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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 16/08/2006 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Indien beginnt, als neue wirtschaftliche Großmacht aus dem Schatten Chinas zu treten. Von der Bevölkerung her wird Indien an China vorbei per 2050 mit einem Anteil von 18 % zum bevölkerungsreichsten Land der Welt werden (Abb. 08055 und 08063).

Prognosen ordnen das Land für diesen Zeipunkt auch nach China und den USA auf dem dritten Platz der stärksten Wirtschaftsmächte ein (Abb. 08062 und 08059).

Bereits seit Jahren verzeichnet Indien hohe jährliche Zuwachsraten zwischen 7 % und 9 % seines Bruttoinlandsprodukts; auch pro Kopf ist der Zuwachs eindrucksvoll (Abb. 08056). Nach China ist das der bei weitem höchste Zuwachs im internationalen Vergleich (Abb. 08058).

Vor allem die indische Industrieproduktion und der indische Export haben sich in den letzten Jahren steil nach oben entwickelt (Abb. 08060). Dabei ist die Zuwachsrate des Dienstleistungsexports, angetrieben vom IT-Bereich, noch stärker als beim Warenexport (Abb. 08061). Indiens Hochschulen bilden jedes Jahr eine halbe Million Techniker, Informatiker und Ingenieure aus, verglichen mit 40.000 in Deutschland. Die neun Millionen Studenten entsprechen der gesamten Einwohnerzahl Schwedens.

Ein neuer Bericht der UN-Unterorganisation DESA, World Economic and Social Survey 2006, zeigt, wie stark sich der indische Export von Software und Dienstleistungen bis 2004 entwickelt hat (Abb. 07072). Nach einem Bericht in der Financial Times konnte Indien seinen IT-Export in 2005 um ein weiteres Drittel steigern.

Viele Unternehmen verlegen derzeit IT- und so genannte back-office-Funktionen nach Indien. Der Walldorfer Software-Konzern SAP will weltweit bis zu 4000 neue Stellen schaffen, wobei allerdings nur etwa jede fünfte neue Stelle auf Deutschland entfallen und das Entwicklungszentrum in Bangalore schneller wachsen soll. Natürlich kommt Indien dabei das äußerst niedrige Lohnniveau zugute, wenn auch die Löhne vor allem im IT-Bereich inzwischen erheblich gestiegen sind. So kostet ein indischer Ingenieur noch immer nur etwa ein Zehntel eines amerikanischen. Und SAP bot über Personalanzeigen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" deutschen Computerexperten eine Anstellung in seiner Dependance in Bangalore zu indischen Honorarsätzen von 600 Euro monatlich an, Flugkosten inbegriffen bei einer Mindestverpflichtung von elf Monaten.

Außerdem hat Indien eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt, heute schon im Durchschnitt etwa 18 % jünger als in Deutschland, was schon wegen der Soziallasten einer alternden Bevölkerung zum Wettbewerbsfaktor wird (Abb. 13007).

Der Anteil Indiens am deutschen Waren-Außenhandel ist mit 0,7 % auf der Einfuhrseite und 0,8 % auf der Ausfuhrseite noch erstaunlich gering. Abb. 08064 zeigt jedoch eine Beschleunigung in den letzten Jahren.

Das dunkle Kapitel: Das Schicksal der Kinder

Doch neben den Reichen vegetieren weiterhin Millionen in bitterster Armut. Nach der internationalen Definition waren es nach den neuesten Zahlen für 2004 nicht weniger als 34 % der Bevölkerung. Am schlimmsten sind dabei die unterernährten Kinder dran. 6 % aller Kleinkinder sterben vor ihrem ersten Geburtstag. Nach dem Bericht des Nobelpreisträgers Prof. Amartya Sen "Focus on Children Under Six", der 2004 in sechs indischen Staaten zusammengestellt wurde, ist die Hälfte dieser Kinder Unterernährung ausgesetzt und leidet eine ganze Generation indischer Kinder an schlechter Gesundheit, geringer Bildung und Armut: "Mehr als die Hälfte leiden an Blutarmut und ein ähnlicher Anteil wird nicht geimpft. Wenige Länder der Erde haben so niedrige Werte für die Lebensqualität der Kinder. Die Impfrate ist die niedrigse in Südasien. Der Anteil von Kindern ohne das BCG-Serum, das auch gegen TBC wirktm ist doppelt so hoch wie in Nepal und fünfmal höher als in Nepal oder dreißigmal höher als in Sri Lanka. Trotz eines fortschrittlichen Gesundheitssystem und einer riesigen Armee von Ärzten war Indien nicht in der Lage, eine höhere Überlebensrate von Kindern als seine Nachbarn, mit Ausnahme von Pakistan, zu erreichen. Die meisten Kinder sind sich bis zum Alter von sechs Jahren, bis sie in die Schule gebracht werden, selbst überlassen. Die ersten sechs Jahre, besonders die ersten zwei, haben einen entscheidenden und bleibenden Einfluß auf die Gesundheit eines Kindes, sein Wohlergehen, seine Fähigkeiten und Möglichkeiten. 90 % des Gehirns entwickelt sich bis zum Alter von fünf Jahren."

Nach dem letzten UN-Bericht hat Indien den höchsten Anteil unterernährter Kinder, zusammen mit Bangladesch, Äthopien und Nepal. Auch nach dem letzten Weltbankbericht für 2005 ist die Lage nicht viel besser geworden (Abb. 08120).



(Auszug aus SPIEGEL online) In keinem anderen Staat gibt es so viele Kinderarbeiter wie in Indien. Boykotte, Sanktionen und Gesetze konnten das Problem bisher nicht ausmerzen - denn Religion und Kastensystem stützen das System der Ausbeutung. Ob ein Kind eine exzellente Ausbildung bekommt oder ein ärmliches Zubrot zum Einkommen seiner Familie beisteuern muss - darüber entscheidet in Indien oft einfach die Herkunft. Einer Unicef-Studie zufolge gibt es auf dem Subkontinent mehr als 35 Millionen Kinderarbeiter, 15 Prozent davon jünger als 14 Jahre. Inoffizielle Schätzungen gehen von weit höheren Gesamtzahlen zwischen 60 bis sogar 125 Millionen aus.

Billig jedenfalls sind die Produkte, die von minderjährigen Arbeitern hergestellt werden. Ob es um die Feuerwerkshersteller im südöstlichen Tamil Nadu geht, um die Teppich-, Seiden- und Kupferwarenindustrie im nördlichen Uttar Pradesh oder die Edelsteinindustrie im Bombay - alle bedienen sich der Kinderarbeit, um bessere Preise erzielen zu können. Andere Industriezweige, die mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden, seien die Strickwarenindustrie, Streichholzfabriken, Zigarren- Manufakturen, Teeplantagen in Assam oder auch der Baumwoll- und Zuckerrohranbau.Das Gros der Kinderarbeiter schuftet jedoch im informellen Sektor, in der Landwirtscha ft oder in Haushalten. Erntehelfer, Tellerwäscher, Reinigungskräfte in den Diensten der neuen Mittel- und Oberschicht: Das Heer der Minderjährigen bildet ein gigantisches Reservoir an Arbeitskraft - und befeuert Indiens Aufstieg zur neuen Supermacht der Wirtschaft.

Bei denjenigen Kindern, die aus Geldnot "verkauft" und über Kontraktoren in die Städte verschleppt werden, sind verschiedenste Fälle von Misshandlungen dokumentiert. In nicht wenigen Fällen wird die Psyche eines Kindes für den Rest des Lebens zerstört. Die überwiegende Mehrzahl der Kinderarbeiter entstammen Dalit- und Muslim-Familien; diese Gesellschaftsgruppen sind zur Ausbeutung quasi prädestiniert sind - seit Generationen werde ihnen sozial und wirtschaftlich der Aufstieg verwehrt. Neben der Armut der Eltern sind auch andere Faktoren für Kinderarbeit verantwortlich - etwa die Religion oder die Kaste. Interessanterweise sind es die prosperierenden Unionsstaaten, die für mehr als 40 Prozent aller Kinderarbeiter verantwortlich zeichnen: Karnataka, Tamil Nadu, Maharasthra und Andrah Pradesh. Der Staat geht das Thema bestenfalls halbherzig an. Die Regierung hat die Arbeit von Minderjährigen zwar jüngst reglementiert, aber nicht gänzlich verboten. So wurde im vergangenen Jahr ein Gesetz erlassen, das die Beschäftigung von Kindern als Dienstmädchen oder -jungen im Haushalt und an Lebensmittelständen verbietet - wenn sie jünger als 14 sind. Kategorisch ausgeschlossen wird durch den Bonded Labour System (Abolition) Act aus dem Jahr 1976 aber nur die Versklavung.

Das ist die obszöne Kehrseite eines neuen Tigerlandes, bei dem sich - anders als z.B. in Japan - die Einkommensunterschiede zwischen dem untersten und dem obersten Fünftel der Bevölkerung dramatisch vergrößern, ähnlich übrigens wie in China (Abb. 08121). Es ist auch die schmutzige Kehrseite der neoliberalen Globalisierung. Mehr zu Indien hier.

Fazit

Deutschland hat einen positiven Warenverkehrssaldo mit Indien, wird aber zunehmend nicht nur mit dem Niedrigkostenwettbewerb aus China sondern auch aus Indien rechnen müssen. Die sehr erfolgreiche indische IT-Entwicklung z.B. zieht sehr viel Auslandsinvestitionen mit Job-Verlagerungen an. Diese Entwicklung bedroht erstmals in größerem Umfang auch höher qualifizierte Beschäftigungen.

Eine Studie der Deutschen Bank erwartet, daß Indiens hohes Wachstumspotenzial das Land in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahre an die Weltspitze setzt. Es soll dann nicht nur für das Outsourcing von Dienstleistungen gefragt sein, sondern neben China und Osteuropa als weiterer Niedrigkostenstandort für die verarbeitende Industrie global interessant werden. Die Kosten der Herstellung von Maschinen, Elektrogeräten und chemischen Erzeugnissen sollen bis zu 60 Prozent niedriger liegen. Bereits heute nutzt z.B. Siemens diese Vorteile in 14 indischen Fabriken, um von dort Märkte in der arabischen Golfregion und in Südasien zu beliefern, und in den nächsten beiden Jahren will das Unternehmen eine halbe Milliarde Euro investieren, ebenso 325 Millionen Bosch mit Teilen für die Autoproduktion. Schon jetzt sind 800 deutsche Unternehmen mit Joint Ventures und Tochterbetrieben in Indien tätig, so z.B. auch Adidas, Continental, Lufthansa, Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Bank, Metro, BMW und Henkel. Die Tendenz geht steil nach oben: in nur einem Jahr haben sich die deutschen Direktinvestitionen verdoppelt.


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