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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 17/07/2006 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Der britische „Economist" verfolgt seit 2002 regelmäßig die internationale Entwicklung der Hauspreise und hat jetzt eine warnende Analyse über ein Platzen der Blase veröffentlicht („The global housing boom - the worldwide rise in house prices is the biggest bubble in history - prepare for the economic pain when it pops"; 16. Juni 2005). In der Tat ist die Hauspreisblase derzeit eine der größten globalen Unsicherheiten. Ein Crash z. B. in USA würde den dortigen Konsumerboom beenden und hätte sofortige Auswirkungen auch auf Deutschland, obwohl hier - zusammen mit Japan - die einzige langfristige Negativentwicklung bei den Hauspreisen verzeichnet wird (Abb. 03016 und 03017).

Nach Schätzungen des Economist stieg der Gesamtwert aller Wohnimmobilien in den entwickelten Volkswirtschaften über die letzten 5 Jahre um mehr als 30.000 Mrd. US$ oder etwa 100 % des zusammengefaßten BIP dieser Länder. Der Zuwachs dieser Blase ist damit größer als der an den Aktienmärkten Ende der 90er Jahre vor dem Crash. Die Erfassung für das 1. Quartal 2005 zeigt einen weiteren Anstieg mit einer Jahresrate um 10 % für mehr als die Hälfte der Länder. Dabei lag der Wert für die USA mit 12,5 % besonders hoch: Hier hat sich der größte Immobilienboom in der amerikanischen Geschichte entwickelt. Einer der Gründe für den Boom ist, daß nach dem Desaster an den Aktienmärkten Kapital in Wohnimmobilien umgeschichtet wurde. Ein anderer kommt von den einmaligen Finanzierungsmöglichkeiten mit sehr niedrigen Zinsen und ungewöhnlichen Bedingungen.

Dabei werden die

Preise zu einem großen Teil von spekulativer Nachfrage angetrieben. 23 % der amerikanischen Häuser wurden im vergangenen Jahr als Investment gekauft, weitere 13 % als Zweitimmobilie. Hauskäufer bekommen in USA Darlehen, die 105 % des Kaufpreises decken, und tatsächlich haben ¼ aller Käufer im vergangenen Jahr keine Anzahlung geleistet. Es gibt sogar Hypotheken, bei denen nur Zinsen gezahlt werden oder sogar nur ein Teil der Zinsen ("negative amortisation loans"), während die Differenz in die Hypothek integriert wird.

Die besorgte Frage gilt nun den Konsequenzen eines Platzens der Blase. Schon jetzt gibt es Anzeichen für eine rasche Abkühlung. Z.B. stieg in Großbritannien der Preisindex für Mai 2005 gegenüber Vorjahr um nur noch 5,5 % im Vergleich zu 20 % für Juli 2004. So wie die Kosumausgaben in USA, Großbritannien und anderen Ländern in erster Linie durch die Hauspreisblase angetrieben wurden, weil die Eigentümer sich zunehmend reich fühlten, so kann ein Rückgang und selbst eine Stagnation der Preise einen scharfen Abriß in den Konsumausgaben verursachen. In den USA haben über die letzten 4 Jahre Konsumausgaben und Ausgaben für den Bau von Wohnimmobilien etwa 90 % des BIP-Zuwachses ausgemacht; mehr als 2/5 aller neuen Jobs im Privatsektor sind in Umfeld von Wohnimmobilien entstanden.

Der "Economist" verweist auf eine Studie des IWF, der 20 Beispiele für platzende Immobilienblasen zwischen 1970 und 2001 identifiziert hat, wobei alle Fälle - bis auf einen - zu Rezessionen mit einem durchschnittlichen BIP-Verlust von 8 % führten. Das bekannteste Beispiel für die Folgen einer langanhaltenden Immobilienkrise ist Japan mit einem Absturz der Preise um 41 % von ihrem Gipfel in 1991.


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