Kommentare zu Diskussion mit einem Unternehmer
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß der Unternehmer nichts Gutes mit den "dummen und faulen" Arbeitnehmern im Schilde führt, hat der "kluge und fleißige" Mann dies
jetzt aber um so nachhaltiger getan. Sein Denken scheint teilweise in den 1950er Jahren steckengeblieben zu sein und zum anderen im 19.Jahrhundert beheimatet zu sein.
In den Aufbaujahren nach dem
Krieg konnte man vielleicht noch mit harter Arbeit und entsprechendem Fleiß und Talent die soziale und berufliche Erfolgsleiter nach oben klettern und wirtschaftlich einen angemessenen Teil von
Gesamtertrag der Volkswirtschaft abbekommen. In der Mangelwirtschaft (aber es ging immerhin aufwärts) dieser Jahre gab es schließlich einen enormen Nachholbedarf; in der
"Überflußgesellschaft" von heute (die auf hohem Niveau stagniert) sieht die Lage aber um einiges anders aus. Die alten Wachstumsrezepte funktionieren nicht mehr. Umdenken ist also
nötig, nur wohin soll die Reise gehen?
Der viel von Freiheit schwafende mittelständische Unternehmer hat die Lösung schon parat: Weg mit den "Überflüssigen" und alle
Marktmacht den Reichen! Dies nennt man aber Feudalismus und ist zutiefst undemokratisch dazu. Ob bei dem derart pessimistischen Unternehmer etwa "German Angst" eine Rolle spielt oder hat das in sein
Denken tief eingegrabene Wirtschaftsdenken nur sein Unwesen getrieben?
obwohl der Unternehmer noch immer nicht die "Katze aus dem Sack" gelassen hat, deuten manche seiner (unklaren) Äußerungen doch darauf hin, was er wirklich meint.
So kann man aus seiner
jüngsten Bemerkung schließen, daß er zwar in paternalistisch-fürsorglicher Manier für ein Grundeinkommen der aus seiner Sicht nicht leistungsfähigen Menschen eintritt
(und diese damit aus der real existierenden kapitalistischen Gesellschaft "herauswirft"). Aber letztlich denkt er doch abfällig über das "nicht richtig arbeiten wollende Fußvolk".
Volkswirtschaftliche Gesamtzusammenhänge, die von Joachim Jahnke mehrfach erläutert wurden, passen nicht in das ökonomistische Weltbild des Unternehmers und werden deshalb nicht zur
Kenntnis genommen.
Man sollte den Unternehmer zwar nicht leichtfertig mit dem US-Präsidenten George W. Bush vergleichen, aber auch dieser ist einfach unbelehrbar, wie man an seinen neuerlichen
Erfolgsmeldungen im Falle des Irak-Krieges gut ablesen kann. Offenbar umgeben sich nicht nur Politiker, sondern auch schon mittelständische Unternehmer mit lausigen und zwielichtigen Beratern,
die sie interessengeleitet beeinflussen und von der realen Welt fernhalten.
Wollte der Unternehmer anfangs nicht das Lagerdenken aufbrechen?
den Satz "Reichwerden mit immer weniger arbeiten" des Unternehmers im Zusammenhang mit dem Mindestlohn muß man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Wer würde schon mit einem
Mindestlohn reich werden? Immerhin aber käme es zu einer Abstützung der schwierigen sozialen Lage vieler Menschen und gesamtwirtschaftlich wäre ein Schutzmechanismus geschaffen, der
allen Arbeitnehmern via Kaufkraftstärkung, aber letztlich auch den Unternehmern, denn diese wollen ihre Produkte verkaufen, nützt.
Wenn man freilich wie ein "Hamster im Laufrad" vor
lauter Aufträgen den Überblick als Unternehmer etwas verloren zu haben scheint, werden vorübergehende wirtschaftliche Hochs in der eigenen Firma allzu leicht nur auf die eigene
Leistungskraft bezogen und nicht bedacht, daß auch Zufälle das Wirtschaftsleben mitbestimmen. Schneller als der erfolgsverwöhnte Unternehmer denkt, kann es auch wieder bergab gehen.
Dann aber wird sich der staatskritische "Self-made-Man" wieder an den Staat und seine Hilfen für die Wirtschaft erinnern. Warum also nicht auch den Schwächsten der Gesellschaft die
Unterstützung durch den Mindestlohn gewähren?
Auch nimmt der Unternehmer Anstoß daran, daß viele Menschen nicht oder nur wenig arbeiten, andere aber immer mehr. Wohl wahr ist,
daß Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung als sozialökonomische Phänomene zu geißeln sind. Daran anschließend das alte Klagelied der finanziell überforderten
Sozialsysteme anzustimmen, überzeugt aber nicht. An zahlreichen anderen Stellen betont der Unternehmer nachdrücklich die überaus hohe Produktivität der heutigen Wirtschaft. Warum
sieht er dann nicht auch die Notwendigkeit von deutlichen Arbeitszeitverkürzungen, um diese Art von Arbeitslosigkeit zu minimieren? "Reichwerden mit immer weniger arbeiten" kann klappen.
was findet der Unternehmer nur so Faszinierendes an dem eigentlich doch bekannten Strukturwandel von der Agrargesellschaft über die Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft?
Oder hat der Mann aus der mittelständischen Unternehmerpraxis etwa noch eine ganz andere Pointe zu bieten? Um welche könnte es sich dabei handeln?
Daß den Unternehmer die fortlaufend
gemacht werdenden Produktivitätsfortschritte fast mehr zu beängstigen scheinen als die möglichen Freiheitsgewinne erfreuen sollten, ist zwar insofern nachzuvollziehen, da die
gegenwärtige Politik nicht dazu beiträgt, diese auch in allgemeinen (Zeit-)Wohlstand umzusetzen. Daraus aber den Schluß zu ziehen, die Arbeits- und Personalkosten seien zu hoch
(besonders natürlich für Mittelständler), macht die so auf die Betriebsebene heruntergebrochene Lehre der Angebotspolitik auch nicht weniger schädlich für Land und Leute. Den
von Regierungsamtlichen regelmäßig herausgegebenen Erfolgsmeldungen am Arbeitsmarkt schenkt der Unternehmer aber zu Recht keinen Glauben mehr.
Wie könnte also die "geheime Botschaft"
des Unternehmers zur Lösung der Arbeits- und Wirtschaftskrise lauten? Wenn man die da und dort gemachten Andeutungen des Unternehmers an die geordnete Agrargesellschaft einmal aufnimmt,
könnte ihm vielleicht eine Dienstboten- und Handlangergesellschaft wie im 19.Jahrhundert vorschweben, um der nach seiner Meinung unvermeidlich weiter ansteigenden Arbeitslosigkeit Einhalt
gebieten zu können. In einer moderneren Variante könnte er aber auch für das sog. Grundeinkommen für alle eintreten, das jedem Menschen angeblich ein das sozio-kulturelle Minimum
sicherndes Einkommen zum Leben sichern soll, und zwar unabhängig von geleisteter Erwerbsarbeit. Mit einer Kultur des Ehrenamts und des bürgerschaftlichen Engagements sollen die in Wahrheit
ausgegrenzten Arbeitslosen sich und ihrem Leben einen Sinn verleihen und - als billigste Arbeitskräfte - noch nützlich für die Gesellschaft werden, die so aber für alle, also auch
für die noch Arbeitsplatzbesitzer, große persönliche Verunsicherungen und weitere Erpressbarkeiten durch die Kapitalbesitzer mit sich bringen würde.
die Runde X zeigt beim Unternehmer typische verengte Sichtweisen:
1. "...dass ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung, wirtschaftlich betrachtet, eigentlich nicht mehr benötigt wird." Hier
wird völlig ausgeklammert, dass dieser Teil der Bevölkerung als Konsument weiterlebt, wenn er schon als Produzent überflüssig scheint. Denkt man den Konsumenten auch weg, dann
kollabiert das ganze System. Der Unternehmer betrachtet offenbar als "wirtschaftlichen" Faktor nur noch Elemente der ultimativen Wert-(Profit)schöpfung.
2. "...die Preise für
Industrieprodukte sinken immer weiter, demzufolge auch der Einzelhandelsumsatz." Hier wird suggeriert, dass die Preise der einzige Indikator für den Umsatz bilden. In Wirklichkeit wird der
preisbereinigte Umsatz vor allem durch die Realeinkommen determiniert. Vielleicht lassen sich diese beiden Komponenten einmal direkt in ihrer Korrelation veranschaulichen? Würden die die "immer
weiter" sinkenden Preise nicht (aus Unternehmersicht) zu immer weiter steigenden Profitquoten am Volkseinkommen in absolutem Widerspruch stehen?
es tut mir leid, wenn Ihre traute Zweisamkeit mit dem Herrn Unternehmer störe. Es sind jedoch solche Passagen,
(Unternehmer:...) Die höher Qualifizierten, die Manager und
Selbstständigen arbeiten in der Regel deutlich über 50 Stunden die Woche, oft über 60 bis 80 Stunden. In meiner Zeit als (überbezahlter) Manager in der Industrie habe ich es
teilweise locker auf 90 Stunden gebracht. Diese Zeiten werden natürlich statistisch nicht erfasst. Die weniger Qualifizierten arbeiten 35-40 Stunden, manche sogar nur 28 pro Woche. Der
Unterschied in der Belastung wird noch viel dramatischer, wenn man bedenkt, dass die Woche ja nur 168 Stunden hat, und dass Menschen ja auch mal schlafen müssen. Man muss schon die Frage
stellen, weshalb das so ist, und was die weniger Qualifizierten mit ihrer vielen Freizeit anfangen. Weiterbildung ist es vermutlich nicht.(...)
die mich immer wieder stutzig machen.
Die deutsche
Qualifikationsdebatte hat offenbar Wirkung gezeigt, jedoch nicht unbedingt zu mehr Erkenntnis geführt. Wenn ein fertig gestelltes Produkt auf den Markt gebracht wird, hat es ganz
unterschiedliche Produktionsabschnitte hinter sich, für die auch ganz unterschiedliche Qualifikationen erforderlich waren. Zum Verpacken eines Artikels braucht man gewöhnlich keinen
Ingenieur. Würde ein hoch qualifizierter Ingenieur Waren verpacken, so würde er mit Sicherheit nicht wie ein Ingenieur bezahlt werden. Daher ergibt es nach meiner Meinung auch keinen
ökonomischen Sinn, wenn nun jeder Arbeiter eine hohe Qualifikation erlangen würde.
Es ist nicht die Qualifikation, mit der ein Einkommen zu begründen ist, sondern allein der
Markterfolg. Qualifikation kann allerdings Markterfolg fördern. Kann - muß aber nicht. Es wird trotz hoher Qualifikation kein Markterfolg erzielt, wenn ein hochwertiges Produkt nicht
nachgefragt wird oder wenn es sich niemand leisten kann.
Das Argument der vielen Arbeitsstunden zieht auch nicht. Ein Manager wird sehr gut dafür bezahlt, daß er unter einigen
Alternativen die erfolgreichste auswählt. Es zählt wieder nur der Erfolg und nicht die Anzahl der Arbeitsstunden. Ein Fließbandarbeiter hat übrigens keine Alternativen. Er hat
nur eine Akkordvorgabe. Solange er die schafft, hat er Erfolg. Ob aus dem Akkorderfolg dann auch ein Verkaufserfolg wird, hängt irgendwie auch davon ab, ob z.B. der Arbeiter es sich mit seinem
Lohn leisten kann.
So ist die Entscheidung über die Höhe des Lohnes immer auch eine Vernunftentscheidung und kann nicht allein mit der Fixierung auf willkürliche Kenngrößen
wie Qualifikation getroffen werden.
Ich bin leider kein Experte. Darum enthält meine Darstellung auch keine Buzz-Words. Falls neben diesem bedauerlichen Mangel auch noch ein logischer Fehler
enthalten ist,... Nun, ich lerne gern dazu.
aus dem ziemlich arrogant erscheinenden Auftreten des Unternehmers gegenüber Arbeitnehmern läßt sich einiges entnehmen. Auf eine kurze Formel gebracht, sind Arbeitnehmer demnach "dumm
und faul" und müssen also entsprechend behandelt werden. Es mag ja auch an dem Interessengegensatz von Kapital und Arbeit liegen, der zu verschiedenen Sichtweisen einer Sachlage und
Herangehensweisen an ein Problem führt. Aber Kosten sind nicht nur Personalkosten, selbst wenn man rein betriebswirtschaftlich denkt und auf dem volkswirtschaftlichen Auge blind ist. Und Kapital
wird immer noch an den internationalen Finanzmärkten "verbrannt" und zwar in Milliardenhöhe. Daß Bildung mehr denn je wichtig wird, ist das eine; daß diese aber nicht einmal
mehr vor unqualifizierten Tätigkeiten schützt, ist das andere. Vielleicht kann dies eine sich überarbeitet fühlende Führungskraft nicht begreifen.
So bringt die neoliberale
Wirtschaftspolitik mit ihrem unerschütterlichen Glauben an die Wunderkräfte der entfesselten Märkte nicht nur Arbeitnehmer in Schwierigkeiten, sondern auch mittelständische
Unternehmer. Wenn es schon so gut gegeneinander geht, warum als gemeinsame "Leidensgenossen" nicht auch miteinander?
ihre Diskussion mit dem Unternehmer ist ganz interessant, manchmal kann ich die Motivationen nicht nachvollziehn, vermutlich bin ich deswegen kein Unternehmer.
Sie haben ja schon auf die angeführte lange Arbeitszeit der Führungskräfte und Unternehmer geantwortet. Ich will das auch nicht schmälern, nur ist Deutschland das Land der Überstunden, auch oft der
unbezahlten und unerfassten Überstunden und das manche Leute nur halbtags einen bezahlten Job haben, ist auch kein Argument.
Ich wüßte auch nicht, worin z.B. eine Verkäuferin
sich weiterbilden sollte in der Freizeit - wie Sie am besten die zukünftig kommenden Selbstbedienungskassen sabotiert?
Ausserdem sind die Arbeitnehmer die am schärfsten kontrollierte
Gruppe, ich war in meiner früheren Arbeit so erfasst, das man beinahe sekundengenauen Überblick hatte, wo ich was tat. Manche Kollegen, die auf dem Kieker waren, mußten sich für
Minuten rechtfertigen, die irgendwo nicht optimal genutzt wurden. Das am Ende, im Zuge der zunehmenden Kontrolle, mehr und mehr Arbeitszeit verloren ging, um Statistiken auszufüllen und auch
gewisse produktivitätsfeindliche Benchmarks, die einfach statistisch-optisch wichtig waren, zu erfüllen, ist die zusätzliche Kehrseite.
Als Unternehmer kann man natürlich gut
argumentieren, da man die Deutungshoheit hat, was Arbeitszeit ist - ich denke es ist da wie bei den Arbeitnehmern, es gibt wirklich fleissige und welche, die sich gut verkaufen, ich will nicht
beurteilen, wer wozu gehört.
Letzten Endes zeigt mir eine überbordende Arbeitszeit, das eine Arbeit nicht effektiv gemanaged wird, oder man zu denen gehört, die alles an sich reissen.
Sicher kann es Umstände geben, wo lange Tage notwendig sind, aber nicht ständig und über alle Wochen, Monate und Jahre. Daran wird sich aber nichts ändern. solange wir glauben,
das es nützlich ist, individuell mehr zu arbeiten, wenn insgesamt weniger zu tun ist. Wenn ich die Statistiken richtig lese, dann sind ja die Arbeitsstunden nicht gestiegen, obwohl mehr Menschen
in Beschäftigung sind, also müssen mehr Menschen weniger Stunden arbeiten, verdienen weniger und es wendet sich nichts zum Besseren.
Das ist doch das Problem, das einer Antwort bedarf und
die ach so tolle Dienstleistungsgesellschaft, die auf magische Weise für Vollbeschäftigung sorgt, die wird es nicht geben!
wenn man über die Diskussion mit dem Unternehmer sagen kann:"Miteinander sprechen ist besser als übereinander reden", so ist das gerade in heutigen Zeiten der scharfen politischen
Gegensätze bestimmt nicht wenig. Denn beim gemeinsamen Gespräch versucht man, das Gegenüber mit guten Argumenten von der Richtigkeit des eigenen Standpunkts zu überzeugen (oder
mit Scheinargumenten zu überreden). Jedenfalls ist ein gewisses Interesse für die Ansichten und auch Probleme der "anderen Seite" vorhanden.
Was mir aber etwas befremdlich vorkommt, ist
der tiefe Pessimismus und der frustriert wirkende Zynismus des Unternehmers. Hoffentlich entsteht hier nicht eine Gesinnung, die für "einfache Lösungen" der wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Problemlast anfällig wird. Die Demokratie sollte jedenfalls nicht zur Disposition gestellt werden, die neoliberale Globalisierung dafür aber umso mehr.
.. in der neuerlichen (VI.) Diskussionsrunde beklagt der Unternehmer an einer Stelle, daß der Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft drastische Folgen nach sich ziehe,
diese im allgmeinen aber viel zu wenig beachtet würden. Durchaus frustriert stellt der Unternehmer fest, daß wir es eben mit schlechten Politikern zu tun hätten, aber diese
würden von der Mehrheit an die Macht gewählt. Politiker- und Wählerschelte in einem. Nun zur Unternehmerschelte!
Richtig an der gemachten Äußerung des Mittlelständlers
ist, daß der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft einen Umbruch bedeutet, der Risiken mit sich bringt und auch Verunsicherung bei den Menschen auslösen kann.
Nicht richtig ist aber, daß man sich dieser Entwicklung nur mehr oder weniger schicksalhaft ergeben müsse, und auch nicht nicht zutreffend ist die Ansicht, daß man diesen
Strukturwandel nicht schon frühzeitig hätte voraussehen können.
Damit die erzielten Produktivitätsfortschritte auch in "Wohlstand für alle" transformiert werden können,
bedarf es aber einer flankierenden Wirtschaftspolitik, damit es nicht zu einer "tertiären Katastrophe" mit dem massenhaften Aufkommen von unproduktiven und schlecht bezahlten Handlangerjobs
kommt, sondern eine Dienstleistungszivilisation entstehen kann mit auskömmlichen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht nur für wenige "Auserwählte". Dafür müßte aber die
heute übliche neoliberale Staatsaversion abgelegt und die Privatisierungsmanie beendet werden, um sodann in einem ausgebauten öffentlichen Sektor qualifizierte und gut bezahlte
Arbeitsplätze etwa im Bildungs-, Sozial- und Kulturbereich schafffen zu können. Das geht in Zeiten der Globalisierung nicht? Dann könnte ein Blick nach Skandinavien weiterhelfen und
aufklären, was auf diesem Gebiet möglich ist.
Zu einem möglichst reibungslosen Übergang ins Dienstleistungszeitalter gehören aber auch: eine nachfragewirksame
gleichmäßigere Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie, um produktivitätsverursachte Arbeitslosigkeit zu verhindern, Arbeitszeitverkürzungen.
Übrigens hat der
"Jahrhundertökonom" John Maynard Keynes bereits 1943 (!) in seiner Langfristprognose der Wirtschaftsentwicklung in den hochentwickelten Industrieländern auf den bevorstehenden
Strukturwandel zutreffend hingewiesen. (Nachzulesen in dem empfehlenswerten Buch "Wachstumseuphorie und Verteilungsrealität" von Norbert Reuter mit Texten von J.M.Keynes, 2.Aufl. 2007).
der Dichter Franz Kafka hat eine Erzählung mit dem Titel "Die Verwandlung" geschrieben. Dabei kommt es zu der unwirklichen Verwandlung eines Menschen in einen häßlichen Käfer
(vielleicht war es auch eine Heuschrecke), zu der dieser aber nichts kann und somit vom Schicksal schuldlos verdonnert wird.
Manch einem eilfertigen Schreiber von blitzgescheiten Kritiken und
Kommentaren zu der Diskussion mit dem Unternehmer wäre vielleicht einmal die Verwandlung in einen "bösen Unternehmer" zu wünschen. Dann würde sich zeigen, welche realen
Möglichkeiten im täglichen Überlebenskampf im neoliberalistischen Konkurrenzdschungel tatsächlich bleiben, zumal wenn es sich um ein mittelständisches Unternehmen handelt,
daß selbst ökonomisch abhängig ist von den Großkonzernen und zudem unter den Launen der exportlastigen deutschen Wirtschaft zu leiden hat. Zugegeben, manche Chefs führen
sich in ihrem Betrieb in Alleinherrschermentalität wie "häßliche Käfer" auf, aber das ist eine andere Geschichte.
Wer das schädliche Lagerdenken wirklich überwinden
will, muß daher anders handeln und die vorgestanzten Denk- und Verhaltensweisen kritisch hinterfragen - vielleicht auch mit Hilfe eines Perspektivenwechsels.
Kommentar zu Reaktionen auf Ansichten eines IT-Unternehmers
Die Ansichten des IT-Unternehmers regten mich zu Gedanken prinzipieller Art an. Sie machten sich zunächst an der Darstellung fest,
ein Unternehmen sei die soziale Einrichtung schlechthin - eine Arbeitsgemeinschaft -, Vorstellungen, die auch der dm -Chef Götz Werner in seinem Buch „ Einkommen für alle" beredt
vertritt „...Aufgabe von Unternehmen ist es, die Menschen mit Gütern und Dienstleistungen und andererseits mit Einkommen zu versorgen..". Im Konkreten blieb ich bei der Feststellung
hängen: „Fast alle Kosten sind letztlich Lohnkosten". Ich weiß nicht, ob der Schreiber aus der IT- Branche sich hier im Klaren war, eine marxistische Erkenntnis mit anderen Worten
formuliert zu haben, nämlich, dass jegliche wirtschaftlichen Werte letztlich der menschlichen Arbeit entspringen. Warum er dann weiter unten bestreitet, dass der unternehmerische Gewinn von dem
Lohn der Arbeit abgezweigt werde, bleibt mir verborgen. Auch müsste er sich die marxistische Sichtweise zu eigen machen, dass der Mehrwert „ von den Lohnabhängigen in unbezahlter
Arbeitszeit erwirtschaftet wird, nachdem sie zunächst den Lohn für ihre eigene Reproduktion erarbeitet haben" (s. dazu die lesenswerten Texte: G. Fülbarth, M. Krätke, Neun Fragen
zum Kapitalismus, Dietz-Verlag, 2007). Sie erwirtschaften mehr als sie Kosten (s. Ansichten eines Unternehmers Rd. I).
Allerdings verstehe ich bei dieser marxistischen Sichtweise nicht, wie auf der
Ebene der Volkswirtschaft der Mehrwert realisiert werden kann. Zunächst werden ja nur Produkte bzw. Dienstleistungen durch Arbeit erstellt. Klar ist mir die eine Seite, dass der Unternehmer
(Gesamtunternehmer) Geld vorschießt (in der Regel zum großen Teil als Kredit aufgenommen), damit die Leistungslieferanten (in der Mehrzahl Lohnabhängige) bezahlt werden, die dann
wieder mit diesem Einkommen die Produkte kaufen, die sie selbst hergestellt haben und die sie zu ihrer Reproduktion benötigen. In diesem Einkommen sind auch als Unternehmerlohn die
Reproduktionskosten der Unternehmerexistenz eingeschlossen.
Das kapitalistische System löst das Verwertungsproblem, den Warenüberschuss in Mehrwert zu verwandeln, in verschiedener Weise:
5. Das
Problem lässt sich kurzfristig aber auch durch Kreditvergabe lösen. Erst dadurch erhalten andere Wirtschaftsteilnehmer das für die Markträumung des Warenüberschusses
nötige Geld. So entstehen Schuldner. Langfristig bedeutet dies, gesamtwirtschaftlich gesehen, Wirtschaftswachstum, und zwar dann, wenn der Schuldner zur Tilgung seines Kredites zusätzlich
zum bestehenden Produktionsausstoß Leistungen erbringen muss, um das für die Tilgung nötige Geld zu verdienen.
Schulden und Wachstum sind Eigenschaften des profitorientierten, auf
Geld basierenden Wirtschaftssystems. Diese Dynamik wird im wahrsten Sinne des Wortes dadurch potenziert, dass die Schulden-/Kreditaufnahme Zinsforderungen nach sich zieht. Die Dynamik gerät zu
einem exponentiellen Wachstum. Hauptträger der Schuldenaufnahme sind zu 70 % die Unternehmen, die die Zinsforderungen als Kapitalkosten an die Warenabnehmer - die ursprünglichen
Leistungslieferanten - weiterreichen: Löhne werden gekürzt, Arbeiter entlassen, Preise erhöht. Deren Fähigkeit zur Warenabnahme schwindet und das Verwertungsproblem
verschärft sich. Das System stürzt ab.
Man wird sich schon überlegen müssen, wie man Besitzern von Produktions- und Geldmitteln oder ganz allgemein Besitzern von knappen für
die Allgemeinheit notwendigen Gütern (dazu zählt auch der Boden u.a.) dazu bewegt, alle am gemeinsam erwirtschafteten Reichtum angemessen teilnehmen zulassen, sowohl im Sinne einer
Zielfindung (was soll produziert werden? Paläste, Panzer oder Bildung), als auch im Sinne einer quantitativen Teilhabe. Jedenfalls wären die Maßnahmen, die in der IV Runde
vorgeschlagen wurden, schon ein Mal ein Anfang.
"Warum soll man mehr bezahlen als die Arbeit wert ist ?" Hier zeigt sich die unternehmerische Denke in ihren gewohnten Pfaden gefangen. Denn was heißt denn "Wert der Arbeit"? Da wird doch
vorausgesetzt, dass der dem aktuellen Lohn entspricht und damit begründe ich den Status quo mit dem Status quo. Zum Nachdenken ein Beispiel: In einem Supermarkt arbeiten Manger,
Abteilungsleiter, Kassierer und auch Lagerarbeiter. Letztere beziehen einen Niedriglohn. Aber wer trägt / erbringt denn welchen Anteil von der gesamten Wertschöpfung, dem Gewinn, des
Ladens. Das ist doch eigentlich nicht entscheidbar. Denn alle Berufsgruppen werden benötigt. Ohne die Arbeit der Lagerarbeiter kann man nichts verkaufen. Trotzdem bekommen diese nur einen
kleinen Anteil vom Ertrag im Gegensatz zu einem Manager, der vielleicht immer nur in der Gegend rumsteht und die Leute dumm anredet. (nur mal so extrem zur Vorstellung). "Warum soll man mehr bezahlen
als die Arbeit wert ist ?" Solche Sätze zeigen nur die Oberflächlichkeit der Diskussion, denn wenn man sie wirklich verstehen will, dann zerbröselt der Sinn zwischen den Fingern.
hoch interessant, diese Diskussion zu verfolgen. Die Art und Weise wie hier diskutiert wird, hebt sich angenehm von den bekannten Diskussionsrunden im TV ab. Meinen Respekt an Ihren
Diskussionspartner, der das Selbstbewusstsein hat, eigene Positionen kritisch zu reflektieren und zur Not auch zu korrigieren. Ich bin überzeugt, es gibt noch sehr viele Unternehmer dieser
Kategorie, vor allem in kleineren und mittelständischen Unternehmen, die sich aber leider oft gar nicht die Zeit nehmen (können), solche Diskussionen zu führen, vielleicht auch mangels
kompetenter Diskussionspartner, die sich in Parteien und Gewerkschaften wohl auch kaum finden werden. Es wäre sehr schön, wenn Sie mit Ihrer Faktensammlung (Sie verzeihen mir bitte diesen
vereinfachende Darstellung ihrer lobenswerten Arbeit) in Zukunft zu weitere Diskussionen dieser Art beitragen könnten. Auch wenn ich persönlich wohl kaum etwas zur Verbesserung der
Situation beitragen kann, habe ich nach einer längeren Phase der Resignation wieder die Hoffnung, dass unsere Kinder noch eine gemeinsame Zukunft haben und aus der zunehmenden Polarisierung
keine Radikalisierung entstehen muss, wenn die, die es eigentlich wissen müssten, endlich nicht mehr wegsehen oder verdrängen, wo der Zug hinfährt.
Ich habe auch mit interesse die Diskussion mit dem Unternehmer mitgelesen - lese noch. Ihr Diskussionpartner ist wirklich ein Idealist, beschwört sozusagen die Schicksalsgemeinschaft zwischen
Unternehmer und Mitarbeiter, wenn auch im Rahmen der Realitäten.
Aber wer sind diese leistungsschwachen Menschen von denen er spricht? Woran mißt man die Leistungsschwäche? Reicht es
zur Deklassierung eines Menschen aus, das dieser eine Dienstleistung erbringt, die kein Studium voraussetzt?
Oder das dieser in einer Industrie arbeitet, die dank Umwelt/Sozialdumping/Subventionen
woanders billiger herstellen kann?
Ist vielleicht schon eine Schwangerschaft ein Beleg für Leistungsschwäche, oder das Alter? Reicht es aus, um jemanden für Leistungsschwach zu
erklären, das dieser mit seiner Arbeit nur ein geringes Einkommen erzielt, egal wie hart und schwer diese Arbeit ist?
Ist nicht vielmehr die Wertschätzung, für bestimmte wichtige
Arbeiten, in den letzten Jahren völlig verlorengegangen?
Von der Kranken/Altenpflege über Sicherheitsdienste bis zum Frisör und Gärtner - es fehlen noch viele - werden alle diese
Jobs in der Regel immer schlechter bezahlt und die Arbeitsbedingungen verschärft. Wie wichtig diese Arbeiten sind, wird man erkennen, wenn man sich die Alternative durchdenkt - also eine Welt,
wo niemand solche Tätigkeiten ausübt.
Das körperliche Arbeit nicht mehr wertgeschätzt wird, ist ja das eine, das andere ist, das selbst Arbeit, die einen hohen Intellekt
voraussetzt, im Wert verfällt.
Sind also die Deutschen einfach nur ein faules Pack von Pennern geworden?
Einen Teil beantwortet ihre Seite ja schon...
Man muß befürchten, das in
Folge der unabsehbaren Ereignisse einer Weltwirtschaftskrise die Lage noch schlimmer wird, anstelle besser und das extreme Parteien Oberwasser bekommen - wobei manche die Linkspartei für
gefährlicher halten, als die NPD...
vielleicht geht es nicht nur mir so, sondern auch anderen Besuchern des Infoportals, die angelaufene Diskussion mit dem mittelständischen Unternehmer als interessant und lehrreich anzusehen.
Daher mein Appell: Weg mit Stereotypen (offen oder verdeckt) wie "ausbeuterischer Unternehmer" oder "fauler und dummer Arbeiter" und runter mit den Charaktermasken des Kapitalisten und des Arbeiters!
Gleichwohl gibt es das Gegensatzpaar "Kapital-Arbeit" im real existierenden Kapitalismus nach wie vor. Ziel einer vernünftigen politischen Lösung sollte es aber sein, dieses
Wirtschaftssystem zum Nutzen und dem Wohl der Menschen und der Gesamtgesellschaft wirken zu lassen.
Vielleicht sollte der Unternehmer daher versuchen, zur Kenntnis zu nehmen, daß sich nicht
alle Probleme der heutigen Wirtschaft auf die enzelwirtschaftliche Ebene der Betriebe herunterbrechen lassen, wenn man denn an einer wirklichen (Konflikt-)Lösung interessiert ist. Und vielleicht
sollte Joachim Jahnke Verständnis dafür aufbringen, daß auch Unternehmer in ihrem Geschäftsalltag (und wirtschaftlichen Überlebenskampf) bestimmte auftretende
Schwierigkeiten nicht gesamtwirtschaftlich bearbeiten können. Bei der Vielzahl und der Komplexität der zu bewältigenden Aufgaben kann m.E. durch einen "langen Atem" und entsprechender
Empathie die Möglichkeit bestehen, sich der "Wahrheit" wenigstens anzunähern, die zudem auch praktikabel und zumutbar sein muß. - Neoliberalismus bedeutet aber nicht gleich Freiheit
(von den Problemen) und Staatsinterventionismus ist nicht gleich der "Weg zur Knechtschaft" (der Unternehmer).
an Ihrer Diskussion mit einem Unternehmer über das Thema Mindestlohn halte ich zweierlei für bemerkenswert:
1. daß es diese Diskussion auf den Webseiten des Infoportals
überhaupt gibt
2. die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema Mindestlohn.
Aus meiner Sicht wäre es gut und sinnvoll, wenn sich soziale und verantwortungsvolle Unternehmer (oder die
sich dafür halten) an einer solchen Diskussion auf einer "feindlichen" Plattform beteiligen würden. Dies könnte veilleicht allen Beteiligten helfen und mit dazu beitragen, nicht nur
das eigene Lager mit Argumenten bzw. Scheinargumenten zu bedienen. Dem scheint allerdings entgegenzustehen, daß - wie Sie das richtig bemerken - jeweils eine bestimmte "Denke" einrastet und so
eine fruchtbare Diskussion über das Für und Wider z.B. auch des Mindestlohns nicht wirklich zustande kommen kann. Die "Froschperspektive" der neoliberalen BWLer und die "Adlerperspektive"
der gesamtwirtschaftlich denkenden VWLer kommen nicht zusammen. Das gesellschaftliche Sein scheint doch irgendwie das individuelle Bewußtsein zu bestimmen.
hier ein Punkt, der m. E. in Ihrer ausführlichen Antwort zu kurz gekommen ist: "Der Mindestlohn gibt die schlichte Antwort: Indem die Firmen diese Menschen trotzdem einstellen, und mehr
bezahlen, als die Arbeit eigentlich wert ist. Nur: warum sollten sie das tun?" Dieser Punkt berührt eine wichtige Frage, nämlich den Unterschied zwischen betriebs- und volkswirtschaftlicher
Wirkung. Richtig müsste die oben zitierte Formulierung lauten: "... und mehr bezahlen, als die Arbeit an Neuwert eigentlich schafft." Die Höhe dieses Neuwerts hängt davon ab, wie hoch
er über den Preis realisiert werden kann. Dies hängt natürlich von der Höhe der Kaufkraft derjenigen ab, die den Preis bezahlen müssen. Daraus folgt: je höher die
Kaufkraft in volkswirtschaftlichem Maßstab, desto höher die Chance zur Realisierung eines höheren Neuwerts - mithin letztlich auch für höhere Löhne des Herstellers.
Niedriglöhne, unterhalb der akzeptablen Mindeslöhne, drücken also nicht nur die volkswirtschaftliche Kaufkraft insgesamt, sondern ebenso reflexiv diejenige betriebliche Lohnhöhe,
die ihrerseits den realisierbaren Neuwert herabdrückt - also die in Unternehmen bezahlbaren Lohnhöhen drückt. So "beißt sich die Katze in den Schwanz!" Leider sehen Unternehmer
immer nur die von ihnen selbst bezahlten Löhne, ohne die Wirkung auf die gesamte Massenkaufkraft zu erkennen, die somit ihren eigenen Neuwert (und damit den Gewinn) selbst begrenzt. Dies folgt
zwingend aus der volkswirtschaftlichen Kreislaufbetrachtung für die Lohnkosten. Eine Einführung von Mindestlöhnen (auf angemessenem Niveau) würde folglich volkswirtschaftlich die
Chancen zur Realisierung von Waren auf höherem Preisniveau generell absichern und damit auch diese Lohnhöhe im Durchschnitt betrieblich reflexiv tragfähig gestalten. Das Unternehmen
würde also absatzmarktseitig sichern können, die Waren zu lohnkostendeckenden Preisen mit üblichem Gewinn zu verkaufen und der Staat würde daraus höhere Steuern und Abgaben
erzielen können.
24.03.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
20.03.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
18.03.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
22.02.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
20.02.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
07.02.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
05.02.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
03.02.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
22.01.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
17.01.08- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
29.12.07- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
28.12.07- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
1. Durch das größere Warenangebot gehen die Preise im Durchschnitt runter, die Lohnabhängigen können mehr kaufen. Oder sie erhalten einen höheren Lohn und können sich
dadurch mehr kaufen. Das Mehr an Waren wird so als Mehrwert zu den Lohnabhängigen transferiert - nach Marx und den Kapitalismusvertretern ein unwahrscheinlicher Fall, weil das Erzielen von
Profit (Mehrwert) für den Unternehmer überlebensnotwendig ist.
2. Die Unternehmerschaft könnten den Warenüberschuss selbst konsumieren, indem sie ihn untereinander abnehmen
(kaufen). Das dafür notwendige Geld wird durch Kredite bereitgestellt, die beim gegenseitigen Leistungstausch wieder getilgt werden. Sie konsumieren so den Profit durch ihr Luxusleben - Bauen
von Palästen, von Panzern, Reisen zum Mond u.a..
3. Eine besondere Art des Unternehmerkonsums ist die Investition, wobei auch hier wieder Kredite eine Rolle spielen (s.o.). Investitionen
führen zu Produktionssteigerungen entweder durch Produktionsausweitung oder Produktivitätssteigerungen. Wird diese nicht an die Lohnabhängigen durch Arbeitszeitverkürzung
weitergegeben, vergrößert sich der Warenüberschuss und damit das Verwertungsproblem.
4. Oder der Warenüberschuss wird ohne gleichzeitigem Import ausländischer Waren in
andere Länder exportiert. Das Heimatland hat dann einen Exportüberschuss. Die als Gegenwert gezahlte ausländische Währung wird vom Exporteur in die ausländische Wirtschaft
renditeträchtig investiert. Die Profite werden dadurch ins Ausland transferiert. Auf der Geldseite fehlt der entsprechende Betrag der Volkswirtschaft als Konsum bzw. Investition. Das BIP
schrumpft (s. Modelle). Güterexport bei gleichzeitigem Güterimport würde an dem Warenüberschuss nichts ändern.
20.12.07- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
19.12.07- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
19.12.07- Kommentar
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19.12.07- Kommentar
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17.12.07- Kommentar
zu: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn
17.12.07- Kommentar
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