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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 13/02/2007 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Die Bundesregierung ist auf die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes durch immer mehr Leiharbeit und andere schlecht bezahlte Arbeit stolz. Sie hat sich auch bisher nicht zu einem flächendeckenden Mindestlohn durchringen können. Der Bundeswirtschaftsminister stärkt der Zeitarbeitsindustrie den Rücken gegen alle Versuche aus Brüssel, die Diskriminierung der Leiharbeiter in der Entohnung zu verbieten. Die Regierung ist stolz auf die künstliche Rückführung der Arbeitslosenquote durch Arbeit, die meist Zuzahlung durch Arbeitslosengeld erfordert.

In den Worten der Bundesagentur aus dem letzten Arbeitsmarktbericht: "Vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen gab es einen kräftigen Anstieg (+7 Prozent bzw. +230.000), der wiederum zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung getragen wird." Arbeitnehmerüberlassung ist die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für Leiharbeit. Im Klartext: 39 % der Gesamtzunahme an Erwerbstätigkeit (Monatsdurchschnitte) über ein ganzes Jahr entfällt zum größten Teil bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge (Abb. 04970).


Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten, die nicht als arbeitslos gemeldet werden, liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Oktober 4,79 Mio betragen. Nach einer neuen Studie des öffentlichen Instituts für Arbeitsmarktforschung müssen inzwischen 1,33 Millionen Menschen ihr mageres Gehalt durch Hartz IV-Leistungen aufstocken lassen - das sind über eine halbe Million mehr als noch vor zwei Jahren. Unter ihnen befanden sich im November 2007 fast eine halbe Million Menschen, die einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob haben.

Fast jeder vierte abhängig Beschäftigte in Deutschland ist inzwischen ein Niedriglöhner. Ihr Anteil stieg von 15 % in 1995 steil auf 22,2 % in 2006 an und seitdem weiter (Abb. 14055). Gegenüber 1995 ist der Niedriglohnanteil in Deutschland damit um gut 43% gestiegen. Dazu gehören auch die 11,8 Millionen Teilzeitbeschäftigte (1,4 Millionen mehr als vier Jahre zuvor), von denen drei Viertel Frauen sind.


Auf normal entlohnte Arbeitnehmer, Selbständige und Beamte entfällt nur noch etwa 42 % der deutschen Bevölkerung (Abb. 14076).


Diese bedrückende Situation hat dazu beigetragen, daß sich die deutschen Löhne im Durchschnitt seit 2000 am schlechtesten in der Alt-EU entwickelt haben (Abb. 12990) und nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes nach Abzug der Kaufpreisinflation negativ (Abb. 04054).



Doch niemand in der Regierung denkt offensichtlich einige Jahre oder Jahrzehnte weiter, wenn die Geringentlohnten in die Rente kommen sollen oder in das, was man dann kaum mehr Rente nennen kann. Geringentlohnte können auch keine zusätzlichen private Altersvorsorge betreiben, wie sie sonst immer von der Regierung empfohlen wird. Dazu kommen noch die mit langen Arbeitslosenzeiten und entsprechend geringen Beiträgen.

Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Renten bei denen, die nur die Hälfte des durchschnittlichen Nettoeinkommens erzielt haben, ganz am Ende (Abb. 12991).


So bringt der SPIEGEL heute einen Bericht mit der Schlagzeile „Die Hungerrentner von morgen":

    Wenn demnächst die ersten nachkriegsgeborenen Babyboomer das Rentenalter erreichen, wird eine soziale Gruppe zu versorgen sein, deren Mitglieder ganz andere Karrieren gemacht haben als ihre Eltern. Ihre Biografien weisen oft tiefe Brüche auf, mit Monaten und Jahren, in denen sie nur wenig oder gar nichts ins System eingezahlt haben. Wer bereits Anfang vierzig ist, der kommt auf keinen grünen Zweig mehr. Der hat so gut wie keine Chance, verlorene Ansparzeit wieder aufzuholen. Ein Durchschnittsverdiener, der bloß 30 Jahre eingezahlt hat, bekommt künftig höchstens 650 Euro Rente raus.
    Altersarmut, das ist absehbar, wird zu einem Massenphänomen, sie verändert grundlegend das Gesicht des Landes und den Alltag seiner Bürger. Mancher, der in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im schicken Neubaugebiet aufgewachsen ist, wird froh sein, wenn er in den dreißiger Jahren des 21. Jahrhunderts nicht im Armenasyl endet. Die künftige Altenrepublik Deutschland wird eine Drittel-Gesellschaft sein. Ein Drittel der Rentner verfügt über die gesetzliche Rente, eine betriebliche Absicherung, Sparvermögen und Immobilienbesitz: Sie haben ausgesorgt. Das zweite Drittel wird mit der gesetzlichen Rente und etwas Erspartem mit Müh und Not über die Runden kommen. Das letzte Drittel aber wird seinen Lebensabend in mehr als bescheidenden Verhältnissen fristen: Sie bleiben ausgegrenzt.

Nach einer neuen SPIEGEL-Umfrage fürchten denn auch drei Viertel der Deutschen, daß sie im Rentenalter ihren Lebensstandard nicht mehr halten können (Abb. 14075). Die Angst reicht also bereits weit über die Geringentlohnten hinaus.


In was für einem Land leben wir eigentlich? Warum kann es denn nicht wie im Nachbarland Dänemark gehen, wo mit einer Grundrente dafür gesorgt wird, daß - gemessen am letzten Nettoeinkommen - die mit dem halben Durchschnittseinkommen nach OECD-Angaben in Deutschland 53 % erwarten können, in Dänemark dagegen 132,7 % (Abb. 12502).


Wir müssen nicht in Angst leben. Wir müssen nur ein bißchen kopieren.




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Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.