03.12.06- Kommentar zu Arbeitsmarkt im November
... Wichtig ist uns beiden doch mehr, die richtige Interpretation der Arbeitsmarktentwicklung unter Berücksichtigung der beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Aspekte. Das fast vollständige Verschwinden des Sektor I aus der Arbeitskräftebilanz hochentwickelter Industriestaaten ist aktuell kein Gegenstand von Zukunftsängsten in den betroffenen Ländern. Auch der "Letzte" hat rückblickend begriffen, dass wir an der Stelle 1. keine Chance hatten, es zu verhindern und 2. keine apokalyptischen Zukunftsängste hätten damit verbinden müssen. Eine deutsche Volkswirtschaft kann weitestgehend ohne Landwirtschaft und Bergbau existieren, weil die fortgeschrittene internationale Arbeitsteilung es erlaubt. Heute wird behauptet, dass damals an die Stelle der entfallenen Arbeitsplätze neue Arbeitsplätze in großer Zahl getreten seien. Hinter dieser Aussage steht empirisches Wissen, dass durch das überproportionale Sinken des Arbeitsvolumens in der Dekade der 60iger Jahre widerlegt wird. Das starke Sinken der Wochenarbeitszeit von 45 auf 40 Stunden hat den Prozeß in der Wahrnehmung verfälscht. Leider war die Verbreitung dieser Erkenntnis vor 40 Jahren ausgesprochen schwierig. Das Vorstellungsvermögen zahlreicher Menschen war von (irrationalen) Ängsten blockiert. Auch heute sind diesbezüglich die Ängste immer noch größer als das konkrete Wissen.
Das gleiche gilt sinngemäß für das Verschwinden der industriellen Arbeitsplätze in Deutschland. Selbstverständlich wird es in Deutschland um 2050 keine Autofabriken mehr geben. Selbstverständlich braucht man davor keine Angst zu haben. Nachdem die Industriearbeitsplätze in Ostdeutschland platt gemacht wurden, haben wir seit 1996 in 10 Jahren rund 2,5 Mio. Vollzeitarbeitsplätze verloren - darunter im exportintensiven Sektor II rund 500.000. Im Sektor II haben wir also 50.000 Arbeitsplätze pro Jahr verloren. Zur Erleichterung der Diskussion setze ich diese verlorenen 50.000 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe damit gleich, dass wir sie an Billiglohnstandorte verloren haben. Mehr Arbeitsplätze haben wir mit Sicherheit weder direkt noch indirekt pro Jahr an Billiglohnstandorte verloren. Diese Geschwindigkeit der Deindustrialisierung Deutschlands betrachte ich als realistisch und überhaupt nicht bedrohlich. GB und USA haben eine höhere Geschwindigkeit der Deindustrialisierung aufzuweisen. Dagegen Lohnsenkung oder Protektionismus setzen zu wollen ist Unsinn - wir sind uns dort sicher einig. Entwicklungsländern ein industrielles Entwicklungspotential zugestehen zu wollen, ist sicher selbstverständlich.
Das sinkende Arbeitsvolumen aktuell ist in seiner Geschwindigkeit so langsam wie in keiner Dekade zuvor. Daraus die größte Bedrohung der Globalisierung aller Zeiten abzuleiten, ist falsch und auf fachspezifische Unkenntnis zurückzuführen. Den Arbeitsmarkt an Hand der Bewegung in konkreten Personen zu analysieren, gilt in Fachkreisen als unseriös. Über die Dekaden betrachtet, ist ein kontinuierliche sinkendes Arbeitsvolumen auf sehr gute(!) Ergebnisse in der Rationalisierung zurückzuführen. Die Sehnsucht nach einem gleichzeitig steigenden Arbeitsvolumen ist irrational. Wenn die notwendige Arbeitszeit zur erweiterten Reproduktion einer Arbeitskraft sinkt, ist es Unsinn sich mehr Arbeit zu wünschen - sogar Unsinn die Arbeitszeit nicht anzupassen, d.h. zu sie nicht zu senken.
Damit haben wir ausschließlich ein nationales Verteilungsproblem, dass mit Argumenten verfälscht wird, die aus
dem internationalen Kontext der Wirtschaftbeziehungen gezogen werden, um von der eigenen Sucht zur Lohnsenkung der Beschäftigten abzulenken, die ersatzweise dann durch
Arbeitszeitverlängerung erreicht werden soll.
Den größten Unterschied haben wir weiterhin bei der Beurteilung der Globalisierung. Hier bewundere ich Sie wirklich mit Ihrem
Optimismus. Zuerst zur Arbeitskräftebilanz. Der Beschäftigungsabbau in der Landwirtschaft und jedenfalls zum Teil im Kohlebergbau erfolgte noch in einer Zeit, die aus heutiger Sicht
Vollbeschäftigung bedeutete, auch wenn es regionale Probleme gab. Schon deshalb kam landesweit keine Zukunftsangst wie heute auf. Im übrigen ist die Landwirtschaft keinesfalls abgeschafft
worden, sondern wurde nur rationalisiert und bringt sogar mehr Produktion in der EU als gebraucht wird. Ich glaube daher nicht, daß sich hier die internationale Arbeitsteilung besonders
bemerkbar gemacht hat. Man kann das mit der heutigen Situation schlicht nicht vergleichen. Dabei ist das Arbeitsvolumen zurückgegangen, ohne daß Deutschland wie andere Länder einen
beschäftigungsmäßig florierenden Dienstleistungsbereich aufbauen konnte und ganz offensichtlich auch jetzt - nicht zuletzt wegen der sozialen Konsequenzen - damit Probleme hat. Der
geringere Rückgang des Arbeitsvolumens sagt übrigens gar nichts über die Qualität der eigentlichen Arbeit und zunehmend ist dies niedrig bezahlte Teilzeit- oder
Zeitvertragsarbeit.
Ich bin - anders als Sie - der Meinung, daß die deutsche Gesellschaft schweren Schaden nehmen wird, wenn die industriellen Arbeitsplätze wirklich, wie von Ihnen
erwartet, verschwinden sollten und das ohne das in früheren Jahrzehnten noch beobachtete Wachstum der Volkswirtschaft. Ich glaube im übrigen, daß das von Ihnen erwartete Ende des
Automobilbaues, um nur dieses Beispiel aufzugreifen, so nicht eintreten wird. Von wo soll denn diese tödliche Konkurrenz kommen, um das zu schaffen, was Japan und die anderen Fernöstler
nicht geschafft haben, wenn nicht aus China? Doch wenn es China im großen Stil mit gedumpten Schnäppchen versuchen sollte und das auf der Basis von Streikverbot und Arbeitskosten von 2,5 %
der deutschen (oder etwas mehr) und mit einer Reservearmee von 700 Millionen verarmter Landbevölkerung, wird die deutsche Automobilindustrie als erste nach Antidumpingmaßnahmen schreien.
Ich bin ziemlich sicher, daß schon jetzt China keine Chancen hat, von der EU als Marktwirtschaft anerkannt zu werden, weil das solche Maßnahmen erschweren würde. Da werden sich
Stoiber, Wulf und Merkel bestens mit ihren Kollegen in Frankreich, Belgien, Spanien, Italien und sogar Osteuropa verstehen, denn anders als bei Textilien und Schuhen haben diese und andere
EU-Länder größere eigene KfZ-Produktionskapazitäten. Wir werden das ja in spätestens zwei bis drei Jahren sehen. Die ersten Schreie aus der Regierung in Richtung auf soziale
Mindeststandards in China sind schon da, und auch aus Brüssel.
Es ist natürlich selbstverständlich, Entwicklungsländern ein industrielles Entwicklungspotential zugestehen zu
wollen, jedoch nicht solchen, die ohne Marktwirtschaft auf der Basis des unsozialsten Umgangs mit Menschen und Umwelt die eigene Wirtschaftsentwicklung primär über den Export erreichen
wollen und dabei, wie China, Millionen oder hunderte Millionen von Menschen unter Bedingungen des Manchestertums gegen die alten Industrieländer in Stellung bringen können. Im Übrigen
leiden die armen Entwicklungsländer derzeit besonders unter der China-Konkurrenz auf unseren Märkten (siehe Bangladesch, viele afrikanische und mittelamerikansiche Länder). Lassen Sie
uns dabei nicht vergessen, daß auf diese Weise nicht nur die Sozialverhältnisse in Deutschland und anderen alten Industrieländern torpediert werden können, sondern unsere
Unternehmen mit der Produktionsbasis ex China sowie die Walmarts ∓ Co. die arme chinesische Landbevölkerung dramatisch ausbeuten (dort sind die Exportkapazitäten angesiedelt und dort
steigen die Löhne kaum, nach IWF haben die ärmsten 10 % in China sogar reales Einkommen verloren).
Wir vergessen außerdem zu leicht, wenn wir die Industrie abschreiben, daß wir
keine leichten Auswege à la Ricardo in die höhere Qualifizierung mehr haben und daß wir einen gewaltigen Sockel an Menschen mit uns herumschleppen, die sich dafür nicht eignen
oder für die es in Deutschland keine entsprechende Bildungs- oder Ausbildungskapazität gibt oder geben wird. Die USA kommen auch langsam an die Grenze ihrer Toleranz mit der Verlagerung von
Industrieproduktion und in UK macht man sich schon sehr starke Sorgen, obwohl in diesen Ländern ein weitgehend sehr unsozialer Dienstleistungssektor auf der Basis einer viel größeren
sozialen Schere als in Deutschland aufgebaut werden konnte.
Ich mag das Wort Protektionismus nicht, weil es in Deutschland und anderswo von den Neoliberalen fast schon kriminalisiert worden ist.
Vergessen Sie bitte nicht, daß wir die Waren aus Osteuropa nur im Rahmen kleiner Kontingente hereingelassen haben, so lange dort Kommunismus und keine Marktwirtschaft existierte. Ich war selbst
als für Osteuropa zuständiger Ministerialrat im Dauerkampf für Marktöffnung zur Unterfütterung der Ostpolitik. Aber ein schlechtes Gewissen hatte niemand. Vergessen Sie bitte
auch nicht, daß noch unter Clinton die USA und Frankreich eine Sozialklausel zur Erzwingung der ILO-Mindeststandards in den Verhandlungen zur WTO vorgeschlagen hatten, die damals natürlich
von Deutschland und Großbritannien abgelehnt wurde. Sie wird bald nötiger sein, als sie es damals war.
Wir haben immer wieder in unserer Korrespondenz das gleiche
Mißverständnis. Ich habe nicht behauptet, daß die Globalisierung Deutschland durch die schon stattgefundene Verlagerung besonders schadet (obwohl auch das zu beobachten ist). Was vor
allem schadet, ist die permanente Drohung mit Verlagerung, die inzwischen den Gewerkschaften das Rückrat gebrochen hat, die deutschen Löhne real nach unten treibt, dabei die Renten,
Beamtenbesoldungen und Arbeitslosengelder mitnimmt und so die deutsche Binnenkonjunktur und dann wieder den Arbeitsmarkt im Kreislauf schwer schädigt. Im übrigen spielt das sich
gefährdet sehende Management vieler deutscher Unternehmen bereits selbst Heuschrecke, d.h. versucht über unangemessen zu Lasten der Löhne steigende Profite die Aktienkurse
hochzutreiben, um sich damit für Heuschrecken schwerer erreichbar zu machen und so einen Managementaustausch zuvorzukommen. Die Wirkung für die Arbeitnehmer ist allerdings die gleiche.
Wenn Sie das alles nur als ein "simples" Verteilungsproblem in Deutschland ansehen wollen, dann müßten Sie mir bitte erklären, wie sich das in einer nicht mehr wachsenden
Volkswirtschaft bei offenen Grenzen denn ändern soll. Sicher nicht, wenn man die Mechanik der Verlagerungsdrohungen (übrigens mit deutschen Steuervorteilen), der ständigen Erweiterung
der EU um Niedrigstkostenstandorte (Türkei, Ukraine, Weißrußland ..) und das Spiel des Finanzkapitals um den Globus herum (bis auf die Heuschrecken) à la NachDenkSeiten
ausklammert. Sie werden an vielen Daten feststellen können, daß die soziale Symetrie erst ab etwa 2000 so kräftig aus dem Leim geraten ist, und seitdem haben wir nun einmal das
Riesenpotential aus Osteuropa, China und Indien, daß sich wie die Arbeitslosenreserve-Armee des Karl Marx trefflich gegen die deutschen Arbeitnehmer, mindestens als Bedrohung, in Stellung
bringen läßt. Da hilft leider keine in diesem Zusammenhang sehr theoretisch anmutende Betrachtung von Arbeitsvolumina daran vorbei. Und diese negative Wirkung der Globalisierung mit einer
unvertretbaren Zahl an Verlierern in den alten Industrieländern hat sich inzwischen selbst zu Barnanke, Samuelsen, Stiglitz, dem Chefökonomen von Morgan Stanley Roach und vielen
normalerweise nicht zu extremen Ansichten neigenden Experten herumgesprochen (ich wüßte keinen deutschen). Sie ist auch in allen Ländern, die nicht so einseitig wie Deutschland auf
Export setzen, bisher besser verstanden worden. Was soll denn schließlich mit der deutschen Wirtschaft passieren, wenn der Export wirklich einmal nachhaltig einbricht (der Handel mit China ist
ohnehin stark negativ). Vielleicht wird dann auch in Deutschland begriffen, daß wir nicht zu den ewigen Gewinnern der Globalisierung gehören.
Eine Abwärtsspirale auf dem Arbeitsmarkt. Die Transfomation der Arbeitszeiten in immer mehr Mini - und Teilzeitjobs. Hier am Beispiel der Deutschen Post.Die Zahl der Vollzeit-Arbeitsplätze
bei der Post sank allein im Jahr 2005 um 6851 auf 93103, wie aus Daten der Bundesnetzagentur hervorgeht, die am Dienstag der dpa in Bonn vorlagen. Bei den Konkurrenten arbeiteten dagegen nach Angaben
der Netzagentur Ende 2005 bereits mehr als 42000 Beschäftigte - davon mehr als die Hälfte in so genannten Mini-Jobs (Bruttoverdienst monatlich bis maximal 400 Euro). Und schon folgen neue
Ankündigungen im Jahre 2006: Post plant Teilzeit für tausende Briefträger. Betroffen sind rund 6000 Zusteller, wie Post- Sprecher Uwe Bensien am Freitag in Bonn bestätigte. Diese
Vereinbarung dürfte noch für viel Zündstoff unter den rund 79 000 Postboten sorgen. Für die Betroffenen - wohl vor allem in größeren Städten - sind die Neuerungen
mit kräftigen Einbußen oder einem Wechsel des Einsatzortes verbunden.
Die Frage lautet nur, wie sollen die Betroffenen davon leben? Die Arbeitslosenquote würde drastisch in die
Höhe schnellen, wenn Teilzeitstellen und Minijobs auf Vollzeitstellen komprimiert werden würden.
Vielen Dank für die Hinweise. Ja, das ist eine schlimme Entwicklung und noch
längst nicht zu Ende.
...Sie werfen Herrn Schweinsberg Bösartigkeit vor, ich möchte ein weiteres Attribut hinzufügen. Dummheit. Diese Kombination ist auch gefährlich. ALGII-Empfänger sind die
besten Konsumenten in Deutschland, weil sie (z.B. Singlehaushalt hat 345,00 pro Monat) das verfügbare Einkommen komplett verkonsumieren. Es ist mir KEIN Rätsel wie Herr Schweinsberg
Chefredakteur von Capital wurde. Von 345,00 kann man nur existieren, aber nicht "leben". Herr Schweinsberg sollte einen Selbstversuch wagen und im Dezember von 345,00 leben. Im übrigen wird
dieser "kurz-vor-dem-verhungern-Satz" in naher Zukunft enorme Kosten für die Krankenversicherungen verursachen. Aber es ist wohl müßig diesen Wirkungszusammenhang Herrn Schweinsberg
zu erläutern, da er sich ja schon disqualifiziert hat.
Wohl wahr!
... mit großem Interesse las ich Ihre kleine Debatte mit A.Müller und Ihren kürzlich veröffentlichten Schlusskommentar dazu. Auch ich habe vor etwa einem Jahr A.Müller einmal
vorgerechnet, dass alles in allem die Phase der Vollbeschäftigung und Hochkonjunktur in Westdeutschland gerade mal z e h n Jahre währte: ca. 1955-1965, danach kam schon die erste, schwerere
Krise, u.a. mit einem Aufstieg der NPD. Ich hatte mit Zygmunt Baumann argumentiert, der um die Mitte der siebziger Jahre einen sich ständig erweiternden Riss durch die Gesellschaft ausmacht: Es
werden immer mehr Menschen, ohne Aussicht auf (nochmalige) Integration, ausgemustert, marginalisiert und zu "Menschenschrott" gemacht - zu Almosenempfängern. A.Müller gab mir natürlich
einen auf die Nase; und das bringt einen zur Verzweiflung, denn die einen leugnen die Probleme durch neoliberal verblödeten Hurra-Optimismus weg und die anderen klagen immer über nicht
eingeschlagene, eigentlich goldrichtige Wege. Auf der Strecke bleibt dabei die anwachsende Zahl der Armen, Ewig-Arbeitslosen, Nichtmehrgebrauchten, die von Anhängern beider Lager schlichtweg
ignoriert werden und dennoch mit ihrer nicht-selbstverschuldeten Misere Tag für Tag fertig werden müssen.
Meine Frage daher: Wenn dieser am Wege liegen gebliebene "Menschenschrott" - mit
Verlaub, der Verf. dieser Zeilen zählt sich dazu - gleichsam das notwendige Pendant zu einer Profitmaschinerie bildet, die gutgeschmiert läuft, dann sollte man diese Überflüssigen
doch vorbehaltlos und großzügig dafür entschädigen, dass sie ausgesondert wurden - und zwar hier und heute. Oder etwa nicht?# Vor diesem Hintergrund betrachtet, erinnert die
Debatte etwas an Bob Dylans Zeilen: ..and the princess and the prince discuss, what's real and what's not....
Dennoch: Ich schätze Ihre Arbeit und Veröffentlichungen sehr!
Vielen Dank
fuer Ihre Zuschrift. Ja, es braucht viel grundsätzlichere Lösungen. Siehe auch die jetzt bekannt gemachte Einkommensentwicklung, die für die meisten Menschen in Deutschland, selbst
wenn sie noch Arbeit haben, negativ verläuft, und erst recht natürlich für die ohne Arbeit.
... in LE MONDE diplomatique Nov.2000 werden Jack Welch und Ronald Reagan als die Erfinder des
Wirtschaftens zu Lasten der Substanz (Gewinnsteigerungen durch Lohndumping und Investitionsverzicht), die "Entfesselung" der Finanzmärkte ausgemacht and since that time all do so.
In der Tat, das Finanzkapital ist schon seit Jahren zu Lasten der Substanz unterwegs. Im Kasino läuft das nicht anders.
.. erst einmal Glückwünsche zu Ihrem 500. Rundbrief. Wie immer sind diese sehr informativ und eine wohltuende Alternative zu den doch hilflosen und meist nicht zutreffenden Aussagen unserer
Eliten, Politiker und Medien. Vielen Dank für Ihr Engagement. Nun noch ein Kommentar zum Schwerpunktthema Analyse der derzeit gefeierten Ergebnisse des 3. Quartals 2006. Es mag ja sein dass die
deutsche Wirtschaft wächst wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, aber stolz kann Frau Merkel und die gesamte politische Kaste auf das was sie unserem Land antut nicht sein. Wir haben ca. 4
Millionen, statistisch ausgewiesene Arbeitslose, in Wirklichkeit sind es wohl eher über 5 Millionen. 500.000 neu geschaffene Arbeitsplätze das klingt ganz toll, in Wahrheit sind dies eher
Jobs im Niedriglohnbereich und kaum Arbeitplätze die es Wert sind als Arbeitsstellen im ersten Arbeitsmarkt bezeichnet zu werden. Nicht umsonst haben wir ein Einnahmeproblem in unseren
Sozialversicherungen. Ja, Deutschland geht einen Sonderweg, bei der Kompetenz und der Handlungsweise unserer Entscheidungsträger kommt es wahrscheinlich über kurz oder lang zu einer
Spaltung unserer Gesellschaft.
(1) negative Entwicklung der realen EinkommenAbsolut richtig, hier werden Arbeitnehmer von mehreren Seiten in die Zange genommen. In den Betrieben werden der
Belegschaft, nach Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsräten, unbezahlte Mehrarbeit oder ebensolche ohne vollen Lohnausgleich abgepresst. Der Flächentarifvertrag wird
ausgehöhlt, Löhne und Gehälter werden in vielen Unternehmen direkt verhandelt, es werden Nullrunden anstatt Tariferhöhungen ausgehandelt. Ein sozialversicherungspflichtiger Job,
auch ein schlecht bezahlter, ist besser als ein exportierter Arbeitsplatz bzw. die Arbeitslosigkeit. Belegschaften sind heute erpressbar und viele Arbeitgeber testen aus wie weit sie gehen
können. Es gibt natürlich auch Unternehmen die wirklich in Not sind, hier können Zugeständnisse sinnvoll sein. Es kann auch nicht sein dass die Gehaltsentwicklung von
Vorständen von der der normalen Arbeitnehmer abgekoppelt verläuft, nach dem Motto die Kleinen bekommen weniger und die Großen bekommen dafür deutlich mehr. Und jetzt kommen
unsere Politiker ins Spiel und verbreitern die Einnahmebasis durch Erhöhung von Mehrwertsteuer und Versicherungssteuer, Kürzung der Pendlerpauschale und des Sparerfreibetrags und die
Freiheit der privaten Vorsorge haben wir auch noch. Wenn man dann schon immer weniger in der Tasche hat kommen noch die um die Inflationsrate gestiegenen Lebenshaltungskosten dazu. Als besonderes
Sahnehäubchen kommen die extremen Energiekosten hinzu. Dumm nur dass die meisten Arbeitnehmer weder die Belastungen vermeiden können noch so mobil sind wie das Kapital, auf seiner Flucht
vor steuerlichen Belastungen. Fazit: Die deutschen Arbeitnehmer sind schon arme Schweine.
(2) immer noch unbefriedigende Binnenkonjunktur ... Ich bin, wie Sie, der Meinung dass der Aufschwung 2006
ein dem Jahr 2007 entliehener Aufschwung ist. Im Jahr 2007 wird die Binnenkonjunktur wieder auf dem Niveau sein wo sie vor der Ankündigung der Mehrwertsteuererhöhung war. Vereinfacht
könnte man sagen dass das Wachstum ohne die Mehrwertsteuererhöhung wohl zwischen 1,0 und 1,5% gelegen hätte. Die privaten Haushalte leiden unter massiven Kaufkraftverlusten.# (3) immer
noch - gemessen an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes - zu geringe Investitionstätigkeit ... Die Aussage ist absolut richtig. Die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes sind vielen
Unternehmern oder deren angestellten Vorständen egal, es zählt nur der Profit. Deswegen drohen Unternehmen mit dem Verlagern von Arbeitsplätzen oder führen diese Drohung auch aus.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass nur Billigjobs nach China, Indien und anderen Ländern gehen, ist es mittlerweile so, dass auch sehr anspruchsvolle Jobs dorthin ausgelagert werden.
Es ist natürlich interessanter dort zu investieren, wo die Arbeitnehmer nur ein Zehntel kosten, wo Umweltschutz ein Fremdwort ist, Arbeitssicherheit überflüssig ist. Nicht zu vergessen
dass viele Unternehmen, in unserem Land, vollautomatisiert und noch dazu eher unterausgelastet sind. Es sieht fast so aus als ob die Wirtschaft nicht an die Langfristigkeit des "Aufschwungs" glaubt
sondern diesen als eine Art Strohfeuer betrachtet.
(3) infolge der verhaltenen Lohnentwicklung Ja, das erklärt einen Großteil unserer Erfolge als Exportweltmeister. Im Europäischen
Markt betreiben wir Lohndumping, das heißt die Abstände der Bruttolöhne nehmen ab und bei den realen Löhnen sind wir sowieso nur noch im Mittelfeld. Unser Standort ist für
Unternehmen eigentlich gar nicht so schlecht, nur merkt die arbeitende Bevölkerung wenig davon. Es ist halt dumm für die Nachbarländer, wenn ein Land nur ein Exportgestütztes
Wachstum hat.
(4) anhaltende Massenarbeitslosigkeit ... Steigt die Nachfrage werden keine neuen Mitarbeiter angestellt. Es müsste sich schon um einer sehr robusten und äußerst langen
Aufschwung handeln um für eine langfristige Absenkung der Arbeitslosenzahlen zu sorgen. In Deutschland ist es ein offenes Geheimnis dass Vollbeschäftigung nur noch ein Märchen ist. Das
Gezänk der Politik ist nur für die Galerie, sprich das Wahlvolk. Zum anderen wird von Seiten der Unternehmen zunehmend optimiert. Mitarbeiter werden entlassen und werden über
Zeitarbeitsfirmen auf ihre ehemaligen Arbeitsplätze eingestellt. Es werden zunehmend Teilprozesse der Produktion, wie einfache personalintensive Tätigkeiten, in Billiglohnländer
ausgelagert. Ganze Funktionsbereiche wie, zum Beispiel, Logistik, Einkauf, Rechnungsprüfung und Call Center werden in Billiglohnländer ausgelagert. Alles Arbeitsplätze die hier
verloren sind.
(5) ständige Verunsicherungskampagnen an die Adresse der Verbraucher ... Das funktioniert nach dem Motto "Angst essen Seele auf". Arbeitnehmer die einen Job haben nehmen
Zumutungen in Kauf um diesen zu erhalten. Arbeitslose die keinen Job haben sind bereit für sehr viel weniger Geld, Arbeitnehmerrechte usw. sehr viel länger zu Arbeiten. Erstaunliche
parallelen zu Orwells Roman "1984" tun sich auf.
Peter Kleinsorge
Vielen Dank fuer Ihre freundlichen Worte. Wie ich sehe, stimmen wir voll überein.
Die Zahlen zur Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen sowie der Gewinn-/Vermögenseinkommen 3. Quartal 2006 zu 3. Quartal 2005 weichen zwischen Ihnen und einer Handelsblatt-Veröffentlichung
ab: Laut Handelsblatt stieg das Volkseinkommen um 1,4%, die Arbeitnehmereinkommen stagnierten (Ihr Wert: -0,9%), die Unternehmens- und Vermögenseinkommen erhöhten sich laut Handelsblatt um
4,3% (Ihr Wert: +6,1%). Welches sind die "richtigen" Zahlen?
Die Handelsblattzahlen sind im Vergleich zum Vorquartal und in Bruttowerten (vor Steuer), meine im Vergleich zum Vorjahresquartal und in Nettowerten. Weitere Abweichungen können
sich bei der Preisbereinigung ergeben (ich habe mit Verbraucherpreisen bei Löhnen und -gehältern und mit BIP-Inflator bei Unternehmens-
und Vermögenseinkommen gerechnet).
.. ich bin seit langem regelmäßiger Leser der Nachdenkseiten und seit einiger Zeit auch ihrer Internetpräsenz. Ich bin froh, dass es beide gibt, denn beide leisten meines Erachtens einen
wertvollen Beitrag zur wirtschaftspolitischen Allgemeinbildung. Dass Sie und Herr Müller nicht in allen Punkten einer Meinung sind, stört mich nicht, denn es hindert mich daran, zum
passiven Konsumenten ihrer beider Angebote zu werden. Dass die Nachdenkseiten den Link zu Ihnen gestrichen haben, verstehe ich auch nicht ganz, aber das nun Zensur zu nennen, finde ich denn doch
etwas übertrieben. Herr Müllers Seite verweist ja nur auf Meldungen, die seine Meinung stützen. Er bietet also seine persönliche Interpretation des Geschehens an, der man sich
anschließen kann, wenn man sich von ihm überzeugen lässt. Er bringt auf jeden Fall einen medial unterrepräsentierten Standpunkt ein und ist damit wirklich, wie Sie ja auch, als
ein Beitrag zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung zu betrachten. Aber natürlich ist die Seite seine subjektive Meinungsäußerung und keinesfalls zur
Ausgewogenheit verpflichtet. Damit steht es den Nachdenkseiten also frei, Ihre Seite zu ignorieren, ohne sich dadurch einer aufklärerischen Unredlichkeit schuldig zu machen. Wer sich nur
über die Nachdenkseiten informiert, hat eh nicht verstanden, worauf es ankommt. Deshalb scheint mir der etwas beleidigte Unterton ihrer Stellungnahme unangebracht. Ihre Seite kann es sich meines
Erachtens durchaus mehr Gelassenheit leisten.
Vielen Dank für Ihre freundliche Zuschrift. Ich freue mich, Sie unter meinen Lesern zu sehen.
Zu Ihrem Kommentar: Man wird ja wohl NachDenkSeiten
bei der eigenen Intention nehmen dürfen und da heißt es immerhin „Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung". Daran gemessen ist das plötzliche
Entfernen des Links und der Stopp jeden neuen Hinweises auf das Informationsportal, aus dem NachDenkSeiten so lange Zeit für Ihre Besucher Honig gesaugt haben, umso mehr eine Form von Zensur.
Dies auch, weil schon vorher eine sehr einseitige Auswahl standfand. Wenn das nicht eine Zensur ist, ob berechtigt oder nicht ist eine andere Frage, wüßte ich nicht, was der Begriff denn
anderes sagen will. Im Übrigen verweist NachDenkSeiten entgegen Ihrer Annahme sehr oft auf andere Meldungen, die nicht die eigene Meinung stützen, um dann daran Kritik zu üben. Mit
Beleidigung auf meiner Seite hat die Beurteilung als „Zensur" wirklich nichts zu tun. Ich habe immer akzeptiert, daß es das Recht von NachDenkSeiten ist, selbst zu entscheiden, worauf
verwiesen wird, und habe nie behauptet, daß dies NachDenkSeiten nicht freistünde.
Aber ich muß die NachDenkSeiten-Leser, die sich immer noch über die älteren dort nicht
ausgemerzten Hinweise zum Informationsportal verirren, schon auf die Umstände aufmerksam machen können. Viele haben noch nicht verstanden, daß NachDenkSeiten ihrerseits Schluß
mit neuen Hinweisen gemacht haben, zumal das dort nicht verkündet wird. Aus meinem Webseiten-Zähler konnte ich jedenfalls in der Vergangenheit immer entnehmen, daß sich
NachDenkSeiten-Leser in aller Regel auf die Hinweise zu meiner Webseite verlassen haben und nur dann rüberkamen, und nur zu einem kleinen Teil - wie Sie - regelmäßig und
unabhängig von solchen Hinweisen. Da ist dann Aufklärung schon geboten. Natürlich könnte man das auch gelassener formulieren. Doch bin ich ein Mitglied des Verbandes zur
deutlichen Aussprache.
Leider bekommen die NachDenkSeiten-Leser nach Beginn dieser Zensur jetzt wieder die auch in den anderen Medien und von der Bundesregierung verbreiteten Nominalwerte zu einigen
wichtigen Konjunkturindikatoren präsentiert, statt die ganz anderen realen Entwicklungen, z.B. zuletzt bei den Umsatzzahlen der deutschen Industrie. Es reicht einfach nicht aus, unkritisch auf
die Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes unter "Hinweise zum Tage" zu verweisen. In der politischen Auseinandersetzung mit einer auf allen Medien-Klavieren spielenden neoliberalen
Strömung darf das einfach nicht passieren. Auch das ist ein Grund, warum ich möglichst viele NachDenkSeiten-Leser möglichst oft auch beim Informationsportal sehen möchte.
Letzte Freitag-Nacht ., als ich am Rechner saß und an meinen Rede-Beträgen für ... gebastelt habe, war ich selbstverständlich u.a. auch auf Ihrer Internet-Seite und habe in Ihren
Rundbriefen nach Hinweisen für meine/unsere Argumente gesucht und gefunden.
.. ich glaube, dass wir ein VOLK der Ahnungslosen sind ...
Auch wenn Sie von den NachDenkSeiten neuerdings boykottiert
werden, was ich, ebenso wie Sie, sehr Schade finde, werde ich mich dennoch auch dort tummeln - und, durch Ihren Schriftwechsel mit Albrecht Müller sensibilisiert, dort etwas kritischer lesen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und vor allem auch viel Spaß bei Ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Denn sollte Ihnen einmal der Spaß vergehen, werden wir bestimmt weniger und
seltener von Ihnen zu lesen bekommen.
Leider scheint es wirklich so zu sein, daß die Nabelschau in der deutschen Politik, den Medien und bei den meisten Menschen überwiegt. Das allein
ist schon besorgniserregend, weil es die Übernahme positiver Erfahrungen unserer Nachbarn verhindert und uns blind für die Konsequenzen unseres eigenen Verhaltens jenseits unserer
Landesgrenzen macht, z.B. unseres Lohndumpings in der Eurozone.
Dazu gehört auch, daß die Wirkungen der Globalisierung nicht richtig verstanden werden und sich Deutschland für alle Zeiten
fest auf der Gewinnerseite sieht, während wir mit der notleidenden Binnenkonjunktur und der international höchsten Rate an Langzeitarbeitslosen überwiegend schon längst zu den
Verlierern zu zählen sind. Für mich und dpa überraschend hat mein dpa-Interview unter der Schlagzeile „Deutschland gehört zu den Verlierern der Globalisierung" eine enorme
Verbreitung erfahren. Es ist wirklich schade für die Leser von NachDenkSeiten, daß sie auch von dort in Sachen Globalisierung so einseitig informiert werden. Da ist inzwischen die
konservative EU-Kommission und die Bundesregierung, z.B. in Sachen China, schon vorsichtiger als NachDenkSeiten. Politisch gesehen, müssen solche Meinungen (Anmerkung: gemeint sind die von
NachDenkSeiten zur Globalisierung), zumal wenn Verschwörungstheorien hinzukommen (siehe Demographie und Versicherungswirtschaft) weitgehend in dem 10 %-Ghetto der ohnehin Frustrierten
hängenbleiben, und die meisten von denen gehen vielleicht nicht einmal zur Wahl.
Ich teile Ihre Schlußfolgerungen. Die notwendige Kehrtwende muß damit beginnen, Kosten dort zu buchen, wo sie entstehen und dringend dieselben nicht zu sozialisieren was ja nicht nur die
Falschen trifft sondern in vielen Fällen erst eine einseitige Ertragsrechnung des Verursachers möglich macht, die dann an den Börsen dieser Welt als Wachs- und Clevertum gefeiert
werden kann.
Ich möchte allerdings betonen, daß hier Steuern und Zölle gefragt sind um diese Kosten dort zu belasten, wo sie verursacht werden und nicht etwa ein neuer Wust an
Subventionsmaßnahmen; dazu folgendes Beispiel aus eigener Erfahrung: Wie bekannt gibt es in Deutschland aber bereits auch anderswo erhebliche Einspeisevergütungen für elektrische
Energie aus landwirtschaftlichen Biogasanlagen, dem Strom aus renewables. Deutschland zahlt in den meisten Fällen 0.17 oder 0.19 per kW/h. Das ist vollkommen in Ordnung wenn dabei das gewollte
Ziel erreicht wird, u.a. die Weiterverarbeitung von Gülle wobei es um die Vermeidung der Methanfreisetzung geht, die Bauern zusätzliche Einnahmen generieren können und die entstehenden
Energien weitestgehend, d.h. möglichst vollständig genutzt werden. Nun gibt es mittlerweile Anlagen die durchaus in den 1, 2 oder gar 3 MW Bereich vorstoßen, schlimm genug, denn
Abnehmer für die „Hitze", die thermische Energie, das 2 bis 3-fache der elektrischen Energieproduktion gibt es nie - wo ja wäre das dann in der Tat die die Regel bestätigende
eine Ausnahme! Schon bei Anlagen dieser Größenordnung werden weite Transportwege (der Rohbestandteile) in Kauf genommen ebenso wie die Tatsache, daß das, was von einer aus
Gründen der Effizienz nach 30 oder 35 Tagen abgebrochenen Fermentierung übrig bleibt zum einen nicht „fertig vergast" ist und zum anderen rein volumentechnisch neue Kosten der
Lagerung und Weiterverarbeitung generiert. Mit Kosten ist hier die Belastung der Umwelt gemeint, denn durch die hohen Einspeisevergütungen kann der Betreiber solcher Anlagen
selbstverständlich die anfallenden pekuniären Kosten begleichen und insgesamt erhebliche Einnahmen erzielen. Da ist es höchstens lästig, weite Wege der zu hohen Ausbringung
bezahlen zu müssen.
Ich möchte betonen dass ich nicht gegen den Bau von Biogasanlagen bin - doch auch wie bei den riesigen Windkraftanlagen darf die Rechnung nicht ohne den Wirt gemacht
werden; sonst geht der Wirt, unser Lebensraum, baden - das ist sicher und ist wirklich nicht schön, zu Ende zu denken.
Ihren Beitrag zur Demographie finde ich leider viel zu unkritisch. Sie schreiben zuerst: "Die leichte Erholung der deutschen Geburtenziffer in 2004 war nur ein Blip, und nach der jetzt für 2005
vom Statistischen Bundesamt festgehaltenen Zahl hat sich der Abwärtskurs fortgesetzt (Abb. 04579). Das werden auch die nicht bestreiten können, die die demographischen Projektionen immer
nur als Horrorszenarien und Trick der privaten Altersversicherer abqualifizieren." Das ist schon mal die Konstruktion eines falschen Zusammenhangs. Denn die Kritiker bestreiten ja nicht die
gegenwärtigen Geburtenziffern sondern die Projektionen. Ob die Projektion aber korrekt ist, lässt sich nicht aus der Geburtenziffer im Jahr 2005 ablesen. Selbst ich als Kritiker gehe
jedenfalls davon aus, dass auch im Jahr 2006 die Geburtenziffer nicht deutlich von der der letzten Jahre abweichen wird.
Später schreiben Sie allerdings selbst: "Unterstellt ist in dieser
Vorrausberechnung eine annähernd konstante zusammengefasste Geburtenziffer von durchschnittlich 1,4 Kindern je Frau sowie Zunahme der Lebenserwartung bei Geburt um etwa sieben Jahre auf 83,5
Jahre für Jungen und auf 88,0 Jahre für Mädchen im Jahr 2050, sowie ein jährlicher positiver Wanderungssaldo von 100.000." Richtig, das ist eine "Unterstellung". Und ob diese
Unterstellung richtig ist oder nicht, diskutieren Sie leider nicht sondern Sie nehmen dies einfach so hin und ziehen daraus Ihre Schlüsse. Wenn die Unterstellung zutreffen wird, werden auch Ihre
Schlüsse zutreffen. Da stimme ich Ihnen zu. Aber wird die Unterstellung zutreffen? Ist es sicher, dass die Geburtenziffer z.B.im Jahr 2023 bei ca. 1,4 pro Frau und nicht wie heute in Frankreich
bei über 1,9 liegen wird? Warum kam das Statistische Bundesamt vor drei Jahren, kommen andere Experten zu völlig anderen Ergebnissen?
Sie schreiben selbst sehr klug: "Man wird daraus auf
die Notwendigkeit schließen müssen, die Geburtenrate durch staatliche Maßnahmen, wie in Frankreich oder den skandinavischen Ländern, wenigstens längerfristig wieder etwas
nach oben zu bringen, auch wenn das Statistische Bundesamt eine Verbesserung in seiner Basisprojektion nicht annehmen möchte." Richtig, nur warum das Statistische Bundesamt dies nicht annehmen
"möchte", fragen Sie sich leider nicht.
Auch berücksichtigen Sie nicht die bekannten Forschungsergebnisse, dass die hohen Gesundheitsausgaben nicht im Alter anfallen sondern im letzten
Lebensjahr - relativ unabhängig davon, in welchem Alter dieses letzte Lebensjahr stattfindet. Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass die Gesundheitsausgaben im Verhältnis zum BIP in den
letzten 20 Jahren kaum zugenommen haben, obwohl die deutsche Gesellschaft doch auch in den letzten 20 Jahren schon älter geworden ist. Und ob der hohe Anteil junger Menschen zwingend zu mehr
Dynamik oder nicht zu mehr Spannungen und Unruhen führen wird, weil "zu viele" Menschen in der Gesellschaft zugleich an die Fleischtöpfe drängen, muss auch noch erst die Zukunft
erweisen. Letztlich muss man es aber auch nicht als schlimm ansehen, wenn Afrika in den nächsten Jahrzehnten sich dynamischer als Europa entwickeln wird - schließlich wird die Aufholphase
sehr lang sein.
Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Leider kann ich Ihre Kritik an meinen Aussagen nicht teilen. Zu Ihren einzelnen Punkten:
1. Zur Entwicklung in 2005 und den Kritikern von
Projektionen: Viele Kritiker der Projektionen bestreiten schon die Tendenz einer in den letzten Jahren fallenden Geburtenrate und haben Hoffnungen aus dem Wiederanstieg in 2004 geklaubt. Die Rate hat
aber in den letzten Jahren und nun auch in 2005 eine fallende Tendenz gehabt. Das deckt sich im Übrigen mit der Phase, in der der deutsche Arbeitsmarkt immer mehr unter globalen Druck geraten
ist, und dieser Druck wird sich wahrscheinlich mit der schrittweisen Integration von 3 Mrd Menschen aus China, Indien und Osteuropa in die Weltwirtschaft eher noch verstärken.
2. Zu den
Unterstellungen in der Bevölkerungsvorausberechnung: Ich sehe wenig Anlaß an den amtlichen Annahmen zu zweifeln. Eher sind sie vielleicht noch zu positiv, z.B. bei der unterstellten nicht
weiter fallenden sondern sich leicht erholenden Geburtenrate. Sie scheinen mir zu träumen, wenn Sie für Deutschland eine Entwicklung der Geburtenrate auf die Werte in Frankreich für
möglich halten. Ich lebe selbst einen Teil des Jahres in Frankreich und Irland, die beiden Länder mit der höchsten Geburtenrate in Europa. Die hohe Kinderzahl ist in diesen
Ländern seit sehr langer Zeit fest verankert und entspringt nach meiner Einschätzung einer grundsätzlich anderen Haltung zum Kind, die von der Wirtschaftslage ziemlich unabhängig
ist. Frankreich kämpft teilweise mit ähnlichen Problemen wie Deutschland; allerdings hat dort die Bevölkerung längst nicht so resigniert wie in Deutschland und erstreitet sich
ihre Rechte notfalls auf der Straße. Dementsprechend geht die soziale Schere auch weit weniger auseinander als bei uns. Warum das Statistische Bundesamt keine Erholung der Geburtenrate zu
französichen Werten annehmen möchte? Woher soll ich das wissen oder wollen Sie das wissen? Ich bin jedenfalls keine Anhänger von Verschwörungstheorien (denen Sie hinsichtlich der
Arbeit des Statistischen Bundesamts anzuhängen scheinen).
3. Zu den angeglich "bekannten Forschungsergebnissen": Ältere Leute gehen nach allen mir bekannten Statistiken weit öfters
zum Arzt als jüngere und nicht nur in ihrem letzten Lebensjahr. Im übrigen gibt es ausreichend Statistiken, die den hohen Befall mit chronischen Krankheiten bei älteren Menschen, und
leider ebenfalls nicht erst im letzten Lebensjahr zeigen. Aus den Gesundheitsausgaben können Sie in dieser Hinsicht gar nichts schließen. Denn die gehen vor allem wegen der drakonischen
Einsparmaßnahmen, der Patientenbeteiligung und nicht zuletzt des Drucks vom Arbeitsmarkt aus, bei dem viele nicht mehr wagen, sich krank schreiben zu lassen oder gar eine Kurbehandlung in
Anspruch zu nehmen.
4. Alter und Dynamik: Sie scheinen noch ein junger Mensch zu sein und deshalb nicht einen Mangel an Dynamik, Innovationsbereitschaft und Kreativität an sich festgestellt zu
haben oder Sie sind ein "Wundermensch" und haben sich diese Eigenschaften bewahren können. Herzlichen Glückwunsch! Im Übrigen verdrehen Sie meine Argumente: Ich habe nicht von Afrika
gesprochen, sondern vom Wettbewerb mit den sich sehr dynamisch entwickelnden Ländern, wie China und Indien. Und da werden wir uns noch wundern, wenn wir es nicht bereits jetzt tun. Die
drängen jedenfalls zunehmend nicht an "ihre" sondern an "unsere" Fleischtöpfe, sprich Arbeitsplätze.
5. Ein wichtiges Argument der Kritiker von Bevölkerungsprognosen und ihren
negativen Auswirkungen, nämlich von den kompensierenden Einsparungen durch einen entsprechend fallenden Jugendquotienten, hat das Statistische Bundesamt jedenfalls nicht bestätigt, und an
meinem Hinweis darauf haben auch Sie keinen Anstoß genommen.
Wenn Kritiker aus einem einjährigen Wiederanstieg Hoffnung geschöpft haben, dann erstaunt es mich. Veränderungen eines Jahres haben meines Erachtens hier keine Aussagekraft (das ist
im Bereich des Zufalls, wie ja auch einzelne - ich betone: einzelne - Tornados kein Argument für den Treibhauseffekt sind). Meines Erachtens ist die tendenziell sinkende bis bestenfalls
stagnierende Geburtenrate viel mehr ein Zeichen der unsicheren Beschäftigungslage vieler Menschen in Deutschland. Aber mittels intelligenter Wirtschaftspolitik könnte man darauf ja
reagieren. Denn Umfragen bestätigen ja immer wieder, dass der wunsch nach Kindern immer noch sehr hoch ist. Wenn trotz dieses Wunsches viele Deutsche eben doch keine Kinder bekommen, dann muss
es ja Gründe geben, die außerhalb dieser Personen liegen. Und wenn dies an Gründen liegt, die außerhalb dieser Personen liegen, dann könnte die Politik darauf reagieren.
Die Kritiker, die ich meine, weisen auch immer darauf hin, dass es früher schon niedrigere Raten gab und erwarten, dass der derzeitige Stand sich verbessert; deshalb sind einige auch gleich auf
die etwas bessere Entwicklung in 2004 gesprungen. Ich bin wie Sie der Meinung, dass man mit einer besseren Wirtschaftspolitik etwas erreichen könnte und habe das auch auf meiner Webseite zum
Ausdruck gebracht. Allerdings glaube ich derzeit nicht, dass die in Deutschland Regierenden zu den notwendigen Konsequenzen bereit sind, d.h. zu Lohnsteigerungen zu ermutigen und
Umverteilungsmassnahmen durch die Steuerpolitik zu unterstützen. Aber ich habe auch starke Zweifel, ob es nur und allein an der Wirtschaftslage liegt. Da spielt eine Menge Egoismus mit (nach dem
Motto: Erst die Karriere oder das Auto oder das Haus und dann der Nachwuchs) und die Frauen werden in den Familien zu einseitig belastet. Ausserdem wachsen heute schon so viele Einzelkinder auf, die
nicht über Teilen mit Geschwistern sozialisiert sind und auch die Ehe dann weniger als Partnerschaft begreifen. Wie in der Umwelt gibt es hier vielleicht auch so etwas wie einen tipping point,
von dem ab es sehr schwierig wird, die Entwicklung umzudrehen.
Zumindest muss man sich schon fragen, warum andere Institutionen zu anderen Ergebnissen kommen. Und dass in Frankreich mehr Kinder
als in Deutschland geboren werden, hängt meines Erachtens nicht (jedenfalls nicht nur) damit zusammen, dass diese Menschen anders "ticken" sondern eben auch damit, dass es mehr kostenfreie
Kinderhortplätze und einen Mindestlohn gibt. Beides liesse sich in Deutschland aber auch einführen - wenn man wollen würde.
Ja, sicher. Aber die größere Zahl an
Kinderhortplätzen allein kann nicht die um 45 % höhere franzoessiche Geburtenziffer erklären. Da muß mehr im Spiel sein, siehe auch meine obigen Anmerkungen. Deutschland
muß - wenn das überhaupt möglich ist - zu den Prinzipien einer solidarischen Gesellschaft zurückfinden. Solidarite und Egalite haben jedenfalls in Frankreich noch eine praktische
Bedeutung, und in den skandinavischen Ländern erst recht. In Irland spielen noch die Großeltern und die Großfamilie eine weit stärkere Rolle als in Deutschland, so daß die
Mütter stark entlastet werden.
Ich verstehe Sie so, dass viele aufgrund des Drucks vom Arbietsmarkt sich nicht mehr krank schreiben lasse oder eine Kurbehandlung in Ansruch nehmen, [b]obwohl
dies notwendig wäre[/b], d.h. es sich nicht um an sich überflüssige Massnahmen handeln würde. Wenn dem aber so ist, dann düfte dies häufig zu Folgekosten führen,
die dann eher mehr Ausgaben nach sich ziehen, als wenn man frühzeitig zum Arzt gegangen wäre. Allenfalls in den ersten Jahren kann dies zu einer Ausgabenreduktion führen, langfristig
eher zu Ausgabensteigerungen. Da es dieses Phänomen (Druck vom Arbeitsmarkt) aber inzwischen schon länger gibt, dürften wir eher in der Phase der Ausgabensteigerung leben. Insgesamt
halte ich Ihr Argument also für richtig, aber nicht Ihre Folgerung daraus. Will sagen: es gibt unbestreitbar die Tendenz zu weniger Artzbesuchen und Kuraufenthalten aufgrund des Arbeitsdrucks,
aber hier müssten wir inzwischen eher einen Ausgabeanstieg berücksichtigen (wegen der Folgekosten). Das heisst: ohne diese von Ihnen richtig benannte Tendenz müssten die
Gesundheitsheitsausgaben eher niedriger als wie von Ihnen vermutet höher liegen. Für Ihr erstes Argument verweise ich auf Hagen Kühn, der in Nr. 6/2004 der "Blätter für
deutsche und internationale Politik" schrieb: "Er (der Sachverständigen Rat der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen, R.H.) hatte inzwischen eine - zunächst auf amerikanischen, dann
auch auf schweizer Studien beruhende - Diskussion zur Kenntnis genommen, die von folgenden Überlegungen ausgeht: Verteilt man die Gesundheitsausgaben auf die Lebensphasen einer Person, dann
fällt ein weit überproportionaler Anteil davon im letzten Lebensjahr an, gleichgültig in welchem Lebensalter dieses liegt. Werden die Ausgaben für die medizinische Versorgung im
letzten Lebensjahr ausgeklammert, ist der statistische Zusammenhang zwischen Ausgaben und Alter nur noch schwach bzw. nicht mehr eindeutig vom Zufall zu unterscheiden. Daraus folgt: Da jeder Mensch
nur ein letztes Lebensjahr erlebt, wird sich ohne Bevölkerungswachstum dieser große Ausgabenblock auch nicht altersbedingt erhöhen."
Ich wollte Sie nur darauf aufmerksam machen,
daß fallende Gesundheitskosten viele Gründe haben. Das Entfallen einer profilaktischen Gesundheitsvorsorge über Kuren etc., fuer die Deutschland berühmt war, wird sich erst in
mehreren Jahren als neuer Kostenfaktor zeigen. Den starken Druck vom Arbeitsmarkt und den Rückgang der Kurbehandlungen gibt es erst seit wenigen Jahren. Die Massenarbeitslosigkeit ist erst seit
etwa 2000 in ihre heutige Dimension hochgewachsen. Erst seitdem drohen die Unternehmen in großem Stil mit Verlagerungen, zumal seitdem die EU erweitert worden ist. Die Folgekosten einer
falschen Gesundheitspolitik werden wir wahrscheinlich erst mit einem Verzug von 10 bis 20 Jahren erleben. Außerdem waren wahrscheinlich einige Gesundheitskosten unnötig, wie viel zu
häufige Arztbesuche (der Arzt als Gesprächspartner) und haben die Pharmahersteller viel zu viel Freiheiten in der Preispolitik gehabt. Ich rate also, das Argument fallender
Gesundheitskosten nicht im Sinne eines gesunden und kostenfreien Alters zu verwenden, wie ich es da bei Ihnen vermutet habe. Natürlich belastet das letzte Lebensjahr weit überproportional.
Leider beschert uns die Medizin aber nicht nur eine längere Lebenserwartung sondern auch eine ausgedehntere weniger gesunde Altersperiode. Das wird kaum zu bestreiten sein. Sehr viele Menschen
kommen heute nicht mehr gesund in die Rente, und war wegen ständig steigender Streßbelastungen mehr als früher.
Es gibt immer wieder einige Länder, die als besonders
dynamisch im Blickfeld stehen (früher Japan, dann Osteuropa und Südostasien, heute China und Indien). Aus sehr unterschiedlichen Gründen ist aber bei all diesen Ländern die
Wachstumsphase nicht ewig so weitergegangen. Für China und Indien sehe ich einen ähnlichen Verlauf, wenngleich ich nicht sagen kann, wann die Abschwächung einsetzen wird (und
könnte ich es, würde ich es Ihnen nicht sagen, Sie werden sicherlich verstehen...). Aufgrund des Bevölkerungswachstums (in Indien heute stärker als in China) werden dann aber
beide Länder in ernste Krisen geraten.
Die Prognosen bei China und Indien sind allgemein auch für die Zukunft sehr positiv. China ist schon viel länger im Steigflug als seinerzeit
Japan oder Korea, ohne auf Normalniveau zu kommen. Die Erklärung für China und Indien liegt in den frühkapitalistischen Ausbeutungszuständen, die es so nie in Japan oder Korea gab
und der viele hunderte Millionen messende Reservearmee an Arbeitslosen, die jede Arbeit annehmen. Damit werden Arbeitnehmereinkommen und Massenkonsum gedrosselt und Investitionsmittel für den
rasanten Aufstieg gewonnen, sowie alle die Vorteile aus dem exportangetriebenen Wachstum und den enormen Kapitalzuflüssen. Wir sollten China und Indien nicht unterschätzen. Deutschland
sieht dagegen inzwischen schon sehr alt aus, übrigens vor allem in seiner Bildungs- und Technologiepolitik. Die neoliberalen Verhältnisse der Globalisierung erlauben diesen Ländern im
übrigen, den internen Bevölkerungsdruck zu einem großen Teil ans Ausland abzugeben.
Diese Behauptung (Anmerkung: einer geringeren Jugendlastquote) ist mir zu neu, aber ich hatte
keine eindeutige Quelle zur Hand, die dies widerlegte. Daher habe ich diesen Punkt nicht aufgegriffen. Ich habe mich darüber zwar gewundert und kann mir nicht vorstellen, dass dies einer
Überprüfung standhalten dürfte, aber da mir hierüber keine eindeutigen Informationen vorliegen, habe ich hier keinen Widerspruch erhoben.
Albrecht Müller von NachDenkSeiten
oder Prof. Bosbach und andere kommen immer wieder mit dem Argument, mehr Kosten bei den Alten würden durch weniger bei dem geringeren Nachwuchs ausgeglichen. Das scheint nach StaBuA Unfug zu
sein. Ich habe es auch nie geglaubt.
Hier stimme ich Ihnen zu (Anmerkung: gemeint ist, Abhilfe durch die Politik), aber die demographische Entwicklung ist ja eine langfristige Entwicklung. Wir
wissen natürlich beide nicht, welche Politik die Regierenden im Jahr 2016 oder 2026 machen werden. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Regierenden lernfähig sind bzw. die
Bevölkerung einsieht, dass es Sinn machen könnte, andere Parteien zu wählen.
Hier verkennen Sie möglicherweise, wie langfristig demographische Entwicklungen angelegt sind. Die
Kinder, die in den letzten Jahren nicht geboren wurden, wachsen als Eltern künftiger Kinder nicht mehr nach. Wir haben schon viel zu lange die falsche Politik in Deutschland. Selbst wenn man
unterstellt, dass die soziale Lage ein wesentliches Element in der Demographie ist (wir wissen beide nicht wie viel), wird auch eine bessere Politik im Zeitraum bis 2030 (und schon gar nicht in den
von Ihnen genannten 10 Jahren) nicht mehr sehr viel an der faktischen Bevölkerungsentwicklung ändern können. Leider!
Aber dier Unterschied von 1,4 (Deutschland) zu 1,9
(Frankreich) ist ja gewaltig. Daher schließe ich nicht aus, dass mit einer anderen Wirtschafts- und Sozialpolitik die Geburtenziffer in Deutschland z.B. auf 1,6 oder 1,7 steigen könnte.
Ich denke, dass der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gründe hat. Welchen Ausmaß die einzelnen Faktoren einnehmen, kann ich nicht
beurteilen. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, das mir als Ökonom gesagt wird, dass ich den Einfluss von ökonomischen und sozialen Faktoren über- und den von
unterschiedlichen Kulturen und Psychologien unterschätze. Vielleicht eine Berufskrankheit.
Ja leider glauben wir als Ökonomen viel zu sehr an die Machbarkeit mit ein paar Stellschrauben.
In dieser Hinsicht argumentieren auch NachDenkSeiten immer viel zu einfach, zumal wenn die globalen Einflüsse weitgehend ausgeblendet werden. Die deutschen Ökonomen sind überhaupt
Spitze im Ausblenden und dann läßt sich alles in Sichtweite des eigenen Kirchturms so viel leichter regeln.
Ein Aspekt aber noch zum Statistischen Bundesamt: In Ihrer ersten Mail an mich,
meinten Sie, dass ich ein Verschwörungstheoretiker sein könnte. Das war der einzige Aspekt, der mich etwas geärgert hat, denn ich denke, man könnte dies auch rein ökonomisch
begründen. Denn auch wenn es sich hier um Beamte (meines Wissens) handelt, haben diese natürlich einen Anreiz, Prognosen so zu erstellen, dass sie die Meinung ihres Auftraggebers (in dem
Fall die Regierung) widerspiegeln. Dieser Effekt ist dann um so wirkungsvoller, wenn die Regierung selbst gar nicht sieht, dass sie dementsprechenden Einfluß genommen hat. Die Minister und die
Kanzlerin also von einer objektiven Studie ausgehen. Es ist auch denkbar, dass dies die Beamten im Statistischen Bundesamt ähnlich sehen und der Anreiz eines Gefälligkeitsgutachtens ein
unbewußter ist. An eine bewusste Verschwörung und dass 90% unserer Politiker (und hohen Beamten) gekauft sind, um bewusst das Volk zu hintergehen, glaube ich tatsächlich nicht. Ich
denke nicht, dass dies funktionieren würde. Die Entwicklung ist wohl eher diffizieler: man sitzt meistens in seiner Einkommensschicht zusammen, fährt zusammen in den Urlaub, unterhält
sich und nimmt dabei natürlich die Meinung des anderen an. Ich bin garantiert kein Marxist, aber den Satz "Das Sein bestimmt das Bewusstsein" halte ich für sehr wahr. Und das hat dann
nichts mit Verschwörung zu tun.
Ich bin selbst lange Jahre Beamter gewesen. Beamte haben da viel größere Sicherheiten als normale Arbeitnehmer. Und wenn beim Statistischen Bundesamt
die Rechnungen falsch gemacht würden oder die Annahmen unhaltbar waeren, gäbe es genug vergrämte Kollegen, die das an die Presse weitergeben würden. Wo das StabuA sehr oft trixt,
ist in der Aufmachung der Meldungen, wie vor allem in den Überschriften, die die Presse dann meist gläubig übernimmt. Ich wollte Sie nicht ärgern, aber es ist leider ein
häufiges Phaenomen von Links oder Links-Aussen in Deutschland, daß in der Verbitterung über die Entwicklungen vermutet wird, dass da etwas "nicht mit rechten Dingen" zugeht. Albrecht
Müller ist in seinen Büchern und auf der Webseite ein Meister solcher Verschwörungsannahmen. (Dabei hat er von mir in strenger Zensur immer alles ausgeblendet, was nicht in seine
Theorien paßte, z.B. sind wir nach ihm immer so gut in Deutschland, daß wir vor der China-Konkurrenz keine Sorgen zu haben brauchen; darf ich dazu meinen Beitrag zur Bildungsentwicklung
empfehlen: http://www.jjahnke.net/rundbr17.html#human ? Er wird das alles bald korrigieren müssen, wenn er glaubwürding bleiben will).
Sie sagen, dass wir die höheren
Gesundheitsausgaben erst in 10 bis 20 Jahren haben werden, da die Prophylaxe und der Arbeitsdruck erst seit 2000 stark gestiegen ist. Ich sehe die Entwicklung seit Anfang der 80er Jahre (wenngleich
im steigenden Ausmaß). Insofern müssten die höheren Folgekosten aufgrund zurückgehender Prophylaxe schon in den heutigen Gesundheitsausgaben enthalten sein. Dennoch sind die
Gesundheitsausgaben nicht angestiegen. Da ich aber auch einen zunehmenden Druck sehe (bis zu ALG II) und eine zunehmende Kürzung im Gesundheitssektor, stimme ich Ihnen zu, dass das Anteil der
verschleppten Folgekosten innerhalb der Gesundheitsausgaben in 10 bis 20 Jahren höher als heute sein dürfte.
Leider haben wir seit etwa 2000 einen Quantensprung, wie man sehr deutlich an
vielen Zahlen ablesen kann (ich spreche deshalb immer von den verlorenen Jahren), denn erst seitdem greifen die verschiedenen "Reformen" so negativ, drückt die Osterweiterung der EU, der
Stabilitätspakt, die Heuschrecken usw., und erst seitdem wird die Arbeitsmarktstatistik mit Billigstjobs total vernebelt, so daß praktisch unverändert Massenarbeitslosigkeit in einer
erschreckenden Größenordnung herrscht.
Ihre Einschätzung zur Entwicklung Chinas unterscheidet sich ja deutlich von der von Herrn Flassbeck und Herrn Müller. Ich neige hier
eher den anderen beiden Autoren zu, aber wie gesagt: dies ist ein Thema für sich.
Leider muß ich Ihnen hier widersprechen. China ist längst kein Thema für sich mehr. Ohne China
wäre der globale Druck auf die deutschen Arbeitnehmereinkommen und den Arbeitsmarkt längst nicht so groß. Inzwischen machen sich da ja selbst die Konservativen in Brüssel und in
der Bundesregierung deswegen Sorgen. NachDenkSeiten, Flassbeck u.Co. sind in trautem Zusammensein mit der deutschen Großindustrie längst rechts überholt.
Wenn weniger Kinder
geboren werden, muss ihr Anteil in der Bevölkerung doch zurückgehen. Das erscheint mir so logisch zu sein, dass ich gar nicht begreife, wie man zu einem anderen Ergebnis kommen kann. Aber
vielleicht habe ich hier einen entscheidenden Denkfehler.
Der Rückgang der Kinderzahl schreitet nicht so rasant vorran, wie der Altersprozess, zumal die Geburtenziffer auf die Zahl der Frauen
im gebärfähigen Alter abhebt, also dieser Basisfaktor mit in die Gleichung kommt. Und der Rückgang der Geburtenrate hat sich gegenüber dem Abrutsch von den hohen Werten der 50er
und 60er Jahren ja (Gott sei Dank!) deutlich verlangsamt, auch wenn er noch anhält. Außerdem habe ich nie verstanden, warum Kinder als eine ähnlich große finanzielle Belastung
der Wirtschaft und des Sozialsystems angesehen werden, wie alte Menschen. Die Belastung durch Kinder wird zum größten Teil in den Familien (vor allem von den Frauen) getragen, während
alte Menschen auf das öffentliche Gesundheitssystem und die Sozialversicherung zurückgreifen müssen (die Familien springen hier weit weniger ein). Die öffentlichen Ausgaben
für Kinderhorte sind ein Klacks gegen die Alters- und Pflegeheime, in denen sich alte Menschen viele Jahre lang aufhalten, zumal das Alter zunehmend länger als die Jugend andauert. Soweit
die Jugend Bildungseinrichtungen in Anspruch nimmt, sind die Sachinvestitionen ja bereits weitgehend getan und werden Einrichtungen eher geschlossen werden müssen. Vielleicht kann man Schulen in
Pflegeheime umbauen?
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29.12.06- Kommentar
zu Mini-Jobs
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28.11.06- Kommentar
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01.11.06- Kommentar
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28.11.06- Kommentar
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28.11.06- Kommentar
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24.11.06- Kommentar
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22.11.06- Kommentar
zu Hinweis für NachDenkSeiten-Leser
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20.11.06- Kommentar
zum 500. Rundbrief
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20.11.06- Kommentar
zu Perverse Globalisierung: Krabben nach Thailand und zurück
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Vielen Dank für die Zuschrift mit den einleuchtenden Beispielen. Ich habe sie gekürzt auf die Kommentarseite gestellt und - wegen des Interesses für einige Leser - in voller Länge
angeheftet.
18.11.06- Kommentar
zu Demographie (Anmerkung: Dies ist ausnahmsweise ein besonders langer Dialog)
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