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Reihe 60 ab 07-08-10 ... ...

(1868) Wenn das verunsicherte deutsche Bürgertum zum entsetzlichen Kleinbürgertum degeneriert

(1867) Genug ist genug: Propaganda und Dummheit

(1866) Solidarität - ein deutsches Fremdwort

(1865) Grafikdatenbank: Freier Zugang für Hartz-4-Besucher und ähnliche Situationen

(1864) BILDiktatur?

(1863) Deutschland im Herbst: Wenn Solidarität zum Fremdwort verkommt

(1862) Immer, wenn man's eilig hat ...

(1861) BILD hetzt gegen Hartz-4: Gehässiger geht's nicht

(1860) Der Brüsseler bürokratische Sumpf: Beispiel Roma

(1859) Von Beethoven zur deutschen Demographie

(1858) Darf es noch verlogener sein? Angebliches deutsches Wirtschaftswunder und doch Sparen bei den Armen

(1857) Die ersten Fehler mit den Roma wurden viel früher gemacht als jetzt in Frankreich

(1856) Emotionen sind nicht unbedingt gut, aber langsam werde ich wirklich wütend

(1855) Belfast - Dublin - Bonn

(1854) Sarrazin - BILD's Wunderwaffe im Kampf für die Rechtsverschiebung der CDU

(1853) Das Spiel mit der Angst

(1852) Deutsche Bank: Einer der moralischen Totengräber unserer kranken Gesellschaft?

(1851) Grafik-Datenbank jetzt nur noch in Buchform

(1850) Fakten zur Integration von Immigranten

(1849) Ein Wort zum Diskussionsforum

(1848) BILD hinter Sarrazin

(1847) Die "Chaoten" sind unter uns: Von der Geistesverwandtschaft zwischen Neoliberalen und Klimaskeptikern

(1846) Panne im Diskussionsforum

(1845) Wie Sie zum eigenen Vorteil dem Infoportal helfen können

(1844) Liebe Freunde aus Österreich und der Schweiz

(1843) Steuerparadies Deutschland? Für wen eigentlich?

(1842) Was ist eigentlich ein "Unrechtsstaat"?

(1841) Die SPD-Umfragewerte steigen: Also stänkert der Spiegel gegen Gabriel

(1840) Meine Auswertung der Umfrage des Infoportals

(1839) Die neoliberalen Beharrungskräfte in Deutschland profitieren von niedriger Bildung der Bevölkerung

(1838) Der Flirt der europäischen Sozialdemokratie mit dem großen Geld und der böse Doppelverrat an den eigenen Wählern

(1837) Kein Wunder am Arbeitsmarkt

(1836) BILD, die Rente mit 67 und der Blödsinn mit der Menschenwürde

(1835) Jetzt 1.800 Empfänger des kostenlosen Wochenbriefs

(1834) Erste Ergebnisse der Umfrage zum Infoportal

(1833) Aufschwung-Propaganda: Vergeßt den Basiseffekt nicht

(1832) Kennt die Arbeitsministerin nicht die wahren Verhältnisse für Ältere am deutschen Arbeitsmarkt?

(1831) Ist das Infoportal zu polemisch?

(1830) Ein kleiner Hilferuf, der nichts kostet

(1829) BILD und die Reichen

(1828) Positive Rückkoppelungen treiben die globale Erwärmung noch schneller hoch





Gedanken zur Zeit 1868 01-10-10: Wenn das verunsicherte deutsche Bürgertum zum entsetzlichen Kleinbürgertum degeneriert

Es wird eng im deutschen Bürgertum. Eng, weil viele ihre Ellenbogen ausstellen. Eng auch, weil die Intolleranz wächst. Die Reihen werden fester geschlossen. So gegen potenzielle Aufsteiger aus den unteren Bildungsschichten: Vorfahrt für die eigenen Kinder. Sprecht nicht mit den Schmuddelkindern. Privatschulen breiten sich aus.

Sarrazin gibt jetzt Vielen die Richtung vor: Wir haben die besseren Gene! Bei einer Sarrazin-Diskussion des Münchner Literaturhauses erscheint genau dieses gediegene Bürgertum und verbrüdert sich mit Sarrazin. Seine beiden Kritiker am Podium werden ausgeschrien und -gepfiffen. Da schreibt der Feulletonist der Süddeutschen Zeitung Peter Fahrenholz:

"Das gediegene Münchner Bügertum hat sich schrecklich danebenbenommen. In der Münchner Reithalle herrschte ein Hauch von Sportpalast. Gut gekleidete Grauköpfe ereiferten sich nicht nur, sie geiferten."

So verkommt weltoffenes Bürgertum zum engstirnigen Kleinbürgertum. Es ist die gleiche Klasse, auf die sich das Dritte Reich bis in den Untergang hinein verlassen konnte. Für Solidarität ist in dieser Ellenbogengesellschaft kaum Platz. Solidarität lernt man hier nur aus Katastrophen. Da müßte schon alle paar Jahrzehnte ein Weltkrieg verloren werden, um diese Menschen wieder zur Vernunft zu bringen. Es sind diese Menschen, die auf eine Sarrazin-Partei warten. Eigentlich sind sie das Wahlrecht nicht wert, das ihnen die Demokratie einräumt.


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Gedanken zur Zeit 1867 30-09-10: Genug ist genug: Propaganda und Dummheit

Das Infoportal versucht einen disziplinierten Stil ohne Unterstreichung, große Fettbuchstaben und grelle Farben. Heute jedoch ist es mir wieder einmal zu viel geworden, um die vornehme Zurückhaltung beizubehalten. Da findet sich nun im letzten Rundbrief zum Arbeitsmarkt unterstrichen und groß der Satz:

"Ohne die demographische Entwicklung und ohne die minderwertige Leiharbeit wäre die Arbeitslosigkeit also gestiegen."

Denn das ist die Wahrheit. Der Rest ist Regierungs- und Medienverdummung.

Ein Statistisches Bundesamt, das 0,046 % mehr als Zunahme der Erwerbstätigkeit heute in großer Überschrift feiert, ist unseriös. Ein Bundeswirtschaftsminister, der von "Deutschland im Aufwind" und "einem goldenen Herbst am Arbeitsmarkt" faselt, ebenso. Ein SPIEGEL, der angebliche Experten mit niedrigen Erwartungen vorführt und daran gemessen den großen Erfolg feiert, erst recht (dieser Trick mit den Experten kommt beim SPIEGEL fast regelmäßig). Und der gleiche Trick mit der Messung an irgendwelchen Erwartungen findet sich dann bei den Nachrichten der ARD: "Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September stärker als erwartet gesunken." Und bei BILD heißt es einfach: "Das Job-Wunder geht weiter".

Den Vogel an Verlogenheit schießt wieder einmal die Bundesarbeitsministerin ab: "Erfreulich ist, dass sich nach den Indikatoren des Arbeitsmarktes der Aufschwung auf ganz breiter Front auswirkt. Sowohl in der Arbeitslosenversicherung ist die Arbeitslosigkeit gesunken als auch in der Grundsicherung für die Langzeitarbeitslosen." Doch im Arbeitsmarktberichts steht schwarz auf weiß: "Die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich im Vor-jahresvergleich praktisch nicht verändert. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen erhöhte sich um 3 Prozentpunkte auf 33 Prozent. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen hat sich in beiden Rechts-kreisen im Vorjahresvergleich erhöht, im Rechtskreis SGB II um 1 Prozentpunkt auf 42 Prozent und im Rechtskreis SGB III um 4 Prozentpunkte auf 16 Prozent." Nicht gelesen, Frau von der Leyen? Oder nur Verdummung?

Nun war ich bis heute für einen Kurzurlaub in Oberstdorf - ein Ort, der wohl eher von Billigurlaubern angesteuert wird, weil man hierher bequem mit der Bundesbahn kommt und ausreichend preiswerte Quartiere vorhanden sind. Da konnte ich dann beim Blick in die Gesichter mancher Zeitgenossen den Gedanken nicht vermeiden, daß wohl die meisten von ihnen solchen Meldungen kritiklos auf den Leim gehen, sich also für dumm verkaufen lassen. Wie sollten sie es auch besser wissen? Es gibt ja kaum noch kritische Medien, die sich an Normalmenschen richten. Und das sind bestimmt nicht die Menschen, die sich über das Internet mit Gegenöffentlichkeit versorgen.


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Gedanken zur Zeit 1866 28-09-10: Solidarität - ein deutsches Fremdwort

Die CSU-bayerische Arbeits-, Sozial- und Familienministerin Haderthauer bringt den Hartz-IV-Regelsatz auf die zynische Formel : "Es gibt hier kein Wunschkonzert". Die CDU-bundesdeutsche Arbeits- und Sozialministerin von der Leyen läßt ihre Beamten zur Ablehnung der Kosten für chemische Reinigung aufschreiben: "Solche Ausgaben sind nur bei teueren Kleidungsstücken erforderlich und stehen häufig mit einer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang." Die Bundeskanzlerin, die im vergangenen Jahr 20.667 Euro pro Monat bekam und in diesem und dem kommenden Jahr das 140-Fache des Hartz-IV-Zuschlägchens als Gehaltserhöhung noch mal obendrauf, bezeichnet die 5 Euro als einen "beachtlichen Vorschlag". Für die HRE hatte sie zur Durchreichung an deren wohlhabende Gläubiger und bonussüchtigen Banker so viel übrig, daß man allen 6,5 Mio Hartz-IV-Empfängern für 38 Jahre 50 Euro pro Monat hätte obendrauf legen können. Oder vergleichen wir mit dem Steuernachlaß für Hoteliers von 1 Mrd Euro pro Jahr, von dem allein die Bundeskanzlerin jedem Hartz-IV-Empfänger 13 Euro pro Monat extra hätte finanzieren können.

In einem Volk, das in Angst vor Altersarmut, Arbeitslosigkeit und Minijobs gehalten wird, denkt automatisch fast jeder an sich selbst. "Solidarität" verkommt zum Fremdwort.

Mich erinnert die deutsche Situation an einen Besuch in Südafrika unmittelbar vor der Wahl, die Mandela demokratisch an die Macht brachte. Wir trafen auch mit Cyril Ramaphosa, dem Führer der Nationalen Gewerkschaft der Bergarbeiter, Generalsekretär des African National Congress und Chefverhandler des Endes der Apartheid, zusammen. Seine warnenden Worte sind mir in intensiver Erinnerung: "Sie (die Reichen) können die Mauern um ihre Grundstücke noch so hoch ziehen, es wird ihnen nichts helfen."

Wir haben derzeit schon eine Menge Apartheid in Deutschland und täglich mehr.


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Gedanken zur Zeit 1865 26-09-10: Grafikdatenbank: Freier Zugang für Hartz-4-Besucher und ähnliche Situationen

Die Grafikdatenbank des Infoportals ist derzeit reserviert für Erwerber der Buchform (siehe hier). Es war eine Reaktion auf Bemerkungen wie, warum das Buch kaufen, wenn das Infoportal die Informationen gratis bietet? Die Buchform ist eine weit handlichere Version und ist nach viel Arbeit entstanden, deswegen mein und des Verlags verständliches Interesse an ihrer Verbreitung.

Doch gibt es einen festen Besucherkreis des Infoportals, der sich den Erwerb des Buches nicht leisten kann. Wer sich dazu rechnet, sollte mir bitte eine kurze Mail an jjahnke@freenet.de schicken. Es braucht dazu keinen Text, sondern nur einen Betreff mit einem vorgeschlagenen Zugangsnamen in vier Großbuchstaben; eine Antwortmail teilt dann das Paßwort mit.


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Gedanken zur Zeit 1864 26-09-10: BILDiktatur?

BILD stänkert nun schon seit vielen Monaten in einer ununterbrochenen Kampagne gegen Hartz-4-Empfänger. Da wurde Westerwelle der Rücken gestärkt, bis die FDP in den Keller ging. Dann wurde mit der Überschrift "Darf's noch ein bisschen mehr sein?" gegen eine Erhöhung polemisiert und gleichzeitig mit falschen Zahlen wegen der Kosten gearbeitet.

Natürlich wurde mit ebenso falschen Argumenten für die Rente mit 67 polemisiert. Und natürlich nahm BILD mit Sarrazin auch den Kampf gegen den Islam auf. Immer sind es Minderheiten, die sich BILD heraussucht, um die Gesellschaft zu spalten und gleichzeitig die Regierung unter Druck zu setzen, den Minderheitenschutz weiter abzubauen.

Diesmal hat die BILDiktatur ihr Ziel erreicht. Für die 16 cents pro Tag mehr können die Hartz-4-Empfänger nur alle drei Tage einmal BILD kaufen. Hoffentlicht tun sie es nicht!


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Gedanken zur Zeit 1863 26-09-10: Deutschland im Herbst: Wenn Solidarität zum Fremdwort verkommt

Was liebe ich Frankreich jedesmal, wenn mich die deutsche Ellenbogengesellschaft verstört! Solidarität hat dort seit der Revolution eine sehr konkrete Bedeutung. Wenn die Gewerkschaften streiken, ist die Gesellschaft solidarisch, auch wenn das Leben unbequem wird. In Deutschland ist Solidarität seit den 70er Jahren immer mehr zu einem Fremdwort verkommen. Die SPD als angebliche Partei der Solidarität hat mit den Hartz-4-Reformen schwere Steine auf die Solidarität geworfen.

Im Prinzip ist man in Deutschland dafür und träumt auch von einer solidarischen Gesellschaft. Doch in der Praxis regiert die Ellenbogengesellschaft, in der sich Jeder selbst der Nächste ist. Dazu tragen die Medien kräftig bei, indem sie Teile der Bevölkerung gegen einander ausspielen.

Mit dem dummen und unbegründeten Gerede über eine bevorstehende Vollbeschäftigung wollen Brüderle und andere den Eindruck erwecken, für alle arbeitslosen Hartz-4-Empfänger sei eigentlich genug Arbeit vorhanden, wenn sie nur endlich die Ärmel hochkrämpelten. So treibt man auch noch die Reste einer unerwünschten Solidarität aus.

Die Bundesregierungen haben einen riesigen Niedrigstlohnsektor hochwachsen lassen, und nun kann man trefflich gegen eine Erhöhung von Hartz-4 argumentieren. Das Fehlen solidarischer Mindestlöhne ist zu einer deutschen Sonderheit in Europa geworden. Ich schäme mich für deutsche Verhältnisse. Jeder aufrichtige Deutsche sollte sich schämen.

Zu dieser Bewertung paßt die neueste Emnid-Umfrage, ausgerechnet im Auftrag der BILD am Sonntag. Danach lehnen 56 Prozent der Bundesbürger jede Erhöhung der Hartz-4-Regelsätze ab, bei den Unions-Anhängern sind 61 Prozent dagegen. 14 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, die Sätze für Hartz-IV-Empfänger sollten gekürzt werden. Nur 36 Prozent sprachen sich für eine Erhöhung aus. Emnid befragte am vergangenen Donnerstag insgesamt 502 Personen. Man sollte den 56 Prozent wirklich wünschen, daß sie wie die mehr als 6,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger von bis zu 359 Euro monatlich leben müssen, nicht für ein Paar Tage sondern für viele Jahre. Sie werden dann schnell ihre Meinung ändern.

Und so sollen denn die Hartz-4-Sätze um gewaltige 5 Euro pro Monat angehoben werden. Dazu Heiner im Diskussionsforum: "Macht 16Cent pro Tag. Immerhin ne halbe Packung Billigspagetti!" Doch davon frißt die Inflation bei den Einzelhandelspreisen in diesem Jahr schon mal 3,06 Euro weg; bleiben 1,94 Euro oder 6 cents pro Tag. Übrigens Frau Merkel bekam im vergangenen Jahr 248.000 Euro oder 20.667 Euro pro Monat. In diesem Jahr werden es 340 Euro pro Monat mehr sein oder fast 70-mal mehr Zuschlag als bei den armen Hartz-4-Emfängern (insgesamt bekommt sie nun 58-mal mehr pro Monat). Und im kommenden Jahr wird Frau Merkel noch einmal 340 Euro pro Monat an Zuschlag bekommen.

Und das Ganze kann man dann noch mit den 150 Mrd Euro vergleichen, die bisher bereits an die Pleitebank HRE und von dort in die Taschen der reichen Gläubiger dieser Bank und in Millionen-Höhe als Boni an die Pleitebanker gegangen sind - alles Dank Großzügigkeit der Bundesregierung. Davon könnte man den 6,5 Millionen Hartz-4-Empfängern 38 Jahre lang jeden Monat 50 Euro mehr bezahlen statt der kümmerlichen 5 Euro.

Ein Deutschland ohne Solidarität ist jedenfalls nicht mehr mein Deutschland.


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Gedanken zur Zeit 1862 24-09-10: Immer, wenn man's eilig hat ...

Heute wollte ich noch vor Abreise von Bonn auf die Schnelle einen Rundbrief zur Bevölkerungsentwicklung in den neuen Bundesländern loswerden. Und da bin ich dann auf eine mißverständliche Tabelle im Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2010 reingefallen. Dort wurde ein gesamter Wanderungsverlust von 1.0896 Mio mit 25,5 % angegeben. Das habe ich in der mir auferlegten Eile dann als einen Rückgang der Bevölkung um ein Viertel interpretiert. Falsch natürlich, denn auf eine Bevölkerung von 18,1 Mio in 1990 sind es "nur" 6 %. Wichtiger ist da schon, daß fast drei Viertel im Alter bis unter 30 Jahren waren.

Nun habe ich mir vorgenommen, eher mal auf eine Meldung zu verzichten, als sie in Eile zu schreiben.


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Gedanken zur Zeit 1861 21-09-10: BILD hetzt gegen Hartz-4: Gehässiger geht's nicht

Unter der gehässigen Überschrift "Darf's noch ein bisschen mehr sein?" hetzt der heutige BILD-Kommentar einer Stephanie Jungholt gegen die Hartz-4-Leistungen und angeblich "vordergründiges Geschrei" nach mehr Leistung:

"Manch einem kann die Stütze gar nicht hoch genug sein: 400 Euro, 420 Euro, warum nicht gleich 500 Euro ... Moment mal! Immer nur noch mehr Geld löst die Probleme nicht! Schon jetzt arbeiten Hunderttausende hart für einen Lohn, der kaum höher als Hartz IV liegt! Schon jetzt ist der Anreiz zu arbeiten für viele Hartz-IV-Empfänger zu gering! Schon jetzt kostet das Ganze den Staat etwa 45 Milliarden Euro im Jahr!"

Da übertreibt BILD schon in den Zahlen gewaltig auf fast das Doppelte. Denn im Haushalt 2010 sind nicht 45 Mrd Euro sondern nur 24,3 Mrd Euro für das Arbeitslosengeld II eingeplant, und das als Teil der gesamten Grundsicherung für Arbeitssuchende von 38,7 Mrd Euro. Und innerhalb dieses Betrages gehen noch etwa 11 Mrd Euro an sogenannte Aufstocker, deren normaler Arbeitslohn zu niedrig ist. Die 150 Mrd Euro, die bisher bereits an die Pleitebank HRE und von dort in die Taschen der reichen Gläubiger dieser Bank gegangen sind, scheinen BILD dagegen vergleichsweise kalt zu lassen.


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Gedanken zur Zeit 1860 21-09-10: Der Brüsseler bürokratische Sumpf: Beispiel Roma

Wir leisten uns die in der Welt größte, luxeriös bezahlte und am wenigsten demokratisch legitimierte Verwaltung in Brüssel. Die Hauptstädte schieben meist zu Hause ungeeignete Politiker dorthin als Kommissare ab (auch immer wieder Deutschland), die besonders wenig Eignung für die Überwachung des riesigen Apparats haben. Dazu kommt die Arroganz, wie jetzt wieder am Beispiel der Luxemburger Kommissarin in ihrem Konflikt mit Frankreich dokumentiert.

Der Streit um die Roma zeigt an einem kleinen Beispiel die Brüsseler Mißwirtschaft. Nach Auskunft der Kommission haben 12 Mitgliedsländer Unterstützungprogramme für Roma auf der Basis von EU-Geldern von 17,5 Mrd Euro, meist aus dem Europäischen Sozialfonds. Frankreich hat wiederholt an die EU-Kommission appeliert, dafür zu sorgen, daß Rumänien mehr EU-Gelder einsetzt. Laszlo Andor, der EU Sozialkommissar hat nun eingeräumt, daß die Mitgliedsstaaten nicht genug EU-Gelder für Roma-Projekte abrufen. Insbesondere Rumänien nütze die Mittel des Sozialfonds nicht aus. Bisher hat Rumänien weniger als 1 % der fast 4 Mrd Euro abgerufen, die zwischen 2007 und 2013 für Rumänien und die dortigen Roma zur Verfügung stehen, während der Durchschnitt der EU-Länder bei 16 % liegt. Jetzt werden diese Mittel wahrscheinlich verfallen.

Rumänien möchte die Roma offensichtlich an andere EU-Länder, wie Frankreich loswerden statt ihnen im eigenen Land ein besseres Leben einzurichten. Es verlangt von Brüssel, das Problem als ein pan-europäisches statt als ein national rumänisches anzusehen. Dazu paßt ein Bericht in der heutigen Financial Times. Der Journalist hat schon vor dem Beitritt Bulgariens einen EU-Kommissar auf eine Reise durch Bulgarien begleitet, bei der auch ein ziemlich verkommenes Roma-Lager besucht wurde. Einer der bulgarischen Begleiter meinte, das sei ein großes Problem für Bulgarien und setzte lächelnd hinzu: "vielleicht bald auch ein Problem für Euch". Die Abwanderung von Teilen der Roma aus den Beitrittsländern war klar vorauszusehen. Warum wurde dann den Beitrittsländern eigentlich nicht zur Auflage gemacht, daß sie die allgemeinen Mittel aus dem Regionalfonds für ihre eigene Entwicklung nur bekommen würden, wenn sie gleichzeitig die Mittel für Roma sinnvoll in Anspruch nehmen?


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Gedanken zur Zeit 1859 20-09-10: Von Beethoven zur deutschen Demographie

In diesen Tagen sind in Bonn die jährlichen Beethovenfestspiele. Daran bin auch ich nicht vorbeigekommen. Was mir allerdings in Erinnerung bleibt, ist nicht Beethoven oder sein Violinenkonzert, sondern der Aufmarsch von festlich dunkel Gekleideten mit meist weißem Haupthaar oder - männlichenfalls - sehr oft Glatze. Die sahen aus wie zur Beerdigung gekleidet und waren meist selbst nicht mehr weit davon weg. Nun mag Bonn und Beethoven das Alter anziehen. Auch hat Bonn genügend gut pensionierte Beamte, die sich die nicht billigen Karten leisten können. Vielleicht ist der Altersdurchschnitt aber auch nur ein Vorgeschmack auf Deutschland landesweit in einigen Jahren.

Deutschland altert rasant und würde noch rasanter in die Jahre kommen, wenn nicht Immigranten mit zahlreichen Kindern den Prozeß etwas bremsen würden. Dazu paßt eine Meldung des Statistischen Bundesamts von heute. Danach ist inzwischen jedes vierte minderjährige Kind ein Einzelkind. In den deutschen Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern sind es sagar 29% der minderjährigen Kinder. Da kommen schon zwei Alte auf ein Junges, gar nicht zu reden von den sehr vielen Menschen ohne Kinder.

Einzelkind ist heute ein sehr typisches Schicksal. Oft verwöhnt. Ohne die Erfahrung des Teilens unter Geschwistern. Oft ohne die notwendige Sozialisierung mit Geschwistern in der Familie. Oft auch schlechte Ehepartner, weil sie fast immer zu Hause ihren Kopf durchsetzen konnten. Das gibt dann noch weniger Familien und noch weniger Kinder. Wie war das wohl zu Beethovens Zeiten?


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Gedanken zur Zeit 1858 17-09-10: Darf es noch verlogener sein? Angebliches deutsches Wirtschaftswunder und doch Sparen bei den Armen

BILD merkt gar nicht mehr, wie sich das Blättchen und die offizielle Politik widersprechen, indem sie ein angebliches Wirtschaftswunder feiern und dann für das große Sparen bei den Armen eintreten. Und das angebliche Wirtschaftswunder wird gefeiert, ohne auch nur ein Wort über die schlechte Bezahlung, miese Qualität und zeitliche Begrenzung dieser wunderbaren neuen Jobs zu verlieren, natürlich auch nicht über die permanente Manipulation der Statistik. Hier ein Auszug aus dem heutigen BILD-Titelseiten-Bericht. Mein Zeitungshändler meine nur, als ich auf den Titel zeigte, „habe noch nichts vom Wunder gemerkt!" Und hier nun BILD:

„Er ist der Minister des neuen deutschen Wirtschaftswunders: Rainer Brüderle (65, FDP) gestern im Bundestag (mit Photo). Keiner kommt so gut aus der Krise wie wir! Das neue deutsche Wirtschaftswunder Die Amerikaner feiern die starke deutsche Wirtschaft als „Powerhouse". Als „Germany Superstar!" und „Deutsches Powerhouse!" feiern uns die Amerikaner. Unser Jobwunder wird zum Wirtschaftswunder. o Wachstum rauf! o Arbeitslosigkeit runter! o Auftragsbücher voll! Bald haben wir unter drei Millionen Arbeitslose und so viele Jobs wie vor der Wende. Die Welt staunt über die bärenstarke deutsche Wirtschaft! ZUM GROSSKLICKEN Arbeitslosigkeit bald so niedrig wie 1992. US-Medien feiern die deutsche Wirtschaft bereits als „Germany's Superstar Economy" und neues „Powerhouse" (dt. Kraftpaket). Das angesehene „Wall Street Journal" urteilt „Merkel 1, Obama 0" und lobt: „Die Kanzlerin befolgte eine simple Regel: Schade der Wirtschaft nicht."


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Gedanken zur Zeit 1857 17-09-10: Die ersten Fehler mit den Roma wurden viel früher gemacht als jetzt in Frankreich

Die meisten Roma leben in Rumänien, wobei Schätzungen bis zu 2,5 Millionen gehen. Die korrupten Balkanländer Bulgarien und Rumänien hätten nie so früh in die EU aufgenommen werden dürfen. Und wenn man sie schon aufnehmen wollte, weil die Industrie in Kerneuropa dort Absatzmärkte witterte, hätte man durchaus wissen können, daß das für die rumänische Regierung auch eine Chance sein würde, einen Teil ihrer dort ungeliebten Roma loszuwerden. Da wurden schon gravierende Fehler gemacht.

Wenn man sich jetzt in Deutschland über die französische Regierung aufregt, weil sie Roma abschiebt, so sollte man nicht vergessen, daß Deutschland nicht nur Juden sondern auch sehr viele Zigeuner in die Gaskammern befördert hat und zu Allerletzt auf Frankreich mit dem Finger zeigen sollte. Und wenn die luxemburgische Kommissarin der EU den unseligen Vergleich mit eben dieser Vergangenheit anklingen läßt und Frankreich öffentlich in einen solchen Zusammenhang stellt, sollte sie eigentlich sofort entlassen werden. Hier noch einmal die ziemlich arrogante Aussage einer Person, die von Niemandem in dieses Amt gewählt wurde:

„Ich habe nicht geglaubt, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal Zeuge einer solchen Situation wird. Dies ist kein kleines Vergehen in einer Situation von dieser Bedeutung. Nach elfjähriger Erfahrung in der Kommission würde ich sogar noch weitergehen: Das ist eine Schande. Ich finde es zutiefst verstörend , dass ein Mitgliedsstaat die gemeinsamen Werte und das Recht der Europäischen Union infrage stellt."

Das ist eine klare Referenz zur Ablieferung französischer Juden in die Gaskammern der Nazis. Und ihre angebliche Entschuldigung ist gar keine, weil nun die schuld sein sollen, die ihre Bemerkungen angeblich falsch interpretiert haben :

„Ich bedauere die Interpretationen meiner Bemerkungen. Auf keine Weise will ich eine Parallele zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den Aktionen der heutigen französichen Regierung herstellen."

Nun fand ich heute in der Financial Times den Hinweis auf eine deutsche Abschiebung von Roma. Mit Kosovo soll vereinbart worden sein, dorthin 12.000 Roma zurückzuschicken. Warum berichten die deutschen Zeitungen eigentlich nicht darüber? Siehe auch hier.


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Gedanken zur Zeit 1856 16-09-10: Emotionen sind nicht unbedingt gut, aber langsam werde ich wirklich wütend

Das Vermögen der meist Vermögenden hat in Deutschland fast wieder den Stand wie vor der Krise erreicht. Ein Herr Ackermann und Konsorten verdienen wieder horrende Beträge. Die Zahl der Millionäre hat einen Sprung nach oben gemacht. Die neuen angeblichen Arbeitsplätze, mit denen sich Frau Merkel brüstet, sind unsicher und schlecht bezahlt. Dazu kommt viel Manipulation der Arbeitslosenstatistik.

Doch diese Regierung stellt sich hin und meint im Parlament, Ihrer Leistung sei die fiktiv niedrigere Arbeitslosenrate zu verdanken. Und damit sei alles gut. Dabei wird fast die gesamte Last aus der Krise auf die gelegt, die nie spekuliert haben und die ohnehin schon ganz oder fast ganz unten waren.

In USA ist 2009 die Zahl der Armen um 4 Millionen hochgeschnellt. Mit einem in sieben Menschen hat die Armutsrate derer im arbeitsfähigen Alter den höchsten Stand seit den 60er Jahren erreicht und die höchste Rate, seit in USA vor 51 Jahren diese Statistik eingeführt wurde. Allein im August haben Banken dort 95.364 Wohnhäuser in die Zwangsversteigerung genommen (ein Viertel mehr als ein Jahr vorher), dieselben Banken übrigens, die leichtsinnig die Hypotheken vergeben hatten und dies für Investitionsbanken, wie auch die Deutsche Bank, die mit den Hypotheken spekuliert hatten. Auch die Deutsche Bank treibt nun Menschen in USA auf die Straße. Die Zahl derer ohne Krankenversicherung stieg um 4,4 Millionen auf 50,7 Millionen oder fast 17 % der Bevölkerung, mehr als jeder Sechste.

Die Armut hat keine Lobby und kaum noch eine respektierte Wählerstimme. Und Massenmedien, wie in Deutschland BILD mit Sarrazin-Spalter-Sperrfeuer, versuchen, von dieser irrsinnigen Entwicklung abzulenken. Nein, liebe Regierungen der Besserverdiener und Lobbyisten, so könnt Ihr am Ende nicht durchkommen! Wenn Ihr glaubt, das elende Scheitern des Kommunismus so brutal für neoliberale Zwecke ausnützen zu können, wird es ein sehr böses Erwachen geben.


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Gedanken zur Zeit 1855 15-09-10: Belfast - Dublin - Bonn

Es ist wieder einmal eine Reise voller Kulturschocks, von der diese Gedanken heute kommen. Belfast am Nordatlantik und immer noch etwas im Religionskrieg; doch nicht mit dem Islam, wie Teile der öffentlichen Meinung in Kontinental-Europa. Wahrscheinlich die höchste Geburtenrate, die sich in Europa finden läßt. Kaum eine Spur von Krise.

Dublin noch multikultureller als London. Die Iren sind jahrhundertelang ausgewandert und schon deswegen gegenüber Immigranten tolerant. Um den Bahnhof herum ist alles polnisch. Im Straßenbild unzählig viele Rassen. Sarrazin würde hier verzweifeln. Die Krise beginnt sich in schließenden Läden zu zeigen.

Was mir immer an Irland Nord und Süd auffällt, ist der Respekt, der hier jedem Beruf entgegengebracht wird. Das gilt auch für die in Deutschland oft verachteten und Ausländern überlassenen Serviceberufe. Niemand fühlt sich hier einer Friseuse oder einer Putzfrau, einem Kellner oder einem Müllwerker überlegen. Fast alle sind vor nicht allzu langer Zeit mal schrecklich arm gewesen. Ganze Familien mußten vor dem Hunger nach USA flüchten. Dublin-Airport ist heute einer der größten Europas, auch weil hier die zahlreiche Verwandtschaft aus USA ankommt oder abfliegt. So ist auch die Toleranz in Irland viel mehr entwickelt als in Deutschland, wie man nicht zuletzt bei den ordentlichen Menschenschlangen an den Bushaltestellen feststellen kann, wo sich - anders als in Deutschland - niemand vordrängen würde.

Und jetzt Bonn. Wieder unter den Kopftuchträgerinnen und einigen Totalvermummten, von denen ich in Belfast oder Dublin keine einzige entdecken konnte. Multikulturell läuft das hier irgendwie anders und jedenfalls ziemlich einseitig, eher duokulturell, jedenfalls im Köln-Bonner Umkreis, wo sehr viele Türken zugewandert sind. Die Krise ist auch hier noch gegenwärtig. Die Menschen scheinen noch sparsamer geworden zu sein. BILD stänkert gegen die Ausländer, wie es in Großbritannien und Irland trotz Krise in diesem Stil undenkbar wäre.


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Gedanken zur Zeit 1854 13-09-10: Sarrazin - BILD's Wunderwaffe im Kampf für die Rechtsverschiebung der CDU

Eigentlich ist es schon ziemlich pervers. Da wird das Noch-SPD-Mitglied Sarrazin von BILD als Wunderwaffe für eine noch rechtere CDU eingesetzt. Dazu der Kommentar von heute unter dem Titel "Aufpassen, CDU!":

"Eine konservative "Sarrazin"-Partei würde alle Parteien Stimmen kosten, vor allem die CDU. Denn der Union laufen schon länger treue Wähler davon. In der Großen Koalition hat die Union die Marktwirtschaftler verprellt. Müttern, die für ihre Kleinkinder keinen Kita-Platz suchen, vermittelt sie immer öfter das Gefühl, sie seien von gestern. Mit der schwarz-grünen Schulpolitik in Hamburg ist die CDU auf den Kurs zur leistungsfeindlichen Einheitsschule eingeschwenkt. Und in der Sarrazin-Debatte hat die Union viele vor den Kopf gestoßen, die im Alltag unter den unangenehmen Folgen mangelnder Integration zu leiden haben. Im Fall Steinbach müssen sich auch noch die Vertriebenen als eher lästige Wählergruppe fühlen. Diese "modernisierte" CDU verliert also wesentlich mehr Stammwähler, als sie neue gewinnt. Wenn die CDU so weitermacht, bringt sie sich selber um ihre führende Rolle - auch ohne neue bürgerlich-konservative Konkurrenz."

Da kann man ahnen, in welchen rechtskonservativen Staat mit Müttern zu Hause, nationalistischen "Vertriebenen" (wieviele leben eigentlich noch, oder werden jetzt deren Kinder mobilisiert?) und einer neoliberalen Marktwirtschaft BILD will. Und die dummen Leser, deren Interessen so mit Füßen getreten werden, zahlen auch noch dafür!


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Gedanken zur Zeit 1853 10-09-10: Das Spiel mit der Angst

Wenn es stimmt, daß jede/r Zweite in Deutschland "große Angst" hat (siehe Rundbrief von heute), sollte das wirklich Anlaß zum Nachdenken sein. Das gilt erst recht, wenn die Angst vor überforderten Politikern am Meisten zugenommen haben sollte. Man kann Angst wegen der mangelnden Qualität unserer Politiker haben. Aber die Politik verbreitet auch bewußt Ängste, denn Ängste machen fügsam, besonders in Deutschland. So wird beispielsweise immer wieder mit der demographischen Entwicklung ein schwarzer Schatten über die Zukunft der Renten geworfen. Oder die Überschuldung des Landes an die Wand gemalt, um ein total unsoziales Sparprogramm zu rechtfertigen.

Ein weiteres Spiel mit der Angst betreiben Massenmedien, wie BILD oder SPIEGEL. Besonders für BILD gilt das Prinzip, über Ängste zu spalten und Teile der Bevölkerung gegen andere aufzuhetzen. Das lenkt dann trefflich von den Schwächen der Regierung ab. Also wird Sarrazin benutzt, um die Ängste vor Überfremdung zu schüren. Dann wieder wird er in einem großen Kommentar gegen die SPD benutzt, um deren Mitgliederschaft zu spalten. Jeder Spaltversuch erzeugt immer auch Ängste. Denn kein Volk schätzt die Solidarität so hoch wie die Deutschen. Da ist man in einer Zeit mit dem Führer bis in den Untergang solidarisch. Und in einer anderen Zeit werden Parteien abgewählt, weil sie Streit über Streitthemen zulassen.

Angst und Mißtrauen hängen eng zusammen. Ängstliche Menschen sind sehr oft mißtrauisch. Und umgekehrt entsteht Angst in einer Welt ohne Vertrauen umso leichter. Wenn Regierungen und Medien immer wieder falsch informieren, wird besonders viel Mißtrauen geweckt und in der Folge zusätzliche Angst. Eine Gegenöffentlichkeit, die der korrekten Information verpflichtet ist, kann dagegen auch helfen, den Angstpegel abzusenken, weil Menschen dann wieder ein besseres Gefühl bekommen, wo die Reise hingeht, und sich so orientiert im demokratischen Prozeß zur Wehr setzen können.

Angst ist eigentlich ein natürlicher Mechanismus, um Menschen davon abzuhalten, zu große Gefahren zu akzeptieren. Doch ein ständiger Angstpegel in der Gesellschaft senkt die Lebensqualität drastisch ab und fördert unsolidarisches Verhalten, weil mit dem Rücken zur vermuteten Wand dann jeder für sich selbst kämpft. In diesem Sinne ist Angst eine schlimme Seuche.

Nachtrag aus meinem Beitrag im Diskussionsforum:

Für mich kommen bei Deutschland viele Umstände zusammen, die mehr als anderswo Angst erzeugen, wie (in beliebiger Reihenfolge):

ein noch nicht überwundenes Trauma aus der verbrecherischen Vernichtung von Millionen Menschen und der Unterstützung von zwei Diktaturen auf deutschem Boden im letzten Jahrhundert (wobei die zweite natürlich weit weniger schlimm war),

eine schwere Störung des besonderen deutschen Solidaritätsbedarfs durch die Spitzenposition in der neoliberalen Globalisierung unter westlichen Ländern,

eine alternde und daher von Natur aus ängstlichere Bevölkerung (der Verzicht auf Nachkommenschaft ist nicht nur ein Wohlstandsphänomen, sondern auch Zeichen von Zukunftsangst, sonst müßten auch GB und Frankreich wegen ihres Wohlstands der Kinder entsagen),

der in sehr vielen Familien durch zwei verlorene Weltkrieg erlebte Verlust der meisten weltlichen Werte, und vor allem der Ernährer bei den zahlreichen Kriegswaisen (gehöre selbst dazu) bzw. Söhne, auf deren Unterstützung die Eltern gebaut hatten,

eine Neigung zu seelischen Untergründen statt rationalem Vorrang, wie in GB und vor allem Frankreich,

und wahrscheinlich noch vieles mehr, was so in anderen Ländern nicht zuschlägt.


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Gedanken zur Zeit 1852 08-09-10: Deutsche Bank: Einer der moralischen Totengräber unserer kranken Gesellschaft?

Paul Celan dichtete in seiner Todesfuge: "Der Tod ist ein meister aus Deutschland". Die Deutsche Bank scheint ein Meister in der Spekulation auf den Tod zu sein. Auch sie kauft nach einem SPIEGEL-Bericht Lebensversicherungen alter Menschen und spekuliert damit auf deren schnellen Tod. Die Rede ist dabei in den Prospekten von mehr als 500 "Referenzpersonen im Alter von 72 bis 85 Jahren". Balkendiagramme und Tabellen zeigen, wie viele Männer und Frauen dabei sind und aus welchen US-Bundesstaaten sie stammen. Sie bilden eine Gruppe von US-Amerikanern, die regelmäßig ihre Gesundheitsdaten für ein bizarres Rechenspiel zur Verfügung stellen: eine Wette auf ihren Tod, die zahlreiche Kleinanleger abgeschlossen haben. Der Bericht stammt aus einer 11-Seiten-Broschüre der Deutschen Bank über den "db Kompass Life 3 Fonds". Amerikaner, die ihre Police nicht mehr brauchen, verkaufen sie statt sie aufzulösen. Die Abnehmer sind Hedgefonds oder Banken, die auf die hohen Ausschüttungen spekulieren, wenn der Versicherte stirbt. Da gilt: Je früher, desto höher ist der Gewinn für die Investoren.

Beim Kompass Life 3 ging die Deutsche Bank allerdings noch weiter: Der Fonds investiert nicht mehr in reale Policen. Stattdessen erwarben die Banker von einer Zwischenfirma anonymisierte Gesundheitsdaten von Hunderten US-Amerikanern. Danach fingen die Finanzprofis an zu rechnen. Sie dachten sich einfach selbst mögliche Lebensversicherungen für diese "Referenzpersonen" aus. Nur auf dem Papier, rein theoretisch. So spart man sich den Einkauf und die teuren Prämien für echte Versicherungen. Die Deutsche Bank schuf einen eigenen Geschäftsbereich in ihrer US-Niederlassung, legte schon 2005 zwei Fonds auf, über die auch für deutsche Kleinanleger in Policen investiert wurde.

Schon vor einigen Monaten war die Deutsche Bank unethisch aufgefallen, als sie einen Fonds aufsetzte, mit dem Kleinanleger auf steigende Nahrungsmittelpreise und damit den Hunger in armen Ländern wetten konnten. Die Deutsche Bank warb damals für einen "Agriculture Euro Fonds" mit dem Slogan: "Freuen sie sich über steigende Preise?". Unter der Überschrift "Attraktive Perspektiven" wies die Bank auf die Vorteile einer "signifikant steigenden Weltbevölkerung" und "historisch niedriger Lagerbestände an Agrarrohstoffen" für das eigene Vermögen des Anlegers hin.

Im Internet wirbt Deutsche Bank X-Markets auch heute im Banker-Chinesisch als Spezialist für strukturierte Geldanlageprodukte:

"X-markets deckt das gesamte Spektrum moderner Anlagemöglichkeiten ab und bietet privaten und professionellen Anlegern Produktentwicklungs-, Handels- und Risikomanagement-Strategien aus dem Investment Know-How der Deutschen Bank an. Mit Zertifikaten, Optionsscheinen und Fonds bietet X-markets ein breites Angebot an Finanzprodukten basierend auf dem direkten Zugang zum globalen Investment Banking der Deutschen Bank. Lernen Sie das gesamte Produktspektrum kennen und informieren Sie sich über die einzelnen Produktstrategien."

Da kann auf die Entwicklung eines von der Deutschen Bank aufgestellten Index (DBIQ Index) gewettet werden, der 24 Rohstoffe beinhaltet. Etwa ein Drittel sind Agrarprodukte, wie Getreide, Weizen, Sojabohnen, Zucker, Kaffee, lebende Rinder, Schweine. Daneben hat die Deutsche Bank zwei Fonds von zusammen fast 6 Mrd Dollar, die direkt an der Chicago Terminbörse (CFTC) handeln und so die Kurse beeinflussen. Das erlaubt privaten Anlegern, sich ein Bündel von Lebensmittel-Futures, also Wetten auf die künftige Preisentwicklung, mit der gleichen Leichtigkeit zu kaufen wie man sonst Aktien kauft. Dabei ließ die Deutsche Bank sogar Brötchentüten beschriften, um bei Anlegern für diese Art von Spekulation auf den Hunger der Welt zu werben.


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Gedanken zur Zeit 1851 08-09-10: Grafik-Datenbank jetzt nur noch für Besitzer der Buchform

Leider mußte ich die Grafik-Datenbank schweren Herzens für den Allgemeinzugang sperren, da sie die Verbreitung der neuen Buchform zu sehr behindert. Mein wiederholter Hinweis auf die Vorteile dieser Form, die man überall zur Hand haben kann, scheint nicht genug zur Kenntnis genommen worden zu sein.

Die Grafik-Datenbank ist zusätzlich zum Shakerverlag (portofrei) auch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich. Mehr hier. Über den Shaker-Link können Sie auch durch einige Seiten blättern.

Wer das Buch erworben hat, kann mir das letzte Wort auf Seite 139 zumailen (jjahnke@freenet.de) und erhält dann den Zugangs-Code zur Datenbank auf dem Netz.


Gedanken zur Zeit 1850 20-09-10: Fakten zur Integration von Immigranten

Derzeit wird in Deutschland eine ziemlich wilde Diskussion um die Sarrazin-Thesen zur Integration von Immigranten und deren Kinder geführt. Doch die meisten Menschen machen das höchstens aus ihrem Bauchgefühl und vielleicht sogar nach der Häufigkeit, mit der sie selbst auf Immigranten stoßen. Nun erreichte mich heute ein Hilferuf:

"Ich lese regelmäßig ihre Rundbriefe und bin von der sachlichen Darstellung und der Hintergrundrecherche begeistert. Vielleicht könnte ein statistisch neutraler Beitrag über die Migration in der BRD einen wertvollen Beitrag zur aktuellen Debatte leisten. Es schwirren zu viele Behauptungen im Netz, die sich nur schwer verifizieren lassen, z.B. über den muslimisch gefärbten Anteil der Inhaftierten in der BRD. Um die teilweise vorhanden "Islamaphopie" in breiten Bevölkerungsschichten relativieren zu können, wären aus meiner Sicht die folgenden Statistiken hilfreich:

Anteil (absolut/proz.) des Bevölkerungsanteiles mit Migrationshintergrund

Anteil (absolut/proz.) des muslimischen Bevölkerungsanteiles,

Anteil (absolut/proz.) einkommensgestaffelt auf diese Bevölkerungsgruppe,

Anteil (absolut/proz.) der Sozialempfänger und Arbeitslosen bez. a.d. Bev.gruppe,

Anteil (absolut/proz.) der Straftaten bezogen auf diese Bevölkerungsgruppe,

Fertilität usw.

Mit diesen und weiteren Infos würden grundlegende und zweifelsfreie Daten zur Verfügung stehen, auf Grund derer eine mehr sachbezogene Diskurs möglich wäre."

Ich will versuchen, diesem Wunsch im Wochenbrief vom 16. September (kann hier bestellt werden), nachzukommen, zumal auch dieses Thema mit der Globalisierung eng zusammenhängt. Schließlich ist die massivste Einwanderungswelle aus der Türkei gestartet worden, um billigste Arbeitskräfte für die Großindustrie (z.B. Ford in Köln) ins Land zu holen und so die Basis für den globalen Wettbewerb zu verbessern.

Wer nicht so lange warten möchte, findet hier schon eine Menge.


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Gedanken zur Zeit 1849 04-09-10: Ein Wort zum Diskussionsforum

Aus zwei Gründen wird meine Freude am Diskussionsforum gelegentlich getrübt. Da gibt es einige weniger Teilnehmer, die sich unbedingt mit besonders langen Beiträgen um die 50 Zeilen und gelegentlich noch länger freischreiben wollen, oder vielleicht sogar glauben, sich mit Länge durchsetzen zu können. Das ist nicht unbedingt rücksichtsvoll gegenüber anderen, die nicht so viel Zeit aufbringen können und es vertreibt auch viele, die nur mitlesen wollen. Also bitte kurz fassen.

Andererseits gibt es einige Wenige, die glauben, sich ewig und immer wieder zu einer bestimmten Diskussion melden zu müssen, vielleicht weil sie am Ende nach ständiger Wiederholung ihrer Ansicht allein als Sieger übrig bleiben wollen. Auch das hat denselben Effekt. Es macht wirklich keinen Sinn, Diskussionen so lange zu führen, bis sie sich tot gelaufen haben.

Dann gibt es noch Zeitgenossen/innen, die die Kunst beherrschen, sich besonders mißverständlich auszudrücken, wobei sie sogar mehrere unterschiedliche Meinungen auf einmal vertreten können. Vielleicht merken sie es gar nicht. Die melden sich dann immer prompt und behaupten mißverstanden zu sein, nicht selten gepaart mit Vorwürfen, daß man sie überhaupt mißverstehen konnte oder daß man sie sogar absichtlich mißverstanden habe. Auch das macht wenig Sinn und entwertet das Diskussionsforum. Da ist es besser, mal eine Meinung zurückzunehmen, als immer wieder unschuldsvoll ein Mißverständnis zu behaupten.


Gedanken zur Zeit 1848 03-09-10: BILD hinter Sarrazin

Eigentlich sollte es überraschen: BILD stellt sich hinter Sarrazin:

"Unterschreibt Wulff den Antrag der Bundesbank auf Entlassung Sarrazins, gerät er bei Millionen Deutschen für lange Zeit in eine Schublade mit "denen da in Berlin". Dann reißt das jenen Graben zwischen Politik und Bürgern weiter auf, den gerade Wulff neu überbrücken will. Unterschreibt er nicht, hat er die Kanzlerin und die fast gesamte Politiker-Klasse gegen sich."

Dabei überrascht nicht, daß BILD auf der Linie von Sarrazin und angeblichen Millionen Deutschen die Zuwanderung von Islamisten kritisch sieht. Doch BILD ist im Springer-Vermächtnis seit jeher strikt auf der jüdischen oder israelischen Seite, auch aus der Erfahrung der deutschen Vergangenheit, und das weit mehr als andere deutsche Medien. Nun hat Sarrazin aber rassistisch von dem besonderen Gen der Juden geschwafelt. Solche Sprüche aus dem Mund eines Deutschen in einer öffentlichen Funktion kommen im Ausland entsetzlich schlecht an. Prompt hat beispielsweise die Financial Times einen sehr kritischen Kommentar gebracht.

Nach dem "Verhaltenskodex" für Bundesbanker müssen sich "die Vorstände jederzeit in einer Weise verhalten, die das Ansehen der Bundesbank und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Bundesbank aufrecht erhält und fördert." Die Bundesbank ist eine der am stärksten international verwobenen deutschen Institutionen. Sie sitzt im Vorstand der EZB und steht für die Seriosität des deutschen Geldwesens, soweit es nicht von der EZB geregelt wird. Wenn dann ein Vorstandsmitglied mit rassistischen Thesen, die an die unselige deutsche Vergangenheit erinnern, aufwartet, sollten die Folgen klar sein. Nicht nur daß Weber seine Chancen, EZB-Präsident zu werden, hätte begraben können, wenn er nicht den Rauswurf eingeleitet hätte!


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Gedanken zur Zeit 1847 30-08-10: Die "Chaoten" sind unter uns: Von der Geistesverwandtschaft zwischen Neoliberalen und Klimaskeptikern

Es gibt für mich zwei Arten von Chaoten. Die Schlimmsten sind natürlich die, die das Chaos bewußt herbeiführen wollen. Zahlreicher sind jedoch diejenigen, die Chaos leichtsinnig heraufbeschwören, indem sie entweder dessen Risiko leugnen oder jedenfalls dem Staat das Recht und die Pflicht zur Gefahrenabwehr bestreiten. Zu dieser Art von Chaoten rechne ich heute vor allem die Neoliberalen, die sich von Krise zu Krise hangeln und immer noch die Ansicht vertreten, der Markt reguliere sich selbst und erst der Staat sorge mit seinen Eingriffen für Chaos. Oder schlimmer noch, wenn sie auch noch die Krisen positiv bewerten. Dieses Gedankengut geht teilweise auf Vorstellungen von der schöpferischen Zerstörung zurück. Die Zerstörung ist dann notwendig und nicht etwa ein Systemfehler, damit Neuordnung stattfinden kann. Schon Nietzsche hat gemeint, wer ein Schöpfer sein wolle im Guten und im Bösen, der müsse ein Vernichter sein und Werte zerbrechen.

Ich rechne zu dieser Form von Chaoten aber auch diejenigen Klimaskeptiker, die leichtfertig die globale Erwärmung der Erde bestreiten oder als einen rein natürlichen und damit unabwendbaren Prozeß ansehen und jedenfalls klimaschützende Maßnahmen der Gefahrenabwehr für unnötige und sogar unsoziale Eingriffe brandmarken. Wie die Neoliberalen glauben sie, daß die Politik nicht in natürliche Entwicklungen eingreifen sollte. Dabei nehmen sie das Klimachaos leichtfertig in Kauf. Längst entwickeln sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, die globalen Temperaturen oder die Eisschmelze in der Arktis schon wegen der Geschwindigkeit der Veränderungen jenseits natürlicher Schwankungsbreiten, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen bzw. vermuten müssen. Das erste Halbjahr 2010 war global das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen gemessene und vielerorts dementsprechend auch das feuchteste, denn warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf. Auch in Deutschland ist noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in einem August so viel Regen gemessen worden, pro Quadratmeter rund 157 Liter.

Noch kann allerdings die Klimawissenschaft keine sicheren Antworten auf einige für die künftige Entwicklung wichtige Fragen bringen. Dazu gehört nach einem Bericht in der heutigen Financial Times der Umfang des wahrscheinlichen Temperaturanstiegs. Die Schätzungen gehen immer noch weit auseinander von 1,5 bis 4 Grad im Zeitraum der nächsten fünfzig Jahre, woraus sich der von den Regierungen in Stockholm akzeptierte Grenzwert von 2 Grad erklärt, dessen Überschreitung sie verhindern wollen. Nicht geklärt ist die Rolle, die Methan mit seinem wesentlich höheren Treibhauseffekt spielen kann. Und vor allem ist immer noch die Rolle der Wolkenbildung nicht ausreichend geklärt, und mit mehr Wärme kommen in globalen Dimensionen auch mehr Wolken. Sie verstärken einerseits den Treibhauseffekt, indem sie Sonnenenergie einfangen, andererseits beschatten sie und können so den Treibhauseffekt bremsen.

Doch Regierungen sind sowohl auf den Finanzmärkten wie beim Klima zur Gefahrenabwehr verpflichtet. Sie dürfen nicht warten, bis das Chaos eingetreten und die Diskussion über seine Wahrscheinlichkeit verstummt ist.


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Gedanken zur Zeit 1846 29-08-10: Panne im Diskussionsforum

Liebe Diskutanten, leider hatte es beim Hochladen meiner letzten Beiträge zum Diskussionsforum eine Panne gegeben, die jetzt behoben ist. Das tut mir leid, weil einige möglicherweise vergebens versucht haben, ihre Kommentare zu diesen Beiträgen abzuschicken. Bitte kommen Sie jetzt wieder.


Gedanken zur Zeit 1845 27-08-10: Wie Sie zum eigenen Vorteil dem Infoportal helfen können

Dies ist kein Bettelbrief. Das Infoportal macht mit und ohne Ihre Hilfe weiter, auch wenn der Kosteneinsatz (ohne sehr viel Arbeitszeit) pro Jahr jetzt bei erheblich mehr als 1.000 Euro liegt. Es wird auch kein Spendenverein gegründet oder mit Werbung finanziert werden wie bei anderen Webseiten. Doch können Sie - und das zum eigenen Vorteil - das Grafik-Datenbuch erwerben. Das braucht nämlich noch viel mehr Absatz, um aus der Verlustzone zu kommen, zumal der Preis für einen Farbdruck sehr knapp gerechnet wurde.

Die Grafik-Datenbank ist jetzt zusätzlich zum Shakerverlag (portofrei) auch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich. Mehr hier. Über den Shaker-Link können Sie auch durch einige Seiten blättern.

Dazu Prof. Dr. Peter Bofinger (einer der fünf "Wirtschaftsweisen"):

"In einer Zeit, in der wirtschaftspolitische Debatten immer mehr zu Glaubenskämpfen werden, kommt es darauf an, die Fakten zu kennen. Joachim Jahnke hat mit viel Akribie und Geschick eine außerordentlich wertvolle Datenbank zusammengestellt, mit der man sich auch als Laie eine fundierte eigene Meinung bilden kann."


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Gedanken zur Zeit 1844 20-08-10: Liebe Freunde aus Österreich und der Schweiz

Diese Webseite und die Wochenbriefe erfreuen sich regen Zuspruchs aus den beiden Alpenländern. Für mich ist diese Südausdehnung des Interessentenkreises über die Landesgrenzen hinaus eine ganz besondere Freude. Nicht nur, daß ich selbst dort gern zu Besuch bin, viele Wirtschafts- und Sozialdaten sollten uns in Deutschland Stoff zum Nachdenken sein, zumal diese Vergleichsländer so nah liegen und so viel kulturelle Gemeinsamkeiten aufweisen. Denn sehr vieles wird dort besser gemacht.

Ich habe mich daher entschlossen, einen alten Ländervergleich mit den beiden Alpenländern neu aufzulegen und in den kommenden Wochenbrief zu packen, der hier kostenlos bestellt werden kann. Den Vergleich hatte ich vor etwas mehr als drei Jahren hier aufgelegt, aber in drei Jahren kann sich schon einiges verändern. Der Vergleich gehörte zu einem Paket von getrennten Ländervergleichen, wobei die anderen die skandinavischen Länder, Frankreich und die USA ausleuchteten. Auch die werde ich gelegentlich aktualisieren müssen.


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Gedanken zur Zeit 1843 24-08-10: Steuerparadies Deutschland? Für wen eigentlich?

Der SPIEGEL tischt unter der Überschrift "Steuerparadies Deutschland" wieder einmal das Märchen auf, wonach nur ein kleiner Teil der Bevölkerung für den Großteil der Einnahmen sorgt und suggeriert ein Steuerparadies für die anderen:

"Allein die oberen zehn Prozent der Steuerpflichtigen sorgen für mehr als 53 Prozent des Aufkommens, die untere Hälfte dagegen nur für knapp acht Prozent. Dies gilt zumindest für die Steuern auf Lohn und Gehalt - und von denen ernährt sich der Staat zu einem beträchtlichen Teil: Im vergangenen Jahr sorgten sie für rund ein Drittel seiner gesamten Einnahmen. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. In abgeschwächter Form gilt dieses Prinzip ebenfalls bei der mit 34 Prozent wichtigsten Einnahmequelle des Staates: der Mehrwertsteuer. Geringverdiener geben zwar prozentual mehr Geld für Konsum aus als Gut- und Bessergestellte. Letztere kaufen aber mehr als Bürger mit niedrigerem Einkommen. Rechnet man alle indirekten Steuern zusammen - also neben der Mehrwertsteuer unter anderem noch die Energiesteuer -, tragen die zehn Prozent mit den höchsten Verdiensten fast 19 Prozent zu den gesamten Einnahmen bei; die untere Hälfte dagegen nur zu knapp einem Drittel."

Doch einerseits wird dabei vergessen, daß die Gut- und Bessergestellten ihr Einkommen vor allem in Vermögensanlagen tragen, wo es relativ steuerfrei operieren kann, weil Deutschland anders als andere Länder keine Vermögenssteuer mehr hat und weil Kapitaleinkünfte mit 25 % Abgeltungssteuer viel geringer als Arbeitseinkommen besteuert werden. Auch sind die Steuern auf Aktiengesellschaften, die ihren Profit vor allem an besser betuchte Aktionäre und ausländische Rentenfonds ausschütten, immer weiter abgesenkt worden. Der SPIEGEL berichtet selbst, daß im vergangenen Jahr die Köperschaftssteuer nur noch 1,5 % der Steuereinnahmen erbrachte.

Mit der Anhebung der Mehrwertsteuer, deren Satz für Arme und Reiche der gleiche ist, der Abschaffung der Vermögenssteuer, der Absenkungen des Spitzensteuersatzes, der Einführung der geringeren Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte und der Absenkung der Unternehmenssteuern, ist jedenfalls der sozialpolitisch notwendige Umverteilungseffekt des deutschen Steuersystems immer weiter reduziert worden. Heute hat Deutschland im internationalen Vergleich einen überdurchschnittlichen impliziten Steuersatz auf Arbeit und einen der niedrigsten impliziten Steuersätze auf Kapital.


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Gedanken zur Zeit 1842 23-08-10: Was ist eigentlich ein "Unrechtsstaat"?

Ein Unrechtsstaat ist das Gegenteil eines Rechtsstaates, soweit so einfach. Was ist dann ein Rechtsstaat? Ein Rechtsstaat ist in meinem Verständnis ein Staat, in dem freiheitliche und soziale Grundrechte gelten und in dem man sich gegen staatliche Willkür schützen kann. In diesem Sinne war die DDR bestimmt kein Rechtsstaat. Denn es gab ein politisches Strafrecht, das jeder Grundfreiheit - einschließlich freier Meinungsäußerung - Hohn sprach. Man konnte sich nicht gegen staatliche Willkür schützen, weil es keine Verwaltungsgerichtsbarkeit gab, die dem Staat auf die Finger schaute. Es gab natürlich auch kein Freiheitsrecht im Sinne einer politischen Wahlmöglichkeit zwischen Parteien, da die Einheitspartei oder der Parteienblock herrschte und da Wahlergebnisse verfälscht wurden.

Nun kommt der letzte DDR-Ministerpräsident daher und erklärt, auch in der DDR sei im Sinne einer Rechtsordnung Mord Mord und Diebstahl Diebstahl gewesen. Das eigentliche Problem seien das politische Strafrecht und die fehlende Verwaltungsgerichtsbarkeit gewesen. Er lehne die Verwendung des Begriffs "Unrechtsstaat" für die DDR ab. Der Begriff unterstelle, daß alles, was dort im Namen des Rechts geschehen sei, Unrecht war.

Doch daß Mord und Diebstahl bestraft werden, zeichnet selbst die schlimmsten Unrechtsstaaten, wie weiland das Dritte Reich, aus und ist wirklich kein Argument gegen den Unrechtsgehalt des DDR-Systems. Und sicher ist selbst in Diktaturen mit hohem Unrechtsgehalt nicht "alles", was dort im Namen des Rechts geschieht, Unrecht. So einfach kann man sich die Definition eines Unrechtsstaats also nicht machen.

Daß in der DDR ein willkürliches politisches Strafrecht - z.B. gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung - galt und kein gerichtliche Überprüfung von Staatsakten zugelassen war, sind eindeutige Merkmale eines Unrechtsstaates, jedenfalls in meinem Verständnis. Natürlich gab es in diesem Sinne ebenso andere Unrechtsstaaten, auch unter den westlichen Ländern, die mindestens zeitweise im Kalten Krieg ein willkürliches politisches Strafrecht praktizierten und in denen man sich nicht vor Verwaltungsgerichten gegen jedwedes staatliches Unrecht wehren konnte. So waren für mich die USA in den 50er Jahren zur Zeit der willkürlichen Kommunistenverfolgung (Joseph McCarthy), die viele Exististenzen vernichtet hat, kein Rechtsstaat mehr. In diesem Sinne relativiert sich der Unrechtsgehalt des DDR-Systems etwas, auch wenn er dadurch nicht verschwindet.

Wenn nun Lothar de Maizière die DDR nicht als Unrechtsstaat bezeichnen möchte, ist sie für ihn dann also ein Rechtsstaat gewesen? Zwischen Recht und Unrecht gibt es eben kein Zwischending. Das ist das besondere Wesen des Rechts, genauso wie Mord eben immer Unrecht ist und nicht etwas zwischen Recht und Unrecht sein kann, auch wenn es mildernde Umstände geben mag. So, wie es nicht ein bißchen Schwangerschaft gibt, kann es nicht Staaten geben, die gleichzeitig Rechts- und Unrechtsstaaten sind. Da muß man sich schon entscheiden, auch wenn das unbequem ist.


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Gedanken zur Zeit 1841 20-08-10: Die SPD-Umfragewerte steigen: Also stänkert der Spiegel gegen Gabriel

Eigentlich kann es nicht überraschen. Da greift nun der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros Christoph Schwennicke zur Feder und stänkert gegen Gabriel. Die Angst vor einer nach links rutschenden und damit gegenüber der Links-Partei offeneren SPD scheint schon tief zu sitzen. Hier Auszüge aus dem Kommentar von heute unter der Überschrift "Roter Scheinriese":

"... hat Gabriel in diesem knappen Jahr dreimal eklatant nachgewiesen, dass er nach wie vor eine große Gabe dafür hat, mit dem Hintern einzureißen, was er vorne aufgebaut hat. Einmal hat er aus der Ferne einer griechischen Insel mit dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan geliebäugelt, das nächste Mal das Minderheitenmodell von Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen als denkbar für den Bund bezeichnet, und zuletzt war er drauf und dran, die Rente mit 67 den Abrissbirnen der Partei zu übergeben.

Alle drei Gabrieladen gingen vor allem auf die Knochen und die Nerven des weißhaarigen Mannes an der Spitze der SPD-Bundestagsfraktion. Frank-Walter Steinmeier bewahrte dreimal mit Mühe Contenance und versuchte, die Sache hinter den Kulissen wieder geradezubiegen.

Wer sich schon für 2013 wieder in Position schiebt, Regierungsverantwortung zu übernehmen, darf sich bis dahin nicht in fröhlichem Eskapismus ergehen und oppositionelle Phantasien ausleben wie bei der Rente mit 67. Die Rente mit 67 ist hart, aber richtig, und nach Lage der Dinge werden wir auf eine Rente mit 70 zusteuern. Das muss man den Leuten, auch und gerade den eigenen, schonend beibringen - und ihnen nicht nach dem Mund schwätzen."

Arme SPD. Da versucht sie, zu ihrer eigentlichen Wählerclientele zurückzufinden, die sie das letzte Mal verloren hat, und schon kriegt sie Medienfeuer. Schwennicke ist 44 Jahre alt und damit noch 26 Jahre weg von dem Rentenalter mit 70, von dem er träumt. Und auf seinem bequemen Redaktionsstuhl wird er das wahrscheinlich anders als die meisten Mitmenschen gesund und munter erreichen. Man sollte das allgemeine Rentenalter bei 65 lassen, dafür aber das für BILD- und SPIEGEL-Schreiblinge auf 100 erhöhen, denn eine Rente sind die eh nicht wehrt.


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Gedanken zur Zeit 1840 19-08-10: Meine Auswertung der Umfrage des Infoportals

Zunächst einmal möchte ich allen 211 Teilnehmer, die in dieser Zahl das Ergebnis relativ repräsentativ gemacht haben, herzlich danken. Sehr gefreut habe ich mich auch über die vielen positiven Bewertungen des Infoportals und seiner Rolle als Informationsquelle in der deutschen Internetszene. Ebenso gefreut habe ich mich über die hohe Frequenz, mit der viele Teilnehmer das Infoportal besuchen: fast drei Viertel täglich oder mehr als zweimal pro Woche. Da gibt es also eine feste Anhängerschaft für alternative und dennoch seriöse Information.

Nun bin ich mit besonderer Spannung an die Umfrage gegangen, um festzustellen, ob mein Stil als gelegentlich zu polemisch bei vielen Besuchern anecken würde. Doch nur 25 von Ihnen fanden die Rundbriefe als gelegentlich zu polemisch und nur 34 die Gedanken zur Zeit, bei denen ich mir bewußt mehr Freiheit zur Formulierung einer persönlichen Meinung nehme. Außerdem waren einige der Kritiker die gleichen, die mir dann konkret Meinungsdifferenzen mit der Linkspartei und ihrem Sprachorgan Nachdenkseiten vorwarfen und Solidarität einforderten. Es muß aber meiner Ansicht nach gerade im linken Spektrum möglich sein, Streit auszutragen, wenn es sich um wichtige Fragen der politischen Orientierung handelt. Das gilt besonders für die Einschätzung der neoliberalen Globalisierung, bei der Linkspartei und Nachdenkseiten z.B. weder an Lohndumping noch Wechselkursmanipulation Chinas Kritik zulassen, und gilt andererseits gerade für das Infoportal, das sich die Kritik an der neoliberalen Globalisierung auf den Leib geschrieben hat. Persönliche Animositäten, wie mir gelegentlich unterstellt wird, pflege ich neben diesen gravierenden sachlichen Unterschieden nicht.

Unter den Besuchern des Infoportals gibt es viele aus Ost-Deutschland. Einer fordert die Würdigung der Leistungen der Ostdeutschen aus deren realer Wirtschaftssituation nach dem Weltkrieg und beklagt sich über Polemik gegen Ost-Deutsche. Für diese Thematik scheint mir das Infoportal jedoch nicht der richtigte Platz zu sein.

Ich bin auch froh, daß nur 2 Teilnehmer den Schwierigkeitsgehalt der Darstellungen für zu hoch halten.

Bei der Frage nach von mir vernachlässigten Themen waren die meisten Teilnehmer der Meinung, daß die aufgegriffenen Themen schon jetzt breit genug gefächert seien. Natürlich gab es wieder Wünsche nach mehr zu Klima und Umwelt und umgekehrt die Forderung, diese Thematik ganz auszuklammern. Ich werde also hier weitermachen wie bisher, zumal ich an die Gefährlichkeit der Umweltentwicklung fest glaube. Gewünscht wurde mehr zu Hartz IV und dem Arbeitsmarkt, was ich sicher aufgreife (siehe auch kürzlichen Bericht über Menschen von 50plus), zur Indifferenz unserer Mitbürger (beschäftigt mich ständig).

Es gab auch eine Menge Anregungen für zusätzliche Themen. Einige kann ich nicht aufgreifen, weil ich selbst nicht genügend Erfahrungen habe oder weil sie zu weit weg von der Globalisierungsproblematik liegen: Verkehr und Verhrspolitik, Atomausstieg, Umbau der gesetzlichen Rentenversicherung (verweise allerdings immer wieder auf Skandinavien), Folter, Machtpolitik der Großmächte, Betrug an Bankkunden und Wirtschaftskriminalität, Geopolitik mit dem entsprechendem militärischem Potential, Reglementierung des Internets.

Ein Teilnehmer will mehr über Wirtschaftsmodelle, ein anderer über Wirtschaftstheorie. Das würde wahrscheinlich viele Besucher überfordern. Außerdem halte ich selbst wenig von Theorie, schon gar nicht bei den Wirtschaftswissenschaften (zumal ich selbst kein gelernter Ökonom bin).

Andere geforderte Themen stehen bei mir durchaus auf der Tagesordnung, wie Sicherheit der Energieversorgung und die Verknappung von Rohstoffen, Demographie (wenn auch nicht die gewünschte Auseinandersetzung mit Bosbach), Medienmanipulation, Lebensstil, Ausbeutung in Entwicklungsländern (habe mich ausführlich mit Indien und China beschäftigt, wenn auch nicht mit Entwicklungsländern insgesamt).

Weltuntergangsthemen und Verschwörungstheorien vermeide ich und überlassen sie den darauf spezialisierten Webseiten. Deswegen greife ich z.B. nicht die Geldtheorien auf und setze mich nicht ständig mit dem Zinsmechanismus auseinander. Das gilt auch für die Bilderberger oder die tiefsinnige Frage, wer regiert die Welt?

Auch werden von einigen Teilnehmern Alternativen gefordert. Ich denke jedoch, daß ich oft genug eine Rückkehr zur eigentlichen Sozialen Marktwirtschaft fordere und die Fehlentwicklungen deutlich herausstelle, vor allem in der neoliberalen Globalisierung und im Finanzbereich. Einer meint, es gebe nur ein Thema, welches von Bedeutung sei: Welches wird der erste gemeinsame Schritt der Besucher und Forenuser dieser Site sein, um eine positive Veränderung in diesem Land zu bewirken? Das muß nun jeder wirklich mit sich selbst ausmachen und möglichst an der Wahlurne (ich werde jedenfalls keine eigene Partei gründen).

Nun zu den Verbesserungsvorschlägen, die von 82 Teilnehmern unterbreitet wurden und die ich hier sicher nicht alle einzeln abhandeln kann. Viele haben die Gelegenheit benutzt, um ihre Wertschätzung auszusprechen. Ein Teilnehmer sorgt sich, daß ich die Datenbank ganz allein betreue und stellt die Frage, ob jemand meine Arbeit fortführen könnte, sollten ich einmal ausfallen. Leider ist meine Arbeit und die dafür notwendige Technik doch so speziell, daß da kein anderer einfach einsteigen kann.

Ein anderer Teilnehmer fragt, wie er an aktuellere Fassungen meiner Grafiken aus meinen Büchern (vor allem Globalisierung: Legende und Wahrheit) herankommen kann. Die Antwort ist einfach: Grafiknummer aus dem Buch in das Suchprogramm der Homepage eingeben; dann auf der jeweiligen Seite weitersuchen mit der Browser-Suchfunktion.

Es gibt auch Verbesserungsvorschläge für das Diskussionsforum, wie Einleitungfragen durch den Moderator oder Zeilenbegrenzung. Doch sollten wir uns hier bewußt bleiben, daß der Moderator schon jetzt eine Menge Arbeit freiwillig und ohne Gegenleistung auf sich nimmt, die ich nicht mehr erbringen könnte.

Ein Vorschlag zielt auf mehr weiterführende Links ab. Ich benutze eine Menge Links schon jetzt. Mehr Links zu Hintergrundmaterial wäre mehr Arbeit für mich und da fehlt mir einfach die Zeit.

Ein Teilnehmer meint, Effis Presseschau könnte gern häufiger erscheinen. Doch ich bin froh, daß sie die wöchentliche Arbeit auf sich nimmt, die sie total selbstlos erbringt.

Bei den Ländervergleichen, mit denen ich oft arbeite, wurde der Wunsch geäußert, noch mehr Länder aus anderen Kulturkreisen (Indien, Japan, Thailand, Brasilien, ...) einzubeziehen. Ich vermeide das bisher, auch hinsichtlich Osteuropa, weil solche Vergleiche schnell hinken, noch mehr Arbeit machen und dann auch unübersichtlich werden. Schon aus den Vergleichen mit EU und USA kann man sehr viel mitnehmen.

Von einem Teilnehmer werde ich aufgefordert, mit den nachdenkseiten zusammenzuarbeiten. Doch die haben die Zusammenarbeit vor einigen Jahren einseitig beendet und ich kann sie nicht dazu zwingen. Auch der Vorschlag, ich sollte in nachdenkseiten Gastbeiträge schreiben, geht daher ins Leere, ganz abgesehen von meinem Zeitmangel. Als wir noch kooperierten, hat nachdenkseiten auf meine Beiträge hingewiesen, doch das haben sie dann gestoppt.

Es gibt auch Wünsche nach Verbesserung der Navigation. Doch den damit verbundenen Zeiteinsatz kann ich derzeit einfach nicht aufbringen und bitte daher um Nachsicht.

Ein Teilnehmer wünscht sich die Benutzung von Pastellfarben, weil die beim Ausdrucken weniger Toner verbrauchen. Doch dann leidet die Übersichtlichkeit. Außerdem folgen meine Grafiken einem festen vorgegebenen Farbmuster, an das man sich leichter gewöhnen kann. Ein anderer wünscht eine Druckfunktion, doch auch das ist leider wieder Arbeit und das kann ja jeder selbst mit copy and paste auf ein Wordprogramm einrichten. Wieder ein anderer Teilnehmer wünscht ein weniger kastenförmiges Webdesign. Doch in dieser Hinsicht bin ich altmodisch und meine, daß der Inhalt wichtiger als die Schönheit der Seite ist. Es gibt die schönsten Seite im Netz fast ohne jede Substanz.

Schließlich wirft mir ein Teilnehmer vor, mein Weltbild als Ganzes sei zu pessimistisch. So hätte ich vor ca 1,5 Jahren die Finanzkrise mit der Depression von 1929 verglichen. Der Vergleich sei nicht zulässig, da sich mittlerweile die Einsicht in das Funktionieren der Märkte verbessert habe. Ich wünschte, der Teinehmer hätte recht. Doch halte ich den Vergleich mit 1929 für durchaus angebracht, zumal ich nicht glaube, daß wir die Krise bereits hinter uns haben und sie wird diesmal vielleicht länger als in den 30er Jahren, weil heute die Einkommensverteilung noch viel ungleicher ist und nicht mehr durch Kredite überbrückt werden kann.


Gedanken zur Zeit 1839 19-08-10: Die neoliberalen Beharrungskräfte in Deutschland profitieren von niedriger Bildung der Bevölkerung

Nach der neuen Emnid-Umfrage ist das Vertrauen auf die sogenannten Selbstheilungskräfte der Märkte bei der Lösung der Probleme, die durch die Wirtschafts- und Verschuldungskrise hervorgerufen wurden, offensichtlich sehr stark von Bildung abhängig. Insgesamt glauben nur noch 28 % daran und bei denen mit höherer Schulbildung nur 20 % in Deutschland und nur 18 % in Österreich. Dagegen sind die Werte für Menschen mit niedriger Bildung viel größer, nämlich 47 % in Deutschland und 38 % in Österreich (siehe heutiger Rundbrief).

Hängt die starke Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems etwa damit zusammen, daß Dumme leichter für die Neoliberalen zu gewinnen und dabei auch leichter von BILD beeinflußbar sind? Diese Frage drängt sich auf, auch wenn man hoffen möchte, daß es nicht so ist. Wäre es so, würde man besser verstehen, warum gerade Deutschland an der Front der globalen neoliberalen Entwicklung marschiert.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/dsezqE

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Gedanken zur Zeit 1838 17-08-10: Der Flirt der europäischen Sozialdemokratie mit dem großen Geld und der böse Doppelverrat an den eigenen Wählern

In Westeuropa gab es nur zwei große sozialdemokratische Parteien mit langer Tradition, die deutsche SPD und die britische Labour Party. Beide sind gestolpert, weil sie mit dem großen Geld flirteten. Schröder tat das zigarrenrauchend in Deutschland und versuchte dabei Blairs New Labour zu imitieren. Steinmeier setzte diesen Kurs in der Großen Koalition fort. In Großbritannien war Blair-Nachfolger Brown in die City verliebt und tat alles, was die Banken wollten, einschließlich einer laschen Bankenaufsicht. Schröder/Steinmeier und Brown verrieten die Interessen ihrer Wähler und wurden von ihnen in die Wüste geschickt.

Doch auf den ersten Teil des Verrats an den Wählern folgte ein zweiter, weil mit dem Versagen der Sozialdemokratie Regierungen der Weg an die Macht bereitet wurde, die erst recht die Interessen traditionell sozialdemokratischer Wähler mit Füßen treten. So lassen die britische und die deutsche Regierung von heute die Menschen für die Krise zahlen, die nie das Geld hatten, um selbst zu spekulieren. Besonders pervers ist das in Großbritannien, weil hier die Liberal Party mit ihrem Sozial- und Steuerprogramm bis zu den Wahlen deutlich links von Labour stand, dann aber in der Koalition mit den Konservativen weit nach rechts gerückt und heute der deutschen FDP vergleichbar ist. So werden nun die Mehrwertsteuer erhöht, Sozialleistungen gestrichen und vieles Unsoziales mehr.

Das sollte eine Lehre für sehr lange Zeiten sein.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/a7aNmY

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Gedanken zur Zeit 1837 16-08-10: Kein Wunder am Arbeitsmarkt

Erinnern wir uns: Am 29. Juli veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Erwerbstätigenzahlen für Juni unter der Überschrift "Aufwärtsentwicklung hält an":

"Am Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin eine positive Entwicklung der Erwerbstätigkeit. Im Juni 2010 waren 0,3 % mehr erwerbstätig als im Juni 2009. Im Mai 2010 hatte die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Zuwachs um 0,2% erstmals seit zwölf Monaten wieder über dem Vorjahresergebnis gelegen."

Und der Bundeswirtschaftsminister, der sich im Höhepunkt der Arbeitsmarktkrise immer verschwiegen hatte, meldete sich wieder und reklamierte die Arbeitsmarktzahlen für seine Wirtschaftspolitik:

"Konjunkturelle Erholung und bessere Lage am Arbeitsmarkt beflügeln sich gegenseitig".

Doch nun mehr als zwei Wochen später kommt die Situation in der gewerblichen Wirtschaft in die Öffentlichkeit: Vergleicht man mit dem Vorkrisen-Juni 2008 ein Minus von 5,9 %, und in einigen besondes betroffenen Zweigen bis zu 10 % (Herstellung von elektrischen Ausrüstungen -7,5 %, Herstellung von Metallerzeugnissen -8,5 %, Metallerzeugung und -bearbeitung -9,6 %). Und praktisch Stagnation auf tiefem Niveau über die letzten Monate. Das ist das Gegenteil von Wunder.

Die neuen Jobs sind also vor allem im Dienstleistungsbereich entstanden, wo schlechter entlohnt wird und mehr unsichere Leiharbeitsverhältnisse grassieren. Dazu hier der neue Rundbrief.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/a9cCcW

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Gedanken zur Zeit 1836 15-08-10: BILD, die Rente mit 67 und der Blödsinn mit der Menschenwürde

Nicht nur die Politiker haben ein "Sommerloch-Thema", auch BILD. Hier aus dem Kommentar von heute:

"Nun haben wir endlich ein weiteres Sommerloch-Thema, mit dem sich Politiker profilieren und Parteien positionieren wollen: der Streit um die Rente mit 67.In meinen Augen eine absurde Debatte, die auf dem Rücken derer ausgetragen wird, für die mancher Gutmensch sich einzusetzen glaubt. Denn was bei denen, die an einem früheren Renteneintrittsalter festhalten wollen, wie eine Wohltat für ältere Arbeitnehmer aussieht, nimmt ihnen, genau betrachtet, das, was man zu sichern vorgibt: Wert und Würde. Unsere Arbeitswelt muss sich jedoch den neuen Bedingungen anpassen: Ältere werden immer mehr gebraucht, weil immer weniger Jüngere nachwachsen. Ich kenne Menschen um die 60, die es mit jedem 30-Jährigen aufnehmen. Von Antoine de Saint-Exupéry, dem Dichter des "Kleinen Prinzen", stammt der schöne Gedanke: "Das Alter ist wie ein Schiff mit einer Fracht voller Lebenserfahrungen." Solche "Schiffe" gehören nicht in den beschaulichen Rentner-Hafen abgeschoben, sondern in das Meer unserer Arbeit integriert."

Was für ein bodenloser Unsinn. Niemand nimmt den Älteren Wert und Würde, wie BILD behauptet, wenn sie mit 65 in die Rente gehen dürfen. Wer will und wegen seiner Erfahrung geschätzt wird, kann ohnehin länger arbeiten. Deshalb stimmt auch das bei Antoine de Saint-Exupéry geklaute Bild von den abgeschobenen Rentnern nicht. Gegen Wert und Würde ist dagegen, ausgebrannte Menschen zur Altersarbeit zu zwingen oder ihnen anderenfalls die Rente zu kürzen, oder jüngeren Menschen den Arbeitsplatz vorzuenthalten, weil ältere länger drauf sitzen müssen.

Offensichtlich kennt der BILD-Kommentator auch nicht die trotz aller Manipulationen hohe Zahl der älteren Arbeitslosen, eine der höchsten in West-Europa. Und wenn er es als 60-Jähriger einmal mit jedem 30-Jährigen aufnehmen will, dann hat er wahrscheinlich lange genug auf seinem bequemen Stuhl in der BILD-Redaktion geruht, statt anständig zu arbeiten. Wenn er ehrlich wäre, würde er einräumen, daß es ihm um die Vermeidung höherer Steuern auf Besserverdiener geht, mit denen sonst Rentenlöcher ausgeglichen werden müßten, wie z.B. in den skandinavischen Ländern.


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Gedanken zur Zeit 1835 15-08-10: Jetzt 1.800 Empfänger des kostenlosen Wochenbriefs

Ich freue mich, daß die Zahl der Empfänger des Wochenbriefs so zunimmt. Seit April sind noch einmal über 400 dazugekommen und jeden Tag werden es mehr.

Da die Wochenbriefe von vielen Empfängern weitergegeben werden (teilweise in sehr hohen Zahlen), dürfte die Reichweite derzeit in der Größenordnung von 4.000 liegen. Aus meiner Sicht ist das eine besonders gute Entwicklung, weil ich mit der Zeit meinen Einsatz für die täglich auf der Webseite erscheinenden Rundbriefe und Gedanken zur Zeit reduzieren will und muß und die Wochenbriefe dann die eingentliche Arbeit sein werden.

Wer noch bestellen will, kann das hier tun.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/aWHXWZ

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Gedanken zur Zeit 1834 14-08-10: Erste Ergebnisse der Umfrage zum Infoportal

Vor knapp einer Woche hatte ich eine Umfrage zum Infoportal aufgelegt. Bis heute haben daran 166 Besucher teilgenommen, und hoffentlich werden es noch mehr (bitte hier anklicken).

Nur ein kleiner Teil der Antworten (12 % bei den Rundbriefen und 18 % bei den Gedanken zur Zeit), hält die Darstellung für manchmal zu polemisch. Der Schwierigkeitsgrad wird nur von 1 % als zu hoch eingeschätzt. Interessant ist auch die Häufigkeit der Besuche: bei 47 % täglich und weiteren 33 % mehr als zweimal pro Woche. Die an der Umfrage Beteiligten sind also überwiegend regelmäßige Besucher des Infoportals. 65 der Teilnehmer haben eine Menge von Verbesserungsvorschlägen unterbreitet, über die ich nach Ende der Umfrage, also in etwa einer Woche, nachdenken und berichten werde.

Die Ergebnisse der Umfrage sind immer wieder aktualisiert hier zu sehen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/aTxwI1

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Gedanken zur Zeit 1833 13-08-10: Aufschwung-Propaganda: Vergeßt den Basiseffekt nicht

Nun läuft die Aufschwung-Propaganda wieder mit unschlagbaren Sprüchen. Hier einige Kostproben:

Bundeswirtschaftsminister Brüderle: "Stärkstes Quartalswachstum seit der Wiedervereinigung eröffnet neue Chancen für einen nachhaltigen Aufschwung. Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat sich als weitaus kräftiger erwiesen, als dies noch vor kurzer Zeit von Vielen für möglich gehalten wurde. Von einem Wachstumswunder kann man nicht sprechen. Aber wir erleben derzeit einen Aufschwung XL. Die Wirtschaft wächst stärker als in jedem anderen Quartal seit der Wiedervereinigung vor 20 Jahren."

Spiegel-online: "Deutscher Boom verblüfft Experten. Volkswirte rechnen nun für 2010 mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung von über drei Prozent, es könne sogar der gesamtdeutsche Rekord von 3,2 Prozent übertroffen werden, sagt DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

Das Statistische Bundesamt hat selbst die Steilvorlagen geliefert: "Bruttoinlandsprodukt im 2.Quartal 2010 mit Rekordzuwachs: Die deutsche Wirtschaft holt rasant auf. Ein solches Wachstum zum Vorquartal gab es noch nie im vereinigten Deutschland. Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet."

Alle diese gezielt fröhlichen Meldungen vergleichen mit dem Krisentiefpunkt des letzten Jahres statt mit der Normalhöhe des 2. Quartals vor zwei Jahren. Stellt man diesen korrekten Vergleich an, so lag die Wirtschaftsleistung auch dismal immer noch um 2,0 % niedriger. Der heutige Rundbrief bringt die Einzelheiten mit Abbildungen.


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Gedanken zur Zeit 1832 10-08-10: Kennt die Arbeitsministerin nicht die wahren Verhältnisse für Ältere am deutschen Arbeitsmarkt?

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) heute:

"Es stimmt nicht, wie die SPD behauptet, dass wir eine anhaltend schlechte Situation für Ältere auf dem Arbeitsmarkt haben. Genau das Gegenteil ist der Fall. In den letzten fünf Jahren ist der Anteil der 60- bis 64-Jährigen in Arbeit um 12 Prozentpunkte auf inzwischen 40 Prozent gestiegen. Angesichts der großen Zahl gut ausgebildeter Älterer und des zunehmenden Fachkräftemangels muss man kein Prophet sein, um zu sagen: Dieser deutliche Trend wird anhalten. Die Zahlen, auf die sich SPD-Chef Sigmar Gabriel bezieht, ist Schnee von gestern."

Dabei sind derzeit mehr als ein Viertel aller Arbeitslosen in Deutschland (28,4 %) Menschen zwischen 50 und 64 Jahren, zusammen fast 1 Million. Die Arbeitslosenquote ist im internationalen Vergleich besonders hoch, über viele Jahre die höchste und jetzt erst in der Krise von Spanien, Portugal und Irland übertroffen. Und das, obwohl die deutschen Zahlen durch viele Manipulationen nach unten gedrückt wurden. So werden aufgrund einer Neuregelung des § 428 SGB III aus 2007 viele der über 58-Jährigen nicht mehr als arbeitslos geführt, obwohl sie noch arbeiten wollen. Danach haben Anspruch auf Arbeitslosengeld auch Arbeitnehmer, die das 58. Lebensjahr vollendet haben und die Regelvoraussetzungen des Anspruchs auf Arbeitslosengeld allein deshalb nicht erfüllen, weil sie nicht arbeitsbereit sind und nicht alle Möglichkeiten nutzen und nutzen wollen, um ihre Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Andererseits wurden viele in die Warteschlangen der "Unterbeschäftigung" verschoben und gelten damit nicht mehr als arbeitslos. "Unterbeschäftigt" sind nach Bundesagentur im engeren Sinne Personen mit folgenden Qualifikationen: in berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Beschäftigungszuschuss, vorruhestandsähnlicher Regelung, Arbeitsunfähigkeit (§ 126 SGB III) sowie im weiteren Sinne zusätzlich Personen mit Gründungszuschuss, Existenzgründungszuschüsse, Einstiegsgeld - Variante: Selbständigkeit oder in Altersteilzeit.

Außerdem sind viele ältere Menschen so ausgebrannt, daß sie aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen oder werden herausgedrängt. Mit 62,1 Jahren (Männer) rangiert Deutschland unter den Ländern mit einem relativ frühem effektiven Renteneintrittsalter.

Bei der Verlängerung der Lebensarbeitszeit hat die Bundesregierung natürlich Hintergedanken, die nichts mit dem von der Ministerin behaupteten Fachkräftmangel zu tun haben. Es geht um einen Ausgleich bei der Finanzierung der Rentenkasse, ohne auf Steuermittel zurückgreifen zu müssen, indem Renten gekürzt werden, wenn Ältere arbeitslos weitere zwei Jahre auf die Rente warten müssen. Es geht weiter um praktische Rentenkürzung, wenn die Rentenbezugszeit zwischen Renteneintritt und Lebenserwartung eingeklemmt wird. Und es geht darum, die Zahl der Arbeitsuchenden hochzuhalten, weil davon ein negativer Lohndruck ausgeht und dementsprechend die Unternehmen höhere Gewinne machen.


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Gedanken zur Zeit 1831 09-08-10: Ist das Infoportal zu polemisch?

Eine wohlmeinende Zuschrift hielt mir entgegen, in letzter Zeit sei mir zu viel Polemik in die Texte geraten, und bat, nicht auf Spiegelniveau abzurutschen. Das war einer der Auslöser der gestern aufgelegten Umfrage unter Besuchern des Infoportals. Bis heute haben darauf - selbst in der Ferienzeit - schon rund 70 Besucher geantwortet.

Ich hatte in der Fragestellung bewußt zwischen den fachlich konzipierten Rundbriefen und den Gedanken zur Zeit, wo ich mir mehr Freiheiten gestatte, unterschieden. Diejenigen unter den Besuchern, die zu viel Polemik beanstanden, haben zu meiner Überraschung kaum einen Unterschied zwischen den beiden Ausdrucksformen gemacht: in den Rundbriefen sind es 12, in den Gedanken zur Zeit 16.

Heute will ich nur noch etwas zur begrifflichen Klärung beitragen. Wir haben in Deutschland leider - anders als in den angelsächsischen Ländern - keine Streitkultur. Dort wird sie besonders in den "debating societies" unter Akademikern gepflegt. Deutschland ist dagegen eine auf Harmonie und Gefolgschaft hin orientierte Gesellschaft, bei der das Wort "Polemik" oder "polemisch" zum Schimpf verkommen ist und zum Vorwurf, nicht sachlich zu argumentieren.

Das habe ich unter Wikipedia gefunden:

"Polemik (altgr. pólemos ,Auseinandersetzung, Streit, Krieg') bezeichnet einen meist scharfen Meinungsstreit im Rahmen politischer, literarischer oder wissenschaftlicher Diskussionen. Der Begriff hat historisch einen Wandel erfahren, die ursprüngliche Bedeutung von Polemik war Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde. Polemisieren heißt, gegen eine (bestimmte andere) Ansicht zu argumentieren. Der Polemiker sucht nicht zwingend den Konsens, sondern versucht im rhetorischen Wettstreit seinen Argumenten zum Durchbruch zu verhelfen. Gelegentliches Ziel ist das Demaskieren eines Opponenten im Glaubens- und Meinungsstreit. Gegebenenfalls bedeutet dies auch die - mehr oder weniger - subtile Beschuldigung des Opponenten, keineswegs jedoch den Verzicht auf sachliche Argumente."

Was treibt mich gelegentlich zu polemischer Emotion? Es ist einerseits der Ärger über die Verdummungsmaschinen (auch im Internet), gegen die man wegen deren Feuerkraft ziemlich wenig ausrichten kann. Und es ist andererseits die Notwendigkeit, bei so viel schrillen Tönen auf dem Internet überhaupt noch aufzufallen und die Verbreitung zu steigern. Das gelingt jedenfalls mit etwas polemischer Würze in der Regel besser. Allerdings vermeide ich total unseriöse Weltuntergangsthesen, mit denen sonst Polemik oft geschmückt wird.

Nun werde ich natürlich das Ergebnis der Umfage in etwa 2 Wochen abwarten und dann darüber berichten und auch konstruktiv überlegen, was sich aus der Umfrage an Verbesserungsmöglichkeiten für das Infoportal ergibt. Viele haben dankenswerterweise schon konkrete Vorschläge gemacht.

Und hier gehts zur kurzen Umfrage und hier zu den bisherigen Ergebnissen. Bitte unbedingt teilnehmen.


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Gedanken zur Zeit 1830 20-08-10: Ein kleiner Hilferuf, der nichts kostet

Heute habe ich eine Umfrage zum Infoportal aufgelegt, aus der eventuell Verbesserungen kommen können. Ausgelöst wurde das von einer freundlichen Zuschrift, die ich hier anomym zitiere:

"Ich lese jetzt seit ca. einem halben Jahr fast täglich Ihre Ausarbeitungen auf meiner Browser-Startseite. Haben Sie erstmal vielen Dank für die Mühe, die Sie sich machen! Und auch vielen Dank für einen Blick auf die Welt neben den Mainstream-Medien! Ich weiß das sehr zu schätzen!

Ich möchte mir aber erlauben, Ihnen auch ein wenig Kritik vor die Füße zu werfen, da ich denke, dass Sie ehrliches Feedback verdient haben: Also, ich finden gerade in den letzten Wochen einige Ihrer Artikel zu reißerisch. Ich hatte am Anfang gerade die Aufarbeitung von Daten mit relativ zurückhaltenden Bewertungen sehr geschätzt. In lezter Zeit ist Ihnen meiner Meinug nach ein bisschen zu viel Polemik in die Texte geraten. Das haben Sie nicht nötig! Bitte rutschen Sie nicht auf Spiegelniveau ab!

Bitte verstehen Sie dies nicht falsch, sondern nur als Anregung! Ich freue mich auch weiterhin auf Ihre spannenden Artikel!"

Nun steht der dreimillionste Besuch bei fast sechs Millionen Seitenaufschlägen an und es wird Zeit, den Puls der Besucher zu nehmen. Das gelingt natürlich nur, wenn eine ausreichende Beteiligung stattfindet.

Bitte helfen Sie mir, indem Sie den kurzen Fragebogen mit 6 Fragen ausfüllen. Sie finden ihn hier und können ihn total anonym ausfüllen, wenn Sie statt der nachgefragten Mailanschrift einfach "x@x.com" oder ähnlich einsetzen. Über das Ergebnis werde ich nach einiger Zeit gern berichten (Zwischenergebnisse können hier eingesehen werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/ckjVYM

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Gedanken zur Zeit 1829 08-08-10: BILD und die Reichen

Natürlich möchte BILD im Wort zum Sonntag keinen Druck auf deutsche Reiche, damit sie dem Beispiel amerikanischer Milliardäre folgen, die die Hälfte ihres Reichtums spenden wollen. Nein, das brauchen wir hier nicht. Denn unser Sozialsystem ist perfekt und die Reichen finanzieren ja eh über ihre Steuern den Staatshaushalt. Außerdem sind nicht die Reichen das Problem in Deutschland, sondern die Stars und Sportler, die aus Steuergründen im Ausland leben:

„Das einkommensstärkste Zehntel unserer Bevölkerung bringt mehr als die Hälfte des Staatshaushaltes auf. Und davon können wir uns ein Sozialsystem leisten, von dem Amerika nur träumt. Nein, die deutschen Reichen können von den US-Milliardären nichts lernen. Eines würde ich unseren Politikern allerdings empfehlen: Die Stars und Sport-Asse, die sich aus Deutschland in Richtung Steuerparadies verabschiedet haben, sollten verpflichtet werden: zum Zahlen, zum Spenden."

So, liebe dumme BILD-Leser, nun glaubt das mal. Denn BILD würde einen solchen Kommentar nicht einstellen, wenn das Blättchen nicht mit Gläubigen rechnete. Und übrigens, das oberste Zehntel, so es denn Steuern zahlt, tritt nur bei der Einkommenssteuer an; doch die ist nur 40 % des Steueraufkommens und bei den anderen Steuern zahlen vor allem die „kleinen Leute" (siehe hier).


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Gedanken zur Zeit 1828 07-08-10: Positive Rückkoppelungen treiben die globale Erwärmung noch schneller hoch

Die weit verbreiteten Waldbrände in Rußland sind ein Ergebnis der ungewöhnlichen Hitzewelle, die im globalen Maßstab für die ersten sechs Monaten 2010 die höchsten jemals gemessenen Temperaturen erbracht hat. Mit den Bränden wird sehr viel CO2 in die Atmosphäre befördert, was dann die Erwärmung weiter antreibt. Rußland ist das derzeit schlimmste Beispiel. Doch in den letzten Jahren hat es immer wieder bei hohen Temperaturen und trockenem Wetter großflächige Waldbrände gegeben. Man muß leider befürchten, daß diese selbst-beschleunigende Entwicklung noch zunehmen wird.

An einen anderen positiven Rückkoppelungsmechanismus wurden wir heute erinnert. In der Artik ist ein riesiges Einschild vom Peterman-Gletscher an der nord-westlichen Küste Grönlands und etwa 1.000 km südlich des Nordpols abgebrochen. Er mißt 260 qkm und ist der größte Eisberg seit 1962. Das entspricht einem Drittel der Fläche Berlins. Sein Wassergehalt würde ausreichen, um die USA 120 Tage lang mit Wasser zu versorgen. Doch je weniger Eis in Grönland zurück bleibt, desto weniger Sonneneinstrahlung wird in den Weltraum zurückreflektiert werden. Ergebnis: Noch mehr Wärme auf Erden.

Und da gibt es in Deutschland Webseiten mit Berichten, wie dem mir heute aufgefallenen: "Globalisten drängen auf Einführung der verbrecherischen CO2-Steuer". Dort wird behauptet:

"Mit jährlichen Einnahmen in Höhe von USD 100 Milliarden sollen die Weltregierung finanziert und die Taschen der Betrugskünstler Soros, Strong und Gore gefüllt werden, während diese Maßnahmen überhaupt nichts mit dem Schutz der Umwelt zu tun haben. Die "grüne Wirtschaft" ist nichts weiter als ein Euphemismus für eine organisierte Anstrengung auf Geheiß der Großkonzerne und der globalen Elite die Mittelklasse vollständig zu vernichten und für jeden Bereich unseres Lebens Steuern und Auflagen einzuführen".

Meinungsfreiheit o.k., doch wer mit solchem Blödsinn Dumme sucht, sollte sich mal ernsthaft im Spiegel betrachten.


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Wirtschaftsstandort

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