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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 26/10/2006 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Die Exportweltmeisterschaft ist eines der wenigen von der deutschen Öffentlichkeit allgemein geglaubten Erfolgserlebnisse im Wirtschaftsbereich. Sie wird zusammen mit den deutschen Exportüberschüssen immer wieder gefeiert, auch wenn sie demnächst an China verloren gehen wird. Für den Exporterfolg hat Deutschland seit dem Jahr 2000 mit einer negativen Reallohnentwicklung, entsprechend stagnierendem Binnenkonsum und hoher Arbeitslosigkeit einen sehr hohen Preis bezahlt, den kein anderes vergleichbares Land auf sich genommen hat. Und was so glänzt, ist sehr oft nicht einmal das, für was es allgemein gehalten wird, nämlich ein Ausdruck der Qualität des Standorts.

Die Exporterfolge sind überwiegend nicht der Beweis für deutsche technologische Überlegenheit und einen außergewöhnlichen High-tech Anteil in der Exportstruktur. Sie beruhen vor allem auf mehreren künstlichen Effekten, die den Export erleichterten und wegen dieser Bequemlichkeit damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit eher geschwächt haben: eine reale effektive Abwertung der Währung sowohl in der Eurozone wie außerhalb, eine wachsende Beimischung billiger osteuropäischer Vorprodukte, und nun noch ab nächstes Jahr eine Präferenzierung des deutschen Exports gegenüber dem Import durch die nur den Import treffende Mehrwertsteuererhöhung.

1. Reale effektive Abwertung der Währung

Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds hat Deutschland durch die geringere Entwicklung der Lohnstückosten innerhalb der Eurozone starke Vorteile. Dies wiederum beruht auf der einmalig abgebremsten Entwicklung der deutschen Reallöhne, vor allem im Verhältnis zu Italien, Spanien und Frankreich, aber auch vielen anderen EU-Ländern. So sind die französischen Tariflöhne seit 2000 real um 11,5 % stärker gestiegen. Abb. 12240 zeigt, wie stark die Entwicklung zwischen diesen Ländern bei den realen effektiven Wechselkursen auseinanderläuft, ohne daß innerhalb der Euroeinheitswährung eine an sich notwendige Aufwertung von deutscher Seite oder Abwertung bei den anderen noch möglich wäre. Kein Wunder unter solchen Umständen, daß der deutsche Export in diese Richtungen floriert und Deutschland immer größere Überschüsse aufbauen konnte (Abb. 04175).



Der Währungsvorteil gilt aber auch gegenüber Ländern außerhalb der Eurozone. Der Außenwert des Euro spiegelt unter anderem die Handels- und Leistungsbilanzsituation der gesamten Eurozone wider, und die ist - anders als die deutsche - erheblich negativ (Abb. 12241). So verzeichnete die Eurozone in 2006 ein Handelsbilanzdefizit von 128 Milliarden Euro (Januar bis August 2006) und ein Leistungbilanzdefizit von 20,4 Milliarden Euro (1. Halbjahr 2006). Damit kann der Euro nicht die Stärke entwickeln, die der deutschen Exportleistung und den deutschen Überschüssen entspräche. Ein für Deutschland unterbewerteter Euro ist ein weiterer künstlicher Exportvorteil.


2. Beimischung billiger osteuropäischer Vorprodukte

Die geographische Lage und der traditionelle Wirtschaftseinfluß in der Region erlaubt es deutschen Unternehmen in besonderer Weise Vorprodukte billig in Osteueropa produzieren zu lassen und dann in das aus Deutschland exportierte Endprodukt zu integrieren. Auch das ist ein Vorteil der nicht auf technologischer oder anderer Überlegenheit aufbaut, sondern schlicht auf der Ausnutzung eines Preisvorteils. Nach einer neueren Analyse des Statistischen Bundesamt sind die mit dem Export verbundenen Importanteile aus eingesetzten Vorleistungsgütern anteilsmäßig von rund 30 Prozent im Jahre 1995 auf knapp 40 Prozent im Jahre 2002 angestiegen, seitdem dürften sie weiter zugenommen haben.

3. Nachlassende technologische Leistungsfähigkeit

Nach der eigenen Erkenntnis der Bundesregierung in dem Grundsatzpapier "Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2006" täuscht die deutsche Exportentwicklung über die wirkliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Hier einige Auszüge:# " Exportorientierung der deutschen Wirtschaft begünstigt zum anderen einseitig den Industriesektor, darunter zunehmend diejenigen Industrien, die nicht forschungs- oder wissensintensiv produzieren und kaum mehr expandieren werden.

    » Trotz anhaltender Exporterfolge hat sich technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands auf längere Sicht nicht gut entwickelt. Geschwindigkeit und Intensität, mit der Verbesserungen erzielt werden konnten, recht niedrig.

    » Kapazitäten für Lehre, Wissenschaft und Forschung am Weltmaßstab gemessen zu schwach ausgeweitet.

    » Die größte Exportzuwächse hat es bei Spitzentechnologien gegeben, die insgesamt aber im deutschen Exportwarenkorb kein hohes Gewicht haben. Zudem sind Einfuhren von forschungsintensiven Gütern wesentlich schneller gestiegen als Ausfuhren. Dies betrifft derzeit besonders den Automobilbau, das "Herzstück" des deutschen Innovationssystems. Die Ausfuhr von "hochwertiger Technik" bröckelt seit etwa einem Jahrzehnt etwas ab. Die Importe sowohl bei Spitzentechnologien als auch bei Hochwertigen Technologien sind trendmäßig noch stärker gestiegen als Ausfuhren (Abb. 12219). Spezialisierung Deutschlands nimmt daher in den meisten dieser Industrien ab.


    » Geringe Neigung zu investiven Anstrengungen und damit zu Strukturwandel sowie schlechte Position, wenn es um Spitzentechnik, -forschung und -ausbildung geht - rechtfertigt die Einordnung Deutschlands in das Mittelfeld der Industrieländer. Pars pro toto mag hierfür der FuE-Anteil von Wirtschaft und Staat zusammen genommen am Inlandsprodukt stehen. Er hat von 2,8 % Ende der 80er Jahre (Rang 3) auf 2,1 % (Rang 9) nachgegeben. Deutschland hat beim Angebot von gut und hoch qualifizierten Erwerbspersonen in Europa (EU-15) nur noch Vorsprung, wenn man mit den südlichen Ländern vergleicht.

    » Zu den problematischen Faktoren zählt im Hinblick auf einen innovationsorientierten Strukturwandel auch, dass wissensintensive Dienstleistungen in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Ländern - selbst unter Berücksichtigung des in Deutschland schleppenden Wachstumstempos - Boden verloren haben. Denn Spitzentechnologien und deren Entwicklung sind häufig im Zusammenhang mit der Orientierung der Volkswirtschaften auf wissensintensive Dienstleistungen zu sehen.

Ebenso kommt das Bundesbank Diskussionspapier von Kerstin Stahn vom 27. 2. 2006 "Has the impact of key determinants of German exports changed?" zu einer kritischen Bewertung: Seit 1993 haben Veränderungen der Auslandsnachfrage zu einer ebenso kräftigen Veränderung der Intra- und Extra-Eurozone-Ausfuhren geführt, während die Wirkung der Wettbewerbsposition erheblich geringer ist. Mit anderen Worten: Der deutsche Export ist nicht Dank stärkerer Wettbewerbsfähigkeit sondern wegen der bessere Entwicklung der Auslandsmärkte gewachsen. Die Financial Times hat das das unter Bezug auf Untersuchungen des IWF noch weiter zugespitzt und schlußgefolgert, daß die deutschen Exportindustrien immer noch dieselben wie vor 40 Jahren seien, während kaum deutsche Wettbewerber in den neuen Hicht-tech- und Dienstleistungs-Wachstumsbranchen angetreten sind. Praktisch ist die deutsche Exportwirtschaft damit die Wertekettte heruntergerutscht. Schließlich sind in den Jahren seit 2000 die Bruttoanlageninvestitionen abgerutscht (Abb. 04029) und hatg schon deshalb die Entwicklung von Technologie und Produktivität in Deutschland gelitten.


Man kann es auch anders und noch weniger freundlich ausdrücken: Eine Industrie, die in erster Linie von Lohndrückerei, einer realen effektiven Abwertung gegenüber den Europartnern, einem durch Handels- und Leistungsbilanzdefizite der Europartner geschwächten Eurokurs sowie der Beimischung billiger osteuropäischer Vorprodukte künstlich profitiert, verliert an innerer Stärke und Entwicklungspotential. Das sind dann überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, denn viele Unternehmen arbeiten hart an der technologischen Qualität ihrer Produkte,Erfolge aus der "Hängematte".


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