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Kommentare werden anonym - soweit nicht anders gewünscht - und teilweise leicht gekürzt (keine Zensur) mit meiner Reaktion wiedergeben




17.05.07- Kommentar zu Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für März 2007



12.05.07- Kommentar zu Diskussion mit Albrecht Müller

...ich lese grade Ihre Replik auf Albrecht Müller. Also ehrlich: So ganz verstehe ich nicht, was dieser Streit soll. Kann es nicht mal schlicht sein, dass Ihr beide recht habt? Er halt nur die eine, Sie hingegen die andere Perspektive betonen? Er hat doch insofern recht, dass es internationale Geldbewegungen „an sich" immer schon gab. Dann Breton Woods, dann Ende des Ostblocks - ups ist das intensiver geworden. Und Ihnen kann man schon, wenn man ne andere Perspektive hat, womöglich „vorwerfen", dass die Rede von „der Globalisierung" zu entpersonalisierend ist - die ist ja nicht das Böse; sondern eher die Machtverhältnisse, welche sie exekutiert?

Wobei ich übrigens ziemlich lächeln musste: Wie kommen Sie dazu, Albrecht Müller als „Linken" zu bezeichnen? Weil er in der SPD war oder ist? Oder „kritische Bücher" schreibt? Für mich ist das tendentiell lächerlich; aber gut, ich kenn ihn ja auch nicht persönlich. Ich kann Ihnen nur immer sagen: Von AM höre ich Keynes - und nicht Marx; wobei Keynes eher in die bürgerliche Mitte des Links-rechts-Theorems gehört.

Reaktion:

Es ist nun so, dass die Folgen der neoliberalen Globalisierung das Steckenpferd meiner Webseite sind, die sonst nicht existieren würde. Das ist auch der eigentliche Unterschied zu Nachdenkseiten. Damit müssen sich die Besucher nun mal abfinden, sonst müssen sie woanders hingehen. Hier liegen auch meine besonderen beruflichen Erfahrungen.

Ich lasse ja im Ergebnis durchaus beide Perspektiven nebeneinander gelten, wäge sie aber gegeneinander ab und halte die zweite in der Replik beschriebene für einschlagender. Dabei glaube ich schon, dass die dramatisch erhöhten Quantitäten der Globalisierung (auch im Blick auf das, was erst im Kommen ist) seit Breton Woods, besonders aber nach dem Fall der Mauer und noch mehr seit etwa 2000 eine völlig neue Qualitaet gebracht haben. Globalisierung entpersonalisiere ich nur insoweit, als ich sie nicht allein an bestimmten deutschen Politikern festmache, obwohl ich die auch immer wieder erwähne. Und natürlich beschreibe ich, wie sich die Machtverhältnisse in ihrem falschen Management der Globalsierung durchsetzen. Ich war selbst lange genug Teil dieser Machtverhältnisse, um mir ein Urteil zuzutrauen. Wer alles nur personalisieren will, kann sich leicht verrennen, denn die Strukturen sind dafür viel zu komplex und liegen jedenfalls nur zu einem kleinen Teil in Deutschland.

Über das Rechts-Links-Schema kann man in Deutschland immer prächtig streiten. Albrecht Müller versteht sich selbst als zum linken Spektrum der SPD zählend, auch wenn er wohl bei Keynes und jedenfalls in der Zeit vor der neuen großen Welle an Globalisierung stehengeblieben ist. Wo ist denn nun in Deutschland wirklich links? In Frankreich kann ich mich jedenfalls etwas leichter orientieren. Deswegen vergleiche ich die deutschen "Linken" gern mit ihren französischen Entsprechungen. Aber lassen wir Nachdenkseiten ruhig links sein, denn wo sollte man sonst die SPD, CDU/CSU oder gar die FDP einordnen? Jedenfalls konnte Marx von dieser Form an Globalsierung nicht einmal träumen, und schon gar nicht von der Milliarden-Armee an weltweit auf die Arbeitsmärkte drängenden Niedrigstlöhnern, auch nicht davon, dass industrielle Handarbeit in vielen alten Industrieländern inzwischen ausstirbt und sich die Dienstleistungsträger immer weniger als Proletarier fühlen.

Was immer in Deutschland links ist, scheint mir in Sachen Globalisierung überwiegend unterbelichtet. Wenn die von mir beschriebenen Mechaniken des Spiels über die Banden (EU, EZB, WTO etc.) nicht ins Visier genommen werden, weil das zu mühsam oder undurchsichtig ist, kann man mit der Opposition einpacken. In Frankreich haben das inzwischen so ziemlich alle Parteien begriffen, in Deutschland keine einzige! So freue ich mich immer noch über den Mut eines Joseph Stiglitz, als Insider die Mechanik von IWF und Weltbank blosszulegen, und das hat jedenfalls der Kritik viel geholfen.




08.05.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 164 09-05-07: Nochmal Frankreich nach der Wahl: Gestörte Wahrnehmung in Deutschland?

Für das Nachlegen in Sachen Frankreich und der Haltung Sarkozys danke ich Ihnen; wie Sie wissen ist es mir ein Anliegen, immer wieder auf die Mißstände in Sachen Klima und Umwelt aufmerksam zu machen. Trotzdem beobachte ich soweit es mir möglich ist natürlich alle Tangenten. Und da haben Ihre Ausführungen mein Verstehen der Absichten des neuen Präsidenten deutlich unterstrichen und mir geholfen, meine Ungläubigkeit beim Hören regierungsdeutscher Interpretationen in die Sicherheit zu verwandeln, doch nur wieder neo-liberales Wunschdenken vernommen zu haben.

Offensichtlich glaubt man in Berlin nicht, daß es tatsächlich ein „einfach-nur-rechts" gibt. Das Le Pen zu überlassen, reicht nicht aus, um zu verstehen, daß die Beteuerungen, Arbeitsplätze für Franzosen schaffen zu wollen und den Stolz der Nation mehr in den Vordergrund zu stellen zunächst einmal gar nichts mit braun nationalem Gedankengut zu tun haben wohl aber mit einem Beschützen. Die landläufige, alte, Bedeutung des lateinischen Begriffes, Protektionismus, im Gegensatz zu Freihandel, ist allerdings unzureichend wenn das Bemühen zu schützen über eben den freien Handel hinausgeht und soziale wie umwelttechnische Bedingungen einschließt. Im an sich fragwürdigen globalen Wettbewerb um endloses Wachstum und einem ranking der Besten wäre dann gewährleistet, daß der Mensch und sein Lebensraum wesentlicher Teil der Erfolgsbilanzierung werden.

Der Wunsch, solche Bemühungen in Frankreichs Wahlkampf übersehen zu haben, wird bei den nächsten EU Gipfeln für viel Wirbel sorgen. Man kann sich nur wünschen, daß dabei Frankreichs Ideen in einer Form abfärben, die helfen, die Bedingungen globalen Tun und Handelns schnellstens um soziale und umweltpolitische Grundsätze zu erweitern; eben bevor neo-liberale (Wirtschafts-)Politik solche Reaktionen in national braun verursacht.

Reaktion:

Im französischen Wahlkampf hat die Umwelt eine weit größere Rolle als im deutschen gespielt. Seit den tausenden Hitzetoten von vor wenigen Jahren ist dies ein heißes Thema geblieben. Ein sehr bekannter Fernsehmensch in Sachen Umwelt, der einen erheblichen Anteil im ersten Wahlgang bekommen hätte, ist nur zurückgetreten, nachdem Sarkozy und Royal einen Vertrag zugunsten der Umwelt gezeichnet hatten. Aus Frankreich kommen auch die stärksten Forderungen, Produkte aus Ländern mit niedrigen CO2-Standards mit Sonderzöllen zu belegen. Bekanntlich hat Frankreich als erstes EU-Land bereits eine Sonder-Flugsteuer eingeführt.




07.05.07- Reaktion zum Kommentar von Nachdenkseiten zu
Gedanken zur Zeit 159 05-05-07: Bedeutet der Tarifabschluß in der Metallindustrie endlich ein Durchstarten?

Diese Webseite hatte zu dem Tarifabschluß der IG-Metall die Ansicht vertreten, um die Arbeitnehmer ruhig zu halten, wird mit 4,1 % vorne eine im Jahre 2007 nur für 7 Monate ab Juni geltende schöne Zahl „über 4" hochgezogen. Das hat offensichtlich Nachdenkseiten mißfallen und so ist dort heute zu lesen: „Wir werden von Lesern auf andere Quellen hingewiesen, in denen auf der Basis nicht nachvollziehbarer Berechnungen die Rede davon ist, die 4,1% seien hochgezogen worden, um die Arbeitnehmer ruhig zu halten." Das bezieht sich ganz offensichtlich auf diese Webseite. Weiter heißt es bei Nachdenkseiten: „Die Gesamtlaufzeit des Tarifvertrags beträgt 19 Monate. Es gibt keine mathematische Musterrechnung, um eine prozentuale Jahreserhöhung auszurechnen. Jede Umrechnung auf 24 Monate wäre Quatsch, weil der Abschluss ab November 2008 nicht bekannt ist." Doch die fehlenden 2 Monate werden die Situation nicht grundsätzlich verändern, zumal es nun erstmals die Option gibt, per freiwilliger Betriebsvereinbarung die Tariferhöhung ab Juni 2008 um 4 Monate hinausschieben zu können. Mit dem emotionalen Wort „Quatsch" sollte man da vorsichtiger umgehen.

Wir werden ja sehen, wieviel schon die Inflation wegräumt, die derzeit bei 1,9 % liegt, was allein bei zwei Jahren 3,8 % sind. Und die Produktivität lag im vergangenen Jahr bei 2 %. Sollte sie sich so bis 2008 fortsetzen, so sind das noch einmal 4 %. Unterstellt, es gäbe in diesen Rahmendaten keine größeren Änderungen, müßten die Metaller also nominal über die zwei Jahre schon 7,8 % mehr bekommen, um wenigsten die Produktivitätsentwicklung mitzunehmen. Was soll denn ein Metaller mit dem Hinweis von Nachdenkseiten anfangen, es gäbe keine mathematische Musterrechnung, um eine prozentuale Jahreserhöhung auszurechnen? Soll er wirklich im Dunkeln bleiben oder sich mit der pauschalen Beruhigung abfinden, ein Erfolg sei das schon (so Nachdenkseiten)? Selbst wenn es keine einfache Methode gibt, sollte man sich vor der Bewertung nicht drücken. Hierzu jetzt auch Rundbrief 697.




05.05.07- Kommentar zu Verlinkung von Nachdenkseiten

Ganz herzlichen Glückwunsch!

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Der Glückwunsch gebührt denjenigen Besuchern von Nachdenkseiten, die die gelegentlichen Hinweise auf das Informationsportal vermißt haben (viele haben sich bei mir gemeldet) und - soweit sie arbeitslos oder sonst sozial stark benachteiligt sind - mit einem einfachen Modem und entsprechenden Telefongebühren ungern auf weiteren Webseiten nach kritischer Information suchen. Wir müssen abwarten, wie solche Links, wenn es diesmal nicht nur ein Versehen war, in Zukunft gehandhabt werden. Sollten wieder die besonders globalisierungskritischen Beiträge wegen einer „alter Hut"-Doktrin von Nachdenkseiten systematisch negiert werden, so kann ich das natürlich nicht unkommentiert lassen. Es muß doch möglich sein, auch zu dem alles bestimmenden Thema der neoglobalen Einflüsse Meinungsvielfalt zuzulassen. Was da zählt, ist deshalb nicht die Zahl der Links sondern die Qualität der Auswahl.

Die Herren Müller und Lieb grüsse ich mit der Kopie.




05.05.07- Kommentar zu 3. Teil des Welt-Klimaberichts: Noch 8 Jahre zur Umkehr vor der Katastrophe

Bezeichnend für die erfolgreiche Arbeit der nun schon zum dritten Male delegierten Schleifer ist schon der Umgang des Spiegels (www.spiegel.de) - aber durchaus auch anderer Medien - mit dem Thema bzw. Ergebnis. Großer Aufmacher, für nicht mal sechs Sunden am Freitagnachmittag, mit der Überschrift „Rettung der Erde kostet nur ein Tausendstel der Weltwirtschaftsleistung" und einem idyllischen Bild eines Paares, das sich auf einer Eisscholle sitzend sonnt. Mehr ist nicht, die headlines gestalten seit dem schon wieder interessantere Themen wie Herrn Kleinfelds goldener Abgang oder ein neues Milliarden-Desaster, das sich ausgerechnet noch des Vornamens des großen Gelehrten Galilei bedient.

Aber was erwartet man auch anderes nachdem nun feststeht, daß wir mit einem Promille der Weltwirtschaftsleistung das schon zum Halse raushängende Klimaproblem endlich vom Halse haben; und - es kommt noch besser - nicht nur das Klima, nein die ganz Erde wird mit dem bißchen Promille gerettet. Das umfasst ja dann neben der Kleinigkeit des Klimas noch die ganzen anderen Fehlentwicklungen und -entscheidungen. Toll! Ein wenig lästig ist allein der Gedanke, daß wir die Emissionen dieses Reiz-, sorry, Treibhausgases ab 2015 nicht mehr weiter ansteigen lassen dürfen. Na, aber das geht ja noch, gibt es uns immerhin noch acht Jahre Zeit; da ist Panik natürlich ganz unnötig, denn dies gibt ja selbst den Chinesen und Indern nebst den Amis und Arabern noch Zeit, zur Besinnung zu kommen.

Gut, und dann sollen wir bis 2050 50% bis 85 % dieser Emissionen senken. Allein, wohin oder wie senken steht nicht drin. Oder meinen die Ansager, die Emissionen sollen um 50% oder 85% abgesenkt werden? Da muß ja wohl die Delegation der Zusammenfasser falsch übersetzt haben. Wie anders kämen denn präzise Wissenschaftler darauf, uns die Wahl zu lassen, zwischen einem 50 von 100 oder einem 85 von 100? Immerhin kennen sie doch schon das genaue Jahr, wie kann es dann zu einem Korridor von 70% kommen?

Ist schon verwirrend! Aber auch verständlich, wo doch im Artikel zuvor, Überschrift „Klimaforscher geben die Erde noch nicht verloren" stand: „Wenn der immer noch rasant steigende Ausstoß von Treibhausgasen ab 2015 zurückgehe, seien die schlimmsten Folgen zu vermeiden." Den Konjunktiv zu wählen ist sicher richtig, man weiß ja nie, was da stimmt und was die schlimmsten Folgen so sein könnten. Aber erklärungsbedürftig wäre dann schon, in welchem Tempo das rasant Steigende zurückgehen sollte; vielleicht wollte man auch nur festhalten, daß es nachts kälter als draußen ist?!

Also, so viel Unpräzises macht einem dann doch wieder eher Sorge; was soll auch beruhigen? Ein Promille, wieviel macht das eigentlich? Und wer sammelt das ein bzw. gibt es wofür und an wen aus? Oder hilft der Betrag gar per se? Sich inflationär ergießende banale Erkenntnisse à la „Schmelzwasser beschleunigt das Schmelzen von Eis", „Wasser dehnt sich bei Erwärmung aus" und „weißes Eis reflektiert das Sonnenlicht besser als dunkles Wasser" verunsichern den Hobbyphysiker genauso wie es die offensichtlichen Gedächtnislücken tun und auch die Aussetzer logischen Denkens. Freitag war nicht der Tag, sich des Methans als viel gefährlicherem Treibhausgas zu erinnern, aus 420 ppm CO2 als dem „point of no return" sind plötzlich 600ppm oder 650ppm geworden und auch die bereits realen und global auftretenden Extreme der Wasserverteilung bzw. Trockenzeiten sind eine Erwähnung nicht wert. Wenn solche Verknappung an Wasser und oben drauf der Suizid der Bienen zu Nahrungsmittelengpässen führen wird, dann werden dieser Hunger und seine Nöte genau wie das Abdecken eines Zugspitzgletschers und der Einsatz tausender Schneekanonen alle Bemühungen, Emissionen zu begrenzen ad absurdum führen; blanke Panik wird die kopflose Hektik ergreifen, gleichgültig welches Ziel, welches Datum und welche Bandbreite eines Rückganges zuvor erwürfelt wurden.

Eine Umkehr ist sicher möglich; allerdings müssen wir alle in unserer unendlichen Überheblichkeit gepaart mit unserer Dummheit, kluge Schreiber vorne weg, begreifen, daß es nicht gilt, die Erde zu retten, vielmehr uns Menschen.




02.05.07- Kommentar zu Arbeitslos im April

ich habe mir mal den Spaß gemacht die BA- Grafiken März und April zu verschmelzen. Das sieht dann so aus: hier und zeigt die Verfälschung noch krasser. Laut Grafik müssten wir im April bei 3 Mio Arbeitslosen liegen.

Reaktion:

Ja, es ist schon ziemlich irrsinnig. Vielleicht sollten Sie es mal an die BA schicken fuer einen Kommentar.




01.05.07- Kommentar zu In eigener Sache: Mehr als 500.000 Hits

... ich bewundere Ihre beinahe täglich deutlich werdende großartige Leistung in Ihrem Internet-Auftritt. Ihnen dieses mitzuteilen, drängt mich heute um so mehr, als ich gerade ihren 1.-Mai-Eintrag mit dem Stichwort 500 000 Hits las.

Von gleich hoher Wertschätzung sind für mich die Internet-Angebote der Herren Müller / Dr. Lieb sowie global net news, deren Verantwortliche ich leider nicht benennen kann. Schade nur, daß es zwischen Ihnen sowie den ebenso hochgeschätzten Herren Müller und Dr. Lieb einen offenbar tiefsitzenden Streit gibt, wenn ich Ihre Texte und die der Nachdenkseiten richtig bewerte. Meine dringende Bitte und Frage: Lassen sich die Divergenzen wegen China, Globalisierung, alter Hut usw. wirklich nicht durch beiderseits offene Gespräche aus der Welt schaffen? Bei beiderseits gutem Willen müßte das doch möglich sein - ohne daß Sie Herrn Müller bzw. Herrn Dr. Lieb bzw. einer von diesen Ihnen zu nahe tritt oder irgendwie Unvertretbares, von wem auch immer, gefordert wird.

Es wäre im Sinne einer demokratisch orientierten Gegenöffentlichkeit in Deutschland wunderbar, wenn die Argumentationskraft der beiden Internet-Angebote endlich irgendwie zusammengeführt und in sozusagen kumulierter Form volle Wirkung gegen die de facto bestehende Meinungsphalanx von Springer, Burda, Bertelsmann, FAZ, SZ-Verlag und Co. entfalten könnte.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre freundlichen und ermunternden Worte. Auch ich sehe den großen Bedarf an Nachdenkseiten und hätte eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für nützlich und im Interesse unserer beider Besucher angesehen. Leider war der Streit nicht aus dem Wege zu räumen, obwohl ich auf Anfrage von Herrn Lieb bestätigt hatte, daß Nachdenkseiten weiter auf das Informationsportal verweisen können. Ich habe auch angeboten, die Rundbriefe weiter zuzuschicken. Aber von Herrn Müller wurde das sehr schroff mit dem Bemerken zurückgewiesen: „Wir werden es aushalten, ihre Briefe nicht mehr zu erhalten."

Inzwischen hat leider Herr Müller seine These, daß die Globalisierung nur ein alter Hut von vorgestern sei (er verweist immer auf seine Erfahrung im Bundeskanzleramt aus den 70er Jahren) in der Neuauflage seines Buches über die Reformlügen und in Antworten auf Publikumszuschriften erhärtet. Anders als seine ist meine Webseite voll den Globalisierungsfolgen gewidmet. Angesichts seiner Einstellung zur Globalisierung hatte er von meiner Webseite für Nachdenkseiten ohnehin sehr einseitig immer nur das herausgepickt, was sein Weltbild nicht in Unordnung bringen konnte. Das ist natürlich schade, zumal Nachdenkseiten den hohen Anspruch erheben, eine „Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung" zu sein. In Sachen Globalisierungsfolgen kann ich das leider nicht nachvollziehen. Aber vielleicht sollten Sie sich an Nachdenkseiten wenden und sich dort ein Bild von deren Haltung zeichnen lassen und in dem Sinne plädieren, wie Sie das freundlicherweise mit mir getan haben.




27.04.07- Kommentar zu Raubtierkapitalismus und Casino-Mentalität

Ihre Gedankengänge über die Casinos, die Raubtiere und China im Vergleich zu Japan bringen es - wie gewohnt - jeder für sich auf den Punkt. Aber bitte vergessen Sie nicht, was sich da am Horizont zusammenbraut.

In den Neunzigern des letzten Jahrhunderts, nur eine Dekade zurück, häuften sich die Mai Monate, in denen die 30 Grad Marken geknackt wurden; ich lebte im Süden Deutschlands wo des Bauern Regel, wonach Kühl und Naß dessen Faß füllten, da schon nicht mehr erfüllt werden konnte; nun macht zwar der April auch zu Anfang des dritten Jahrtausends noch immer gemäß seiner Tradition was er will; er tut dies aber ganz deutlich in strenger Fortsetzung einer schnell fortschreitenden globalen Erwärmung. Und nicht nur der Temperaturen nach, nein, er folgt auch den Theorien, wonach sich das Niederschlagsaufkommen drastisch ändern könnte. Der Konjunktiv ist hier allerdings gar nicht angebracht angesichts eines Regenaufkommens, das ich so zwischen 0 und 15% der Normalrate bewegt!

Der Bodensee ist deutlich kleiner, er wird dennoch halb Süddeutschland mit Trinkwasser versorgen und alle Kraftwerke am langen Rhein heute und im Hochsommer kühlen müssen; die Schneeschmelzen fallen aus, sie tun dies aber in geradezu unheimlicher Weise - bitte wörtlich zu nehmen - in vielen Teilen der Welt; der Meerespiegel steigt, CO2 Emissionen tun dies allerdings noch schneller. Die Anzeigen stehen auf dunkelrotglühend - und keiner ließt sie ab! Man nennt Wandel was Zerstörung ist und streitet zur Ablenkung. Aus frühen Vermutungen, wagen Überlegungen, dann begründeten Befürchtungen genährt von nachhaltigen Recherchen ist heute Angst geworden. Nicht eine Angst eines Psychopathen; kein Angstgefühl eines Ahnenden, eines Angsthasen, Torwartes oder Entenklemmers. Nein es ist die Angst des Passagiers der weiß, daß ihm in Anflug auf den Turm keine Chance bleiben wird. Insofern relativieren sich alle Vergleiche; wobei die chinesischen Massen multipliziert mit dem Fortschritt an Produktivität, Technologie und den bekannten suicidalen Globalisierungsdogmen die 100 Millionen Japaner aus den 70ern als eine vom Aussterben bedrohte Spezies erscheinen lassen.




21.04.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 145 19-03-07: Sind die deutschen Löhne noch immer zu hoch?

besten Dank für die guten und interessanten Beiträge auf Ihrer Webseite. Die Beantwortung Ihrer Fragen habe ich beim IFO-Insititut gefunden:

Antwort: ifo Standpunkt Nr. 82 Autos kaufen keine Autos

Ist ja toll, die Überschrift des Standpunkts verheist zunächst mal Gutes, ist das vielleicht ein Sinneswandel bei Prof. Hans-Werner Sinn. Ist ja auch zu logisch, dass Autos keine Autos kaufen können. Aber da habe ich mich über so viel Sachverstand wohl zu früh gefreut. Nein, das war wohl kein Sinneswandel, "Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur", ist in der Mitte des Textes zu lesen. Konsum bzw. dessen Steigerung wird also für den Aufschwung bzw. dessen Stabilisierung einfach nicht benötigt!! Man hätte das auch einfacher sagen können, "Deutsche, wir brauchen noch mehr Lohnsenkungen für noch höhere Profite", das wäre aber zu einfach und zu direkt gewesen. Da würden wahrscheinlich auch die Deutschen auf die Barikaden gehen.

Demnach haben also z.B. BMW und seine Investoren Hunderte Millionen Euro in den Leipziger Sand gesetzt, allein aus Jux und Tollerei, oder kann man mit dieser Fabrik etwa doch neue Fabriken finanzieren? Die dort produzierten Autos sind wahrscheinlich nicht für das Inlandsgeschäft bestimmt - Konsum ist ja schädlich - sondern alleine für den Export. Ach ja, wir sollen noch mehr Konsumverzicht üben, damit man dem Ausland die durch Lohndumping so billig produzierten Waren förmlich um die Ohren hauen kann. Erst wenn Deutschland zu einem zweiten China geworden ist, werden diese Herren zufrieden sein. (Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes scheint diesen Menschen wohl völlig kalt zu lassen, in 2006 war der Privatkonsum bei ca. 1348 Milliarden und die Investitionen gerade mal bei 411 Milliarden Euro.)

Na ja, vielleicht sind wir Deutschen einfach zu dumm die Zusammenhänge richtig zu kapieren, deshalb muß der Professor aus München uns auch dauernd ermahnen. Ich als Elektroingenieur verstehe diesen Ifo-Standpunkt jedenfalls nicht. Vielleicht verstehen Sie ihn?



21.04.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 146 21-04-07: Was ist ein starkes Frankreich?

seit einigen Monaten bin ich ständiger Gast Ihrer WebSite und habe Sie auch schon weiter empfohlen. Natürlich informiere ich mich auch anders wo; unter anderem bei den NachDenkSeiten(NDS). Dabei fiel mir wie Ihnen auf, das viele "anti-neoliberale" WebSites speziell die NDS einen Hauch 68/70ger Nostalgie als idelogischen Bodensatz mit sich herumschleppen. Dies drückt sich in partieller (bei den NDS totaler) Unterschätzung der Globalisierung, in den Glauben an "endlosem" Wirtschaftswachstum und dem Unterschätzen der Sprengkraft des damit verbundenen Ressourcenverbrauchs (ich spreche absichtlich nicht von CO2 bzw. Klimaproblemen) für alle Teile dieser Erde. *In diesem Zusammenhang unterstütze ich ausdrücklich Ihre Ausführungen zu neoliberalen Globalisierung, die ich anderswo so klar und fundiert nicht zu lesen bekam.* Das schließt natürlich Ihr Urteil zu den NDS mit ein. Wobei die NDS trotzdem aus meiner Sicht eine wichtige Rolle in der Aufklärung über neoliberale Meinungsmanipulationen und Multiplikatoren im deutschsprachlichen Raum besitzt, daher sind die Defizite und das Ignorieren Ihres Webauftrittes um so bedauerlicher.

Nun aber zu eigentlichen Anlaß meines eMails; passend zu Ihren Gedanken zur Zeit 146 21-04-07: Was ist ein starkes Frankreich? gibt es einen Artikel in der gestrigen FTD von Thomas Fricke: Verfrühter Abgesang auf Frankreich? der sich, wie immer bei seinen Kommentaren, nach vielen richtigen Einschätzungen (Staatsqute, Arbeitslosigkeit, brutale Kostensenkungen der Deutschen etc.) nicht zu eintsprechenden Schlussfolgerungen durchringen kann (bzw. nicht darf?).

Reaktion:

Vielen Dank für die Zuschrift und die freundlichen Worte zu meiner Webseite. Natürlich hat NDS eine eigene wichtige Rolle, auch wenn man den Meinungsunterschied zur Globalisierung bedauern kann, zumal NDS hier meiner Meinung nach unnötig an Glaubwürdigkeit verliert.

Zu Frankreich bringt Fricke bezeichnenderweise kein Wort über die Haltung der Präsidentschaftskandidaten zur Globalisierung, die extrem anders als von FTD vertreten ausfällt. Und die 3 % von Fricke hervorgehobene deutsche Lohnsteigerung in 2008 (die Institute prognostizieren sie übrigens schon für 2007), ist nominal und ergibt nach Abzug der Inflation nur einen realen Zuwachs von 1,4 %, was immer noch unter dem Produktivitätszuwachs liegen würde.




01.02.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 145 19-03-07: Sind die deutschen Löhne noch immer zu hoch?

eine Anmerkung zu "Gedanken zur Zeit 145, Deutsche Löhne": ein Gegenargument zur der zitierten Leserzuschrift haben Sie nicht erwähnt, nämlich die Rolle der Wechselkurse. In einheimischer Währung gerechnet stagnieren die Löhne schon seit vielen Jahren, aber bei internationalen Vergleichen sind nun mal die in US-Dollar umgerechneten Löhne relevant, und nach dieser Betrachtungsweise sind die deutschen Löhne in der Tat kräftig gestiegen: nicht durch Lohnerhöhungen, sondern durch die massive Währungsaufwertung der letzten Jahrzehnte.

Wer die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegenüber dem Ausland durch Kostensenkungen verbessern will, sollte endlich einsehen, dass jede Lohnzurückhaltung ein Rennen zwischen Hase und Igel ist, solange wilde Währungsaufwertungen immer wieder die erzielten Kostenvorteile zunichte machen. Innerhalb der Eurozone kann die deutsche Währung inzwischen nicht mehr aufgewertet werden und unser Export profitiert kräftig davon, freilich auf Kosten der Nachbarn. Aber gegenüber Nicht-Euro-Ländern mussten wir seit dem Ende der DM schon wieder eine massive Aufwertung hinnehmen. Vor sieben Jahren stand der Euro bei 0,85 US-Cent, heute 1,35 US-Dollar, und ein Ende ist nicht abzusehen.

Mein Fazit: Entweder wir folgen dem Beispiel Chinas und führen eine feste Bindung des Euro an den Dollar ein, damit der Wechselkurs endlich stabil bleibt und sich die Lohndisziplin auch wirklich in Kostenvorteilen gegenüber dem Ausland niederschlägt. (Ein angenehmer Nebeneffekt der Dollarbindung wäre, dass dann unsere Zinsen von der Fed bestimmt würden, die eine wesentlich wachstumsfreundlichere Politik macht als die EZB, die unter jedem Kieselstein Inflation wittert). Oder wir bleiben bei freien Wechselkursen, dann ist es aber sinnlos, die Lohnzurückhaltung der letzten zehn Jahre fortzusetzen, weil sich der hiermit erzielte Kostenvorteil regelmäßig durch Währungsaufwertung in Rauch auflöst.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Ihr Hinweis auf den Dollar trifft natürlich nicht für die Eurozone zu, in der Deutschland besonders die Überschüsse aufbaut. Im Aussenverhältnis müssen die Wechselkurse längerfristig den Leistungsbilanzen folgen, wenn es nicht zu einem dramatischen Crash kommen soll. In diesem Sinne ist der Dollar immer noch weit überbewertet. Umgekehrt ist der Euro für Deutschland dramatisch unterbewertet, sonst gäbe es die enormen deutschen Überschüsse nicht. Der Grund ist einfach: Der Aussenwert des Euro wird von der Leistungsbilanz der gesamten Eurozone bestimmt und die ist anders als die deutsche negativ. Ausserdem muß die EZB nun in der den Aussenwert mitbestimmenden Zinspolitik auf die Eurozonenländer Rücksicht nehmen, deren Export sich längst nicht so gut wie der deutsche entwickelt (deshalb keine weitere Zinserhöhung vor den französischen Präsidentschaftswahlen!). Innerhalb der Eurozone sind die deutschen Lohnstückkosten längst zu niedrig, was die deutschen Überschüsse erklärt - eine Form von Lohndumping. Ein Sonderproblem ist die chinesische Währungsmanipulation mit der Anbindung an den sinkenden Dollar, eine Politik, die der Rest der Welt nicht hinnehmen sollte; die USA werden unter demokratischer Kongress-Mehrheit wahrscheinlich als erste dagegen vorgehen.

Was Deutschland m.E. eigentlich braucht, eine mindestens an der Produktivität orientierte Lohnpolitik (mit einigem Nachholbedarf) und dafür eine weit bessere Binnenkonjunktur, auch wenn es etwas weniger Export bedeuten könnte.




18.04.07- Kommentar zu Arbeitslosigkeit

.. in den vergangenen Tagen ist mir wieder ein Buch in die Hände gefallen, welches ich Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gelesen hatte: Lester C. Thurow: Die Zukunft des Kapitalismus. In diesem im Jahre 1996 erschienenen Buch beschreibt der MIT- Ökonom die Diskrepanz zwischen der offiziell vermeldeten US-Arbeitslosenquote (im Herbst 1995 betrug diese 5,7%) und dem tatsächlichen Ausmaß an Arbeitslosigkeit wie folgt (siehe Seite 65f):

"Im Herbst 1995 betrug die offizielle Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten 5,7Prozent. Aber genau wie bei einem Eisberg, bei dem der größte Teil unter der Wasseroberfläche verborgen ist, sind diese offiziellen Arbeitslosenzahlen nur ein kleiner Teil all derjenigen, die (mehr) Arbeit suchen. Außer den offiziell Arbeits- losen (ca. 7,5 Millionen) gibt es noch diejenigen, die ihren eigenen Aussagen nach gerne arbeiten würden, aber das eine oder andere oder gleich mehrere Kriterien nicht erfüllen, um aktiv am Erbwerbs- leben teilzunehmen, und deshalb nicht offiziell als Arbeitslose gezählt werden (noch einmal 5 bis 6 Millionen). Dazu kommen noch diejenigen, die unfreiwillig Teilzeitarbeit verrichten, aber lieber ganztags beschäftigt wären (ungefähr 4,5 Millionen). Alle diese Gruppen zusammengezählt ergibt sich eine effektive Arbeitslosenquote von fast 14 Prozent.Zusätzlich gibt es noch 5,8 Millionen Männer im erwerbsfähigen Alter (zwischen fünfundzwanzig und sechzig) - Männer, die früher erwerbstätig waren, Männer, die nicht in der Ausbildung stehen, Männer, die noch nicht alt genug für eine Pensionierung sind, Männer, die weder arbeiten noch arbeitslos sind, Männer, die existieren, ohne daß man weiß, wie - einfach Männer, die aus dem normalen Arbeitsleben bei uns ausgestiegen sind oder die man dazu gezwungen hat. Sie machen mehr als vier Prozent der Erwerbsbevölkerung aus.

In Amerika entsteht außerdem zur Zeit ein Heer von bedingt Arbeits- losen. 8,1 Millionen Amerikaner haben einen Zeitvertrag, 2 Millionen arbeiten "auf Abruf", und 8,3 Millionen bezeichnen sich als selbst- ständige Unternehmer. Viele der letztgenannten sind Akademiker, die im Rahmen von Downsizing-Maßnahmen entlassen wurden und sich jetzt "Berater" nennen, weil sie zu stolz sind zuzugeben, daß sie Arbeitslos sind. Gewöhnlich haben sie nur sehr wenige Kunden. Zählt man all diese "bedingt" Arbeitslosen zusammen, so kommt man noch einmal auf 14 Prozent der Erwerbsbevölkerung.

Die meisten der oben genannten hätten lieber eine normale Arbeit. Wie es das Magazin Fortune so schön beschrieb, schaffen sie eine Situation, in der der Lohndruck nach oben gleich null ist, weil so viele derjenigen, die Arbeit haben, sie im Grunde nur bedingt haben. So haben sie keine Verhandlungsmacht gegenüber den Arbeitgebern, und Arbeiter müssen erkennen, daß sie alle im gleichen Darwinschen Meer schwimmen. Außerdem sind in den Jahren zwischen 1980 und 1993 11 Millionen legale und illegale Einwanderer in die Vereinigten Staaten eingereist. Sie suchten und fanden höhere Löhne. Ihre Aktivitäten mußten einfach Auswirkungen auf die Beschäftigungsmöglichkeiten und die Löhne von in den Staaten geborenen Amerikanern haben. ... Dieses Heer an überschüssigen Arbeitskräften drückt die Löhne direkt nach unten und schafft indirekt ein wirtschaftliches Umfeld, in dem der nach unten gerichtete Druck anderer Kräfte (Technologie, Migration, weltweiter Handel) ... noch verstärkt wird. ... Da durch ein langsames Wachstum die unteren 60 Prozent der Erwerbsbevölkerung wesentlich stärker von Arbeitslosigkeit bedrohnt werden als die oberen 20 Prozent, sollte man davon ausgehen, daß in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit die Einkünfte der unteren 60 Prozent relativ gesehen wesentlich drastischer fallen als die der oberen 20 Prozent."

So weit dieser bewußt ausfühlich zitierte Text aus o.g. Buch. Vieles an dieser Beschreibung der US-Verhältnisse des Jahres 1995 erinnert an die heutige Situation auch in Deutschland (wobei die damalige US-Arbeitslosenquote in Höhe von 5,7% ziemlich exakt der heutigen US-Quote entspricht). Bereits im Jahre 1995 wurden die US-Verhältnisse den Deutschen durch unsere Politik, Wirtschaft und Medien als nachahmenswert empfohlen. Der Druck dieser Gruppen auf die deutsche Gesellschaft hat sich in der Zwischenzeit erheblich verstärkt (auch durch das Aufkommen von "Think-Tanks" wie z.B. die arbeitgeberfinanzierte "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft").

Die Auswirkungen der verstärkten Einwanderung in die USA könnten sich für Deutschland in analoger Weise einstellen: Spätestens ab dem Jahre 2011 wird die freie Arbeitsplatzwahl für die osteuropäischen EU-Beitrittsländer aufgehoben. Die dann möglicherweise einsetzende Wanderungsbewegung in die alten EU-Staaten würde der Wirtschaft zusätzliches Arbeitskräftepotenzial zuführen mit der Möglichkeit, erneut Druck auf die Löhne auszu- üben. Es hat den Anschein, als verfolgten diese Intereressengruppen nur das eine Ziel: die Arbeitslosenstatistik zu "bereinigen", sprich: die Arbeitslosen aus dieser Statistik verschwinden zu lassen. Dann können sich Politik, Wirtschaft und Medien gegenseitig auf die Schulter klopfen und einmal mehr das "Jobwunder" der "Jobmaschine" unserer "Deutschland-AG" bejubeln. Zu welchen Bedingungen und Konditionen die angeblich in Arbeit gebrachten Menschen dann arbeiten, ist dann sch...egal.




16.04.07- Kommentar zu Stundenlöhne unter 3 Euro

gerade lese ich auf den Internet-Seiten des Spiegel die angebliche - man will es ja kaum glauben - Äusserung des Wirtschafts"weisen" Wolfgang Franz, er soll auch Mitglied des Sachveständigenrates sein. Seine Botschaft: Senkt die Löhne unter drei Euro, dann schafft Ihr Arbeitsplätze.

So richtig funktioniert dies nur, scheint mir, wenn man den Arbeitnehmern auch noch das Essen abgewöhnt. Alternativ könnten sie auch auf eine Wohnung verzichten. Klarer marktwirtschaftlicher approach: Jeder wählt frei nach seiner Präferenz: Voller Bauch oder Dach über dem Kopf. Viele Menschen in den ehemaligen Ostblockländern haben dies in den frühen neunziger Jahren ja auch überstanden.

Man mag über die Idee des Professors noch schmunzeln. Warum eigentlich hat er seinen Einfall in guter wissenschaftlicher Tradition nicht einmal im Selbstexperiment getestet?

Aber zeigt eine solche Äusserung nicht doch, in welche Richtung wir uns in D bewegen? Vielleicht besuchen in zwanzig Jahren menschenrechtsbesorgte Gruppen aus Indien und China unser Land, um sweatshops und Kinderarbeit in D anzuprangern. Die Ersten werden die Letzten sein?????




15.04.07- Kommentar zu "Widerstand"

Sie berichten konstant über das Abdriften unserer Gesellschaft in ungute Zustände, alles sehr wahr und aufschlußreich; verbunden mit dem enormen Tempo des aus seiner Balance gezerrten Klimas gefährdet beides die Existenzgrundlagen der Menschheit - und nicht nur dieser sondern löscht Leben und vernichtet Ressourcen in einer Weise, was spätestens jetzt, da die Zusammenhänge auch für den intelligenzresistentesten Entscheidungsträger erkennbar und allgemein ja auch erkannt sind, durchaus als wider dem Recht, als kriminell einzustufen ist. Wenn nicht schon die allgemeinen Grundrechte des Individuums berührt werden so ergeben sich ganz sicher Ansatzpunkte nach dem Völkerrecht, der Staatenverantwortlichkeit, die nicht zuletzt die Menschenrechte und den Umweltschutz beinhaltet. Klar, mangels Kläger bzw. der Ehre unter den Krähen, der Tatsache also, daß die globalen Mächte neo-liberal und pseudo demokratisch eine geradezu monopolistische Stellung einnehmen bietet sich kein ernsthafter Henker an. Entgrenzung, wie Globalisierung gerne programmatisch umschrieben wird, beinhaltet demnach auch das Entfernen solcher Grenzen, die einst und wenigstens von Moral und Ethik bestimmt waren.

Dennoch, wo bleibt der Widerstand? Wo formiert sich welche Gegenbewegung? Ich suche keine APO, keine Helden, kein Geschwisterpaar, keinen Terroristenclan, keine Sekte oder ein sonstiges Extrem. Aber es muß sich doch mehr regen als es sich mir als regelmäßigem Besucher Ihres Portals, einiger Nachdenk-, vieler Nachrichtenseiten und sonstiger Quellen erschließt! Verpasse ich da was? Und das gleich in D und UK und den USA? Nicht der Schimmer einer ernsthaften Opposition?! Wir haben das Internet, telephonieren praktisch umsonst, waren nie mehr kommunikativ erschlossen als heute, Wissen war nie einfacher zu sammeln und ja, es regen sich einzelne Stimmen der Kritik, dennoch, ich vermisse irgendwelchen Widerstand!

Mein direktes Umfeld bzw. mein Freundeskreis wird kleiner, sicher weil meine Themen selten einem panem et circenses Verständis des mainstreams entsprechen; das gefällt mir ja selber auch nicht immer gefährdet es doch viele Genüsse und macht banales Konsumieren um so vieles schwieriger. Aber, wundere ich mich alleine? Geht es niemandem ähnlich? Erliege ich meiner Naivität? Was übersehe ich? Vielleicht finde ich ja rein zufällig eine Antwort in einem Ihrer nächsten Gedanken bzw. notiert auf einem Ihrer Zettel?

Reaktion:

Hier nur der Versuch einer kurzen Reaktion.

Bei den sozialen Einflüssen aus der Globalisierung stehen wir noch immer in der Anfangsphase. Die zwei Milliarden zusätzliche Arbeitskräfte werden erst über viele Jahre voll in den internationalen Wettbewerb eintreten. Hier geht es eigentlich darum, die Entwicklung rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Mehrheiten in den alten Industrieländern sind schon mitten im Lernprozeß und lassen sich von der unternehmensbestimmten Politik nicht mehr so einfach für dumm verkaufen. Natürlich tut Gegenaufklärung not, aber die ist glücklicherweise zunehmend nicht zuletzt durch das Internet überall verfügbar. Die Schwierigkeiten in der Doha-Runde und der Meinungswandel in den USA und von mir jetzt hier in Frankreich beobachtet sind deutliche Anzeichen, daß sich Widerstand gegen eine falsch betriebene Globalisierung in den verschiedensten Formen formiert und am Ende auch in der Wahlkabine zeigt.

Leider ist es bei der Umwelt viel schwieriger. Einerseits ist es schon eigentlich nach Zwölf, andererseits handeln die Hauptumweltverschmutzer USA und China bisher nur nach egoistischen und kurzsichtigen Interessen. Dabei kommt ihnen die generelle Kurzfristigkeit der Politik zugute. Daß die Weltklimakonferenz den Zeithorizont jetzt in die derzeit lebenden Generationen vorgezogen hat, wird sich - neben der persönlichen Erfahrung mit dem Wetter - rumsprechen. Leider wird bisher wenig verstanden, wie neoliberale Globalisierung und Beschleunigung der Umweltvernichtung zusammengehören. Auch das ist eine Aufklärungsaufgabe, bei der ich allerdings weniger hoffnungsvoll bin.

Die deutsche Lage wird noch zusätzlich kompliziert, weil sich sehr viele Menschen (auch kritische Zeitgeister, bis hin zu von Ihnen genannten Nachdenkseiten) bisher einreden lassen, daß die neoliberale Globalisierung für den Noch-Exportweltmeister arbeitet, und daß man selbst noch an der globalen Erwärmung sein Süppchen mit dem Export von Umwelttechnologie kochen könnte. Aber auch diese Träume werden ausgeträumt sein. Ich bin also gar nicht so pessimistisch. Sonst würde ich auch nicht meine Zeit für diese Webseite einsetzen.

Und wenn die Lernprozesse länger dauern, als man es gerne haben möchte, Resignation kann keine Alternative sein.




11.04.07- Kommentar zu global news 666 10-04-07: Der UN-Klimabericht: Die Katastrophe in die lebenden Generationen vorverlegt

Jeglichen Überlegungen in Sachen Klima ist stets zu Grunde zu legen, daß alle veröffentlichten Daten und daraus resultierende bzw. geformte Statistiken mindestens so akkurat verfälscht sind und sein werden wie die Statistik der Arbeitslosen, die neben allen anderen Tricks sogar die arbeitslosen Arbeitssuchenden ausschließt oder die Statistiken zu BIP und Wachstum, die schon deshalb positiv sind weil mal wieder indirekte Steuern erhöht wurden. Einiges wird erst durch die Aufmerksamkeit von informationswilligen Insidern aufgedeckt, anderes wird gar durch Aufbieten einer Flotte von Delegierten ganz offiziell verbogen. Der Gradient des Biegens ist schon lange vom Schönen nach Churchill in Richtung Fälschen nach Kujau verrutscht.# Immerhin kann sich auf dieser Grundlage jeder ungestört Intelligente leicht selbst ausrechnen, wie warm der letzte Winter in welchem Verhältnis wirklich war und welche Konsequenzen dies heute bereits hat und morgen haben wird. Ich sage voraus, daß unsere lobbygesteuerte Verwaltung in ihrem großkoalitären Streben nach gutem Schein im neoliberalen Umfeld nicht nur von einem beschleunigten Schmelzvorgang überrascht gewesen sein wird, welcher stehendes Schmelzwasser auf eigentlich weißem Eis auslöst - ein Versuch der ersten Klasse Physik - sondern daß dieselbe Verwaltung feststellen wird, daß schon 20 Zentimeter an tatsächlicher Meeresspiegelerhöhung - ganz zu schweigen von 50 oder 100 Zentimetern - im Verbund mit einer Serie an nicht mehr nur statistischen oder gar historischen Jahrhundert- oder auch Jahrtausendorkanen das Syltproblem stante pede Geschichte werden lassen werden.

Land wird dann plötzlich so rar werden wie sauberes Trinkwasser und saubere Luft. Mit einem Rückzug in höhere Gefilde wird es nicht getan sein, denn Landmasse ist - und das nicht erst im nächsten Jahrhundert - als Ressource zu erkennen; sie muß vielen Wirten dienen, nicht etwa alleine der Willkür sie unbrauchbar machender Menschenmassen. Und noch eine Überraschung, weder die Anzahl der Toten noch Jammern und zu spätes Beten werden es zulassen, das Klima innert eines humanen Zeitraumes in eine erträgliche Balance zurückzuführen.

Es bietet sich an, dazu kurzfristig Wetten anzunehmen; mit nicht mal mittelfristiger Laufzeit; angesichts der kommenden Sommertage im April 2007 wäre das geradezu unnötig. Apropos Rechnen: Wie kalt müssen die Tage demnächst werden, um den letzten Winter auch nur annäherungsweise in den Bereich von + 0,7°C über Durchschnitt - so die "offizielle" Statistik - gedrückt zu haben?




10.04.07- Kommentar zu Arbeitslosigkeit im März und statistische Manipulationen

nur eine kleine Anmerkung, die scheinbar im "Zahlengeflecht" keine Beachtung findet. Im Jahr 2006 sollen ca.150.000 Bürger ausgewandert sein, also dieser Republik für immer den Rücken gekehrt haben. Es gehört eine grosse Portion Mut dazu seine Heimat zu verlassen, um zu versuchen seine wirtschaftliche Situation zu verbessern. sicherlich sind diese Mitbürger nicht alle arbeitslos gewesen. Aber sie werden ungewollt, jetzt und natürlich auch in Zukunft dazu beitragen, dass die Arbeitslosenstatistik wieder ein bisschen "schöner" aussieht. Der Bundesarbeitsminister kann sich daher über jeden Auswanderer freuen, denn, wenn er noch nicht arbeitslos war, kann er es auch in Zukunft nicht mehr werden, zumindest nicht in Deutschland !!!

04.04.07- Kommentar zu Vom Fluch der Mitbestimmung: Welchen Betriebsrat kaufen wir nun?

... ich möchte einen kurzen Kommentar zum Thema "Welchen Betriebsrat kaufen wir heute?" loswerden. Meinen Namen können Sie gerne veröffentlichen. Ihr Informationsportal Globalisierung lese ich wegen der ideologiefreien Betrachtung des Themas regelmäßig. Wenn es Ihr Portal nicht gäbe müsste es erfunden werden. - Vielen Dank! Noch eine Bitte an Sie: Können Sie einen Schwerpunkt zum Thema bedingungslosem Grundeinkommen machen? Dies ist ein für eine große Zahl Hartz 4 Opfer von Interesse, denen ihre Menschenwürde zurückgegeben werden könnte. In Zeiten wo das Recht auf Arbeit nur noch ein Märchen ist und Lohndumping für viele Jobs ein Thema ist müssen ausgetretene Pfade verlassen werden.

Ich bin Betriebsrat in einem mittleren Unternehmen, ca. 500 Mitarbeiter, und verurteile solche Tendenzen der Kumpanei mit Arbeitgebern, trotzdem sind einige kritische Anmerkungen nötig. Wenn man sich die Lage bei Siemens anschaut, dann ist dies nicht die einzige "Baustelle". Es scheint so, dass sich die AUB strafbar gemacht hat (Anmerkung IP: Dies soll keine Vorverurteilung sein), trotzdem ist die Frage zu stellen, warum hier nicht die Amtsenthebung des Betriebsrats betrieben wurde bzw. die Belegschaft nicht von der Gewerkschaft informiert wurde Bei VW wurde der Betriebsrat geschmiert.

Das Verhalten von Gewerkschaftsvertretern in den Aufsichtsräten lässt teilweise auch nichts Gutes ahnen, wie mitbeschlossene Gehaltserhöhungen und Abfindungszahlungen fürs Management oder anderes Abstimmungsverhalten, zeigen. Ich will diese unappetitlichen Taten nicht rechtfertigen, aber irgendwie schienen es alle Beteiligten: Politik, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Betriebsräte und Belegschaften zufrieden zu sein. Diagnose: Die ritualisierten Kämpfe zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften und auch die Politiker und das Arbeitsrecht befinden sich zum Teil noch in den siebziger Jahren.

Es wird dabei vergessen dass für einen Großteil der Arbeitnehmer und Betriebsräte die Wirklichkeit anders aussieht. Immer mehr Firmen sind nicht, oder nicht mehr, tarifvertraglich gebunden. In diesen Firmen muss jeder einzelne Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber sein Gehalt bzw. die Steigerungen verhandeln. Betriebsräte haben hier eine sehr unkomfortable Position und Lösungsversuche sind oft ein Eiertanz und bringen einen in Gewissenskonflikte Erschwerend kommt hinzu dass viele Mitarbeiter die gesetzliche Lage nicht kennen und deshalb den Betriebsrat angreifen Fazit: Die meisten Betriebsräte bemühen sich um eine bestmögliche Arbeitnehmervertretung, aber Politik, Gewerkschaften, Mitbestimmung und das Arbeitsrecht müssen reformiert werden.

Peter Kleinsorge




01.02.07- Kommentar zu Ist die neoliberale Globalisierung nur ein "alter Hut" oder eine neue Qualität?

Ihre Darstellung ist ausserordentlich nützlich. Ich freue mich über jeden Jahnke-Brief. Wohin geht die Reise? Wie sieht eine Trendverlängerung aus? Beliebig lässt sich das Verfahren doch nicht fortsetzen. Auch die Krisen in Asien, Lateinamerika und Russland haben gezeigt, dass das System verletzlich ist.

Zur Ihrer Auseinandersetzung mit Albrecht Müller. Ich wie viele andere Leser von Jahnke und Müller bedauern, daß zwei kenntnisreiche Männer, die Kritik in ähnlicher Richtung üben und offensiv die Öffentlichkeit informieren, an einander geraten sind. Müllers und Liebs Verdienst ist es, drastisch die Methoden neoliberaler Gehirnwäsche in Deutschland darzustellen. Das ist von zentraler Bedeutung, da den Menschen klargemacht wird, dass sich die Form der Staatlichkeit und der Regierungstechnik dramatisch verändert haben.

Sie haben internationalen Überblick und könnten die Debatte mit Informationen über die Hintergründe und Intentionen von "good governance" bereichern und als erfahrener EU-Banker die aktuellen Intentionen des EU-Projekts erläutern.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. Natürlich lassen sich Trends nicht beliebig fortschreiben, schon weil die Resourcen der Erde erschöpft sein werden. Das Problem mit der derzeitigen Form von Globalisierung ist, daß sie in relativ kurzer Zeit Millionen zusätzlicher Arbeitnehmer in die Weltwirtschaft bringt, die zu jedem Preis Arbeit annehmen und deren sozialer Status weder von den eigenen Regierungen, noch den sie ausbeutenden Unternehmen (auch der alten Industrieländer), noch durch die internationalen Regeln des Welthandels ausreichend geschützt wird. Dadurch die Spirale nach unten, an deren Anfang wir erst stehen. Alle größeren Volkswirtschaften haben das Soziale weitgehend über Bord geworfen, und hecheln dem kurzfristigen Profit hinterher. Der Wert der Arbeit ist in allen alten Industrieländern gefallen und wird kurzfristigen Verwertungsstrategien bei freier Standortwahl geopfert. Auf der sozialen Seite wird das leider nicht so schnell zu Ende gehen, weil allein China plant, zusätzlich 300 Mio der insgesamt 700 Mio verarmter Landbevölkerung durch einen exportangetriebenen Wachstumskurs in den industriellen Arbeitsprozeß zu integrieren. Das sind noch einmal etwa so viele, wie die USA und die EU an Arbeitnehmern überhaupt haben.

Leider trennen sich hier die Geister zwischen Infoportal und Nachdenkseiten, wobei Albrecht Müller an seinem „alten Hut" festhält und solche Besorgnisse nur für Panikmache hält, die von den eigentlichen Problemen der deutschen Wirtschaftspolitik ablenkt. Dabei akzeptiert er weder die Vorstellung von Dumping, noch daß das deutsche Exportwunder zu Ende kommen wird, wenn wir nicht endlich die Anstrengungen in der Bildung dramatisch an das Niveau der Wettbewerber angleichen. Selbst die demographische Entwicklung, die auf die Wirtschaftsleistung zurückwirken muß, beunruhigt ihn nicht; auch nur Panikmache der Versicherungswirtschaft. Die Trennung war eigentlich wegen unserer unterschiedlichen und zeitlich verschiedenen Berufserfahrungen - kombiniert mit der Abneigung bei Albrecht Müller, seine vor Jahren gefasse Meinung zu überprüfen - vorprogrammiert: seine Erfahrung in den 70er Jahren in der Bundesregierung (dann wurde er Hinterbänkler in der SPD und schließlich Publizist), meine bis vor wenige Jahre in diesem Jahrhundert in der City of London (nach langen Jahren bis in die 90er in der Bundesregierung an für die Aussenwirtschaft verantwortlicher Stelle). Bezogen auf meine Vorstellungen zur Globalisierung fällt Albrecht Müller leider nur noch Polemik ein, wie er auf viele Zuschriften von Besuchern seiner Webseite gezeigt hat.

Ich meinerseits bedauere die Trennung nicht mehr, da ich nun meinen eigenen und noch wachsenden Stamm an Besuchern auf der Webseite habe und nicht mehr der Zensur von Albrecht Müller bei der Auswahl meiner Berichte für Nachdenkseiten unterliege. Leider haben Nachdenkseiten weder die Kapazität für eigene Analyse der oft komplizierten Zusammenhänge zwischen deutscher und globaler Wirtschaft, noch für deren grafische und damit allgemeinverständliche Darstellung. Damit werden - wie bei den Normalmedien - amtliche statistische Daten ohne kritisches Hinterfragen übernommen. Das tut mir manchmal für die Besucher von Nachdenkseiten leid, wobei jedoch viele sicher auch andere Informationsmöglichkeiten ausnützen.




20.03.07- Kommentar zu Umwelt und Globalisierung

... die ganze Diskussion über die Klimaentwicklung und Umweltschäden müssen meines Erachtens auch unter folgenden Aspekten betrachtet werden:

1. Gesetzmäßig ist, dass eine globale Klimaerwärmung aus natürlichen Ursachen ohne wesentliches Zutun der Menschen stattfindet und nicht aufzuhalten ist. (Ein Diagramm aus der "Berliner Zeitung" ist in der Anlage enthalten). Die Menschen können höchstens eine noch stärkere Zunahme der globalen Temperaturen als die ohnehin "natürliche" bekämpfen. Eine Eiszeit wird auch wieder gesetzmäßig folgen.

2. Unabdingbar ist auch der "Anspruch" der "Entwicklungs- und Schwellenländer" auf ihren "Anteil" am pro Kopf - Verbrauch der natürlichen Ressourcen mit den damit verbundenen Schädigungen der Umwelt. Mit der wachsenden Bevölkerung eben in diesen Ländern kann/wird der Kampf um die natürlichen Ressourcen schließlich die Ursache für Kriege werden.

3. Es wird notwendig sein, dass global Maßnahmen ergriffen werden, das weitere absolute Wachstum der Weltbevölkerung zu begrenzen, die Natur wird es sonst mit bösen Krankheiten in Epedimien tun.

4. Die Wälder, die den CO2 - Gehalt in der Atmosphäre verringern, müssen erhalten bleiben und ausgedehnt werden (auch in den Industrieländern). Dabei sollte Naturschutz nicht zum Selbstzweck werden.

5. Die Energieversorgung muss langfristig stabil gesichert werden - die bisher bekannten fossilen Brennstoffe gehen langsam aber sicher zur Neige mit den Folgen für die noch Öl exportierenden Ländern. Auch für nachwachsende Rohstoffe müssen Aufwendungen z. B. für Dünger getätigt werden, eine Energiebilanz (Energieaufwand/Energiegewinn) sollte doch mal sachlich berechnet werden. Abgesehen davon kann man als Mensch doch wohl nicht damit einverstanden sein, dass Lebensmittel für die Energiegewinnung aus Ländern importiert werden, wo Menschen verhungern !

Reaktion:

Vielen Dank für die Zuschrift. Das von Ihnen zugeschickte Diagramm endet vor 6 Jahren in 2001. Abb. 07153 zeigt die Entwicklung bis zu diesem Januar, der auf der nördlichen Halbkugel mit 2,3 Grad über dem langjährigen Durchschnitt die höchste Durchschnittstemperatur seit Beginn der Messungen erreichte. Es geht daher um weit mehr als „höchstens eine noch stärkere Zunahme" zu verhindern und ansonsten auf die nächste Eiszeit zu warten. Die Entwicklungs- und Schwellenländer haben natürlich ihre berechtigten Ansprüche an Wohlstand, aber wir müssen ja nicht das Klima noch zusätzlich anheizen, indem wir Industrieproduktion dorthin verlagern, wo viel mehr Dreckschleudern als Kraftwerke auf Kohlebasis arbeiten als bei uns. Wenn Sie sagen, die Energieversorgung müsse langfristig stabil gesichert werden, so halte ich das schlicht für nicht erreichbar, wenn der Verbrauch weiter so hochgefahren wird.




16.03.07- Kommentar zu Die „alten Hüte" der Globalisierung - noch ein Nachgedanke zum Streit mit Albrecht Müller

Nur ein ehrlich gemeintes: "Hut ab, vielen Dank und weiter so"! Erst kam auch ich nur ab und zu von den Nachdenkseiten herüber, mitlerweile besuche ich täglich Ihre Seite als erstes nach meinem Arbeitstag. Vielen Dank für die anschaulich dargestellten Schaubilder, die oft helfen in Diskussionen die richtigen Arumente zu finden.

Reaktion:

Vielen Dank fuer Ihre anerkennenden Worte. Sie bestärken mich sehr in meinem Bemühen, meinen kleinen Aufklärungsbeitrag zu leisten. Und empfehlen Sie die Webseite bitte weiter.

Anmerkung: Was macht das Informationsportal anders als Nachdenkseiten? Hier zu finden.




16.03.07- Kommentar zu Gedanken zur Zeit 115 16-03-07: Was bedeuten eigentlich die 2,7 Milliarden Menschen mehr in 2050 für das Weltklima?

Ich finde es erstaunlich, dass Sie die Umweltbelastung durch China, Indien etc. zum Thema machen. Es scheint mir so, als würde völlig überraschend dieses Problem zum ersten Mal auftauchen. Eine Frage wie: "Was bedeuten eigentlich die 2,7 Milliarden Menschen mehr in 2050 für das Weltklima?" ist bereits 1972 beantwortet worden, d.h. vor über 35 Jahren. Die Wissenschaftler, die entsprechenden Modellrechnungen angestellt haben, wurden entweder mehrheitlich angegriffen oder schlichtweg ingnoriert oder als Spinner bezeichnet. Diese Wissenschaftler haben mit einem sehr komplexen Modell (mit über 600 Zustandvariablen) versucht, die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Bevölkerung und der Resourcennutzung durch die Zunahme der Weltbevölkerung und den damit expandierenden Konsum und der industrielle Massenproduktion zu ermitteln.

Das sind über eindutzend Wissenschaftler die bereits vor 35 Jahren gezeigt haben, wo dieser Irrsinn enden wird. Das Buch heißt: Die Grenzen des Wachstums. (im Original erschienen 1972, 1992 u. 2004) Das Modell für die Vorausberechnungen der Zukunftsszenarien stammt von Prof. W. Forrester, emeritierter Professor am Massachussetts Institute of Technology (MIT). Prof. Forrester ist Ingenieur und hat sich sein Leben lang mit den Eigenschaften von komplexen nichtlinearen rückgekoppelten Systemen beschäftigt. Nachdem ich mich über Jahre mit seinen Überlegungen beschäftigt habe (ich bin selbst Ingenieur), steht für mich fest, das die Menschheit mit voller Kraft am eigenen Untergang arbeitet, da unsere sogenannten wirtschaftlichen und politischen Eliten mehrheitlich verblödete Idioten sind, die nur für ihren eigenen kurzen Lebenszeitraum ihrem egomanischem und egoistischem Eigennutz frönen. Ich gehe davon aus, dass es mit Sicherheit zu einem Zusammenbruch der Weltnaturresourcen und einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft innerhalb von 20 Jahren kommen wird. Eingeleitet wird meiner Ansicht nach voraussichtlich der Kollaps durch die dramatische Verknappung der Ölbestände innerhalb der nächsten 5-10 Jahren. Ich halte es als Ingenieur mit einer These der Evolutionstheorie: "Die Evolution testet anhand des Menschens, ob die sogenannte menschliche Intelligenz eher einen Vorteil oder eher einen Nachteil darstellt." Ich bin der Meinung, sollten wir es uns länger anschauen, wie die "Intelligenz" der sogenannten Eliten weiterhin wirken kann, dann wird das Experiment der Evolution mit Sicherheit für die Menschenheit zu einem katastrophalen Nachteil werden.

Reaktion:

Ich bin zwar kein Ingenieur, habe aber auch natürlich die Grenzen des Wachstums nach der Veröffentlichung des Clubs of Rome verinnerlicht und teile, wie Sie aus den vielen Berichten auf der Webseite entnehmen können, Ihre Einschätzung weitgehend. Was ich mit meinen Gedanken zur Zeit nur zum Besten geben wollte, ist, wie wahrscheinlich in all den bedrückenden Szenarien der Klimaforscher die Demographie noch gar nicht ausreichend integriert ist. Und hier nimmt die UN jetzt wieder einen stärkeren Aufwuchs an, weil sich die Lebenserwartung (vor allem in Afrika) viel stärker entwickeln wird als der Rückgang der Geburtenrate (siehe hier). Erst wenn man beides zusammen nimmt, die wirtschaftlichen Entwicklungsprozesse auf der Basis der derzeitigen Bevölkerung (vor allem China und Indien) und dann noch die demographische Entwicklung wird der ganze Umfang der Bedrohung deutlich.




15.03.07- Kommentar zu Leiharbeitnehmer - woran denkt man da? Und mal wieder China

Denken darf man da u.a. an die TELEKOM; was ist die Auslagerung der Beschäftigten in eine unbelastete Gesellschaft anderes als der Versuch, die Dinge zu entkoppeln? Arbeitsleistung netto, ohne jede soziale Funktion und Verantwortung ist gefragt. Wer also seine Produktion nicht dort ansiedeln kann, wo die Wettbewerbsverhältnisse niedrigste Löhne erlauben, oder wer seine Dienstleistung nicht per Telephon aus New Del(l)hi erledigen lassen kann, der kann netto Arbeitskraft leihen oder einfach unter im Zweifel immer günstigeren Konditionen auslagern. Früher standen dagegen die Auslegungen des 613a, BGB, und andere Feinheiten; die sind lange uninteressant und in den Verhandlungsmassen im „entweder oder" untergegangen.

Das ist natürlich der Rückfall in frühkapitalistische Zustände, es grüßen die Weber; global betrachtet ist es aber nur eine Anpassung an die Verhältnisse in den wirklich großen Arbeitsmärkten dieser Welt. Und eine willkommene Möglichkeit, die verzockten Milliarden der DAX-Konzerne in Sachen Pensionsrückstellungen zu umgehen.

Dazu paßt Ihre Ausführung über das chinesische Lohnniveau: ich sehe auch, daß die Löhne dort nicht wesentlich steigen werden. Natürlich kostet das Leben in einem Zentrum wie Shanghai wesentlich und schneller mehr; ergo gehen da die Löhne rauf, was aber netto nichts ansteigen läßt, siehe Kaufkraftentwicklung. Es macht nur alle Teilnehmer mehr abhängig und läßt sie in noch stärkere Konkurrenz rutschen zu der riesigen Armee arbeitswilliger Nachdrängler.

Was aber in diesem Zusammenhang unterschätzt wird sind zwei Dinge: a) die tatsächliche Zahl der Einwohner Chinas, die ich immer wieder als falsch ansehe - auch seit 1981 aus eigener Anschauung, und b) ist es der schnelle Anstieg der Produktivität. Während wir immer noch die großen Debatten um die Differenzen in Preis für Arbeit und das riesige Heer an Arbeitern diskutieren werden jeden Tag neue eigentlich für die Hochlohnländer gedachten high tech Maschinen (cnc, robots) nach China exportiert und sofort installiert, meinetwegen dann auch noch kopiert; gemeinsam stellen sie jedenfalls sicher, daß selbst in China der Preis für Arbeit von Seiten der Produktivitätserhöhung in Schach gehalten und nebenbei natürlich die Qualität gesichert wird.Aber, gibt es eigentlich genug Beschäftigung auf diesem Globus? Und entspricht der Zuwachs an solcher überhaupt dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum? Könnten wir also auch das Mehr an Menschen beschäftigen? Wenn ja, woher soll diese Mehrarbeit kommen? Neu Produkte? Welche, woher, und werden solche nicht eh' mittels immer produktiverer robots hergestellt, die Eingriffe des Menschen obsolet machen? Wenn nein, wie und womit beschäftigen wir die Heere bis sie 67 werden und darüber hinaus - weil die Rente alleine nicht satt machen wird. Hätten Sie da Antworten parat?

Reaktion:

Da treffen Sie natürlich mal wieder kräftig ins Schwarze. Meine Patentantwort ist immer ein Hinweis auf die Vergangenheit: Würden wir in Deutschland noch 80 Stunden arbeiten, wie in den Weberzeiten und noch lange danach und hätten die Gewerkschaften und die verlorenen zwei Weltkriege in Deutschland nicht die Verhältnisse auf die 40-Stunden-Woche gebracht, übrigens nur unter Einsatz von Streiks, dann würden wir heute statt der 40 Millionen Erwerbstätigen nur die Hälfte haben und statt dessen noch einmal 20 Millionen Arbeitslose auf die 11 Millionen ohne richtigen Job oben drauf (pardon: auf die bald 16 Millionen unter Einrechnung der prognostizierten 5 Millionen Leiharbeitnehmer). Das wären dann 20 Millionen Beschäftigte bei 36 Millionen ohne einen richtigen Job gewesen.

Um den Globus herum macht mir vor allem Sorge, was mit dem Klima wird, wenn wir bis zum Jahr 2050 noch einmal 2,7 Milliarden Menschen bekommen. Das sind dann noch mal soviele dazu, wie die Welt im Jahre 1955 überhaupt an Menschheit zählte. Wenn die alle wie wir heute voll produzieren und konsumieren wollen, kann man alle Versuche, auf Abwendung der Klimakatastrophe abschreiben.




15.03.07- Kommentar zu Die „alten Hüte" der Globalisierung - noch ein Nachgedanke zum Streit mit Albrecht Müller

Ich teile die Ansichten von Albrecht Müller hinsichtlich der "Glabalisierung" nicht. Dieses Thema kommt in seinen Büchern zwar vor, aber auf dem Stand der 70ziger Jahre. Das ist in der heutigen Zeit nicht angemessen. Die Welt hat sich weiter entwickelt. China und Indien (um nur einige zu nennen!) sind mit riesengroßen Schritten auf den Weltmärkten angekommen und werden vermutlich mit aller (Brutalität!) Macht weiter expandieren. Die weltweite Expansion (aller Länder!) wird zu Lasten der Umwelt gehen wie bereits zu erkennen ist.

Meine Meinung geht also eher in Ihre Richtung. Das soll heißen, dass auch mir es nicht verständlich ist, warum A.M. nicht einsehen will, dass sich die Zeiten der Globalisierung erheblich geändert haben. Er ist doch ein kluger Kopf. Vermutlich aber "ideologisch" zu sehr verrannt. Schade eigentlich!




15.03.07- Kommentar zu Die „alten Hüte" der Globalisierung - noch ein Nachgedanke zum Streit mit Albrecht Müller

Vorbemerkung:

Lange habe ich überlegt, ob ich hier Albrecht Müllers Reaktion auf meine Gedanken zur Zeit Nr. 109 überhaupt bringen soll. Schließlich hat er sie in einer Mail an einen Besucher der Webseite gemacht. Der hatte versucht, auf beiden Webseiten eine offene Diskussion zwischen unseren unterschiedlichen Standpunkten zur Globalisierung als „alter Hut" - so Albrecht Müller - oder als „neue, den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unvergleichliche weil neoliberale Qualität" - so diese Webseite - zu bekommen. Ich habe damit kein, Problem. Anders ist es aber bei Albrecht Müller, und deswegen will ich seine etwas „polternde" Reaktion auf den Vorschlag hier bringen, nicht zuletzt um anderen Besuchern weitere ergebnislose Versuche in diese Richtung zu ersparen. Ebenso bringe ich meine richtigstellende Reaktion. Wem dieser Streit inzwischen langweilig wird (mir auch), sollte das Folgende überblättern. Eines wird jedenfalls aus Albrecht Müllers Reaktion klar: Er und Nachdenkseiten bezweifeln noch immer, ob die Globalisierung seit den 70er Jahren eine neue Qualität angenommen hat. Sie werden auch weiter ihre Link-Hinweise entsprechend selektiv auswählen.

Albrecht Müller an den Webseitenbesucher

1. Leider haben Sie meine Frage danach, ob Sie bei uns auf den NachDenkSeiten irgend etwas gelesen haben, was diesen Streit betrifft und daraus öffentlich ein Thema macht, nicht beantwortet. Ich möchte dies ergänzen: haben Sie bei uns irgend etwas gelesen, was einen ähnlichen diffamierenden Charakter hat wie den Vorwurf der Zensur, denn Jahnke in völlig absurder Weise erhebt, nur deshalb, weil wir nicht permanent auf ihn verlinken. Wo steht denn geschrieben, dass eine Website permanent auf einzelne Artikel der anderen Seite verweisen sollte? Dass wir dies nicht tun, führte bei Jahnke zum öffentlichen Vorwurf der Zensur. Wir wären doch ohne jede Selbstachtung, wenn wir dann auch noch auf dieser Webseite verweisen würden. Sehen Sie das wirklich anders?

2. Auch die aktuelle Meldung ist wieder in übler Weise selektiv und irreführend. Ich habe in der Tat die Globalisierung als alten Hut bezeichnet. Ich habe aber immer auch angemerkt, dass diese quantitativ zugenommen hat und gefragt, ob diese Quantität in eine neue Qualität umgeschlagen hat. Das habe ich bezweifelt und sachlich begründet. Diese sachliche Begründung kommt bei Jahnke überhaupt nicht vor. Im Gegenteil, er begründet mit dem Hinweis auf Hedgefonds sein Urteil über mich und meine Haltung zur Globalisierung. Auch diese Kritik ist schon aus zwei Gründen fragwürdig: Erstens habe ich mich, was sie sowohl im Machtwahn als auch auf den NachDenkSeiten und bei meinen Vorträgen permanent lesen und hören können, kritisch zum Treiben der Hedgefonds geäußert und vor allem die Regierung Schröder kritisiert, die deren Treiben noch steuerfrei gestellt hat. Dieser Hinweis ist zugleich ein Hinweis darauf, dass unsere Gestaltungsmöglichkeit viel größer ist, als gemeinhin behauptet wird. Zweitens bleibt darauf hinzuweisen, das Hedgefonds ja nicht eine Folge der Globalisierung sind, sondern einer massiven Veränderung der Kapitalmärkte. Es gibt ja wohl auch inländische Investoren/Hedgefonds, die sich ähnlich Gebärden Auch diese Änderung auf den Kapitalmärkten ist politisch wohlwollend begleitet und gefördert worden und hat mit Globalisierung nicht in aller erster Linie zu tun. Die Gefahren haben auch viel damit zu tun, dass es Steueroasen gibt. Sind diese eine neue Erscheinung? da muss ich lachen. Also, lieber Herr , wenn Ihnen die Kooperation zwischen NachDenkSeiten und Jahnke ein Anliegen sind, was ich nicht ganz verstehe, dann müssen Sie zuerst dafür sorgen, der solche unsachlichen und polemischen Kommentare unterbleiben und der Zensurvorwurf aus der Website von Jahnke verschwindet. Wenn Sie ihm diese letzte Satz schicken, da wird er vermutlich wieder einen Zensurvorwurf daraus machen. Deshalb halte ich es übrigens für sinnvoll und üblich, da solche Mails wie diese an Sie nicht weitergeleitet werden. Andernfalls müsste ich darauf verzichten, ihnen zu mailen. Der Hintergrund dieser Bitte: es macht doch partout keinen Sinn, einen Streit zwischen zwei Websites öffentlich auszutragen. Auf diese Art von Selbstbefriedigung verzichten wir auf jeden Fall gerne.

Joachim Jahnke an den Webseitenbesucher

Vielen Dank für Ihre Mühe, auch wenn sie wohl nicht zum Erfolg führen wird. Man muß auch auf der linken Seite, aus der mich Herr Müller mit seiner öffentlichen Frage „zu welchem politischen Spektrum gehört eigentlich Joachim Jahnke?" wohl verbannen wollte (Anmerkung bezieht sich auf seine Erklärung vom Oktober letzten Jahres), zu einem so wichtigen Thema in sachlicher Form unterschiedliche Standpunkte vertreten können. Ich werde das jedenfalls weiterhin tun. Das ist der ganze Sinn meiner Webseite von Anfang an und kommt nicht zuletzt aus meiner 10-jährigen Erfahrung in der Londoner City.

Wir führen ja hier eine Diskussion über einige Bande, da Sie - was ich eigentlich gut finde - Herrn Müller und mich jeweils kopiert haben und ich dann in meiner Antwort glaubte, das ebenfalls tun zu sollen. Das hat nun leider wieder eine unnötig aufgeheizte Diskussion mit Begriffen wie „absurd", „übel", „diffamierend", „polemisch", „Selbstbefriedigung", etc. ausgelöst (sie werden solche Vokabeln bei mir nicht finden). Dabei haben Sie sicher eine gute Absicht gehabt, zu der man sich auch weniger aggressiv und ohne die Drohung an Sie, nicht mehr zu mailen, äußern könnte.

Herr Müller selbst hat seinerzeit darauf bestanden, daß ich auf meiner Webseite seine Reaktion auf meine Thesen bringe, insofern war er an einer öffentlichen Diskussion interessiert, warum auch nicht? Viele haben mir, wie Sie, geschrieben, daß eine solche öffentliche Diskussion nötig ist. Ist die neoliberale Globalisierung nun nur ein alter Hut oder etwas anderes?

Albrecht Müller hat das Informationsportal offensichtlich nicht nur von seiner Linkliste gemerzt (was ist das denn anderes als eine Zensur, nachdem er den Link schon mal drauf hatte?), sondern nimmt nun auch Anstoß, wenn Sie mich in Ihrem Meinungsaustausch mit ihm durch Kopie aus dem Abseits Ihres Meinungsaustausches mit ihm zu holen versuchen.

Ich habe nie gegenüber Nachdenkseiten auf einer permanenten Verlinkung bestanden, sondern immer respektiert und das auch zum Ausdruck gebracht, daß dort eine Auswahl getroffen werden muß. Was mich jedoch störte - und auch das habe ich wiederholt angesprochen - war die Einseitigkeit der Auswahl, die Beiträge mit besonders globalisierungskritischen Tönen, die nicht zu der "alte Hut"-Theorie paßten, fast immer herausfilterten. Herr Müller akzeptiert auch jetzt noch nicht die andere Qualität der Globalisierung, wie Sie aus seiner Mail entnehmen können, wo er dazu nur eine offene Frage formuliert. Die totale Liberalisierung der Kapitalmärkte war im übrigen entgegen seiner Auffassung ein entscheidender Schritt im Rahmen der neuen Form von Globalisierung, bis zu dem Druck auf Entwicklungsländer nach dem Washington Consensus, ebenfalls alle Kontrollen abzubauen. Wir erleben gerade in diesen Tagen, wohin uns das bringt, wenn die deutsche Börse in die Knie geht, weil in USA Hypothekenbanken wegen der gewaltigen ebenfalls neoliberal verursachten Hypothekenblase Probleme haben, die Hedgefonds und andere institutionelle Anleger jedoch für eine Verteilung des Risikos um den Globus herum gesorgt haben. Herr Müller kann ja wegen der Steueroasen lachen, aber damit kann er das Thema der Heuschrecken nicht in die 70er Jahre verbannen, bei denen er seine "alte Hut"-These im Bestseller festgemacht hat. Die größten Private Equity-Heuschrecken, die nun auch hinter deutschen Unternehmen her sind, sitzen übrigens nicht einmal in Steueroasen, sondern in USA. Und zum Lachen ist das nun wirklich nicht.




12.03.07- Kommentar zu Alle reden vom Klima, doch was tun?

Einhundert Gedanken in sechs Monaten nicht nur aufgeschrieben sondern recherchiert und erläutert: Respekt und danke!

Alle Gedanken waren und sind wichtig; das Thema Ihres einhundertsten wird m.E. auf nicht absehbare Zeit und mit weitem Abstand unser Sein bestimmen. Wir können uns viel über die gesammelten Auswüchse der meist von uns selbst gewählten und ihren Aufgaben nicht gerecht werdenden Regierungen unterhalten, viel kritisieren, bemängeln, hinterfragen und auch beweinen; währenddessen wird sich das Drama der beschleunigten Entfernung des globalen Klimas von seinem Gleichgewicht, dessen Balance erst unser Sein ermöglicht hat, derart zuspitzen, daß, ob man es satt hat oder nicht, dieses Thema jegliches Tun und Handeln bestimmen wird. Ob Lipskys Interpretation eines Aufschwungs, Sterns kapitale Berechnungen, die kollektiven Berichte des IPCC, Merkels Überschriftentricks oder auch egoistisches, Negieren à la Bush - alles dies ändert nichts an der Tatsache, daß alle Parameter auf Sodom und Gomorrha stehen.

Sie baten um Kommentare, sie interessierten auch mich; hier einige meiner Gedankengänge, ohne Gewichtung, aber mit dem Anspruch auf Anstoß:

Klimawandel

Politisch leider nun als korrekt definiert ist der Begriff doch falsch; er suggeriert, da wandle sich etwas per se; dem ist nicht so. Es ist - (endlich in weiten Teilen) unstrittig - eine gemachte Veränderung; eine Anpassung der Wette an sich stetig und nur in eine Richtung ändernde Bedingungen und damit eine Verschiebung eines sein Gleichgewicht suchenden natürlichen Vorganges, dem Klima. Ergo wären Klima-Ungleichgewicht, -Veränderung oder -Verschiebung die besseren Begriffe; schon um den Täter und sein Tun in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen und so mindestens den Versuch einer Korrektur zum Programm zu machen.

Klimadebatte

Schon wieder unpassend steht doch ein Klima gar nicht zur Debatte, sondern, wie zuvor, derjenige und was es beeinflußt. Sofortige Lösungen sind gefragt; einerseits ist dort anzusetzen, wo am schnellsten die größte Wirkung erzielt wird; andererseits muß jegliche Emission von Treibhausgasen auf seine unbedingte Notwendigkeit und umgehende Vermeidung/Einsparungen überprüft werden. Natürlich sind da auch Billig- und Pauschalflugreisen per se dran, denn sie sind existentiell gar nicht notwendig und damit umgehend mit den Kosten zu belasten, die sie auslösen. Das bringt zunächst wenig, andere Konsequenzen sind bedeutender, aber in Summe und in ihrer Signalwirkung wäre es ein riesiger Satz in die richtige Richtung. Wenn aber eine Debatte um solche Kleinigkeiten schon zu abstrusen Ablaßrevivals führt, siehe Minister Gabriel und seine Freunde von Atmosfair, was passiert dann erst, wenn Strom (als eine der größten CO2 Verursacher) in großen Mengen eingespart werden muß und Öl (OHH, welch' Farce?) zwar noch vorhanden aber nur rationiert verbrannt werden darf?

Im übrigen erwähnt keine Verfassung und keine Religion dieser Erde ein Recht auf grenzenlose Mobilität. Das ist die moderne Erfindung globaler Freizeitindustrien; ein Aufschrei ist unnötig geht es doch nicht um das Verbieten, nur muß die Fortbewegung so erfolgen, daß sie ein Klima nicht beeinflußt. Kein „back to the roots" aber ein hin zu Verantwortung. Überhaupt müssen alle Industrien und Aktivitäten auf Ihre Belastung unseres Planeten Erde hin überprüft werden und gegebenenfalls mit den Kosten belastet werden, die sie verursachen. Das kann und wird nicht schlagartig zu bewältigen sein, bedarf internationalen Handels aber auch des sinnvollen Beispielgebens und richtungsweisenden Vorangehens. Nur die aus solchen Vorgaben gestiegenen Kosten, die daraus resultierenden Einnahmen - bzw. die daraus gezielt zu verteilenden Ausgaben - werden sofort alternativen Möglichkeiten Tür und Tor öffnen, Innovationen fördern und alte Zöpfe abschneiden. Das hat gar nichts mit Arbeitsplatzverlusten zu tun - nur und ausschließlich mit der Konzentration auf das, was notwendig ist und was automatisch zu verdammt viel Beschäftigung führen wird. Erst recht so man anstrebte, Wegbereiter, Vorreiter oder meinetwegen auch Welt-Marktführer zu werden.

Hysterie

Davor zu warnen ist vollkommen unangebracht - wie sollte eine solche auch entstehen oder wie sollten sich auch nur hysterische Sofortmaßnahmen durchsetzen lassen? Angesichts mehrheitsresistenter Lobbykratien wird für ausdauerndes Überlegen und das Erfinden und Vorschieben trickreichen Aktionismus genug Zeit vorgehalten.

Zur Fortsetzung dieses Kommentars, den ich trotz seines Umfangs in fast voller Länge bringen möchte, schon weil sich der Autor in Sachen Umwelt auskennt und umweltnah arbeitet,bitte hier anklicken.




08.03.07- Kommentar zu Die versprochene Angleichung des chinesischen Lohnniveaus rückt in immer größere Ferne

müsste man bei den chinesischen Löhnen nicht doch auch die Kauftkraftumrechnung zu Grunde legen. Wenn ich da die PPP-Zahlen der Weltbank und die Standard-Netto-Löhne in den Schanghaier Fabriken von 1200 Yuan im Monat (inkl. Unterkunft und 3 Mahlzeiten) zu Grunde lege, dann kommen Ungelernte dort auf 480 Euro im Monat, netto wohl gemerkt. Zieht man einen Großstadtzuschlag von ca. 20% ab, kommt man immer noch auf 400 . Bedenkt man außerdem die zum Teil sehr niedrige Qualifikation, dann ist das nicht viel weniger als das, was Arbeiter, die nichts können, auch bei uns inzwischen kriegen, oder? Zudem sollte man auch bedenken, dass nicht zuletzt westliche Lobbyisten in Peking gegen die Verbesserung der Arbeitnehmerrechte Sturm laufen.

Reaktion:

Im internationalen Wettbewerb zählt leider nicht die Kaufkraft, sondern der weit unterbewertete Renmimbi. Dass westliche Unternehmen die Chinesen mitausbeuten und daher keine Verbesserungen des Sozialstatus wollen, kann auch nicht überraschen (das Meiste an Lohndumping-Marge bleibt bisher in den westlichen Industrie- und Handelsunternehmen, die den Löwenanteil des chinesischen Exports in westliche Industrielaender bestreiten, hängen, und die Löhne in den Regionen der westlichen Unternehmen im Perldelta sind besonders schlecht). Ich habe die Zahlen nur aus seriösen Quellen übernommen, darunter taufrische Untersuchungen des Weltbank-Büro in Peiking. Dabei geht es mir nicht um eine Klage ueber den sozialen Status in China, sondern um das Märchen der verschwindenden chinesischen Wettbewerbsfähigkeit. Sehen Sie das anders?

Kommentar

Meine Frage bezog sich auf diesen Abschnitt: "Nach einer Studie im Auftrag des US Department of Labor vom November 2005 liegt der durchschnittliche Studenlohn in der gewerblichen Wirtschaft im ländlichen Bereich, in dem die Masse der Unternehmen angesiedelt ist, bei umgerechnet 0,41 $ oder dreißigmal weniger als z.B. ein Facharbeiter in der deutschen Textilindustrie verdient ". Das suggeriert einen Lohn, der tatsächlich absurd wäre, weil er eben nicht die Kaufkraftbewertung enthält. Außderdem frage ich mich, ob wir China das vorwerfen können, was wir (die Bundesrepublik) und Japan in der Aufbauphase selbst betrieben haben, nämlich exportgeleitete Entwicklung mit Hilfe einer künstlich unterbewerteten Währung (die Japaner sind heute noch auf dem Trip).

Reaktion:

Es ist nun mal so, dass hier vieles absurd ist. Noch einmal: Es geht mir - und anderen - nur um die äussere Wettbewerbsfähigkeit und die falschen Versprechungen einer Lohnangleichung zur Verharmlosung des chinesischen Lohndumping-Wettbewerbs, und da spielt - wie in meiner letzten Mail angedeutet - die interne Kaufkraft keine Rolle. Ich werfe dabei China nichts vor (schon weil es westliche Firmen sind, die im wesentlichen den Export betreiben), ausser dass die Führung der Ausbeutung der armen Landbevölkerung zusieht und ein gewaltiges soziales Problem aufbaut, das das Regime durchaus gefährden und dann die Welt in große Unordnung bringen kann. Wenn die so weitermachen, wird es ein weiteres Tiananmen geben koennen. Diktatur der Partei ohne Demokratie und hochkapitalistische Wirtschaft passen auf Dauer nicht zusammen.

Der Vergleich mit der Bundesrepublik und Japan ist m.E. viel zu kurz gesprungen. In der Bundesrepublik oder Japan hat es eine derartige Ausbeutung nie gegeben, zumal es nicht die 700 Millionen an verarmter Landbevölkerung gegeben hat; beide Länder haben solche extremen Gini-Werte der Ungleichverteilung auch nicht entfernt zugelassen, schon gar nicht Japan (egalitärer als Deutschland). China ist auch längst nicht mehr in der Stunde Null und fährt die Unterschiede zwischen den Glitzermetropolen und dem armen Land immer höher. Japan und Korea hatten in dieser Phase längst auf Binnenkonsum und normale Wachstumsraten umgeschaltet. Man darf das nicht durch die Shanghai-Brille beurteilen (die meisten offiziellen China-Besucher sind nur bis zum roten Teppich in Shanghai oder Peking gekommen).

Die japanische Währung ist unterbewertet, weil seit dem Platzen der property bubble und dem Fall in die Deflation der japanische Zentralbankzins aus binnenwirtschaftlichen Gruenden (nicht der äußeren Wettbewerbsfaehigkeit) heruntergenommen werden mußte; wenn der carry-trade abgearbeitet ist, wird vieles auch deshalb zurückkommen und das hat schon angefangen. Dagegen hat sich China stark an den US-Dollar gebunden (auch heute noch) und dessen Abwertung weitgehend mitvollzogen und zugleich für ein relativ armes Entwicklungsland geradezu irrsinnige Bilanzüberschüsse aufgefahren und die höchten Devisenreserven der Welt. Um der Währungsmanipulation wegen werden ständig die US mit Kredit versorgt, statt der eigenen armen Bevölkerung zu helfen oder die bitter notwendigen Umweltinvestitionen zu finanzieren. Im vergangenen Jahr lag der chinesische Leistungsbilanzueberschuss schon bei fast 10 % des BIP (siehe hier). Sie finden mehr auf der eigentlichen Webseite, was ich nicht alles im Rundbrief unterbringen konnte.

06.03.07- Kommentar zu Hagen Leschs argumentativer Amoklauf

... mit einer gewissen Erheiterung habe ich gestern bei Ihnen gelesen, wie dümmlich und letztlich dann auch aggressiv Hagen Lesch vom DIW reagiert, wenn man seinen Unfug hinterfragt. Ich hatte mich allerdings ehrlich gesagt schon etwas gewundert, dass niemand seine völlig abwegigen Argumente einmal entkräftet. So behauptet dieser Mensch doch tatsächlich, seine abstrusen Theorien wären 2006 bestätigt worden, weil durch die Lohnzurückhaltung doch tatsächlich im 4. Quartal 2006 eine deutliche Konsumausweitung erfolgte, unterschlägt aber wohlweislich, dass diese Konsumausweitung lediglich durch das Vorziehen von Einkäufen anlässlich der Mehrwertsteuererhöhung verursacht wurde.

Noch hanebüchener ist seine Erklärung, wieso Löhnerhöhung pro Euro nur zu 30% zur Nachfrage beitrüge, während ausgerechnet Lohnsenkung in höherem Maß dazu beitragen soll. Hierbei rechnet dieser ... , ja was soll man zu so einem bloß sagen, also dieser Dr. Lesch zieht hierbei einfach folgende Beträge ab:

    Lohnerhöhung: 1,00 EUR
    Sozialabgaben: -0,40 EUR
    Import: -0,30 EUR
    ==========
    Verbleiben: 0,30 EUR

Man beachte: Die Sozialabgaben zieht der böse Staat ein und der verbrennt sie in seinen kommunalen Müllverbrennungsanlagen oder so (und reicht sie nicht zu 100% an Menschengruppen mit einer Konsumquote von ~100% weiter). Und unsere Hauptimportländer sind grosso modo auch unsere Hauptexportländer, so dass das Geld für Importe auch dort nicht verbrannt wird, sondern angesichts des Handelsüberschusses eher noch vermehrt ebenfalls wieder zurückfließt.

So bleiben nach seiner Milchmädchenrechnung von 1 Euro Lohnerhöhung nur noch 30 Cent für den Binnenkonsum übrig. Selten so gelacht, wenn es nicht so peinlich wäre, dass alle Medien diesen Schwachsinn abtippen. Und besonders peinlich wird dann seine Behauptung, dass 1% Lohnerhöhung 0,8% Beschäftigungsabbau bedeutet. Für die armen Schweden würde dies bedeuten, dass sie in den letzten 10 Jahren einen Beschäftigungsrückgang von 22,5% gehabt hätten: selten so gelacht! Es gab eine Zeit, so schreibt Albrecht Müller, da hätte man, wenn ein promovierter (!!!) Wirtschaftswissenschaftler (!) so einen Unfug erzählt hätte, das Gelächter noch kilometerweit von den Hörsälen entfernt gehört. Und heute? O tempora, o mores!

Reaktion:

Vielen Dank. Ja, es ist schon traurig, was da so unwidersprochen in die Landschaft gestellt werden kann. Warum melden sich denn nicht einige serioese wirtschaftswissenschaftliche Institute dagegen zu Worte, oder gibt es die nicht mehr?




04.03.07- Kommentar zu Heuschreckenliste

...die von Ihnen gezeigte "Heuschreckenliste" suggeriert, dass ein großer Teil der "Wirtschaft" durch die Aktion der "Heuschrecken" höchst dynamisiert wird, sich die Kapitalkonzentration sprunghaft erhöht und die Renditen weiter explodieren. Wie stark schlägt dies auf den Beschäftigungsabbau durch? Wohin kann dies langfristig führen? Ist man sich über die globalen Konsequenzen klar? Gibt es eine systemgerechte Auflösung der Widersprüche? Ich sehe kaum institutionelle Chancen, diesen Prozess zu stoppen.

Reaktion:

Das wollte ich natürlich nicht suggerieren. Meine kritische Position kommt in einem der letzten Rundbriefe sehr deutlich zum Ausdruck. Der Prozess wird sich kaum stoppen lassen, da wir nun mal im Kapitalismus leben. Allerdings kann man ihn etwas kanalisieren, z.B. durch Transparenzauflagen, die jetzt in Grossbritannien konkret andiskutiert werden. Jedoch stehen die USA, wo die meisten und größten Heuschrecken zu Hause sind, bisher klar auf der Bremse. Vielleicht braucht es doch einen grösseren Crash und Run der Heuschrecken auf die Notausgänge. Aber man könnte natürlich auch steuerlich was gegen die Heuschrecken-Plage tun. Das eigentliche Problem ist, dass die deutschen Unternehmensleitungen aus Angst vor den Heuschrecken nun selbst Heuschrecken spielen, um ihre Kurse in für Heuschrecken uninteressante Höhen zu treiben. Das kommt dann am Ende leider fast auf dasselbe heraus, wenn man mal von der Nationalität des Managements absieht.




03.03.07- Kommentar zu Stellt doch mal den Jubel ab

... ich finde, soviel sei gesagt, ihre Seite sehr hilfreich. Ich kenne keine private Quelle, die derart fundiert Statisken auswertet wie Sie. Nur hapert es bisweilen mit der Interpretation. Denn die neuesten Zahlen geben es meiner Meinung nach nicht her, den konjunkturellen Aufschwung so zu interpretieren wie sie es tun. Zum einen scheinen die Investitionen der Unternehmen relativ stabil zu sein, zum anderen ist der Bau aus seinem fast 10 Jahre dauernden Dornröschenschlaf aufgewacht. Die sich allein daraus bisher ergebenden negativen Effekte verhageln also nicht mehr die Bilanz wie es in den vergangenen Jahren der Fall gewesen ist (Das war übrigens auch das Argument von Heusinger oder Fricke gegen die Strukturreformer gewesen). Zudem ist auf einigen Sektoren des Arbeitsmarktes Knappheit zu beobachten (leider nicht bei Journalisten). Die in den letzten Jahren den Unternehmen mögliche flächendeckende Lohnsenkungsstrategie wird also dort kaum noch funktionieren. Selbst bei weiterer Schwächung der Gewerkschaften werden wenigstens dort die Marktpreise also steigen. Und in den Kernbereichen der IG Metall oder auch der IGBCE ist die Auftragslage vieler Unternehmen so gut, dass sie sich schlicht einen Streik nicht erlauben können. (Was etwa Wermuths These über die Wirkung des globalen Arbeitsmarkts Grenzen setzt). Also hat man dort eine gute Aussicht, höhere Einkommen durchzusetzen. Selbst die originelle These vom IW Köln wird daran nichts ändern können. Die höheren Einkommen sind aber die Voraussetzung, ob sich der Aufschwung stabilisiert oder beim geringsten Schnupfen im Exportsektor gleich wieder in sich zusammenbricht. Die Aussichten für eine Stabilisierung sind also nicht schlecht, wenn die Voraussetzungen auch eintreffen sollten. Ansonsten landet man am Ende nämlich beim Strohfeuer-Argument der Neoklassiker - nur dieses Mal links gewendet. Das bedeutet aber keineswegs, dass die Einkommensverteilung in irgendeiner Form fair ist. Nur - brutal ausgedrückt - werden die Einkommen von vielen Leuten (etwa aus dem Niedriglohnsegment oder von Transferbeziehern) für diesen Konjunkturaufschwung gar nicht gebraucht. ALG 2 Bezieher kaufen keine neuen Autos - und häufig noch nicht einmal neue Kleidung. Daher sind die Auswirkungen etwa der Mehrwertsteuererhöhung auch begrenzt (eine zynische Sichtweise, aber leider wahr) - und in den anderen Einkommensgruppen erwarte ich durchaus die notwendigen Einkommenssteigerungen, die auch die Preissteigerungen aus der Mwst-Erhöhung kompensieren könnten - etwa wenn der Ölpreis wieder anziehen sollte. Es ist also nicht sehr überzeugend, die derzeitige Entwicklung nur als Propaganda abzutun, obwohl es natürlich mehr als notwendig ist, auf Risiken hinzuweisen (etwa die Zinspolitik der EZB). Sinnvoller ist es die Grundlagen für seine Stabilisierung zu beschreiben. Zugleich aber den gesellschaftlichen Skandal deutlich zu machen, dass weite Teile der Bevölkerung noch nicht einmal mehr als Nachfragefaktor für diesen Aufschwung relevant sind - und sie daher von der positiven Konjunkturentwicklung abgehängt werden. Das Gefühl, der Aufschwung gehe an der Bevölkerung vorbei, ist eben bittererweise häufig mehr als berechtigt - etwa bei Arbeitslose, Rentnern, vielen Familien mit Kindern. Ökonomisch könnte die Rechnung also aufgehen - etwa wenn die Arbeitgeber nicht auf das IW hören sollten. Politisch könnte es aber zum Desaster werden, wenn sich die soziale Spaltung weiter vertieft - und viele Nutznießer dieser Politik (und dazu gehören dann eben auch gut qualifizierte Arbeitnehmer) nicht mehr bereit sein sollten, an den Verteilungsrelationen etwas zu ändern. Oder sie sogar jeden Vorschlag zu einer Änderung als Angriff auf den eigenen Status begriffen, der bekanntlich in den letzten Jahren unter Druck geraten war. In den USA hat diese Strategie der Spaltung funktioniert - und selbst ein politisches Wunderkind wie Bill Clinton konnte daran nichts grundlegendes ändern (ob er es wollte, will ich jetzt nicht diskutieren). Selbst eine länger andauernde positive Konjunkturentwicklung könnte also ceteris paribus an den gesellschaftspolitischen Verhältnissen nichts ändern - und das ist schon bedrückend. In der Hinsicht wäre also ein Irrtum mehr als erfreulich.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Bei der Interpretation von statistischen Daten kann man natürlich immer unterschiedlicher Auffassung sein, und ich lasse ja jedem meiner Webseitenbesucher die eigene. Wogegen ich Position beziehe, ist die überzogene Propaganda als hätten wir für alle Zeiten einen Platz auf dem Siegerpodium der Globalisierung gebucht. Lassen Sie uns doch die Ergebnisse des ersten Quartals 2007 abwarten und dann feststellen, wieviel des angeblichen Erfolgs von 2006, der zu einer Trendwende hochstilisiert wurde, nur auf Vorzugseffekten und einer besonders günstigen Auslandskonjunktur beruhte. Auch die angesprungenen Investitionen haben zu einem erheblichen Teil auf die Auslandsnachfrage und den MWSt-Schub reagiert (direkt, weil auch Investitionen MWSt kosten, und indirekt, weil eine Verbrauchsspitze absehbar war) und natürlich auch auf nicht länger aufschiebbare Ersatzinvestitionen. Deutschland ist jedenfalls noch immer Schlußlicht bei Langzeitarbeitslosigkeit und der Entwicklung der Arbeitseinkommen. Zu oft war die Wende bei der Einkommensentwicklung schon im letzten Jahr, auch von seriösen Beobachtern, wie Heusinger, erwartet worden. Derzeit werden jedenfalls in Deutschland noch ungewöhnlich viele Arbeitsplätze auf der Basis von Zeitverträgen geschaffen, die man stets zurückdrehen kann

Ich freue mich, daß wir in der Notwendigkeit von Einkommenssteigerungen für normale Menschen übereinstimmen. Unterschätzen Sie bitte nicht die Nachfrage auch unterer Einkommensgruppen, die oberen haben ohnehin eine viel höhere Sparquote und tragen Ihr Vermögen via Finanzsektor eher ins Ausland, wo dann die Jobs entstehen. Daß die Auswirkungen der MWSt-Erhöhung bisher begrenzt seien, ist zwar auch Teil der Jubelkampagne, wird aber durch die Verhältnisse beim Einzelhandelsumsatz und Kraftfahrzeughandel gründlich widerlegt. Entscheidend ist nicht, ob es in einigen Bereichen Knappheit am Arbeitsmarkt gibt, sondern ob die Verbraucher die Angst vor dem Verlust ihres Jobs verlieren, und da hat sich bisher nach allen Umfragen wenig geändert. Zu oft kommen auch neue Tatarenmeldungen über massiven Beschäftigungsabbau durch die Medien. Außerdem macht der Widerstand gegen Lohnerhöhungen (siehe Kaden im heutigen Spiegel) ja durchaus schon mobil. Die Unruhe an den Börsen, die Situation in USA, alles wird argumentativ gegen die Gewerkschaftsforderungen mobilisiert werden und am Ende kommt etwas wenig über der Inflation und jedenfalls unter der Produktivitätsentwicklung heraus, fürchte ich. Wenn man einen Einbruch im Export auffangen will, der ja nicht auszuschließen ist, muß ein viel massiveres Umschalten auf die Binnennachfrage stattfinden. Streiks sind in Deutschland ohnehin nicht populär und darauf kann sich die Arbeitgeberseite immer noch verlassen.

Grundlagen für eine Stabilisierung beschreibe ich immer wieder und mache aus meiner persönlichen Meinung nun wirklich kein Geheimnis. Nur Kassandra zu spielen, ist auch mir zu wenig, selbst wenn es berechtigt sein sollte.




01.03.07- Kommentar zu China

... mit großem Interesse habe ich auf Ihrer Seite die Ausführungen zu China gelesen. Ich war im vergangenen Jahr 2 Monate dort und werde auch in diesem Jahr weitere 2 Monate dort tätig sein. Zu Ihrem Bild 08011, kann ich Ihnen etwas mehr zu den Arbeitsbedingungen in Ostchina sagen:

    50 Euro Monatslohn
    20 Arbeitstage Urlaub, national holidays eingeschlossen
    7 Arbeitstage je Woche
    8 Nettoarbeitsstunden je Arbeitstag
    Krankheitsrate ca. 1,5 %
    Arbeitskräfte als Ersatz genug
    Land wird von der Gemeinde gestellt.

Aufgrund der sehr niedrigen Arbeitskosten ergeben sich im Unterschied zu Hochindustrieländern gänzlich andere Arbeitssysteme ( siehe 50er Jahre in D ). Bei diesen arbeitskraftbezogenen Daten kommen Sie auf einen deutlich niedrigeren Stundenlohn als der von Ihnen Angegebene.




25.02.07- Kommentar zu Wirtschaftsentwicklung

zu der Allensbach-Umfrage, über die Beurteilung der Auswirkungen des momentanen Wirtschaftswachstums auf die Lebenssituation der Menschen:

- 59% der Menschen glauben, daß sie kaum oder gar nicht vom Aufschwung profitieren (Ost: 65%)

- 32% glauben, daß sie weniger stark profitieren (Ost: 27%)

- 5% glauben, daß sie stark profitieren (Ost: 3%). Aus dem Begleittext kann man schließen, daß es sich hier wohl vor allem um die Spitzenverdiener handelt.

Auch die übrigen Umfrageergebnisse (zur Arbeitsplatzsicherheit und zu den Auswirkungen der Globalisierung) sind bezeichnend. So schreibt selbst die wirtschaftsnahe FAZ zu der Einschätzung des aktuellen wirtschaftlichen Umfeldes durch die Bevölkerung: "Noch vor wenigen Jahren hätte ein solches Umfeld die Bevölkerung in Hochstimmung versetzt. Dies gilt zurzeit jedoch nur für die oberen Einkommensschichten, während die Mehrheit bei ihrer Skepsis verharrt, ob der Aufschwung eine nachhaltige Wirkung entfalten und vor allem ob er alle Bevölkerungsschichten erreichen wird. Das Bemerkenswerte der aktuellen Lage ist vielmehr, dass die meisten Bürger glauben, der Aufschwung betreffe sie persönlich nicht und werde ihnen keinerlei nennenswerten Nutzen bringen. Als Nutznießer der positiven Konjunktur gelten die Unternehmen, der Staat und die gut gestellten Bevölkerungskreise, nicht die Masse der Bürger, die Arbeitslosen oder die unteren Einkommensschichten. Die überwältigende Mehrheit ist überzeugt, dass Unternehmen und Staat profitieren, nur 15 Prozent sehen Arbeitslose, nur 6 Prozent die niedrigen Einkommensschichten als Nutznießer des Aufschwungs. ... Das Empfinden, dass der Aufschwung keinerlei Auswirkungen auf die eigene Lage hat, ist besonders in den unteren Sozialschichten verbreitet. Sie sind in hohem Maße überzeugt, von günstigen Entwicklungen abgekoppelt zu sein, und von der Sorge bestimmt, dass ihre Zukunftsaussichten in der globalen Wirtschaft immer unsicherer werden. So schätzen zwei Drittel der Personen aus Haushalten mit überdurchschnittlichen Einkommen ihren Arbeitsplatz als sicher ein, aber nur 29 Prozent der Berufstätigen aus den unteren Einkommensschichten. Auch mittel- und längerfristig sind gerade die unteren Sozialschichten besonders skeptisch, wie sich ihre Beschäftigungschancen und die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes entwickeln werden. ..."

Der FAZ-Artikel beinhaltet teilweise neoliberales Geschafel, wenn etwa mit Verweis auf Sozialleistungen von den Grenzen der Leistungsfähigkeit des Staates gesprochen wird. Diese Grenzen werden merkwürdigerweise dann nicht sichtbar, wenn es um kräftige Steuersenkungen für Spitzenverdiener und Unternehmen geht. Nichtsdestotrotz macht dieser Artikel aus meiner Sicht deutlich, daß es sich bei dem momentanen "Aufschwung" um einen Aufschwung neoliberaler Machart handelt, dessen Früchte zumindest bisher ausschließlich in den Taschen der Spitzenverdiener gelandet sind, während die große Mehrheit der Bevölkerung leer ausgegangen ist und mit Maßhalteappellen dazu angehalten werden, auch weiterhin Verzicht zu üben (so fordert etwa die Mehrheit der Wirtschaftsforschungsinstitute weiterhin "Lohnzurückhaltung" durch die Arbeitnehmer. Gab es von diesen Instituten jemals die Aufforderung an die Unternehmen und Spitzenverdiener zur "Gewínnzurückhaltung" oder zur "Spitzeneinkommenszurückhaltung"?)




15.02.07- Kommentar zu BILD: "Aufschwung nicht zerreden!"

es gibt momentan nur wenige Stimmen, welche nicht in den von den Medien zelebrierten Jubelchor de Konjunkturenthusiasmus einstimmen möchten. Zu diesen Ausnahmen zählt Professor Bofinger, dessen Stellungnahme von der Netzzeitung wiedergegeben wird:

    Der Aufschwung hat keine Breite." Er werde nach wie vor vorwiegend vom Export getragen und nicht vom Binnenkonsum. Ohne den Verkauf von Autos habe sich der Einzelhandel seit dem zweiten Halbjahr 2005 kaum verändert. Der Aufschwung könne sich nur dann fortsetzen, wenn er auf eine breite Basis gestellt werde, so der Fachmann. Dazu müssten die Löhne steigen.
    Bei den Auftragseingängen und der Industrieproduktion zeichnet sich bereits eine Abkühlung ab." Die Bestellungen haben sich im Schlussquartal 2006 im Vergleich zum Vorquartal leicht abgeschwächt. Auch bei den Ordereingängen aus dem Ausland gebe es einen leichten Rückgang.

Zu der besonders ausgeprägten Jubelstimmung des "klügsten deutschen Ökonomen" (BILD) beschreibt die Netzzeitung die Reaktion Bofingers wie folgt:# Verwundert reagiert der Ökonom auf die überaus zuversichtlichen Äußerungen von Ifo-Chef Werner Sinn, der den deutschen Wirtschaftsaufschwung für so kräftig hält, dass er bis zum Ende dieses Jahrzehntes anhalten könnte. "Das wundert mich schon. Schließlich hat Sinn erst 2003 einen Bestseller herausgebracht mit dem Titel: 'Ist Deutschland noch zu retten?'.




12.02.07- Kommentar zu China Autos

gerade lese ich: Der chinesische Automobilhersteller Chery plane eine Automobilfabrik in Kaliningrad, Produktionsbeginn 2009, Kapazität jährlich 200 Tsd Kfz - siehe folgender link.

Selbst wenn dieses konkrete Vorhaben letztlich nicht zustande kommen sollte: Es ist in Zeichen an der Wand. Eher früher als später baut China in Europa seine eigenen Vertriebswege auf, für Automobile und anderes mehr. Bis 2009 wird auch der Spott über die Qualität chinesischer Autos vergangen sein, dann kann China voll konkurrieren, zumindest im Billigsegment. Man mag entgegenhalten: "Na und? Soll der deutsche Käufer doch froh sein, dass er seine Autos biIllig bekommt". Nur wird das Geld in der Tasche bald nur noch für Billigautos reichen, die teuren Autos verkaufen wir dann an die emerging countries. Welche Aussichten für ein "submerging country"!




05.02.07- Kommentar zu Arbeitslosenquote unter Akademikern

die aktuelle Berichterstattung, bzgl. der verlauteten Arbeitslosenquote von 3 % unter Physikern, möchte ich zum Anlass nehmen, um die veröffentlichten Zahlen zur Akademikerarbeitslosenquote zu berichtigen. Als Beispiel greife ich den Fachbereich Physik auf. Die Autoren/ Berichtersatter gehen von derzeit 70.000 - 80.000 Physikern im berufsfähigen Alter sowie 2.409 arbeitslosen Physikern aus. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Zahlen aus den Zusammenhang gerissen wurden und die berechnete Arbeitslosenquote von 3 % demzufolge falsch ist. Nimmt man die Datenbasis der Bundesagentur für Arbeit (BA), des Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und der Zentrale für Arbeitsvermittlung (ZAV) zur Hand, ist von einer berufsspezifischen Arbeitslosenquote um 10 % auszugehen. Ähnlich sieht es in den anderen akademischen Fachbereichen aus. Insbesondere Studienanfängern sollte diese Information nicht vorenthalten werden, da durch die Presse und die Urheber keine Berichtigung zu erwarten ist. Die Fakten:

Es ist richtig: Unter Berücksichtigung der Absolventenzahlen (Diplomabschlüsse) der vergangenen 3 ½ Jahrzehnte (Quelle Bundesamt für Statistik) und der Annahme einer allgemeinen Berufsfähigkeit von 3 - 3 ½ Jahrzehnten, kann die Zahl der berufsfähigen Physiker mit derzeit 70.000 - 80.000 Personen abgeschätzt werden. (Unter Mathematikern sind es auf Basis der Absolventenzahlen 50.000 - 55.000 berufsfähige Personen).

Es ist richtig: Die BA meldet 2.409 arbeitslose Physiker. Laut Arbeitslosenstatistik der ZAV handelt es sich dabei um arbeitlose Physiker mit Hochschulabschluss, die unter den Berufskennziffern BKZ 6121, BKZ 6122, BKZ 6125 und BKZ 6129 geführt werden. Die Beschäftigungsstatistik fasst Physiker, Physikingenieure und Mathematiker unter der Berufsordnung BO 612 zusammen (BKZ 6121 - BKZ 6129). In diesem Tätigkeitsfeld sind derzeit 23.521 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (ohne Personen in Ausbildung, Selbstständige und Beamte) und 3.395 Arbeitslose Physiker, Physikingenieure und Mathematiker gemeldet. Die Arbeitslosenquote auf Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beträgt hier 12,6 % (Quelle IAB).

Fazit: Im Anbetracht der Beschäftigtenzahl (23.521) und Arbeitslosenzahl (3.395) im Tätigkeitsfeld der BO 612, sollte offensichtlich sein, dass die Mehrheit der 70.000 - 80.000 berufsfähigen Physiker und 50.000 - 55.000 berufsfähigen Mathematiker anderen Tätigkeitsfeldern zuzuordnen ist (sowohl sozialversicherungspflichtigen, als auch nichtsozialversicherungspflichtigen). Die Arbeitslosenquote dürfte dort nicht gleich Null sein, sondern ebenfalls bei 10 % liegen (siehe Arbeitslosenquoten IAB). Abgesehen von Selbstständigen und Beamten, die ca. 25 % der Berufsgruppe stellen. Ca. 75 % der Physiker und Mathematiker sind sozialversicherungspflichtig Angestellte. Die Arbeitslosenquote bei Physikern wird seit Jahrzehnten falsch berechnet. Die Gesamtzahl der berufsfähigen Physikern, welche aus den Absolventenzahlen hervorgeht, wird nicht in Relation zu der Gesamtzahl der arbeitslosen Physiker aus allen Tätigkeitsfeldern gesetzt, sondern zu der Zahl der arbeitslosen Physikern, die aus einem vergleichsweise kleinen Tätigkeitsfeld von Physiker, der BO 612 hervorgeht. Arbeitslose Physiker aus anderen Tätigkeitsfeldern werden nicht berücksichtigt. Ähnlich sieht es bei den Mathematikern aus. Dort werden nur die 1.909 arbeitslosen Mathematiker berücksichtigt, die unter der BKZ 6123 geführt werden. Die Arbeitslosenquote für Akademiker der einzelnen Fachbereiche ist somit schlichtweg falsch.


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