die aus Arbeit verbessert haben. Im 1. Quartal war bei den Arbeitseinkommen noch nicht viel Dynamik angekommen. Das BIP-Wachstum für das erste 1. Quartal lag bei einer Jahresrate von 2 % und damit schon unter dem von 2006; das DIW hat jetzt eine erste Abschätzung für das 2. Quartal mit nur noch einer Jahresrate von 1,6 % vorgelegt. Das ist alles gar nicht so positiv, zumal Deutschland am Tropf der Weltkonjunktur hängt. Zu den Arbeitsmarktzahlen habe ich mich immer wieder anlalytisch geäussert und will das hier nicht wiederholen. Sprudelnde Staatseinnahmen bedeuten wenig, so lange sie nicht wenigstens teilweise für Bildung und andere wichtige Interessen ausgegeben werden.




16.07.07- Kommentar zu: Renten

Zitat von der Webseite: "Erstens sind die hohen Belastungen aus dem Fehlen eines adäquaten Beitragsaufkommens in den Neuen Bundesländern bei der Wiedervereinigung im Rahmen der Finanzierung der deutschen Einheit auf das im Altbundesgebiet vorhandene System übertragen worden, statt sie direkt aus dem Staatshaushalt zu finanzieren."

...im Wesentlichen sind Ihre Zusammenstellungen sehr informativ und zeigen die Lügenpropaganda der Regierungen der letzten Jahre auf. Ein Punkt wird jedoch eventuell überzogen dargestellt. Sicher sind die Beiträge zur Rentenversicherung die in Ostdeutschland eingezahlt werden in Bezug auf die Rentner recht niedrig. Jedoch arbeiten und wohnen sehr viele junge Leute aus dem ehemaligen Osten im Westen und zahlen dort in die Rentenkasse ein. Deshalb ist die in den Medien oft vertretene Ansicht, die Ostrentner leben auf Kosten der Westdeutschen wohl doch sehr einseitig.

Reaktion:

Vielen Dank fuer Ihren Hinweis. Ich habe nicht die Meinung vertreten, dass die Ostrentner auf Kosten der Westdeutschen lebten. Aber bei hoher Arbeitslosigkeit und viel niedrigeren Durchschnittsloehnen geht natuerlich weniger in die Rentenkasse ein, auch wenn ihre Bemerkung ueber die jungen Leute, die in den Westen umgesiedelt sind, sicher zutrifft. Allerdings habe ich keine konkreten Zahlen zu dem damit verbundenen Entlastungseffekt fuer die Westrenten gefunden.




16.07.07- Kommentar zu: global news 769 03-06-07: Reichtum und Top-Gehälter: Gleicher Bevölkerungs-Anteil an Superreichen wie in USA

...in den Nachrichten 769 (Reichtum u. Topgehälter) Ihres Rundbriefes 29 bedauern Sie zu Recht den Glauben vieler Menschen, sie könnten als Tellerwäsche anfangen und als Millionär aufsteigen, wenn sie es nur schlau anfangen würden. Zu bedauern ist auch, dass ich im Bekanntenkreis immer wieder die Ansicht höre, die extrem hohen Einkommen weniger Personen, wie die von Herrn Ackermann, seien volkswirtschaftlich bedeutungslos. Es handele sich lediglich um ein Gerechtigkeitsfrage. Sie lassen sich auch nicht durch Zahlen beeindrucken, dass z.B. im Jahre 2001 lt. Veröffentlichung des Stat. Bundesamtes 3% der durch die Einkommensteuer erfassten Personen 19% des Gesamteinkommen erhielten; zählt man noch andere Einkommensgruppen dazu, so erhielten 1/5 der Personen die eine Hälfte des Gesamteinkommens und 4/5 nur die andere Hälfte. Sie sagen in den Nachrichten 778 (Kommt der Crash..?) sehr richtig: „Der wohlhabende Teil der Bevölkerung kann nur einen Teil davon selbst verbrauchen und investiert den wachsenden Überschuss spekulativ auf den internationalen Finanzmärkten..". Dadurch erzielt er noch höhere Geldeinkommen, als er anfänglich hatte. Ein selbstverstärkender Prozess der Ungleichverteilung wird in Gang gesetzt, in der Technik bekannt als extrem instabiler, sich positiv verstärkender Regelkreis. Die Volkswirtschaft fährt notwendigerweise maschinengleich „gegen die Wand". Ein Techniker würde hier nicht die Gerechtigkeitsfrage stellen, sondern versuchen, Dämpfungsglieder einzubauen.

Die Problematik der Verteilungsfrage wird am folgenden Beispiel sichtbar: Im Kreislaufmodell der Wirtschaft, bei dem das Geld in die eine Richtung fließt und entgegengesetzt die Güter und Leistungen, gilt, dass die volkswirtschaftlichen Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind. Das heißt, eine Volkswirtschaft ist dann stabil, wenn die Einzelnen der beteiligten Gruppen das wieder ausgeben, was sie einnehmen.

Da einzelne Gesellschaftsgruppen mehr Geld einnehmen als sie ausgeben können oder wollen, indem sie entweder "sparen" (man sollte besser von „Einkommensüberschuss erzielen" sprechen) oder Gewinne machen (Gewinn als positiver Saldo aus Ausgaben, bzw. Kosten und Einnahmen) wird sich dieser Überschuss als Geldvermögen in den Taschen dieser Gesellschaftsgruppen anhäufen. Wenn dieses Geld nicht wieder ausgegeben wird, sei es als Konsum oder Investition (eine besondere Konsumart), sondern in die Schweiz verschoben wird oder in Spekulationsblasen verschwindet, fehlt es der Volkswirtschaft. Diesem nicht ausgegebenen Überschuss stehen produzierte Güter, bzw. Leistungen gegenüber, die nicht vom Markt geräumt werden. Unternehmen gehen pleite, die Volkswirtschaft schrumpft.

Das folgende Zahlenbeispiel soll diese Aussagen illustrieren : Hier wird die sog. reiche Gruppe, bei der die Einnahmen größer sind als die Ausgaben und die einen Bevölkerungsanteil von 25% umfassen soll, in ihren Einnahmen dem großen Rest der Bevölkerung gegenübergestellt. Die Annahme von 40% Einnahmeanteil dieser Bevölkerungsgruppe am BIP, hier mit 2000 Mrd. ./Jahr angegeben, kommt der bundesrepublikanischen Wirklichkeit recht nahe. Beim großen Teil der Bevölkerung sind im Wesentlichen die Ausgaben so groß wie die Einnahmen. Die Ausgaben des kleinen reichen Teils mögen bei konstant (!) z.B. 720 Mrd. Euro/Jahr liegen, das sind 36% des anfänglichen (!) BIP von 2000 Mrd. . Der Gewinn würde dann anfänglich bei 4% BIP liegen oder 10% des anfänglichen Einkommens, der voraussetzungsgemäß angehäuft wird. Da die Ausgaben immer auch die zukünftigen Einnahmen sind, schrumpft das BIP im folgenden Jahr, in unserem Beispiel um 80 Mrd. (4% von 2000). Das BIP schrumpft unter diesen Voraussetzungen solange, bis die Ausgaben der reichen Gruppe gleich deren Einnahmen sind, d.h. bis in unserem Beispiel 720 Mrd. 40% des dann erreichten BIP ausmachen, also auf 1800 Mrd. . Der Gewinn ist dann natürlich auf null geschrumpft (Marx: tendenzielle Fall der Profitrate = Keynes: Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals).

Das Entscheidende bei diesem Vorgang ist, dass der reiche Teil seine Einnahmen nicht konsumieren kann und Vermögen anhäuft. Diente diese Anhäufung nun dazu, die anfänglich ungleiche Einkommensverteilung zu Lasten des ärmeren Teils weiter zu verschieben, z.B. durch Rationalisierungs-Investitionen oder Kreditvergabe, würde letztlich die Krisendynamik verschärft werden.

Unser Wirtschafts- und Geldsystem kann so nicht krisenfest funktionieren: Eine extrem ungleichmäßige Einkommensverteilung führt zu wirtschaftlichen Störungen. Solche Einkommensverhältnisse entstehen vor allem dann, wenn es in der Gesellschaft Möglichkeiten gibt, durch den bloßen Besitz von knappen, aber für alle notwendigen Gütern leistungsloses Einkommen zu erzielen (gewinnbringendes Vermögen, s. www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/) . In einer modernen arbeitsteiligen Industriegesellschaft sind:

    · Produktionsmittel knappe Güter. - Ihr Besitz führt zu Profiten.
    · Weiterhin ist der Boden ein knappes, nicht vermehrbares Gut. - Sein Besitz führt zur Bodenrente.
    · Aber besonders ist Geld ein solches Gut, denn das Geld ist nicht nur bloßes Tausch- , sondern auch Aufbewahrungsmittel, das durch Hortung (Verschiebung, Spekulation) dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden kann und dadurch knapp wird. Dies ist die Liquiditätspräferenz des Geldes, die dazu führt, dass der Zins nicht unter den Liquiditätswert (erfahrungsgemäß 2%) sinkt. - Der Besitz von Geld führt in unserem Geldsystem zum Zins als leistungsloses Einkommen.

Eine langfristig wirksame und nachhaltige Therapie kann nur in Maßnahmen liegen, die verhindern, dass durch den Besitz von knappen gesellschaftlich nötigen Gütern, im großen Stil leistungsloses Einkommen erzielt wird, z.B. durch den Besitz von Geld, Boden, Produktionsmitteln u.a..). Das kann sein:

    · eine Besteuerung der Kapitalvermögen
    · eine Besteuerung von Kapitalerträgen
    · eine Besteuerung liquider Mittel, durch Einführung einer Rückhaltegebühr (s. H. Creutz: Das Geldsyndrom; u. www.INWO.de)
    · Steuern in der Art der Tobin-Steuer, bzw. Besteuerung von Finanztransfer





15.07.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 264 12-07-07: Arbeiten Sie wirklich bis übermorgen nur für den Staat und erst dann für sich?

..ist in der von Ihnen erstellten Rechnung unter Punkt (b)der reduzierte MwSt-Satz in Höhe von 7% für Lebensmittel/Bücher berücksichtigt? Zudem sind die Mieten mehrwertsteuerfrei.

Ich kann nicht nachvollziehen, wie der Bund der Steuerzahler (ich nenne diesen seit langem "Bund der gutbetuchten Steuerzahler) behaupten kann, außer Belgien weise kein Land eine so hohe Belastung mit Steuern / Sozialabgaben auf wie Deutschland.

Sie weisen zu Recht darauf hin: einer höheren Steuer- und Abgaben- belastung stehen auch höhere Leistungen des Staates an seine Bürger, auch z.B. in Form einer besseren Infrastruktur und höherer Bildungsausgaben, gegenüber. Die immer ungleichere Einkommens- und Vermögensverteilung und damit das zunehmende internationale Spekulationskapital sind eine ernsthafte Bedrohung für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Eine stärkere Abschöpfung dieses Spektulationskapitals durch Steuern und Abgaben ist somit das Gebot unserer Zeit. Dies wären Reformen, die diesen Namen auch verdienen. Denn diese Reformen würden nicht nur zu einer Stabilisierung der Weltwirtschaft beitragen, sie würden auch das Los vieler Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen verbessern.

Mit solchen Themen beschäftigen sich weder die nationalen Parlamente noch die diversen EU- und G8-Gipfel.

Reaktion:

In meiner Überschlagsrechnung kann ich leider nicht unterschiedliche MWSt-Sätze berücksichtigen, da für das MWSt-Aufkommen nur der pauschale Wert angegeben wird. Es sollte aber ausreichen, die unterschiedlichen Verhältnisse zwischen Arbeitnehmern und Beziehern von Einkommen aus Unternehmen und Vermögen aufzuzeigen.

Ich teile Ihre Meinung zur Abschöpfung von Spekulationsgewinnen. Solche Vorschläge sind auch von seriösen Wissenschaftlern ,wie Prof. James Tobin, gemacht worden.




15.07.07- Kommentar zur Webseite

Ich möchte an dieser Stelle mein Lob für Ihre ausgezeichnete Seite aussprechen. Mir ist keine andere Publikation bekannt, die so detailliert und regelmäßig den wahren Kern offizieller Statistiken analysiert.

Wenn ich Ihre Seite weiterempfehle, wird sie entweder als der Toplink zur Thematik bezeichnet, oder völlig ignoriert (schliesslich sind 500 Zeitungen voll des Lobes über den Aufschwung glaubwürdiger als eine Internetseite mit gegenteiliger Aussage).

Es ist schade, dass Ihre Seite vor allem bei Journalisten noch völlig unbekannt zu sein scheint. Schließlich würde es für einen Redakteur zeitlich keinen Unterschied machen, ob er die offizielle Meldung der Regierung/Behörde abschreibt, oder sich an Ihren Analysen orientiert. Ihre Analysen dürften aber sehr viel besser zur Wahrnehmung der Leser passen und der Glaubwürdigkeit einer Zeitung gut tun.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre freundliche Zuschrift. Ich habe mir nie eingebildet, gegen 500 Zeitungen anzukommen. Es reicht mir, einen kleinen Beitrag für eine bessere Aufklärung zu leisten und Menschen, die daran interessiert sind, mit seriösen Argumenten zu versorgen. Dazu gehören auch eine ganze Menge Journalisten, Gewerkschaftler und andere, die Mulitplikatoren sind. Bei den Journalisten habe ich allerdings die Erfahrung machen müssen, daß die meisten innerhalb sehr enger von den Redaktionen vorgegebener Grenzen arbeiten. Doch ehrlich währt immer noch am Längsten. Wir werden ja z.B. sehen, ob der Arbeitsmarkt wirklich im Trocknen ist,wenn - notwendigerweise - der nächste Abschwung kommt. Oder ob mit etwas besseren Tarifabschlüssen schon eine Umkehr im Trend wachsender Ungleichheit erreicht wird. Bisher ist in Deutschland so gut wie nichts geschehen, was eine wirklich Trendwende veranlassen könnte und das meiste am Aufschwung ist aus dem Ausland geborgt.

Natürlich lebt eine solche Webseite vom Weiterempfehlen, wofür ich Ihnen dankbar bin




08.07.07- Kommentar zu: Die deutsche Rentenmisere und wie man sie lösen könnte

Sie schreiben in ihrem neuen, sehr gut aufbereiteten Schwerpunkt- thema: „Im Ergebnis dieser Entwicklungen decken die Einnahmen der Rentenversicherung deren Ausgaben längst nicht mehr (Abbild. 04052)und muß der Staat zunehmend die Differenz ausgleichen, was in Zeiten knapper öffentlicher Kassen zu immer mehr Forderungen nach Leistungsbegrenzung führt."

Leider ist es so, daß der Staat auf dem Wege der „versicherungs- fremden Leistungen" mehr Gelder der Rentenkasse entnimmt als er dieser über den Bundeszuschuß zuführt. Die Bundesregierung veröffentlicht diesen negativen Saldo leider nur sehr unregelmäßig (wahrscheinlich, weil man unangenehmen Fragen bzgl. dieses negativen Saldos aus dem Wege gehen möchte). Peter Bofinger hat in seinem Buch „Wir sind besser als wir glauben" diesen Negativsaldo unter Bezugnahme auf die Zahlen der Bundesregierung mit -19,8 Mrd. Euro beziffert. Ich halte es für sinnvoll, daß Sie in Ihrem Beitrag auf diese Problematik hinweisen, denn in mehreren Fernsehbeiträgen wurde eben dieser Bundeszuschuß erwähnt, um die Forderung nach weiteren Rentenkürzungen zu begründen. Verschwiegen wurden in diesen Fernsehbeiträgen die Versicherungsfremden Leistungen. Das Motto lautete stets: Würden der Rentenkasse über den Bundeszuschuß nicht Milliardenbeträge zugeführt, dann wäre diese bereits heute pleite.

Wäre es möglich, daß Sie in dem Beitrag kurz erläutern, worin der Unterschied in den Abbildungen 0404 bzw. 12551 besteht?

Reaktion:

Vielen Dank für den Vorschlag. Ich werde darauf hinweisen. Allerdings ist angesichts der demographischen Entwicklung mehr erforderlich, als diesen Verschiebebahnhof zu beenden. Vor allem viel mehr versicherungspflichtige Arbeitsplätze, höher Gehaltssteigerungen und ein Steuersystem, das einen Teil des derzeit von den Kapitaleignern einseitig angeeigneten Produktivitätsgewinn zur Altersversorgung heranzieht.

Der Unterschied zwischen den beiden Grafiken ist der empfundene Krankheitsgrad, wie die Legende klarstellen soll.




04.07.07- Kommentar zu: nochmal Nachdenkseiten-Kooperation

... damit sollte das aus Sicht eines kritischen Lesers beider Medien für unzweckmäßig erscheinende "Stehen auf der Kommunikationsbremse" zwischen NDS und Ihren Webseiten aufzulockern versucht werden. Möglicherweise finden es auch andere Leser als sozusagen "neutrale Dritte" ungut, daß die beiden Webportale ihre Aufklärungsarbeit seit einiger Zeit völlig getrennt verrichten, obwohl trotz vorhandener Meinungsverschiedenheiten die inhaltlichen Übereinstimmungen überwiegen sollten und die anzupeilenden Ziele dieselben sein dürften. Für ein höheres Maß an Durchschlagskraft wäre eine gewisse Zusammenarbeit sicher angezeigt.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zeilen. Auf der Kommunikationsbremse steht nur NDS, nachdem wir den Streit zu China hatten und NDS (Motto: „alter Hut") meine globalisierungskritischen Positionen nur eingeschränkt teilt. NDS ist ein Informationsdienst, der - im Unterschied zum Informationsportal - im Wesentlichen auf andere Veröffentlichungen, teilweise mit einem Kommentar, aufmerksam macht (und natürlich auch für die beiden Büchern von Albrecht Müller werben will). Da liegt der Unterschied, weswegen ich, der ich keine Sammlung von veröffentlichten Meinungen betreibe, nicht auf NDS, NDS aber auf das Informationsportal hinweisen kann. NDS haben von mir wiederholt bestätigt bekommen, daß sie weiter linken können, wollen es aber offensichtlich nicht. Die Folge ist, daß meine kritischen Analysen dort keinen Platz mehr finden und NDS z.B. bei den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung oder der Bundesagentur für Arbeit nur noch mit Kurzmeldungen aufwartet, die kaum noch von anderen Medien zu unterscheiden sind. Viele interessierte Besucher von NDS haben aber inzwischen den direkten Weg zum Informationsportal gefunden.

Man muß auch zwischen zwei Webseiten eine offene Diskussion zum Thema Globalisierung führen können. Für mich ist die Aufarbeitung dieses Themas jedenfalls der eigentliche Anlaß der Webseite und hierin liegt ein weiterer Unterschied zwischen den Webseiten. Wer die Globalisierung als „alten Hut" abtut, wie es Albrecht Müller weiterhin für richtig hält, kann m.E. nicht die richtige Analyse betreiben. Offensichtlich ist NDS, wie eigentlich allen deutschen Medien und politischen Kräften (einschließlich die neue „Linke") der Blick noch durch die Exportweltmeisterschaft weitgehend verstellt.

Auch viele andere haben versucht, NDS umzustimmen, sind dort aber abgeblitzt.




04.07.07- Gedanken zur Zeit eines „MitDenkers"

Liebe Kritiker der neoliberalen Reformpolitik und Globalisierung, im Leben - und das politische Leben macht da keine Ausnahme - geht es nicht immer gerecht und vernünftig zu. Wenn man z.B. bedenkt, welche Umdeutungen der Begriff der Reform im politischen Raum in den letzten Jahren hat über sich ergehen lassen müssen, kann man eigentlich nur zu dem Schluß kommen, daß sophistische Wortverdreher am Werk sind, denen es nicht um so etwas wie soziale Gerechtigkeit geht und die vernünftig nur sind, wenn sie die Vernunft als instrumentelle (miß-)brauchen können.

Eine vielleicht ähnliche Erfahrung hat auch ein nicht ganz unbekannter Wuppertaler machen müssen, als dieser mit seiner Kanzlerkandidatur gescheitert ist. Der bibelfeste Sozialdemokrat hatte sich aber auch ein merkwürdiges Wahlkampfmotto zurechtgelegt:"Versöhnen statt spalten". Kein Wunder also, daß er seinem christdemokratischen Gegenkandidaten unterlegen ist, der wesentlich pragmatischer zu Werke ging. Sein Lebensmotto lautet:"Es zählt, was hinten rauskommt". Diesem wenig ambitiösen Slogan hat der Genannnte wenige Jahre später allerdings nicht entsprechen können, als er seinen ostdeutschen Landsleuten "Blühende Landschaften" versprochen hat. Wie die politischen und persönlichen Kontrahenten von einst von der Geschichte einmal im einzelnen beurteilt werden, ist eine andere Frage. Was aber hier und jetzt interessant sein könnte, ist, ob der harmoniebedürftige Wuppertaler, der es später dann noch zum Bundespräsidentenamt gebracht hat, nicht nur menschlich, sondern auch politisch das bessere Konzept hatte; mit dem zwar Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten nicht unter den Teppich gekehrt werden sollten, mit dem aber die vorhandenen Potentiale im eigenen politischen Lager besser genutzt werden könnten. Vielleicht wäre dadurch auch dem gemeinsamen Ziel der sozialen Gerechtigkeit und der wirtschaftspolitischen Vernunft mehr gedient und dem politischen und ideologischen Gegner eher ein Schnippchen zu schlagen.




01.06.07- Kommentar zu global news 768 02-07-07: Deutschland als Exporteur von Spitzentechnologie unter "ferner liefen"

.. ich weiß, dass die Daten Ihre Grundaussage etwas relativieren, da der Außenhandelsanteil Deutschlands insgesamt sehr viel größer ist, als bei allen großen Wettbewerbern, aber wäre es möglich, das Handelssaldo pro Kopf um die Im- und Exporte von FuE-intensiven Gütern pro Kopf zu ergän- zen ? - Außerdem wäre in dieser Statistik ein Vergleich mit Israel nicht uninteressant.

Ich drücke den Zusammenhang eigentlich gerne andersherum aus: "Deutschland ist das einzige Hochlohn-Land, das nicht nur Spitzentechnologie zu wett- bwerbsfähigen Preisen im Land herstellen kann, sondern auch vergleichsweise einfach Produkte." Manche hochoptimierte Fertigungsanlagen lassen sich einfach nicht mehr durch Niedriglöhne zzgl. Transportkosten auskonkurieren und wenn Sie sich Baumarktwinkel aus Osteuropa oder China ansehen, werden sie darunter nur 10% zufällig rechtwinklige finden, keine übereinstimmenden Bohrlöcher und mangelhafte Festigkeit. Halbmanuell ist die oft gewünschte oder gar notwendige Präzision nicht zu erreichen und die Lohnkosten sind bei den oft irrsinnigen Stückzahlen nur Cent-Bruchteile pro Stück.

Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen. Tatsächlich macht uns aber die immer noch relativ breite Produktionsbasis etwas weniger abhängig von unseren Handelspartnern, denn ein größeres Gewicht in der Spitzentechnolgie wird höchstwahrscheinlich auf weitere Spezialisierung hinauslaufen - und die Fokussierung auf ein schmales Spektrum beklagen Sie ja nicht ganz zu unrecht schon beim Automobilbau.

Außerdem haben wir als der globale Maschinenbauer ein Problem, wenn die Anwendung unserer Technologie nur noch in mindestens 5.000 km Entfernung stattfindet.

Interessant wären aber auch hier Sparten-Vergleiche mit anderen Ländern. Bei Finnland wird es sich hinsichtlich FuE-intensiven Gütern vermutlich zu 90% um Mobiltelefone handeln, bei Schweden evt. Automobile und Mobiltelefone, USA, UK, IL und Russland werden einen sehr hohen Anteil Rüstungs- und Sicherheitstechnologie haben, usw.

Reaktion:

Bei meiner Darstellung geht es mir darum, die Qualität des deutschen Exports zu beleuchten. Die Zahlen habe ich von dem offiziellen Bericht der Bundesregierung übernommen, der in dieser Hinsicht ausgesprochen kritisch ausfällt und nicht die Entlastungsargumente bringt, die Sie erwähnen. Derzeit habe ich leider keine Zeit, mir andere Zahlen von den Datenbanken zu holen, zumal das Forschungsministerium bei dieser nicht einfachen Arbeit sehr viel Man-power dahinter hatte (ZEW).

Auch qualifizierte Fertigungsanlagen brauchen Personal und in einem Land, wie China, kann das nun kombiniert werden. Die Anlagen, die westliche Unternehmen für den Export dort einrichten, sind meist genauso modern wie bei uns. Deshalb importiert z.B. China immer noch viele Werkzeugmaschinen. Bei der herkömmlichen Technologie ist Deutschland keineswegs breit, sondern sehr schmalbrüstig, weil bei Weitem der größte Teil im PKW-Export, der nicht high-tech ist, liegt. Der aber wird ins Schleudern kommen, sobald z.B. Fahrzeuge aus China oder Indien in ausreichender Qualität auf die Weltmärkte kommen. Osteueropa führt das ja bereits vor. Vom Export der weniger gefährdeten Luxusmarken wird Deutschland nicht leben können; außerdem wird auch hier mit der Zeit bis auf die Schwellenländer, die wie China am Ende selbst dieses Segment für den Heimatmarkt über eigene Kapazitäten oder westliche Filialen (BMW oder Mercedes China Inc.) fertigen können, Sättigung eintreten.

Bei Finnland und Schweden sind es nicht nur die Mobiltelefone, sondern die ganze Sparte der Kommunikationstechnologie, die hier ins Gewicht fällt. Sie können das aber alles in dem Bericht selbst nachlesen. Die Bundesregierung neigt eigentlich normalerweise zur Schönfärbung. Deshalb ist dieser kritische Bericht umso auffälliger.




02.06.07- Kommentar zu Neoliberale Liga: Deutschland vorn

... auch Ihre Ausarbeitung zum Länderverleich der neoliberalen Ausrichtung zeigt den sehr problematischen Weg auf, den Deutschland nun schon seit geraumer Zeit eingeschlagen hat.

Ich habe zwei Anmerkungen:

    O Zu Abbildung 12119 (Umsatzanteile der Großunternehmen): Bei der Beurteilung der Prozentanteile ist nach meiner Auffassung auch die Größe des Binnenmarktes zu berücksichtigen. Je größer der Binnenmarkt, desto größer die potenziellen Absatzmöglichkeiten der inländischen Großunternehmen. Dies relativiert die Prozent-Differenz zumindest im Vergleich zu den USA. Andererseits ist zu beachten, daß die durch die "Lohnzurück- haltung" verursachte schlechte deutsche Binnenkonjunktur in den vergangenen Jahren auch ihren Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet hat. Es wäre interessant aufzuzeigen, wie sich die Inlands-/Auslandsanteile der aufgezeigten Länder im Zeitablauf entwickelt haben.
    o Zu Abbildung 03603 (Vorproduktimportanteil des Industriesektors in größeren OECD-Ländern): Hier ist aus meiner Sicht auch zu berücksichtigen, wie sich die Handelsbilanz dieser Länder darstellt. Trotz des relativ geringen Vorproduktanteils der USA weisen diese ein sehr hohes Außenhandelsdefizit aus. Andererseits weist die deutsche Handelsbilanz trotz des hohen Vorproduktanteils einen hohen Postitivsaldo auf (wohl wissend,zu welchem Preis dieser erkauft wird: Lohn- und Sozialdumping).


Reaktion:

Die Umsatzanteile kommen aus einem Bericht des Economist, der sich unter Gebrauch des deutschen Wortes „Wanderlust" speziell mit der Internationalität der deutschen Großunternehmen auseinandersetzte. Ich glaube schon, daß Abb. 12119 in diesem Zusammenhang sehr aussagefähig ist. Der Unterschied zu den USA ist viel zu groß, um nur mit dem größeren Binnenmarkt der USA erklärt zu werden. Die Amerikaner haben im übrigen die größten und meisten Multis, die immer schon den Binnenmarkt weit übersprungen haben. Leider habe ich keine Daten zur Entwicklung über Zeit.

Der Vorproduktanteil ist ein sehr guter Indikator für die Internationalität der Außenwirtschaft und darum geht es in diesem Teil des Berichts. Natürlich hilft das dann auch beim Export, wenn man Vorproduktproduzenten in Osteuropa billigst ausnutzen kann.




29.06.07- Kommentar zu Brave New World

... in ihrem neuesten, sehr interessanten Schwerpunktthema schreiben Sie: "Steigende Lebenserwartung und niedrige Fruchtbarkeit (Abb. 04579) sind fest eingefahrene Größen, so daß dieser Trend eine hohe Wahrscheinlichkeit hat." Vor einiger Zeit fand ich auf NZZ-Online folgenden Artikel: "Überraschende Trendwende: Lebenserwartung sinkt wieder" Ich bin der Auffassung, daß zukünftig die Lebenserwartung noch aus einem ganz anderen Grund sinken kann: Die Finanzierung der Krankheitskosten wird mehr und mehr aus der paritätischen Finanzierung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer herausgelöst: dem Arbeitnehmer werden ständig steigende Kostenanteile aufgebürdet. So hat beispielsweise die Einführung der Praxisgebühren dazu geführt, daß die Arztbesuche gesunken sind. Insbesondere Geringverdiener überlegen sehr genau, ob sie wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung einen Arzt aufsuchen.

Dies führt m. E. dazu, daß sich zukünftig nicht nur Einkommen und Vermögen zunehmend ungleich verteilen, sondern auch die Lebenserwartung. Die Geringverdiener würden in diesem Falle die Renten der Besserverdiener wegen deren längerer Ruhestandsphase subventionieren.




28.06.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 244 27-06-07: Wieviel Finanzspekulation verträgt die Welt bis zur nächsten Weltwirtschafts-Krise?

Auf die Ihren Gedanken nachgestellte Frage möchte ich antworten: "Viel sicherer!"

Das bezieht sich natürlich auf die Sicherheit, mit der wir garantiert keinerlei Patentrezepte erleben werden, die der globalen Panik einer ernsthaften Weltwirtschaftskrise entgegenzusetzen wären. Nie waren irgendwelche Regierungen jemals weniger vorbereitet, selbst auf noch so drohende Szenarien: Bush nicht auf Osama, Kohl nicht auf den Niedergang der DDR, Gorbatschow nicht auf den Zerfall seiner Union, man könnte das endlos so weiterspinnen. Aber das per se wäre nicht die einzige Bedrohung, denn in der Vergangenheit fanden sich ja wie bei einem nach dem nicht vorhandenen Korn pickenden Huhn neue Felder der Betätigung und die Übersprungshandlungen führten zu immer neuen Buchungsmöglichkeiten stetig abstruseren Geldschöpfungsmöglichkeiten. Zuletzt die neoliberale Entdeckung eines auf Teufel-komm-raus globalen Marktes; was aber kann das noch toppen? Es bieten sich keinerlei neue Verschiebebahnhöfe mehr; das ist dann der Zeitpunkt, an dem das Kartenhaus in sich kollabiert und plötzlich alle Güter nur noch das kosten werden, was sie tatsächlich wert sein werden. Gar nicht unvorhersehbar fällt das dann in die Zeit, zu der vorher beliebig verbrauchbare Ressourcen, Land, Wasser und Luft knapp und verdreckt sein werden, das global, und dazu zwar lange als notwendig beschworene, nicht aber zielstrebig verfolgte Technologieumstellungen in Sachen Energieversorgung erzwungen werden, auch global; und richtig teuer!

Das hat nichts mit Pessimismus zu tun; Optimist ist, wer das nicht sieht, Realisten sind eine aussterbende Spezies.




26.06.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 242 26-06-07: Warum unterstützen FDP und Die Linke Köhlers Direktwahl-Vorstoß?

.. auf Ihre Frage, warum DIE LINKE. Köhler in diesem Punkt unterstützt, kann ich zwar auch keine definitive Antwort geben, dennoch ein paar Gedanken von mir dazu:

1. DIE LINKE. hat sich "Mehr Demokratie wagen" auf ihre Fahnen geschrieben. Da muss sie praktisch automatisch Köhler hier zustimmen. Ansonsten müsste sie erklären, warum sie allgemein für mehr direkte Demokratie ist, aber in diesem speziellen Fall nicht. Natürlich wäre es möglich, dies zu erklären. Aber einfacher ist es natürlich dies nicht erklären zu müssen.

2. Viele Bürger sind für eine Direktwahl (und sei es aus Unwissenheit über die Befugnisse des Präsidenten oder weil sie es damit "denen da oben" mal zeigen können und aus Parteienverdruss). Auch wenn ich den allgemeinen Vorwurf des Populismus gegen DIE LINKE. lächerlich finde (ich bin übrigens selbst in der Partei), kann ich mir vorstellen, dass dies in diesem Fall zutreffen könnte. Viele Bürger sind dafür, die großen Parteien (Union und SPD) aber nicht. Somit ist die Chance, dass dies umgesetzt werden könnte (2/3-Mehrheit), praktisch Null. Da ist es völlig ungefährlich eine solche Forderung mitzuunterstützen (und damit die ein oder andere Wählerstimme zu gewinnen).

Es ist ja eh ein hochgezogenes und irrelevantes Thema.

Allerdings finde ich Ihren Vergleich mit Hindenburg unpassend. Erstens hatte er mehr Macht als es ein direkt gewählter Bundespräsident hätte (selbst wenn man ihm dann auch mehr Macht zugestehen würde, sicherlich nicht so viel wie Hindenburg) und zweitens denke ich schon, dass die Welt und das deutsche Volk eine andere sind als 1933.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Man kann doch direkte Demokratie anders definieren als durch die Direktwahl eines Bundespräsidenten, die das Gleichgewicht in der Verfassung ändern würde und damit weit über das Anliegen einer direkteren Demokratie hinausginge. Volksbefragungen wären das normale Feld für eine direkte Demokratie. Wenn sich die Linke dafür wirklich starkmachen würde, wäre es schon ausreichend.

Es kann sein, daß Ihre Vermutung von Opportunismus bei der Linkspartei zutrifft. Das aber machte sie als Alternative zu den anderen Parteien nicht appetitlicher.

Zu Hindenburg: Es war schließlich die Erfahrung des Weimarer Schicksals, die die Väter und Mütter des Grundgesetzes zur indirekten Wahl des Bundespräsidenten kommen ließ. Das sollte man daher auch heute nicht vergessen. Deshalb paßt der Hinweis schon hierher.

Wieweit die Welt und Deutschland wirklich von dem Verlust demokratischer Überzeugungen, die das Ende der Weimarer Republik eingeläutet haben (wir sprechen von 1933 - nicht von dem, was danach kam), weg ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Es hat nämlich seit dem zweiten Weltkrieg noch keine große Weltwirtschaftskrise gegeben und selbst das marode heutige soziale Netz ist (noch) nicht auf das Niveau der Weimarer Zeit abgesunken. Allerdings zeugt die zunehmende Wahlenthaltung, gerade in Deutschland, nicht davon, daß die Demokratie so stark ist, wie man sich das wünschen würde. Eine streitbare Demokratie müßte auch vom Demonstrationsrecht gegen unbeliebte Gesetzesvorhaben in viel größeren Zahlen auf den Straßen Gebrauch machen, wie es z.B. in Frankreich Tradition ist.

Meiner Meinung nach wächst die Gefahr undemokratischer Verhältnisse auch deshalb, weil das Diktat der Wirtschaft über die Politik immer stärker wird und weil - seit dem Fall der Berliner Mauer - kein konkurrierendes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem mehr vorhanden ist, wie es beispielsweise seinerzeit schon Bismarck zur Sozialversicherung hat greifen lassen. Die Bundesrepublik war ein sozialerer Staat nicht zuletzt weil es die DDR gab, die lange Jahre lang für viel stärker gehalten wurde, als sie es wirklich war. Eine große Koalition, wie derzeit in Deutschland, läßt den Menschen schließlich sehr wenig demokratische Wahl, wenn sie wirklich die Politik beeinflussen wollen. Da hilft es auch wenig, die Linkspartei zu wählen. Mein Urteil zur Demokratiefähigkeit Deutschland werde ich nach einer großen Krise fällen, wobei ich natürlich hoffe, daß es nicht dazu kommt.




16.06.07- Kommentar zu Deutsche Renten am Ende

... die von Ihnen aufbereiteten Daten aus dem OECD-Rentenbericht zeigen ein erschreckendes Bild über die heutige und mehr noch die zukünftige Situation der staatlichen Altersvorsorge.

Wenn man bedenkt, daß der OECD-Bericht auf Basis älterer Daten erstellt wurde (2004?), dann steht fest: wegen der im Vergleich zu den allermeisten OECD-Staaten äußerst "zurückhaltenden" Lohnentwicklung in Deutschland hat sich die Entwicklung bis heute weiter zum Nachteil der deutschen Bevölkerung entwickelt.

Und obwohl beispielsweise in Schweden die Renten voll versteuert werden, zeigt die Entwicklung der Nettorenten in Kaufkrafteinheiten auch im Vergleich zu Schweden eine deutlich ungünstigere Position für die deutsche Bevölkerung aus. Im Falle Schwedens ist nach meinem Kenntnisstand zusätzlich zu berücksichtigen: der nicht über Steuern finanzierte Anteil der Renten wird dort zu einem großen Teil von den Unternehmen getragen (und nicht, wie in Deutschland, hälftig von Arbeitnehmern und Arbeitgebern).

Eine Frage zu den Abbildungen 12477, 12479, 12480 und 12481: weisen diese die Entwicklung der BRUTTO-Renten zum letzten Bruttoeinkommen aus? Denn in den Abbildungen 12489 und 12490 weisen Sie expliziet in der Überschrift darauf hin, daß es sich um die Entwicklung des halben bzw. des NETTO-Durchschnittseinkommens handelt.

Reaktion:

Der Rentenbericht der OECD ist in der Tat auf der Basis von 2004 und seitdem hat sich der Abstand in den Bezugsgrößen (letztes Brutto- oder Nettogehalt) wegen der deutschen Lohnzurückhaltung und der real negativen Entwicklung der deutschen Renten weiter vergrößert. Ich habe jetzt jeweils bei den von Ihnen erwähnten Abbildungen das „brutto" eingetragen.




12.06.07- Kommentar zu Deutsche Renten am Ende - internationaler Vergleich

... bin über den Rentenvergleich etwas irritiert. Nicht dass Deutschland sehr weit hinten steht, sondern eher über die prozentual extrem niedrige Höhe. Haben Sie genau geprüft, inwieweit da eventuell Äpfel mit Birnen verglichen werden ?

Naheliegend wäre ja z.B. eine Schieflage durch einen Brutto/Netto-Effekt bei einer vorgezogenen oder nachgelagerten Besteuerung oder eine andere Krankenkassenfinanzierung, die den Kostenausgleich beim Lebensalter über höhere Renten kompensiert. Sollte mich nicht wundern, wenn die Zahlen absichtlich politisch verzerrt wurden - passt so schön zur Idee, "mehr privat vorzusorgen".

Reaktion:

Ich kann die OECD-Statistik von hier aus nicht überprüfen. Die Angaben, die ich übernommen habe, sind brutto, wie auch die spezielle Tabelle in dem Datenblatt zu Deutschland, die Sie hier finden.

Es gibt in dem vollen Dokument auch eine Netto-Tabelle, die beim halben Durchschnittseinkommen für Deutschland 53,4 % ausweist, gegenueber 83,8 % für den OECD-Durchschnitt und 132,7 bei Dänemark. Die Werte für das Durchschnittseinkommen sind 58 % bei Deutschland, 70,1 % OECD-Durchschnitt und 86,7 % bei Dänemark. Die Netto-Werte sind natürlich höher, weil Rentner weniger Steuern zahlen als Einkommensbezieher. Allerdings hängt Deutschland auch bei netto deutlich zurück und hat bei den niedrigen Einkommensbeziehern (halbes Durchschnittseinkommen) auch hier, bis auf Mexiko und Japan, die Schlußposition.

Die OECD hat eigentlich wenig Anlaß, für private Versicherungen in Deutschland zu werben. Sie warnt eher die Bundesregierung, sich bei diesen Ergebnissen auf Altersarmut vorzubereiten. Eigentlich augenöffnend war für mich der Vergleich mit den skandinavischen Ländern, wo sicher sehr viel weniger Anlaß besteht, in Angst vor Altersarmut herumzulaufen. Bei dieser Politik der Bundesregierung zu Lasten der Arbeitnehmereinkommen mit in der Folge einer seit vielen Jahren real negativer Rentenentwicklung, während sich in anderen Ländern die Arbeitseinkommen und daher auch die Renten relativ normal entwickeln, vergleichen sich die deutschen Rentner in der Tat nicht besonders gut, besonders wenn man die Anteilssätze auf die Arbeitseinkommen bezieht und auf das Ergebnis sieht




10.06.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 212 09-06-07: Der globale Steuerwahnsinn hat Methode

... komplementär zu dem von Ihnen zu Recht kritisierten Steuersenkungswettbewerb gibt es einen ebenso fragwürdigen Subventionswettlauf um Unternehmensansiedlungen. Das Beispiel AMD Dresden zeigt auf, mit welchen Summen hier inzwischen gekämpft wird.

"Der wichtigste europäische Standort für die Chiptechnik rund um Dresden sei in Gefahr, wenn ihn die öffentliche Hand im Konkurrenzkampf mit amerikanischen und asiatischen Regionen nicht stärker unterstütze, warnte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) im Gespräch mit dieser Zeitung. Der amerikanische Bundesstaat New York biete dem zweitgrößten Chiphersteller der Welt, AMD, eine Förderung von einer Milliarde Dollar, wenn er sein nächstes Werk dort statt an seinem Hauptstandort Dresden baue."

Reaktion:

Ja, natürlich gehört der Subventionswettlauf auch dazu, auch wenn es ihn schon länger gibt, als die Hedgefonds und die Luxemburger Niedrigststeuer für Online-Dienste. Im Ergebnis von Steuer- und Subventionswettlauf machen sich die öffentlichen Hände arm und können notwendige Sozialleistungen nicht mehr erbringen bzw. lassen die Infrastruktur verkommen.




09.09.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 211 09-06-07: Zum G8-Gipfel: Schien wirklich die Sonne auf ihn?

.. ich teile Ihre Ansichten zu den G8-Beschlüssen: viel Rauch um wenig. Was bei der Bewertung der deutschen Politik zusätzlich zu berücksichtigen ist: In der nun anderthalbjährigen Kanzlerschaft Merkels wurde kein einziges Gesetz verabschiedet, welches zu mehr Klimaschutz geführt hätte. Und der Hauptbremser ist der Merkel-Parteifreund, Bundeswirtschaftsminister Glos.

In vielen Fällen passiert sogar das Gegenteil: so soll die Bahn privatisiert werden, obwohl gerade sie ein wichtiger Baustein eines neuen, klimagerechten Verkehrs-konzeptes sein könnte.

Und in puncto Abschaffung der von Schröder mit Unterstützung der CDU vorgenommenen steuerlichen Präferierung der Hedge-Fonds ist im Rahmen der Unternehmenssteuerreform nichts korrigiert worden.

Auch die Aufstockung der Afrikahilfe durch Merkel war nicht von ihrer Sorge um das Wohl der dahindarbenden Menschen in Afrika geprägt, sondern, wie ein Strategiepapier des Kanzeleramtes zeigt, der Versuch, Popgrößen (insbesondere Grönemeyer) für sich zu vereinnahmen.

Zusammenfassend: Die Methode Merkel besteht darin,zu Hause politisch nichts zu tun, dafür jedoch international ums so mehr heiße Luft zu produzieren.




03.06.07- Kommentar zu Die falsche Liebe für China

Bevor wir auf China in Afrika schimpfen, sollten wir die eigene Nase putzen. Der deutschen Entwicklungshilfe war es in Somalia in mehrjähriger Kleinarbeit gelungen, eine regionale sich selbst tragende Milchwirtschaft aufzubauen; dannkam Nestle mit Trockenmilch und die Bauern konnten ihre Kühe aufessen und sich anschließend bei der UNO-Nahrungsmittelhilfe anstellen.

Reaktion:

Man kann ja auf beides schimpfen und vieles mehr. Die schweizer Nase (in diesem Fall nicht die deutsche) verdient sicher auch Kritik. Mir geht es hier allerdings primär um die Handelspolitik, denn da stehen wir selbst (und weniger die Schweiz) am Pranger. China ist auf keinem kontinentaleuropäischen Markt mit seinen Schnäppchen im Verdrängen der Afrika-Ware so erfolgreich wie in Deutschland mit seinem „Geiz-ist-geil-Prinzip". Und kein europäisches Land läuft so dem China-Export hinterher wie Deutschland.




01.06.07- Kommentar zu Zum G8-Gipfel: BILD, Bob Geldorf, Merkel und Schwarz-Afrika

Was haben die G8 bei ihren Gipfeln nicht schon alles versprochen, was Sie für Afrika tun wollen. Tony Blair (Übersetzung MONITOR): "Dies ist nicht das Ende der Armut in Afrika, aber es besteht die Hoffnung, dass sie beendet werden kann. Die Aufstockung der Hilfe um 50 Milliarden Dollar, ein neues Handelsabkommen, der Schuldenerlass für die ärmsten Länder, AIDS-Behandlung für alle, eine neue Friedenstruppe für Afrika. All das ändert die Welt nicht von heute auf morgen, aber wir stehen am Anfang." Ein versprochenes Milliardengeschenk der Ersten an die Dritte Welt und ein Aktionsplan.

§ 27 "Zunahme der Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 um 25 Milliarden Dollar pro Jahr." 3,1 Milliarden Dollar an zugesagten Mitteln fehlen schon jetzt.

§ 21 "Wir werden (...) günstige Handelsbedingungen für Afrika schaffen." Die Verhandlungen scheiterten. Die G8-Staaten konnten sich nicht einigen, die eigenen Handelssubventionen zu kürzen.

§ 18 "Wir werden auf die Deckung des Finanzbedarfs für die Bekämpfung von AIDS hin arbeiten." 5,9 Milliarden Dollar an zugesagten Mitteln fehlen.

§ 18i "Wir werden durch mehr Entwicklungshilfe den Wasseraktionsplan umsetzen." Um 400 Millionen Dollar ist die Entwicklungshilfe zur Wasserversorgung gesunken.

Worte nichts als Worte. Und es kommen in Heiligendamm wieder nur Worte hinzu. Und dafür soll der Steuerzahler noch rund 120 Mio bezahlen hinblättern. Pfui




01.06.07- Kommentar zu Warum die SPD von gestern oder die von vorgestern nicht die Regierung von morgen sein wird

seit langem lese ich Ihre Kommentare mit großem Interesse, vielem kann ich aus eigener Anschauung zustimmen, manches jedoch nicht, so auch nicht Ihrem aktuellen Kommentar. Hierin stellen Sie fest :

„Kein einziges Wort - der Linken - zum Schutz gegen Sozialdumping, z.B. aus China, das für Steinbrück offensichtlich ein positiver „Ausdruck der Globalisierung" ist." Haben Sie diesen Abschnitt in dem von Ihnen verlinkten Antrag nicht gelesen?

„3.3. ILO-Normen und verpflichtende Standards für Konzerne durchsetzen Im Zuge der neoliberalen Globalisierung werden die Pflichten der Konzerne weiter abgebaut, wichtige internationale Vereinbarungen - wie die Kernarbeitsnormen und Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) - bleiben ohne wirksame Durchsetzungsinstrumente. Stattdessen überlässt die herrschende Politik den Unternehmen die Wahrnehmung ‚sozialer Verantwortung' als eine freiwillige Angelegenheit. Eine globale Verankerung von verbindlichen sozialen und ökologischen Mindeststandards für Unternehmen existiert nicht, genauso wenig wie eine europäische Verpflichtung transnational agierender Konzerne auf Mindeststandards. Auch in Europa werden verpflichtende Standards von den Regierungen als Wettbewerbshindernis behandelt und durch freiwillige Verhaltenskodizes ersetzt. Anknüpfend an Vorschläge von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGO) bedarf es einer neuen Politik für „Corporate Accountability": Dabei geht es um die Stärkung, Weiterentwicklung und Durchsetzung bereits vereinbarter internationaler Konventionen (u.a. der ILO sowie der UNMenschenrechtspakte), aber auch um verbindliche Rechenschaftspflichten der Unternehmen gegenüber weitergehenden gesellschaftlichen Ansprüchen. Hierzu gehören Informations- und Mitentscheidungsrechte der betroffenen Bevölkerung bei Investitionen, klare Haftungsregeln für soziale und ökologische Schäden und wirksame ökonomische Anreize und Sanktionen zur Förderung zukunftsfähigen Wirtschaftens. Zudem brauchen Unternehmen gleichstellungspolitische und steuerliche Vorgaben sowie eine Kontrolle und Beschränkung ihres politischen Agierens."

Reaktion:

Das habe ich schon gesehen. Aber da ist von Schutz gegen Sozialdumping überhaupt nicht die Rede. Statt dessen nur ein sehr blasser Hinweis auf ILO-Normen und soziale Verantwortung der Unternehmen. Die ILO ist eine Quaselbude im Vergleich zur Welthandelsorganisation, wo die Weichen für die Zulassung gedumpter Waren gestellt werden.

Selbst dieser kleine und m.E. wenig zugkräftige Ansatz im Entwurf (die SPD ist übrigens auf der gleichen Linie) wird dann sofort wieder mit den von mir zitierten Bemerkungen zu China verschüttet. Dabei ist China die Hauptquelle von sozialem Dumping mit Verbot von Streiks und dem Fehlen unabhängiger Gewerkschaften und einer irrsinnigen Exportlawine. Auch dazu kein Wort in dem Entschließungsentwurf. So einfach kann man es sich wirklich nicht machen. Wahrscheinlich hat die Linke bei China auch noch nicht zur Kenntnis genommen, daß Deutschland und die EU ein immer größeres Handelsbilanzdefizit mit diesem Land haben, das eine Staatswirtschaft mit vielfältigen Subventionen für Exportunternehmen und einer manipulierten Währung ist.

Die Menschen haben zunehmend Angst vor der Globalisierung. Nach einer neuen Forsa-Umfrage für den «Stern» fürchtet nun schon mehr als jeder Dritte (34 Prozent), dass die Nachteile der Globalisierung überwiegen. Im Januar 2000 sahen bei einer identischen «Stern»-Umfrage nur 19 Prozent Nachteile der Globalisierung. Mit dem Begriff «Globalisierung» verbanden die Befragten im Januar 2000 vor allem angenehme Dinge wie ein reichhaltigeres Angebot an Waren oder neue Job-Chancen. Inzwischen sagen zwei von drei Bürgern (67 Prozent), Globalisierung bedeute vor allem, dass die Kluft zwischen Armen und Reichen größer werde. Gleichzeitig hat die Angst zugenommen, dass die Globalisierung einen Abbau von Arbeitsplätzen verursacht (39 Prozent, vor sieben Jahren: 28 Prozent). Und dieses Ergebnis der Umfrage kommt heraus, obwohl uns ständig von Regierung, Interessenverbänden und Medien eingeredet wird, daß wir Gewinner der Globalisierung seien!

Der negative Lohndruck kommt ja vor allem aus ständigen Verlagerungsdrohungen. Inzwischen verlagern selbst mittelständische Unternehmen nach China. Und wer nicht verlagert, droht schon mal damit. Wer soll sich denn dieser Sorgen der Menschen - vor allem im unteren sozialen Spektrum - annehmen, wenn nicht die linken Parteien in Deutschland. Doch wenn die es verschlafen oder gar mit dem Argument vom „alten Hut" arbeiten, werden es die Rechten, wie in Frankreich, tun. Mein kleiner "Weckruf" wird natürlich gar nichts ausrichten, wie könnte er auch? Vielleicht macht er mal eben einige Menschen nachdenklicher.




31.05.07- Kommentar zu Skandinavien

Von einem Betriebsratsvorsitzenden: Ihre Systemvergleiche der skandinavischen Sozial- und Wirtschaftsmodelle sind Ihnen sehr gut gelungen. Selbst der größte Kritiker müsste eigentlich erkennen können, dass die Skandinavier an sehr vielen Stellen erfogreicher sind mit ihrer Politik als die neoliberale Politik aus Deutschland. Ich bin am überlegen, ob ich diesen Schwerpunkt Ihrer Seite nicht mittels Mail an alle Bundestagsabgeordneten verschicken soll. Wahrscheinlich werde ich dies in den nächsten Tag tun - und wenn es Stunden dauern sollte.




29.05.07- Kommentar zu Skandinavien

Von Professor Peter Bofinger, einer der 5 Wirtschaftsweisen zur Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: „... vielen Dank für die sehr gute Zusammenstellung der Daten über Skandinavien."




29.05.07- Kommentar zu 1. Quartal 2007

seit etwas über einem Jahr lese ich Ihre Seiten mit ungebrochenem Interesse, seit einem guten halben Jahr erhalte ich auch den Newsletter. Da Sie im Bereich der Beurteilung statistischer Auswertungen für mich ein hochkompetenter und -zuverlässiger Ratgeber geworden sind, bitte ich, wenn es Ihre Zeit erlaubt, um Aufklärung des für mich existierenden Widerspruchs in den letzten Zahlen des Statistischen Bundesamts zum wirtschaftlichen Wachstum.

Auf der Seite wird in Kurzform noch einmal die Entwicklung des BIP seit dem Jahr 2003 in Zahlen dargestellt. Danach liegen die Originalwerte des Q1/07 sowohl nach der jeweiligen wie auch nach der preisbereinigten Angabe *unter* denen des 3. und des 4. Quart. 2006 und übertreffen diese Zahlen jeweils nur saison- und kalenderbereinigt (nach X-12 XARIMA).

.. liegen meine Bedenken darin, dass für die "Saisonbereinigung" ja für das 1. Quartal eines Jahres regelmäßig von einer witterungsbedingt geringeren Wirtschaftsleistung ausgegangen wird, was dann genauso regelmäßig zu einer Anhebung durch die Saisonbereinigung führt. Nun war aber der Winter 06/07 kein solcher, so dass ich hier die statistische "Normalbereinigung" für völlig verfehlt halte.

Liegen also schon die Originalwerte, trotz gegebener Preissteigerung unterhalb derjenigen der beiden Vorquartale, welche *Verschlechterung* müsste sich dann erst ergeben, würde eine "situationsbezogene Saisonbereinigung" die Tatsache des "Winterausfalls" korrekt berücksichtigen würde? Die Tatsache, dass sich das "Wachstum" dabei hauptsächlich auf Ausrüstungsinvestitionen stützt, die von saisonalen Einflüssen weitaus weniger betroffen sind als die Bauinvestitionen, die aber wiederum von der milden Winterzeit profitieren konnten.

Reaktion:

Hinsichtlich der Saisonbereinigung verzerrt in der Tat die alte Methode bei dem erstmals ungewöhnlich milden Wetter den Wert für das 1. Quartal, worauf - wenn auch nur im Kleingedruckten - auch das StaBuA hinweist. Normalerweise ließe sich dieser Effekt ausschalten, indem man den Originalwert mit dem Vorjahreswert vergleicht. Das gäbe hier ein Plus von 3,3 %. Der Nachteil liegt dann allerdings darin, daß das Vorjahresquartal besonders niedrig ausgefallen sein kann und seitdem die Werte für die drei folgenden Quartale besonders hoch. Dann hat man wieder eine Verzerrung. Genau das war hier der Fall, wenn Sie mal die folgende Grafik betrachten . Besonders stark waren das 2. Quartal 2006 und dann wieder wegen der MWSt-Erhöhung das 4. Quartal. Tatsächlich sehe ich in den Quartalswerten einen Rückgang seit dem 2. Quartal 2006. Ihr Hinweis auf die von Saisoneinflüssen weniger betroffenen Ausrüstungsinvestitionen im 1. Quartal 2007 scheint mir ebenfalls zuzutreffen.

Wir werden das 2. Quartal abwarten müssen, das sich dann mit einem starken 2. Quartal von 2006 vergleicht und wenig Effekte einer milden Winterwitterung hat, um den Trend besser beurteilen zu können.




28.05.07- Kommentar zu Arbeitnehmereinkommen und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen

.. mit wachsendem Interesse beschäftige ich mich seit 2 Monaten intensiv mit volkswirtschaftlichen Fragestellungen und der Auseinandersetzung zwischen Neoliberalen und der Keynesianern.

Ihre Seite empfehle ich dabei auch gerne Freunden weiter. Zu einer von ihnen erstellten Grafik, die auch in der Blogszene oft verwendet wird (Nr.: 04054), habe ich dennoch eine Frage.

Verzerrt diese Grafik nicht die wirtschaftliche Lage vieler kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland? Die dort abgebildete steil ansteigende Kurve der Unternehmens- und Vermögensgewinne trifft doch nur auf die extrem großen Firmen und Konzerne zu. Betrachtet man beispielsweise die Baubranche in Ostdeutschland, dann kann man zweifellos feststellen, dass diese auf gar keinen Fall momentan so im Geld schwimmt, wie es die Grafik für den allgemeinen Wirtschaftsbereich wirken lässt. Wenn ich weiterhin sehe, dass das 9-Mann Ingenieurbüro meines Vaters trotz relativ guter Auftragslage die Gehälter vor einem halben Jahr kürzen musste und immernoch nicht in der Lage ist diese wieder zu erhöhen, frage ich mich auf welche Unternehmen eine solch steil steigende Kurve zurückzuführen ist?

Der größte Teil der deutschen Unternehmen bewegt sich soweit ich weiss auf kleinem und mittleren Niveau und ich bin mir nicht sicher, dass es den meisten davon sehr gut geht. Dennoch beschäftigen diese vielen Unternehmen auch die meisten Arbeitnehmer, sodass deren Lohnzurückhaltung in der Grafik "stärker" Berücksichtigung findet, als die enormen Gewinn der Konzerne, die die Kurve der Unternehmensgewinne (überdurchschnittlich) so nach oben ziehen. Darum vermute ich eine Verzerrung in dieser Grafik.

Korrigieren Sie mich falls ich falsche Annahmen zu Grunde gelegt habe.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Grafik verzerrt m.E. überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie unterzeichnet die immer weiter aufgehende soziale Schere noch gewaltig. Denn bei den Arbeitnehmer gibt es die Besserverdiener, wie Ackermann und sehr viele Manger, deren Einkommen auch steil ansteigen. Hier geht noch einmal eine Schere auf.

Was die Grafik darstellt sind nicht die Gewinne, sondern die Einkommen. Auch die Kapitaleigner kleiner und mittlerer Unterternehmen erzielen im Durchschnitt sehr viel höhere Einkommen als ihre Arbeitnehmer, sonst würden sie gar nicht existieren. Die starke Lohndrückerei wird nicht nur von den Großunternehmen betrieben, sondern genauso von den kleineren und mittleren Unternehmen, die sich oft auch noch außerhalb der Tarifverträge bewegen und zunehmend Billigarbeitskräfte aus Osteuropa beschäftigen. Die Tarifbindung beträgt in Westdeutschland noch 70 %, in Ostdeutschland nur noch 55 %. Und das Arbeitsplatzrisiko liegt sehr einseitig bei den Arbeitnehmer, während Unternehmer sehr viel seltener völlig arbeitslos werden.

Da die kleineren und mittleren Unternehmen das Gros der Unternehmen auch in Umsatzanteilen darstellen, bestimmen sie die Gesamtsituation stärker als die Großunternehmen. Deutschland hat nun mal eine primär mittelständische Unternehmenstruktur. Die Unterschiede liegen daher nicht so sehr in der Größenordnung, sondern in der Branchenstruktur. So geht es der deutschen Konsumgüterindustrie längst nicht so gut wie dem Maschinen- und Anlagenbau, der in einer bisher sehr guten Exportkonjunktur schwimmt.

Natürlich gibt es - wie schon bei den Arbeitseinkommen angemerkt - auch bei den Unternehmenseinkommen Ausreißer nach unten. Allerdings zeigen die ständigen Statistiken des Statistischen Bundesamt einen sehr starken Rückgang der Unternehmenskonkurse und die waren ja in der Vergangenheit vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen zu beobachten. Nach den letzten Zahlen vom Februar sind die Unternehmensinsolvenzen um noch einmal 11 % gegen Vorjahr zurückgegangen, während die Verbraucherinsolvenzen (in der Regel die Arbeitnehmer und Arbeitslosen) um 25 % zugenommen haben.

Vergessen Sie bitte auch nicht, daß die Situation in Ostdeutschland wahrlich nicht exemplarisch für Gesamtdeutschland ist. Man kann aber die grafische Darstellung nicht aufteilen, da das Statistische Bundesamt keine Unterscheidung macht. Im Übrigen sind die Gehälter, die das Ingenieursbüro Ihres Vaters gekürzt hat, doch Arbeitnehmereinkommen. Ich nehme an, daß die Mitarbeiter Ihres Vaters eher noch schlechter dran sind, als er selber (oder ist Ihr Vater nicht der Eigentümer?). Schließlich bitte ich zu berücksichtigen, daß es hier nicht nur um die Einkünfte aus Unternehmertätigkeit sondern auch um die Einkünfte aus Vermögen geht (auch da liefert das StaBuA keine Trennung). Das Gros der deutschen Vermögenseinkünfte geht aber an den Arbeitnehmern vorbei. Ich glaube also nicht, daß hier eine Verzerrung vorliegt. Wäre das der Fall, so würde die Bundesregierung und das StaBuA selbst sofort entlastend darauf hinweisen. Die aggregierten Zahlen habe ich ja nur grafisch umgesetzt, ohne sie zu beeinflussen (bis auf die Herausrechnung der Inflation). Schließlich und endlich ist die deutsche Situation so stark weggebremster Arbeitnehmereinkommen im europäischen Vergleich der Alt-EU-Mitglieder (ohne Osteuropa) total einmalig.

Lassen Sie mich bitte wissen, ob sie das zufrieden stellt.




27.05.07- Kommentar zu Warum man kein Buch über Lügen schreiben sollte

.. seit längerer Zeit rufe ich fast täglich Ihre Seite auf und lese mit Interesse die Informationen. Ich muss allerdings sagen, dass mich in den letzten Tagen die zunehmende Stichelei gegen Albrecht Müller irritiert. Die NachDenkSeiten gehören auch zu meiner täglichen Lektüre und ich habe auf Ihnen viele interessante Hinweise und Links gefunden. Bei allem Verständnis für Ihren Ärger über das Verhalten von Herrn Müller, können Sie nicht einfach Ihre Informationen ins Netz stellen und die NachDenkSeiten tun das ihrige? Trauen Sie doch den Leuten, die diese beiden Webseiten aufrufen, soviel Intelligenz und Urteilsvermögen zu, dass sie sich selbst ein Bild machen, sobald sie mit den nötigen Daten versorgt wurden.

Ich würde mich freuen, wenn ich Ihre hervorragende Webseite wieder ohne "Seitenhiebe" lesen könnte, denn eins ist klar: Wir brauchen sowohl das Informationsportal Deutschland & Globalisierung als auch die NachDenkSeiten, die ja auch noch viele Themen über die Globalisierung hinaus aufgreifen, z. B. Hochschulpolitik.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Zunächst einmal: Ich halte Nachdenkseiten für dringend nötig und lese sie selbst sehr oft. Meine kleine Webseite hat eine viel engere Orientierung im internationalen Vergleich und auf die Folgen neoliberaler Globalisierung.

Ich habe auf meiner Webseite eine klare Trennung zwischen der Faktenaufarbeitung in Schwerpunktseiten und Rundbriefen und den mehr persönlichen Gedanken (die niemand lesen muß). Meine Gedanken zur Zeit Nr. 190 waren von dem Umstand veranlaßt, daß China bei Blackstone eingestiegen ist. Andere haben versucht, dieses Thema bei Nachdenkseiten schmackhaft zu machen, sind aber abgeblitzt. Das war für mich der Auslöser. Es muß meiner Meinung nach möglich sein, auch unter kritischen Webseiten darüber zu streiten und den Unterschied herauszuarbeiten. Sie wissen, wenn Sie meine Webseite häufiger besuchen, daß ich die Diskussion in Deutschland über die neoliberale Gobalisierung, vor allem im linken Spektrum, für unterentwickelt halte. Das ist wahrscheinlich nicht so sehr eine Frage von Intelligenz und Urteilsvermögen, die ich natürlich Niemandem bestreite, als einer Fixierung auf die innenpolitische Diskussion.

Ich habe aber nicht vor, mich in dieser spezifischen Kritik an Nachdenkseiten zu wiederholen. Die vorangegangene Diskussion war übrigens durch eine längere Darstellung von Albrecht Müller in Nachdenkseiten zum Thema alter Hut, wobei er mich indirekt zitiert hatte, veranlaßt.




26.05.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 191

der Anstieg der Nettolöhne/-Gehälter zum Vorquartal um 0,6% resultiert wohl aus der Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitslosenver. -1%; Rentenversich. +0,25% - jeweils bezogen auf den Arbeitnehmeranteil). Demgegenüber wird sich die Kürzung der Kilometerpauschale für die Arbeitnehmer erst mit dem Lohnsteuerjahresausgleich im kommenden Jahr (mit ca. 0,4%) einkommensminderd auswirken (betroffen sind von dieser Kürzung nicht die Spitzenverdiener, da diese in der Regel über Dienstfahrzeuge verfügen).

Im Text zur Abbildung 04054 schreiben Sie, die Summe der Nettolöhne-/Gehälter habe sich zum Vorjahresquartal um 0,1% vermindert. In Abbildung 04305 wird die Veränderung der Nettolöhne-/Gehälter je Arbeitnehmer zum Vorjahr mit -0,4% angegeben. Da sich die Beschäftigung zum Vorjahr um 1,5% erhöht hat: müßten die Nettolöhne/-Gehälter in Summe daher nicht um 1,1% angestiegen sein? Dieser Anstieg wäre allerdings für die unteren 80% der Arbeitnehmer allerdings deutlich überzeichnet, da die "fetten Katzen" (wie Sie dies treffend formuliert haben) den Durchschnittswert deutlich nach oben treiben.

Reaktion:

Die Abbildung 04305 stellt die Veränderung pro Arbeitnehmer dar, fällt also negativer als der Zuwachs der Gesamtsumme aus, da sich die Zahl der Arbeitnehmer erhöht hat. Die Zahlen beider Abbildungen kommen, bis auf meine Bereinigung um die Verbraucherinflation, direkt vom Statistischen Bundesamt. Mit den Hinweisen auf den Effekt der Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge liegen Sie natürlich richtig. Auch mit dem Hinweis auf die unteren 80 %. Leider gibt es in Deutschland (absichtlich?) keine Statistik die die Spreizung der Arbeitnehmereinkommen erfaßt. Aus dem Lohnsteueraufkommen müßte die Bundesregierung dies errechnen können, tut es aber nicht.




24.05.07- Kommentar zu 1. Quartal 2007: Beschleunigter Anstieg der Erwerbstätigkeit? Nein: Nur eine Irreführung

Zum Kommentar von Herrn Wertmuth:

Es ist zum Teil erschreckend, wie manche Menschen einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass zwar die Arbeitslosenzahlen rückläufig sind, aber dieser Rückgang keineswegs dazu verleiten kann, nun in große Jubelstürme (Sie sind toll!) auszubrechen, wie es der Kommentator offensichtlich seiner „Fangemeinde" als Motivator zu vermitteln versucht. Dazu gibt es einfach zu viel „Elend" in diesem Land. 11 Millionen Menschen in einem reichen Land, die am Rande des Existenzminimums leben müssen, wie erst gestern Abend in der ARD erneut zu sehen war. Es darf doch nicht zu bestreiten sein, dass sehr wohl auf Grund des praktisch nicht vorhandenen Winters (2006/2007) sich dieser „Umstand" auch im Zahlenvergleich, wie Sie ihn vorgenommen haben, wiederspiegeln muss. Hat der „Motivator" denn völlig vergessen, dass in „knackigen Wintern" so gut wie kein Unternehmen (von Ausnahmen einiger Arbeiten abgesehen!) „Freiluftarbeiten" ausführen kann, aber sehr wohl in milden oder in nicht vorhandenen Wintern?

Recht hat er, wenn er feststellt, dass die Arbeitgeber am längeren Hebel sitzen. Allerdings ist seine Schlussfolgerung am wirklichen Leben vorbei, wenn er anführt, dass sich in der „dritten Runde" (welche eigentlich!) die Verhandlungspositionen zugunsten der Arbeiter und Angestellten verbessern würden. Nach offiziellen Verlautbarungen der Bundesregierung ist der wirtschaftliche Aufschwung bereits im zweiten Jahr. So allmählich müsste sich also seine Position (zumindest ansatzweise) durchsetzen. Als Arbeitnehmervertreter, der in zahlreichen Vorstellungsgesprächen immer mit anwesend ist, kann ich diese Annahme nicht beobachten, weil einfach kein Verhandlungspotential für Arbeiter und Angestellte (ausgenommen sind hierbei außertarifliche Angestellte in leitenden Positionen!) weder gegenwärtig noch in naher Zukunft vorhanden sein wird. Schon gar kein Verhandlungspotential haben Arbeitslose. Der Mann weiß einfach nicht (oder er will es nicht wissen oder er weiß es und verschweigt es!), was Arbeitslose heute alles über sich ergehen lassen müssen.

Eigentlich gäbe es noch viel zu sagen zum Kommentar des Herr Wertmuths. Aber ich will es damit belassen.

Reaktion:

Habe Ihren Kommentar direkt an Wermuth, den Zeit-Redakteur, geschickt.

Kommentar

hoffentlich antwortet er mir auch. Er scheint ein Mensch zu sein, der offensichtlich noch nicht am eigenen Leib erfahren hat, was es heißt, wenn ein Unternehmen 160 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, nur um den Profit zu steigern. Wir haben das hautnah erlebt. An diesen Arbeitsplätzen hingen 540 Menschenschicksale und eine Gemeinde mit 30.000 Einwohnern.




23.05.07- Kommentar zu 1. Quartal 2007: Beschleunigter Anstieg der Erwerbstätigkeit? Nein: Nur eine Irreführung

Dieter Wohlfahrt im Zeitblog Herdentrieb: Wissen und Glauben, Konjunktur und Wirtschaftspolitik Keine Irreführung - der Arbeitsmarkt brummt

Joachim Jahnke, den ich sehr schätze, hat auf seiner Home Page einen Kommentar zur Entwicklung der Beschäftigung in Deutschland veröffentlicht, in dem er versucht, die eigentlich sehr erfreulichen Zahlen so zu relativieren, dass nicht mehr viel Gutes übrigbleibt: "1. Quartal 2007: Beschleunigter Anstieg der Erwerbstätigkeit? Nein: Nur eine Irreführung".

Jahnke irrt: Der Arbeitsmarkt bessert sich nämlich tatsächlich, wie man es auch dreht und wendet. Es überzeugt nicht, wenn man sagt, dass der Anstieg der Beschäftigung von immerhin 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr nur den falschen Leuten zugute kommt und im übrigen großenteils der milden Witterung geschuldet ist.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland# In der Frühphase des Aufschwungs sind die Kapazitäten definitionsgemäß nicht voll ausgelastet und die Arbeitgeber sitzen am längeren Hebel. Anfangs stellen sie typischerweise niemanden neu ein, weil die Leute, die schon da sind, einfach länger und intensiver arbeiten. Die Produktivität und die Gewinne steigen daher sehr stark. Wenn diese Phase vorbei ist und der Aufschwung immer noch anhalten sollte, halten sie Ausschau nach zusätzlichen Mitarbeitern. Sie haben dann die Auswahl unter einer sehr großen Anzahl von Arbeitswilligen und können daher die Bedingungen diktieren, sowohl was die Arbeitszeit als auch was die Lohnhöhe angeht. Sie brauchen auch nicht unbedingt voll sozialversicherungspflichtige, also von den Nebenkosten her teure Jobs anzubieten. Erst in der nächsten Runde gibt es dann die "richtigen" Arbeitsplätze, und je länger der Aufschwung anhält, desto mehr verschiebt sich die Verhandlungsposition zugunsten der Arbeiter und Angestellten. dann steigen auch die Löhne wieder rascher.

Ich denke, dass wir immer noch in der Phase 2 sind, uns aber allmählich der Phase 3 annähern. Das Arbeitsangebot ist - jedenfalls in der Durchschnittsbetrachtung - immer noch sehr reichlich, die Nachfrage scheint allerdings inzwischen kräftig anzuziehen. Das sieht man auch an der Entwicklung der offenen Stellen: Es gab im April 21 Prozent mehr davon als vor einem Jahr, obwohl, das muss ich zugeben, immer noch 6,3-mal mehr Arbeitslose als Jobangebote gezählt wurden. Wir sind von Vollbeschäftigung noch meilenweit entfernt.

Trotzdem: Wir bewegen uns in die richtige Richtung. Wenn man "spitz", also genau rechnet, zeigt sich, dass die Zahl der Erwerbstätigen im März (neuere Zahlen gibt es erst Ende diesen Monats) saisonbereinigt um 1,58 Prozent über ihrem Vorjahresstand lag. Im März 2006 betrug die entsprechende Zahl nur 0,22 Prozent. Wenn das nicht eine Verbesserung ist!!

Schöner noch: Selbst bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bewegt sich etwas, sogar mehr als ich das bisher gedacht hatte. Im Februar gab es in diesem Bereich 2,5 Prozent mehr Jobs als vor einem Jahr, nämlich 26,8 Millionen. Insgesamt erwerbstätig waren in dem Monat 39,5 Millionen Menschen.

Ich mag mich nicht gerne damit herumschlagen, was denn der Winter, oder der heiße Sommer, oder das späte Osterfest für einen Einfluss auf die Zahlen haben könnten. Deshalb halte ich mich immer - wenn es geht jedenfalls - an saisonbereinigte Zahlen, so wie sie die Bundesbank in großer Ausführlichkeit und vorbildlicher Qualität zeitnah veröffentlicht. "Saisonbereinigt" heißt, dass der Einfluss der Jahreszeiten eliminiert wird, so dass die Zahlen die zugrundeliegenden Trends genauer wiedergeben als die Originalwerte. Ich empfehle den interessierten Lesern, mal einen Blick auf die Seite 28 - "Beschäftigung und Arbeitsmarkt" der Reihe "Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen" zu werfen. Da kann man sich vergewissern, dass ich die obigen Zahlen nicht aus dem Hut gezaubert habe.

Indem Jahnke auf die Originalzahlen abstellt, und damit das erste Quartal mit dem vorangegangenen vierten vergleicht, hat er diesen ganzen Ärger mit den Wettereffekten. Wen wundert es, dass in der Landwirtschaft 7,8 Prozent weniger Leute gebraucht wurden, oder am Bau 6,4 Prozent weniger. Daraus eine Story zu machen ist irreführend.

Ich wundere mich auch darüber, dass Jahnke die Tatsache, dass die Erwerbstätigkeit in der Industrie im 1. Quartal "nur um magere" 0,5 Prozent über der des Vorjahresquartals lag, so hervorhebt. Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass es hier überhaupt wieder einen Anstieg gegeben hat. Außerdem ist es das Normalste von der Welt, dass in der industriellen Produktion relativ immer weniger Menschen gebraucht werden, vor allem weil Maschinen ihnen die Arbeit abnehmen. Das ist ein seit Jahrzehnten anhaltender Trend und heißt keineswegs, dass Deutschland langsam sein Industrieproduktion einstellt. Das Gegenteil ist der Fall. Im März etwa übertraf der physische Output (also nicht der durch Inflation verzerrte Umsatz) seinen Vorjahreswert um nicht weniger als 8,2 Prozent. Die Industrie boomt, aber mit ihr, und sogar noch stärker, auch die Produktivität - so wie wir alle es uns wünschen. So wird Wohlstand geschaffen.

Bei der Beschäftigung darf man nicht unterscheiden zwischen guten Jobs in der Industrie oder am Bau und schlechten in den Dienstleistungen. Zudem: warum soll nicht die Quote der Teilzeitbeschäftigten ständig steigen? Könnte ja auch was mit steigendem Vermögen und mehr Wahlmöglichkeiten zu tun haben! je reicher ein Land, desto größer ist im Allgemeinen der Anteil der Dienstleister - siehe USA, Schweiz oder Schweden.

Nein, ich sehe angesichts der jüngsten Arbeitsmarktzahlen überhaupt keinen Grund, Trübsal zu blasen. Sie sind toll. Hoffen wir, dass uns die EZB die Konjunktur nicht zu früh abwürgt und sie dadurch noch toller werden dürfen. Noch bin ich in dieser Hinsicht guter Dinge.

Reaktion:

Lieber Herr Wertmuth,

Ich schätze Sie und Ihre Analysen genauso sehr. Aber Sie haben mich falsch zitiert. Wogegen ich Position bezogen habe, ist die Behauptung der „Beschleunigung" des Zuwachses an Erwerbstätigkeit. Noch einmal: Was soll man von „Beschleunigung" halten, wenn die Erwerbstätigen-Zahlen gegenüber dem Vorquartal trotz der milden Witterung auffallend stark zurückgegangen sind. Dabei war der Rückgang wieder ähnlich stark wie im 1. Quartal des Vorjahres, als es keine milde Witterung gab, d.h. ohne die milde Witterung hätte die Beschäftigung weit stärker abgenommen als ein Jahr zuvor.

Im übrigen werden auch Sie nicht bezweifeln wollen, daß die Qualität der Beschäftigung und die Höhe der Bezahlung schon eine Rolle spielt. Sie selbst werden nicht auf dem Konto der Verleihfirmen stehen wollen, deren Top 25 allein im letzten Jahr 63 % mehr an Arbeitnehmern führten, wobei sehr vielen wegen der niedrigen Löhne noch Hartz-Gelder zu Hilfen kommen müssen. Vielleicht wollen Sie noch einmal hier nachsehen: und hier. Ein erschreckend großer Teil der neuen Beschäftigung findet leider auf der Basis von Zeitverträgen statt, die beim nächsten Konjunkturabschwung ins Wasser fallen. Und daß Konjunkturen auch abschwingen, wissen wir beide bestens.

Ich fände es sehr traurig, wenn gerade die ZEIT mit solchen Zahlen nicht kritisch umgehen wollte. Die Arbeitsmarktzahlen sind leider die am wenigsten zuverlässigen Statistiken in Deutschland.




01.02.07- Kommentar zu Leiharbeit

..ich bin stellvertretender Betriebsratsvorsitzender eines Unternehmens der M+E mit 280 Mitarbeitrinnen und Mitarbeiter. Gegenwärtig ist die Auftragslage bei uns im Unternehmen sehr gut, so dass wir seit Jahresbeginn zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt haben: 7 Befristungen (höhere Qualifikation!) für 1 Jahr und 11 Leiharbeiter (einfache Tätigkeiten!). Alle Leiharbeiter kommen von einem Leiharbeitsunternehmen. Ich weiß daher sehr genau, was unser Unternehmen dieser Firma als Stundenlohn bezahlt: 15,00 Euro. Von diesen 15,00 Euro erhalten die Leiharbeiter 6.60 Euro. Da können Sie leicht ablesen, was davon im Monat übrig ist bei einer 32 - 35 Stundenwoche. Einige müssen mittels Hartz IV finanzielle Ergänzungen beantragen, um die Familie über die Runden zu bringen. Bei Einstellungen von Auszubildenden gehen viele Unternehmen dazu über, sich die Auszubildenden ebenfalls von Leiharbeitsunternehmen zu holen, da diese Jugendlichen von der EU (also durch Steuergelder!) „subventioniert" werden. Den Unternehmen kosten solche Auszubildende gar nichts, denn sie erhalten ihr Lehrgeld" (267,00 Euro) von dem Leihunternehmen.




21.05.07- Kommentar zu China unter und hinter den Heuschrecken

Ja, ein cleverer Schach- oder Monopolyzug und was die Betragshöhe angeht wohl eher ein Versuchsballon, ein Nasenwasser dessen, was da noch kommen wird; denn jetzt bestimmt Chinas arbeitsloser Landflüchtling - einer von z.B. 700 Millionen - bzw dessen gewagte Lohnforderung den Kostenfaktor Arbeit und gleichzeitig sahnt sein autoritärer Staat am Ertragsende kräftig ab. Global! Wollten wir es anders? Es erinnert doch sehr an das ungläubige Lachen als das Gerücht die Runde machte, China sei drauf und dran Exxon zu übernehmen. Fröhliches Weiterlachen kann man da nur wünschen.




21.05.07- Kommentar zu Sklavenmarkt Deutschland

Der deutsche Sklavenmarkt ist nicht nur in Sachen Leih- und Zeitarbeit bodenlos, wie man deutlichst auf Ihrer Kommentarseite u.a. unter dem 19.05.07 nachlesen kann; die TELEKOM macht es vor indem sie versucht, eine Auslagerung des Faktors Arbeit quasi virtuell vorzunehmen: da brauchts nicht mal mehr eine räumliche Verlagerung und BGB 613 wird einfach wie ein unliebsames Telephonat weggedrückt. Der Kommunikationsmoloch, der seine Halbwertszeit eh' schon um beinahe 100% überschritten hat ist dazu ein vorzüglicher Vorreiter. Wer will schon an dessen Zerschlagung Schuld sein? Die Nachahmer stehen in den Startlöchern. Offensichtlich haben weder Politiker, Arbeitsrechtler, Gewerkschafter und auch die deutsche Masse noch gar nicht begriffen, welche Schule das machen wird.

Was passierte wohl in solcher Situation in Frankreich?

Reaktion:

Vielen Dank. In Frankreich wäre der Teufel los, die Leute auf der Straße und der neue Präsident im Dauereinsatz zur Rettung angemessener Löhne (sein Wahlthema!).




20.05.07- Kommentar zu Warum zu viele Politiker den Treibhauseffekt nicht begreifen

Ihrem Gedankengang ist vollständig zuzustimmen. Treibhauseffekt und damit die Klimaverschiebung sind bei der großen Mehrheit der Politiker noch nicht angekommen. Das ist ein globales Phänomen weil es im Interesse global auftretender Kräfte liegt, eine für sie im Moment unglaublich günstige Situation auszuschlachten. Sorge bereitet diesen Kräften gegenwärtig nur eine mögliche Energieknappheit und das zu beheben steht in negativ reziprokem Verhältnis zu einer nicht in das närrische Konzept unendlichen Wachstums passenden Klimadebatte.

Warum es immer noch Verweigerer und Skeptiker gibt und wider aller Vernunft agierende Lobbys, die gar hohe Belohnungen für Gegenbeweise aussetzen und ganze Heerscharen an Delegierten zur Weichspülung global gesammelter wissenschaftlicher Erkenntnisse aussenden ist nur damit zu erklären, daß die Einen, ganz Mensch, grundsätzlich jegliche Veränderungen fürchten während den Anderen, die mafiös verwoben ganzheitlich in den Dienstanweisungen ihrer jeweiligen Herren aufgehen, jegliches geistiges Leistungsvermögen, sprich' eigenes Denken, abhanden gekommen ist. Das klingt in vieler Ohren überzogen, unseriös; wenige wollen es wahrhaben, es glauben oder wagen nur, es auszusprechen. Stellt man sich aber selbst nur wenige, kaum über durchschnittliches Allgemeinwissen hinausgehende Fragen und sucht schnörkellose Antworten, so hilft dies, eine eigene Position zu finden:

Klima?

Schon lange vor uns, die gerne zitierten, nie richtig faßbaren Jahrmillionen, hat unser Lebensraum, die Erde sich um Ausgleich bemüht - ganz ohne uns. Das gipfelte nach langen Zeiten extremster Ausschläge in einem Gleichgewicht aller das System bildender Größen, es formten sich u.a. auch klimatologische Abläufe, die es ermöglichten, ob aus Zufall oder geplant, menschliches Leben zuzulassen. Selbiges wurde Bestandteil indem es sich dem sich bildenden Gleichgewicht unterwarf - bis vermeintliche Intelligenz gewachsene Instinkte verdrängte.

Mensch?

Zu Zeiten Jesu Tod waren wir geschätzte 250 Millionen Menschen; um 1820 AD durchbrachen wir die eine Milliarde; ergo, in knapp 2000 Jahren hatten wir uns vervierfacht. In den letzten 200 Jahren haben wir uns dann ca. versiebenfacht: 7.000.000.000 Menschen. Für das Klima und sein Gleichgewicht prekärer war aber das Finden des Erdöls, kaum zu glauben so um 1850, bzw. die Tatsache, daß das schwarze Gold das Industriezeitalter zur Stampede werden ließ, einer Verbrauchs- und Wegwerfgesellschaft ungeahnten Ausmaßes - bis heute, und seit ca. 15 Jahren auch noch global.

Einfluß?

Natürlich beeinflußt ist das Klima schon immer, siehe oben. Wenn also Ekliptik, Vulkanismus, Sonneneinstrahlung, Veränderungen der Zusammensetzung der Atmosphäre, Vegetation, Reflexion, Absorption und dergleichen das Klima beeinflussen, was berechtigt dann das Infragestellen des menschliches Einflusses? Wenngleich der Mensch (noch) nicht in die Ekliptik und den Vulkanismus der Erde eingreifen kann - die Bushs und Blairs dieser Welt würden auch das noch gerne getan haben - so tut die Masse der sieben Milliarden es doch in allen anderen genannten Fällen. Was soll also die Frage? Man muß nun Hirnleistung schon vorsätzlich verweigern oder verbieten, um der Erkenntnis auszuweichen, daß wir 7.000.000.000 es sind, die ein Problem darstellen. Wir setzen u.a. Unmengen an CO2 frei, indem wir innert 200 Jahre alles das verbrennen, was mehr als 200.000.000 Jahre benötigt hatte, um zu konzentrierter Energie zu werden. Bereits vor mehr als 30 Jahren wurden die Grenzen des Wachstums hinterfragt - allein gefruchtet hat dies nichts. Im Gegenteil, seitdem haben sich die freien und manchmal auch sozialen Marktwirtschaften unter demokratischen Gesellschaftsformen durchgesetzt nur um sich hernach in global wuchernden Lobbykratien, einig im Streben nach ewigem Wachstum, Geld, Macht und Einfluß, um die verbleibenden Ressourcen zu streiten. Nur der Einfluß ist derselbe; nämlich der, der auch das Klima aus dem Bereich seines Gleichgewichtes stößt.

Soziale Gedanken erledigen sich in diesem Wettrennen quasi von selbst, genau wie sich das verbietet, was man gemeinhin normalen Menschenverstand nennt; ein Begreifen ist da inbegriffen, ansonsten man ja Politiker als dumm bezeichnen müsste. Und das wiederum fiele auf uns, deren Wähler zurück. Leider verweigert sich aber auch die Mehrzahl der Wähler dem Spiel mit Märklin - oder Fleischmann - Eisenbahnen, weshalb die Unternehmen Arbeit auslagern müssen und der Wähler, ganz erträumter Konsument, Vorgefertigtes, Vorgegartes und Vorsätzliches zu konsumieren hat. Wir dürfen uns allerdings nichts vormachen; ähnlich wie mit Statistiken verhält es sich mit Gleichgewichten. Extreme Ausschläge bilden Durchschnitte, Mittel; sie zeichnen über die Zeit Trends auf. Zeit glättet, so nur in ausreichend großem Maßstab gewählt, alle Schnitte, alle Mittel und alle Ausreißer. Insofern wird das Bereinigen des Lebewesens Erde um 75% seiner menschlichen Besatzung nur ein winziger Ausreißer sein auf seiner Zeitachse. So kein Delegierter irgendeiner Lobby die Erkenntnis verfälscht hat, ist diese nun schon 4.500.000.000 Jahre lang; selbst bei größter Auflösung fallen da 200 oder 300 Jahre nicht wirklich auf.




19.05.07- Kommentar zu Zeitarbeit

Seit nun mehreren Monaten habe ich einen Arbeitsvertrag bei einer Zeitarbeitsfirma, die dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) angehört. Mein Bruttostundenlohn beträgt 7 Euro zzgl. einer steuerpflichtigen Verpflegungsaufwendung von 2,50 Euro arbeitstäglich. Mein Nettolohn liegt, nun nach Beendigung der Probezeit, bei rund 900 Euro.

Seit Beginn meiner Arbeit in der mir zugewiesenen Einsatzfirma arbeite ich 40 Stunden pro Woche. Laut IGZ-Tarifvertrag gilt für mich die 35-Stunden-Woche. Somit laufen per Woche + 5 Stunden auf ein Gleitzeit-Stundenkonto, daß nach Beendigung der 6 monatigen-Probezeit bei 70 Stunden zu gunsten der Zeitarbeitsfirma gehalten wird. Bis zum Ablauf der Probezeit habe ich nur 35 Stunden per Woche bezahlt bekommen, habe aber 40 Stunden gearbeitet.

Die Einsatzfirma bezahlt an die Zeitarbeitsfirma 14 Euro per Stunde. Im Bereich, in dem ich eingestetzt werde, sind fast 40 % ganztägige Zeitarbeiter von unterschiedlichen Anbietern.




17.05.07- Kommentar zu Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für März 2007

In Abbildung 04792 besagt die Fußnote (*) zu Lohn- und Gehaltssumme, daß es sich um die %-Veränderung „pro Beschäftigtem" handelt. Diese hat lt. Abbildung um 1% zugenommen. Im Begleittext heißt es demgegenüber: „...zeigt die STAGNATION von Arbeitsgeld pro Stunde und PRO BESCHÄFTIGTEM ...".

Reaktion:

Vielen Dank für Ihren berechtigten Hinweis. Ich habe den Text nun geändert in: „ Die Stagnation von Arbeitsentgeld pro Stunde und Fast-Stagnation der Lohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigtem zeigt sehr deutlich auch den Einfluß der zunehmenden Zahl von billigen Leiharbeitskräften, Teilzeitbeschäftigten und solchen in anderen schlecht bezahlten Jobs (Abb. 04691)."




16.05.07- Kommentar zu Produktivitätsfortschritt in China viermal schneller

[Kommentar weist auf Flassbeck, Globalisierter Merkantilismus, WSI-Mitteilungen 5/2007 hin] Es ist schon seltsam. Einerseits räumt Flassbeck, wie in diesem Artikel ein, daß Lohndumping die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöht und in dieser Form internationaler Handel ein Nullsummenspiel ist. Damit schließt sich Flassbeck letztlich der Auffassung der Kieler Schule an, daß der Aufschwung in der Bundesrepublik letztlich deutscher Lohnzurückhaltung zu verdanken sei. Andererseits kann er diesen Gedankengang nur auf die westlichen Industrieländer, aber nicht global anwenden. Wie kann man einen Mechanismus beispielhaft analysieren, diesen aber, gerade als Ökonom, nicht verallgemeinern? Warum ist es nicht möglich zu sehen, daß etliche Schwellenländer, wie China, Indien oder Brasilien, in gleicher Weise von diesem Nullsummenspiel profitieren? Wobei China sowohl vom niedrig gehaltenen Wechselkurs wie auch den niedrig gehaltenen Löhnen profitiert. Hinzukommt, daß in diesen Ländern in besonders krasser Form, die gewonnenen Handelsgewinne kaum wohlfahrtssteigernd wirken, weil sie nur einer kleinen Clique, darunter auch unseren 'global players', zugute kommen, welche sowohl dort wie hier den Lohndruck aufrecht erhalten.

P.S Was halten sie von der Meldung vom baldigen Arbeitskräftemangel in China?

Reaktion:

Habe Flassbeck (natürlich positiv kommentiert von Nachdenkseiten) nicht gelesen, da ich ihn in Sachen Globalisierung sowiewo für inkonsequent halte (wie auch die Linkspartei, der er zuneigen dürfte, zumal er unter Lafontaine gedient hat und mit dem gegangen wurde). Ausserdem ist er durch seinen Job bei der UNCTAD Partei für China. Er hat sich ja mal verstiegen, die Ausbeutung in China mit der in Deutschland zu vergleichen. Das hat ihn in meinen Augen völlig disqualifiziert.

Die Meldung mit dem drohenden Arbeitskräftemangel scheint mir von interessierten Seiten in China zu kommen, die damit den wachsenden Widerstand gegen chinesisches Lohndumping mindern wollen. Bei 700 Mio arbeitslosen oder unterbeschäftigten Wanderarbeitnehmern scheint mir das wenig begründet. Der Mangel wird wohl nur in einigen Zweigen und einigen Ecken Chinas bestehen. Schon jetzt hat das Perldelta einige Schwierigkeiten, weil die dort angesiedelten Exportunternehmen, meist westliche Investitionen, noch schlechter bezahlen als anderswo in China. Bei qualifizierten Technikern, die am ehesten mangeln dürften, unternimmt China grosse Anstrengungen in der Ausbildung.




15.05.07- Kommentar zu Arme SPD

der Vergleich 2003 zu 2007 fällt für die SPD noch deprimierender aus, wenn man bedenkt, daß viele der mit dem unter Schröder eingeschlagenen Kurs nicht Einverstandenen in der Zwischenzeit der SPD den Rücken gekehrt haben und somit in 2007 nicht mehr in dem Prozentanteil der kritischen Stimmenenthalten sind.




13.05.07- Kommentar zu Zusammenhänge von Produktivität, Produktionsindex, Arbeitnehmereinkommen und Verbraucherinsolvenzen

ich finde Ihre Ausführungen im Global News 699 sehr anschaulich. Eines ist mir aufgefallen: In den Abbildungen 04782 (Produktivität) sowie 04779 (Gesamtproduktivität)weichen die Produktivitätskennziffern voneinander ab.

Reaktion:

Die Abbildungen haben dieselbe Steigerungsrate von 2 % für die Gesamtwirtschaft. Abb. 04779 enthält zusätzlich die Angabe für die Industrie (verarbeitendes Gewerbe von 6.7 %).




13.05.07- Kommentar zu Die Freihandelspäpste lenken ein

„Zu spät!" möchte man da rausschreien und sich fragen, warum die Päpste erst jetzt wagen auszusprechen, worauf sie schon lange hätten aufmerksam machen müssen. Beleidigt solche Titulierung den amtierenden Benedikt? Oder versteht man das besser als zynisches 88, wo es doch geradezu grotesk gleichgültig ist, was sogenannte Freihandelspäpste denken. Mag ihr ursprünglicher Gedanke freien Handels noch der Verbesserung globalen Lebenstandards und des ad absurdum Führens, dem Abschaffen unfreier Gesellschaftsformen gegolten haben muß doch jedem wirklichen Experten ziemlich früh klar geworden sein, daß ohne grundlegende und global geltende Regeln das Freie am Handeln schnell in einen zügellosen Wettbewerb des Kapitals gegen Masse umschlagen würde. Aber sie lenken ja jetzt ein; bringt das was? Rezepte à la „.. ein wenig bremsen" und beschwichtigende Durchhalteparolen werden gar nichts bewegen und auch nicht dazu beitragen, die drohende Irrelevanz der Gurus abzuwenden. Man kann eh' nichts abwenden was schon Geschichte ist. Nein, da muß schon mehr geschehen, nachzulesen u.a. in vielen Ihrer Schwerpunkte.

Verschärft wird die Not, möglichst umgehend ein internationales, i.e. globales Regelwerk zu erstellen durch mindestens drei wesentliche Punkte. Da ist zunächst die Frage nach dem globalen Gremium, das diese Regel erarbeiten und zur Ratifizierung führen könnte. Nachdem die „herrschenden Entscheidungsträger" weder Willens noch in Lage sind, Sie nennen das sehr treffsicher „entweder dumm, blauäugig oder bewußt", die neo liberale Pest im Zaum zu halten: wer soll es richten? Die Inflation an Gipfeln nationaler Egozentriker und delegierter Textdichter wird es wohl nicht sein. Die zweite Frage: wieviel Zeit bleibt, die größten Schäden noch zu verhindern angesichts verheerender Ressourcenvernichtung im Verbund mit dramatischer Energie-, Trinkwasser- und Klimaentwicklung?

Alle reale Anworten zu eins und zwei erzwingen Frage Nummer drei: wann schlägt das Pedel um? Die Idee freien, globalen Handels hat sich weitestgehend verselbständigt in Form eines neo liberalen, eindimensionalen Kapitalismusdenken, losgelöst, ja entbunden jeglicher sozialer Funktion. Die Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern in billigere Verträge, früher undenkbar, ist heute salonfähig, clever, im schlimmsten Falle „leider nicht zu vermeiden" mit immer der gleichen Begründung; dieselbe ermöglicht es den Vorständen, sich im Gegenzug über Tantiemen und börsenkursorientierte Prämienregelungen die Taschen in dreister, ja unverschämter Weise zu füllen. Wann aber kommt das böse Erwachen für die Protagonisten dieser Beutezüge. Nur weil sie sich das Denken der Freihandelspäpste zu eigen gemacht haben, es perfektionieren und schamlos ausnutzen denken sie doch - genau wie Ihre längst überholten Ideengeber - keinen Schritt über ihren goldenen Tellerrand hinaus. Wenn sich Staat und Kapital der sozialen Verantwortung immer weiter entziehen, welche Art Gesellschaft glaubt man damit zu formen?





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Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.