. bitte
weiter-
empfehlen

NEUES SYSTEM





Hier einige Schwerpunkte:

Demo

Demo

Demo

verlierer

armut

china

skandinavien

steuer

Angst

hedge

bildung

Dummies

umwelt

 

Webseite
per EMail
weiterempfehlen

 

Mail-Zugang Fragen +Anregungen

 

Rundbrief bestellen


 

Schaubildboxen

Deutschland

Welt/Umwelt

 

Bookmark

 


Hinweis: Jetzt auch ausgewählte Gastbeiträge:
Karl Mai: Neuere Projektionen für Perspektiven Ostdeutschlands - hier
Jens Wernicke: Schattenkabinett aus Gütersloh - hier


Kommentare zu "Volkswirtschaftslehre für "Nicht-ganz-Dumme" - hier



Kommentare werden anonym - soweit nicht anders gewünscht - und teilweise leicht gekürzt (keine Zensur) mit meiner Reaktion wiedergeben





20.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 487 20-11-07: Nun endlich merkt es auch Fr. Merkel, merkt sie es wirklich? Die 74 Cents-Konjunkturrakete

.. wenn man den Unfug hört, das jeder Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Verdienst nun 400 Euro mehr hätte, nach der Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge, dann wundert es einen nicht, das nun der 74-Cent-Aufschwung propagiert wird.

Der Herr Rafelhüschen äussert sich zum deutschen Gejammer auf hohem Niveau. Mit den Loosern hat er immerhin einmal recht, das Problem ist vielleicht, das die "Hohe Gesellschaft" die Zahl der Looser unterschätzt, keine Ahnung hat, was das Leben für die Gering- und Mittelverdiener kostet.

Wenn man von der Gehaltsschere immer nur die Gewinner als Maßstab nimmt, dann kommt eben sowas heraus und mit Blick auf die Klimaveränderungen in der Wirtschaft wird das Wahljahr 2009 mehr als interessant - ehrlich gesagt glaube ich, das es den etablierten Parteien noch am Besten ginge, wenn in den nächsten 3 bis 6 Monaten Bundestagswahl wäre.

Naja, wenn das Angebot nur aus unterschiedlichen Zitronen besteht gewinnt immer Zitrone...




20.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 487 20-11-07: Nun endlich merkt es auch Fr. Merkel, merkt sie es wirklich? Die 74 Cents-Konjunkturrakete

.. ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Kommentar zur Äußerung der Kanzlerin zur Umsatzerhöhung des Einzelhandels wirklich ernst gemeint sein kann. Wohl eher nicht, vermute ich mal.

Natürlich hat die Kanzlerin Recht, wenn sie sagt, „dass wir Konsumenten in unserem Lande haben, die in der Lage sind, Geld auszugeben, um damit den Umsatz des Einzelhandels zu erhöhen". Man muss sich fragen, warum diese angesprochenen Konsumenten dem Einzelhandel denn nicht zu ihrem Glück verhilft und ihr Geld mit vollen Händen ausgeben, so dass wirtschaftlich betrachtet auch tatsächlich von einem Kaufrausch oder zumindest von einer Umsatzerhöhung gesprochen werden kann? So wie ich die Aussage der Kanzlerin interpretiere, beklagt sie auch indirekt, dass die Ober- und die Mittelschicht ihr Geld nicht in den Einzelhandel pulvern

In der Oberschicht wird die Interessenlage eine andere sein. Sie müssen sich vermutlich eher Gedanken darüber machen, wie ihr Geld schnellstmöglich wächst. Vielleicht werden sie ja zukünftig auch tatsächlich mehr Geld als im Vorjahr ausgeben. Ich persönlich hätte dagegen keine Einwände. Sollen sie mächtig viel Geld ausgeben. Nur in Deutschland sollte es sein, und nicht im Fürstentum Monaco oder in St. Moritz. Bei der Mittelschicht, die inzwischen in Deutschland immer dünner zu werden scheint, habe ich schon Probleme. Sind es nicht gerade auch diese Menschen, denen man einiges abverlangt hat und zukünftig auch abverlangen wird? Ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass sie ihr Geld ungebremst und unüberlegt mit vollen Händen ausgeben werden? Denn schlechtere Zeiten werden kommen. Sie werden zum Teil nach dem Motto: „Spare in der Zeit so hast du in der Not" vorgehen. Aber meinetwegen sollen auch sie einen Teil ihres Geldes mehr im Vergleich zum Vorjahr ausgeben. Das wird mit Sicherheit allerdings kein „Raketenumsatz" für den Einzelhandel werden. Bleibt also noch die Unterschicht als den ersehnten Konsumenten, der den Einzelhandel zum Glück verhelfen könnte. Hier muss man sich aber ernsthaft die Frage stellen, ob diese Menschen dazu tatsächlich in der Lage sind? Ist es nicht eher so, dass sie ihr Geld sofort wieder ausgeben müssen und das schon über das ganze Jahr? Ist dort Geld überhaupt noch so reichlich vorhanden, dass die Kanzlerin Wort halten kann? Ich glaube es nicht. Ihre Ausgaben werden sehr, sehr eingeschränkt sein. Viele werden überhaupt keine Möglichkeiten haben, mehr Geld auszugeben, auch wenn ihnen bald eine „Wahnsinnseinsparwelle" aufgrund der „massiven Beitragsenkung" bevorstehen wird.

Zum Schluss muss aber auch noch an die Menschen gedacht werden, die ganz oder teilweise auf Hartz IV angewiesen sind. Wo sollen die das Geld zum „Freudenfeuer" des Einzelhandels hernehmen?

Noch eine Schlussbemerkung: Es mag ja Menschen geben, die gegenüber der Kanzlerin uneingeschränkt loyal sind. Ich gehöre mit Sicherheit nicht dazu.




20.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 487 20-11-07: Nun endlich merkt es auch Fr. Merkel, merkt sie es wirklich? Die 74 Cents-Konjunkturrakete

.. natürlich gibt das ein Kaufrausch denn: ich habe mal gerechnet mit folgender Angabe Durchschnittsverdiener eine Entlastung von 270 Euro im Jahr das sind 22,50 pro Monat und der Senkung um 0.9 % bei der AV also Senkung um 45 € incl. Arbeitgeberanteil. Daraus ergibt sich lt. Dreisatz ein Durchschnittsverdienst von 5000 €. Und damit lässt sich prima einkaufen!!!!!!!

und wenn die Kanzlerin sagt, dass das der Durchschnittsverdienst ist , dann wird das wohl richtig sein!!!




16.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 477 13-11-07: Wie man das 500-fache Gehalt für den Chef rechtfertigt: Die Chefs und die Neidhammel

Zitat: „Wenn deutsche Chefs in den letzten Jahren gute Gewinne gemacht haben, war es weiß Gott nicht in erster Linie Dank ihrer einmaligen Qualifikation, sondern Dank der hervorragenden Entwicklung der Auslandsmärkte für deutsche Waren, zu der diese Chefs ganz und gar nichts beigetragen haben, oder Dank der erzwungenen Lohnverzichte der Arbeitnehmer, die ein deutsches Lohndumping auf wichtigen Auslandsmärkten,“ und vor allem der Zuarbeit der ach so neidischen Mitarbeiter dieser Chefs. Wer bereitet denn Entscheidungen vor? Wer setzt denn letztendlich die Entscheidungen in Büros und Werkshallen um?

Auch ich treffe Entscheidungen. In der Regel aber erst nach Einholung von Informationen bei meinen Mitarbeitern. Im Übrigen muß ich als Selbstständiger auch einmal betonen: arbeiten meine Mitarbeiter schlecht, so tragen diese, wie auch ich, das Risiko einer Firmenpleite und riskieren somit ihre soziale Sicherheit und Existenz. Ich bin auf meine Mitarbeiter angewiesen, da ich einerseits nicht alle notwendigen Qualifikationen und Kenntnisse, sowie die entsprechende persönliche Kapazität zur Aufrechterhaltung des täglichen Geschäftes habe. Ohne diese „neidischen“ Menschen, die Mitarbeiter wäre ich nicht in der Position in der ich jetzt bin.




16.11.07- Kommentar zu: Kooperation mit Nachdenkseiten

.. ich habe das Juwel Ihrer Webseite durch den Hinweis eines Leserkommentars im Forum der ZEIT-Online entdeckt. Ihre Arbeit ist bewundernswert und für mich sehr aufschlussreich. Ich teile Ihre Hoffnung, dass eine wachsende Zahl der Brüger dieses Landes realisiert, was sich tatsächlich hinter den Kulissen unserer korrumpierten demokratischen Institutionen abspielt.

Ihr aufklärerisches Anliegen haben Sie mit den Autoren der NachDenkSeiten, die ich ebenfalls sehr schätze, gemein. Als aufmerksamer Leser beider Blogs glaube ich zu erkennen, dass die Differenzen in den Auffassungen vor allem in der Beurteilung der Risiken der sich beschleunigenden Globalisierung liegen. Mit Ihrer Arbeit verfolgen Sie allerdings ebenfalls den Aufbau einer Gegenöffentlichkeit. Daher kann ich die in beiden Blogs wahrzunehmenden Animositäten gegen die jeweils andere Webseite nicht ganz nachvollziehen. Natürlich muss in der Sache gestritten werden, aber insgesamt betrachtet sollten die Kräfte doch zum Wohle des Anliegens gebündelt werden.

Reaktion:

Vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar zu meiner Webseite.

Nachdenkseiten und meine Arbeit ergänzen sich sicher. Leider haben NDS schon vor Monaten die Zusammenarbeit abgebrochen, wobei sie Kritik an ihrer meiner Meinung nach verharmlosenden Beurteilung der neoliberalen Globalisierung (siehe z.B. Einschätzung der Rolle Chinas und des deutschen Exports) nicht vertragen konnten. Ich meinerseits konnte einfach nicht den Eindruck aufkommen lassen, als seien wir auch hier einer Meinung. Dafür ist das Thema in meiner Einschätzung zu wichtig. Viele auf der deutschen Linken haben in ihrem traditionellen Internationalismus leider noch immer nicht begriffen, was hier anrollt, während die Konservativen inzwischen schon aufgewacht sind.

16.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 479 15-11-07: Die Angst des Weihnachtsmannes vor dem Heiligabend

.. ich muß wirklich ein ernstes Wort mit Ihnen reden.

Wie können sie nur so hanebüchene Meldungen verbreiten, wie diese, das Deutsche an Weihnachten sparen. In der Welt steht dies doch ganz anders (plus 22% für Geschenke) und die Welt wird doch nicht lügen? Es können höchstens solche Miesmacher wie Sie, den Leuten eine Angst einreden, das am Ende noch das ganze Geld, was die Leute im Überfluß zu Hause horten, weiter zurückgehalten wird und unsere arme deutsche Wirtschaft weiter zuwenig verdient. Wollen Sie, das die Verkäuferin weiter für 7,50 arbeitet? Sollen weiter Vollzeitjobs in Minibilligstellen umgewandelt werden? Soll unserer Arbeitslosenstatistik weiter über 3 Millionen bleiben? Wer das nicht will, kann ein billiges Weihnachten nicht wollen und ich rufe alle Deutschen auf, holt das Geld unter dem Sofa her und kauft euren Lieben endlich mal was teures und haltet diese Wirtschaft in Schwung, denn ist die Wirtschaft in Schwung kommt für jeden was rum!

Ein Wort noch zu diesen Lokführern, was bilden die sich ein wer die denn sind, der Reizle hat ganz recht, wer was im Hirn hat kann auch Geld machen, alle anderen werden Lokführer, einmal die Minute nen Knopf drücken kann ja nun wirklich jeder und jeder ist ersetzbar! Abgesehn vom Schaden für Deutschland, das die Gerichte sowas zulassen ist unerträglich. Wenn die mal Hartz 4 bekommen, dann wissen die erst, wie gut es denen geht. Wenn sowas um sich greift, dann kommt das Proletenvolk auch noch mit ganz anderen Sachen durch und das wollen wir doch nun wirklich nicht, oder? Wenn Mehdorn jetzt kippt, dann kippt ganz Deutschland, das sollte man sich immer vor Augen halten!

So, nach dieser ernsten Ermahnung vor mir will ich es gut sein lassen und wünsche Ihnen das Beste - und immer schön auf der Linie bleiben, das hilft doch jedem.

P.S. Sorry, war ich jetzt Sarkastisch?

15.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 476 13-11-07: Koalitionsrunde: Mindestlohn als Dumpinglohn? Ältere Arbeitslose weiter diskriminiert

nun ist es doch passiert, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen: Der Springerkonzern hat der Bundeskanzlerin und der CDU/CSU aufgezeigt wer die Zukunft Deutschlands in der Hand hat: Weder das Deutsche Volk selbst noch die Politik. Die Bundeskanzlerin hat durch ihre Weigerung, den Mindestlohn für Postzusteller mit Hilfe des Entsendegesetzes bindend vorzuschreiben, überdeutlich aufgezeigt, zu wessen Nutzen in Deutschland Politik zu gestalten ist. Nicht für die immer mehr verarmende Bevölkerung, sondern für ... Konzerne wie dem Springerkonzern. Der Springerkonzern hat die Bundeskanzlerin und die CDU/CSU in die Knie gezwungen. Damit ist die CDU/CSU zu einer Lobbyistenpartei verkommen. Mit ihrer Ablehnung haben die „Christdemokraten“ sichtbar werden lassen, dass ihnen das Kapital näher ist als die Existenzsorgen ausgebeuteter Menschen, die trotz einer Vollzeitbeschäftigung ihre Familien nicht mit eigener Arbeit ernähren können und deshalb auf Hilfe angewiesen sind. Hilfe, die von den Betroffenen nicht gewollt ist, sondern politisch aufgezwungen wird, weil die Bundeskanzlerin und ihre Lobbyistenpartei nicht in der Lage sind, ihr christliches Menschenbild auch politisch umzusetzen. Das „merkelsche und das CDU-Menschenbild“ ist ohnehin nicht so sehr christlich ausgeprägt wie es die Christdemokraten ihrer Wählerklientel gerne einreden wollen. Das christliche Menschenbild ist längst aus ihrem Focus und damit auch weitestgehend aus der Politik gerückt. Sie tragen nur noch das „C“ in ihrem Parteinamen. Für die „Christdemokraten“ist nicht mehr der Mensch im Vordergrund wie einst noch unter dem „Sozialdemokraten“ Johannes Rau als Minister- und später als Bundespräsident, der durch christliche Kreativität und durch sein Vorleben, die Würde, den Respekt, die Achtung vor dem Menschen, immer mit in seinem politischen Handeln einbezogen hat. Ihm haben die Menschen den christlichen Glauben und ein Handeln danach abgenommen. Einer Angela Merkel wohl eher nicht mehr. Ein Menschenbild, dass durch Lobbyarbeit geprägt ist und wird, kann auf keinem „christlichem Fundament“ aufgebaut sein, so jedenfalls mein Verständnis vom christlichen Menschenbild als Lutheraner. Die christliche Menschenwürde fordert geradezu die Achtung der Menschenwürde. Sie kann und darf niemals interessengeleitet aufgebrochen werden, und dadurch die Menschen in Not oder in Lebensbedrängnis bringen. Leider scheren sich die Parteien mit dem „C“ im Namen nur noch wenig darum.

Die Bundeskanzlerin und die CDU/CSU wird nun mit dem Vorwurf leben müssen, dass sie vor den Lobbyisten eingeknickt sind.




15.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 477 13-11-07: Wie man das 500-fache Gehalt für den Chef rechtfertigt: Die Chefs und die Neidhammel

wenn Linde-Chef Wolfgang Reitzel (wahrscheinlich nicht im Gegensatz zu seinen Top-Management-Kollegen) behauptet, daß diejenigen, die mehr als andere leisten, auch entsprechend bezahlt werden müßten, ist diesem Allgemeinplatz zwar nicht zu widersprechen. Aber wo leisten die Manager der großen Konzerne im Kasino-Kapitalismus heutiger Zeiten denn wirklich soviel mehr als ihre "kleinen" und "mittleren" Arbeitnehmer? Und welcher um seinen Arbeitsplatz - vielleicht auch durch Mißmanagement - gebrachte Arbeitnehmer wird schon mit einem "goldenen Handschlag" in Millionenhöhe verabschiedet? Für diese Menschen gibt es eher einen "Tritt" und die Angst vor dem sozialen und wirtschaftlichen Absturz nimmt konkrete Formen an. Nein, die wahren Neidhammel und Privilegienbesitzer sind auf den weichen Chefsesseln zu finden und nicht auf der harten und unsicher gewordenen Arbeitnehmerbank.




12.11.07- Kommentar zu: Kapitel 9: Kein Ende der Geschichte sondern immer neue Krisen

Danke Ihnen sehr; was sich ließt als seien es reine Fleißaufgaben des Zusammentragens von Fakten gewesen, ist viel mehr. Es ist in meinen Augen die Bankrotterklärung eines sich so siegessicher gebenden Systems der freien, sozialen Marktwirtschaft demokratischer Provenienz. Keinen Punkt Ihrer Ausführungen könnte man als ehrlicher Kaufmann in seinem Businessplan anführen ohne stante pede vor die Tür zum Beispiel seiner Hausbank gesetzt zu werden. Auch ist leicht abzusehen, ab wann das "System" sich in seiner Beschleunigung selbst verspeisen wird. Passend dazu die Meldung von heute, quasi am anderen Ende der Argumentationskette; danach haben sich die diesjährigen Berichte des IPCC zur globalen Veränderung des Klimas bereits erledigt, sie sind überholt. Auf die in einem zyklischen Abstand von vier Jahren erscheinenden Nachfolgeberichte zu warten erscheint angesichts eines sich selbst nährenden Dramas völlig sinnlos. In der gottgegebenen Funktion des Dramaturgen erachten wir Menschen uns für absolut; bis heute aber haben wir nur versagt, nie gewonnen und nicht einmal etwas dazu gelernt.

Daß das anders werden sollte, zumal in kürzester Zeit, daran kann keiner glauben. Es bedürfte des vollständigen Umdenkens und der totalen Umformung menschlichen Handelns und Seins. Nur ein banales Beispiel: anstatt existierende Fahrzeuge ob ihrer Emissionen hoch zu besteuern müßte man die Gesamtkosten individueller Mobilität einfordern und die Herstellung neuer, ja nur unwesentlich sauberer Autos dringend verbieten bis die Hersteller solches Material auf die Straßen stellen könnten, das sowohl emissions- als auch herstellungstechnisch nachhaltig umweltverträglich wäre. Ich weiß, angesichts extrem konsumorientierter und wachstumsfanatischer Ausrichtung konkurrierender Wirtschaften eine völlig abstruse Vorstellung. Da dem aber so ist, ist lernbar, daß eine Wende nicht vom Menschen ausgehen kann sondern er diese erfahren muß. Das kann dauern und wird schmerzhaft. Mit anderen Worten, das Leben ist hart, unerbittlich und grausam; aber einmalig.

07.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 467 07-11-07: Die Reichen: in wenigen Jahren von der Hälfte zu zwei Dritteln des deutschen Vermögens

ich frage mich langsam wie lange kann das noch gut gehen ???? 10% der Bevölkerung verfügen über 70% des gesamten Vermögens, was bleibt den restlichen 90% denn noch. Im Moment scheint es noch so zu sein das die restlichen 90% sich noch ernähren können, auch den rasant ansteigenden Zahl der Armen wird von der Politik unterstellt, das es noch für die Ernährung reicht. Ich bin mal gespannt wann die erste Zahl von Hungertoten in Europa bekannt gegeben wird.

Vor allem erschreckend ist, das von 2004 bis 2007 das sind gerade mal 36 Monate die Oberschicht sich weitere 20% des Vermögens angeeignet hat und seinen Anteil am Gesamtvermögen von 47 auf 66% gesteigert hat. Und dieser Trend wird sich nach meiner Meinung weiter beschleunigen. (Denn mehr Geld auf der Hohen Kante bedeuten mehr Zinsen, je mehr Geld ich anlege desto mehr Zinsen erhalte ich und vervielfache mein Geld mit dem Zinseszinseffekt immer schneller. Dieses Geld muss irgendwo her kommen. Endweder wird es einem anderen wegenommen oder die Regierung muss neues Geld drucken. Geld drucken bedeutet aber auch immer eine Inflation, die mit der zusätzlich gedruckten Geldmenge mitsteigt. Man erinnere sich an die galoppierende Inflation in der 20igern Jahren Deutschlands.)

Wieviel Volksvermögen eigenen sich die oberen 10% noch an?????? Wann wird hier der Reset-Knipf gedrückt denn eines ist sicher eine solche Umverteilung die immer schneller vor sich geht wird auf Dauer den sozialen Frieden und die Demokratie in Frage stellen. Über kurz oder lang muss sich, da bei den letzten 90% nichts mehr zu holen ist, die Umverteilung bei den oberen 10% fortsetzen. Wollen wir warten bis 1% der Bevölkerung über 90% des Volksvermögens verfügen??? (Naja es lebe der Sonnenkönig)

Solangsam fühle ich mich in der Zeitgeschichte um mehere 100 Jahre zurückversetzt. Eine solche ungerechte Vermögensverteilung war in der Vergangenheit schon mehrfach Realität, Realität war in diesen Abschnitten der Weltgeschichte aber auch, das die Reichen das niedere Volk nur mit Gewalt niederhalten konnten.,




04.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 459 03-11-07: Spekulanten und das Gleichgewicht der Märkte

hier haben Sie wieder mal völlig richtig den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich selbst frage mich schon seit einiger Zeit wielange sich die Weltwirtschaft angesichts dieser Spekulationsblasen noch über Wasser halten kann.

Aus meiner Sicht und das hat ja nun anhand Ihrer Zahlen bestätigt sind die Spekulationen in keinster Weise mit realen Werten gedeckt. Sollte in diesem System sich ein umfangreicher Crash ereignen sehe ich nicht nur schwarz sondern schwärzer als schwarz. Bisher weiss keiner so recht wie sich ein solcher Crash auswirken wird, aber ich habe die Befürchtung das weltweit die Banken sehr stark an diesen Spekulationen von Hedge Fonds und Privat EQ verstrickt sind und dann letztendlich mit in den Sumpf gezogen werden. Aus meiner Sicht wird die Weltwirschaftskrise in den 20igern des letzten Jahrhundert im Vergleich dazu wie ein Kindergeburtstag aussehen.

Desweiteren befürchte ich das die Spekulanten hier mit einen sehr heissem Feuer spielen und nimmt mal nur einmal den Ölpreis hier auch den Weltfrieden aufs Spiel setzten. Das Öl ist der Antriebsmotor unserer modernen Gesellschaft und Industrie. Welchen Preis vertragen die großen Lander, Industrien und Verbraucher? Ich habe hierzu mein eigener Szenario im Kopf das von vielen gar nicht ernst genommen wird.




04.11.07- Kommentar zu: 01.10.07- Kommentar zu: Sinn der Webseite

10.000 Besucher pro Woche sind eine sehr gute Bilanz; dieser Verbreitungsweg wird sich weiter entwickeln. Verstärken kann man das durch den selektiven Aufbau gegenseitiger Links; Google u.a. robots heben dann das "Gewicht" der Seite(n) an, das ranking verbessert sich weil eben auch ein noch so winziges "Netz" im Ocean des webs und der Masse der Einzelkämpfer besser erkennbar wird. Wer dann die Themen sucht bekommt Sie "früher" angeboten. Übrigens ist es schon schwierig, das nur in deutscher Sprache zu beschreiben.

Im Grunde ist es aber ein sich Verbinden ähnlich Denkender, egal ob man hier oder dort sitzt, das oder jenes macht, es macht Sinn; durch einen disclaimer geschützt erzielt es neben der web technischen auch eine human psychologische Wirkung: man fühlt sich verbunden. Dem kann natürlich die Angst vor Herrn Schäuble im Wege stehen. Kann diese - so gut vernetzt - dann nicht auch kleiner werden?




04.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 461 04-11-07: m3ko@gmx.de antwortet nicht

ich habe gerade etwas verwundert Ihren Bericht über die Reaktionen von Abonnenten gelesen, deren mail Adresse aus Versehen mit versendet worden war. Das habe ich übrigens selbst schon bei einem Newsletter des Auswärtigen Amtes aus Tel Aviv erlebt (also Profis) - und will daher nur zum Ausdruck bringen, dass diese Reaktionen völlig überzogen sind. Mail Adressen sind kein Geheimnis - das waren die guten alten Postadressen bekanntlich auch nicht. Warum bekommt man wohl sonst jeden Tag diesen ganzen Müll? Weil Rechner unsicher sind - und deren Adressbücher abgegrast werden. Unter Umständen auch bei den Leuten, die sich heute über Ihre Panne aufregen. Die Aufregung ist völlig überzogen - und Sie sollten sich über diese Kleinkariertheit, die hier zum Ausdruck kommt, auch nicht zu sehr ärgern. Das sagt Ihnen ein sogenannter "Betroffener", der in Wirklichkeit gar nicht betroffen ist.




04.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 461 04-11-07: m3ko@gmx.de antwortet nicht

als Empfänger Ihrer Rundbriefe und regelmäßiger Leser Ihrer Homepage will ich mich - anlässlich des für mich nicht verständlichen "Datenschutz-Aufschreis" bei der cc/ bcc -Verwechslung (wir alle hinterlassen bekanntlich im Internet zwangsweise eine breite Datenspur und E-Mailadressen sind sowieso beliebte Handelsware) - nur kurz für Ihr Engagement / Ihren unermüdlichen Kampf gegen die ständige politisch offenbar gewollte Volksverdummung bedanken:

Früher überkam mich bei Tagesschaumeldungen / Meldungen in der Tagespresse /Stern/Spiegel das nicht wirklich immer mit Fakten zu begründende Gefühl "da stimmt doch irgendetwas nicht in der Logik", hatte aber den Eindruck, dass nur mir das so geht. Auch auf kritische Beiträge der Sendungen "Wiso" / "Monitor" usw. habe ich am folgenden Tag eigentlich öfters einen Aufschrei in der Bevölkerung sowie politische Konsequenzen erwartet. Bis heute warte ich stets vergeblich darauf - die Bevölkerung scheint glücklich mit den offiziellen Versionen unserer Politiker, welche mit den Tatsachen m.E. immer seltener in Einklang zu bringen sind ("Wer glaubt, lebt seelisch friedlicher und muss weniger selbst nachdenken.")

Umso wohltuender ist es, über Ihre fundierten und nachvollziehbaren Berichte die Bestätigung zu erhalten, die offiziellen Meldungen nur noch mit großer Vorsicht zu genießen und quasi parallel abzugleichen mit den von Ihnen gelieferten Analysen - da wird einem dann so manches verständlicher, wenn auch nicht so, wie von unseren Politikern gewünscht..

Bitte machen Sie noch lange weiter so..




01.11.07- Kommentar zu: Sinn der Webseite

ich lese Ihre Kommentare seit Monaten. Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit, vor den Veröffentlichungen auf Ihrer homepage, vor Ihrem Engagement, ihrer Motivation und Ihrem Sachverstand. Sie machen was Gutes. Was Edles. Menschlich. Ich bewundere Ihre Ausdauer, aber bedenken sie immer die Natur der Menschen. Sie ist nicht zu ändern. Ich werde es Ihnen kurz darstellen:

Sie sind sehr sachlich und analytisch in Ihren Kommentaren und sie verstehen auch die Zusammenhänge von der ganzen Show, die in Medien, Politik und Wirtschaft vor sich gehen. SHOW: hier liegt der Knackpunkt. Genau hier. Dem Großteil der Menschheit wird ein dummdreistes Theater vorgespielt, mit wechselnden, mit gleichen Akteuren usw. Bla, bla, bla. Im ENDEFFEKT: soll nur Verwirrung und Angst unter den "Normalos" gestiftet werden. Die Massen gefügig machen ist das Motto. Eine kleine Schicht von Priviligierten baut ihre Macht und übertriebenen Luxus auf dem Blut, Schweiß und Tränen der Mehrheit auf. SO war es IMMER,zu allen Zeiten, aber was kann man dagegen tun??? Sie werden niemals auf ihre Privilegien verzichten. Also: WAS tun???? WIE dagegen angehen????

Sie, Herr Jahnke, erreichen mit Ihrer homepage und Ihren sonstigen Veröffentlichungen nur eine kleine Gruppe von klar denkenden und sozial eingestellen Menschen. ABER das ist zu wenig, um was zu ändern. Zu wenig. Die "Elite" kennt kein Gewissen, keine Skrupel, jedenfalls die meisten. Die große Masse der Bevölkerung ist träge und zudem schlecht informiert. DAS EINZIGE, was wirklich dagen angehen kann, sind neutrale Medien. NEUTRALE. Da reichen ein paar homepages nicht. Das reicht nicht. Nur die kleine Zielgruppe wird erreicht, die sowieso weiß, daß etwas mächtig nicht stimmt. Man braucht Fernsehsender, die neutral in ihrer Berichterstattung sind. Man braucht neutrale Zeitungen, Veranstaltungen, die einem großen Bevölkerungsteil die Augen öffnen. Sonst werden BILD, RTL und Co so weitermachen und niemand wird sie in ihren menschenverachtenden Handlungen und Berichterstattungen hindern. NIEMAND. Man müßte diese neutralen Medien auf kollektiver Basis finanzieren und zu einem sehr günstigen Preis anbieten, am besten zu dem Preis 0.

Dies lag mir heute auf der Seele und ich mußte es Ihnen mitteilen. Trotz allem, lassen Sie sich nicht entmutigen und machen Sei mit Ihrer sinnvollen Arbeit weiter. Aber bedenken sie immer: Es reicht nicht.

Reaktion:

Nein, so schnell lasse ich mich nicht entmutigen. Warum auch? Ich erreiche zwar pro Woche derzeit durchschnittlich nur 10.000 Besucher registiert, was bei der Unsicherheit der Registierung vielleicht 20.000 bedeutet, und weitere 500 erhalten den Rundbrief. Aber darunter sind eine Menge Mulitplikatoren aus der Politik, den Gewerkschaften, der Wirtschaftsforschung und den Medien (nicht nur den kritischen). Es ist auch kein Inzuchtbetrieb, weil jeden Tag sehr viele über Suchmaschinen kommen, da das Infoportal z.b. bei Google sehr gut plaziert ist, und über Blogs und Internetforen, dal dort Links angezeigt werden. Auch ist der Besuch der Webseit deutlich im Aufwind. Ebenso hat mein letztes Buch eine gute Verbreitung erfahren. Die 10 Schaubilder sind jetzt fast 10.000 mal nachgeschlagen worden.

Und vergessen Sie bitte nicht, auch die Sie als kleine Gruppe von sozial Eingestellte qualifizieren, brauchen immer wieder gute Argumente, um in ihren Kreisen mit solchen anderer Meinung weiter zu diskutieren. Gerade deswegen bekomme ich viele dankbare Zuschriften. Ich will meinen Beitrag nicht überschätzen, doch unterschätzen sollte man ihn auch nicht. Es geht nur so mit einer Gegenöffentlichkeit auf dem Internet, die sich immer weiter multiplizieren wird. Ich sehe aus den Links, wie die Blogs und Foren sprudeln. Das macht in USA und Frankreich, aber auch anderen Ländern, schon den Politikern Angst, die nun ihre eigenen Webseiten auflegen müssen. Mit weiteren Zeitungen, und links gibt es ja schon eine ganze Menge, ist das nicht getan. Da ist Ihr Vorschlag unrealistisch.

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hat ohnehin eine immer kritischere Meinung zur sozialen Entwicklung in Deutschland und zur neoliberalen Globalisierung, wie alle Umfragen immer wieder zeigen. Das macht Hoffnung. Also, seien Sie etwas zuversichtlicher. Diskutieren Sie in Ihrer Umgebung mit guten Argumenten.




02.11.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 458 02-10-07: Umweltschäden in China: alle 30 Sek. ein Baby mit Fehlbildungen

Ich hatte mir schon gedacht, dass Sie den SPIEGEL-Online Artikel [über die Geburtsfehler] nutzen werden, um auf die Umweltsituation in China kritisch hinzuweisen. In China sind das also zwischen vier und sechs Prozent! Das sind meiner Meinung nach vier bis sechs Prozent zu viel, so wie mir auch die drei bis fünf Prozent weltweit zuviel sind. Wie hoch mag eigentlich der Prozentsatz in Indien sein? Ob das die Wirtschaftdelegation in Begleitung von Frau Merkel beschäftigt hat? Ich hatte eigentlich auf einen Kommentar und eine Einschätzung der wirtschafts- und sozialpolitischen Wirklichkeit in Indien von Ihnen erhofft. Ich weiß der Vorwurf der China Phobie ist nicht leicht zu verdauen. Aber Sie bestätigen ihn fast täglich mit Ihren Gedanken zur Zeit. Schade eigentlich, ich finde Ihre Kommentare und Statistischen Auswertungen zu innenpolitischen Fragen sehr informativ und NachDenkensWert.

Reaktion:

Sie werden sich daran gewöhnen müssen, daß ich auch an "Ihren Genossen" in China Kritik übe, auch wenn Sie sich dann jedesmal bei mir aufgebracht melden und per Kopie an Albrecht Müller von Nachdenkseiten Ihr Eintreten für China dokumentieren. Wenn selbst Jiang Fan von der Nationalen Bevölkerungs- und Familienplanungskommission bei der Präsentation der Daten laut der Agentur "United Press International" klagte: "Alle 30 Sekunden wird in China ein Kind mit Geburtsfehlern geboren, und die Situation wird von Jahr zu Jahr schlimmer" und die Rate der Fehlbildungen viermal höher als in Deutschland ist, dann verstehe ich Ihre Verharmlosung mit Hinweisen auf Indien nicht mehr. Zu Indien habe ich mich immer wieder kritisch geäußert, sowohl zur Umwelt wie auch und gerade zur Armut und dem Kinderelend mit der entsetzlichen Unterernährung gerade erst gesten in einem Rundbrief und vor einer Woche in einem anderen. Außerdem gibt es eine ganze Schwerpunktseite zu Indien. Sie scheinen das Infoportal sehr selektiv zu lesen.




01.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 457 01-10-07: Die WELT und die 40 Millionen Arbeitsplätze

gedanken15.html#weltUnter Umständen sollten wir alle den Medien im Allgemeinen, Bild, Welt, Focus und Spiegel im Besonderen einmal Lob zollen: da eilen sämtliche Commodities, Rohstoffe, von Rekord zu Rekord, sei es ein solcher monetärer Spitze, hier Öl und Gold, oder auch nur statistischer peaks wie Energieverbrauch, CO2-Ausstoß, Temperaturentwicklung, Eisschmelze und Währungsrelationen - und es kommt trotzdem zu keinen wilden panikschürenden Meinungsäußerungen; nicht einmal wirklich mahnende Stimmen sind zu vernehmen, business as usual; im Gegenteil, glücklicherweise kaum eine Stunde, in der nicht irgendeine Erfolgsmeldung durch den Parcours gejagt wird. Doppelte Rentenerhöhung, über 40 Millionen in Brot und Butter, Arbeitslosigkeit besiegt, Wachstum, Erfolg, freie Fahrt und success wo man hinschaut. Seien wir doch dankbar.




31.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 444 26-10-07: Spielen mit Zahlen: Einkommensentwicklung in Deutschland

am Sonntag konnte man wieder sehr deutlich erleben wie die Irreführung der Menschen durch die "bekannten Lautsprecher" funktioniert. Der neue CSU-Vorsitzende, Erwin Huber, konnte bei Anne Will (vor einem Millionenpublikum!) sagen: "Wir haben jetzt die höchsten Lohnsteigerungen seit 11 Jahren. Das kommt den Menschen zugute." Donnerwetter, dachte ich im Stillen, hast du irgendetwas verpasst? Oder etwas nicht richtig verstanden?

Woher hat denn der Erwin Huber diese Meldung? Ich habe nun in der Zwischenzeit herausgefunden, woher er diese Meldung haben könnte. Spiegel-Online berichtete nämlich am 26.10.2007 mit einer dicken Überschrift: "AUFSCHWUNG Tariflöhne steigen wie seit Jahren nicht mehr, mehr Gehalt dank Wirtschaftsboom". Im Text selber bezog man sich auf eine Meldung des Statistischen Bundesamtes. "Nach Tarif bezahlte Angestellte konnten sich im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich über 2,5 Prozent mehr Lohn freuen. Das sei der höchste Zuwachs seit April 2004 gewesen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Tariflöhne der Arbeiter hätten im gleichen Zeitraum mit einer Steigerung um drei Prozent sogar das höchste Plus seit Juli 1996 aufgewiesen."

Hier kommen also die 11 Jahre her, die Erwin Huber dem Publikum und dem Fernsehzuschauer mit einem Lächeln mitteilte. Die Multiplikation ist also gelungen. Die Botschaft beim Menschen angekommen. Natürlich hat nicht jeder die Möglichkeit diese Meldung des Statistischen Bundesamtes zu überprüfen. Daher muss man sich jetzt fragen, warum das Bundesamt mit immer neuen "verquerten Meldungen" in die Öffentlichkeit kommt? Worin besteht eigentlich das Allgemeininteresse an einer solchen Meldung? Ehrlich gesagt, kann ich kein Allgemeininteresse erkennen, wenn ich nüchtern betrachte, was die Menschen in den letzten Jahren an Kaufkraftverlusten hinnehmen mussten und wie sich demgegenüber die Löhne und Gehälter im Verhältnis zu den Unternehmens- und Vermögenseinkommen entwickelt haben, und Unternehmen wohl eher die wahren Gewinner (sicherlich nicht alle Unternehmen) innerhalb des "Globalisierungsprozesses" sind. Letztendlich kommt es den meisten Menschen darauf an, was sie im Portemonnaie haben und was sie ausgeben können. Und das ist für Millionen Menschen wirklich nicht viel. Was interessiert daher die oben zitierte Meldung, wenn sie das richtige Leben nicht widerspiegelt? Deshalb muss man sich fragen, ob das Statistische Bundesamt nicht fahrlässig die meisten Menschen in die Irre führt?




29.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 451 29-10-07: BILD für "freie Fahrt"

sie habe hier unter anderm folgendes geschrieben: Japanische Autos werden weit mehr exportiert, obwohl in Japan wie in allen zivilisierten Nationen Geschwindigkeitsbegrenzung gilt. Dazu meine Frage: Halten sie eine Geschwindigkeitsbeschränkung wirklich für ein zivilisatorisches Merkmal?

Reaktion:

Meines Wissens sind die meisten Länder mit der Motorisierung durch eine Phase der blinden Liebe für das Auto und einer wenig disziplinierten Fahrweise gegangen. Deutschland ist aus dieser Phase offensichtlich noch nicht ganz rausgekommen, und leider gehört in Deutschland das Phänomen des "eng Auffahrens" bei hoher Geschwindigkeit auf den Autobahnen auch noch dazu. Gerade die hohe Belastung der Autobahnen spräche für eine vorsichtigere Fahrweise mit gleichbleibender Geschwindigkeit und weniger Springen zwischen den Fahrspuren als in Deutschland üblich. Das sind letztlich auch Zivilisationsfragen. Mein zivilisatorischer Freiheitsbegriff beschränkt sich jedenfalls nicht auf die Autobahn, wie BILD und der ADAC das uns einreden will.

Die Liebe für die Umwelt, die für eine Geschwindigkeitsbeschränkung spricht, gehört meiner Meinung ebenfalls notwendig zu einer Zivilisation, die ihr Überleben sichern will.

Kommentar

Die Frage [aus dem obigen Kommentar} schimmelt und ist hinlänglich unzureichend, da sie verallgemeinert, was Merkmal nur noch einiger ganz weniger Länder, nicht der Zivilisation per se ist. Wenn allen voran Deutschland allerdings angesichts der drohenden Probleme nicht einmal mit einem vergleichsweise mickrigen Tempolimit ein Zeichen setzen kann, dann muß man sich schon fragen, welche der anstehenden viel graviererenden Entscheidungen man der Regierung überhaupt zutrauen kann. Daß Dieselbe unter den gegebenen Umständen über die Bahnprivatisierung womöglich samt Netz entscheiden wird, schlechthin der Logistik, die als entscheidende Mobilitätsgrundlage der nahen Zukunft angesehen wird, läßt einen erschaudern.




29.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 452 29-10-07: "Volkswirtschaft für Dumme"

da gibt es den Kabarettisten Urban Priol, der in seinem laufenden Programm "Türe zu" das Thema Löhne auf den Punkt gebracht hat. Die Unternehmen baden in Geld, der Staat badet in Geld, Nürnberg badet in Geld. Jetzt komme ich und möchte auch baden. Da rammt mir s´Angela und andere das Schild vor die Füße in den Sand: "Für dich baden verboten!".

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und jede Menge Anregungen für "VWL für Dummies".

Reaktion:

Vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte und die schöne Geschichte, die ich eingefügt habe. Ich fürchte, es wird mehr Anregungen geben, als mir lieb ist.



29.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 440 25-10-07: Klimakatastrophe: Kommt es noch immer schlimmer?

Am 28.10. wurde der Deutsche Umweltpreis des DBU vergeben. Wer dies live in 3Sat verfolgt und besonders beim Statement des couragierten Nobelpreisträgers Prof. Schellnhuber genau hingehört hat, konnte vernehmen, dass die bereits jetzt in der Atmosphäre angereicherte Konzentration an klimaschädigenden Gasen ein Niveau erreicht hat, wie dies seit dem Auftauchen des Menschen auf diesem Planeten noch nie der Fall war. Nur der Trägheit, des uns am Leben erhaltenden Ökosystems, ist es zu verdanken, dass zum Beispiel Hamburg nicht jetzt schon 60 Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt (so viel Wasser ist nämlich in dem Eis dieser Welt gebunden), oder die Temperaturen in Köln nicht um 5 Grad höher liegen. Fast täglich jedoch entdecken die Wissenschaftler neues Beschleunigungspotenzial für den Klimawandel - sei es der Hinweis in Ihrem Bericht oder die drastisch gesunkene Bindungsfähigkeit der Ozeane für CO2.

Allein schon das weitere Anwachsen der Bevölkerungszahlen auf ca. 9 Milliarden Erdenbürger und der damit in Verbindung stehende Energiehunger werden aufgrund der verantwortungslosen globalen Umweltpolitik Garant dafür sein, dass uns mehr als schlechte Zeiten bevorstehen.

Hätten wir Menschen in einer großen Bandbreite die gefühlte Verbindung und somit die Gewissheit unserer Abhängigkeit von einer unversehrten Natur nicht verloren, dann würde vieles ganz anders aussehen. Die Bürger dieser Welt würden sich dann nämlich von selbst so ökologisch ausrichten, wie es der Erhaltung des gesamten Ökosystems dienlich wäre. Da wir jedoch in der breiten Masse schlichtweg vergessen haben, dass wir ein Teil dieses Ökosystems sind, blieb uns die jetzige Situation nicht erspart.

Nun, wir könnten das Ruder theoretisch noch herumreißen und wären sogar technisch dazu in der Lage, aber die Entscheidungsträger unserer Menschheit huldigen hauptsächlich nur einer Gottheit - und die heißt Kapitalorientierung. Das ökologische Gleichgewicht wird damit nichts anfangen können, denn es richtet sich nicht nach Geld oder Macht. Es ist nur auf eine Harmonie all der beteiligten Faktoren ausgerichtet. Und weil wir dies nicht wahrhaben wollen, bzw. diesem Gesetz nicht Folge leisten, wird sich wohl irgendwann in naher oder ferner Zukunft eine neue Harmonie einstellen - nur eben dann ohne diesen Zweibeiner namens Mensch, der meinte sich die Welt untertan machen zu können.




29.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 447 28-10-07: Was hat Pofalla mit seinen Sprüchen in Deutschland zu suchen?

So heroisch war die Rolle der SPD 1933 nicht. Ihr Spitzenkandiat und Ministerpräsident von Preußen Otto Braun fuhr wenige Tage vor der Wahl mit seinem Auto in die Schweiz, wo er eine Villa im Tessin besaß. Obwohl menschlich verständlich, wurde das Abtauchen von Millionen SPD Anhängern, die nicht fliehen konnten, als Verrat empfunden. Dieses Verhalten schwächte die Wahlposition der SPD in einer entscheidenden Phase, die Nazis wurden nicht einmal stärkste Partei , aber gewannen genug Stimmen , um mit Verfahrenstricks und Verhaftungen (KPD) das Ermächtigungsgesetz zu beschließen. Im Mai 1933, einen Monat vor ihrer Auflösung, waren die Sozialdemokraten dann soweit, dass sie der Regierung Hitler geschlossen das Vertrauen aussprachen und das Horst Wessel Lied sangen. Das Protokoll des Reichstags vermerkt: "Nicht enden wollender Beifall und Händeklatschen i m Haus und auf den Tribünen, auch der Reichskanzler zu den Sozialdemokraten gewendet, klatscht" (aus: Sebastian Haffner Geschichte eines Deutschen dtv , sehr lesenswert).

Reaktion:

Ja, wer ist in Deutschland schon heroisch gewesen, zumal die Nazis von der Großindustrie unterstützt wurden und sogar die deutschen Universitäten für sich vereinnahmen konnten? Fritz Stern mit seinem Wort von der "deutschen Versuchung" liegt da sicher richtig. Immerhin aber hat die SPD unter dem Hohn der Nazis die Ermächtigungsgesetze abgelehnt.Und selbst wenn die SPD nicht heroisch war, hätte ein Profalla mit seinem "in Deutschland nichts zu suchen" nicht Adolf Hitler imitieren müssen.




28.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 446 27-10-07: An meine vielleicht etwas naiven China-Freunde: Warum nicht eine CO2-Steuer auf Made in China?

Unbestritten ist, dass die VR China mit großen Umweltproblemen zu kämpfen hat. Das sehen auch viele fortschrittlich denkende Menschen in der BRD (Bundesrepublik Deutschland) so. Jedoch bemühen sich diese immer wieder um eine differenzierte Herangehensweise an dieses Problem. Sie vergessen z.B. nicht, das China immer noch ein Entwicklungsland ist! Trotz aller Fortschritte im industriellen Aufbau, Bildung und Forschung. Wir wünschen uns sicher alle, dass es der chinesischen Regierung bis in die untersten Gliederungen von Politik und den Wirtschaftsverantwortlichen gelingt, möglichst schnell den Produktionsprozess auf ein modernes nachhaltiges Niveau zu heben.

Es sind nach meiner Information eine Vielzahl von Maßnahmen geplant und zum Teil auch schon umgesetzt. Trotzdem wird es sicher noch viele Jahre dauern, bis der Anteil erneuerbarer Energien den CO2 Ausstoß spürbar verringern kann. Ich habe noch selbst erleben können, wie in der Bundesrepublik die Luft und das Wasser in den 1960er verdreckt war. Meines Wissen war die Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt auch schon eine, wie Sie sagten "Marktwirtschaft"! Erst zu diesem Zeitpunkt wurde das Thema Umwelt auf Druck der Bevölkerung durch die Politik entdeckt und die ersten wirksamen Maßnahmen wie Klärwerke und Filteranlagen für Kraftwerke verbindlich gemacht. Ein jahrlanger dauernder Umbau der Produktionsanlagen war die Folge. Und mit den Ergebnissen sind wir zu Recht immer noch nicht zufrieden. Laut WHO sterben z.B. in der Bundesrepublik jedes Jahr rund 75.000 Menschen an den Folgen von Feinstaub. Politik und Wirtschaft in unserem Land tun jedoch kaum etwas um der Belastung etwas Wirksames entgegen zu setzten.

Leider muss ich Ihnen wieder eine gewisse China Phobie vorwerfen, wenn sie sich für den Vorschlag des französischen Präsidenten für Produkte aus China eine CO2 Steuer zu erheben stark machen. Wieso nur für Produkte aus China? Wieso nicht auch aus Indien, oder Thailand und Brasilien? Oder aus den USA und Russland und den Ölförderländern der Golfregion, die das bei der Ölförderung mit geförderte Erdgas einfach abfackeln?

Nein Sie können sich gemeinsam mit Sarkozy nur eine CO2 Steuer auf Produkte aus China vorstellen. Sie können sich auch einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking vorstellen. Sie plädieren auch dafür, doch bitte keine Entwicklungsgelder für Chinesische Projekte auszugeben. Die Chinesen könnten davon am Ende noch Windkrafträder bauen. Und wenn die Chinesen 120 moderne Kraftwerke kaufen und aufbauen ist das alles nur ein Witz, wo doch alle 7 bis 10 Tage ein Kraftwerk ans Netz geht. Nach meiner Rechnung wären das bei 300 chinesischen Arbeitstagen 30-40 Kraftwerke in Jahr! Da sind die 120 modernen Kraftwerke wirklich Peanuts für einen deutschen Umweltschützer! Wenn es um Umweltschutz geht, sind auf meiner Weltkarte rund 190 Staaten zu finden. Sie haben wohl nur die chinesische Karte mit der gelben Gefahr gezogen.

Reaktion:

Zuerst eine Richtigstellung: Der von mir kommentierte Vorschlag des französischen Präsidenten zielt natürlich nicht nur auf China sondern auf Importe aus allen vergleichbaren Ländern mit "Umweltdumping", wobei China sicher das dringendste Beispiel wäre. So habe ich das auch mit meinem "vor allem China" formuliert.

Nach berechtigter und weit verbreiteter Überzeugung bringt ein neues internationales Umweltabkommen nichts, wenn sich China dem mit dem Argument "Entwicklungsland" entziehen kann. Ein Land, das inzwischen zur Werkbank der Welt geworden ist und schon im vergangenen Jahr zum größten CO2-Emittenten aufgestiegen ist, gleichzeitig aber über die bei weitem größten Devisenreserven der Welt verfügt, ist nun wirklich kein armes Entwicklungsland mehr und könnte sich ein besseres Umweltniveau durchaus leisten (auch ohne deutsche Entwicklungshilfe). Daß ein erheblicher Teil der Bevölkerung bettelarm ist, liegt an den von der Regierung mindestens geduldeten äußerst unsozialen Verhältnisse bei einer ausgebeuteten Landbevölkerung, die das Gros der Wanderarbeitnehmer stellt, und andererseits einer wachsenden städtischen Bourgoisie bis zu nicht nur ungezählten Millionären sondern nun schon über 100 Milliardären im Land.

Planungen für besseren Umweltschutz gibt es in China schon seit Langem. Doch fehlt es an der Durchsetzung. Da nützen die besten Pläne sehr wenig. Bei der Verabschiedung des Fünf-Jahres-Plans für die Jahre 2006 bis 2010 im Staatsrat war vorgesehen, binnen fünf Jahren, den Energieeinsatz gemessen an der Wirtschaftsleistung um 20 % zu senken. Die Realitäten sehen bisher freilich anders aus: So hat das National Bureau of Statistics Chinas mitgeteilt, daß der ohnehin vergleichsweise hohe Energieverbrauch pro Produktionseinheit in 2006 um 0,8 % weiter zugenommen hat. So ist auch Zhou Dadi, der die vergangenen zwölf Jahre das energiewissenschaftliche Institut des NDRC-Superministeriums geleitet hat, vorsichtig: Selbst im besten Fall, wenn alle Pläne aufgehen, werde Chinas Kohleverbrauch bis zum Jahr 2020 noch einmal um mindestens 50 Prozent zunehmen und mit ihm der Ausstoß von Treibhausgasen.

Sie verharmlosen die chinesischen Umweltprobleme total, vor allem wenn Sie dann auch noch auf Deutschland verweisen. Ich bin aber sicher: Sie werden lieber in einer deutschen als in einer chinesischen Großstand die Luft einzuatmen wollen. 16 der schlimmst verschmutzten Städte der Welt sind in China. Die Schranke der Weltgesundheitsorganisation für Schwebestoffe in der Luft liegt bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, aber in China leben nur 1 % der städtischen Bevölkerung mit weniger als 40. Für 58 % lagen 2003 die Werte über 100, das doppelte des jährlichen Durchschnittstandards in den USA.

Mit Verlaub, ich glaube nicht, daß ich die von Ihnen angebotene Nachhilfe aus "Junge Welt" nötig habe, und hoffe sehr, daß dies nicht Ihre einzige Informationsquelle zu China ist. Die "Junge Welt" verteidigt laut Wikipedia eine historischen Legitimität der DDR (füher hieß sie einmal "Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend"); die Genossen in China standen sicher immer hoch im Kurs. Ihre Abkürzung "BRD" gehört auch zu dieser DDR-Tradition.




28.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 446 27-10-07: An meine vielleicht etwas naiven China-Freunde: Warum nicht eine CO2-Steuer auf Made in China?

.. vielleicht darf einer der "naiven" China-Freunde danach fragen, wie Sie den Tatbestand einschätzen, daß China nicht von den USA abhängig ist, ganz im Gegensatz etwa zu den lateinamerikanischen Ländern im "Hinterhof Amerikas". Diese Länder spielen aus verständlichen Gründen in der Weltpolitik kein Rolle und können deshalb auch kein Gegengewicht zur der Hegemonialmacht USA bilden, China aber umso mehr. Und die Lage der Menschenrechte und der Stand der wirtschaftlichen Entwicklung ist in den von den USA abhängigen Ländern auch nicht besser.

Reaktion:

Die Gedanken zur Zeit, auf die Sie sich offensichtlich beziehen, haben sich mit der von China ausgehenden Umweltgefahr befaßt. Mit dem amerikanischen "Hinterhof" in Lateinamerika, von dem Sie sprechen, hat das eigentlich nichts zu tun. Viele lateinamerikanische Länder haben sich in den letzten Jahren immer stärker auf China und Europa hin orientiert, so daß ich auch deshalb mit dem Begriff "Hinterhof" vorsichtig sein würde. In wirtschaftlicher Hinsicht verlieren übrigens einige der Nachbarländer der USA, vor allem Mexiko bei Lederwaren und Bekleidung, durch chinesisches Dumping erheblich Weltmarktanteile an China.

Immerhin sind die meisten der lateinamerikanischen Länder, wie Brasilien, Argentinien oder Chile (die drei größten) im Unterschied zu China Demokratien, die nicht von einer Einheitspartei, wie der KPC, beherrscht werden. Auch deshalb verstehe ich Ihren Vergleich eigentlich nicht. Wenn man China kritisiert, weil es die Welt mit Lohn-, Währungs- und Umweltdumping überzieht (was Lateinamerika nicht tut), muß man nicht gleich auch Kritik an Lateinamerika üben, zumal wenn der Vergleich hinken würde. Das Infoportal unterliegt in dieser Hinsicht keinem Gebot einer künstlichen Ausgewogenheit.




01.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 443 26-10-07: Sarkozy trifft einen Umweltnagel auf den Kopf

.. Ja, die Neoliberalen werden sich mit Haut und Haaren gegen alles, was ihre Pfründe belastete, wehren; zu sehen auch am Beispiel Gordon Browns, der gerne mit Mrs Merkel über die viel zu toughen CO2 Ziele der EU spräche; er meint nämlich, daß die britische Wirtschaft darauf nicht vorbereitet sei. Hat er ja Recht! Mehr noch: hier zu erleben, wie Energie in welchen gigantischen Mengen verschleudert wird bedeutet bei allem Wohlwollen - und das gründet schon reichlich in der freien Wahl eben hier zu leben - die Bankrotterklärung sämtlicher Ziele, ob Kyoto, EU oder sonstiger Provenienz. Diese outen sich per se als hohle Phrasen.

Weder gibt es eine Zunft der Schornsteinfeger, gemeint ist natürlich deren Funktion als Kontrolleure und Wächter dringender bestimmter Emissionsziele, auch thermischer Verluste (regelmäßige Schornstein-Abgastemperatur > 400°C! - NOx zu messen ist unbekannt!) noch interessiert sich irgendjemand für wirklich effiziente Erzeugung und Distribution. Die Standards im Bau stehen im Vergleich zu Deutschland irgendwo zwischen 1975 und 1985; das 25 Liter Haus ist ganz normal und dabei wirbt Mr Brown für "Zero Carbon Housing schon von 2016 an". Kein Handwerker weiß, was das sein soll oder gar wie es erreicht wird; auf Nachfrage erklärt der Premier es sollten Häuser sein, die nicht weiter zur globalen Erwärmung beitragen und ein enger Mitarbeiter präzisiert es dann als "vergleichbar" mit den Passivhaus Standards Deutschlands, wobei das letzte Wort nur leise gesprochen wird. Man wähnt sich versetzt in die Zeiten des Turmbaus zu Babel: jeder baut irgendwie, spricht mit Gewalt eine andere Sprache und orientiert sich bestenfalls an anderswo Erprobtem, dem aber im Zweifel das falsche Lokaladverb voran steht. So wird das nie was!

Angesichts der noch zaghaft, nach Nobels Preis für Al Gore "glücklicherweise" immer schneller durchsickernden Befürchtungen, vor einem Klimagau zu stehen, was im Grunde der Gau der Menschheit sein wird, bewegen sich diejenigen, die noch immer versuchen, die Diskussion und vor allem die notwendigen Entscheidungsprozesse zu verhindern, auf kriminellem Terrain. Den Haag wird Beschäftigung finden wenn es denn nicht untergegangen sein wird.




25.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 442 25-10-07: Alles kommt besser als erwartet, die Zukunft ist rosig (so unsere Medien)

.. ich stimme mit Ihnen überrein, der Optimismus unserer Politiker, Medien und den Finanzstrategen scheint zur Zeit keine Grenzen zu kennen.

Auch Herr Sinn von IFO gibt optimistische Interviews und hält alles für nicht so schlimm. Auch er stellt sich vor die Presse und verkündet der Geschäftsindex ist zwar zum 6ten mal in Folge gefallen, ABER er wäre immer noch historisch gesehen auf sehr hohem Nivoue. Tut mir leid Herr Sinn hier kann ich Ihnen nicht mehr folgen. Der Geschäftsindex ist auf dem tiefsten Stand seit 2 Jahren die Kurve zeigt unaufhaltsam bergab und Sie halten das dann für ein hohes Niveau. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob Sie als Professor nicht gelernt haben, wie sich Trends entwickeln und wie man diese komentiert und bewertet. 6x Minus in Folge ist meiner Ansicht nach schon mehr als ein TREND.

Gleichzeitig gibt Herr Sinn bekannt, daß der Export so langsam stagniert, die Inflation auf einen Wert von 2,1% auswachsen wird (3% hält er für abwegig, ohwohl das Volk schon lange wesentlich mehr fühlt) und der Aufschwung sich abbremsen wird. Er sagt 2% für 2008 voraus und kommentiert dann auf Grund der genannten Risiken auf N-TV:

"Ich halte Wachstumsraten von 2% für 2008 für realistisch und die werden zum größten Teil durch eine erhöhte Binnennachfrage erreicht werden. Allerdings ist hier das Prinzip "Hoffnung" angesagt. Hoffnung darauf, daß sich die Binnennachfrage von derzeit -0,1 in ein +2,0 steigert, die Lohnabschlüsse waren ja 2007 überdurchschnittlich hoch und werden bei den Leuten ankommen."

Wie bitte Herr Sinn????????? Ich glaube Sie haben sich versprochen, als Sie das Prinzip Hoffnung angeführt haben. Hoffnung kann doch keine Grundlage für eine seriöse Prognose sein, es zeigt vielmehr, daß Sie selbst an Ihre Prognose nicht glauben sondern nur hoffen. Die Leute können sich aber von Hoffnung nichts kaufen. Wie kommen Sie darauf, daß die Lohnzuwächse, die die Gewerkschaften realisiert haben, bei den Leuten ankommen. Große Teile der Arbeitgeber haben sich aus dem Tarifvertrag verabschiedet. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer werden eben nicht nach Tariflohn entlohnt. Hier kommt zunächst erst mal gar nichts an. Die Preisstiegerung in diesem Jahr ist die höchste seit 13 Jahren und frißt Lohnerhöhungen ebenfalls teilweise auf. Weiter werden die Verbraucher durch die steigenden Energiepreise belastet. Das große Heer der Rentner , ALG1- und ALG2-Empfänger sowie die Mini-Jober und Niedriglohnsklaven haben keinen Cent mehr der den Konsum ankurbeln könnte.




25.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 438 24-10-07: 73 Prozent der Deutschen: Die SPD hat das Vertrauen der Arbeiter verspielt

.. weil sich die SPD von den Arbeitnehmern immer mehr entfernt hat, bin ich aus der SPD ausgetreten. Seitdem befinde ich mich in einem neuen „politischen Findungsprozess“. Als Gewerkschafter und Sozialdemokrat war das kein leichter und einfacher Schritt. Am Ende konnte ich mich aber nicht mehr mit der SPD identifizieren, und wollte die aus meiner Sicht „entsozialdemokratisierte Politik “ der SPD einfach nicht mehr mittragen und genau so wenig mitfinanzieren. Die SPD hat für „Kehrwende von den Arbeitnehmern“ einen hohen Preis bezahlen müssen (Auszug aus vielen Landesregierungen) und wird vermutlich auch zukünftig die Konsequenzen aus ihrem „politischen Richtungswandel“ ziehen müssen. Dies zumindest belegt die Forsa / Stern-Umfrage. Ich persönlich zweifele nur wenig daran, wenn ich mich in meinem Umfeld umhöre, so kann ich das nur bestätigen. Die SPD verliert immer mehr an Zuspruch bei den Arbeitnehmern, aber auch innerhalb der eigenen Mitglieder, wie Ottmar Schreiner in der FAZ vom 10. September 2007 erläuterte: “Mehr als zwei Drittel der verbliebenen Parteimitglieder lehnen wichtige Vorhaben der großen Koalition wie die Rente mit 67, die Gesundheitsreform, die Reform der Unternehmenssteuer, die Privatisierung der Bahn und den Einsatz in Afghanistan ab. Die Politik der sozialen Demontage führt zur politischen Demontage der ältesten Partei Deutschlands.“

Wenn ich in der Süddeutschen lesen muss, dass von SPD-Politikern (G. Andres, M. Caspers-Merk, G. Erler, S. Kastner, M. Müller und E.-D. ) in einem Grundsatzpapier (Titel: Die Agenda 2010 hat den Selbstbetrug beendet) für eine Weiterentwicklung des Reformprozesses, der unter Gerhard Schröder begonnen wurde, plädieren, muss ich mich an den Kopf fassen und fragen, ob diese Genossen immer noch nichts verstanden haben. Einerseits plädieren sie für eine Weiterentwicklung des Reformprozesses andererseits beklagen sie, „dass Sinn und Inhalt von Reformen entleert, ökonomischen Interessen untergeordnet oder populistisch missbraucht wurden. Reform heißt nicht Anpassung oder Abgrenzung, sondern - wie der Duden definiert - die "planmäßige Neuordnung, Umgestaltung und Verbesserung des Bestehenden.“




24.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 433 22-10-07: Und nun die Inflationsangst

.. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die fixen Nebenkosten für mein schuldenfreies Eigenheim für 4 Personen anhand der Kontoauszüge zusammengzählt: In 2006 fielen 650 EUR pro Monat an. 2007 werden es mindestens 5% mehr werden - geschätzt. Das waren aber nur die reinen Kosten für Strom, Wasser, Abfall, Steuern, Heizöl... Eine Instandhaltungsrücklage zu bilden war nicht möglich. Die Kinder sind in der Pupertät und essen für 2. Demnächst werden sie wohl studieren und dann - was dann? Plan B! Haus verkaufen und downsizen, wie es die Engländer uns vormachen. Wenn es denn jemand haben möchte...

Was mich interessiert, ist die Zukunft. Und da stellen sich mir doch einige Fragen.:# Welchen Schaden kann das momentan in Hülle und Fülle in Finanzanlagen gehortete Geld anrichten, wenn es explosionsartig den "Tresor" verlässt? Diese Summen, die um den Erdball kreisen sind doch nie und nimmer durch Waren und Rohstoffe hinterlegt. Auch die Alterssparwütigkeit, die von der deutschen Politik befürwortet wird, geht nur in Finanzanlagen. Könnte es nicht sein, dass wir plötzich eine Hyperinflation bekämen, wenn alles Geld aus diesem "Tresor" wieder in den Konsum eines Tages fließt?

Für mich habe ich die Fragen beantwortet: Jetzt konsumieren in Europa und nicht sparen. Die Amis machen es uns vor. Jetzt Job kündigen und Vermögen verbrauchen. Jetzt ist das Geld noch etwas wert. Eine Hyperinflation wird die Vorsorge pünktlich zum Rentenbeginn der Babyboomer aufgefressen haben - in 20-25 Jahren. Und dann wird nur der Rente bekommen, der nicht gespart hat. Wer so dumm war, "Eicheln und Nüsse zu sammeln" wird diese auf eine Grundrente angerechnet bekommen.



22.10.07- Kommentar zu: Deutsches Lohndumping

.. heute hat das ARD in der Sendung Report wiederholt über dieses Problem [gemeint ist der Export von Lohndumping in die Schweiz] berichtet. Die Schweizer Behörden sehen hier die schwerwiegende Beteiligung der Bundesanstalt für Arbeit. In der Sendung wurde gezeigt, wie deutsche Arbeitslose über Vermittlungsgutscheine (Wert 2000 Euro die die BA an die Vermittler auszahlt) in die Schweiz vermittelt werden. Dort werden den deutschen Gastarbeitern Arbeitsverträge untergejubelt (da diese die schweizer Gesetze nicht kenner) die bis zu 50% unter dem schweizer Mindestlohn liegen. Manche Vermittler vereinbaren mit den Arbeitslosen zusätzlich noch schriftlich das 5 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde als Vermittlungsprovision dauerhaft an den Vermittler abzuführen ist. (Ich dachte Sklavenhaltung gibt es in Europa nicht mehr). Die Schweizer Unternehmen nehmen dies zum Anlass um wiederum Ihrerseits die einheimischen Arbeitskräfte unter Druck zu setzen um entsprechende Lohnkürzungen durchzusetzen.

Besonders brisant finde ich, das nach schweizer Recht eine Vermittlung durch dritte von Deutschland in die Schweiz verboten ist und eine rechtswirdrige Handlung ist an der sich die Dt. BA trotz Kenntnis der schweizer Gesetze wissentlich beteiligt. Die Ba stellt den "Vermitterln" sogar die Jobvermittlung zu Verfügung und versorgt die Vermittler mit entsprechenden Arbeitslosen. und zahlt dann obwohl rechtswidrig pro Person 2000 Euro aus. Ein Verantwortlicher der BA wird in der Sendung interviewt und der meinte: Für die betroffenen Arbeitslosen wäre es besser in der Schweiz immer noch 50% des Mindestlohns zu verdienen als in Deutschland arbeitslos zu sein. Da hört sich für mich so an als wenn die BA mit allen Mitteln, auch wenn diese rechtswidrig sind, dt. Arbeitslose in die Welt zu exportieren. Hauptsache die Statistik stimmt. Es ist befremdlich mit welcher Selbstverständlichkeit dies stattfindet.

Die schweizer Behörden sehen sich hintergangen und mahnen an das Deutschland nichts gegen den Lohn-Dumping-Export unternimmt obwohl schon mehrfach seitens der Schweiz interveniert wurde. Auch sehen die schweizer Behörden eine zunehmende "Fremdenfeindlichkeit" besonders gegen Deutsche die gerade dabei sind mit Lohn-Dumping den innern Frieden der Schweiz zu gefährten.

Weiter habe ich die Befürchtung wenn dies bei der Schweiz der Fall, wird sich die BA auch für dem Export der Arbeitslosen und Niedrigstlöhnen in die restliche Welt beteiligen. Die Dt. BA saniert sich allso auf Kosten anderer Staaten.




01.10.07- Kommentar zu: Bildung

.. Ich denke, die gesamte OECD-Argumentationskette ist schlicht "zu kurz" gegriffen und erfasst in keiner Weise die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems, die selbst von vielen Bildungsexperten und -politikern (die "nur studiert", aber nie einen "richtigen Beruf" erlernt haben...) nicht gesehen werden. Von der OECD werden so die Maßstäbe der im "angelsächsischen Bildungsraum" verschulten berufsvorbereitenden Bildung einfach auf Deutschland übertragen.

Aber:

- niemand erfasst dabei die hoch- und höchstqualifizierten Abschlüsse aus dem Bereich der dualen beruflichen Bildung in Deutschland, die sich - nimmt man z.B. solche Berufe wie den Mechatroniker (der inzwischen in aller Welt kopiert wird!!!) - ohne weiteres mit Hochschul- oder akademischen Abschlüssen vergleichen lassen können. (Endlich hat nun auch die deutsche Politik erkannt, dass die betonierten Schutzwälle zwischen der Berufs- und Hochschulbildung in Deutschland abgerissen werden müssen... denn in aller Welt werden PRAXISERFAHRENE Fachleute mit hohem Bildungsabschluss nachgefragt, die auch die von der OECD hoch gelobten Bildungssystems NICHT hervorbringen....)

- Niemand rechnet dabei so hoch qualifizierte Abschlüsse wie die des (nun endlich in Europa wenigstens formal anerkannten) deutschen Meisters in diese Bildungsstatistiken ein...

- und niemand erfasst die nach wie vor immensen finanziellen Aufwendungen der deutschen Wirtschaft (vor allem des deutschen Mittelstandes, der damit seine führenden Positionen in der Weltwirtschaft ständig untersetzt....) in der dualen Berufsaubildung, die - siehe oben - sich von ihrem qualitativen Anspruch in vielen Feldern durchaus mit Hochschulstandards anderer Länder vergleichen lässt....

Soviel vielleicht als erster kurzer Kommentar...

Reaktion:

Vielen Dank für den Kommentar. Allerdings glaube ich nicht, daß Ihre sicher berechtigten Hinweise daran vorbeiführen können, daß in Deutschland die Bildung mehr als in den meisten anderen Ländern vom Geldbeutel der Eltern abhängt, daß viel zu wenig in die Grundschulausbildung investiert wird und daß die Hochschulquote in Deutschland besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern stark zurückhängt. Ein Vergleich mit den skandinavischen Ländern zeigt das überdeutlich. Auch finanzieren deutsche Unternehmen die Fortbildung viel zu wenig. Alles in allem tun wir viel zu wenig, um uns für den ständig härter werdenden Wettbewerb, vor allem mit Asien vorzubereiten, wo sehr viel in die technische Bildung investiert wird.




20.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 427 18-10-07: Endlich begreift die EU-Kommission die China-Realität

.. Ich lese Ihre Seiten seit einer Weile, häufig mit viel Sympathie und Zustimmung. Ein Ärgernis ist jedoch Ihre Kommentierung von allem, was mit China zu tun hat. Sie mögen dies als "chinophil" zurückweisen und wegwischen, mein Eindruck ist, aber, dass Ihre Berichterstattung und Kommentierung bezüglich Chinas sinophob und voreingenommen ist. In einer Reihe von Punkten publizieren Sie unwahre Behauptungen.

Eine unwahre Behauptung ist z.B. die der "völkerrechtswidrigen Besetzung Tibets" durch China. Man kann an der chinesischen Tibetpolitik vor allem der Vergangenheit gewiss mit Recht Kritik üben. Und auch heute gibt es Verstösse gegen Religionsfreiheit und Menschenrechte. Aber Tibet war stets Teil Chinas in seinen international anerkannten Grenzen. Was die chinesische Regierung 1950 getan hat, war nichts als die Ersetzung einer weiteren lokalen Administration, wie sie das mit Warlords und Regionalfürsten anderswo (z.B. in "Mandshuguo", dass im Unterschied zum Lamaregime in Lhasa von rund zwei Dutzend Staaten anerkannt war) auch getan hat. Nebenbei gesagt, war das Lamaregime mit seinen Verstümmelungsstrafen (z.B. Zunge heraus- reissen für Meinungsdelikte) und seinen blutigen Palastfehden (informieren Sie sich mal, wie lange der Reting Rimpoche totgefoltert wurde, und was aus dem fast tausend Jahre alten Reting-Kloster wurde - das waren keine Roten Garden) keinesfalls ein Hort der Menschenrechte.

Ebenso ärgerlich finde ich, dass Sie ignorieren, dass fast alles, was an Armutsbekämpfung in den letzten 25 Jahren stattgefunden hat, in einem Land passiert ist, nämlich China. Dort sind in diesem Zeitraum laut UNDP ca. 520 Millionen Menschen aus dem Status der absoluten Armut (weniger als 1$ PPP pro Tag) herausgekommen. Es ist gewiss richtig, auch auf die Schattenseiten des chinesischen Booms hinzuweisen, Sie sind aber nur feindselig und einseitig.

Dazu gehört auch die Behauptung, die Chinesen dürften nicht streiken. Haben Sie von dem grossen Streik in Xianyang 2004 nie gehört? Selbst bei China Daily und Hsinhua wurde schon gestreikt. Lesen Sie nie die Berichte in Labournet, bei der IG Metall oder in den Zeitungen in Honkong (bes. The Standard), wo fast täglich Berichte über Streiks in China zu finden sind?

Tatsächlich durften Chinesen in Staatsbetrieben nicht streiken - getan haben sie es trotzdem nicht so selten. Ein generelles Streikverbot in Privatbetrieben gibt es nicht, im Unterschied etwa zu Singapur. Man kann der chinesischen Diktatur viel vorwerfen, aber das Erfinden falscher Vorwürfe macht nicht glaubwürdig. Bei den Arbeitskonflikten greifen regionale und zentrale Behörden oft zu Gunsten der Streikenden und Protestierenden ein, nicht selten kommt es zur Festnahme von Fabrikleitern, die schwere Verstösse zu verantworten haben.

Auch bezueglich der Energiewirtschaft lese ich bei Ihnen Falschinformationen mit feindseligem Unterton. So trifft es zwar zu, dass China viele Kohlekraftwerke baut. Es stimmt aber nicht, dass dabei gezielt umwelt- verschmutzende Technologien zum Einsatz kommen. Vielmehr hat China in Europa und den USA ca. 120 moderne Kohlekraftwerke mit höchsten Wirkungsgrad- und Immissionsschutzwerten gekauft und baut sie gegenwärtig auf - sie ersetzen vorrangig alte Dreckschleudern mit niedrigem Wirkungsgrad. Davon abgesehen führt China - auch technologisch - bei der Solarthermie und der kleinen Wasserkraft und baut derzeit Windkraft und andere erneuerbare Energien stark aus. Auch hier wäre also Mässigung und Differenzierung angebracht. Auch wenn ich die Besorgnisse über den Anstieg der CO2- Emissionen in China teile, finde ich, Sie sollten den Blick auf das Wesentliche nicht verlieren. Das ist nämlich, dass heute über zwei Drittel der US-Industrieproduktion, fast die Hälfte der japanischen und über ein Drittel der europäischen von vor 25 Jahren in China stattfinden. Dadurch sind die CO2-Emissionen in China gestiegen, aber wieso sind sie in den USA, Japan und der EU nicht gesunken? Das ist meiner Meinung nach die Tür, vor der wir zu allererst zu kehren haben.

Reaktion:

Natürlich erwarte ich nicht, daß die Besucher alle oder auch nur einen Teil meiner Meinungen teilen, vor allem nicht bei China, wo es in Deutschland nach meinem Urteil sehr viel Blauäugigkeit gibt, zumal die offiziellen Stellen ständig die Exportchancen an die Wand malen. Und wenn Sie das mit emotionaler Verärgerung quitieren müssen, so brauchen Sie die "Gedanken zur Zeit", die persönliche Meinungen ausdrücken und deutlich von den auf die Fakten orientierten Rundbriefen und Schwerpunktseiten abgesetzt sind, ja nicht aufzusuchen. Diesmal habe ich den sehr kritischen Kommentar des an sich neoliberalen Handelskommissars Mandelson nicht vorenthalten wollen. Ich habe dann über die Gründe für die Chinophilie nachgedacht: "Der Handel mit der Ausbeutung der chinesischen Unterklasse und dem Dumping-Druck auf deutsche Löhne kann es kaum sein. Die Ein-Kind-Familie mit der häufigen Abteibung von Mädchen wohl auch nicht. Das undemokratische chinesische Regime hat eigentlich nie Anlaß für besondere Zuneigung geboten, weder in dem mit Nord-Korea gemeinsamen Angriff auf Südkorea, noch im Angriff auf Vietnam, noch mit der Millionen Menschen in den Tod oder die mentale Vernichtung treibenden Kulturrevolution, noch in der Aneignung Tibets, noch mit der Niederschlagung der Aufstands auf dem Tienanmen-Platz in Peking, noch in der Unterstützung menschenverachtender Regime von Burma bis Somalia, noch mit den jüngsten Schritten zur Militarisierung des Weltraums und erst recht nicht mit den nach Weltbankbericht 460.000 Umwelttoten pro Jahr."

Sie greifen jetzt den sehr kurzen Hinweis auf Tibet heraus. Darüber könnten wir lange diskutieren, was ich an dieser Stelle nicht tun möchte. Dagegen sagen Sie nichts z.B. zu Tienanmen oder den 460.000 Umwelttoten. Auf dem China-Schwerpunkt finden Sie den ausdrücklichen Hinweis auf die Beseitigung des Hungers: "Daß gleichzeitig der Hunger beseitigt und viele Grundbedürfnisse trotz noch weit verbreiteter Armut gedeckt werden konnte, war ein enormer Erfolg." Allerdings hat sich seitdem ein sehr neoliberaler Kurs durchgesetzt, bei dem der Unterschied zwischen Arm und Reich immer größer wird. Das stellt auch die Weltbank fest. Auf die dunkle Seite des Booms, an der im übrigen auch Unternehmen aus Deutschland beteiligt sind, aufmerksam zu machen, halte ich für dringend nötig, da es in den normalen Medien ziemlich wenig geschieht. Mit Feindseligkeit hat das meiner Meinung nach nichts zu tun.

Der größte Teil der chinesischen Industrie ist immer noch staatlich, so daß das Streikverbot sehr breit greift. In der Privatwirtschaft gibt es häufig keine Gewerkschaften, die Streiks ausrufen würden. Einige wilde Streiks sind in China in jüngster Zeit sehr gewalttätig von Schlägertrupps mit Kontakten zu amtlichen Stellen unterdrückt worden, wenn man den Berichten Glauben schenken kann.

Wenn in China alle sieben bis zehn Tage ein neues großes Kohlekraftwerk ans Netz geht, dann machen die von Ihnen erwähnten im Ausland bestellten 120 modernen Kohlekraftwerke wenig Unterschied. Was in China umweltmäßig passiert, läßt sich meiner Meinung nach nicht so verharmlosen, wie Sie das tun. Davor stehen schon die erwähnten enormen menschlichen Opfer, die das kommunistische Regime bisher in Kauf nimmt und vor allem der Umstand, daß die Emissionsintensität bisher keine Tendenz entwickelt hat, auf das in Europa oder USA übliche Niveau zu sinken. Wenn über die nächsten 25 Jahre allein die Treibhausgase aus Chinas Kohlekraftwerken die Treibhausgas-Emissionen aller Industrieländer zusammen übersteigen und fünfmal mehr an Belastung ergeben als alle die vom Kyotoprotokoll vorgesehenen Einschränkungen, dann besagt das schon was. Leider trägt die Verlagerung großer Teile der energieintensiven Industrieproduktion aus USA und Europa nach China zu der ungünstigen und gefährlichen Entwicklung noch bei.




01.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 421 12-10-07: BILD und der Lokführerstreik

.. zum Lokführerstreik in den Medien

Der SPD-Chef hat den neuen Streik der Lokführergewerkschaft im Nachrichtensender N24 scharf angegriffen, und die Empfehlung von Prof. Sinn übernommen, die er in der Fakt-Sendung vom 15.10.2007 gab, gegenüber der GDL hart zu bleiben, damit in Deutschland nicht ähnliche Verhältnisse wie in Großbritannien entstehen, wo jede Kleingruppe eine Gewerkschaft gründete, um Sonderinteressen durchzusetzen.

Man muss sich einmal vor Augen führen wofür die GDL eigentlich streikt. Die Gründe hierfür sind ähnlich die der kommunalen Ärzte im vergangenen Sommer. Die im Marburger Bund organisierten Ärzte haben sich schlicht und einfach nicht mehr ausreichend durch Ver.di vertreten gesehen, was letztendlich zur Abspaltung des Marburger Bundes aus den gemeinsamen Tarifverhandlungen führte. Der Marburger Bund forderte daraufhin hohe Lohnabschlüsse und setzte sich nach wochenlangen Streiks schließlich mit einem Ärztetarifvertrag und Lohnerhöhungen im zweistelligen Bereich durch, wenn auch nicht wie im geforderten Umfang.

Des Weiteren sollte nicht vergessen werden, dass die Piloten der Lufthansa etwa Anfang des Jahres 2001 eine ähnliche Forderung (35% mehr Gehalt!) aufstellten. (Vor der Ver.di Gründung war die DAG für die Piloten und die ÖTV für das Bodenpersonal bei der Lufthansa zuständig.) Auch in diesem Konflikt argumentierten die Piloten ähnlich wie der Marburger Bund im Tarifverbund mit ver.di. Die Vereinigung Cockpit ist von vielen deutschen Fluggesellschaften als Gewerkschaft anerkannt. Sie vertritt die Interessen der Piloten.

Genau diese Argumente finden wir nun erneut im Konflikt der Lokführer. Nur ist es diesmal nicht ver.di, sondern die GDL im Tarifverbund mit Transnet und der DB AG. Die Gründe hierfür liegen möglicherweise nahe. Die GDL ist der Meinung, dass Transnet nicht ausreichend die Interessen der Lokführer vertritt. Die Arbeitsbedingungen der Lokführer sind meiner Meinung nach extrem schlecht. So müssen die Lokführer Schichten mit maximaler Dauer von 14 Stunden hinnehmen und sich einem unregelmäßigen Schicht- und Wechseldienst zu jeder Tages- und Nachtzeit völlig unterwerfen, wodurch das familien- und gesellschaftliche Leben so gut wie nicht stattfinden kann. Hinzu kommt noch die schlechte Bezahlung. Ein lediger Lokführer mit 2 Jahren Berufserfahrung erhält netto 1.438,00 bei einer Wochenarbeitszeit von 41 Stunden unter den Bedingungen einer völligen Unterwerfung eines unregelmäßigen Schichtdienstplans. Die deutschen Lokführer sind im Vergleich mit anderen europäischen Ländern die am schlechtesten bezahlten Lokführer.

Wenn Kurt Beck und der "Beste der Besten" (laut Bild) Prof. Sinn nun gemeinsam einseitig für die Bahn Partei ergreifen und die GDL und ihre Mitglieder in die Ecke radikaler englischer Gewerkschaften der 70er / 80 er stellen und ihnen auch noch das Recht absprechen, ihre Interessen eigenständig wahrzunehmen, wenn sie sich im Tarifverbund nicht vertreten sehen wie die Ärzte und Piloten, so kann ich das nur im Kontext der Privatisierung der Bahn verstehen, den beide mit aller Macht wollen. Ich habe großes Verständnis für die Belange der GDL. Hoffentlich halten sie lange durch.




01.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 427 18-10-07: Endlich begreift die EU-Kommission die China-Realität

..auf Grund Ihres Satzes: "Ich habe nie verstanden, wo die Sympathie der Chinophilen, besonders auf der deutschen Linken (von Flassbeck bis Nachdenkseiten), eigentlich herkommt." habe ich auf den Nachdenkseiten nach Beiträgen zu china gesucht, und ich muss sagen "chinophil" waren die meisten nicht. Also warum hauen Sie immer noch auf die Nachdenkseiten ein?

Reaktion:

Ich halte es nun einmal für chinophil, wenn man die chinesische Konkurrenz verharmlost und nicht immer wieder darstellt, mit welchen Ausbeutungsbedingungen in China sie verbunden ist. Flassbeck zeigt seine liebevolle Haltung zu China permanent und ist in dieser Hinsicht zum Kronzeugen von Nachdenkseiten geworden, ebenso Wolfgang Müller mit seinen Artikeln im "Freitag", die dann gern von Nachdenkseiten aufgegriffen werden. In deren Aufsätzen bis in die jüngste Zeit werden die Kritiker des chinesischen Dumping-Expansionismus als Protektionisten abgewertet. Ich selbst war mehrfach ein Ziel dieser Kritik. So hat mir Albrecht Müller in einem öffentlichen Brief eindimensionalen Alarmismus zur Globalisierung und speziell zu den Gefahren, die aus China drohen, vorgeworfen und meinen Hinweis auf die in China zu Dumpingbedingungen mobilisierten Arbeitskräfte als grotesk und einen Appell an archaische Ängste qualifiziert. Man muß auch mal wieder zurückgeben dürfen, nachdem selbst der neoliberale Mandelson langsam begreift, was da läuft. Ich glaube nicht, daß ich gegenüber Nachdenkseiten da einen Maulkorb tragen muß. Beim Thema Globalisierung und China tut öffentliche Diskussion einfach not, leider auch gerade im linken Spektrum in Deutschland.




01.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 427 18-10-07: Endlich begreift die EU-Kommission die China-Realität

.. ich habe Ihren neuesten Gedanken zur Zeit (Nr. 427) zu China und der wachsamer gewordenen EU-Kommission gelesen. Sachlich stimme ich Ihnen zu, dass Gegenmaßnahmen gegen chinesisches Dumping angebracht sind. Es ist aber auch so, dass viele Importe aus China von amerikanischen, europäischen oder japanischen Unternehmen stammen. Sind diese nicht genauso schuld am unfairen Wettbewerb wie das chinesische Regime selbst. Außerdem kann ich den Vorwurf der "Chinophilie" an die Nachdenkseiten nicht ganz nachvollziehen. Man mag dort China als wirtschaftliche Konkurrenz oder besser gesagt ökonomische Dampfwalze unterschätzen. Der Diktatur und ihrer Form der Ausbeutung haben Müller und Lieb aber bisher keine Sympathie entgegenbracht.

Reaktion:

Sie haben natürlich recht und ich hebe das selbst immer wieder hervor: an der Ausbeutung sind die Konzerne aus USA, Europa, Japan, Taiwan und andere beteiligt. Doch ohne das Einverständnis der chinesischen Regierung und der neuen chinesischen Kapitalistenklasse ginge das gar nicht. Nachdenkseiten haben sich meines Wissens nie gegen chinesisches Dumping gewandt und statt dessen mit Zitaten von Flassbeck und anderen die Kritiker des Protektionismus beschuldigt. Ich selbst war mehrfach ein Ziel dieser Kritik. So hat mir Albrecht Müller in einem öffentlichen Brief eindimensionalen Alarmismus zur Globalisierung und speziell zu den Gefahren, die aus Indien und China drohen, vorgeworfen und meinen Hinweis auf die in China zu Dumpingbedingungen mobilisierten Arbeitskräfte als grotesk und einen Appell an archaische Ängste qualifiziert. Ich meinerseits habe Nachdenkseiten keine Sympathie für Diktatur unterstellt.

Reaktion:



17.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 426 17-10-07: Die deutschen Kaffeesatz-Leser in den Wirtschaftsforschungsinstituten spielen wieder mit ihren Prognosen

..ich vermisse die Wortmeldung aus München zu diesem Thema. Kennen Sie deren Worte schon?

Mir fiel gerade auf, dass das ifo Institut immer von Konjunkturklima spricht. Macht jetzt das ifo "Klimaforschung", oder ist deren Aussage nur der Wetterbericht? Wetter und Klima sind zwei unterschiedliche Kategorien. Klimaforschung beginnt bei einem Zeitraum von rund 30 Jahren. Das Institut spricht über das Wetter und nennt das Ganze Klima. Wenn man schon in fremden Wissenschaften klaut, dann sollten Profis ran.

Herrgott, lass endlich dem Wissenschaftsrat den Mut zu kommen, nicht nur die wissenschaftliche Kompetenz des Institutes zu rügen, sondern ihm endlich die Kompetenz ab zu erkennen.

Reaktion:

Das Ifo-Institut erwartet noch 2,6 % Wachstum bei einer Verdoppelung der Zuwachsrate gegenüber Vorquartal im 3. Quartal auf 0,6 % (hier).




17.10.07- Kommentar zu:
Gedanken zur Zeit 413 06-10-07: Eine kleine Linkswende in Deutschland und Frankreich?

.. Nun, im Grunde hat mein Kommentar nicht direkt mit Frankreich zu tun. Wenn ich dieser Tage meinen Gehaltskontostand abgefragt habe für Monat September 07, - 879,67 Euro netto (7 Euro Stdlohn brutto) -, bei einer 40 Stunden Woche, plus 25 Überstunden, die nicht bezahlt werden, sondern irgendwann einmal mit Freizeit abgegolten werden, ist mir wieder bewusst, welch trauriges Völkchen wir Deutschen geworden sind oder immer noch sind. Man stelle sich vor, es gäbe solche Proteste, wie Sie jetzt aus Frankreich berichten, in unserem Lande? Kaum vorstellen, da wäre ja der Streik der GDL eine Fastnachtsveranstaltung dagegegen.

Nun ja dieses einmal kurz geschrieben von mir. Ja, Spass macht es in unserem Lande keinen mehr Arbeiter zusein. Aber ich gebe nicht auf.

Reaktion:

Nein, nicht aufgeben. Auch die Deutschen kann man nicht ewig für doof verkaufen.




17.10.07- Kommentar zu:
Gedanken zur Zeit 413 06-10-07: Eine kleine Linkswende in Deutschland und Frankreich?

.. leider wird ja über die Entwicklung in Frankreich hierzulande kaum berichtet. Sie haben haben ja schon früh der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß Sarkozy in Europa wohl ehesten zuzutrauen ist, sich gegen die negativen Folgen der Globalisierung zu stemmen. Wissen Sie da Neues?

Ich habe Ihnen zwei Sarkozy -kritische Artikel beigelegt (von Attac-Frankreich und "Junge Welt"). Ich kann die Entwicklung in Frankreich nicht beurteilen. Sie betonen in Gedanken zur Zeit 413 06-10-07 die Stärkung der Kaufkraft durch die Befreiung der Überstunden von Steuern und Abgaben. Ich weiß nicht, wie Sie zu der 1997 von den Sozialisten eingeführte 35-Stunden-Woche stehen, aber wird diese durch diese Maßnahme nicht de facto praktisch ausgehebelt?

Reaktion:

Ich lebe in diesen Wochen gerade in Frankreich. In der Tat, es ist traurig, wie wenig die meisten Deutschen Frankreich verstehen, wo die Uhren bekanntlich anders gehen. Sarkozy ist bei uns, besonders von linker Seite, sehr schnell zu einem rechtsextremen Reaktionär aufgebaut worden. Das verrät eher Schwächen in der Analyse. Wenn die Linke in Deutschland nicht aufpaßt, wird sie sich genauso auf längere Zeit ausmanövrieren, wie das in Frankreich leider geschehen ist. In Zeiten des neoliberalen Drucks aus der Globalisierung neigen die Menschen sowohl in Deutschland wie in Frankreich eher dazu, den Bürgerlichen und ihren Versprechen eines Managements der Globalisierung Glauben zu schenken, als den zerstrittenen und internationalistischen Linken, die mit Globalisierung noch den Dusel der Entwicklungshilfe verbinden.

In den nächsten Tagen wird es in Frankreich große Demonstrationen und Streiks gegen die Abschaffung der Sonder-Regime für öffentliche Betriebe mit der Verrentung bei 55 zu voller Pension geben. Die große Mehrheit der Franzosen unterstützt allerdings diesmal Sarkozy und die Regierung.

Weder wird derzeit an der 35-Stunden-Woche, noch an dem amtlichen Rentenalter bei 60 direkt gerührt. Die Steuerfreiheit für Überstunden ist clever, weil sie Geld in die Taschen bringt und deshalb wohl relativ wenig Widerstand finden wird. Wenn der Kommentator der "Jungen Welt" unter Berufung auf Gewerkschaftskreise einerseits meint, die Steuerfreiheit hätte wenig Wirkung, weil 50 % ohnehin keine Einkommenssteuer zahlten (die Steuerbefreiung betrifft jedoch alle, auch Überstunden der Empfänger des Mindestlohns), andererseits aber ein Ende der 35-Stunden-Woche an die Wand malt, so ist dies jedenfalls ein offensichtlicher Widerspruch.

Die Frage ist nur, wie mehr Überstunden auf die in Frankreich immer noch sehr hohe Arbeitslosigkeit zurückwirken. In Deutschland haben wir immerhin die 38- bis 40-Stunden-Woche plus sehr viel Überstunden (ohne Steuerfreiheit). Und Deutschland drückt bei festem Wechselkurs gewaltig auf Frankreich, was wir auf unserer Seite des Rheines nie vergessen dürfen, wenn wir die Maßnahmen der französischen Regierung beurteilen. Im sozialen Bereich, will Sarkozy außerdem eine Sondersteuer für Aktien-Optionen der leitenden Angestellten einführen, woran man in Deutschland nie denken würde. Hiermit und mit der Steuerfreiheit für Überstunden versucht Sarkozy, mindestens den Anschein einer sozialen Balance zu den Steuergeschenken für die Wohlhabenden zu wahren. Ich kann allerdings nicht beurteilen, ob dies so möglich ist.

Von einer angeblichen Konfrontationsstrategie, wie Attac-Frankreich meint kann in Frankreich bisher keine Rede sein. Zu oft hat in der Vergangenheit die Straße gewonnen, so daß auch Sarkozy mit sozialen "Reformen" vorsichtig ist - dies übrigens sehr zum Mißfallen seiner Anhänger von der UMP. Die Vermutung von Attac, das Haushaltsdefizit werde absichtlich herbeigeführt, um einen Vorwand für unsoziale Maßnahmen zu finden, ist geradezu bösartig. Amtlich lautet die Begründung so wie seinerzeit in USA und Großbritannien, als mit Defiziten der Wirtschaftseinbruch keynesianisch überwunden wurde, was die frühere französische (und deutsche) Regierung wegen des Stabilitätspaktes nicht wagte. Attac scheint vergessen zu haben, daß in Frankreich auch die Egalité und Solidarité (anders als in Deutschland die soziale Marktwirtschaft) noch etwas bedeuten. Leider hat sich die Linke (und auch Attac) derzeit in politischer Hinsicht in Frankreich ziemlich ausmanövriert, wie die letzten Präsidentschaftswahlen sehr deutlich gezeigt haben. Gerade Jospin, der von der "Jungen Welt" als Kronzeuge zitiert wird, ist sehr unpopulär geworden (er hat sich auch gegen Ségolène Royal gestellt).

Für ein abschließendes Urteil in der Attac- oder Junge Welt-Art ist es sicher noch viel zu früh. Ich würde jedenfalls da noch etwas abwarten wollen, auch wenn mir diese Haltung derzeit etwas Kritik von Anhängern der Linken, besonders mit dem PDS-Hintergrund, einbringt, für die Sarkozy des Teufels ist (im Gegensatz übrigens zu Äußerungen von Lafontaine).




16.10.07- Kommentar zu: Gedanken zur Zeit 424 15-10-07: China: Tausche Weltumwelt und eigene Umwelt gegen Wirtschaftswachstum

ob man es gleich China-Phobie nennen muß, ist eine andere Frage, aber beim Infoportal wird China vielfach als Negativbeispiel für eine staatlich gelenkte Wirtschaft dargestellt. So heißt es z.B. auch zum Thema Umweltverschmutzung, daß Chinas Wirtschaft keine Marktwirtschaft sei, sondern durch massive Staatseingriffe gekennzeichnet sei und daher sich ke