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Kommentare zum Brief an meine BesucherIinnen hier

Hinweis: Jetzt auch ausgewählte Gastbeiträge:
Karl Mai: Neuere Projektionen für Perspektiven Ostdeutschlands - hier
Jens Wernicke: Schattenkabinett aus Gütersloh - hier


Kommentare zu "Volkswirtschaftslehre für "Nicht-ganz-Dumme" - hier

Kommentare zu Diskussion mit einem Unternehmer jetzt hier



Kommentare werden anonym - soweit nicht anders gewünscht - und teilweise leicht gekürzt (keine Zensur) mit meiner Reaktion wiedergeben (soweit nicht beleidigender oder strafrechtlich relevanter Inhalt)





29.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 926 28-05-08: Die Financial Times Deutschland und die Neidkultur

mal wieder wird also das Lied von der grassierenden "Neidkultur" der Deutschen von der konservativen Wirtschaftspresse ins Land hinausposaunt. Solche durchschaubaren Ablenkungsmanöver der Gewinnwirtschaftler von den immer zahlreicher werdenden Verlierern der inzwischen auch im einstigen Land der Sozialen Marktwirtschaft üblich gewordenen "The winner takes all"-Mentalität entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. Wenn die Sache nicht so ernst wäre, müßte man über ein derart groteskes Verständnis von wirtschaftlichem Erfolg und sozialer Verantwortung eigentlich nur milde lächeln.

Hat die Soziale Marktwirtschaft, die nach ihrer fast vollständigen Zerschlagung nunmehr "ohne Adjektive" weiterwerkelt, nicht sowohl wirtschaftliche Prosperität und soziale Gerechtigkeit (sicherlich nicht völlig) über einen für das kapitalistische Wirtschaften erstaunlich langen Zeitraum gewährleistet? Warum spricht die FTD aber von einer antikapitalistischen Neidkultur in Deutschland, nur weil man hierzulande dem wirtschaftlichen Erfolg mancher Profiteure bis dato jedenfalls nicht alles Soziale und Politische untergeordnet hat und damit auch für mehr sozialen Frieden gesorgt hat? Ist die unternehmerische Freiheit der demokratichen Freiheit aller Menschen denn vorzuziehen?

Wenn die Soziale Marktwirtschaft - so schillernd dieser Begriff auch sein mag - von den Neoliberalen mit einer gut gemanagten Planwirtschaft gleichgesetzt wird, dann haben sie auf ihre Art auf das erfolgreiche staatliche Agieren in der Wirtschaftspolitik hingewiesen, das ihnen augenscheinlich ein Dorn im Auge ist.




27.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 906 21-05-08: Nichts Positives zu berichten?

Ich bitte Sie ihr Informationsportal weiterzuführen und zwar aus folgenden Gründen:

1. Sie haben relativ früh angefangen über die Fehler der heutigen Globalisierung zu informieren. Ich glaube, dass sich die allgemeine Wahrnehmung von Problemen insbesondere in den letzten Monaten sehr verstärkt hat und dementsprechend die Wirkung die Sie und andere erreichen können gewachsen ist.

2. Die Zeit arbeitet für Sie. Das statistische Bundesamt und verschiedene Wirtschaftsinstitute entfernen sich zunehmen von der Realität um die aktuelle Situation und die Politik zu begründen. Ich glaube nicht, dass dies noch lange so weiter gehen kann.

3. Sie erreichen zunehmen öffentlich Aufmerksamkeit, wie ich es ja oben schon beschrieben habe.

4. Es gibt keine Alternative zu Ihrem Portal. Nirgendwo liegen scharfe Analyse und Kritik an unserer Politik so nah, schlüssig und umfangreich beisammen wie hier.

5. Ich glaube die klare Mehrheit der Bevölkerung sieht die Globalisierung kritisch, aber auch ohnmächtig. Sie liefern die Munition und das Fundament, das es braucht damit sie kritische Stimmen werden. Ich halte das Potential Ihres Portals für enorm, aber es braucht wohl noch ein wenig Zeit.




25.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 829 18-04-08: Niedriglohnsektor verdrängt Tariflöhne

Dann die Gedanken zur Zeit, Nr. 829 und die sprechen mir aus dem Herzen.

Hier bin ich sozusagen eine Zeitzeugin, die zur Zeit am eigenen Leib Erlebt, was es heißt, unter Zeitarbeit zu arbeiten. Komischerweise unterlagen meine Diskussionsbeiträge in Focus Online und Spiegel Online immer der Zensur, wenn ich mal "aus dem realen Zeitarbeitsleben" einen Beitrag im Forum einbringen wollte.

Es geht darum, dass ich seit August 2007 über eine Zeitarbeitsfirma in einem Großunternehmen als Bürokauffrau arbeite. Sehr erfolgreich, voll des Lobes, motiviert, zuverlässig und verantwortungsvoll meinen "Job mache" als 55jährige Frau. Ich arbeite im wöchentlichen Wechsel von 6 - 14:30 und von 13:30 - 22 Uhr. Also 40 Stunden die Woche für 8,50 die Stunde. Eigentlich für 7,56 plus übertarifliche Zulage von 94 Cent. Die Kilometer zur Arbeit belaufen sich im Monat auf 1200 und das Fahrgeld erstattet mir niemand. Das Großunternehmen hat eine eigene Zeitarbeitsfirma gegründet und unterläuft somit den Tariflohn, den sie zahlen müsste, würden sie mich fest einstellen.

Das ist das Modell der Zukunft der Unternehmen. Und niemand, wirklich niemand greift dieses Thema auf und es wird nicht publik gemacht. Was ich damit sagen möchte ist eigentlich, nicht nur Minderqualifizierte leben an der Armutsgrenze, sondern ebenso qualifizierte Arbeitnehmer, die keine Chance auf gerechte Entlohnung haben durch gezielte Untergrabung der Tarife.




25.05.08- Kommentar zu: Milliardenumsätze mit der Zeitarbeit

Der Markt mit der Zeitarbeit und Personaldienstleistungen boomt weiterhin in Deutschland und beschert Milliardenumsätze. Alleine die Top 25 Anbieterunternehmen von Zeitarbeitspersonal verbuchten ein Umsatzplus von 28 Prozent im Jahr 2007 gegenüber 2006 und steigerten ihren Umsatz auf insgesamt über 7,4 Milliarden Euro. Diese Top 25 beschäftigten allein in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2007 über 258.000 Zeitarbeitnehmer - das entspricht einem Plus von über 55.000 Arbeitsplätzen. Allein der Branchenriese, die Randstadt Holding, verbuchte in Deutschland ein Umsatz plus von 24 Prozent und steigerte ihren Umsatz im Jahre 2007 auf 1,62 Milliarden Euro.

Schöne Umsätze für die Unternehmen. Ungerechte Löhne für die Leiharbeiter gegenüber den Festangestellten.




24.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 915 24-05-08: BILD: Köhlers Wiederwahl und das Ende der Großen Koalition

Gesine Schwan ist wieder so ein bedauernswertes Voodoo-Püppchen, auf die sich die Medien mit spitzen Gabeln werfen und ein herbeigezauberter Grund, DIE LINKE zu dämonisieren, gar mit Mistgabeln auf sie einzuhauen und die Koalition mal wieder (!!!) in Frage zu stellen. Solche Medienmeldungen tun nichts anderes, als die Leser/Hörer entweder in Endzeit-Stimmung zu versetzen (= Depression) oder sie gleichgültig zu machen, weil sie eh wissen, dass sich ein Regierungskrach und die Wahl des künftigen Bundespräsidenten, gar Bundespräsidentin nicht auf so eine einfache Formel "friss oder stirb" bringen lässt, wie es unsere Mainstream-Medien derzeit darstellen. Es gibt immer noch ein Grundgesetz, das große bürgerliche Sicherheit bietet, solange nicht daran herumgefummelt wird.

Da gibt es aber noch eine große Gruppe derjeniger Bürger in der deutschen Bevölkerung, die gar nix und nüscht von dem wissen, was gerade abläuft und die es auch gar nicht interessiert - weder kritisch, noch phlegmathisch. Die wissen nur, so rein aus "dem Bauch raus", dass es gut ist, bei der nächsten Bundestagswahl DIE LINKE zu wählen. Warum, wieso, weshalb, wissen sie nicht. Sie wollen den etablierten Parteien, die sie so sehr im Stich gelassen und den Sozalabbau in Deutschland so sehr vorangetrieben haben, nur mal eben was auswischen. High-Noon ist angesagt, in Deutschland.




23.05.08- Kommentar zu: Scholz, ZEIT und STERN reden die Armut klein: Das haben die Armen nicht verdient

vielen Dank für die sehr gute und fundierte "Gegendarstellung" zu den von unseren "unabhängigen" und "überparteilichen" Medien präsentierten professoralen Schönfärbereien. Ich hoffe, daß Sie uns mit Ihrem Internetportal noch lange erhalten bleiben. Denn die gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung kann nur Schaden nehmen, wenn die Medien-Berichterstattung vorwiegend nur noch die Interessen der wirtschaftlich und politisch Mächtigen bedient. Der Weg hin zu italienischen Verhältnissen mit einem mehr als halbseidenen Regierungschef, der gleichzeitig Herr über ein großes Medienimperium ist, ist dann nicht mehr allzu weit.

Erlauben Sie mir noch einige Hinweise: In Abbildung 14444 wäre die Kennzahl "Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer" hilfreich. Diese Kennzahl dürfte sich sogar leicht negativ darstellen, was nochmals ein deutlicher Indikator für

o die mindere Qualität der neugeschaffenen Stellen und

o die schlechte Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen wäre. Interessanter Nebeneffekt: Diese Kennzahl würde auch zeigen, daß die Phrase "Mehr Netto vom Brutto" lediglich von der schlechten Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter ablenken soll.

Ein zusätzlicher Hinweis wäre hilfreich: Die Bruttolöhne beinhalten auch die Gehälter von Ackermann ∓ Co. Eine Bereinigung dieser Kennzahl um die obersten 10% der Gehaltsempfänger würde eine weitere Verschlechterung dieser Kennzahl und somit ein tendeziell höheres Armutsrisiko für die übrigen Arbeitnehmer aufzeigen.# Und auch die realen Renten haben sich in Deutschland weiter verringert, hier lauert ein enormes Verarmungsrisiko für weite Teile der Bevölkerung. Außer heißer Luft (wie zum Beispiel die nähere Betrachtung der von den Medien großkotzig getauften "Rüttgers-Rente" zeigt) wird von der Politik nichts produziert.

Ein Beispiel dafür, daß die Umverteilungswirkung der sozialen Sicherungssysteme sich sogar ins Gegenteil verkehrt haben, ist die Einführung des einkommenabhängig gezalten Elterngeldes ab 2007: Je höher das Einkommen, desto höher die finanzielle Förderung. Ein klassisches Beispiel für die Umverteilung von unten nach oben, nun sogar innerhalb der Sozialsysteme. Begründet wurde dies mit der angeblich niedrigeren Zahl von Kindern bei Akademikerinnen (sind die Kinder von Nicht- Akademikerinnen weniger wert? Müßten nicht gerade diese viel stärker gefördert werden, insbesondere auch durch außerfamiliäre Einrichtungen, die auf den Abbau von Benachteiligungen dieser Kinder gerichtet sind?). Die angeblich geringere Anzahl von Kindern bei Akademikerinnen wurde in den vergangenen Jahren mehrfach bezweifelt.

Schlechter stellen sich hingegen vor allem alle Arbeitslosengeld II- (bzw. Sozialhilfe- und Grundsicherungs-) Bezieher/innen: Sie bekamen bisher über zwei Jahre hinweg 7.200 Euro und erhalten jetzt wahlweise über ein oder zwei Jahre hinweg insgesamt nur noch 3.600 Euro. Auch diese Umverteilung innerhalb des Systems der sozialen Absicherung ist in den Daten zur Armut noch nicht berücksichtigt.

22.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 909 22-05-08: Wer ist Extremist?

Genau wie Sie bin ich weder Mitglied noch Anhänger der Partei DIE LINKE und kann an dieser Partei keine extremistischen Auswüchse feststellen oder im Parteiprogramm herauslesen.

Weit aus schlimmer finde ich, dann solche Politiker und solche Sätze: "Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) warnte die SPD bereits davor, Köhler mit den Stimmen von "Extremisten" zu stürzen."

Gerade die CDU sollte sich daran erinnern, welche "Nazialtlasten" sie als Parteimitglieder hatte und in exponierten Ämtern einsetzte.

20.05.08- Kommentar zu:
Gedanken zur Zeit 906 21-05-08: Nichts Positives zu berichten?

Ihr Beitrag trifft wieder einmal den Nagel auf den Kopf. Was nützen die ganzen Arbeitsplätze die entstehen, wenn Sie nur schlecht bezahlte oder unsichere Jobs sind.

Gerade komme ich von einer kurzen Reise zurück, ich besuchte einen ehemaligen Kollegen der in den neuen Bundesländern wohnt. Wie Sie wissen, war ich lange Zeit als LKW-Fahrer tätig, und diese Branche war dann natürlich auch unser Gesprächsstoff. Und auch diese Branche zählt zu der sogenannten Dienstleistungsbranche, und auch hier tut sich etwas, wie ich durch meinen Kollegen erfahren habe. Dies wird sicherlich nicht nur ein Problem der neuen Bundesländer sein, sondern die Branche flächendeckend betreffen.

Hier nun das "neue" Arbeitsplatz´modell aus dieser Branche. Den Fahrern wird angeraten sich selbstständig zu machen ansonsten drohe Arbeitslosigkeit da die Arbeitskosten zu hoch seien. An sich nichts neues, das neue kommt jetzt: Die Anleitung zur Selbstständigkeit wird dann gleich mitgeliefert: Anmeldung eines "Gewerbebetriebs" als "SELBSTSTÄNDER TRANSPORTUNTERNEHMER OHNE EIGENES FAHRZEUG." Der Fahrer fährt nun den selben LKW wie als Angestellter und wird nun "pauschal" als Unternehmer entlohnt. Der angebotene Verdienst sieht dann so aus: Bezahlt wird pro Tag und zwar je nach Länge der Tour zwischen 100 und 150 Euro pro Tag. Der Transportunternehmer spart nun kräftig.

Bei 21 Arbeitstagen verdient der nun ehemalige Angestellte Fahrer zwischen 2100 und 3150 Euro, zahlt seine Krankenversicherung und Altervorsorge nun zu 100% selbst und erhält selbstverständlich auch keine Spesen mehr (allein die Spesen betragen im Fernverkehr durchschnittlich 50-60 Euro pro Tag). Urlaubsanspruch hat man nun selbstverständlich auch nicht mehr, und macht man trotzdem Urlaub gibt es natürlich keine Lohnfortzahlung genau wie für den Krankheitsfall. Kündigungsschutz ist auch dahin. Wer rausfliegt, und das kann ja nun täglich erfolgen, hat auch keine Arbeitslosenversicherung. Im Prinzip sind die Leute nichts anderes als Tagelöhner, mit keinen Rechten, so wie es wohl im 18.Jahrhundert üblich war.

Viele derer die aus Angst vor Arbeitslosigkeit und Hartz IV diesen Weg gegangen sind, zahlen aus Geldmangel weder Krankenversicherung noch Ihre Altersvorsoge. Wiedermal eine, aus meiner Sicht, allessagende Entwicklung im Bereich "neue Arbeitsplätze", die uns die Regierung dann als außerordentlichen Erfolg verkauft. Sind solche Arbeitsplätze das, war wir wollen und brauchen?? Wohl eher nicht. Aus meiner Sicht eine Entwicklung, die, wenn sie sich noch verstärkt, wohl eher den sozialen Frieden gefährdet als zum Wohl unserers Staates ist. Erschreckend, und ich frage mich, wie lange lässt sich das Volk noch solche Machenschaften gefallen.




20.05.08- Kommentar zu: Der Bundespräsident springt viel zu kurz: Die finanzielle Superklasse ist das eigentliche Monster!

in Ihrem Schwerpunkt werfen Sie Köhler vor, mit seiner Kritik an den Banken zu kurz gesprungen zu sein. Das glaube ich gerne; ich denke allerdings, auch der Verweis auf ein paar tausend Superreiche führt nicht sehr weit und provoziert die fiktive Gegenrechnung: ok, also wir nehmen diesen Leuten 100 Milliarden ab, dividiert durch sechs Milliarden Menschen, macht 16 Euro pro Nase zwischen Grönland und Neuseeland. Reißt uns das wirklich raus?

Natürlich nicht.

ch denke, die entscheidende Fehlentwicklung liegt in der Privatisierung der Altersvorsorge. Irgendwo habe ich mal gelesen, daß einer der übelsten Heuschreckenfonds die Pensionskasse für den öffentlichen Dienst des Staates Kalifornien sei. Dessen Manager machen sich wie alle ihre Kollegen auch an einer Aufgabe zu schaffen, die für die allermeisten Menschen eine Quadratur des Kreises ist: aus Kapitalerträgen einen laufenden Lebensunterhalt zu finanzieren. Eine Quadratur des Kreises ist das allerdings deswegen, weil auch die kalifornischen Beamten, Lehrer und Schulhausmeister ja im Arbeitsleben keine Krösusse gewesen sind, sondern halt ihre paar extra Dollars beiseitegelegt haben wie unsereins seinen Riesterbeitrag. D.h. der Kapitalertrag erweist sich für die meisten 1. mangels Masse als untauglich, einen laufenden Lebensunterhalt zu finanzieren, denn was kann man schon aus ein paar Zehntausend Euro für Zinserträge erwarten; 2. ist eine solche Kapitalrente wegen ihrer Abhängigkeit von Konjunkturen, Bankenkrisen am anderen Ende der Welt usw. naturgemäß schwankend und auch daher nicht wirklich geeignet. Das dritte Argument aber ist das Entscheidende: wenn ich meine Altersvorsorge auf Kapitalerträge stütze, dann muß ich zwangsläufig eine Heuschreckenmentalität entwickeln und Interesse daran entwickeln, daß es vielleicht mir noch einigermaßen geht, aber dem Rest der Welt mies. Denn er muß mir ja meine Profite erwirtschaften. Das Element des Leben-und-leben-lassen, das Gönnen, die Solidarität, wird systematisch eliminiert, denn welches Interesse habe ich als deutscher Rentier-Rentner daran, daß zwischen Stuttgart und Schanghai ordentliche Arbeitsbedingungen herrschen, wenns doch auf die Rendite geht. Ich würde mal die These riskieren, daß die Privatisierung der Altersvorsorge aus den Leuten lauter kleine Profitgeier macht und daß sie es ist, die heute die Massenbasis des Neoliberalismus ideologisch stabilisiert. Ein wirkliches Stück schwarzer Sozialpädagogik.

Reaktion:

Vielen Dank. Sicher, unter den Heuschrecken gibt es auch die Pensionsfonds als Geldgeber. Niemand weiß allerdings, wie groß deren Anteil ist.

Früher sagte man, der Fisch stinkt vom Kopf. Wenn wir allein in Deutschland fast 1 Million Millionäre haben (zusätzlich zu den 55 Milliardären), ist das schon keine Fußnotengrößenordnung mehr. Wenn 1.000 Milliardäre weltweit allein in einem Jahr 35 % zulegen, auch nicht. Hier läuft eine unheimliche Lawine ab. Und wenn der oberste Kopf stinkt, können die nächsten Schichten darunter auch den Hals nicht genug voll bekommen und so reißt der soziale Graben immer mehr auf und kommt zugleich das Spielgeld für das Kasino zusammen, das die Finanzinstitutionen dann mehren sollen. Ein Monster kommt so zum anderen.

Wären die Unternehmens- und Vermögenseinkommen der meist Wohlhabenden im vergangenen Jahr in Deutschland einmal nicht um fast 7 % gestiegen und wäre deren Zuwachs ausnahmsweise den Arbeitseinkommen zugute gekommen, so hätten diese statt um nominal geringe 2,8 % um schöne 6,3 % und damit 2,3-mal so stark wachsen können. Das Argument, die Wohlhabenden seien nicht so zahlreich, daß sich eine Umverteilung nicht lohne, ist daher meiner Meinung nach wenig überzeugend, auch wenn es immer wieder vorgebracht wird.




20.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 902 19-05-08: Deutschland - Das Schattenland

zwar sollte man sich seines eigenen gut begründ- und empirisch belegbaren Standpunktes nicht so sicher sein, daß man ihn nicht auch ständig kritisch hinterfragt. Sind etwa die Lebenshaltungskosten in Dänemark nicht höher als in Deutschland, so daß ein Monatseinkommen von 1133 Euro in Dänemark mit 781 Euro in Deutschland nicht direkt vergleichbar erscheint?

Aber in Sachen Mindestlohn und Armut bzw. Armutsgefährdung in Deutschland dürften die harten Fakten eine so deutliche Sprache sprechen, daß den Skeptikern und Gegnern eigentlich die "Spucke" wegbleiben müßte. Und das tut sie auch, wenn es um gute Gegenargumente geht; leider aber weniger, wenn es um das gebetsmühenartige Wiederholen von dogmatischen Glaubenssätzen geht. Mit weiteren Beweisen ist hier wohl kaum noch etwas zu erreichen, sondern nur durch den gesellschaftlichen Kampf für eine vernünftigere und gerechtere Politik in diesem Land. Dazu bedarf es aber weiterhin der informationellen Mobilisierung durch kritische Webseiten wie durch das Infoportal.

Reaktion:

Wenn Ihnen Dänemark als Vergleichsland nicht gefällt, dann nehmen Sie bitte Österreich. Dort sind es 885 Euro statt der 781 Euro bei uns.




20.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 902 19-05-08: Deutschland - Das Schattenland

als täglicher leser ihrer seite,wollte ich heute zum thema flasbeck und dem artikel im "spiegelfechter" eine meinung äußern.ich denke schon das herr flasbeck diesen exportweltmeister- fetisch hier negativ belegt. wenn er im vergleich mit usa und china das als grotesk bezeichnet.ansonsten kann ich nur hoffen und wünschen das sie trotz der 70 jahre uns noch lange erhalten bleiben.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre freundlichen Wünsche. Zu Flassbeck: Er ist notorisch in seiner neoliberalen Handelsposition, z.B. auch gegenüber China. Und hier hat er uns schließlich als Gewinner der Globalisierung bezeichnet. Das läßt sich mit dem Wort "grotesk" nicht so einfach relativieren, weil dieses Adjektiv ja nur auf den Umfang des Exports gemünzt war und erst recht die Gewinnerrolle herausstreichen sollten.




20.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 902 19-05-08: Deutschland - Das Schattenland

es ist schon verwirrend, wenn über den "Nutzen der Globalisierung" für Deutschland diametral entgegengesetzte Wertungen in die Öffentlichkeit gebracht werden:

· der "Nutzen für die Exportwirtschaft" sowie ihre Profite und Überschüsse wird hervorgehoben,

· der "Effekt" für die generelle Lohnentwicklung wird negativ interpretiert und scharf kritisiert.

Es sind dies jedoch zwei Seiten einer Medaillle, die sich auch in der Entwicklung der Lohnquote spiegeln. Daher ist zu empfehlen, die Folgen der Globalisierung künftig nicht einseitig, sondern ambivalent zu charakterisieren und damit den Unterschied zwischen dem Effekt auf die Exportwirtschaft und auf die Lohnentwicklung als gravierenden Aspekt gleichermaßen darzustellen.

Im Übrigen gewinnt man manchmal den Eindruck, dass die anti-neoliberale Kritik an der Globalisierung aus einer verdeckten Position der nationalen Interessendominanz heraus erfolgt - man möchte die deutsche Profitwirtschaft zwar optimal befördern, gleichzeitig aber auch die deutsche Lohnentwicklung im Interesse der Binnenkonjunktur optimal forcieren. Dabei steht oft der Konnex zwischen Export- und Binnenkonjunktur sowie die branchenmäßigen Verflechtungen ausser Sichtweite.

Insgesamt ist m. E. auf der Seite der Linken die komplexe Widersprüchlichkeit der globalen Konjunkturen noch nicht ausreichend "verinnerlicht", die ein immerwährendes "Auf und Ab" verheißt. Manche hoffen, dass eine "gute Wirtschaftspolitik" die globalen Krisen- und Konjunkturzyklen einebenen könnte, und sie übersehen die Labilität des ganzen Systems und die scharfen Interessengegensätze der Globalplayer und der Großmächte.

So scheut man sich offenbar - unter dem Druck des Verfassungsschutzes - die herangereiften Bedingungen für die Systemfrage direkt und offen zu diskutieren und verharrt in der Kampfposition, wer von allen als der bessere Ratgeber für den "kranken Patienten" globaler Finanzmarktkapitalismus erscheinen darf.




18.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 898 17-05-08: Der Bundespräsident springt viel zu kurz: Die finanzielle Superklasse ist das eigentliche Monster!

statt in der Öffentlichkeit eine sachliche Debatte über die Auswirkungen der Globalisierung, der freien Finanzmärkte und deren Fehler für Deutschland zu diskutieren und aktiv daran zu arbeiten, die Fehler zu korrigieren, verlustieren sich unsere führenden Eliten in Schock-Kampagnen und die Medien erweisen sich lediglich als Multiplikatoren des faktisch nicht belegten Stammtisch-Geplappers.

Deutschland scheint dem objektiven Betrachter längst zu einem Reich des Bösen geworden. Da fressen Heuschrecken die Felder leer, Parasiten saugen die Sozialkassen aus und Schmarotzer vermehren sich ungehindert in Bedarfsgemeinschaften. Nun spricht der Bundespräsident von Monstern, die uns würgen und Ackermann warnt vor einer Dämonisierung der Finanzmärkte. Wer ist eigentlich der Exorzist? Ackermann sicher nicht.

Nun fehlt, um das Reich des Bösen zu komplettieren, noch die Hexenjagd auf kinderlose Frauen und die Inquisition derselben durch erheblich steigende Sonderabgaben in die Sozialkassen.

Mal ehrlich, dieses ständige Herzaubern irgendwelcher realitätsverzerrten Voodoo-Püppchen, auf die sich die Medien mit spitzen Gabeln stürzen, sie zu pieksen, kann man/frau doch alles nicht mehr ernst nehmen und ich müsste wirklich den ganzen Tag herzlich lachen, wenn die deutsche Wirtschaft und der soziale Zusammenhalt nicht im Kern gefährdet wären.




17.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 878 11-05-08: Zur Inflation

auch ich misstraue den Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Indizien sind die oft tendenziösen Überschriften der Pressemeldungen, dass das Amt dem Innenministerium unterstellt ist und dass viele interessante Bereiche überhaupt nicht untersucht werden.

Insofern misstraue ich auch den offiziellen Inflationszahlen. Es erscheint mir logisch, dass Leute mit 1.000 Euro Einkommen einen anderen Warenkorb haben als Leute mit 4.000 Euro - und dass erstgenannte deshalb von Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln stärker belastet werden, als es die offizielle Inflation wiedergibt.

Wenn es eine systematische Auszehrung der unteren Einkommen und Renten von 3% p.a. gibt, dann haben 1.000 bereits nach 24 Jahren die Hälfte der Kaufkraft verloren und nach 48 Jahren ist von der ursprünglichen Kaufkraft nur noch ein Viertel übrig. Irreführend niedrige Inflationszahlen wären also ein relativ eleganter Weg, den fallenden Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten zu verschleiern.

Insofern sind die Berechnungen von Brachinger interessant. Stutzig macht mich allerdings der Begriff "wahrgenommene" Inflation. Bisher dachte ich, dass Inflation berechnet wird. Preis*Stück in t1 dividiert durch Preis*Stück in t0.

Ausgerechnet beim Stat. Bundesamt habe ich eine Veröffentlichung gefunden, in der Brachinger seine Methodik erklärt. Kurz gesagt: Preissteigerungen werden nach Brachinger etwa doppelt so stark wahrgenommen wie Preissenkungen und daher von ihm doppelt so stark gewichtet. Selten gekaufte Güter oder Preise die vom Konto abgebucht werden, haben kaum einen Einfluss auf die Wahrnehmung.

Brachinger versucht damit also die "gefühlte Inflation" nachzubilden. Wenn man Preissteigerungen systematisch doppelt so stark gewichtet wie Preissenkungen, führt das natürlich zu einer krassen Verzerrung der tatsächlichen Werte. Wenn man möchte, kann man mit Hilfe der Methodik von Brachinger erklären, weshalb die offiziellen Zahlen von der gefühlten Inflation abweichen. Die Erklärung dahinter lautet dann allerdings: unsere Wahrnehmung spielt uns einen Streich (und nicht: das Stat. Bundesamt fälscht die Zahlen).

Natürlich ist es nachvollziehbar, auf Brachinger zurückzugreifen, wenn man dem statistischen Bundesamt Manipulationen nachweisen möchte. Allerdings besteht vor dem Hintergrund der oben erläuterten Methodik die Gefahr, selbst zu manipulieren.

Wenn Sie bspw. schreiben "Nun hat Prof. Brachinger von der Universität Freiburg/Schweiz längst nachgewiesen, daß die echte oder wahrgenommene Inflation mit einem realistischeren Warenkorb berechnet werden muß und dann, vor allem wegen des starken Gewichts von Nahrungsmitteln und Heizung viel höher als die amtliche zuschlägt und Bezieher kleinerer Einkommen, vor allem Rentner, derzeit mindestens doppelt so stark trifft als die amtlichen Zahlen belegen" Und dann die Brachinger-Zahlen von der wahrgenommenen Inflation darstellen, dann unterschlagen Sie ihren Lesern bspw. den Effekt mit der doppelt so starken Gewichtung der Preiserhöhungen.

Ich vermute, dass es nicht ihre Absicht ist, bewusst einen falschen Eindruck zu erschaffen. Jedenfalls bin ich das von Ihrer Seite etwas anderes gewöhnt.

Eine Idee wäre, wenn Sie einmal mit Brachinger über die Thematik diskutieren (und den Lesern Ihrer Website das Interview dann zur Verfügung stellen). Eine andere Idee wäre, wenn ein quantitativ orientierter und kritischer Mensch wie Sie einmal darüber nachdenkt, welche Zahlen er vom stat. Bundesamt gerne erhoben haben würde. Es kann doch bspw. nicht so schwer sein die Entwicklung der Verbraucherpreise nicht nur nach Warengruppen, sondern nach Einkommensgruppen zu clustern.

Eine öffentliche Debatte über das stat. Bundesamt und seine Aufgaben ist m.E. dringend nötig - irgendwer muss doch mal damit anfangen.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre ausführlichen und gut fundierten Überlegungen. Mir war der etwa drei Jahre alte Artikel bekannt, der die Auswirkungen des Euro darstellen sollte. Ich hatte natürlich nicht die Absicht, den Besuchern des Infoportals den Effekt mit der doppelt so starken Gewichtung der Preiserhöhungen zu unterschlagen.

Allerdings hat Brachinger seit 2005 weitere Berechnungen mit besser angepassten Warenkörben vorgenommen. So hat er im Dezember 2007 für Rentner eine Inflation von 7 % errechnet. Dazu hat er sich in der ZEIT geäussert: "Verschiedene Bevölkerungsgruppen erleben die Inflation aber unterschiedlich. Von den Preissteigerungen der vergangenen zwölf Monate waren Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs besonders stark betroffen. Das traf Rentner- und andere einkommensschwache Haushalte besonders stark." In diesem "Rentner-Portemonnaie-Index" wird auf die 50 meistgekauften Güter eines Haushalts mit zwei Rentnern und geringem Einkommen berücksichtigt. Von April 2006 bis August 2007 stiegen die Preise demnach um 2,6 Prozent - mehr als 40 Prozent stärker als der offizielle Verbraucherpreisindex. Soweit Brachinger daneben nach Preissteigerung (doppelt so stark gefühlt) und Preissenkung verschieden gewichtet, dürfte das für die jüngste Vergangenheit mit einem konstant nach oben gerichteten Preistrend keine große Rolle spielen, da Preissenkungen so viel seltener als Preissteigerungen vorkommen.

Da das reale Kaufverhalten der Menschen im Verbraucherpreisindex kaum erfasst wird, berücksichtigt Brachinger vor allem die Kaufhäufigkeiten verschiedener Waren. Nach seiner Untersuchung sind gerade die Dinge drastisch teurer geworden, für die der Verbraucher am häufigsten zahlt. Dazu zählen vor allem Lebensmittel, Medikamente, Gaststättenbesuche und Zeitungen.

Eine alternative Inflationsberechnung wird umso wichtiger, als das Statistische Bundesamt seit 2001 die "hedonistische Qualitätsbereinigung" in der Berechnung der Inflation eingeführt hat. Seitdem werden vermeintliche Qualitätsverbesserungen von der Teuerung abgerechnet, was zu sehr willkürlichen Ergebnissen führen kann. Normalerweise benutze ich dennoch trotz aller Zweifel die amtlichen Inflationszahlen, zumal Brachinger seine Rechnungen nicht regelmäßig veröffentlicht.

Ich bin leider kein Statistikexperte, und deshalb wird es wenig Sinn machen, wenn ich selbst allein oder mit Brachinger über ein besseres System nachdächte. Auch würde mir dazu die Zeit fehlen. Übrigens hat sich das Statistische Bundesamt mit Brachinger zusammengesetzt. In Wirtschaft und Statistik heißt es dazu: "Das Statistische Bundesamt hat nicht die Absicht, nun regelmäßig neben dem Verbraucherpreisindex auch einen Index der wahrgenommenen Inflation zu berechnen, sondern sieht diese Arbeit als einmaliges Projekt an, um die Wahrnehmungskluft zu untersuchen und erklären zu können. Mit dem Vergleich zwischen IWI und VPI wird es nun allerdings sehr viel leichter möglich sein, die Unterschiede zwischen der individuellen Inflationswahrnehmung und der amtlich gemessenen Teuerung zu erklären und damit Akzeptanz für die Preisstatistikergebnisse zurückzugewinnen." Das heißt, das Amt versuchte, Brachinger zu benutzen, um Zweifel an seinem Index zu zerstreuen.




15.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 887 15-05-08: Warum kein „mea culpa" des Bundespräsidenten?

es ist nicht das erste Mal und wird wohl auch nicht das letzte Mal sein, daß im Infoportal über Horst Köhler kritisch berichtet werden muß. Der "politische" Bundespräsident, so sieht sich Horst Köhler ja selbst, mischt sich immer mal wieder in das aktuelle Tagesgeschehen ein mit seiner Amtsautorität und mit seiner (vermeintlichen) Überparteilichkeit als Bundespräsident. Kein Wunder also, daß Horst Köhler beliebt ist beim Volk, denn der "Bürgerpräsident" versteht es, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt des sprichwörtlichen "kleinen Mannes" hineinzuversetzen. Er stammt ja selbst aus äußerst bescheidenen Familienverhältnissen.

Nur warum kommen die mahnenden Worte von Köhler an die Writschaft oder die Politik meist erst nachdem das "Kind in den Brunnen gefallen" ist? Freilich mahnt der gestrenge "Volkstribun" auch vorab, aber nur, wenn es darum geht, der neoliberalen Reformpolitik zum Durchbruch zu verhelfen. Neben der "vorsorgenden" Kritik kennt Köhler nur zu gut auch die "nachsorgende" Kritik, die ihn aber nicht viel kostet, wie im jetzigen Fall mit den "Monster"-Finanzmärkten. Zwar hat Köhler in seinen diversen beruflichen Funktionen im Finanzwesen selbst kräftig an diesem "Monsterwesen" mitgearbeitet, aber wen interessiert das heute noch? Was zählt, ist, daß der beliebte "Bürgerpräsident" dem Volk mal wieder so richtig aus der Seele geredet hat und damit zeigt, daß das politische System der Berliner Republik noch nicht völlig "abgehoben" hat von den Sorgen und Nöten der Menschen im Lande. Wenigstens auf den Köhler Horst ist eben Verlaß, und dann läßt`s sich mit der neoliberalen Reformpolitik auch gleich wieder besser leben. Wer`s glaubt, wird selig.




15.05.08- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 889 15-05-08: Ein schönes Beispiel für Forschungs-Propaganda: DIW meldet „Teuerung trifft Einkommensgruppen relativ gleichmäßig"

ich sehe es jeden Tag an meinem Arbeitsplatz:

Selbst volltags arbeitende Doppelverdiener mit zwei Kindern, zwei Autos, ein Häuschen plus Abtrag etc. kommen seit vielen Monaten plötzlich mit ihrem Geld nicht mehr aus. Die Sparleistung geht zurück, allein schon, weil ja wie doll und verrückt private Altersvorsorgepakete geschnürt werden. Zusätzlich sinkt die Lebensqualität. Waren Flohmärkte früher irgendwie anrüchig, schämen sich meine Kollegen/innen nicht mehr, dort oder bei Ebay Gebrauchtwaren einzukaufen. Es wird nicht mehr im Bioladen gekauft, sondern bei Aldi und Lidl. Die, die es am heftigsten trifft, geben das Rauchen auf und verzichten auf's Bierchen in der Kneipe um die Ecke oder Restaurant-Besuche. Verzicht ist an allen Ecken und Kanten das Gebot dieser neoliberalen Zeiten.

Es ist bitter, den Niedergang des Mittelstandes so plastisch mitansehen zu müssen.

Völlig anders sieht es bei jenen Ehepaaren aus, die beide volltags arbeiten, keine Kinder haben und auch keinen Abtrag mehr auf ihr Häuschen zu leisten haben. Da werden gut 25 % des Nettoeinkommens monatlich gespart und zinsgünstig zu 4 oder gar 6 % in sicheren Papieren angelegt (z. B. Zuwachssparen bei der Sparkasse, Bundesschatzbriefe etc.). Das viele Geld vermehrt sich von ganz alleine Jahr für Jahr über Sparleistung, Zinsen und Zinseszinsen. Von der Inflation merken solche Leute nichts. Da ist sogar jede tarifliche Gehaltserhöhung völlig überflüssig, weil sie nicht benötigt wird. Das Geld wandert auf die "hohe Kante".

Die Lebensqualität dieser Leute ist entsprechend höher, denn sie sind nicht auf Schnäppchen und qualitativ minderwertige Nahrungsmittel angewiesen. Sie kaufen im Bioladen, beim Metzger, beim Bäcker, auf dem Wochenmarkt etc. und wenn ein neues Autos nötig ist, kann es bar bezahlt werden mit entsprechend hohem Rabatt, den der Händler gewährt. Die Möbel stammen nicht von IKEA, sind also wesentlich langlebiger. Die angeschafften Küchengeräte haben eine höhere Qualität, halten also wesentlich länger, als Billigwaren. Und so weiter und so fort. So kommt es, dass solche Leute immer weniger Geld in den Konsum stecken. Stattdessen füttern sie ihre Vermögensanlagen.

Diese sogenannten DINCs "Double Income, no Children" mittleren Alters müssen auch keine privaten Vorsorgeversicherungen abschließen, weil sie genügend privates Vermögen besitzen, das sich ja in 30 oder 40 Arbeitsjahren ständig vermehrt, sofern die Leute nicht ihre gutbezahlten Jobs verlieren.

Vor 20 Jahren waren die Unterschiede zwischen diesen beiden Arbeitnehmergruppen nicht so riesengroß, wie es heute der Fall ist. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich mir sichtbar jeden Tag an meinem Arbeitsplatz. Und je höher die Inflation, je stärker die Preise steigen, desto mehr leben Ehepaare mit Kindern in Angst vor der Zukunft. Sie sind zeitweise regelrecht depressiv und somit sinkt die Arbeitsleistung und das Betriebsklima sowieso. Oft schäme ich mich der Armut, die sich unter meinen Kollegen/innen leise schleichend ausbreitet und mache dafür die missratene Wirtschafts- und Familienpolitik unserer deutschen Politiker verantwortlich. Neid, der häufig genug offen ausgesprochen wird, macht sich unter den Kollegen/innen breit. Es herrscht Missgunst zwischen denen, die Kinder haben und denen, die keine Kinder haben. Kinderlose werden nicht mehr richtig ernst genommen, weil sie ja angeblich den "Ernst des Lebens" nicht kennen!

So sieht es in meinem Mikrokosmos aus. Es stimmt also nicht, dass die Teuerung alle Einkommensgruppen relativ gleichermaßen trifft. Das ist Dummfug!




14.05.08- Kommentar zu: Bankenkrise: Köhler bezeichnet Finanzmärkte als "Monster"

Warum hat denn der Herr Köhler u. andere in Amt und Würden sich nicht lange Jahre vorher gemeldet mit solchen Worten wie oben. Ausserdem ist das nicht doch eine Sache des ganzen Systems des globalen Finanzkapitalismus in dem die Banken ihre Finanzgewinne zu machen trachteten. Und die Chefs die Strategie des Geldmachens im Risiko eben mitmachen mussten - oder auch bestens bezahlt - schon dadurch auch korrumpiert mitmachten. Mir persönlich bleibt schon seit mehr als 10 Jahren jedesmal der Atem vor Schrecken stehen, wenn ich mir unter anderem auch diese Finanzmärkte angeschaut habe. Dazu muss man nicht Weltbankpräsident gewesen sein und nicht mal Nationalökonomie studiert haben. Reicht es nicht zu ahnen, dass nicht jahrzehntelang mehr Geld verdient werden kann als das Wachstum der realen Ökonomie erlaubte(BPI). Alleine der Zins ( und erst der Zinseszins) für verliehenes Geld war endlose Jahrzehnte nun schon grösser als das Wachstum. Die Aufgabe könnte man einem einfache Gymnysiasten stellen, aber auch jedem Maurer im 3. Lehrjahr. Ich denke er könnte selber darauf kommen, wenn er nicht wundergläubig ist??

Nur wer hält das lange psychisch aus in einem System zu leben und sehenden Auges mitzubekommen, dass die Macher, die Verantwortlichen dieses Systems bereit, sind uns alle an die Wand zu fahren. Mich haben meine Bekannte jahrelang nur einen Pessimisten genannt, weil sie offensichtlich gut schlafen wollten. Da sind sehr verstehbare und ernstzunehmende psychologische Widerstände im Spiel. Die musste ich bei mir selber immer wieder neu überwinden, denn ich hätte auch gerne dauerhaft gut geschlafen. Vielleicht ist es ja Herrn Köhler ähnlich ergangen und er zog es vor, sich nicht unbeliebt zu machen, auf Wunder zu hoffen, aber vor allem gut zu schlafen. "Solange die Musik spielt, spielen wir mit", so hat der Chef der Citi Bank, Charles Prince, den Zustand der Marktmacher beschrieben. Auf unser Politiker trifft das wohl zum allergrössten Teil auch zu.

Reaktion:

Natürlich haben die Insider, zu denen Köhler in der zentralen Position beim IWF an oberster Stelle gehörte, längst geahnt, was da kommen kann. Ich habe es ja auch schon seit Jahren kommen gesehen. Doch die wollten sich den Interessen der Herren des Geldes nicht entgegenstellen und so lief das Spekulationskarussel munter weiter. Zu den Hauptinteressenten gehören diejenigen, von denen das Geld im Kasino kommt und das sind die Bestverdiener und Reichen. In deren Auftrag handeln die Banken. So lange es gut geht, wird kräftig verdient und, fällt das Kind in den Brunnen, so müssen eben (wie bei der vom Bund beaufsichtigten IKW in Deutschland) die Notenbanken und die Steuerzahler und die Verbraucher über eine viel zu hohe Inflation retten.

Natürlich will man nach der Krise möglichst ungestört weitermachen. Schon jetzt schützen sich der Bundesfinanzminister und nun wohl auch der Bundespräsident vor Vorwürfen, indem sie die Kritik auf die Banken ablenken wollen.




13.05.08- Kommentar zu: 07.05.: Wochenbuch: Der Zeitarbeiter auf dem Gabelstapler

Der Bericht von Peter Djordjevic berührt das Thema Weiterbildung in und für Betriebe. Nun kann man trefflich darüber streiten, ob denn ein Stundenlohn von 8,- für als angemessen zu bezeichnen ist, zumal auch dieser Job als Gabelstaplerfahrer durchaus ein verantwortungsvoller ist (ich spare mir den Bezug auf ackermännische und wiedekindische Stundensätze).

Das Wirtschaftswachstum wird gebremst, auch durch die fehlende Bereitschaft der Mitarbeiter zur Weiterbildung, so der Tenor der Wirtschaft. Darauf hat mittlerweile die Arbeitsagentur reagiert. Sie stellte das Projekt „WeGebAU" auf. Nein, an Strassen-, Feldweg- o.ä. bau wurde nicht gedacht. Es bedeutet ganz schlicht:

Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen.

Hierfür wurden im Jahre 2008 ca 200.000.000,- zur Verfügung gestellt. Die Arbeitsagentur zahlt für jeden Teilnehmer an einer qualifizierten Weiterbildung die Lehrgangskosten, Fahrtkosten, sowie das komplette Gehalt über den Zeitraum der benötigten Freistellung und -bietet Ersatzleute an (müssen bezahlt werden). Also, es entstehen keinerlei Kosten für die Unternehmen.# Nun kommt die Überraschung: die Unternehmen haben kaum Interesse an diesem Projekt (ca. 8% der Geldmittel wurden im Jahre 2007 von Unternehmen in Anspruch genommen). Warum nicht? Viele Unternehmen arbeiten mit Zeitverträgen. Welches Interesse sollte also ein Unternehmen an einer Qualifizierung dieser Mitarbeiter haben, so die Antwort von Unternehmen? Ältere Mitarbeiter? Haben wir nicht. Also besteht auch hier kein Bedarf. Weiterqualifizierung der Stammanschaft? Brauchen wir nicht, denn wer den Leistungsanforderungen nicht entspricht wird ausgewechselt, solange bis es dann passt.

Das sind tatsächlich die Antworten, versucht man den Unternehmen dieses Projekt nahe zu legen, um die Qualität der Mitarbeiter zu erhöhen. Es ist zum Mäusemelken. Und täglich liest man vom Gejammere der Wirtschaft bezüglich der fehlenden Qualifikationen der arbeitenden Bevölkerung. Die Frage nach der sozialen Verantwortung der Unternehmen braucht man nicht zu stellen, denn sie würde unbeantwortet bleiben. Vielleicht deshalb, weil dieser Begriff nicht zum Wortschatz gehört und somit kein Bezug hergestellt werden kann?


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