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Kommentare werden anonym - soweit nicht anders gewünscht - und teilweise leicht gekürzt (keine Zensur) mit meiner Reaktion wiedergeben




12.02.07- Kommentar zu China Autos

gerade lese ich: Der chinesische Automobilhersteller Chery plane eine Automobilfabrik in Kaliningrad, Produktionsbeginn 2009, Kapazität jährlich 200 Tsd Kfz - siehe folgender link.

Selbst wenn dieses konkrete Vorhaben letztlich nicht zustande kommen sollte: Es ist in Zeichen an der Wand. Eher früher als später baut China in Europa seine eigenen Vertriebswege auf, für Automobile und anderes mehr. Bis 2009 wird auch der Spott über die Qualität chinesischer Autos vergangen sein, dann kann China voll konkurrieren, zumindest im Billigsegment. Man mag entgegenhalten: "Na und? Soll der deutsche Käufer doch froh sein, dass er seine Autos biIllig bekommt". Nur wird das Geld in der Tasche bald nur noch für Billigautos reichen, die teuren Autos verkaufen wir dann an die emerging countries. Welche Aussichten für ein "submerging country"!




04.02.07- Kommentar zu UN Klima-Bericht

Danke für Ihre Zusammenfassung des IPCC Berichtes 2007. Im Grunde muß das richtig heißen: Danke für Ihre Zusammenfassung der politisch genehmen 21-seitigen Zusammenfassung des IPCC Berichtes 2007. Ich möchte gerne möglichst viele Mitmenschen auf diesen Unterschied aufmerksam machen, beinhaltet und erläutert er doch auf den Punkt genau unser Aller Dilemma; die Konsequenz daraus wiederum ist nicht minder unangenehm. Dabei bitte ich ausdrücklich zu verstehen, daß dies gar keine Kritik an Ihrer Fleißarbeit ist; und viel Fleiß und Einsatz gehören neben umfassendem Wissen, Erfahrung und viel Recherche dazu, eine Website wie die Ihre zu gestalten bzw. von allem noch viel mehr, um sie verständlich und allumfassend up-to-date zu halten. Insofern möchte ich Ihre Website aber auch nicht mißbrauchen und stelle es Ihnen frei, diese Zeilen einzustellen oder eben nicht. Sie haben immer meinen ausdrücklichen Respekt. Während ich dies hier absende lese ich Ihre Gedanken zur Zeit (72): es ist diesem in allen Punkten zuzustimmen!

Wahrheit?

Mehr als 600 Wissenschaftler aus vielen Ländern hatten sich aufgemacht, auf Basis vorausgegangener Berichte über die mögliche Klimaentwicklung ein update zur Lage heute und ein Morgen zusammenzufügen. Im Ergebnis auf vielen Tausend Seiten explizit dargelegt ist es für uns Normalmenschen natürlich nicht faß- bzw. begreifbar, von Verstehen kann gar keine Rede sein; insofern kann die Arbeit einer Schar an Wissenschaftlern niemals eine Basis irgendwelcher Diskussionen oder gar daraus zu entwickelnder Konsequenzen sein. Ergo, es setzten sich wiederum viele hundert Abgesandte unserer direkten Vertreter zusammen, wohlgemerkt, diesmal keine Wissenschaftler sondern politische Delegierte, um die hoch wissenschaftlichen und vermeintlich abgehobenen Sichtweisen zu studieren, zu filtern und dieselben solchen Formulierungen zuzuführen, die auch wir Dumme verstehen. Das taten sie vier Tage und Nächte lang - für uns - nicht ohne vorher aus allen Herren Ländern mindestens per Business Class angefossilt zu sein - auch dies Wort kennt nun die Rechtschreibung dieses PCs! Dankbar sollen wir nun sein den Delegierten, geht ja auch schnell vorbei, tut nicht weh, spart Aufregung, schafft aber Klarheit. Kritik ist unangebracht vermeidet doch dieses Vorgehen ausgelöst durch das Moderne in unserem Fortschritt, daß nicht etwa jeder dahergelaufene Pfaffe einfach seine Thesen irgendwo annageln kann und damit natürlich ungewollte und im Zweifel immer störende Fragen und falsche Ansprüche auslöst. Wir alle sind lernwillig, wo kämen wir auch hin? Das Filtern hat zur Folge, daß wir es von den Anfängen eines „Der Mensch könnte das Klima beeinflussen" über viele verschiedene Varianten von „Der Mensch ist möglicherweise Verursacher " nun dorthin geschafft haben, wo es gefiltert heißen darf „ sehr wahrscheinlich ist er es!".

Bullshit*!

Da schicken 130 Länder Ihre Delegierten aus, um etwas zu leisten, was die creme-de-la-creme fakultätsübergreifender Wissenschaftler aus allen Winkeln unseres Planeten nicht in der Lage sein soll, zu tun? Dieselben Wissenschaftler bauen an unserer Gegenwart und erst recht Zukunft und sie bilden unseren Nachwuchs aus, deren Zusammenfassung ist unverständlich und bedarf eiern global politischen Zensur? Die können das nicht? Was können die denn? Auch Nichtlateinern ist klar, daß das Delegieren, das „Hinschicken" und „Übertragen" nicht etwa nur Bedeutung sondern quasi Befehl für den De-Legierten an sich ist und in seiner Legierung mit Gleichgesandten wird er genau das tun, was seinem Legat entspricht. Politisch korrekt, - in den allermeisten Fällen demokratisch gewählt, - andernfalls parteitaktisch rot gesteuert, - marktwirtschaftstechnisch frei, - neu, liberal, global, - garantiert immer Lobby geführt, aber alle mit der derselben Überschrift:

Cave Clima!

Gemeint ist natürlich nicht die Warnung vor einem Klima und seiner möglichen Entwicklung sondern vielmehr ist zunächst vor dem zu warnen, was womöglich im Geiste freie oder gar Lobby resistente Wissenschaftler da zusammengebraut haben könnten - jedoch nicht selbst zusammenfassen können: So könnte ja einer oder gar eine Mehrheit unisono auf die Idee kommen zu sagen, daß wir in die Katastrophe schlechthin steuern. Daß schon ein Vergleichen der Zustände unseres Heimatplaneten in 1900 und 2000 ausreicht, um zu formulieren „Der Mensch ist es! Immerhin liegt ein Vergleichen nahe und ist ohne high-tech möglich: eine Milliarde Menschen versus 6 oder gar 7! Wie viele antike Kühlschränke, rostige Autos, alte Trucks, dampfende Loks, propellernde Flugzeuge, noch gar nicht erfundene Jets, ölige Schiffe, Holzspielzeuge und Lichter, Kraftwerke und Zigaretten, Heizungen und Klimaanlagen, Produktionsstätten und Ölfässer, Mobilität an sich und Schneekanonen im besonderen, versus welcher gigantischer Mengen, Massen und Lobbys derselben und mehr Güter im Heute? Oder ein paar verrückt gewordene Wissenschaftler könnten sagen, daß gar drastische Maßnahmen notwendig seien. Und diese sofort - nicht etwa bis Zwanzigzwanzig. Oder erst in dreizehn Jahren! Und daß solche Maßnahmen vor nichts und niemandem Halt zu machen haben. Insbesondere dann nicht, so sie unkontrollierte CO2 Abgabe ohne Gegenmaßnahme bedeuten. Zum Beispiel jedwede unnötige Mobilität, wenn denn verbunden mit der Verwendung fossiler Brennstoffe, ist - nein, nicht nur einzuschränken, sondern - sofort zu verbieten. Jede globale Produktionsstätte ist unverzüglich nach ihrem CO2 Ausstoß und bei schleunigster Nichtverbesserung bis zum Abwürgen zu bestrafen. Dazu sind Methanquellen einzutüten, Regenwälder umgehend aufzuforsten, Dächer weiß zu decken - hier, nur um mal ein paar simple aus einer Unzahl an bedingungslos notwendigen Sofortmaßnahmen aufzuzählen. Oder, der Supergau! Was wenn das Gros der angetretenen Wissenschaftler gar die Massen anregte zu hinterfragen, warum seit den letzten Berichten nichts - gar nichts - getan worden ist? Ob denn kein Volksvertreter, Politiker, Verantwortungsübernehmer oder -delegierter „Die Grenzen des Wachstums" gelesen hat. Schließlich hatte jeder heute 50-jährige Gelegenheit, diese zu lesen, zu hinterfragen, zu verarbeiten, und möglicherweise Konsequenzen anzuregen - dies seit sage und schreibe 1972! Auch rote und grüne 68-er konnten da schon lesen und auf die Straße gehen, Fahrrad fahren und in Kyoto dummes Zeug labern. Statt dessen: die kleinste gemeinsame Menge aus aller Länder Interessen, chinesisch, russisch, amerikanisch, and more weichgespült, im Konjunktiv zusammengefaßt, kaum gefälscht, aber ganz sicher verfälscht. Immerhin, Fortschritt ist da, wo 130 Länderregierungen, respektive deren nur zu diesem Behufe abgesandten Handlanger, es in schon in 96 Stunden schaffen, was man anderswo im Chorus von nur 30 Ländern über Jahre nicht schafft; was wiederum die Kongruenz der 130 Legate beweist.

Nichts gegen Bauern, aber der Dümmste unter denselben ist klug genug gemerkt zu haben, welche Zensur die Delegationen vorzunehmen hatten; dies heute in 2007, eine oder zwei wertvolle Stunden nach zwölf. Und derselbe Bauer wird jetzt sagen „Die These ist mir doch Wurscht, ob „möglicherweise" oder „wahrscheinlich", egal!" und wird fragen „Wie kommen wir da raus?" Dazu steht ein Nichts in den offiziellen Statements, von allgemeinen Floskeln und Platitüden abgesehen. Während zu gleicher Zeit Merkel und Glos die deutschen Automobilbauingenieure bevormunden, die angeblich nicht können, was ihnen die eigenen Shareholdervertretungen aus schnöder Gier und schlichter Faulheit verbieten, wird der geballten Ladung an Wissenschaftlern delegativ versagt, ihren Erkenntnissen und Wissen die möglichen Antworten und Lösungen folgen zu lassen. Oder denkt ein Wissenschafter per se nur bis zum Resultat? Aber klar: geht ja gar nicht anders, bedeutet doch „Regieren" in seinem Ursprung „Lenken" und „Leiten" was impliziert, daß „Abwägen" und „Entscheiden" schon geschehen sein muß. Und diese Privilegien zusammen mit der daraus erwachsenden hohen Verantwortung wollen unsere demokratisch von Minderheiten gewählten und Lobby gesteuerten Volksvertreter sicher für sich und ihre Auftraggeber behalten. Verständlich! Was bliebe Ihnen denn auch sonst noch wo sich doch der Staat raushalten und ganz weit zurückziehen soll. Nur - macht das alles es besser?

Hilfe!

Nein!

Schluß!

Während in jedem auch noch so dilettantisch gemanagtem Ballverein spätestens jetzt und schleunigst der gescheiterte Trainer verjagt würde, erlaubt das System in dem wir leben jedem gefehltem Bock weiterhin das Gärtnern. In einer so späten Entwicklungsstufe, dem höchstentwickelten Stadium einer nicht mehr nur etablierten sondern manifestierten Gesellschaftsform wie der freien Marktwirtschaft, angeführt von den schon beschriebenen fragwürdig demokratisch gewählten Leitfiguren, gibt es leider kein Instrumentarium, kein Sicherheitsventil (mehr), das zu bedienen, eine Um- oder auch nur Abkehr ermöglichte. Wir sind auf Gedeih und Verderb dem Tun der uns Regierenden, ihren Lobbyschaften und deren gemeinsamen Zensuren ausgeliefert. Wer das nicht begreift, der lebt in einer anderen Sphäre oder glaubt auch an die realen Gerichtsprozesse, die die Bushs und Blairs unserer Zeit wegen Lug und Betrug, Irreführung, Anstiftung zu Mord und Totschlag, Untreue, ungerechtfertigter Bereicherung, Versagen und Scheitern und was-sonst-noch-so-war nicht zu erwarten haben werden.

Es wird aber noch schlimmer kommen. Nicht etwa weil ungestraft Belohnungen dafür ausgelobt werden dürfen, ein Gegenteil eines im wahren Sinne der Formulierung „sehr wahrscheinlichen" todsicheren Vorganges zu finden. Gar nicht weil in Florida gerade erst ein Sturm mit 260 Sachen wütete oder Jakarta schon wieder mal unter Wasser steht. Auch nicht weil sich die Medien bereits drei Tage nach Veröffentlichung der bevormundenden Zusammenfassung schon wieder auf anderen Jahrmärkten tummeln. Ja, das Klima wird sich verschlechtern, aber viel schlimmer werden wird die Art und Weise wie Politik und Wirtschaft damit umgehen werden und sich der Ängste, Nöte und Notwendigkeiten der Massen bedienen und diese nutzen werden, um sich und ihre immer künstlichere Welt zu erhalten.

Wie in jedem Krieg wird es (Klima-)Gewinner geben. Das werden ganz zufällig die sein, die Ihre Startlöcher schon heute gegraben haben. Rechts in einem Oligopol, links in irgendeiner Lobby stehend. Sie werden ausnahmslos auf Basis von eigentlich die Katastrophe verursachenden Erträgen dann das auszuschlachten wissen, was sie nicht vermieden haben. Ihr börsenorientiertes Publikum wird sie als clever feiern, Tantiemen und Ehren ausloben und sie anbeten. Der sogenannte „internationale" Terrorismus wird bis dahin der Umsetzung jeden Orwell'schen Instrumentes gedient haben und im Einklang untergehen mit der vermeintlich unumkehrbaren Logik die da heißt, Geld gegen Klima; eine Auferstehung des Ablaßhandels, global neoliberal organisiert, unfrei aber nicht mal selig machend. Trösten kann, daß in diesem Schauspiel die Bösen übrigbleiben werden; weil nur kurz.

Reaktion:

Vielen Dank für die scharfen Formulierungen. Leider muß man ja schon fast froh sein, daß der Absegnungschor die 90 % Wahrscheinlichkeit am Ende akzeptiert hat. Ich denke jedoch, daß die Grafiken eine so deutliche Sprache sprechen, daß es eigentlich auf den genauen Prozentsatz gar nicht mehr ankommt. Nun wird man abwarten müssen, ob im Mai, wenn der Teil mit den Forderungen für politische Schritte vorgelegt werden, mehr als ein Mäuschen herauskommt. Leider hat die Humanität nicht mehr viel Zeit. Meine Gedanken zur Zeit Nr. 72 zeigen ja meine eigene Ungeduld.




04.02.07- Kommentar zu Arbeitsmarkt

da viele Ihrer Notizen und Schwerpunkte sich mit dem Thema Arbeitsmarkt befassen sowie der Betrachtung der Anteile von Arbeitseinkommen und Unternehmensprofite, sende ich Ihnen folgenden Artikel als zusätzlichen Mosaikstein. Ein Gedanke: "Auch die prekäre finanzielle Lage nach dem Studium belegt die Studie mit konkreten Zahlen. Durchschnittlich dauern die Praktika sechs Monate und werden mit 600 Euro bezahlt. Frauen werden im Schnitt mit nur 543 Euro abgespeist. Davon kann niemand leben, deshalb müssen in den meisten Fällen die Eltern unter die Arme greifen. Das kann sich allerdings nur ein privilegierter Personenkreis leisten - Kinder aus Familien mit geringem Einkommen haben das Nachsehen." Beachtet man, dass die Eltern ihr Geld auch erst einmal verdienen müssen, ist das wieder ein doppelter Effekt. Einerseits stagnieren/sinken die Löhne real und ein Teil dieses Geldes muss auch noch für die eigenen Kinder verwendet werden, die in ausbeuterischen Vertragsverhältnissen gehaltenen. Vice versa eine tolle Möglichkeit Kosten gleich an allen Fronten zu reduzieren.

Als angehender Absolvent sehe ich diese Entwicklung nicht nur bei meinen Kommilitonen, die Ihr Studium beendet haben. Ebenso weiß ich durch eigene Praktika während des Studiums und Erzählungen von Freunden, dass viele Unternehmen (grad auch die großen) einen sehr großen Teil der Arbeit durch Praktikanten abdecken. Das geht im einem Fall soweit, dass eine ganze Abteilung nur von Praktikanten und Zeitarbeitern geführt wird. Das Schlimme an den Zeitarbeitern ist, dass sie vorher auch schon Praktikanten waren (1 Jahr), der Traum nach einer Anstellung nach dieser Zeit aber in einem vertraglichen Verhältnis mit einer Zeitarbeitsfirma mündete. Sprich, volle Arbeitskraft seit zwei Jahren am gleichen Arbeitsplatz, aber das Unternehmen hat sich um die Bindung an die Arbeitskraft gedrückt. Für die Person doppelt schlimm, sie kann nicht angeben, bei dem "renomierten" Automobilhersteller gearbeitet zu haben, da sie ja bei der Zeitarbeitsfirma angestellt war.

Reaktion:

Ja, das ist eine sehr wertvolle praktische Ergaenzung und zeigt die ganze Verlogenheit eines Systems, das auf Mitnahmeeffekte setzt. Ich werde den Beitrag auf meiner Kommentarseite unterbringen.




31.01.07- Kommentar zu China

Ich halte die These von den bösen asiatischen Angreiferstaaten, die uns mit unfairen Methoden die Jobs wegnehmen und den Planeten zerstören für irreführend. ich halte vielmehr die Absichten und Methoden für weitgehend legitim. Im Grund halten uns die Chinesen doch nur den Spiegel vor, indem sie genau das tun, was die Industrieländer auch getan haben, um dahin zu kommen, wo sie heute sind. Das problem ist halt die große Zahl, und dass für die verwicklichung der chinesischen Ziele de facto ein zweiter Planet nötig wäre. Aber wessen Schuld ist das?

Zudem erscheint mir der Unterton von Protektionismus und Abschottung ("wir gegen die"), der auch bei Ihren Kommentaren mitschwingt, im hohen Maße gefährlich. Ich bin mir sehr sicher, dass es in unserer heutigen Welt der globalen Interdependenz nur noch kooperative Lösungen für die großen Probleme gibt und dass jeder Versuch neuer Blockbildung in Konflikte münden wird, die niemand mehr kontrollieren kann.

Vieles an unserer heutigen gesellschaftlichen Stimmungslage erinnert an die Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, wo die Angst vor dem bösen, konkurrierenden Ausland, das uns überholen, abhängen oder gar abhängig machen will, am Ende auch in die Psychose des nationalen Wahns mündete.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre Andeutungen. Wir werden wahrscheinlich einstweilen mit unterschiedlichen Meinungen leben müssen. Ich will nur Mißverständnisse vermeiden, indem ich einige Punkte klarstelle, wobei meine Auffassungen übrigens längst vor Gabor Steingarts Buch entstanden sind und sich stark davon unterscheiden (ich erwarte und will keinen Weltkrieg um Wohlstand):

    1. Ich sehe den Konflikt nicht mit China oder Indien in der von Ihnen angesprochen Verengung, sondern zwischen den Arbeitnehmerinteressen und den Kapitalinteressen weltweit. Die Großunternehmen aus den alten Industrieländern, die ihre heimatlichen Arbeitnehmer unter Druck setzen und so z.B. die negative Arbeitseinkommensentwicklung in Deutschland zusätzlich abstützen, beuten Arm in Arm mit chinesischen Offiziellen auch die chinesische Arbeitskraft aus. Dabei sind viele der westlichen Investoren in China z.T. noch schlimmer als die die chinesischen Arbeitgeber und machen z.B. Gegendruck auf die chinesische Regierung auf, die soziale Verbesserungen einführen muß, wenn es nicht zum Konflikt kommen soll. China ist leider ein kapitalistisches Land wie zu Zeiten des Manchestertums geworden und die Unterschied zwischen arm und reich wird dort immer größer.
    2. China ist leider die Nummer 1 in den notwendigen Antidumping-Maßnahmen aus Europa und den USA (und auch beim Technologieklau). Es gibt dort längst noch keine Marktwirtschaft. Statt nur auf exportangetriebenes Wachstum bei Manipulation des Wechselkurses und riesige Devisenreserven zu setzen, muß China viel mehr für die Binnennachfrage tun (da gibt es übrigens leider Parallelen zu Deutschland). Antidumping-Verfahren sind kein unberechtigter Protektionismus sondern eine durchaus nach WTO legitime Abwehr. Ich habe selbst lange genug in der Außenwirtschaftsabteilung des Bundeswirtschaftsministerium gearbeitet, und dort haben diese Abwehrmaßnahmen nie als unanständig gegolten. Sie waren z.B. gang und gebe, solange die Osteueropäer noch keine Marktwirtschaft hatten. Auch viele arme Entwicklungsländer müssen sich gegen China-Dumping wehren, z.B. Indien. Die Bundesregierung unterstützt im übrigen das Antidumpinginstrument auch im Verhältnis zu China, während die Briten und Schweden es loswerden wollen. Wir werden es wahrscheinlich in nicht zu ferner Zukunft gegen chinesisches Dumping im KfZ-Bereich brauchen. Die Chinesen ihrerseits haben WTO-widrig hohe Abwehrzölle gegen den Import von Automobilteilen eingeführt.
    3. Im Umweltbereich ist heute - anders als zu den Zeiten der industriellen Revolution - umweltfreundliche Technologie zu vernünftigen Preisen vorhanden und man kann sie durchaus importieren (China hätte die Mittel dafür). Statt dessen wird dort die älteste Kohlekraftwerkstechnologie eingesetzt und damit jede Woche ein neues Kraftwerk aufgemacht. Das ist durchaus Chinas Schuld, wenn Sie diesen Begriff verwenden wollen. Wir können das nicht verhindern, aber niemand kann die alten Industrieländer zwingen, ihre energieintensive Produktion nach China zu auszulagern und dann die umweltschädlich erzeugten Produkte zurückzunehmen. Dehalb ist der französische Vorschlag von handelspolitischen Abwehrmaßnahmen gegen Produkte, die besonders umweltschädlich erzeugt sind, m.E. erwägenswert. Wir haben nun einmal keine zweite Welt und unsere Kinder wollen auch noch erträglich leben wollen. Die Interessen der Verlagerer unter den westlichen Großunternehmen müssen da zurückstehen.
    4. Ich bin natürlich auch gegen Blockbildung im Verhältnis zu Asien (mein Unterschied zu Steingart), aber China ist derzeit (noch) nicht kooperationsbereit und verschanzt sich z.B. hinter dem Anspruch, die Emissionen der alten Industrieländer nachholen zu können, obwohl - wie gesagt - die technologischen Bedinungen heute ganz andere sind und keines der alten Industrieländer - anders als heute - seinerzeit ahnen konnte, wohin die Emissionen führen. Ebenso verschanzt sich China hinter dem Anspruch hemmungslos dumpen zu können und will möglichst schnell als Marktwirtschaft anerkannt werden, damit die Antidumpingverfahren bei der Intransparenz der Preisgestaltung in China praktisch kaum noch möglich sind. Im handelspolitischen Bereich (was Sie m.E. zu Unrecht als Protektion abtuen) ist es in der Vergangenheit nie ohne Phasen der Konfrontation gegangen. Das war (und ist) oft so auch im Verhältnis zwischen der EU und den USA. Mit gefährlicher Blockbildung hat das wenig zu tun. Natürlich war auch die EU immer ein Wirtschatsblock zunächst gegen die "bösen" Kommunisten und dann zunehmend gegen die amerikanische Übermacht, so etwa eine der Motivationen hinter dem Euro im Verhältnis zum Dollar. Wenn wir den Mindestschutz gegen unfaire Handelspraktiken Chinas aufgeben, kommen wir immer mehr auf die Rutsche Richtung chinesisches Sozialsystem, wovon vielleicht einige unserer Unternehmer träumen, weil dann die Profite erst recht explodieren.
    5. Der nationale Wahn, den Sie und ich befürchten, kommt erst recht, wenn die Politik auf die berechtigten Sorgen der Menschen nicht eingeht und die neoliberale Globalisierung ohne ein Mindestmaß an notwendigem Management des Prozesses immer weiter treibt. Wir haben das Glück in Deutschland, keinen LePen zu haben und immer noch im „Schutz" unserer unglücklichen Geschichte zu leben. Aber die Zeichen von politischem Frust und Resignation sind m.E. bereits überdeutlich in der Bevölkerung. Der soziale Abbau, der sogar amtlich nachgewiesen wird, läßt sich nun einmal von dem Prozeß einer hemmungslosen Globalisierung nicht trennen. Schauen Sie sich doch bitte einmal diese eine Grafik an. Sie sagt m.E. sehr viel über eine wilde Globalisierung.


31.01.07- Kommentar zu Mehrwertsteuererhöhung und Einzelhandelsumsatz

... dem aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung erwartungsgemäß eingetretenen kräftigen Umsatzanstieg im Dezember 2006 im Vergleich zum Vormonat bzw. zum Vorjahr (unter Berücksichtigung von 2 zusätzlichen Verkaufstagen im Dezember 2005) scheinen im Januar 2007 deutliche Umsatzrückgänge zu folgen, wie selbst der in der Tendenz positiv gehaltene Artikel in stern-online aufzeigt ("Mehrwertsteuererhöhung: Nicht so schlimm wie befürchtet"):

"Einer Umfrage unter 500 Einzelhändlern zufolge erlitt die Branche im Januar empfindliche Umsatzrückgänge. "Die dreiprozentige Mehrwertsteuererhöhung im Januar hatte stark negative Auswirkungen auf die Einzelhandelsumsätze", hieß es zum Bloomberg/NTC-Einkaufsmanagerindex. Zudem hätte ein Drittel der Unternehmen den angepeilten Umsatz verfehlt.

Der HDE hat bisher keine Signale für "dramatische Umsatzeinbrüche im Januar, aber eher für den erwarteten Rückgang". Die Preisnachlässe seien größer als in der Vergangenheit und verzerrten das Bild, sagt Pellengahr. Ein genaues Bild über die Folgen der Steuererhöhung sei erst nach dem Winterschlussverkauf möglich. "Der Handel hat versucht durch massive Rabattaktionen, die Leute ins Geschäft zu locken", sagt DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Preiserhöhungen seien erst mit Auslaufen der Rabatte ab Februar zu erwarten. Allerdings stecke der Handel in einer Zwickmühle: "Reicht er die höheren Kosten nicht weiter, wird die Marge geschluckt, erhöht er die Preise, muss er ein Umsatzminus befürchten." Der Einzelhandel dürfte sich ohnehin zieren, zum Jahresanfang die Preise zu erhöhen. Der Branchenverband HDE geht davon aus, dass Händler, Industrie und Verbraucher die Last der Mehrwertsteuererhöhung je zu einem Drittel schultern. Dieses Verhältnis dürfte sich allerdings zu Ungunsten der Konsumenten verlagern, sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. "Am Ende wird der Verbraucher die Zeche zahlen müssen. Aber es wird dauern, bis alles bei den Leuten ankommt." Viele Ökonomen gehen davon aus, dass Handel und Dienstleister ihre Preise bereits im vergangenen Jahr erhöht haben, um die Steuererhöhung abzufedern."




31.01.07- Kommentar zu SPD-Mitglieder: Sind sie Masochisten?

Ihre Ausführungen zu den SPD-Mitgliedern kann man nur unterstützen. Was ist aus dieser Partei geworden! Ich denke jetzt schon mit Unbehagen an die nächsten Wahlen. Wen kann man denn in Deutschland noch guten Gewissens wählen? Wo ist eine überzeugende Stimme, die sich gegen den Mainstream stellt (nicht publizistisch, sondern als Kandidat)?

Reaktion:

Ja, da haben Sie recht. Leider muß die Aufklärung vorlaufen, bis die Politik (vielleicht) folgt, und das kostet viel Zeit. Aber wenn noch mehr aus der SPD austreten, muß das Konsequenzen für die Richtung der Partei haben.




30.01.07- Kommentar zu China

Wenn man die Entwicklung Chinas seit Mao Tse Tung verfolgt direkt und indirekt verfolgt hat, muss man die ungeheure Aufholjagd hinsichtlich technologischen Niveaus der Volkswirtschaft anerkennen, was auf folgende wesentliche Faktoren zurückzuführen ist:

    Das "Riesenreich" hat ein großes Potential an hochintelligenten Fachkräften, die "von Natur aus" hochmotiviert sind. Dieses Potential hat es ermöglicht, dass China u. a. eine Atommacht ist und Satelliten in den Weltraum transportieren und zurückholen kann. Es wird nicht lange dauern, dann hat die Automobilindustrie Chinas auch den Qualitätsstandart Südkoreas oder Japans und überschwemmt den Europäischen Markt.
    China kauft die zugänglichen Hochtechnologien auf der Welt und nutzt sie umfassend in eigener Produktion (z.B. Magnetschwebebahn Transrapid). Was China nicht kaufen kann, wird im Land selbst entwickelt. Dazu lässt China hochintelligente Fachkräfte an renommierten ausländischen Eliteschulen und Instituten ausbilden. Nicht zu vergessen ist, dass über Hongkong und Shanghai Hochtechnologien ins Land geholt bzw.hier traditionell entwickelt werden.
    Die chinesische Führung ist in der Lage, "per Befehl" riesige Ressourcen an Menschen und Material auf die Lösung einer Aufgabe zu konzentrieren. Die Beteiligten werden durch "Privilegien" (Löhne, Wohnung, Kfz, Auszeichnungen usw.) zusätzlich motiviert.
    China hat einen privatwirtschaftlichen Sektor zugelassen, wo viele Produkte und Dienstleistungen erzeugt werden, ohne dass sich staatliche Institutionen darum kümmern müssen.
    Die chinesische Führung hat unlängst beschlossen, die Infrastruktur der noch rückständigen Gebiete neschleunigt zu entwickeln, um sie an das Niveau der technologischen Zentren heranzufühen.

Wahrscheinlich steht China in etwa 7 bis 10 Jahren hinsichtlich des industriellem Technologieniveau auf der Ebene Europas. Deshalb ist der weitere Ausbau der Kooperation mit China für Deutschland mehr als notwendig, anstatt mit einer gehörigen Portion Arroganz in seine inneren Angelegenheiten hineinreden zu wollen, wenn man auch noch selbst im Glashaus sitzt. Die politische Führung Deutschlands kann doch auch nicht von sich behaupten, dass sie die Menschenrechte nach Völkerrechtlich und Grundgesetz umfassend wahrt.

Reaktion:

Natürlich muß man die Geschwindigkeit der chinesischen Entwicklung bewundern. Das darf uns aber nicht blind dafür machen, daß diese Entwicklung im Wesentlichen exportangetrieben verläuft und oft mit gedumpten Produkten Arbeitslosigkeit exportiert, Menschen und Umwelt rücksichtslos ausgebeutet werden, in großem Umfang Technologieklau stattfindet und China immer noch ein strikt kommunistisch zentral gelenktes Reich ist. Ich glaube nicht, daß man China und Deutschland in Sachen Völkerrecht und Menschenrechte auf eine Stufe stellen kann. Gerade wieder hat die chinesische Führung beschlossen, den Internetgebrauch schärfer zu überwachen, um so die Meinungsfreiheit weiter einzuschränken.




30.01.07- Kommentar zu Renten

Der Versuch einer Bestandsaufnahme zum Thema Renten ergibt folgendes Bild: Einige Beispiele: So heißt es eine private Altersvorsorge sei unerlässlich um im Alter den Lebensstandard halten zu können. Das Renteneintrittsalter wird auf 67 Jahre heraufgesetzt werden. Schaut man sich an wie viele Menschen über 55 noch arbeiten oder wie die Chancen sind in diesem Alter einen Job im ersten Arbeitsmarkt zu finden so kann man nur noch schwarzsehen Wird man nun länger als 18 Monate arbeitslos dann schlägt Harz 4 zu, denn dann muss die Altersvorsorge bis zu den Freibeträgen verwertet werden - und wieder droht Altersarmut. Oder dass etwa ein Drittel der Gesellschaft keine private Altersvorsorge aufbauen kann, da sie gerade so über die Runden kommen, auch diese Menschen haben nie eine Chance der Armut zu entfliehen. Einmal arm - immer arm. Beiträge werden nur auf sozialversicherungspflichtige Einkommen erhoben, doch die Regierung fördert indirekt den Abbau dieser Einkommen. Man leistet sich 4 bis 6 Millionen Arbeitslose, die als Beitragszahler weitestgehend ausfallen und malt Schreckensbilder des demographischen Wandels in den düstersten Farben aus.

Aus der unvollständigen Liste der Beispiele ließe sich in der Tat ein Veränderungsbedarf ableitenDoch weder die Diagnosen, noch die Lösungsansätze sind stimmig. Das Wort Reformen ist ein Schimpfwort geworden, für viele ist der Glaube an Verbesserungen verloren gegangen. Unsere Eliten, wie Politik, Wirtschaftsinstitute, Lobbyisten und Medien usw. vertreten eine neoliberale Globalisierung als das Maß der Dinge. Alternativkonzepte für eine gerechtere Globalisierung werden nicht diskutiert, oder sind nicht bekannt. Schreckensbilder werden an die Wand gemalt Die gravierenden Konsequenzen der neoliberalen Globalisierung, mit all ihren Nachteilen, für große Teile der Bevölkerung in Industrie- und Entwicklungsländern oder unseren Lebensraum Erde, werden verschwiegen. Ein Großteil der „Eliten" predigt ein Leben als ob es kein Morgen gibt. Und warum macht der Bürger das mit? Die Menschen werden vom Nachdenken abgehalten! Ein Teil der Bevölkerung wird auf einen anderen gehetzt, der gerade die Rolle des Sündenbocks zu spielen hatDie Diagnose muss lauten: Zurzeit sind unsere Eliten das Problem!




30.01.07- Kommentar zu Inflationsfrate der Wohlhabenden

beim Googeln nach einer gesonderten Inflationsrate für Besserverdiener bin ich heute auf Ihre Webseite gestoßen, für die ich Ihnen ein hohes Lob zollen möchte: Sie hebt sich wohltuend von der unausgegoren-halbwissenden Argumentation vieler Globalisierungsgegner ab. Sie wissen, wovon Sie schreiben - das ist heute längst nicht mehr selbstverständlich.

Anlass für mein Googeln war ein Interview in der heutigen Welt am Sonntag, in dem Leonhard Fischer behauptete, für Besserverdienende betrage die Inflationsrate bis zu acht Prozent jährlich. Trotz intensiver Suche habe ich dafür keine validen, sondern allenfalls anekdotische Belege gefunden. Wenn es tatsächlich eine solch krasse Divergenz zwischen der traditionellen und der Reichen-Inflationsrate gäbe, könnte das durchaus auch auf die verteilungspolitische Debatte Einfluss haben. Rechtsgestrickt als Argument für die Weisheit des Marktes, der quasi automatisch dafür sorgt, dass die Reichen nicht immer reicher werden, und linksgestrickt als Argument dafür, die Einkommen der Reichen zu beschneiden, um dort die heiß gelaufene Inflation zu reduzieren. Charmant, oder?



Reaktion:

Vielen Dank für Ihre freundlichen und anerkennenden Worte, die ich sehr gerne entgegennehme. Zu Ihrer Frage kenne ich keine amtliche Statistik, die darauf eine klare Antwort geben könnte. Bekannt ist nur, daß die Besserverdiener viel weniger ihres Einkommens für den Verbrauch ausgeben, der allein mit der üblichen Verbraucherpreisinflation erfaßt wird. Während die durchschnittlich Sparrate bei 10 bis 11 Prozent liegt, brachte es die oberste Einkommensklasse (von insgesamt acht) mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 6868 Euro pro Haushalt auf 22,2 % (Statistisches Bundesamt, Einkommens- u. Verbrauchsstichprobe - Ausgewählte Ergebnisse zu den Einkommen und Ausgaben priv. Haushalte 1. Hj 2003, siehe meine Abbildung). Seitdem dürfte diese "Sparleistung" eher gewachsen sein, und die ganz Wohlhabenden liegen ohnehin noch am oberen Rand dieser Durchschnittsklasse mit noch weit höheren Sparquoten.

Der Grund ist einfach: Wer so viel verdient, hat sich schon fast alles angeschafft und kann auch nur einmal satt werden. Der größte Teil des Einkommens wandert dann auf die deutschen und internationalen Kapitalmärkte, wo er sich hoch verzinst (Heuschrecken-Investitionen). Der hohe Einkommenszins ist aber das Umgekehrte einer hohen Verbraucherinflation. Er dürfte weit überkompensieren, was diese Einkommensklasse mehr an Verbrauch zahlt, da sie nicht so sehr auf die billigsten China-Schnäppchen zurückgreifen muß. Außerdem zahlen die Wohlhabenden aus dem gleichen Grund weit weniger Mehrwertsteuer und schon gar nicht die erhöhte. Ich halte also die ganze Argumentation des wohlhabenden Bankers Fischer für schief und im übrigen parteilich. Bei Credit Suisse wird er als neuer Europa-Chef auf der schweizer Seite nicht zuletzt viel des so gesparten deutschen Kapitals wiederfinden.






28.12.06- Kommentar zu Arbeitsmarkt

der DIHK hat laut Radiomeldung mitgeteilt, daß in der Industrie in diesem Jahr 15.000 neue Stellen geschaffen wurden (vor allem im Maschinenbau und der elektrotechnischen Industrie). In 2007 würden in der Industrie bis zu 30.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Was ich erstaunlich finde:

o im Jahre 2006 ist die Beschäftigung insgesamt um ca. 350.000 Personen angestiegen.

o Nach meinem Wissensstand wurden in folgenden Sektoren Stellen abgebaut oder zumindest keine neuen Stellen geschaffen: Bauwirtschaft, Handwerk, Handel, Staat

o somit verbleibt eigentlich nur noch als wesentlicher Wirtschaftszweig das Dienstleistungsgewerbe einschließlich der Zeitarbeitsfirmen

o es scheint mir äußerst merkwürdig, daß ausschließlich in diesem Sektor mindestens 350.000 neue Stellen entstanden sein sollen.

Das schürt Zweifel an den veröffentlichten Daten:

o entweder sind die Zahlen des DIHK zu niedrig angesetzt

o oder die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zu hoch (?)

Reaktion:

Leider schlüsselt die Bundesagentur die von November 05 bis 06 hinzugekommenen 346 Tausend Beschäftigten nicht nach Branchen auf. In der gesamten Industrie (einschl. Bauwirtschaft) sind nach letzten Zahlen für Oktober jedenfalls im Laufe eines Jahres rund 2,7 Tausend Beschäftigte abgegangen.

Nach der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wurden im 3. Quartal 2006 gegenüber 2005 336 Tausend mehr an Erwerbstätigen gezählt, davon 51 Tausend mehr in Handel, Gastgewerbe und Verkehr, 225 Tausend mehr in Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen und 120 Tausend mehr in öffentliche und private Dienstleister, dagegen ein Abgang von 3 Tausend in Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei sowie 50 Tausend im verarbeitenden Gewerbe und 1 Tausend in der Bauwirtschaft.

In der Tat wären das also, neben normalen Beschäftigungen z.B. im Finanzsektor, die meist schlecht bezahlten und oft auf Zeitverträgen beruhenden Dienstleistungsbereiche, wie Gaststätten, Gebäudereinigung und -bewachung sowie 1-Euro- und 400-Euro-Jobs im Gemeindebereich, die die zusätzliche Beschäftigung erbracht hätten. Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer sind jedenfalls nominal nur um 0,55 % gestiegen (real minus 1 %), während die Zahl der Arbeitnehmer um 0,86 % zunahm. Das deutet ebenfalls darauf hin, daß die neuen Beschäftigungen zu einem großen Teil aus gering entlohnten Beschäftigungen bestehen müssen.




27.12.06- Kommentar zu EZB schadet mit falscher Zinspolitik vor allem Frankreich und Deutschland

ich finde Ihr neu aufgenommenes Schwerpunktthema zur Auswirkung der EZB-Politik auf Deutschland und Frankreich sehr informativ.

Lediglich eine Aussage kann ich nicht teilen: "Die Bundesbank hat jedenfalls seinerzeit viel mehr Rücksicht auf die Situation der deutschen Binnen- konjunktur gelegt als es die EZB tut." Wie die Abbildung 06053 zeigt, gilt dies zumindest nicht für die Jahre 1992 und 1993. Damals wurde von der Bundesbank im Zuge der deutschen Wiedervereinigung eindeutig aus meiner Sicht eindeutig überreagiert. Hierdurch wurde nicht nur die deutsche Konjunktur abgewürgt, sondern darüber hinaus das Europäische Währungssystem in ärgste Turbulenzen gestürzt.

Reaktion:

Ja, für die kurze Zeitspanne nach der Wiedervereinigung haben Sie sicher recht. Allerdings kam die deutsche Konjunktur auch deshalb zu einem abrupten Ende, weil das durch die Wiedervereinigung gezündete Strohfeuer einfach nicht anhalten konnte, zumal der Umtauschkurs für die DDR-Währung eine reine Manipulation darstellte und die Kohl'sche Regierung alles dransetzte, um Dank einer kurzfristigen Wirtschaftspolitik mit den Stimmen der Ost-Wähler wiedergewählt zu werden.




21.12.06- Kommentar zu Deutschland heizt den Steuerwettlauf nach unten bei den Unternehmenssteueren weiter an

.. der Wiesbadener Steuerexperte Prof. Jarass zeigt in einem aktuellen Beitrag zahlreiche Schwachstellen der Unternehmenssteuerreform auf. So betragen die Steuerausfälle nach seinen Berechnungen mehr als 10 Mrd. Euro pro Jahr (statt der von der Bundesregierung angegebenen 5 Mrd. Euro pro Jahr). Weitere Schwachstellen:

    Die zur Gegenfinanzierung vorgesehene Verschlechterung der Abschreibungsbedingungen führt zu einer Benachteiligung der in Deutschland investierenden Unternehmen.

    Die steuerliche Privilegierung von Krediten statt Eigenkapital wird verstärkt. Arbeitsplatzexport und "Heuschrecken" werden hierdurch weiter steuerlich begünstigt.

    Die vorgesehenen Maßnahmen zur Begrenzung der steuerlichen Anzreize für den Arbeitsplatzexport beschränken sich auf schwierig umsetzbare und streitanfällige Einzelmaßnahmen.

    Statt der vorgesehenen Vereinfachung wird alles noch komplizierter und zu einem Beschäftigungsprogramm für Steuerberater und Finanzgerichte.

    Zunahme der "Gestaltungsspielräume" bei der Höhe der zu zahlenden Einkommenssteuer für Selbstständige und Freiberufler.





01.11.06- Kommentar zu 3. Quartal 2006

Nun noch ein Kommentar zum Schwerpunktthema Analyse der derzeit gefeierten Ergebnisse des 3. Quartals 2006. Es mag ja sein dass die deutsche Wirtschaft wächst wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, aber stolz kann Frau Merkel und die gesamte politische Kaste auf das was sie unserem Land antut nicht sein. Wir haben ca. 4 Millionen, statistisch ausgewiesene Arbeitslose, in Wirklichkeit sind es wohl eher über 5 Millionen. 500.000 neu geschaffene Arbeitsplätze das klingt ganz toll, in Wahrheit sind dies eher Jobs im Niedriglohnbereich und kaum Arbeitplätze, die es Wert sind, als Arbeitsstellen im ersten Arbeitsmarkt bezeichnet zu werden. Nicht umsonst haben wir ein Einnahmeproblem in unseren Sozialversicherungen. Ja, Deutschland geht einen Sonderweg, bei der Kompetenz und der Handlungsweise unserer Entscheidungsträger kommt es wahrscheinlich über kurz oder lang zu einer Spaltung unserer Gesellschaft.

(1) negative Entwicklung der realen Einkommen

Absolut richtig, hier werden Arbeitnehmer von mehreren Seiten in die Zange genommen. In den Betrieben werden der Belegschaft, nach Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsräten, unbezahlte Mehrarbeit oder ebensolche ohne vollen Lohnausgleich abgepresst. Der Flächentarifvertrag wird ausgehöhlt, Löhne und Gehälter werden in vielen Unternehmen direkt verhandelt, es werden Nullrunden anstatt Tariferhöhungen ausgehandelt. Ein Sozialversicherungspflichtiger Job, auch ein schlecht bezahlter, ist besser als ein exportierter Arbeitsplatz bzw. die Arbeitslosigkeit. Belegschaften sind heute erpressbar und viele Arbeitgeber testen aus wie weit sie gehen können. Es gibt natürlich auch Unternehmen, die wirklich in Not sind, hier können Zugeständnisse sinnvoll sein. Es kann auch nicht sein dass die Gehaltsentwicklung von Vorständen von der der normalen Arbeitnehmer abgekoppelt verläuft, nach dem Motto die Kleinen bekommen weniger und die Großen bekommen dafür deutlich mehr. Und jetzt kommen unsere Politiker ins Spiel und verbreitern die Einnahmebasis durch Erhöhung von Mehrwertsteuer und Versicherungssteuer, Kürzung der Pendlerpauschale und des Sparerfreibetrags und die Freiheit der privaten Vorsorge haben wir auch noch. Wenn man dann schon immer weniger in der Tasche hat, kommen noch die um die Inflationsrate gestiegenen Lebenshaltungskosten dazu. Als besonderes Sahnehäubchen kommen die extremen Energiekosten hinzu. Dumm nur dass die meisten Arbeitnehmer weder die Belastungen vermeiden können noch so mobil sind wie das Kapital, auf seiner Flucht vor steuerlichen Belastungen. Fazit: Die deutschen Arbeitnehmer sind schon arme Schweine.

(2) immer noch unbefriedigende Binnenkonjunktur

Ich bin, wie Sie, der Meinung dass der Aufschwung 2006 ein dem Jahr 2007 entliehener Aufschwung ist. Im Jahr 2007 wird die Binnenkonjunktur wieder auf dem Niveau sein wo sie vor der Ankündigung der Mehrwertsteuererhöhung war. Vereinfacht könnte man sagen dass das Wachstum ohne die Mehrwertsteuererhöhung wohl zwischen 1,0 und 1,5% gelegen hätte. Die privaten Haushalte leiden unter massiven Kaufkraftverlusten.

(3) immer noch - gemessen an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes - zu geringe Investitionstätigkeit

Die Aussage ist absolut richtig. Die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes sind vielen Unternehmern oder deren angestellten Vorständen egal, es zählt nur der Profit. Deswegen drohen Unternehmen mit dem Verlagern von Arbeitsplätzen oder führen diese Drohung auch aus. Entgegen der weit verbreiteten Meinung dass nur Billigjobs nach China, Indien und anderen Ländern gehen, ist es mittlerweile so dass auch sehr anspruchsvolle Jobs dorthin ausgelagert werden. Es ist natürlich interessanter dort zu investieren wo die Arbeitnehmer nur ein Zehntel kosten, wo Umweltschutz ein Fremdwort ist, Arbeitssicherheit überflüssig ist. Nicht zu vergessen dass viele Unternehmen, in unserem Land, vollautomatisiert und noch dazu eher unterausgelastet sind. Es sieht fast so aus als ob die Wirtschaft nicht an die Langfristigkeit des „Aufschwungs" glaubt sondern diesen als eine Art Strohfeuer betrachtet.

(4) infolge der verhaltenen Lohnentwicklung

Ja, das erklärt einen Großteil unserer Erfolge als Exportweltmeister. Im Europäischen Markt betreiben wir Lohndumping, das heißt die Abstände der Bruttolöhne nehmen ab und bei den realen Löhnen sind wir sowieso nur noch im Mittelfeld. Unser Standort ist für Unternehmen eigentlich gar nicht so schlecht, nur merkt die arbeitende Bevölkerung wenig davon. Es ist halt dumm für die Nachbarländer wenn ein Land nur ein exportgestütztes Wachstum hat.

(5) anhaltende Massenarbeitslosigkeit

Steigt die Nachfrage, werden keine neuen Mitarbeiter angestellt. Es müsste sich schon um einen sehr robusten und äußerst langen Aufschwung handeln, um für eine langfristige Absenkung der Arbeitslosenzahlen zu sorgen. In Deutschland ist es ein offenes Geheimnis, dass Vollbeschäftigung nur noch ein Märchen ist. Das Gezänk der Politik ist nur für die Galerie, sprich das Wahlvolk. Zum anderen wird von Seiten der Unternehmen zunehmend optimiert. Mitarbeiter werden entlassen und werden über Zeitarbeitsfirmen auf ihre ehemaligen Arbeitsplätze eingestellt. Es werden zunehmend Teilprozesse der Produktion, wie einfache personalintensive Tätigkeiten, in Billiglohnländer ausgelagert. Ganze Funktionsbereiche wie, zum Beispiel, Logistik, Einkauf, Rechnungsprüfung und Call Center werden in Billiglohnländer ausgelagert. Alles Arbeitsplätze die hier verloren sind.

(6) ständige Verunsicherungskampagnen an die Adresse der Verbraucher

Das funktioniert nach dem Motto „Angst essen Seele auf". Arbeitnehmer, die einen Job haben, nehmen Zumutungen in Kauf, um diesen zu erhalten. Arbeitslose, die keinen Job haben, sind bereit, für sehr viel weniger Geld, Arbeitnehmerrechte usw. sehr viel länger zu arbeiten. Erstaunliche Parallelen zu Orwells Roman „1984" tun sich auf.

Peter Kleinsorge




15.12.06- Kommentar zu Die SPD und die Globalisierung

a) das Godesberger Programm hatte für die SPD bestimmt eine größere Bedeutung, als es das Ahlener Programm für die CDU jemals hatte - da wird es Zeit, das ganze den Bedürfnissen der Parteiführung anzupassen.

b) Frau Renger sprach einmal über die Veränderung der Qualifikationsstruktur der Bundestagsabgeordneten. Da war keiner mehr in der SPD, der von der Werkbank kam und sich über die Parteischulen qualifiziert hatte (Ollenhauer), ob Regierung oder Opposition - die kamen alle aus vergleichbaren Fakultäten.....

c) die Entscheidung zum Berufspolitiker ist dann eine Jobentscheidung für den Staat als Selbstbedienungsladen.

d) die Verdienste in den Chefetagen von SPD und Gewerkschaften sind so, daß man diese Leute als Mitglieder im Rendite-Club betrachten kann (am günstigsten scheinen China-Werte zu laufen, womit sich die Sympathien erklären lassen)

e) dem Generationswechsel bei der DB, von Alfred Herrhausen, der die Beschaffung von Liquidität für die Wirtschaft als seine Aufgabe ansah, hin zu Josef Ackermann, für den eine Eigenkapitalrendite von 25%, das Ziel seiner Tätigkeit ist, folgt nun die SPD: weg vom kollktivistischen Einheitsbrei, hin zur eigenverantwortlichen Partizipation am Erfolg der Erfogreichen.

f) Linke gibt es noch im Ländle (im Netz bei den Marxisten - welche die Welt verstanden haben, wenn sie ihre Beobachtungen auf eine marxsche Kategorie zurückführen können, bei Attac, Elmar Altvater, et al ). Linke Politiker sind nicht zu beneiden, müssen sie sich doch in einer Sprache ausdrücken, die ihnen von der Werbung vorgegeben wird. Die NPD hat es da leichter, wenn sie in ihr Programm schreibt: "Grundsicherung für alle Deutsche". Dann hat die NPD auch ein anschauliches Feindbild: "die nehmen uns die Arbeitsplätze weg", ist für ungelernte Arbeitslose verständlicher als "Tobin Tax und Regulierung der Finazmärkte", etc.

15.12.06- Kommentar zu Wenn selbst linke Webseiten auf rechte Sprüche hereinfallen

leider habe ich auch ein passendes Beispiel auf den NachDenkSeiten gefunden: Zum Thema Grundeinkommen findet sich dort ein Artikel von Prof. Dr. Richard Hauser, Goethe-Universität. Allerdings fällt mir schon im ersten Teil bei den Argumenten der Unfinanzierbarkeit auf, dass Herr Hauser nur auf Steuererhöhungen reagiert. Um WELCHE Steuererhöhungen es sich eigentlich handelt, sagt er NICHT. Seiner Argumentation zu Folge könnte man darauf schließen, dass er nur die Erhöhung der Verbrauchssteuern meint, wenn er sagt, dass sich die Begünstigten eines Grundeinkommens SELBST finanzieren ("... von der linken Tasche in die rechte...") ...

Diesen Hnweis (gemeint ist: auf weitere Vorschläge für ein Grundeinkommen) vermisse ich auf den Nachdenkseiten. Allerdings ... habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie das Grundeinkommen grundsätzlich ablehnen. Hauptargument: 'Wer arbeitet dann noch?' Wenn Sie Zeit finden: Wie denken Sie darüber? Wäre das ein "Gedanke zur Zeit" wert? Oder gar ein "Schwerpunkt"?

Reaktion:

Ja, leider denkt NachDenkSeiten trotz des anspruchsvollen Titels nicht immer zu Ende. Zur Frage des Grundeinkommens habe ich bisher nicht vertieft nachgedacht, da es ja derzeit auch keinerlei politische Grundlage dafür gibt. Allerdings werden wir uns in einiger Zeit dem Punkt nähern, wo die Opfer der Globalisierung von den Profiteuren Schadensersatz verlagen werden. Wenn der Staat ein Grundstück für eine öffentliche Infrastruktur konfisziert, muß er dafür zahlen. Wenn er Arbeitsplätze durch Zulassung von Dumpingeinfuhren vernichtet, bisher nicht. Diese Unterschiedlichbehandlung ist nur zu rechtfertigen, so lange genügend Ersatzarbeitsplätze da sind. Die aber werden mit fortschreitender Globalisierung in den alten Industrieländern immer seltener werden. Eine Grundrente wäre eine Form von Schadensersatz oder - wenn Sie das freundlicher formulieren wollen - „Lastenausgleich", und der muß dann natürlich nicht nach Muster „line Tasche - rechte Tasche" laufen, sondern bei den von der Globalisierung profitierenden Industrie- und Handelsunternehmen und ihren Kapitaleignern eingeholt werden.




13.12.06- Kommentar zur Webseite

Ihr neues Buch "Falsch globalisiert", habe ich mir dieser Tage gekauft. Was ich bisher darin gelesen habe, ist mit das Informativste zur Wirtschafts-, Finanz und Sozialpolitik. Ihr Buch ist so faktenreich und das bitte ich Sie durchaus als Kompliment zu verstehen, wie bspw. das "IAB-Handbuch Arbeitsmarkt: Analysen, Daten, Fakten - Hg. u.a. Jutta Allmendinger", von Prof. Bofinger "Wir sind besser als wir glauben", von Prof. Gustav Horn "Die deutsche Krankheit: Sparwut und Sozialabbau" oder von Prof. Chr. Butterwege "Krise und Zukunft des Sozialstaats". Es ist gut, daß es Autoren wie Sie gibt. Machen Sie weiter so. Ich besuche Sie auch regelmäßig auf Ihrer Internet-Seite.

Mit freundlichen Grüssen

Klaus Kirschner

P.S.: Zu meiner Person: Ich war Mitglied des Deutschen Bundestags von 1976 bis 2005 und die letzten beiden Wahlperioden Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Gesundheit bzw. Gesundheit und Soziale Sicherung.




12.12.06- Kommentar zu
Wenn selbst linke Webseiten auf rechte Sprüche hereinfallen

Ihre Frage ist berechtigt. Doch warum wurde dieser Artikel überhaupt auf den NDS-Seiten verlinkt? Als ein weiteres "Lehrstück" von Herrn Müller und Herrn Lieb? Und wenn Ja, was für ein Lehrstück? Herrscht auch bei diesen, von mir geschätzten, Herren das Dogma des Wachstums vor?

Ich habe mir gestern den Presseclub auf ARD angesehen. Titel: (sinngemäß) Der Aufschwung ist da - wer profitiert davon? Die Teilnehmer dieser Runde hatten nicht mal Kenntnis der aktuellen Zahlen. (z.B. Einzelhandelsumsatz). Ein Zuschauer rief in der 15minütigen Fragezeit der Sendung an, und bemerkte das er keinen Aufschwung festellen kann (mit Bezug auf die Zahlen des StaBu). Dieser mutige Anrufer wurde damit abgespeisst, das es wohl in Sachsen (daher kam der Anruf) wohl etwas anders zu geht. Nun ist das für mich wenig überraschend. Diese "Experten" in solchen Runden haben null Ahnung. Das schlimme wäre, wenn es der GEZ-bezahlende Fernseher auch wüßte. Dann müßten sich die Sender mal was ganz neues einfallen lassen.

Wußten Sie das S. Christansen für die sonntägliche Clown-Show pro Jahr 9 Mill. Euro bekommt? Hier ist die Verhältnismäßigkeit in Form von Leistung und Gegenleistung nicht mehr gewahrt.

Als Berater für KMU-Betriebe bekomme ich täglich in persönlichen Gesprächen eine tiefe Unzufriedenheit mit der derzeitigen Politik auf den verschiedensten Gebieten mit. Bei manchem Geschäftsführer kursiert der Gedanke, einfach Bürokräfte zu entlassen, um sie dann zu einem niedrigerem Gehalt einzustellen. Da ja die Differenz durch ALG2 aufgestockt werden kann.

Hallo?!! Das ist die Realität. Und diese "Elite" ist blind, oder will es sein.




11.12.06- Kommentar zu Gedanken zur Zeit: Kann uns der Bundeswirtschaftsminister die Sorgen vor den Auswirkungen neoliberaler Globalisierung nehmen?

In der Regel kann ich mich eines Kommentares zu Ihren Gedanken enthalten, meist liegen unsere Meinungen in erträglicher Kongruenz. So auch hier, nur heute ist mir wichtig, ganz kurz nachzulegen:

Zu 1 Alleine die Frage eines Bundesministers der Wirtschaft „ Warum sollte es diesmal anders sein?" klingt erschreckend nach Hoffnung, läßt Glauben nicht aufkommen und beweist Nichtwissen!

Zu 2 Chinesen mögen Käse nicht, sie erachten ihn als verdorbene Milch, das sollte m.E. ein Bundesminister schon mal gehört haben; deshalb wird es angesichts des Schwundes europäischer Käsekaufkraft schwierig werden, den asiatischen Markt rechtzeitig vor Niedergang auch dieser Nischenindustrie zu erobern. Nicht zu vergessen, dabei muß dringend verhindert werden, daß die französische Kuh billiger in China gemolken werden kann!? Ansonsten, bitte unter „Wein" nachschlagen!

Zu 3 Denk' ich an Deutschland in der Stadt sehe ich Geschäfte, massenhaft, nur leider allzu oft im Niedergang begriffen, zu viele schon gestorben oder gar besetzt durch 99 cent shops, Importschrott, mobile [mo:beil] Läden oder eben leer mit Schildern drüber der „Uhrmacher-", „Elektro-" oder auch „Textil-" Zünfte, noch nicht mal abgeschraubt - zugegeben kling altmodisch, allerdings riecht es weder nach Rüben noch nach Kartoffeln; aber wie war das? War Mr. Export dafür oder dagegen?

Zu 4 Wovon träumt gar der Konsument in Hinterindien oder -china wenn schon ein deutscher Bundesminister der Wirtschaft von jenes Kaufkraft und deren immensen Stärke träumt?

Zu 5 Der Titel dieses Bestsellers des deutschen Bundeswirtschaftsministers sollte sein „China, der Wohlfahrtstaat, oder wie aus den Massen roter Bauern noch rechtzeitig ein fauler Strick wurde". „Kleinhirn an Großhirn: Laß' gut sein!"




10.12.06- Kommentar zur Webseite

Ihre so genannten Negativschlagzeilen sind bei weitem nicht einmal die Eisbergspitze:

Während in allen europäischen Ländern, die in der Regel auch Bundesländer bzw. Provinzen besitzen - mit erheblichen Rechten - siehe Spanien - ein Nichtrauchergesetz verabschiedet wurde, ist das Nichtraucherdebakel in Deutschland typisch. Gesamtgesellschaft kostet das Rauchen Milliarden Euro. Während es in Frankreich keine Zigaretten-Automaten mehr gibt und die Verkaufsstellen limitiert werden, werden in Deutschland die Zigarettenautomaten mit Chipkarte ab 01.01.2007 eingeführt. Diese Chipkarte (Funktion Geldkarte auf den Bank-Maestrokarten) ist ein Milliarden Euro Flop - wie alle elektronischen Geldbörsen weltweit. Nicht ohne Grund gibt die Deutsche Bank keine Bankkarten mit der GeldKarte aus - sondern nur auf Wunsch und zu Extrakosten. Nur in Deutschland bleibt man dabei, diese kontaktbehafteten Chips für eine elektronische Geldbörse zu verwenden. In den USA werden die Kreditkarten neuerdings mit berührungsloser Chiptechnologie eingesetzt (dieses Jahr ca. 80 Millionen). Nun in Deutschland erhofft sich die Kreditwirtschaft einen immensen Aufschwung des 10 Jahre alten Flopprojektes elektronische Geldbörse = GeldKarte durch die Nutzung der GeldKarte an Zigarettenautomaten. Rauchen ist gesundheitsschädlich, soll aber helfen, dass die Banken ein misslungenes Projekt in positive Zahlen bringt! Nur ist es so, die GeldKarte wird sich nicht international vermarkten lassen, da weltweit andere Verfahren verwendet werden und zumindest nicht ein 15 Jahre altes Verfahren. Verkauft wird die Zigarttenautomatenarie übrigens durch den Hinweis - Schutz der Jugendlichen! Ein Witz des Jahres, den Zigaretten können in allen Geschäften - insbesondere Lebensmittelgeschäften! (ohne Chipkarte bzw. GeldKarte) erworben werden, die ja nicht mehr an gesetzliche Öffnungszeiten gebunden sind. Suchen Sie mal Zigaretten in französischen Lebensmittelgeschäften direkt neben der Kasse!

Während in anderen Ländern zumindest kontinuierlich versucht wird, das "Schwarzgeld" aus dem Drogenhandel in Griff zu bekommen, findet eine Problematisierung der immensen Geldmengen in Deutschland ebenfalls nicht statt (geschätztes Volumen dieser Geldmittel in Europa ca. 500 Mrd. Euro). Während in Italien zumindest versucht wird, den Patentschutz gegenüber den "billigen" (illegalen) Importen aus China in Griff zubekommen (Zollprogramm Falstaff) wird auch dieses in Deutschland nicht schwerpunktmäßig angegangen. Es werden nicht nur Kopien von Mobiltelefonen aus China (neueste Modelle von Nokia, etc.) für 25 Euro angeboten, die nicht von "bösen" Unternehmen oder einäuigen Piraten, sondern von chinesischen Staatsunternehmen produziert werden, angeboten, aber auch Schiffsmengen von Gebrauchsgütern , Spielzeugen (Plastik) und Medikamenten, die natürlich nicht in den Straßen von dubiosen Händlern (Schlapphut), sondern generell von "seriösen" Händlern verkauft werden, obwohl z.B. die Spielzeuge und Medikamente immense gesundheitliche Gefahren mit sich bringen (giftige Farben bei den Spielzeugen, Haushaltsgeräten, giftige und nicht echte Wirkstoffe bei Medikamenten). Siehe z.B. die Ergebnisse der spanischen Polizei, die einen riesigen Fälscherring in Spanien geführt von Chinesen ausgehoben hat. High Tech Vorteil von Deutschland? Deutschland als bisher mitführendes ChipCard Land muss sich schon heute mit absoluten Dumping Preisen für in China produzierten Chipkarten herumschlagen.

Anstatt in Deutschland z.B. die Infrastruktur und die ökologischen Voraussetzungen für die kommenden Jahren anzugehen, wird von der Hand in wenige Münder gelebt. Solar- und Wind-Energie für die Länder Lateinamerika, Afrika etc., Umbau der Energieversorgung in urbanen Ballungszentren in Deutschland bzw. in den zersiedelten Flächen durch Blockheizwerke etc. ist z.B. ein eigentliches Thema (siehe z.B. Großbritannien, hier sind kleine Blockheizkraftwerke für Ein-Zweifamilienhäuser der Renner und das Ende der fossilen Energien). Logisch, die neu angemalte Deutschland AG geht diese Thema nicht an, denn dies würde zur Dezentralisierung von Großunternehmen führen und gleichzeitig eine modifizierte Demokratisierung fordern.

Zur Infrastruktur gehört zwingend der Ausbau des Schienenverkehrs, denn der Autoverkehr ist räumlich begrenzt. In London wurde die Staugebühr nicht eingeführt, weil der Bürgermeister Livingstone konsequent vom Fernsehprogramm gelangweilt war, sondern weil es eine ökonomische Notwendigkeit war. Während in London, die Staugebühr-Einnahmen konsequent für den Verkehr (Öffentlich, Fußgänger, Fahrradfahrer, Auto) eingesetzt wird, denkt (na ja) "man" in Deutschland darüber nach, wie man Haushaltslücken mit den Einnahmen damit füllt, wodurch keine Akzeptanz bei den Bürgern erreicht werden kann.

Es wird des öfteren mehr Mobilität gefordert. Gibt es eine höhere Mobilität als die der Auswanderung, um den nationalen Arbeitsmarkt zu entlasten? Eine neue Ausbildungsinitiative? Ja, die wird durchgeführt mit Studiengebühren. Neue Bankkredite! Damit fördert man das Interesse am Studium!




05.12.06- Kommentar zu Webseite

ich habe mir gerade einmal flüchtig ihre Internetseite angeschaut und finde sie zwar prinzipiell durchaus interressant. Aber ich finde sie auch sehr typisch für Deutschland in der Art und Weise, wie jede positive Meldung schlecht geredet wird bw Meldungen, die man vielleicht dann doch nicht schlecht reden kann, nicht auftauchen. Ich bezweifle nicht, dass ihre Statistiken stimmen, allerdings denke ich auch, es werden sich ebenso positivere Gegenstatistiken finden lassen. Gerade vorher habe ich noch einen Bericht darüber gelesen, dass die Deutschen sich eher arm fühlen und reden , als dass sie reell spürbare Einbussen zu erleiden hatten.' Es ist zwar gut, Jubelmeldungen kritisch zu überprüfen.Allerdings denke ich, dass Grundeinstellungen , wie man sie meinem Eindruck nach auf ihrer Seite findet, Deutschlands Aufschwung wesentlich mehr schaden können und in den letzten Jahren geschadet haben, als 1% mehr oder weniger Lohn, denn was Deutschland kaputt macht, ist meiner Meinung in erster Linie dieses grauenvolle Gejammere, weniger eine wirklich schlimme Lage. Momentan lebe ich in Cambridge, also einer theoretisch gesehen wohlhabenden Region in einem statistisch gesehen florierenden Land. Aber dennoch lebt man meiner Erfahrung nach in den meisten Teilen Deutschlands erheblich besser, die Deutschen müssten es nur endlich einmal wieder wahrnehmen.

Reaktion:

Ich jammere ja nicht, wenn ich versuche, ein realistisches Bild zu zeichnen und gleichzeitig Loesungsmoeglichkeiten aufzeichne. Jammern ist in meinem Verstaendnis, wenn man resigniert. Ich tue das wirklich nicht und persoenlich haette ich dazu auch keinen Anlass. Man kann natuerlich auch den Jubelmeldungen glauben und dann erst recht auf den Bauch fallen. Und die Jubelmeldungen beherrschen schliesslich die Presse, weil sie systematisch von der herrschenden neoliberalen Schule und der Bundesregierung (einer Grossen Koalition ohne viel Opposition) vorgebeben werden, von der angeblich grossen Wende am Arbeitsmarkt bis zur grossen Wende in der Wirtschaftsentwicklung. Ein bisschen Kontrastprogramm muss man da doch vertragen koennen. Ich schreibe auch Niemandem seine Meinung vor sondern lade ueber korrekte Fakten zur Ueberpruefung vorgegebener Meinungen ein.

Die Deutschen leben leider mit einem hohen Angstniveau (the German Angst) und das kommt sicher nicht von meiner oder aehnlichen Webseiten (von denen es ja gar nicht so viele gibt), sondern aus der taeglichen Beobachtung und persoenlichen Erfahrung seit nun so vieler Jahre hoher Arbeitslosigkeit (die es so in UK nicht gibt), einer real negativer Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer (gibt es so in UK auch nicht, im uebrigen gibt es dort wenigstens Mindestloehne) und einer staendigen Bedrohung mit Betriebsverlagerung zur Erzwingung der negativen Lohnentwicklung. Dagegen haben Blair und Brown mit Staatsausgabena la Keynes (natuerlich ohne die Fussangeln von Maastrich) und staatlicher Jobkreation (z.B. im National Health Bereich) den letzten Einbruch der Weltkonjunktur - anders als in Deutschland - sehr gut gemeistert.

Ich lebe auch in UK und das nun seit mehr als 12 Jahren, davon 10 Jahre lang in der Londoner City und glaube, recht gut informiert zu sein. Meine Webseite zu UK http://www.jjahnke.net/UK.html macht es sehr deutlich, was alles die britischen Schwaechen sind und dass ich das britische Modell fuer nicht nachahmenswert halte. Jedenfalls ist der Angstpegel hier viel geringer. Wenn die Leute, wie in Deutschland und ganz anders als in UK und in den meisten Vergleichslaendern, sich nicht mehr trauen , Ihr sauer Verdientes auszugeben, sinkt die Lebensqualitaet automatisch. In den Kontakten mit britischen Freunden habe ich jedenfalls nie dieses Niveau an Angst feststellen koennen. Auch wenn sich in Deutschland (jedenfalls wenn man Arbeit hat)besser leben laesst, heisst das doch noch lange nicht, dass man sich damit zufrieden geben muesste.

Kommentar

Ich wollte nicht behaupten, dass das Bild, das sie zeichnen, völlig unrealistisch ist. Aber meiner Meinung nach ist es auch nicht unrealitsisch, in Deutschland von einer Wende zu sprechen, wenn sich Investitionen, Wachstum, Beschäftigung,Steuereinnahmen und vermutlich ja bald sogar die Löhne - und ganz wichtig, die Stimmung- nach einigen mageren Jahren sehr positiv entwickeln, und vor allem weit positiver, als die allermeisten das geglaubt hätten. Es mag sein, dass die Jubelmeldungen ein bisschen übertreiben, aber das wäre meiner Meinung nach endlich mal eine Übertreibung in die richtige Richtung. Denn ich denke, bisher haben sich die deutschen Medien eher durch notorische Katastrophenstimmung hervorgetan, was ganz wesentlich zum deutschen Angstklima beigetragen hat.Und die Bundesregierung mag Bundestag und Bundesrat beherrschen, wobei auch da ehrgeizige Ministerpräsidenten u.a. schon dafür sorgen, dass nicht allzuviel Harmonie aufkommt, aber das sorgt doch nicht für positive Medienberichterstattung, wo diese keinerlei Berechtigung hätte.

Ich denke auch, dass es teilweise zuviel neoliberalen Einfluss gab, allerdings sorgen doch schon die Sozialsysteme für einen indirekten Mindestlohn. Und so positiv sich Grossbritannien oder zB Irland entwickelt haben mögen,trotz Wachstum, niedriger Arbeitslosigkeit und Mindestlohn ist die Armutsrate hier dennoch nicht niedriger- und das ist nur der offizielle Teil. Denn hier möchte ich eben nocheinmal auf den subjektiven Eindruck zu sprechen kommen. Vor dem Auslandsjahr hier habe ich in Berlin studiert,und der Unterschied vom Lebensstandard ist gigantisch. Ein Drittel der Wohnfläche mit deutlich weniger Komfort für das doppelte der Miete, da können die englischen Reallöhne noch lange steigen, um nur diesen Unterschied auszugleichen. Eben deswegen haben die Deutschen keinen Grund, sich als Schlusslicht Europas zu fühlen.

Genau wie sie bemerke ich dennoch unter Briten kein Angstklima bzw keine besonders negative Einstellung zur Entwicklung ihres Landes. Und ich denke, dieses Grundvertrauen, obwohl es meiner Meinung nach im Vergleich zumindest zu Westdeutschland keine besondere Berechtigung hat, ist es, was England in den letzten Jahren den Vorteil gab. Damit meine ich nicht, dass die Deutschen sich darauf ausruhen sollen. Aber sie sollten einsehen, dass es ihnen im Schnitt sehr gut geht und dass Deutschland alle Chancen hat, noch wesentlich mehr zu erreichen. Aber wenn jeder sich auf die negativen Seiten fokussiert und alle glauben, dass es ihnen sowieso nur schlechter gehen wird, kann daraus nichts werden. Bei Gelegenheit werde ich mir ihre Seiten mal genauer anschauen, ich wünsche Ihnen viel Erfolg, auch wenn unsere Ansichten ja doch etwas auseinandergehen.

Reaktion:

Ich will nicht mehr viel hinzufügen, da wir ja doch nicht auf einen Nenner kommen werden, was wir nun auch nicht müssen. Dennoch würde ich mich freuen, wenn Sie meine Webseiten gelegentlich etwas genauer ansehen würden, weil Sie mich dann mit Sicherheit mindestens besser verstehen werden.

Sie und Ihre Familie und näheren Freunde gehören vermutlich nicht zu den vielen Millionen, die langanhaltende Arbeitslosigkeit erleben oder die sich bei negativer Entwicklung von Arbeitseinkommen und Renten nicht mehr trauen, Geld auszugeben, und Sie selbst werden sich mit Cambridge im Rücken auch nicht die Sorgen eines deutschen Jugendlichen machen müssen, der nicht einmal eine Lehrstelle findet. Das läßt sich nicht einfach, wie Sie das tun, den Medien in die Schuhe schieben, wenn es - ganz anders als in Großbritannien - so oft und so unmittelbar zuschlägt oder wenn der Arbeitgeber mit Verlagerung droht (die deutschen Ostgrenzen sind nahe). Lassen Sie uns mal das nächste Jahr abwarten, wenn die Steuereffekte verpufft sind und sich der deutsche Export voraussichtlich nicht mehr so gut entwickelt, um dann zu entscheiden, ob es die große Wende war, die ich natürlich auch Deutschland wünsche. Daß die parlamentarische Opposition bei einer großen Koalition nicht mehr besonders wahrgenommen wird, scheint mir sebstverständlich, und das interne Theater der Partner und mit den Landesfürsten kostet Zeit ändert aber letztlich wenig am Kurs. In Großbritannien geben mach meiner Beurteilung auch ärmere Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus Geld aus, und sei es qua Plastik, und schon das ist ganz anders als in Deutschland und spricht eigentlich Bände für das Angstniveau. Beim Immoblilienmarkt machen Sie m.E. einen Fehler; was Sie als Nachteil sehen, ist doch zugleich die Kehrseite des Umstands, daß hier Wohneingentum viel weiter verbreitet ist als in Deutschland und die steigenden Immobilienpreise auch einen sehr positiven Einkommenseffekt selbst für Leute mit geringerem Einkommen haben, der sich dann wieder in weniger Angst und besserer Binnenkonjunktur zeigt (natürlich gibt es in einigen Ballungszentren, wie London, einen großen Mangel an Wohnraum und wird es für Neukäufer inzwischen schon recht schwierig, auf die property ladder zu kommen, und kann die property bubble durchaus mal platzen).

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