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Reihe 59 ab 19-06-10 ... ...

(1827) Man darf nicht mehr träumen

(1825) Wenn sich die CO2-Konzentration in weniger als 100 Jahren verdoppelt und ein Video, das jeder sehen sollte, um die Entwicklung der Welt von der Ökonomie bis zur Umwelt zu begreifen

(1824) Ein überfälliges offenes Wort an die Klima-Skeptiker

(1823) Der britische Premierminister Cameron will die Türkei unbedingt und schnell in der EU haben - warum?

(1822) Von drei Tabus im Weltbild vieler deutscher Linker

(1821) Armes Deutschland: Wenn der Finanzminister wenig von Finanzmärkten und Streßtests versteht

(1820) Wirtschaftsweiser Prof. Bofinger zur neuen Grafik-Datenbank in Buchform: "außerordentlich wertvoll"

(1819) Je größer die Hitze desto erbitterter der Fanatismus der Klimaleugner

(1818) Heureka! Zur Kartographie unserer sozialen und wirtschaftlichen Lage

(1817) Erfahrungen mit Hackern

(1816) BILD sieht über NRW eine neue Republik (Untergang Deutschlands?) heraufziehen

(1815) Kein Diskussionsforum mehr zum Treibhauseffekt

(1814) Es herrscht Krieg in Deutschland und keiner schaut hin?

(1813) Will dieser FDP-Abgeordnete wirklich über Klima-Leichen gehen?

(1812) Die Grafik-Datenbank ist beim Verlag

(1811) Wozu brauchen wir eigentlich Banken?

(1810) Beim Klima-Schutz ist die „Kopf-in-den-Sand-Truppe" wieder unterwegs

(1809) Was wäre eigentlich mit BILD los, wenn Deutschland in den Vorrunden ausgeschieden wäre?

(1808) Nun auch SPIEGEL-online: „Verliebt in die Deutschen"

(1807) BILD's pathologische Deutschland-Liebe

(1806) BILD schreibt gute Stimmung vor

(1805) Blick zurück im Zorn

(1804) Bei der Bundespräsidentenwahl ist eine gestrig-schmollende Linkspartei nicht aus ihrem Winkel herausgekommen

(1803) Was hat eigentlich Fußball mit Politik zu tun? Für BILD unendlich viel

(1802) Ich hatte und habe einen Traum

(1801) Ein Schlußwort zu einer ziemlich langen Diskussion

(1800) Gedanken aus Frankreich: Die Franzosen wollen leben, die Deutschen für ein Rentenalter sparen, das dramatisch kürzer ist

(1799) Gauck for President: Versöhnen statt Spalten

(1798) BILD ist verlogen in das morgen verliebt

(1797) In ihrem Widerstand gegen die Gauck-Kandidatur zeigt die Linkspartei, wie sehr sie selbst noch von gestern ist





Gedanken zur Zeit 1828 07-08-10: Positive Rückkoppelungen treiben die globale Erwärmung noch schneller hoch

Die weit verbreiteten Waldbrände in Rußland sind ein Ergebnis der ungewöhnlichen Hitzewelle, die im globalen Maßstab für die ersten sechs Monaten 2010 die höchsten jemals gemessenen Temperaturen erbracht hat. Mit den Bränden wird sehr viel CO2 in die Atmoshäre befördert, was dann die Erwärmung weiter antreibt. Rußland ist das derzeit schlimmste Beispiel. Doch in den letzten Jahren hat es immer wieder bei hohen Temperaturen und trockenem Wetter großflächige Waldbrände gegeben. Man muß leider befürchten, daß diese selbst-beschleunigende Entwicklung noch zunehmen wird.

An einen anderen positiven Rückkoppelungsmechanismus wurden wir heute erinnert. In der Artik ist ein riesiges Einschild vom Peterman-Gletscher an der nord-westlichen Küste Grönlands und etwa 1.000 km südlich des Nordpols abgebrochen. Er mißt 260 qkm und ist der größte Eisberg seit 1962. Das entspricht einem Drittel der Fläche Berlins. Sein Wassergehalt würde ausreichen, um die USA 120 Tage lang mit Wasser zu versorgen. Doch je weniger Eis in Grönland zurück bleibt, desto weniger Sonneneinstrahlung wird in den Weltraum zurückreflektiert werden. Ergebnis: Noch mehr Wärme auf Erden.

Und da gibt es in Deutschland Webseiten mit Berichten, wie dem mir heute aufgefallenen: "Globalisten drängen auf Einführung der verbrecherischen CO2-Steuer". Dort wird behauptet:

"Mit jährlichen Einnahmen in Höhe von USD 100 Milliarden sollen die Weltregierung finanziert und die Taschen der Betrugskünstler Soros, Strong und Gore gefüllt werden, während diese Maßnahmen überhaupt nichts mit dem Schutz der Umwelt zu tun haben. Die "grüne Wirtschaft" ist nichts weiter als ein Euphemismus für eine organisierte Anstrengung auf Geheiß der Großkonzerne und der globalen Elite die Mittelklasse vollständig zu vernichten und für jeden Bereich unseres Lebens Steuern und Auflagen einzuführen".

Meinungsfreiheit o.k., doch wer mit solchem Blödsinn Dumme sucht, sollte sich mal ernsthaft im Spiegel betrachten.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/9xZVX0

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Gedanken zur Zeit 1827 02-08-10: Man darf nicht mehr träumen

Die Amerikaner haben den amerikanischen Traum geträumt, wir den deutschen. Es war ein Traum, wo jeder aufsteigen konnte, wenn er nur hart genug arbeitete. Die Träume sind ausgeträumt und damit auch der Traum von einem erträglichen Kapitalismus. Der große amerikanische Komiker George Carlin sagt zurecht, man müsse schlafen, um daran zu glauben ("American Dream, You have to be asleep to believe it" - hier sein 3:15 Minuten-Video).

Das oberste Zehntel bei den Markteinkommen, also vor Sozialleistungen und einschließlich von Wertsteigerungen in Vermögenswerten, hat wieder den hohen Anteil von 50 % erreicht, den es in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hatte, bevor der amerikanische Traum ausgerufen wurde und dann nach Kriegsende bis Mitte der 80er Jahre der Anteil auf unter 35 % lag.

In Deutschland ist die Situation nicht viel anders. Aufwärtsmobilität war einmal. Der Wochenbrief vom 12. August wird auf die Situation bei der Aufstiegsmobilität in USA und Deutschland näher eingehen (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/a3Tbcu

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Gedanken zur Zeit 1825 30-07-10: Wenn sich die CO2-Konzentration in weniger als 100 Jahren verdoppelt und ein Video, das jeder sehen sollte, um die Entwicklung der Welt von der Ökonomie bis zur Umwelt zu begreifen

Heute stolperte ich bei youtube über ein Video, das schon 1,6 Millionen Besucher hatte. Prof. Albert Bartlett, ein eremitierter Physiker von der Universität of Colorado in Boulder, erklärte darin vor einigen Jahren schon, was exponentielles Wachstum bedeutet. Und der "alte Kauz" tut das in einer Form, die unter die Haut geht. Wer in wichtigen Bereichen unseres Lebens auf dem Planeten mitreden oder auch nur mitdenken will, muß verstanden haben, wovon Prof. Barlett in großer Plastizität spricht. Leider ist das Video auf Englisch. Aber vielleicht gibt es unter den Infoportal-Besuchern genügend, selbst in der Urlaubszeit, die sich das Video ansehen können.

Die mathematische Quintessenz ist, daß man die Zahl 70 durch die jährliche Wachstumsrate teilen muß, um zu errechnen, bis wann eine Verdoppelung eintritt: also z.B. bei 7 % = 70 durch 7 = 10 Jahre. Ich habe das gleich einmal bei der CO2-Konzentration getan, die im letzten Jahr um etwa 0,7 % pro Jahr gewachsen ist. Das ergibt eine Verdopplung in 100 Jahren oder einen Anstieg in einem solchen Zeitraum von 393 auf 786 ppmv. Doch wird von der Klimawissenschaft befürchtet, daß es bei mehr als 450 ppmv oder etwa 2 Grad mehr an durchschnittlicher Temperatur bereits zu einer vom Menschen nicht mehr zu kontrollierenden Entwicklung kommen kann. Man muß sich nur vorstellen: Über die letzten Millionen Jahre der Erdgeschichte hat sich das Klima ständig an zwei Festpunkten aufgehalten, die entweder Eiszeiten oder Zwischeneiszeiten waren. Das entsprach ziemlich genau, wie man aus Eiskernborungen weiß, entweder 440 Mrd Tonnen CO2 in der Atmoshäre (Eiszeit) oder 660 Mrd Tonnen (Zwischeneiszeit). Wir befinden uns derzeit in einer solchen Zwischeneiszeit, in der eigentlich 660 Mrd Tonnen CO2 in der Atmoshäre sein müßten. Doch über die letzten 100 Jahre an Industrialisierung hat die Menschheit weitere 220 Mrd Tonnen dazugegeben.

In meinem ersten, nur für einen privaten Kreis unter dem Titel "Faktor Zeit - Vom Umgang der Hochgeschwindigkeitsgesellschaft mit der Zeit" gedruckten Buch von 1992 habe ich mich bereits mit der exponentiellen Entwicklung vieler Einzeldaten geschäftigt. Ich habe sie damals auf grafischen Fieberkurven abgetragen, auch die Entwicklung der CO2-Konzentration, die damals noch bei 356 ppm lag und seitdem um fast 8 % zugenommen hat.




Hier also der erste Teil des Videos von insgesamt 8:


Ein Verzeichnis aller acht Teile finden sie hier. Hier noch ein sehr schöner Kommentar, den man nicht übersetzen kann:

„Part 1 of this video had 1.6 MILLION views! Part 8 has around 270 thousand views. This shows the attention span of modern man. They'd rather turn around and go shopping than look at the coming disaster. But on a more positive note...the earth and life will go on. Even if all humans die...earth and life in general is quite resilient. The earth has survived a lot worse shit than we can ever throw at it. 4.5 BILLION years of survival! Awesome."


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/bxJFgn

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Gedanken zur Zeit 1824 29-07-10: Ein überfälliges offenes Wort an die Klima-Skeptiker

Seit nun fast 18 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Entwicklung unserer Umwelt. Mein erstes noch nicht öffentliches Buch von 1992 trug den Titel "Faktor Zeit" und stellte auch den Zeitdruck auf die Umwelt mit all den vom Menschen leichtsinnig beschleunigten Abläufen dar. Meine seit 2005 verlegten fünf Bücher verbinden die neoliberale Globalisierung auch mit der Umweltsituation, vor allem dem vom Menschen geschaffenen Treibhauseffekt. Wenn Sie auf dem Infoportal unter Umwelt googeln, finden Sie nicht weniger als 307 Hinweise für Quellen des Infoportals, meist in Form von berichtenden Rundbriefen; unter CO2 und Kohlendioxid sind es weit mehr als 100.

Ich bin nun mit 71 gesegneten Jahren in einem Alter, da ich mich zurücklehnen und den Sachsenkönig spielen könnte ("Macht doch euer'n Dreck aleene!"). Denn, was immer noch an Umweltkatastrophe kommen kann, mich wird es höchstwahrscheinlich nicht mehr treffen. Doch warum laufen nicht längst die jüngeren Generationen, die es durchaus noch erwischen kann, Sturm? Warum melden sich auf deutschen Blogs vor allem Menschen, die die Klimawissenschaft zum Fenster herauswerfen wollen und alles in Butter finden? Warum werden einige so grob, daß ich mich entschließen mußte, das Diskussionsforum für dieses Thema zu schließen. Warum wurde das Infoportal unmittelbar nach dem Rundbrief "Wie lange noch bis Armageddon" Opfer eines Hackerangriffs, nur Zufall?

Sind sich eigentlich die, die öffentlich gegen den Treibhauseffekt polemisieren und es besser als alle nach Klimadisziplin suchenden Regierungen der Welt wissen wollen, bewußt, welche Verantwortung für das Schicksal der Menschheit sie da auf sich laden, wenn sie sich mit ihrer Skepsis durchsetzen würden? Oder laden sie nur ihren Frust ab, weil sie wissen, daß sie nur eine kleine (meist unzureichend informierte) Minderheit sind, die sich nie durchsetzen wird?

Ich empfehle allen Skeptikern, die beiden Rundbriefe von heute hier und hier zu lesen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/cThAqI

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Gedanken zur Zeit 1823 28-07-10: Der britische Premierminister Cameron will die Türkei unbedingt und schnell in der EU haben - warum?

Bei seinem kürzlichen Türkeibesuch schlug der sonst so vornehme konservative britische Premierminister vor dem türkischen Parlament brutal auf die Pauke:

„Großbritannien werde alles tun, um der Türkei zu helfen, den Weg von Ankara nach Brüssel zu pflastern. Er werde für die türkische Mitgliedschaft kämpfen und sei über den langsamen Fortschritt verärgert. Die Türkei könne eine große europäische Macht werden. Die Türkei sei lebenswichtig für unsere Wirtschaft, lebenswichtig für unsere Sicherheit und lebenswichtig für unsere auswärtige Politik. Ohne die Türkei in ihrem Herzen wäre die EU nicht stärker sondern schwächer, nicht sicherer sondern weniger, nicht reicher sondern ärmer. Die schnelle türkische Wirtschaftsentwicklung mache Restriktionen unnötig. Einer der Effekte des Wachstums sei, daß der Druck auf Menschen auszuwandern nicht mehr besonders groß sei. Wir wissen, wie es sich fühlt, vom Club ausgeschlossen zu sein (eine Anspielung auf das Veto de Gaulles gegen den britischen Beitritt).

Wenn ich daran denke, was die Türkei getan hat als Nato-Verbündeter und was sie heute tut in Afghanistan, dann macht es mich ärgerlich, daß Ihr Fortschritt zur EU-Mitgliedschaft so verzögert wurde. Meine Meinung ist klar: Es ist falsch zu sagen, die Türkei könne das Zelt von außen hüten, aber nicht im Zelt sitzen. So werde ich der stärkstmögliche Anwalt für die Türkei-Mitgliedschaft sein und für einen größeren Einfluß am Spitzentisch der europäischen Diplomatie. Die, die sich gegen die Mitgliedschaft stellen, werden von Protektionismus angetrieben, engem Nationalismus und Vorurteilen. Die Türkei hat einen einmaligen Einfluß, um zu helfen, ein stabiles Afghanistan zu bauen und Verständnis zwischen Israel und der arabischen Welt zu erzeugen."

Wie recht hatte doch de Gaulle, als er sich gegen den britischen Beitritt stellte. Seit die Briten im Zelt sind, tun sie alles, um die EU zu verwässern und kennen nur ihr eigenes nationales Interesse. Europäische Solidarität ist vor allem für die britischen Konservativen ein Fremdwort. So haben sie ständig auf neue Erweiterung gedrängt, ihren Beziehungen zu den USA Vorrang vor denen zur EU eingeräumt und aus der EU rausgeholt, was rauszuholen war (Thatcher: "I want our money back!").

Nachdem sie zusammen mit den USA den unseligen völkerrechtswidrigen Irak-Krieg angefangen haben, sind sie doppelt auf die Türkei angewiesen und nun auch noch in dem eben so unseligen Afghanistan-Krieg. Wenn die Türkei drin ist, läuft die Einwanderungswelle nach Deutschland, nicht nach Großbritannien. Deutschland hat das Integrationsproblem. Großbritannien hofft auf Rüstungsexporte, die Rolle der City of London, die jetzt schon ein Tummelplatz für arabisches und türkisches Geld ist, und hat einen weiteren Stein auf jede Hoffnung nach mehr EU-Integration geworfen.

Natürlich haben auch die deutschen Wirtschaftsinteressen falsch gespielt. Die deutschen Unternehmen haben - gedeckt von der Bundesregierung - vor Jahren meist schlecht oder gar nicht gebildete Ausländer ins Land geholt, die sie an den Fließbändern leicht ausbeuten konnten. In der nächsten Generation haben wir nun das Problem, und unsere liebe Industrie hat die gleichen Arbeitsplätze inzwischen teilweise ins Ausland verlegt, weil das dann noch billiger ist, und hinterläßt damit hier ein zu großen Teilen arbeitsloses Subproletariat. In einigen Jahren werden deutsche Großstädte mehrheitlich von schlecht integrierten und ebenso schlecht ausgebildeten Menschen mit Immigrationshintergrund bewohnt sein. Jetzt fehlt nur noch der Türkei-Beitritt zur EU mit eines Tages freiem Zugang nach Deutschland und dort vollem Wahlrecht und der politische Einfluß wird sehr spürbar werden. SPD und Linkspartei setzen doch schon jetzt auf das türkische Wählerpotenzial (wie weiland Kohl auf die Ex-DDR-Bürger) und plädieren deshalb blind für den Türkei-Beitritt.

Wer diesen ARD-Bericht „Kampf im Klassenzimmer" noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich ansehen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/9JpLkU

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Gedanken zur Zeit 1822 26-07-10: Von drei Tabus im Weltbild vieler deutscher Linker

Heute erhielt ich diese Mail-Zuschrift von Jemandem, dessen Herz bestimmt links schlägt und der sich einer Arbeitsloseninitiative widmet:

„Insbesondere möchte ich anerkennen, dass Sie in wohltuendem Kontrast zum "linkspolitischen" Lager sich getrauen, Mißstände, wie unsere erheblichen Integrations- und Einkulturationsdefizite, beim Namen zu nennen."

Das hat mir wieder zu Denken gegeben. Wie können Menschen im linken Spektrum eigentlich ein korrektes Weltbild haben, wenn sie an zentralen Stellen Tabus mit sich herumtragen? Ich denke dabei vor allem an drei.

Erstens wird in der Tat einer kritischen Auseinandersetzung mit den wachsenden Problemen einer immer größeren und geburtenstarken Unterklasse von Menschen mit Immigrationshintergrund und den demographischen Konsequenzen ausgewichen. Hier soll die Welt in Ordnung sein, auch wenn sie es alles andere als ist. Probeweise habe ich quasi als Lackmus-Test auf einer in linken Kreisen besonders gefragten Webseite gesucht. Hier ist beispielsweise die Rede von dem Recht auf Bewegungsfreiheit als Rechtsgut von überragender Bedeutung. Auch nach Vorbehalten gegen einen Türkei-Beitritt zur EU habe ich vergeblich gesucht, obwohl das ein die Immigration von schlecht ausgebildeten Menschen immens fördernder Vorgang wäre. Deswegen besorgten Menschen wird distanzierend eine „konservativ geprägte Haltung" angelastet.

Zweitens wird die Globalisierung immer noch weitgehend als Entwicklungshilfe für den armen Süden betrachtet. Auch hier habe ich auf der besagten Webseite beispielsweise unter China-Dumping oder handelspolitischen Vorwürfen gegen die chinesische Billig-Dampfwalze auf den Weltmärkten nichts gefunden. Ein blinder Internationalismus ist wohl die einzige Antwort.

Drittens gibt es im deutschen linken Spektrum einen besonders ausgeprägten Verdrängungsprozeß bei den Gefahren der Klimaentwicklung. Wie schon zuvor konnte ich ebenso auf besagter Webseite nichts finden, was den Besorgnissen auch nur andeutungsweise gerecht würde.

Überall an diesen besonders kritischen Stellen war mein Lackmus-Test negativ. Bei einem von solchen Tabus geprägten verqueren Weltbild wird diese Art von deutscher Linke für ein mehrheitsfähiges Wählerpotential nicht attraktiv werden können. Schade!


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/b0aM6U

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Gedanken zur Zeit 1821 26-07-10: Armes Deutschland: Wenn der Finanzminister wenig von Finanzmärkten und Streßtests versteht

Bundesfinanzminister Schäuble zum Streßtest:

„Es ist ein positives Signal, daß ausnahmeslos alle teilnehmenden deutschen Banken die aufsichtsrechtlichen Anforderungen auch im unwahrscheinlichen Fall eines schweren Wachstumseinbruchs erfüllen."

Wie viel irreführender kann man eigentlich diesen Streßtest präsentieren, oder hat der Bundesfinanzminister den Streßtest selbst nicht verstanden? Weder er, noch die Bundeskanzlerin, haben eigene Erfahrungen mit den Finanzmärkten und sind auf Berater von Beamten bis Ackermann angewiesen. Weiß Schäuble nicht, wie dünn die Eigenkapitaldecke wirklich ist, wenn man das Hybridkapital ausnimmt (siehe heutiger Rundbrief)? Dazu gehören übrigens die Bankenrettungskredite, die auch als Eigenkapital gewertet werden, weil der Staat nachrangige Bonds der Institute erworben hat.

Weiß er nicht, wie voll sie sich mit Staatsanleihen der Schwachbrustländer getankt haben, von denen keine einzige Pleite in den Test eingegangen ist? Warum hat er entgegen der europäischen Verabredung die Geheimhaltung der Zahlen für solche Staatsanleihen in den Beständen deutscher Banken gedeckt und zugelassen, daß von allen in Europa getesteten 91 Banken nur sechs deutsche Banken (und eine durchgefallene griechische) die Veröffentlichung verweigert haben?

Konnte er sich nicht vorstellen, daß die Märkte auf die Geheimhaltung der Deutschen Bank mit Nervosität und einem Kurseinbruch (heute Mittag um 1 %) reagieren?

Ist ein für dieses Jahr im Test für Deutschland angenommene Stagnation bei plus 0,2 %, gefolgt von einem Minirückgang um 0,6 % im kommenden Jahr wirklich schon ein „schwerer Wachstumseinbruch"?


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/biJ1B3

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Gedanken zur Zeit 1820 23-07-10: Wirtschaftsweiser Prof. Bofinger zur neuen Grafik-Datenbank in Buchform: "außerordentlich wertvoll"

Heute erreichte mich eine Zuschrift des Mitglieds des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Prof. Dr. Peter Bofinger (einer der fünf "Wirtschaftsweisen"), dem ich die Druckvorlage zu meinem neuen Buch geschickt hatte:

„In einer Zeit, in der wirtschaftspolitische Debatten immer mehr zu Glaubenkämpfen werden, kommt es darauf an, die Fakten zu kennen. Joachim Jahnke hat mit viel Akribie und Geschick eine außerordentlich wertvolle Datenbank zusammengestellt, mit der man sich auch als Laie eine fundierte eigene Meinung bilden kann."

Ein besseres Urteil hatte ich gar nicht erwarten können.

Die „Grafik-Datenbank" schlägt so etwas wie einen Pfad durch den Dschungel an Falschinformation, den die Massenmedien, die Propagandamaschinen der Regierungen und Parteien, aber nicht selten auch Wissenschaftler in deren Diensten unaufhörlich wachsen lassen. Viele dieser Darstellungen können deprimieren. Sie können aber auch die Überzeugung reifen lassen, daß sich in Deutschland und der Welt sehr viel zum Besseren ändern kann und muß, wenn sich die Vernunft und der gute Wille der Wähler in den nun größtenteils demokratisch verfaßten Ländern durchsetzen würde. Das allerdings hängt von besserer Information ab. Dazu will dieses Buch im deutschen Sprachraum einen wahrscheinlich einmaligen Beitrag leisten.

Im Unterschied zur Grafik-Datenbank des Infoportals, die sehr viel Beifall gefunden hat, kann man die Buchform im handlichen DIN A5-Format zum beliebigen Nachschlagen bei sich haben, sie in politische Diskussionen mitnehmen und auch ruhig und ohne die Hektik des Bildschirms darin rumblättern. Sie enthält im Farbdruck auf 140 Seiten die wichtigsten 260 Grafiken aus allen Bereichen unseres Lebens in deutscher und globaler Analyse. Sie sind als auf Strukturdaten orientiert so ausgewählt, daß sie für längere Zeit Geltung haben werden.

Der Verlag gibt als Verkaufspreis 25,00 Euro an, wobei der Farbdruck natürlich die Kosten anhebt. Sollten Sie interessiert sein, bitte hier anklicken und Interesse unverbindlich mitteilen. Ich werde Sie dann über die Bezugsmöglichkeiten - voraussichtlich Mitte/Ende August - informiert halten.

Bei Bestellungen ab 3 Exemplare ist auch Direktzusendung durch den Autor mit Signierung möglich (23 Euro portofrei; Bestellungen per Mail unter Angabe der Postanschrift, Zahl der Exemplare und Signierungswunsch an globalnote@talktalk.net).

Hier zu Inhaltsverzeichnis und Vorwort.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/djxy6e

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Gedanken zur Zeit 1819 20-07-10: Je größer die Hitze desto erbitterter der Fanatismus der Klimaleugner

Heute habe ich aus dem letzten Wochenbrief den Artikel zum Klima eingestellt, der möglicherweise den Hackerangriff auf das Infoportal provoziert hatte. Bei steigenden Temperaturen scheinen einigen der Leugner des menschenverursachten Treibhauseffektes im eigenen Schweiße die Felle davon zu schwimmen. Das macht sie dann noch rabiater.

Nach Mitteilung der NOAA war das erste Halbjahr 2010 weltweit das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen jemals gemessene. NOAA ist die National Oceanic and Atmospheric Administration der USA, die sich mit dem Zustand der Ozeane und der Atmoshäre beschäftigt. Die Durchschnittstemperatur lag mit fast 14,2 Grad Celsius um rund 0,7 Grad höher als der Mittelwert des 20. Jahrhunderts. Auch der Juni war in diesem Jahr mit 16,2 Grad ein absoluter Rekordmonat. In Deutschland war der Juni der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen und der Juli entwickelt sich ähnlich.

Der Eisrückgang an den Polkappen hat sich deutlich beschleunigt. Wo das Eis verschwindet, nimmt das dunkle Wasser mehr Sonnenenergie auf und beschleunigt den Schmelzprozeß weiter. Wir bedauern, wenn die Eisbären ihr zu Hause verlieren, doch wir scheren uns wenig darum, wenn inzwischen immer mehr bettelarme Menschen auf im Meer verschwindenden Südseeinseln ihre Heimat verlieren. Wenn mal eines Tages das Wasser nach Hamburg, London oder New York hineinschwappt, wird die Reaktion unserer Nachkommen anders aussehen.

Dennoch laufen besonders in Deutschland relativ viele Menschen herum, die glauben, Klimadisziplin werde von allen Regierungen der Welt nur für notwendig gehalten, weil sie ihre Bürger in Angst und unter Druck halten wollen, oder weil die ihrerseits von mächtigen Klimalobbys unter Druck gehalten werden. Wenn man dann fragt, wie ich das im Diskussionsforum getan habe, welche Lobbies das denn sein sollen, kommt keine Antwort.

Doch tatsächlich ist es umgekehrt. Reiche Ölkonzerne und reiche Regierungen von Ölländern geben viel Geld aus, um kritische Stimmen zur Klimawissenschaft zu finanzieren. Nicht von ungefähr, hat der mit der amerikanischen Ölindustrie liierte frühere US-Präsident Bush internationale Absprachen zur Klimadisziplin abgelehnt. Jetzt wird aus einem Bericht des britischen Guardian bekannt, daß der US Ölmulti ExxonMobil hunderttausende Dollars ausgegeben hat, um Lobbygruppen zu finanzieren, die irreführende Informationen zur Klimaentwicklung und den menschenverursachten CO2-Anstieg verbreitet haben, darunter das National Center for Policy Analysis (NCPA) in Dallas, Texas, das 75.000 Dollar bekam oder die Heritage Foundation in Washington DC, der 50.000 Dollar zugeschoben wurden. Niemand kennt alle die Geldgeber für viele Studien, die sich wissenschaftlich ausgeben und jeden Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem Klima leugnen.


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Gedanken zur Zeit 1818 19-07-10: Heureka! Zur Kartographie unserer sozialen und wirtschaftlichen Lage

Nach Wikipedia ist Kartographie die Wissenschaft und Technik zur Darstellung der Erdoberfläche in topografischen und thematischen Karten. "Heureka!" riefen die alten Griechen, was so viel hieß wie "Ich hab's gefunden". Heureka rief ich heute Morgen im Autorenstolz, nachdem ich meine Kartographie der sozialen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands und der Welt in 260 Schaubildern als handliche Broschüre schlußkorrigiert an den Verlag geliefert habe. Nun bin ich ein Mensch, der nicht so leicht zufrieden ist, auch nicht mit mir selbst. Doch diesmal bin ich es.

Auf 140 Seiten wird mit der "Grafik-Datenbank" so etwas wie ein Pfad durch den Dschungel an Falschinformation geschlagen, den die Massenmedien, die Propagandamaschinen der Regierungen und Parteien, aber nicht selten auch Wissenschaftler in deren Diensten unaufhörlich wachsen lassen. Viele dieser Darstellungen können deprimieren. Sie können aber auch die Überzeugung reifen lassen, daß sich in Deutschland und der Welt sehr viel zum Besseren ändern kann und muß, wenn sich die Vernunft und der gute Wille der Wähler in den nun größtenteils demokratisch verfaßten Ländern durchsetzen würde. Das allerdings hängt von besserer Information ab. Dazu will diese Broschüre, wie auch diese Webseite, im deutschen Sprachraum einen Beitrag leisten.

Manchmal träume ich mich zurück in die Zeiten, als Deutschland noch eine echte Soziale Marktwirtschaft besaß und damit ein in der Welt bewundertes Beispiel lieferte, wie es auch gehen kann. Der Blick nach vorn und vergleichend zur Seite anderer Länder muß daher immer auch ein Blick zurück sein, um festzustellen, wann und wo wir vom Weg einer für alle einigermaßen verträglichen Wirtschafts-, Sozial- und Umweltordnung abgekommen sind. Auch für diesen Blick zurück ist die Grafik-Datenbank gut.

Die Grafik-Datenbank wird nun voraussichtlich Mitte/Ende August beim Verlag (portofrei) und im Buchhandel für 25 Euro erhältlich sein; der in diesem Fall wirklich unentbehrliche Farbdruck kostet leider seinen Preis. Wer hier oder durch Mail an globalnote@talktalk.net sein Interesse bekunden will, den werde ich gern über Liefertermin und Bezugsmöglichkeiten informieren. (Für Bestellungen von drei und mehr Exemplaren kann ich anbieten, direkt - je nach Wunsch signiert oder nicht signiert - Autorenexemplare zu je 23 Euro portofrei zuzuschicken; Interessenten können Bestellungen unter Angabe der Anzahl der Exemplare und der Postanschrift über Mail an globalnote@talktalk.net schicken).


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Gedanken zur Zeit 1817 17-07-10: Erfahrungen mit Hackern

Am 16. Juli wurde das Infoportal zum ersten Mal in seiner mehr als fünfjährigen Geschichte gehackt und dabei ein kleiner Code eingeschleust. Ob das über den Server passiert ist, der außerhalb meiner Verantwortung liegt, oder direkt durch Zugriff auf meinen eigenen PC, von dem aus ich auf den Server hochlade und der an sich geschützt ist, weiß ich nicht. Ich bin erst durch eine Warnmeldung bei Firefox/Google darauf aufmerksam geworden. Einige freundliche Webseitenbesucher meldeten sich besorgt. Einer konnte mir sogar den Code bezeichnen, der eingeschleust worden war. Bei über 700 einzelnen Seiten und Unterseiten des Infoportals wäre es sehr mühsam geworden, jede einzelne Seite zu reinigen, auch wenn wohl nur einige wenige tatsächlich infiziert wurden. Glücklicherweise hatte ich aber auf einem nicht infizierten PC einen kompletten Satz an Reserveseiten, die ich hochladen konnte. Nun zeigten die Virensicherheitsprogramme keine Infektion mehr an. Über den Browser Internetexplorer konnte man problemlos ins Infoportal kommen.

Leider hat jedoch der Browser Firefox den Zugang zum Infoportal lange mit einer Warnmeldung total blockiert, die erst am Abend des 17. Juli aufgehoben wurde. In der Warnmeldung von Google hieß es:

"Der letzte Besuch von Google auf dieser Website war am 2010-07-17 und verdächtiger Content wurde auf dieser Website zuletzt am 2010-07-16 gefunden. In den letzten 90 Tagen hat www.jjahnke.net anscheinend nicht als Überträger für die Infektion von Websites fungiert."

Also war der Befall nicht besonders gefährlich und war am 17. Juli bereits wieder beseitigt, nachdem ich die Reserveseiten hochgeladen hatte. Trotzdem dauerte es noch viele Stunden, bis Google die Blockade aufhob.

An dem Vorgang ist zweierlei sehr ärgerlich. Erstens wird von kriminellen Hackern die freie Information behindert. Ich kann nur vermuten, daß es in diesem Fall Auftragshacker jenseits der deutschen Landesgrenzen - nach Anzeichen kommt dieser Code aus Lettland - sind. Den bezahlten Auftrag haben wahrscheinlich unfreundliche Zeitgenossen in Deutschland gegeben, denen das Infoportal nicht gefällt. Da der Hackerangriff zeitlich mit einer Kontroverse im Diskussionsforum über die Klimaentwicklung und mit dem Beitrag im letzten Wochenbrief zum gleichen Thema absolut zusammenfiel, vermute ich die Kriminalität aus dieser Richtung. Schließlich haben ähnlich kriminelle Kreise auch die Computer der Umweltabteilung der Universität East-Anglia gehackt. Die kriminelle Energie gegen eine korrekte Unterrichtung über die bedrohliche Klimaentwicklung ist jedenfalls schon erstaunlich, sollte meine Vermutung zutreffen. Sicher kann ich da natürlich nicht sein.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/aceS4S

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Gedanken zur Zeit 1816 15-07-10: BILD sieht über NRW eine neue Republik (Untergang Deutschlands?) heraufziehen

Aus dem heutigen BILD-Kommentar:

„Im Westen bestimmt jetzt eine neue Partei mit: „Die Linke". Die ist freilich keine Partei wie jede andere. Ihre Vorgänger heißen Linkspartei, WASG, PDS und SED. Lupenreine Demokraten sehen anders aus. Das ist auch keine rot-grüne Minderheitsregierung. Denn Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann haben die Stimmenthaltung der Linken kühl einkalkuliert. Hier findet zusammen, was sich zusammengehörig fühlt. Auch wenn es formal keine Dreier-Koalition ist: Ohne die Weltrevolutionäre von ganz links kann das Damen-Doppel Kraft/Löhrmann keinen einzigen Tag regieren. Was gestern in Düsseldorf geschah, ist keine Provinzposse. Es ist die Generalprobe für die rot-grün-rote Republik."

Bei Adenauer hieß es gegen die SPD: „Alle Wege führen nach Moskau". Bei BILD führen alle Wege der SPD zur SED. Es ist immer die gleiche Masche. Was BILD nicht in den Kram paßt, ist Moskau, SED oder Weltrevolution, und - wenn es schlimm kommt - der Weltuntergang.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://www.jjahnke.net/gedanken59.html#1816

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Gedanken zur Zeit 1815 15-07-10: Kein Diskussionsforum mehr zum Treibhauseffekt

Das Infoportal betreibt ein Diskussionsforum zu allen Rundbriefen und Gedanken zur Zeit, für das Heiner dankenswerterweise das Freischalten übernommen hat. Viele andere Webseiten betreiben diesen Aufwand nicht.

Wie schon mehrfach in der Vergangenheit, habe ich jetzt wieder die Erfahrung machen müssen, daß sich beim Thema Treibhauseffekt fast nur die melden, die die ganze Klimawissenschaft zum Fenster hinaus werfen wollen und darin oft so etwas wie eine Verschwörung sehen. Eine ernsthafte Diskussion ist dann in der Regel sinnlos. Einige wenige waren jetzt so „verbiestert", daß sie sich durch Abbestellen von allen anderen Informationen des Wochenrundbriefs abgeschnitten haben, nur weil der letzte auf die Klimadiskussion einging und sie offensichtlich die Fakten nicht vertragen können (es kommen allerdings immer mehr neue Bestellungen dazu).

Diese spezifische Diskussion im Infoportal kostet mich unverhältnismäßig viel Zeit, weil ich die Angriffe auf meine Ausführungen und nicht selten auf meine Person nicht einfach stehen lassen kann. Ein einziger Teilnehmer brachte es kürzlich zu fast 20 Zuschriften, indem er immer wieder reagierte (und er mußte dann ebenso viele Antworten bekommen).

Ich habe mich daher schweren Herzens - wie schon einmal vor einigen Monaten - entschlossen, zu dieser Thematik kein Diskussionsforum mehr aufzumachen. Die Foren zu den Rundbriefen 2061 und 2066 wurden dementsprechend geschlossen. Ich hoffe auf ihr Verständnis. Die Alternative wäre gewesen, meine Arbeit am Infoportal selbst herunter zu fahren.


Gedanken zur Zeit 1814 13-07-10: Es herrscht Krieg in Deutschland und keiner schaut hin?

Die Deutschen mögen den Krieg nicht, nach aller Erfahrung aus der Vergangenheit. Die pazifistische Parole „Stell Dir vor es gibt Krieg und keiner geht hin" ist weit verbreitet, leider auch beim jetzt in Deutschland ablaufenden Krieg. Sehr viele Menschen werden mit Staatsgewalt auf ein niedrigeres Sozialniveau gezwungen. Es ist eine Art Umverteilungs- oder Sozialkrieg in Deutschland.

Doch die Menschen proben nicht einmal den friedlichen Aufstand in Ausübung ihrer demokratischen Rechte. Sie sitzen fasziniert vor der Fußballglotze, während ihnen die sozialen Felle weiter davonschwimmen. Sie maulen vielleicht hier und da. Sie sparen noch mehr. Sie sehen tatenlos zu, wie das, was ihnen weggenommen wird, woanders bei den „Wir-haben-schon-Alles" zuwächst.

Gibt es überhaupt eine Schmerzschwelle für die sozialen Untaten? Ist die Leidensfähigkeit grenzenlos? Wissen die Menschen nicht, was da abläuft? Wissen sie nicht, daß ohne jeden friedlichen Widerstand Alles möglich ist? Ist Ruhe immer noch die erste Bürgerpflicht und sozialer Masochismus so weit verbreitet, daß die Menschen absichtlich eine Regierung wählen, die sie ärmer macht?

Es herrscht Krieg in Deutschland und keiner schaut hin?


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Gedanken zur Zeit 1813 12-07-10: Will dieser FDP-Abgeordnete wirklich über Klima-Leichen gehen?

Manchmal muß man sich immer wieder an den Kopf fassen, wenn man über die Risiken des Treibhausklimas diskutiert. Im Diskussionsforum wurde mir von einem Teilnehmer entgegengehalten:

„Fast alle Prognosen von Experten liegen erwiesenermaßen falsch. Alle Maßnahmen auf diesem Planeten haben sich wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen. Wer das Gegeneil behauptet, lügt. Überall haben Lobbyistenverbände ihre Finger im Spiel. Dort werden im Rahmen von wirtschaftlichen Interessen, Maßnahmen eingeläutet, die vor allem eins bewirken; das klingeln in den Kassen."

Ich habe dann immer wieder nachgefragt, welche wirtschaftlichen Interessen und Lobbyistenverbände denn die Regierungen zur Klimadisziplin trieben, ohne eine Antwort zu bekommen. Statt dessen wurde ich auf einen FDP-Abgeordneten im Europa-Parlament und dessen Sprüche verwiesen. Und die sind in der Tat unglaublich. Doch zunächst: Wer ist Holger Krahmer (MEP)? Nach eigener Webseite wurde er 1970 in Leipzig geboren und begann nach der Schulzeit und einer Berufsausbildung zum Instandhaltungsmechaniker 1990 seine berufliche Laufbahn als Bankkaufmann bei der Commerzbank AG. 2001 machte er sich selbständig und war zuletzt im Leipziger Beratungsbüro der Fürst Fugger Privatbank mit den Schwerpunkten private Anlageberatung und Vermögensverwaltung tätig. Er gehört zu den Gründern der GANOS Kaffee-Kontor & Rösterei AG in Leipzig und ist deren Vorstand. Dann wurde er der einzige Europa-Abgeordnete der FDP aus den neuen Bundesländern und beschäftigt sich nun im Europa-Parlament ohne spezifische Erfahrungen aus Studium oder Beruf auch mit Umweltfragen.

Krahmer hat nun ein Papier zusammen mit zwei anderen, auch nicht als besonders fachkundig ausgewiesenen Mitstreitern veröffentlicht. Das trägt den schönen Titel: „Unbequeme Wahrheiten über die Klimapolitik". Darin befinden sich so schöne Sprüche, wie:

„Das Ende der Klimahysterie ist eingeläutet", und

„Statt der Fokussierung auf willkürlich gesetzte CO2-Minderungsziele, sollte Europa sein innovatives Potential nutzen und die Erforschung neuer Technologien verstärken".

Das klingt sehr nach Bush, der auch glaubte, das Problem mit ein bißchen mehr Technologie lösen zu können. Barbarischer klingt allerdings ein anderer Spruch dieses liberalen oder wahrscheinlich neoliberalen FDP-Mannes:

„Anpassung an unvermeidliche und unkontrollierbare Klimaänderungen müssen Priorität bekommen. Besinnen wir uns darauf, dass die Anpassung an sich ständig, zum Teil dramatisch ändernde klimatische Bedingungen in der Menschheitsgeschichte der Normalfall war und eine Erfolgsgeschichte der Evolution ist."

Da fragt man sich, tickt der Mann noch richtig? In Hitzephasen der früheren Erdgeschichte ist enorm viel Leben vernichtet worden. In einem Fall wurden Billionen Tonnen Methan von am Meeresboden tauenden Methanhydraten nach oben in die Atmoshäre geschleudert. Die plötzliche Temperaturerhöhung um acht Grad vernichtete zwei Drittel der Meerestiere und hatte auf dem Land ähnlich katastrophale Folgen wie der Meteoriteneinschlag, der die Dinosaurier beseitigte (auch jetzt liegen auf dem Meeresboden eine bis zehn Billionen Tonnen Methanhydrate in gefrorenem Zustand, wie lange noch?).

Anders als in früheren Perioden einer ehemals kleinen Menschheit auf dem Planeten, leben jetzt hunderte von Millionen Menschen küstennah auf oder fast auf Meeresspiegelniveau, darunter die meisten Gigastädte, wie NewYork, Shanghai, London, Bombay oder Hamburg. Weltweit leben derzeit 60 Millionen Menschen unter einem Meter über Meeresspiegel und 275 Millionen unter fünf Meter. Rechnet man den absehbaren Bevölkerungszuwachs bis ins nächste Jahrhundert ein, so kommt man auf 130 Millionen, bzw. 410 Millionen Menschen. Sollte das bis zu drei Kilometer starke Grönlandeis schmelzen - und es schon munter dabei, so würde sich der Meeresspiegel um sechs Meter erhöhen. Das antarktische Eis von 4,2 Kilometer Stärke, dessen Schelze allerdings niemand für eine vorraussehbare Zukunft erwartet, würde weitere 70 Meter hinzufügen.

Was soll da Anpassung heißen oder gar Evolution, zumal wir diesmal beim Treibhauseffekt nicht in Jahrtausenden sondern bestenfalls in Jahrhunderten rechnen müssen und jede Evolution über das genetische Material weit mehr Zeit braucht? Schon die zwei Grad mehr Wärme, bei denen bereits erhebliche Schäden erwartet werden, können beim bisherigen CO2-Trend in dreißig Jahren erreicht werden, wenn die meisten von uns noch leben werden. Wie sollen sich eigentlich die armen Menschen in Südostasien, z.B. in Bengladesch, wo schon ein Anstieg um nur einen Meter 17 % der Landfläche versenken würde, „anpassen"? Und wie die schon jetzt ständig von Trockenheit und Hunger bedrohten hunderte von Millionen in Afrika? Will dieser flotte FDP-Mann mit seiner Evolutionstheorie wirklich über Klima-Leichen gehen? Was vertritt uns da eigentlich im europäischen Parlament?


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Gedanken zur Zeit 1812 10-07-10: Die Grafik-Datenbank ist beim Verlag

Es war ein schweres Stück Arbeit: Die wichtigsten 130 aus mehr als 700 Grafiken auswählen, systematisch ordnen, wo nötig aktualisieren, vor allem die mit langen Reihen oder Strukturvergleichen bevorzugen und so das Buch möglichst lange aktuell halten, das passende Lay-out finden und dann noch den Umschlag gestalten. Nun ist die Arbeit geschafft und das Ergebnis beim Verlag. In einigen Wochen wird die Broschüre bezugsfertig sein.

Der Preis muß wegen des aufwendigen Farbdrucks bei den angekündigten 25 Euro bleiben. Doch habe ich den Interessenten/innen, die Interesse für drei und mehr Exemplare bekundet haben, angeboten, ihnen direkt die Exemplare signiert und zum Preis von 23 Euro zuzuschicken. Das gilt natürlich auch für alle zusätzlichen Interessenten/innen. Leider kann ich das bei kleineren Bestellungen wegen des damit verbundenen Aufwandes der Abwicklung nicht tun und bitte um Verständnis.

Wer seine Interessebekundung für ein Exemplar oder mehrere noch loswerden will, kann das gern hier tun. Ich werde Allen, die sich gemeldet haben, dann mitteilen, wann der Verlag das Buch versandtfertig hat.

Für alle zahlreich eingegangenen Interessebekundungen möchte ich mich schon jetzt herzlich bedanken.

Joachim Jahnke


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Gedanken zur Zeit 1811 10-07-10: Wozu brauchen wir eigentlich Banken?

Bei zwei Themen fällt mir immer wieder auf, wie Menschen mit Verständnisproblemen ringen, weil ihnen eigene Erfahrungen fehlen und weil sehr viele, teilweise falsche Propheten unterwegs sind. Das eine ist die im Infoportal leidlich diskutierte Klimaentwicklung. Jeder Kälteinbruch treibt die Zweifler an dem Teil der Klimaentwicklung, der Menschenwerk ist, hoch und jede Hitzeperiode, wie gerade jetzt, läßt sie wieder etwas zur Ruhe kommen. Das andere ist die Frage nach der Berechtigung unseres derzeitigen Geldsystems und vor allem der Banken mit ihrer Geldschöpfung als dessen Hauptagenten.

Jetzt schrieb mir ein Zeitgenosse im Briefkasten zum Wochenbrief:

„Vielen Dank für Ihre Bemühungen, die 2319 Seiten der US-Banken-Reform in wenigen Punkten übersichtlich zusammenzufassen. Nach dem Lesen fiel mir ein, dass seit einiger Zeit ein Vorschlag diskutiert wird, die Geldschöpfung von den Banken in die öffentliche Hand zu verlegen. Als Institution wäre für Europa die EZB denkbar. Die Guthaben der Kunden würden dann auf separate Konten geführt werden, die nicht mehr in den Bilanzen der Geschäftsbanken erscheinen. Nur nach explizitem Auftrag der Kunden an eine Bank, würde das Geld für Kreditvergabe zur Verfügung stehen. Wäre das Ihrer Ansicht nach eine Möglichkeit dämpfend auf die Fluktuationen der Geldmenge einzuwirken?"

Ich habe dann geantwortet:

„Normalerweise müssen in einer funktionierenden Volkswirtschaft die Ersparnisse über die Banken durch Ausleihung in Investitionen umgesetzt werden, aus denen dann auch Arbeitsplätze kommen. Aber man könnte die Banken zwingen, daß spekulative Geschäft mit Kundengeldern zu unterlassen. Das ist der US-Ansatz für die zwei ganz großen Banken und für die anderen, etwas verwässert, bis zu einem Anteil am Eigenkapital. Warum in Deutschland eigentlich nicht auch??"

Doch der Zeitgenosse insistierte:

„Ich möchte die Diskussion nicht über Gebühr strapazieren aber Ihre Antwort impliziert, dass in der heutigen Volkswirtschaft Ersparnisse die Voraussetzung für Investitionen sind. Dem ist aber nicht so. Die Banken verleihen Geld, das sie selber im Augenblick der Kreditvergabe schöpfen können."

Da mußte ich noch einmal in die Harfe greifen:

„Sie machen da einen großen Fehler. Banken können nur im Rahmen ihrer Bilanzen und ihres Eigenkapitals Geld schöpfen. Das ist der Fehler vieler Geldtheoretiker, daß sie glauben, nur die Geldschöpfung allein führe schon zu Krediten.

Banken brauchen Eigenkapital und Einlagen, und erst auf dieser Basis können sie Geld schöpfen. Für die Einhaltung dieser Grenzen zu sorgen, ist Aufgabe der Bankenaufsicht. Die Geldschöpfung ist immer ein Vielfaches von Einlagen und Eigenkapital, und ohne diese Vorraussetzungen können die Banken kein Geld schöpfen. Außerdem reglementieren die Zentralbanken die Geldschöpfung durch die Rediskontsätze. Wenn die Banken frei Geld schöpfen könnten, hätten wir eine unendliche Inflation!!! Sie würden auch keine Kundengelder annehmen, da sie dafür ja Zinsen berappen müssen.

Und deswegen werden im Ergebnisse Ersparnisse in Investitionen umgeleitet, wenn auch natürlich nur in dem Maße, in dem Unternehmen Kredit nachfragen. Außerdem sorgen die Banken dafür, daß aus den Ersparnissen derer, die freie Mittel haben, Kredite an andere Privatpersonen, denen Mittel fehlen, geleitet werden. Auch diese Funktion kann nicht ohne Banken geschehen."

Dahinter liegt dann noch ein anderer Verständnisfehler, nämlich nur ohne Geldschöpfung der Banken schädlichen Fluktuationen der Geldmenge dämpfen zu können. Doch einerseits muß ganz grundsätzlich die Geldmenge fluktuieren können, denn deren Steuerung über die Zentralbanken durch den Zins und andere Einwirkungen ist ein wesentliches Instrument zur Konjunktursteuerung. Mit Verkürzung der Geldmenge wird einer Überhitzung entgegengewirkt und umgekehrt einer Rezession durch mehr Einschuß von Liquidität.

Andererseits war die Überflutung der Finanzmärkte mit Krediten, die die letzte Krise ausgelöst hat, nicht einfach die unvermeidbare Folge von Geldschöpfung durch die Banken, sondern das Ergebnis eines Versagens der Bankenaufsicht (in USA auch der Aufgabe des Glass Steagall Acts der Trennung von Geschäfts- und Investitionsbanken), der immer ungleicheren Einkommensverteilung mit sehr viel zusätzlichem anlagesuchendem Sparkapital, der gigantischen auf Kredit ausgeborgten Leistungsbilanzüberschüsse von China, Deutschland und anderen Ländern, sowie natürlich der Fehler im Management der Banken, Hypothekeninstitutionen und der Rating Agenturen.


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Gedanken zur Zeit 1810 09-07-10: Beim Klima-Schutz ist die „Kopf-in-den-Sand-Truppe" wieder unterwegs

In Reaktion auf den Rundbrief von gestern erreichte mich heute diese Zuschrift, die nur symptomatisch für viele Kritiker der Klimasorgen ist und von denen sich auch viele früher schon ähnlich und nicht selten unbeholfen und polemisch im Diskussionforum geäußert haben. Dabei verrät schon Stil und Orthographie eine ganze Menge:

„Heute werde ich den link zu diesem blog löschen - nun wird hier manipuliert, auf nimmerwiedersehen. Hören sie endlich auf, den Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden, es geht hier um den Einfluss des CO2 auf das Klima - und das ist irrelevant - punkt. Gehen sie doch in ein Erdloch und mit gutem Beispiel vorran, und verlassen sie endlich das Internet - sie verbrauchen ständig Strom - und tragen bei zu IHREM privaten Klimawandel."

Mir geht es wirklich nicht darum, irgend Jemandem ein schlechtes Gewissen einzureden. Hier geht es um die Politik, die endlich zu internationalen Vereinbarungen finden muß. Und es geht mir immer wieder um den Zusammenhang zwischen einer neoliberalen, die Resourcen der Welt brutal ausbeutenden Wirtschaftspolitik und den Folgen für das Weltklima. Der nächste Wochenbrief greift das Thema detaillierter auf (er kann hier bestellt werden).


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Gedanken zur Zeit 1809 09-07-10: Was wäre eigentlich mit BILD los, wenn Deutschland in den Vorrunden ausgeschieden wäre?

Den BILD-Kommentatoren fällt gar nichts mehr ein, als - selbst nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft aus der Fußballweltmeisterschaft - weiter Deutschlands gute Stimmung, seine Tugenden, seine Stärke und seine Träume zu beschwören. Dies heute unter der Überchrift „Vom Fußball lernen!":

„Unsere Mannschaft hat sich in die Herzen gespielt. Und sie hat die Welt begeistert. England schloss Frieden mit uns. Auf Israels Straßen jubelten Fans. Mit gutem Fußball lässt sich Freundschaft schließen. Mit gutem Fußball lässt sich ein Land verändern. Löw hat den Jungen eine Chance gegeben. Das war sein Erfolg. Sein Beispiel zeigt: Deutschland muss auf seine Jugend setzen. Auf jedem Schulhof üben kleine Özils, Khediras und Cacaus. Deutschlands bunte Zukunft spielt nicht nur auf dem Fußballplatz. Sie macht Deutschland stark. Deutschland ist das Land der guten Stimmung. Kein Naserümpfen nach der Niederlage. Sondern Stolz und Freude in Schwarz, Rot, Gold. Diese Farben und die Freude werden uns begleiten, wenn Deutschland muffig wird, wenn die Politik sich zofft. Dann wissen wir: Deutschland kann es besser. Wir sind Fans der neuen deutschen Tugend: Wir können uns gemeinsam freuen und zusammen etwas leisten für das Land. Das ist kein Traum!"

Billiger und göbbelscher geht es wirklich nicht. Frage: Was wäre eigentlich mit BILD los, wenn Deutschland in den Vorrunden ausgeschieden wäre?


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Gedanken zur Zeit 1808 08-07-10: Nun auch SPIEGEL-online: „Verliebt in die Deutschen"

BILD hat es in bester Göbbelsmanier vorgemacht: Wir sind die Sieger. Die ganze Welt bewundert und liebt uns. Da kann SPIEGEL-online nicht zurückstehen und kommt heute mit der Schlagzeile „Neues Deutschland-Bild - Die Sympathie-Weltmeister". Und wer das nicht glauben will, dem wird der Sportlehrer Imodou Francis aus Maiduguri im Nordosten Nigerias zitiert, der gesagt haben soll: „Ich habe mich in das deutsche Team verliebt".

So, und nun müssen wir uns nur noch selber lieben und vor allem unsere Regierung. Da sollen dann noch andere weit übertriebene Schlagzeilen aus dem deutschen Jammertal heraus helfen, wie „Höchster Stand seit Mitte Mai - Euro sticht den Dollar wieder aus". Tatsächlich ist der Euro von Mitte Januar bis zum Ende der ersten Juni-Woche gegenüber dem Dollar um 17,7 % abgesackt. Doch nun liegt er immer noch um 12,7 % unter dem Januarwert. Ein Wunder an der Marne ist das nicht(siehe hier).

Ein anderes Beispiel von SPIEGEL-online: Unter der Überschrift „Jubel über schwarz-rot-goldenes Jobwunder" meldet der SPIEGEL in Anlehnung an einen OECD-Bericht: „Das hat sonst kein Industrieland geschafft: In der Bundesrepublik ist trotz Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit gesunken". Auch das ist weit übertrieben, denn natürlich hat auch Deutschland in der Krise massenhaft Beschäftigung abgebaut, und baut erst jetzt wieder auf, allerdings weitgehend niedrig bezahlte und unsichere Leih- und andere Arbeit und immer mehr wird als „Unterbeschäftigung" versteckt. Außerdem paßt die Überschrift nicht zu zwei Kritikpunkten der OECD, die sich erst im kleiner gedruckten Text der Meldung wiederfinden. In anderen Staaten finden Arbeitslose wesentlich schneller wieder einen Job. Und mit einer "zielgerichteten Aktivierung" solle Deutschland die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen. Denn die ist in Deutschland weiter gestiegen und ist der eigentliche und bedrückende Teil der Arbeitslosigkeit, bei dem Deutschland im Vergleich sehr schlecht abschneidet.


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Gedanken zur Zeit 1807 07-07-10: BILD's pathologische Deutschland-Liebe

Einst wurde die Deutschlandliebe unter den Nazis verordnet. Vor jedem Haus mußte eine Fahne hängen. Göbbels war der Großmeister solcher Selbstverehrung einer Herrenrasse. Später kam der befreiende Satz von Bundespräsident Heinemann: „Ich liebe nicht den Staat, ich liebe meine Frau". Doch nun ist in der Göbbelsnachfolge wieder Staatsliebe angesagt. Gestern behauptete BILD mit einem nicht nachprüfbaren BBC-Zitat, wir seien das beliebteste Volk der Welt. Und heute wird unter der Überschrift „Die Welt liebt uns" nachgelegt, damit die Selbstliebe anhält und sich in Begeisterung für die Staatlenkerin Merkel auszahlt:

„Es gab finstere Zeiten, da hat die Welt uns Deutsche gefürchtet. Weil wir zum Fürchten waren. Dann haben sie uns geachtet, beneidet - und gleichzeitig misstrauisch beäugt. Weil wir zwar in vielem die Besten waren - aber mit uns selbst nicht im Reinen. Und plötzlich, Sommer 2010? Die Welt LIEBT uns! Junge Israelis mit schwarz-rot-goldener Fan-Fahne, sogar die britischen Zeitungen drücken der Löw-Elf in Südafrika die Daumen. Das gab es noch nie. Das fühlt sich saugut an - auch wenn es noch etwas ungewohnt ist. Bei der Fußball-WM 2006 präsentierte sich Deutschland der Welt neu - jung, leidenschaftlich, offen und gut gelaunt. Jetzt, vier Jahre später, trägt das neue farbenfrohe Bild Früchte. Natürlich hat nicht nur der Fußball dieses Wunder geschafft - aber kräftig mitgeholfen hat das berauschende Spiel von Poldi, Schweini und Co. sicher. Dass die Welt sieht: Wir Deutschen sind nicht nur Qualität, Ordnung und Disziplin. Sondern manchmal einfach Schwarz-Rot-Geil ...!"

Es ist gerade zu lächerlich, wie diese Selbstliebe von Deutschlands Massenblatt inszeniert wird. Undenkbar in anderen Ländern. Hier in Großbritannien, von wo aus ich diese Gedanken hege, pflegt man die Selbstironie und das britische Understatement. In Deutschland kommt es immer grob: einmal militärisch, dann wirtschaftlich und dann publizistisch. Ein solches Deutschland sollte man wirklich nicht lieben. Da halte ich es mit Heinemann!


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Gedanken zur Zeit 1806 06-07-10: BILD schreibt gute Stimmung vor

Unter dem Titel „Wir sind besser als wir denken!" schlägt uns der heutige BILD-Kommentar kräftig auf die Schultern:

„Wir sind, so hat die berühmte britische BBC ermittelt, das beliebteste Volk der Welt. Wir haben die Wirtschaftskrise besser überstanden als (fast) jede andere Nation - das geben sogar jene sogenannten Volkswirtschaftsexperten zu, die vorher den abgrundtiefen Fall prognostiziert hatten. Und alle haben daran Anteil. Ganz besonders auch die Gewerkschaften: Huber, Sommer und Bsirske ziehen den Karren mit! Die Arbeitslosenzahl fällt demnächst unter drei Millionen. Unsere Mittelständler haben ihre Ärmel hochgekrempelt und den Abschwung geschlagen. Wir haben mehr Lehrstellen als Bewerber. Die deutschen Autobauer fahren Sonderschichten. Von unserer Fußball-Nationalelf gar nicht zu reden. Dieses neugalaktische Schweini-Dreamteam verleiht mit Fußball aus der Wundertüte dem Begriff „Made in Germany" eine völlig neue Dimension."

Eh' wir es vergessen: Der BILD-Kommentator Tiedje war BILD-Chefredakteur und weiland Kohl-Wahlkampfmanager. Er hat die Propaganda bei Welt, BILD und Bunte von der Pieke gelernt. Für ihn ist Deutschland nun auf einer eigenen „neugalaktischen" Umlaufbahn um die Sonne.


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Gedanken zur Zeit 1805 02-07-10: Blick zurück im Zorn

„Look back in anger" war ein berühmtes Theaterstück von John Osborne im Jahre 1956. Für mich steht der Titel für einen Rückblick auf die Soziale Marktwirtschaft, als sie noch diesen Namen verdiente. Es ist ein Rückblick im Zorn, weil dieser erfolreiche und in der ganzen westlichen Welt bewunderte „dritte Weg" Deutschlands sinnlos und pervers einem immer neoliberaleren Kapitalismus geopfert wurde. Der hat dann die Reichen immer reicher gemacht und dafür die Massenkaufkraft, auf die die Wirtschaft von der Nachfrageseite her angewiesen ist, ständig verkürzt. Die Globalisierung mit der Verlagerung an die lohnniedrigsten Standorte in der Welt war einer der wichtigsten Hebel dieser Bewegung. Als die Massenkaufkraft fehlte, versuchten die neoliberalen Macher eine Überbrückung mit immer mehr Kredit. Nun, nachdem die Kreditmaschine zusammengebrochen ist, sind sie ratlos. Wahrscheinlich werden sie versuchen, die sinnlose Kreditmaschine wieder aufzubauen, statt eine Soziale Marktwirtschaft zuzulassen. In den Krisen findet nun immer wieder Schumpeters „kreative Zerstörung" statt. Wie lange noch?

Wer sich amüsieren will, sollte dieses schöne Video betrachten, das den Prozeß von einer marxistischen Sicht her persifliert (leider nur in Englisch):

Wer sich informieren will, sollte auf den nächsten Wochenbrief des Infoportals warten. „Als wir noch eine Soziale Marktwirtschaft hatten: Ein Rück- und Ausblick" ist vor allem an die Zeitgenossen gerichtet, die entweder zu jung sind, um die Soziale Marktwirtschaft noch erleben zu können, oder noch in einem anderen Deutschland lebten, das die Soziale Marktwirtschaft der „BRD" verteufelte, oder die schon zu alt sind, um noch ein gutes Gedächtnis zu haben.

Wer den Wochenbrief noch nicht abonniert hat, kann das hier tun.


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Gedanken zur Zeit 1804 30-06-10: Bei der Bundespräsidentenwahl ist eine gestrig-schmollende Linkspartei nicht aus ihrem Winkel herausgekommen

Es war abzusehen. Die Linkspartei würde der neoliberalen und antisozialen Koalition eher mit ihrem Kandidaten Wulff durch Enthaltung zum Sieg verhelfen, als dieser Koalition eine Niederlage zu bescheren und Gauck zu schlucken. Zu sehr steckt ihr die DDR-Vergangenheit ihres PDS-Flügels im Hals und damit Gaucks Kritik an dieser Situation. Damit verbaute die Linkspartei zugleich den raschen Weg in eine links-grüne Mehrheit im Bund.

Nun bleibt der SPD wohl nur übrig, durch einen konsequenten Kurs zugunsten der Benachteiligten der Gesellschaft ausreichend Stimmen von der Linkspartei zurückzuholen. Und sie wird das tun. Da bin ich mir sicher. Gleichzeitig werden die Grünen dafür sorgen, daß die FDP auch bei bürgerlichen Wählern klein bleibt. Am Ende wird es zu einer rot-grünen Regierung ohne Linkspartei reichen. Für die Linkspartei würde das zu einem Abgesang werden. Denn ohne eine Chance auf Beteiligung an der Macht, werden noch mehr frustrierte Anhänger der Linkspartei zu Hause bleiben oder abspringen.

Den Vogel hat kurz vor der Bundespräsidentenkür wieder einmal Linksparteivordenker Lieb abgeschossen. Er hat in Nachdenseiten dafür plädiert, daß sich möglichst viele in allen (wörtlich: ALLEN) Parteien enthalten sollen:

„Deshalb appelliere ich an die Wahlfrauen und Wahlmänner: Enthalten Sie sich der Stimme! Ein schwaches Wahlergebnis wäre ein bedeutendes Signal für eine lebendige Demokratie."

Abgesehen von dem Größenwahn, der in diesem Appell an die Bundesversammlung steckte, ging es Lieb natürlich vor allem um die Enthaltung der Linkspartei. Bei den anderen genießt er ohnehin keinen Einfluß. Und viele Enthaltungen würden die Enthaltung der Linkspartei weniger auffällig machen. Seit wann sprechen Enthaltungen eigentlich für eine lebendige Demokratie? Enthaltung ist eher ein Akt der Verzweifelung oder, im Falle der Regierungsparteien, Zweifel an Merkel, die Wulff aufs Schild gehoben hat. Für die Linkspartei bedeutete die Enthaltung - Lieb hin oder her - nur ein Verbleiben im ewig-gestrigen Schmollwinkel gegen Gauck. Schade!

Schade auch um Nachdenkseiten, jene Webseite, die vorgibt, „die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und damit auch die Qualität der politischen Entscheidungen zu fördern", sich aber mit Liebs Geiferei gegen Gauck zum Zentralorgan der Linkspartei abgewertet hat.


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Gedanken zur Zeit 1803 29-06-10: Was hat eigentlich Fußball mit Politik zu tun? Für BILD unendlich viel

Aus dem BILD-Kommentar von heute, fast wie zu erwarten:

„Die ausgelassene Stimmung auf den Fan-Meilen im ganzen Land. Die schwarz-rot-goldenen Fähnchen, die an unseren Autos flattern. Die glücklichen Menschen, die sich auf ihren Terrassen oder im Biergarten um die Fernseher versammeln. Der Fußball verändert unser Land.

Und der Patriotismus, der über Jahrzehnte bei uns verpönt war, ist nicht mehr falsch zu verstehen. Denn die Signale, die wir in die Welt hinausschicken, sind ohne Ausnahme positiv: Deutschland ist ein fröhliches Land. Deutschland ist ein friedliches Land. Deutschland ist modern und fantasievoll. Und wir Deutsche verstehen uns als ein Team, das noch viel bewegen kann. Hoffentlich ist dies auch ein Lehrstück für unsere oft zaudernden und allzu zerstrittenen Politiker."

Wie müßte dann der BILD-Kommentar ausfallen, wenn das nächste Spiel verloren geht? Die Deutschen gelten ügrigens im Ausland ganz und gar nicht als besonders fröhliche Menschen, sondern als ständig besorgt, ängstlich, kinderlos alternd, selbstsüchtig auf Exportüberschüsse versessen, die Nachbarn mit Lohndumping drangsalierend, die ganze Welt mit ihrer Sparpolitik belehrend.


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Gedanken zur Zeit 1802 28-06-10: Ich hatte und habe einen Traum

Zugegeben: Meine politische Bildung und Motivation ist vor fast einem halben Jahrhundert entstanden. Ich studierte in Berlin, erlebte dort die Studentenrevolte in deutscher Version. Hörte Herbert Marcuse auf Gasttournee an der Freien Universität Berlin. Begeisterte mich überhaupt für die Frankfurter soziologische Schule. Und natürlich war ich von Rudi Dutschke beeindruckt.

Ich erlebte den Studentenaufstand in Paris im Mai 1968 hinter den Barrikaden. Die Internationale hallte durch die Straßenschluchten aus hunderttausenden von Kehlen, nicht gezwungen wie einige tausend Kilometer weiter östlich. Wir glaubten an ein Zusammengehen der bügerlichen Intelligenz mit der Arbeiterklasse. Die Gewerkschaften riefen dann auch den Generalstreik aus, störten sich allerdings an der studentischen Unruhe und ließen sich mit einer einmaligen Lohnerhöhung aus dem Versuch einer Gesellschaftsveränderung herauskaufen. Bestimmend war hier vor allem die kommunistische CGT.

Ich war schließlich in Berkley USA und erlebte „the greening of America". Der Aufstand gegen den Vietnamkrieg war allgegenwärtig.

Unvergeßlich auch unsere Begeisterung für den Versuch von Che Gevarra und Fidel Castro, die politische Landschaft in Lateinamerika zu verändern. Auch hier legten sich die Kommunisten unter Chrustschow quer und wiesen ihre kommunistischen Partnerorganisationen in Lateinamerika an, sich gegen diesen Versuch zu stellen. Chrustschow wollte sich damals mit den USA arrangieren.

Man konnte sich begeistern. Die Begeisterung kam von innen und war keine Vorgabe der Politik. Wir träumten von einer freieren, solidarischeren Gesellschaft ohne die vielen meist künstlichen Sachzwänge, ohne Hierarchien von Professoren oder Unternehmensbossen.

Und heute? Der Traum ist nicht gestorben. Die Gesellschaft scheint mir wieder auf einen Bruchpunkt zuzusegeln. Der Traum vom ewigen Wirtschaftswachstum, das früher oder später alle Schichten der Gesellschaft an die Freßtröge läßt, jene Lebenslüge des Kapitalismus, vor allem in seinem neoliberalen Gewande, scheint ausgeträumt. Außerdem blinkt Mutter Erde schon seit Jahren „rot". Eine Gesellschaft, die - wie die deutsche - die natürliche Reproduktion aufgegeben hat, ist auf Dauer nicht lebensfähig, ja nicht einmal überlebensfähig. Menschen, die ihr demokratisches Mitbestimmungsrecht an der Wahlurne abgeben oder schon vorher zu Hause darauf verzichten, geben auf, ihre Zukunft zu gestalten.

Es scheint für mich nur einen Ausweg zu geben, um Hoffnung aufkommen zu lassen. Wir brauchen plebiszitäre Rechte, eine ständige Mitsprache der Bürger (nicht der Parteien) in wichtigen Fragen ihrer Zukunft. Ich habe mich zuletzt vor einem halben Jahr unter Gedanken zur Zeit hier dafür eingesetzt. Ein Gauck aus der Bürgerbewegung der DDR, der sich jetzt in diese Richtung engagiert, verspricht Hoffnung:

„Ich möchte gerne, dass sich mehr Bürger beteiligen an ihrer Demokratie. Deswegen sind mir plebiszitäre Elemente wichtig - auch wenn Politiker im Bundesland Hamburg gerade darüber stöhnen, dass das Volk plötzlich seine Meinung zur Schulreform sagen will" oder

„Eine Möglichkeit sind mehr Volksabstimmungen insbesondere auf der Ebene der Bundesländer und Kommunen".

Daß er richtig liegt, zeigt die Reaktion des CDU/FDP-Kandidaten Wulff:

„Die Anti-Parteien-Stimmung mancher Anhänger Joachim Gaucks ist gefährlich. Parteien und Politiker seien besser als ihr Ruf und in erheblichem Maße für den Erfolg des Landes verantwortlich."

Wir brauchen wieder Hoffnung. Sie ist wichtig, wie die Luft zum Leben.


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Gedanken zur Zeit 1801 27-06-10: Ein Schlußwort zu einer ziemlich langen Diskussion

Am 18. Juni, also vor neun Tagen, erschienen meine Gedanken zur Zeit über die Wahl des Bundespräsidenten unter der Überschrift "Wolfgang Lieb und Joachim Gauck". Bis gestern fand dazu im Diskussionforum eine heftige Diskussion mit 184 Beiträgen statt.

Sie hat mir gezeigt, wie sehr die Anhänger der Linkspartei, die sich hier mehr als andere geäußert haben und gegen Gauck teilweise ziemlich haßvoll zu Felde gezogen sind, die sozialkritische Seite im deutschen Politspektrum aufspalten. Ein Wulff ist ihnen lieber als der Kandidat von SPD/Grüne, auch wenn damit eine die Linkspartei einschließende neue Regierungsmehrheit in weitere Ferne rückt. Einige der so Diskutierenden sind offensichtlich noch nicht in der Bundesrepublik angekommen. Wahrscheinlich müssen noch einmal einige Jahre vergehen, bis diese Menschen auf natürliche Weise aus dem politischen Spektrum verschwunden sind. Solange aber kann der Widerstand gegen die fortschreitende Neoliberalisierung Deutschlands nicht warten. Entweder die Linkspartei wird für SPD/Grüne koalitionsfähig oder die SPD muß sich weiter so mutieren, daß sie sehr viele der an die Linkspartei verloren gegangenen Wähler zurückholen kann.

Alle meine sozial- und wirtschaftspolitischen Analysen, die regelmäßig im Infoportal erscheinen, belegen, wie dringend ein Kurswechsel für Deutschland wird. Wer diese sich verfinsternde Großwetterlage nicht begreifen will und statt dessen seine Nostalgie für die untergegangene DDR ausleben möchte, ist wirklich von gestern.

Die demokratische Verfaßtheit Deutschlands läßt es zu, die Verhältnisse zu ändern. Da ist kein Raum, um seine Frustrationen mit angeblich mangelhafter Demokratie zu bemänteln oder immer nur mit dem Finger auf den Kapitalismus und die schreckliche Presse zu zeigen. Die Kapitalismusgegner/innen, die sich in dieser Diskussion nachdrücklich geäußert haben, müssen endlich zwischen einem sozialverträglichen Kapitalismus mit ausreichenden sozialen Sicherungen und der neueren, neoliberalen Version unterscheiden lernen. Auf ein System zu warten, das jenseits jeder Form von Kapitalismus angesiedelt ist, heißt Warten auf Godot. Ein solches Verhalten spielt nur den Neoliberalen in die Hände.

Es ist schade, daß viele Ex-DDR-Bürger die inzwischen leider bei uns weitgehend abgebaute soziale Marktwirtschaft nur durch die entstellende DDR-Propaganda erlebt haben und daß auch viele Menschen in der Bundesrepublik zu jung sind, um dieses von ihnen nicht mehr erlebte System noch einordnen zu können. Wir sind einmal in der ganzen Welt darum beneidet worden. Es gab uns den sozialen Frieden, der als Lehre aus der schlimmen deutschen Geschichte dringend notwendig war. Es wäre heute ebenso nötig.


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Gedanken zur Zeit 1800 24-06-10: Gedanken aus Frankreich: Die Franzosen wollen leben, die Deutschen für ein Rentenalter sparen, das dramatisch kürzer ist

Heute wird in Frankreich gegen das Regierungsvorhaben, das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre hochzusetzen, gestreikt. In Deutschland wurde es ohne Widerstand schon auf 67 Jahre geschoben. Ich sah eben die Demonstration der französischen Gewerkschaften und dachte an Deutschland. Der Unterschied in der Lebenseinstellung der Partnerländer könnte nich deutlicher zum Ausdruck kommen.

Dabei wollen die Franzosen vor allem erst einmal leben. Die deutschen Nachbarn sparen dagegen schon für das Alter und mangelhafte Renten. Hierzu der passende und geradezu zynische Kommentar aus der heutigen BILD-Zeitung, der nie in Frankreich hätte geschrieben werden können, unter der Überschrift „Eine gute schlechte Nachricht!":

„Ist die Nullrunde wirklich eine schlechte Nachricht für alle Rentner? Jedem, der sich jetzt beklagen will, sei gesagt: Die Nullrunde ist in Wahrheit ein Geschenk an die ältere Generation. Denn: Die Renten hätten eigentlich sinken müssen! Aber die Rentner haben von der Politik eine Garantie bekommen, dass ihre Bezüge nie wieder sinken sollen. Selbst dann nicht, wenn die Löhne der Beschäftigten schrumpfen wie derzeit. Die Arbeitnehmer haben dagegen eine andere Garantie: dass ihre Belastungen immer größer werden! 5,1 Milliarden Euro bringen die Beitragszahler für die Nullrunden der Rentner auf! Darunter viele Junge, die zwar kräftig in die Rentenkasse einzahlen, aber dafür später wesentlich weniger herausbekommen werden. Die Politik darf das Generationenproblem nicht länger aus Angst vor dem Zorn der Älteren totschweigen."

Dabei sind die Löhne vor allem geschrumpft, weil die Regierung das Kurzarbeitergeld verlängert hat und Kurzarbeiter weniger verdienen. Wären sie arbeitslos geworden, hätten die Renten erhöht werden müssen. Warum aber sollen die alten Menschen eigentlich mit ihrer Rente für das Kurzarbeitergeld aufkommen?

Nun auch noch das. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Deutschland im Alter von 60 Jahren bei 20,9 Jahren. Davon hat der Durchschnittsdeutsche dann noch 7 Jahre Malochen vor sich, bevor das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht ist. Was dann als Rentenalter übrig bleibt, wird sehr oft von chronischen Krankheiten überschattet. Die Medizin kann das Leben verlängern, aber nicht die chronischen Krankheiten heilen. In Frankreich liegt im Alter von 60 Jahren die durchschnittliche Lebenserwartung bei 21 Jahren. Bis jetzt kann der Durchschnittsfranzose dann ohne weiteres Malochen gleich in die Rente gehen. Und zwischen den französischen 60 und den deutschen 67 Jahren haben chronische Alterskrankheiten noch längst nicht so zugeschlagen wie danach. Wer lebt hier besser? Was nützt das Sparen für eine viel kürzere Rentenzeit?

Schlimm ist nur, daß ganz Europa nach deutscher Regierungsansicht wie Deutschland stramm stehen soll bzw. malochen, bis es nicht mehr geht. Wer rettet die Deutschen vor dem Diktat ihrer herrschenden Klasse? Keiner von denen hat das Malochen mit 18 anfangen müssen, sondern konnte Student bis 28 spielen und fand dann einen gut bezahlten Job, auf dem er sich mit nicht gleichförmiger Arbeit, wie bei Arbeitern am Fließband, bis zum Rentenalter gesund halten konnte. Macht Arbeit wirklich frei??

Übrigens, das Frankreich, das ich lieben gelernt habe, hat Deutschland mit seinem neoliberalen Druck über den Rhein ("China in Europa") schon zur Hälfte ruiniert. Soll die andere Hälfte auch noch in den deutschen Orkus geworfen werden?


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Gedanken zur Zeit 1799 23-06-10: Gauck for President: Versöhnen statt Spalten

Gauck ist für meinen Geschmack sozialpolitisch nicht radikal genug. Aber er ist so viel authentischer und überzeugender als seine Konkurrenten, die man als Parteisoldaten klassifizieren muß. Wenn Wulff auch nur eine Bohne Charakter hätte, würde er seine Kandidatur gegen Gauck hinschmeißen. Es gäbe dann mit Gauck einen Bundespräsidenten, der die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich hätte, aber auch dieser Mehrheit Hoffnung machen könnte. Und die ist in der deutschen Misere die bitterste Mangelware.

Gauck hat auch - anders als Wulff - das Zeug, über die sozialpolitischen Flügel hinweg zu versöhnen. Die Linkspartei (und ihr Sprachrohr Nachdenkseiten) werfen ihm vor zu spalten. Doch er spaltet nur die, die sich mit ihrer nicht-aufbereiteten Sicht der DDR-Vergangenheit selbst abspalten und damit auch die Perspektive auf eine vereinte Linksopposition aufgeben.

Gauck hat in seiner Grundsatzrede im Deutschen Theater vom 22. Juni 2010 nicht nur von der Freiheit gesprochen, sondern auch vom Gemeinwohl und der Chancengleichheit - Sätze, die auch in der Linkspartei akzeptabel sein sollten, auch wenn es in dieser Allgemeinheit weitgehend Leersätze sind:

„Die Freiheit, die wir bejahen, bindet sich an das Gemeinwohl. Sie akzeptiert eine Ratio des sozialen Ausgleichs und nimmt den besser Gestellten, um es den schlechter Gestellten zu geben. Dies geschieht durch das Steuersystem und die Sozialleistungen. Eine solidarische Gesellschaft steht Hilfsbedürftigen bei, wenn sie in Not sind. Sie ermächtigt die Hilfsbedürftigen aber vor allem, wieder für sich selbst zu sorgen. Für diese Art der Unterstützung passt der Begriff Fürsorge nur bedingt. Fürsorge kann entmächtigend wirken, wenn der Staat die Rolle eines gütigen Fürsten annimmt, dessen Gestus die Empfänger zu Mündeln macht und ihre Abhängigkeit fördert statt an ihren Mut und ihr Selbstvertrauen zu appellieren. Freiheit, die sich ans Gemeinwohl bindet, schafft auch soziale und ökonomische Voraussetzungen für eine möglichst große Chancengleichheit. Menschen in unterprivilegierten Schichten und Menschen, die erst in den letzten Jahrzehnten zu uns gekommen sind, dürfen aufgrund fehlender ökonomischer und sozialer Absicherung nicht um ihre Entwicklungsmöglichkeiten gebracht werden. Selbstverwirklichung in Freiheit gelingt nur, wenn beispielsweise Kinder und Jugendliche über gleiche Bildungschancen verfügen - unabhängig von ihrem Elternhaus."


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Gedanken zur Zeit 1798 22-06-10: BILD ist verlogen in das morgen verliebt

Aus dem heutigen Kommentar:

„Aufschwung! So viele gute Nachrichten! Die Welt hat Lust auf deutsche Autos: Mercedes, Audi, BMW. Auftragsbücher voll! In den Fabriken fährt man Jubel-Schichten - auch am Wochenende. Kurzarbeit gestrichen! Tausende Jobs für Zeitarbeiter! Der Dax geht rauf, erstmals seit sechs Jahren steigt die Zahl der Firmengründungen! Auch auf dem Bau zeigt die Auftragskurve nach oben. Überall schnuppern die Deutschen den Aufschwung. Der Umfrage-Trend heißt: Zuversicht!Lauter gute Nachrichten. Und nun die schlechte: In Deutschland gibt es noch zu viele Miesepeter. Sie gönnen uns die gute Stimmung nicht. Sie wollen recht behalten, dass es abwärtsgeht. Weg mit ihnen in die Mottenkiste! Sie sind Gespenster von gestern. Wir sind in das morgen verliebt. Deutschland freut sich auf den Aufschwung-Sommer."

Deutschland freut sich offensichtlich nicht auf einen Aufschwungsommer, denn die Menschen sitzen ängstlich auf ihrem Geldbeutel, mißtrauen der Wirtschaft und der Bundesregierung. Der Beweis ist eindeutig: Die private Nachfrage geht nach unten. Hier geht es nicht um Bestellungen deutscher Luxuskarossen aus dem Ausland sondern um das viel wichtigere Verhalten der Deutschen selbst. Sie freuen sich nicht. Es ist nicht die Schuld von Miesepetern, sondern das nüchterne Kalkül der großen Mehrheit der Deutschen.


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Gedanken zur Zeit 1797 19-06-10: In ihrem Widerstand gegen die Gauck-Kandidatur zeigt die Linkspartei, wie sehr sie selbst noch von gestern ist

Während wohl sehr viele Mitglieder der Linkspartei Gauck gegenüber Wulff vorziehen, sieht es die Führung dieser Partei umgekehrt und ist bereit, im dritten Wahlgang Wulff statt Gauck passieren zu lassen. Sie wirft Gauck vor, in seiner Kritik an der DDR und der Linkspartei von gestern zu sein, zeigt aber damit nur, wie sehr sie selbst noch immer von gestern ist.

Die Kritik an Gaucks sozialen Vorstellungen ist nur vorgeschoben, denn die von Wulff sind noch viel schlimmer. Immerhin hat Gauck im Interview mit dem Deutschlandfunk im Oktober 2008 gesagt:

„Wir sehen, dass überall dort, wohin Menschen gehen, wo Menschen leben wollen, kapitalistische Wirtschaftsverhältnisse existieren. Die gibt es nun in unterschiedlicher Form. Es gibt sie wie in Russland und China, und es gibt sie wie in Deutschland, Österreich und in Skandinavien, wo das Sozialstaatsmodell eben in besonders ausgeprägter Form existiert. Diese Verbindung zwischen freiheitlichem Denken und sagen wir mal einem Grundbestand von marxistischer Gesellschaftsanalyse hat eben die Sozialdemokratie in Europa zustande gebracht. Diese Form von Sozialismus, die lasse ich mir ja noch gefallen."

Von Wulff war solches nicht zu hören. Sozialismus wird er sich in keiner Form gefallen lassen und schon gar nicht mit einem Grundbestand von marxistischer Gesellschaftsanalyse. In Erinnerung ist statt dessen Wulffs peinliche Reaktion auf die Kritik an den Bankerboni, als er von „Progromstimmung gegen Manager" sprach.

Was der Führung der Linkspartei nicht behagt, ist dagegen die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit, für die Gauck nun einmal steht. Doch muß man sich immer wieder mit seiner Geschichte auseinandersetzen, um daraus zu lernen. So wurde in der Bundesrepublik Deutschland immer wieder die NS-Geschichte aufgearbeitet (mehr als in der DDR), und wird es auch heute immer wieder. Wer dazu nicht bereit ist, hängt mehr an dieser Geschichte als gut ist, und sieht die totalitären Gefahren von heute nicht.

Aus der DDR-Geschichte müssen gerade wir Deutschen lernen, wie wichtig der aufrechte Gang der Bürger ist, auch heute. Und dafür steht Gauck sicher mehr als Wulff. Die DDR war in ihrem überheblichen Dogmatismus ein sehr typisch deutsches System. Keine Regierung dieser Welt hat je ihr eigenes Volk komplett inklusive Schießbefehl einmauer können, ohne Widerstand zu finden (von Nordkorea vielleicht abgesehen). Selbst in der Sowjetunion waren die DDR-Kommunisten unbeliebt. Auf vielen offiziellen Reisen durch die UdSSR machte ich die Erfahrung, daß die bundesdeutschen Vertreter im Vergleich mit den arroganten der DDR eher als die guten Deutschen galten.

Widerstand und aufrechter Gang waren in der DDR als Mangelware gefragt. Über die längste Zeit ihrer Existenz gab es nicht genug davon. Nun weiß - mangels freier Wahlen - niemand, wie groß der innere Widerstand gegen den SED-Staat in der DDR wirklich war. Und dabei geht es nicht um die letzten Wochen und Monate, als dieser Staat sich praktisch schon selbst aufgegeben hatte und weder seine Führung, noch gar die Russen weiter zur Verteidigung des bestehenden Zustands bereit waren. Ich fürchte, daß vieles an innerer Abneigung gegen die DDR-Verhältnisse nur durch den höheren Wohlstand des Westens (bessere Autos, etc.) bedingt war.

Das DDR-Regime fiel erst, als es schon total verfault war und Polen schon längst vom Sozialismus Abstand genommen und auch Gorbatschow seine Distanz zu Honnecker gesucht hatte. Honnecker ist nicht am bösen Westen oder am inneren Widerstand gescheitert, sondern von einem aufgeklärteren Gorbatschow aufgegeben und dann von der DDR-Führung ausgetauscht worden. Und die meisten DDR-Bürger konnten nach der Wiedervereinigung nicht schnell genug in die Startlöcher für mehr Konsum kommen und ließen sich von Kohl mit 1:1 bei den anstehenden Bundestagswahlen „kaufen". Nicht die SPD, die immerhin mit der Brandt'schen Ostpolitik die historischen Grundlagen für die Wiedervereinigung geschaffen hatte, sondern der schwarze Kohl war der große Sieger in den neuen Bundesländern.

Sehr viele seinerzeitige DDR-Offizielle waren auf einmal Widerständler gewesen. Ich war als einer der ersten Vertreter der Bundesregierung nach Einführung der DM im Außenhandelsministerium der DDR. Alles Widerständler jetzt, obwohl gerade diese Beamten immer als linientreu in den Westen reisen durften. Die Wahlergebnisse in Ost-Berlin stehen auch heute noch für viel DDR-Nostalgie.

Bewiesen ist jedenfalls, auch dank der Gauck-Behörde, die hohe Durchdringung der DDR-Gesellschaft mit Spitzeln der Stasi, was in dieser Massierung nicht gerade für viel aufrechten Gang spricht. In dieser Hinsicht ergab sich ein ziemlich nahtloser Übergang vom Dritten Reich in den Arbeiter-&-Bauern-Staat. Unvergessen ist für mich als damals West-Berliner das hohe und total unnötige Ausmaß an Schikanen gegen westliche DDR-Transitler durch normale Grenzbeamte (nicht die Grenzsoldaten), die wahrscheinlich in vielem repräsentativ für das System und seine Gesellschaft waren.

Umso mehr muß man Menschen schätzen, die sich längst vor den Montagsdemonstrationen in der DDR kritisch öffentlich geäußert haben. Gauck gehörte dazu, wenn auch mit der duch die Verhältnisse gebotenen Vorsicht und als Pfarrer etwas weniger angreifbar als normale Bürger. Wenn Gaucks Verhältnis zur DDR-Geschichte für die Führung der Linkspartei eine Präferenz gegenüber Wulff begründen sollte, zeigt das nur, wie sehr sie selbst noch immer von gestern ist.


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