Reihe 55 ab 26-01-10 ... ...

(1685) Verstaatlicht endlich die „Deutsche Bank"

(1684) Neoliberaler Dauerstreß - Ängste - Depressionen - Krebs

(1683) Abgesang auf Herrn Westerwelle: Humoristisch-toternst

(1682) Und jetzt sparen wir weiter doof und verbissen für USA, Großbritannien, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und viele andere

(1681) Kann das Infoportal wirklich süchtig machen?

(1680) Und nun eine Anti-Westerwelle-Medizin

(1679) Kleine Erlebnisse mit deutschen Politikern: Herbert Wehner

(1678) BILD auf dem Kriegspfad gegen den Sozialstaat: Seit 10 Tagen nur noch ein Thema

(1677) Was mich manchmal bewegt

(1676) Zur Zusendung der Rundbriefe

(1675) BILD: Westerwelles Debatte über Hartz IV stoppt den Absturz der FDP!

(1674) Jetzt wirbt auch SPIEGEL für Westerwelles Spalter-Thesen

(1673) Jetzt jeden Tag eine BILD-Breitseite für Westerwelle oder vom Gift der deutschen Teilung

(1672) Immer mehr BILD-Schutz für Westerwelle

(1671) Natürlich bekommt Westerwelle eine verlogene BILD-Rückendeckung

(1670) Die Sprüche des deutschen Außenministers zu Hartz IV wären in anderen EU-Ländern undenkbar

(1669) Stark schwächelt

(1668) Es gibt nur einen tragfähigen Aufstieg aus dem Krisental: Kurbelt die private Nachfrage endlich an!

(1667) Kein Anschluß unter dieser Nummer

(1666) Das Diskussionsforum ist wieder auf

(1665) Deutsche Politik immer perverser: Kein Geld für Hartz IV, aber für Griechenlands Reiche

(1664) Reale Währungsabwertung hat die Verbrauchernachfrage torpediert

(1663) Bankraub - eigene Bank - Bankdatendiebstahl

(1662) Wird der Euro nun doch noch zum Teuro?

(1661) Kritische Ökonomie auf DVD: EMail-Schalter jetzt repariert

(1660) Die Kritische Ökonomie jetzt auch auf DVD

(1659) Von grüner Naivität im Umgang mit China

(1658) Immer der gleiche Schwindel über die angeblich steigenden Tarifverdienste

(1657) Speed kills - Exponential zerstören wir die Erde

(1656) Deutschland - Niedrigsteuerland

(1655) Der Euro auf Mittelmeersand gebaut

(1654) Die Lügenmärchen vom Arbeitsmarkt





Gedanken zur Zeit 1685 25-02-10: Verstaatlicht endlich die „Deutsche Bank"

Es gibt sicher viele Gründe, die Deutsche Bank zu verstaatlichen. Das fängt mit der unglücklichen Figur und den zum Sieg gespreizten Fingern des Chefs der Bank an, geht mit der Bonuskultur und den irrsinnigen Gewinnzielen weiter und endet in den Bilanzverstecken des Instituts. Es ist der drittgrößte Versicherer der Welt von Wetten auf Kreditverluste (Credit Default Swaps oder CDS) - ein Instrument, das Soros zurecht als Damoklesschwert über den globalen Kreditmärkten gebrandmarkt hat. Alles das ist nicht gut für Deutschland, dessen Namen die Bank stolz und unverdient vor sich her trägt, obwohl sie längst zu einer der großen Wall Street Banken geworden ist.

Jetzt wird aus einem Artikel der New York Times bekannt, zu den Instituten, die an vorderster Front über die gleichen CDS gegen Griechenlands Staatsschulden spekulieren, gehöre auch die Deutsche Bank. Nachdem Großbanken an der Verschleierung der griechischen Schulden beteiligt waren und andere massenhaft griechische Staatspapiere gekauft und bei der EZB gegen billigsten Kredit zu Barem gemacht hatten, sollen sie nun auf eine Pleite des Staates wetten. Die Deutsche Bank wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu den Vorwürfen äußern.

Gegen Griechenland wird mit einem besonderen, erst vor wenigen Monaten geschaffenen Index spekuliert: iTraxx SovX Western Europe. Er enthält 15 Länder aus der Eurozone und einige andere. „Es ist, als kaufe man eine Feuerschutzversicherung für das Haus des Nachbarn. Sie schaffen einen Anreiz, das Haus abzubrennen", sagte Philip Gisdakis, Chefberater für Kreditgeschäfte bei der Bank UniCredit, der „New York Times". CDS werden „over the counter" gehandelt, also außerhalb transparenter Börsen. Niemand weiß daher wieviele Versicherungen bei welchem Institut abgeschlossen werden. Der weltgrößte Versicherer AIG aus USA mußte bereits durch Verstaatlichung vor der Pleite gerettet werden. Seine Pleite hätte den gesamten globalen Finanzmarkt mitgerissen.

Der Handel in CDS nach diesem Index ist in diesem Jahr von 53 Mrd $ im Januar auf jetzt 109 Mrd $ gewaltig angesprungen. Auf Griechenland entfallen CDS-Wetten in Höhe von 85 Mrd $, während es ein Jahr vorher erst 38 Mrd $ waren. Die Kosten einer Versicherung von 10 Mio $ in griechischen Staatspapieren für ein Jahr stiegen von 282.000 $ Anfang Januar auf 400.000 $ im Februar. Bei einer solchen Entwicklung wird es für die griechische Regierung immer schwerer Kredite zu akzeptablen Bedingungen aufzunehmen.


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Gedanken zur Zeit 1684 24-02-10: Neoliberaler Dauerstreß - Ängste - Depressionen - Krebs

Die Ursachenkette ist nicht eindeutig. Viele Ursachen können zu Krebs führen. Eine ist jedenfalls ein geschädigtes Immunsystem. Dauerstreß erzeugt solche Schäden unseres körpereigenen Abwehrsystems. Ein riesiger Streßfaktor ist der globale neoliberale Druck auf unser Gesellschaftssystem und uns alle, oder jedenfalls die unter uns, die sozial diskriminiert oder unter ständigem Leistungsdruck und einem diffusen Druck von Ängsten und Sorgen gehalten werden. Das teibt die Depressionen hoch, über die das Infoportal immer wieder berichtet. Doch auch der ständige Anstieg der Krebsraten dürfte hier eine, wenn auch nicht die einzige Ursache haben.

Wenn selbst altersstandardisiert, d.h. unter Berücksichtigung der zunehmenden Lebenserwartung, die Krebs-Erkrankungsraten zwischen 1980 und 2004 nach der neuen Veröffentlichung des Robert Koch Instituts um 30 % für Männer und 20 % für Frauen gestiegen sind (siehe heutiger Rundbrief) und seitdem unaufhaltsam weiter, stimmt auch mit unserer Gesellschaft einiges oder gar vieles nicht. Deswegen berichtet das Infoportal darüber.


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Gedanken zur Zeit 1683 23-02-10: Abgesang auf Herrn Westerwelle: Humoristisch-toternst

Heute im Diskussionsforum ein Hinweis auf dieses Video mit dem treffenden Zusatz: „Mir fällt kein Kommentar dazu ein. Einfach perfekt. Wer könnte es besser sagen?" Kein weiterer Kommentar.


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Gedanken zur Zeit 1682 22-02-10: Und jetzt sparen wir weiter doof und verbissen für USA, Großbritannien, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und viele andere

Kaum zu glauben. Kann man denn nicht begreifen, daß, was der Michel spart, woanders dann munter ausgegeben wird. Die IG-Metall hat gerade fast ohne jede Lohnerhöhung abgeschlossen, obwohl die Preise wieder zu steigen beginnen. Das deutsche Niedrigstlohnniveau fällt und fällt. Anders als bei unseren EU-Nachbarn gibt es keine flächendeckenden Mindestlöhne. Nun spart der deutsche Michel wegen der vom Bund erzwungenen finanziellen Belastungen der Kommunen auch noch an den öffentlichen Einrichtungen.

Und dann soll auch noch an den Sozialleistungen gespart werden. Heute schießt BILD per Kommentar eine weitere Salve gegen den Sozialstaat:

„Hartz IV"-Debatte und kein Ende. Das ist auch gut so. Denn es kann nicht so bleiben, dass Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen kaum mehr zum Leben haben als solche, die nicht arbeiten. Dass der Abstand zwischen Lohn und „Stütze" oft so gering ist, liegt keineswegs an den Steuern. Dank hoher Freibeträge zahlt eine Familie mit zwei Kindern bei einem Einkommen von 20 000 Euro im Jahr keinen Cent Steuern. Aber mehr als 4000 Euro an Sozialabgaben. Schon bei 2000 Euro im Monat kassiert der Staat gut 400 Euro an Sozialabgaben. Bei den Beziehern niedriger Einkommen sind es also die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung, die den Abstand zwischen Brutto und Netto so groß werden lassen - und zu „Hartz IV" so klein. Das kann so nicht weitergehen. Das Arbeiten muss sich auch für den kleinen Mann lohnen! Deshalb: Runter mit den Sozialabgaben bei den kleinen Einkommen."

Das ist natürlich Demagogie pur. Denn nicht der Staat kassiert die Sozialabgaben, sondern die Sozialversicherung und mit weniger Einzahlungen gibt es weniger Auszahlungen, soweit nicht staatlich noch mehr subventioniert wird, und da sei BILD davor! Nur höhere Löhne können das Problem der Sozialversicherung lösen, sonst heißt es wieder nur sparen.

Die Bruttosparraten der Volkswirtschaften für 2009 zeigen die enormen Unterschiede in der Sparleistung gegenüber Deutschland mit 21,9 % des Bruttoinlandprodukts: Griechenland 7,6 %, Portugal 8,1 %, Großbritannien 11,3 %, Irland 12,3 % USA 13,5 %, Italien 16,7 %. Wenn es denn seriöse Kredite wären, die der deutsche Michel Dank seiner Sparleistung und seiner Exportüberschüsse ans Ausland gibt und die vernünftig verzinst zurückbezahlt würden. Doch Pustekuchen: Mit deutschen Ausgleichszahlungen an die EU-Südschiene oder eine EZB-verantwortete Inflationierung derer Schulden verwandeln sich die Kredite in Geschenke, und das gilt am Ende auch für die anderen permanenten Defizitländer mit USA angefangen, die einfach Dollar oder Pfund drucken, wobei das wieder über eine Inflationierung die Schulden senkt.


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Gedanken zur Zeit 1681 21-02-10: Kann das Infoportal wirklich süchtig machen?

Da stolperte ich über einen Eintrag im Diskussionsforum:

„Achtung, dessen (des Infoportals) Konsum kann süchtig machen! Machen sie richtig mit oder fangen sie erst gar nicht damit an."

Das Infoportal als Droge? In einer Hinsicht ja. Es zeigt vielen Benachteiligten immer wieder, daß sie nicht alleine sind. Daß es nicht ihre Unfähigkeit ist, nicht Ihr Versagen, das sie unter die Benachteiligten unserer Gesellschaft gebracht hat. Es zeigt, daß es sehr vielen Menschen in Deutschland so geht. Und das kann trösten und auch Solidarität entwickeln.

Es zeigt außerdem anderen, die selbst nicht benachteiligt und sozial diskrimiert sind, welche Gefahren auf sie warten. Auch das kann Solidarität mit den Benachteiligten erzeugen.

Es zeigt schließlich denen, die wirklich Einfluß haben, um etwas zu ändern, wie groß der Mißstand inzwischen geworden ist und wo man ansetzen muß, falls sie es nicht ohnehin wissen sollten.

Ja, in diesem Sinne akzeptiere ich die Süchtigkeit gerne.


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Gedanken zur Zeit 1680 21-02-10: Und nun eine Anti-Westerwelle-Medizin

Mir hat's mit Westerwelle+BILD+Co. gereicht. Also habe ich einen neuen Schwerpunkt unter dem Titel „Leben im untersten Fünftel (zur Westerwelle-Polemik)" aufgesetzt. Er enthält das wesentliche statistische Material und viele internationale Vergleiche. Er zeigt, wie verlogen die Diskussion in Deutschland ist. Sie finden den neuen Schwerpunkt hier.

Und dazu noch ein treffenden Video des Bayerischen Fernsehens zum Schmunzeln hier.


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Gedanken zur Zeit 1679 20-02-10: Kleine Erlebnisse mit deutschen Politikern: Herbert Wehner

Von Zeit zu Zeit möchte ich über Erlebnisse mit deutschen Polikern berichten, die sich meinem Gedächtnis eingegraben haben. Am Leichtesten und Unverfänglichsten ist das natürlich, wenn die Betroffenen schon unter der Erde liegen. Also fange ich mal mit Herbert Wehner an.

Helmut Schmidt reiste 1977 zum Staatsbesuch nach Polen. Wegen der Geschichtsträchtigkeit dieser Reise wurde er vom Fraktionsvorsitzenden der SPD Herbert Wehner begleitet. Als für die Wirtschaftsbeziehungen zu Polen zuständiger Ministerialrat konnte ich an der Reise teilnehmen. Zum Programm gehörten Besuche in Danzig und im ehemaligen KZ Auschwitz sowie dem benachbarten ehemaligen Vernichtungslager Birkenau. Dort waren mehr als eine Millionen Menschen mit Cyclon B Giftgas der IG-Farben ermordet worden. Schon 1932 hatte die IG Farben den „Freundeskreis des Reichsführers SS" mitgegründet, der die NSDAP unterstützte. Zu meinen Schulzeiten hatte ich „Der SS-Staat" von Eugen Kogon, selbst ehemaliger KZ-Häftling, gelesen, worin er schonungslos offenlegte, was sich zwischen 1933 und 1945 hinter dem Stacheldraht abspielte. Die Giftgaslieferanten hatten sogar reguläre Rechnungen für die Lieferungen an die Gaskammern ausgestellt. So ordentlich war es in Nazi-Deutschland zugegangen. Die Todesfuge des jüdischen Dichters Paul Celan, die er hier selbst auf Youtube liest, enthält die berühmte und bezeichnende Passage: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland".

An einem dunklen Wintertag konnte nun Helmut Schmidt von Birkenau aus über das staatliche Fernsehen das polnische Volk ansprechen. Es war das erste Mal, daß einem deutschen Politiker diese Möglichkeit geboten wurde. Anknüpfend an Willy Brandts Kniefall am ehemaligen Warschauer Ghetto sagte er: „Wir sind nach Auschwitz gekommen, um uns daran zu erinnern, daß es ohne Erkenntnis der Vergangenheit keinen Weg in die Zukunft gibt. Keinen Weg zu einem unbefangenen Verhältnis zwischen Deutschen und Polen."

Mit Herbert Wehner hatte ich zwei kleine Erlebnisse. Wehner wirkte bei dieser Reise noch finsterer und verbissener als sonst. In Danzig wurde er in meiner Hörnähe von einem Journalisten gefragt, wie er es empfinde, hier nur als Nummer 2 nach Helmut Schmidt aufzutreten. Da brach es wütend, wie nur Wehner sein konnte, aus ihm heraus: „Hören Sie mal. Ich bin ein alter Revolutionär. Da gibt es keine Nummer 1!"

Nach den Besuchen in Auschwitz und Birkenau fuhr die Delegation des Bundeskanzlers nach Krakau ins Hotel. Ich mußte unterwegs mit einem Kollegen, der deutscher Soldat im zweiten Weltkrieg gewesen war, diskutieren, ob die Truppe von der Judenvernichtung wußte, was er vehement bestritt. Im Hotel angekommen bemerkte ich Herbert Wehner am Fahrstuhl mit einer sehr schweren Aktentasche, die er auf den Boden gestellt hatte. Ich nahm die Tasche für ihn auf, als wir beide gleichzeitig in den Fahrstuhl stiegen. Doch er riß sie mir wieder aus der Hand. Der 71-Jährige wollte keine Hilfe, schon gar nicht von einem ihm Unbekannten. Was mag er wohl in der Tasche gehabt haben? Beim offiziellen Essen saß ich dann den ganzen langen Abend lang Wehners Adoptivtochter Greta gegenüber, ohne daß ich ein richtiges Gespräch in Gang bringen konnte. Die Wehners waren im privaten Kontakt jedenfalls nicht einfach.


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Gedanken zur Zeit 1678 10-02-10: BILD auf dem Kriegspfad gegen den Sozialstaat: Seit 10 Tagen nur noch ein Thema

Seit Westerwelle vor etwa 10 Tagen seinen Feldzug gegen die Hartz IV-Empfänger begann, den er dann gegen den Sozialstaat insgesamt ausweitete, folgt ihm BILD Tag für Tag wie ein treuer Hund mit dem gleichen Gift in Kommentaren und sogar im Nachrichtenteil. BILD spricht nun im militärischen Jargon von der „Schlacht um den deutschen Sozialstaat", von „Hauen um Hartz IV". Deutschland soll gespalten werden, damit die FDP den rechten Rand besetzen, die CDU in der Mitte bis Mitte-Links bleiben und so Schwarz-Gelb die Mehrheit behalten kann, selbst wenn sich die SPD eines Tages wieder berappeln sollte. Für diese Strategie ist BILD keine Lüge frech, kein Leser dumm genug.

Aus dem Kommentar von heute unter der Überschrift „Bitte viel mehr von diesem Streit":

„Mehr als eine Woche lang Hauen um Hartz IV - alles nur leeres Partei-Gezänk? Nein. Sondern Politik in Bestform. Die Schlacht um den deutschen Sozialstaat hat gerade erst begonnen. Aber sie hat sich schon gelohnt! Nichts wird häufiger von den Politikern gefordert als „Klartext". Jetzt haben wir ihn reichlich bekommen. Denk- und Sprechverbote wurden weggestritten. Gut so. Ein undurchschaubarer Regel-Apparat, der an die 50 Milliarden Euro im Jahr verzehrt, muss sich neu erklären und rechtfertigen. Bravo. Und es geht jetzt nicht mehr nur um die Betroffenen und was ihnen an Hilfe zustehen soll. Es geht endlich auch um die, die dafür mit Steuern und Abgaben bezahlen. Das war überfällig, weil es gerecht ist. Weil es alle Schichten in den Blick nimmt und nicht allein das untere Fünftel. Niemand muss Guido Westerwelle gern haben. Aber von der Sorte Streit, die er da ruppig vom Zaun gebrochen hat, kann Deutschland mehr gebrauchen. Viel mehr."

Das klingt gerade so, als wolle BILD nicht nur die „Schlacht", sondern auch noch einen richtigen Bürgerkrieg. Hoffentlich kommt der Spuk mit NRW zum Ende.


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Gedanken zur Zeit 1677 19-02-10: Was mich manchmal bewegt

Es ist eine Sache, die perfiden ökonomischen Winkelzüge aufzudecken, mit denen sich der Neoliberalismus immer wieder durchsetzt, und dabei am gekauften Journalismus vorbei per Internet eine Gegenöffentlichkeit zu versorgen. Das macht das Infoportal tag täglich, oder versucht es jedenfalls. Doch damit werde ich nicht der berechtigten Frage gerecht, die heute auch im Diskussionsforum gestellt wurde:

„Da gab es immer mal wieder nette auch neue Parteien, die aber an der Macht dann etwas seltsame Wandlungen vollzogen, quasi als ihren Eintrittspreis in den Club der „herrschen dürfenden". Warum nur ist das so? Das ist eine Frage für ein neues Buch denke ich."

Nun will ich kein weiteres Buch schreiben. Doch das Thema interessiert mich, seit ich die Politik und führende deutsche Politiker aus der Nähe erlebt habe, beispielsweise Graf Lambsdorff, Host Köhler, Jürgen Möllemann, Wolfgang Clement und viele andere. Auf langen Auslandsreisen oder im Ministerium oder - wie bei Köhler - bei der Osteuropabank in London. Darüber zu plaudern verbietet sich schon aus Anstand, auch wenn sich die Worte über die Lippen drängen. Ich kann meine Antwort nur allgemein formulieren.

Woher kommt bloß die Korruption der Macht, die mir in Deutschland ausgeprägter zu sein scheint als in vielen anderen Ländern? Ich habe nur eine einzige, mich selbst überzeugende Erklärung. Die hängt mit der gesellschaftlichen Herkunft des politischen Personals in Deutschland zusammen. Es gibt kaum einen, der aus Überzeugung oder gesellschaftspolitischer Verantwortung in die Politik gegangen ist. Die meisten und fast alle haben sich berufsmäßig hochgedient, ohne jemals einen anderen Beruf ausgeübt und persönliche Verantwortung für andere Menschen getragen zu haben. Besonders schlimm ist die Garnitur der Taschenträger, die es vom Assistenten des Chefs zum Chef selbst gebracht haben, weil sie nur lange genug gehorsam waren und oft genug „ja" gesagt haben. Oder der hohe Anteil an Beamten, die erst einmal dienen gelernt haben.

Exemplarisch sind z.B. die Lebensläufe von Steinmeier, Steinbrück und Köhler, die alle als kleine Beamte angefangen haben, bis sie nach langem Dienen ihren Chefs nachfolgen durften. Steinmeier war zunächst in der niedersächsischen Staatskanzlei als Medienreferent beschäftigt, bevor er das persönliche Büro des niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder übernahm und dann dort später Staatssekretär wurde und mit Schröder in die Bundesregierung ging. Steinbrück startete ebenfalls als Beamter im Bundesministerium für Forschung und Technologie, wo er Persönlicher Referent der Bundesminister Matthöfer, Hauff und von Bülow wurde, danach Beamter in Nordrhein- Westfalen und Leiter des Büros des Ministerpräsidenten Rau, von dort Staatssekretär und schließlich Minister. So hat auch Bundespräsident Köhler zunächst die Tasche von Stoltenberg tragen müssen, ehe er in seiner Beamtenkarriere durchstarten konnte. Im 2005 gewählten Deutschen Bundestag saßen ein Drittel Beamte, darunter 25 Lehrer. Nach Auskunft des Bundeswahlleiters sind 56 % aller Abgeordneten Parlamentarier mit so genanntem legislativem oder exekutivem Hintergrund - sei es aus den Kommunen, den Ländern oder dem Bund. Im Klartext: Die deutsche Politik wird von Berufspolitikern mit einem hohen Beamtenanteil bestimmt. Eigentlich ist die Liste der Berufspolitiker noch länger. Die Gruppe von 58 Abgeordneten, die als Berufsangehörige aus dem „Rechts- und Vollstreckungswesen" ausgewiesen wird, besteht nämlich vor allem aus Rechtsanwälten - darunter solche, die zwar ihre Zulassung als Anwalt erhalten, aber nie vor Gericht praktiziert haben.

Westerwelle ist ein solcher Anwalt. Nach dem juristischen Studium brachte er es zum Rechtsanwalt in Bonn. Mit dem Blick auf die Politik trat er schon mit 19 in die FDP ein, wurde mit 22 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, mit 31Kreisvorsitzender der FDP Bonn, mit 33 Generalsekretär der FDP und mit 39 deren Bundesvorsitzender. Was soll man dazu noch sagen?

Opportunismus für das eigene Fortkommen haben die alle gelernt, ein Rückgrat im Interesse des Gemeinwohls die wenigsten.


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Gedanken zur Zeit 1676 19-02-10: Zur Zusendung der Rundbriefe

Dies ist ein Hilferuf. Ich habe jetzt schon mehr als 1.100 Empfänger des Rundbriefes auf der Liste. Damit ist eine Menge Arbeit verbunden, weil ich die Liste nicht automatisch laufen lassen kann, sondern jede Bestellung und Abbestellung selbst eintragen muß und weil die Server, um SPAM zu vermeiden, nur die Versendung in kleineren Paketen zulassen.

In letzter Zeit sind sehr viel neue Bestellungen hinzugekommen, wahrscheinlich wegen der Taste auf dem Infoportal, die die Weitersendung von einzelnen Rundbriefen im Bekanntenkreis ermöglicht. Damit gerate ich an die Grenze dessen, was ich auf mich nehmen kann. Nun meine doppelte Bitte: Erstens, neue Bestellungen bitte nur, wenn ein erhebliches Interesse besteht und nicht nur mal bestellt wird, weil es nichts kostet, und zweitens, bitte nicht bestellen mit der Absicht, nach einem Versuch wieder abzubestellen. Wer nicht ernsthaft interessiert ist, kann die Rundbriefe ja auch im Infoportal lesen, ohne mir die Arbeit zu machen. Vielen Dank!


Gedanken zur Zeit 1675 19-02-10: BILD: Westerwelles Debatte über Hartz IV stoppt den Absturz der FDP!

Kaum zu glauben: BILD macht heute auf mit "Bürger geben Westerwelle bei Hartz IV Recht" und das liest sich dann nicht etwa als Kommentar, sondern im Nachrichtenteil so:

"In der neusten Umfrage der ARD ("Deutschlandtrend") legen die Liberalen erstmals seit Monaten wieder zu. Gegenüber den Daten vom 4. Februar gewann die FDP zwei Punkte, kommt in der Wählergunst jetzt auf zehn Prozent. CDU/CSU fallen dagegen von 36 auf 34 Prozent. Wesentlicher Grund für das FDP-Plus ist offenbar Westerwelles Kurs bei Hartz IV. Viele Wähler teilen Westerwelles Meinung. 72% begrüßen die aktuelle Diskussion über Hartz IV. Das geht aus einer repräsentativen dimap-Umfrage hervor (liegt BILD.de vor). Nur 24% finden die Debatte "nicht gut".

Obwohl die FDP in der Umfrage an Zustimmung gewann, ergab der "Deutschlandtrend" nämlich auch: 69 Prozent der Deutschen und sogar 64 Prozent der FDP-Anhänger meinen, dass Westerwelles Rhetorik der Partei eher schadet. Für die FDP ist immerhin klar: "Mit diesem Thema sind wir endlich wieder in der Offensive, können eigene Akzente setzen. Das ist vor allem mit Blick auf die Landtagswahl in NRW wichtig", sagte ein Mitglied der FDP-Fraktionsführung. In der Tat brauchen die Liberalen zweieinhalb Monate vor dem Urnengang im größten Bundesland gute Nachrichten dringender denn je. In den Umfragen liegt die NRW-FDP nur noch bei sechs Prozent. Das Regierungsbündnis mit der CDU steht auf der Kippe. Im Wahlkampf wollen die Liberalen deshalb voll auf das Thema Hartz IV setzen. FDP-Landeschef Andreas Pinkwart fordert härtere Strafen für faule Stütze-Empfänger. Die Bezüge arbeitsfähiger Hartz-IV-Empfänger, die zumutbare Arbeit verweigern, müssten "konsequenter gekürzt werden", sagte Pinkwart der "Rheinischen Post". Ein arbeitsfähiger Stütze-Bezieher sollte auf staatliche Hilfe grundsätzlich nur Anspruch haben, wenn er auch zur Gegenleistung bereit ist."

Nach demselben von BILD zitierten "Deutschlandtrend" hat die von Westerwelle angestoßene Diskussion über Sozialleistungen nach überwiegender Meinung der Bundesbürger die FDP beschädigt. Nur 20 Prozent denken, dass die Partei von der Hartz-IV-Debatte profitiert, 69 Prozent sind gegenteiliger Meinung, ergab der neueste Deutschland-Trend des "ARD-Morgenmagazins". Selbst bei den FDP- Anhängern denken 64 Prozent, dass Parteichef Westerwelles Rhetorik der eigenen Partei schadet, lediglich 34 Prozent sehen einen Nutzen für die FDP. Ja, sollen da die BILD-Leser so dumm sein, daß sie den Widerspruch zwischen der Schlagzeile und der BILD-Unterstützung für Westerwelle einerseits und dem zitierten, dann aber von BILD sofort heruntergeredeten Umfrageergebnis nicht merken?


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Gedanken zur Zeit 1674 18-02-10: Jetzt wirbt auch SPIEGEL für Westerwelles Spalter-Thesen

Es war eigentlich zu erwarten: Nach BILD findet nun auch SPIEGEL Gefallen an Westerwelles Ausfällen gegen Hartz-IV-Empfänger. Er läßt unter der Überschrift "Hartz-IV-Forscher springen Westerwelle bei" sogenannte Wissenschaftler des konservativen Kieler Instituts für Weltwirtschaft zu Worte kommen. Und das liest sich dann so:

"Sie legen neue Zahlen vor, die klarmachen: Für viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger rentiert sich ein regulärer Job schlicht nicht. Der polemische Tonfall mag fehl am Platz sein. Doch tatsächlich geht es im Kern um ein Problem, das Betreuer von Arbeitslosen kennen. Warum soll sich ein Arbeitslosengeld-II-Empfänger dem oft deprimierenden Bewerbungs- oder Qualifizierungsmarathon stellen, wenn er mit einem Vollzeitjob genauso viel oder nur wenig mehr Geld verdienen würde wie mit Hartz IV?

Eine Betreuering sagte nüchtern: "Ginge es nur ums Geld, gäbe es im Osten keine Friseurinnen mehr." In manchen ostdeutschen Ländern verdienen Angestellte in Haarsalons nur wenige Euro pro Stunde. In Köln wurden vom Hauptzoll bei einer Untersuchung sogar Stundenlöhne von 1,50 Euro aufgedeckt. Der Ökonom (des Kieler Instituts) hat einen Lösungsansatz, der auf den ersten Blick geradezu wahnwitzig erscheint: "Ich bin dafür, den Regelsatz zu kürzen und gleichzeitig von einem Zuverdienst mehr übrig zu lassen." Sollte der Arbeitslose selbst keine Arbeit finden, sei zum Beispiel eine Tätigkeit für die Kommune denkbar. "So könnte das Einkommen mindestens auf das jetzige Leistungsniveau erhöht werden." Er ist überzeugt: "Jeder kann beschäftigt werden, wenn man auch sehr niedrige Löhne zulässt."

So ist das also in dieser angeblichen Wissenschaft, deren Jobs vom Steuerzahlergeld leben: Kein Wort über die Notwendigkeit von Mindestlöhnen. Statt dessen immer weiter runter mit Hartz IV und dann auch den Löhnen. Da sollte man mit diesen Menschenverachtern gleich mal anfangen.


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Gedanken zur Zeit 1673 16-02-10: Jetzt jeden Tag eine BILD-Breitseite für Westerwelle oder vom Gift der deutschen Teilung

Langsam stinkt die Art, wie BILD mit täglichen Breitseiten Westerwelle in seinem unsäglichen Angriff auf die deutsche Sozialordnung unter die Arme greift. Dies von heute unter der Überschrift "Kommentar Vorsicht, Sprachpolizei!":

"FDP-Chef Westerwelle hat den Finger in eine schmerzende Wunde gelegt. Wo liegt die Grenze zwischen sozialer Sicherheit und sozialer Hängematte? Wie viel staatliche Leistung ist noch gerecht, wo fängt der Verdruss der Steuerzahler an? Leider hat Westerwelle das falsche Bild von der "spätrömischen Dekadenz" verwendet. Diejenigen, die im alten Rom alles verprassten, waren in der Tat keine Hartz-IV-Empfänger. Trotzdem weiß jeder vernünftige Zeitgenosse, was Westerwelle meinte. Warum dann dieser kollektive Aufschrei von "unanständig" (Özdemir, Grüne) über "Kaiser Nero" (Gabriel, SPD) und "Neidreflexe" (Haderthauer, CSU) bis hin zu "Esel" (CDU-Geißler)? Die Sprachpolizei ist in Deutschland unterwegs. Diese selbst ernannte Sprachpolizei bestimmt, was ausgesprochen werden darf und wie und was nicht. Sie legt die Tabuthemen fest. Die Sprachpolizei versucht, eine Diskussion abzuwürgen, bevor diese überhaupt entsteht. Durchaus möglich, dass Westerwelle unrecht hat. Vielleicht hat er aber auch recht. Man muss schon noch darüber debattieren dürfen. Wenn Westerwelle durchhält, kann dieses wichtige Thema ein großes Thema werden. Wenn die Sprachpolizei siegt, ist nichts gewonnen."

Ich lebe mehr in Großbritannien und Frankreich als in Deutschland. In keinem dieser Länder wäre in den Massenmedien eine solche Hetze und Pauschalverunglimpfung gegen Menschen, die keine Arbeit finden können, möglich. Warum in Deutschland?

Ich habe nur zwei Erklärungen. Erstens, wirkt das Gift der langen deutschen Teilung nach, als für die Frontstadtpresse mit BILD ganz vorn Sozialismus gleich Kommunismus war und alles Linke, bei der SPD angefangen, als auf dem Weg nach Moskau verdächtigt wurde. Adenauers Wahlpropaganda gegen die SPD "Alle Wege führen nach Moskau" mit dem am Ende drohend wartenden Iwan auf dem Wahlplakat hat die Wiedervereinigung überlebt. Eine Bundeskanzlerin ex DDR, die bis 1984 FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda war und nie dem Widerstand angehörte, wird natürlich geschont, zumal sie sich heute umso mehr anti-links einordnen muß. Dieses Gift aus der Teilung konnte zudem nahtlos auf dem Antikommunismus aufbauen, den Hitler und Göbbels propagierten, und das obwohl er zu Millionen durch Deutschland verschuldeten Toten geführt hatte. Andere Länder haben nicht diesen unsäglich vergiftenden historischen Hintergrund.

Zweitens, sind die Deutschen mehr als die Menschen in anderen Ländern obrigkeitshörig und haben nie eine richtige Revolution oder einen blutigen Volksaufstand erlebt, auch nicht am Ende der DDR. Der Respekt vor Kaiser Wilhelm und später Adolf Hitler steckt noch tief in vielen Knochen. Selbst offener Protest auf deutschen Straßen ist für die meisten diskriminierten Mitbürger unfein, und deshalb kommen nie solche Massen zusammen wie in Frankreich. Mit dieser doppelt giftigen Suppe aus Drittem und Kaiserreich, angereichert durch das Gift der Teilung, kochen heute die Propagandisten von BILD u. Co.


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Gedanken zur Zeit 1672 15-02-10: Immer mehr BILD-Schutz für Westerwelle

Nachdem gestern schon der Stellvertretende Chefredakteur eine Lanze für Westerwelles Angriff auf Hartz-IV-Empfänger gebrochen hatte, meldet sich heute der Kommentator vom Dienst und legt nach. Wieder wird mit den Niedrigstentlohnten argumentiert, statt sich für einen flächendeckenden Mindestlohn einzusetzen, der das Problem sofort lösen würde. BILD wie Westerwelle sind einerseits für einen wuchernden Niedrigstlohnsektor und vergießen dann Krokodilstränen im Vergleich mit den ebenfalls niedrigen Hartz-IV-Sätzen. Es ist ein widerliches Spiel, das hier abläuft. Wie lange lassen sich die Landsleute solche Rabulistik eigentlich noch gefallen? Bei NRW sollte Schluß damit sein! Hier auszugsweise der BILD-Kommentar unter der die deutsche Sprache verhöhnenden Überschrift "Mehr Hartz IV ist unsozial!":

"Es gibt Hunderttausende Männer und Frauen, die hart arbeiten und trotzdem kaum mehr Geld haben als ihre vom Sozialstaat versorgten Nachbarn. Höhere Hartz-IV-Sätze lösen deshalb kein Problem, sondern schaffen nur neue. Höhere Hartz-IV-Sätze bedeuten höhere Steuern für die Arbeitnehmer oder höhere Schulden zulasten unserer Kinder. Höhere Hartz-IV-Sätze verleiten mehr Menschen dazu, nicht mehr zu arbeiten. Höhere Hartz-IV-Leistungen führen zwangsläufig zu mehr Hartz-IV-Empfängern. Wenn bei Wahlen Hartz-IV-Empfänger, Rentner und andere vom Staat Versorgte die Mehrheit bilden, dann entscheiden die Nicht-Arbeitenden, wie viel die Noch-Arbeitenden zu zahlen haben. So würde aus dem Sozialstaat eine höchst unsoziale Gesellschaft."

Selbst die Schulden zu Lasten unserer Kinder müssen nun herhalten. Dabei hat die von einer leichtsinnig neoliberalen Wirtschafts- und Finanzpolitik global herbeigeführte schwere Krise ein dramatisch Vielfaches an Schuldenbelastung herbeigeführt, als es eine Erhöhung von Hartz-IV-Leistungen je könnte. Das gilt auch für die vielen Steuersenkungen für die Best- und Besserverdiener der letzten Jahre. Was BILD hier betreibt, würde einen Göbbels vor Neid erblassen lassen.


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Gedanken zur Zeit 1671 14-02-10: Natürlich bekommt Westerwelle eine verlogene BILD-Rückendeckung

Westerwelle sieht ganz offensichtlich Wählerprozente bei den Gegnern des Sozialstaats, sonst würde er nicht immer wieder nachlegen, wie jetzt im Deutschlandrundfunk mit der Forderung nach einem Neuanfang für den deutschen Sozialstaat:

"Der Sozialstaat muss treffsicherer werden. Wir müssen vor allen Dingen denen mehr helfen, die sich selbst nicht helfen können, insbesondere den Kindern. Die Sozialpolitik muß umfassender diskutiert werden als nur die Frage von Regelsätzen für Hartz-IV-Empfänger. Es ist eine zynische Debatte, daß sich diejenigen, die arbeiteten dafür entschuldigen müssen, daß sie von ihrer Arbeit auch etwas behalten möchten. Wenn man für diese Ansicht kritisiert wird, ist das eine ziemlich sozialistische Entwicklung in dieser Republik. Es ist skandalös, dass eine verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern im Schnitt mehr als 100 Euro weniger zur Verfügung hat als wenn sie Hartz-Vier-Leistungen beziehen würde. Dies kann so nicht weitergehen."

Es sind nicht nur die Kinder, die sich in der Situation andauernder Massenarbeitslosigkeit nicht selbst helfen können. Daß wegen der Sozialleistungen die, die arbeiteten, Gefahr liefen, nichts mehr zu behalten, ist absoluter polemischer Unsinn, zumal wenn man die normale und gutbetuchte FDP-Wählerschicht betrachtet. Der immer wieder von Westerwelle ins Feld geführten Kellnerin kann schnell geholfen werden, wenn Westerwelle u.Co. den Widerstand gegen vernünftige Mindestlöhne aufgeben würden. Außerdem läuft gerade die Kellnerin in der Krise Gefahr, zu den Hartz-Vier-Opfern zu stoßen.

Doch nun kommt BILD per Kommentar des Stellvertretenden Chefredakteurs zu Westerwelles Hilfe, womit eigentlich zu rechnen war:

"Guido Westerwelle hat diese Woche eine Brandfackel des Zweifels in den Palast der sozialen Korrektheit geschleudert. Das ist die eigentliche Provokation: Der FDP-Chef will den Sozialstaat wieder von der Bezahlbarkeit her denken - ein wenig jedenfalls. Das Thema lohnt den Streit, denn in den Jahren zwischen 1992 und 2007 sind die Sozialausgaben je Einwohner um 35 Prozent auf 8593 Euro pro Jahr gestiegen, fast doppelt so stark wie der Durchschnittslohn. Und schon bald wird jeder zweite Wahlberechtigte in Deutschland auf die eine oder andere Weise Empfänger staatlicher Transferleistungen sein. Erschreckend auch: Die Zahl der Hartz-IV-Bescheide beträgt 25 Millionen. Da ist es die Aufgabe einer liberalen, dem Bürgertum verpflichteten Partei, die Interessen der Einzahler in das System zu vertreten. Von den Volksparteien ist das nicht zu erwarten. Es ist wahr: Mit dem polemischen Hinweis auf "spätrömische Dekadenz" und "anstrengungslosen Wohlstand" hat der FDP-Chef sich der Methode eines Thilo Sarrazin bedient und die Gefühle vieler Hartz-IV-Empfänger verletzt. Doch ohne Übertreibung und Streit wäre er wohl überhört worden."

Auch das ist wieder total BILD-verlogen. Denn 1992 gab es mit 2,6 Mio Menschen ein Rekordtief an Arbeitslosigkeit, während es 2007 um 45 % mehr Arbeitslose waren. Auch gab es 1992 nicht den wuchernden Niedrigstlohnsektor in Deutschland, der Arbeitnehmer zwingt, neben ihrem Arbeitslohn Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Der Anstieg des deutschen Sozialbudgets pro Einwohner auf 8636 Euro betrug nach den Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in diesem Zeitraum nach Abzug der Verbraucherpreisinflation lediglich 16 %, und natürlich berücksichtigt BILD die Inflation nicht. Ich empfehle dringend zur Aufklärung diese Abbildung hier, die vor allem zeigt, wie seit 2003 die Sozialleistungen rückläufig waren (obwohl bis 2005 die Arbeitslosigkeit noch anstieg), auch eine Folge der Hartz-IV-Reformen. Also schiebt BILD seine eigenen Lügen hinter die Westerwelle-Verdrehungen. Arme BILD-Leser, die das natürlich nicht durchschauen können.


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Gedanken zur Zeit 1670 10-02-10: Die Sprüche des deutschen Außenministers zu Hartz IV wären in anderen EU-Ländern undenkbar

Erst einmal Westerwelle original aus seinem Beitrag in die "WELT":

"Die Hartz-IV-Diskussion trägt sozialistische Züge. Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung. Die Diskussion nach der Karlsruher Hartz-IV-Entscheidung hat sozialistische Züge. "Staatliche Leistungen" nennt man diese Zahlungen. Dabei sind es Leistungen des Steuerzahlers, die der Staat verteilt. CDs mit den Daten krimineller Steuerhinterzieher erregen die ganze Republik. Bürger, die für ihre Arbeit weniger bekommen, als wenn sie Hartz IV bezögen, tun es nicht. Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern."

Das ist Hetze pur. Sie ist bösartig und spaltet die Gesellschaft. Sie ist auch total verlogen. Denn der gleiche Westerwelle stemmt sich gegen Mindestlöhne wie in fast allen anderen EU-Ländern, die sein Problem der Niedrigstarbeitseinkommen unterhalb der Leistungen nach Hartz-IV sofort lösen würden. Hartz IV und anstrengungslosen Wohlstand zusammenzuwerfen, verrät, daß dieser Mensch schon viel zu lange viel zu hoch bezahlt wurde und damit den Kontakt zu den sozialen Realitäten verloren hat. Übrigens bezahlt von Leistungen der Steuerzahler, um die er sich zu sorgen vorgibt. Sehr viele der Hartz IV-Empfänger haben jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Daß sie arbeitslos geworden sind, ermöglicht anderen in einer Gesellschaft Arbeit zu finden und Steuern zu bezahlen, die längst nicht mehr genügend Arbeit für alle hat. Solidarität schein für diesen arroganten Sprücheklopfer ein Fremdwort zu sein.

Die Sprüche des deutschen Außenministers zu Sozialismus und Hartz IV wären in anderen EU-Ländern undenkbar. In Frankreich bräche eine Revolution los, wenn er nicht freiwillig zurückträte.


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Gedanken zur Zeit 1669 12-02-10: Stark schwächelt

Der Chefvolkswirt der EZB und CDU-Mitglied Stark argumentiert mit starken Worten gegen jede Hilfe an Griechenland:

"Vieles, was an Ideen über den Äther schwirrt, ist kontraproduktiv oder mit den Grundlagen und Prinzipien der Währungsunion nur sehr schwer vereinbar. Eine Euro-Anleihe zu Gunsten Griechenlands würde die strukturellen Probleme von Ländern wie Griechenland ganz und gar nicht lösen. Die Zinsen in den Euro-Ländern, die vernünftig gewirtschaftet haben, würden steigen. Als Konsequenz aus den Ereignissen sollte bei der Aufnahme neuer Mitglieder in den Euro-Raum noch schärfer hingesehen werden, was die Daten und die Dauerhaftigkeit der Konvergenz betrifft. Eine Erweiterung darf nicht dazu führen, dass dieser Währungsraum auseinandertreibt".

Das sind allerdings nur Zeichen der Schwäche, denn Stark ist nicht irgendwer. Er war von 1995 bis 1998 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen sowie Persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers bei der Vorbereitung der G-7-/G-8-Wirtschaftsgipfel und damit der für die Veinbarung der Eurospielregeln innerhalb der Bundesregierung verantwortliche Staatssekretär. Am 19. Juni 2000 kam der Europäische Rat zur Auffassung, dass Griechenland einen hohen Grad an nachhaltiger Konvergenz erreicht habe und daher die notwendigen Voraussetzungen für die Einführung des Euros erfülle. Stark war zu diesem Zeitpunkt zwar schon Vizepräsident der Deutschen Bundesbank und Stellvertreter des Präsidenten der Deutschen Bundesbank im EZB-Rat, dürfte aber auch in diesen Funktionen Einfluß auf die Entscheidung gehabt haben, denn sowohl Bundesbank wie EZB sind mit Sicherheit gehört worden.

Da lesen sich diese mannhaften Worte eher wie "haltet den Dieb". Stark war immerhin einer der wichtigsten Teufelsschüler bei der blauäugigen Einführung des Euro. Und der Währungsraum treibt schon seit Jahren auseinander, und nicht nur wegen Griechenland.


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Gedanken zur Zeit 1668 12-02-10: Es gibt nur einen tragfähigen Aufstieg aus dem Krisental: Kurbelt die private Nachfrage endlich an!

Die bedrückenden Zahlen zum letzten Quartal 2009 und die zur gewerblichen Wirtschaft im Dezember und die zu den einbrechenden Steuereinnahmen (siehe Rundbrief von heute) sollten es noch klarer gemacht haben, als ohnehin schon überdeutlich war: Allein mit dem Export kommt Deutschland nicht aus dem Krisental. Und: Je länger sich die deutsche Wirtschaft auf der Talsohle bewegt, umso mehr wird Kurzarbeit in Arbeitslosigkeit übergehen und Arbeitslosigkeit die private Nachfrage der verängstigten Verbraucher weiter drosseln. Die private Nachfrage, der bei Weitem wichtigste Strukturfaktor, muß wieder wachsen. Sie ging im 4. Quartal zurück, während sie z.B. in Frankreich um 3,6 % in USA um 2 % (auf Jahresrate gerechnet) zunahm.

Endlich müssen die Löhne wieder steigen. In der relativ gut bezahlenden gewerblichen Wirtschaft fielen die Arbeitseinkommen, nicht zuletzt wegen der Kurzarbeit, im Dezember um 12 % unter den Stand des letzten Vorkrisendezembers 2007. Es macht wirklich keinen Sinn, wenn selbst die Gewerkschaften, wie die IG-Metall, jetzt auf Lohnerhöhungen verzichten, während die Verbraucherpreise wieder steigen und damit real die Arbeitseinkommen weiter fallen. Die Bundesregierung sollte endlich für eine bessere Entwicklung der deutschen Arbeitseinkommen eintreten. Nur so kann im übrigen die Eurozone langfristig gerettet werden, weil andernfalls die Arbeitskostenentwicklung immer weiter auseinander läuft, Währungsanpassungen nicht mehr möglich sind und das ganze den Bach heruntergehen wird.

Zweitens, brauchen wir dringends flächendeckende Mindestlöhne, gerade in der Krise, wie sie die meisten unserer Nachbarn haben.

Drittens, müssen endlich die vielen Steuersenkungen für die Best- und Besserverdiener, die ohnehin nicht mehr verbrauchen können, zurückgenommen werden und muß eine Vermögenssteuer, wie in anderen Ländern, eingeführt werden. Dann können auch die sozialen Leistungen, die unmittelbar verbrauchsrelevant sind, erhöht werden. Hartz IV muß korrigiert werden, weil die Angst davor den Verbrauch ausbremst.

Eigentlich ist das volkswirtschaftliche Einmal-Eins so einfach und sollte selbst bei dummen Politikern ankommen können.


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Gedanken zur Zeit 1667 11-02-10: Kein Anschluß unter dieser Nummer

Da meldet heute der Bundeswirtschaftsminister per Pressemitteilung:

"EU-weiter Tag des Notrufs: Der 11. Februar eines jeden Jahres ist europaweit der "Tag des Notrufs".

Erst dachte ich: gute Idee. Endlich mal eine soziale Ader in Brüssel. Alle, die in Not sind, können sich melden. Bekommen nicht nur Rat, sondern vielleicht sogar Hilfe. Nicht nur die großen Subventionsempfänger, auch die vielen normalen Eurobürger in wirtschaftlicher Not. Gerade jetzt. Doch dann geht es weiter in der Pressemitteilung:

"An diesem Tag soll die Bevölkerung auf die europäische Notrufnummer 112 aufmerksam gemacht werden."

Also wieder einmal Fehlanzeige. Für alle die Bedrückten und in existenziellen Nöten: Kein Anschluß unter dieser Nummer.


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Gedanken zur Zeit 1666 110-02-10: Das Diskussionsforum ist wieder auf

Zwar bin ich noch nicht ganz wieder zu Hause, doch habe ich heute das Freischalten von Diskussionsbeiträgen wieder aufgenommen.

Rückwirkend habe ich auch folgende drei Rundbriefe in die Diskussion aufgenommen: Deutschland schläft schlecht, Endspiel: Die Schlacht um den Euro hat begonnen - Spekulanten im Großangriff (Griechenland, etc.) und Deutschland bei der Einzelhandelsentwicklung in der Alt-EU seit 2005 an drittletzter Stelle und letzter bei den Löhnen.

Viel Spaß beim Diskutieren!


Gedanken zur Zeit 1665 10-02-10: Deutsche Politik immer perverser: Kein Geld für Hartz IV, aber für Griechenlands Reiche

Nach der Hartz IV-Entscheidung des Bundesverfassungsgericht mauert sich die deutsche Politik ein. Es soll etwas mehr an einzelnen Ecken geben, aber insgesamt doch nicht mehr. Schon stänkert BILD vorneweg und unterschlägt dabei absolut bösartig, daß sehr viele Hartz IV-Empfänger jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben und nicht etwa auf Kosten anderer angemessen zu versorgen wären:

"Das wird teuer. Natürlich gönnt jedermann Kindern und Familien irgendwie mehr Geld. Klar. Aber was ist mit denen, die mit kleinen und mittleren Gehältern dafür aufkommen müssen? Dazu sagten die Richter kein einziges Wort! Zur ganzen Gerechtigkeit gehört aber auch: Hartz-IV-Empfänger leben nicht von einem anonymen Staat, der das Geld aus dem Himmel holt. Sondern von Leistung und Gemeinsinn derer, die Steuern und Abgaben aufbringen. Hartz IV rauf, Steuersenkung ade: So kippt der Sozialstaat weiter in die Schieflage. Die Hartz-IV-Empfänger haben gestern gewonnen. Aber sie haben dabei diejenigen besiegt, die für sie zahlen. Das spaltet. Das kann nicht gut gehen."

Dafür aber hat die deutsche Politik offensichtlich Geld für Griechenland, viel Geld sogar für eine deutsche Sonderhilfe. Das wird dann in einen Schattenhaushalt gepackt, auf dem "Kredit" steht, obwohl der total überschuldete griechische Staat nie zurückzahlen und schon der Zins marktunüblich niedrig ausfallen wird. Praktisch erlaubt das eine Fortsetzung der Steuerkorruption zugunsten Griechenlands Reicher. Ein Teil der Griechen ist in den vergangenen Jahren immer reicher geworden. Insgesamt ist die private Nachfrage in Griechenland seit dem Jahr 2000 real um 34 % gestiegen, gegenüber knapp 3 % in Deutschland. Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer liegt für Griechenland bei nur 33,6 % gegenüber 47,5 % für Deutschland. Doch ein sehr großer Teil der griechischen Reichen zahlt nicht einmal Steuern entsprechend diesen Sätzen, weil selbst zwischen den Steuerbehörden und den Reichen Korruption herrscht. So klagt der griechische Finanzminister:

"Ich rufe alle Griechen auf, ihren Beitrag zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung zu leisten. Es kann nicht sein, dass ein Bürger eine Yacht besitzt, seine Kinder in Privatschulen schickt und 10.000 Euro Einkommen meldet."

Und wo war eigentlich die deutsche Politik, als sich Griechenland ungestraft in den Euro schummeln konnte? Wo hat sie danach geschlafen, als die wahren Zahlen durchzuscheinen begannen und die Staatsdefizite immer höher wurden? Was hat sie getan, um deutsche Banken, die heute mit 43 Mrd Euro zu den größten Gläubigern gehören, von der leichtsinnigen Kreditvergabe abzuhalten? Da hat man alle Beamtenaugen geschlossen, während bei den deutschen Hartz IV-Opfern immer härter aufgetrumpft wurde, bis zur Verletzung der Menschenwürde, wie jetzt das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat. Wie pervers kann eigentlich die deutsche Politik noch werden? Oder ist das auch eine Form der Korruption?


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Gedanken zur Zeit 1664 07-02-10: Reale Währungsabwertung hat die Verbrauchernachfrage torpediert

Deutschland hat mit jahrelanger Lohnzurückhaltung innerhalb der EU eine erhebliche reale Abwertung erreicht, die wegen des Euroverbunds nicht durch Abwertung von Währungen unserer Europartner ausgeglichen und abgewehrt werden konnte. Die deutsche Lohnentwicklung war die niedrigste unter den 15 Ländern der Alt-EU. So hat Deutschland seit dem Jahr 2000 gegenüber Griechenland fast 12 %, Spanien 10 %, Italien 8 % und Portugal 2 % an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Entsprechend stiegen die deutschen Handelsbilanzüberschüsse in diese und andere Länder und gleichzeitig deren Verschuldung gegenüber Deutschland. Dieser Zug ist allerdings mit der Finanzkrise und dem starken Exporteinbruch auf ein sehr langes Abstellgleis gefahren, ohne daß die Politik weiß, wie er wieder flott gemacht werden könnte.

Doch während der Export jahrelang zu blühen schien, ist die viel wichtigere private Nachfrage mangels Massenkaufkraft auf Eis geraten. Die Einzelhandelsentwicklung war die drittschlechteste in der Alt-EU. Und nun leidet die deutsche Wirtschaft gleich zweimal: im Export und zu Hause. Journalisten können da leicht und meist absichtlich furchtbar falsch liegen, selbst wenn sie sich als Wirtschaftsjournalisten ausgeben. So schreibt ein Rene Wagner im Wirtschaftsteil des Bonner Generalanzeigers heute:

"2009 brach die Produktion der gewerblichen Wirtschaft um 15,9 % ein. Die Wirtschaftsleistung insgesamt schrumpfte nur um 5 %, weil sie von steigenden Konsumausgaben der Verbraucher gestützt wurde."

Tatsächlich nahm die Nachfrage privater Verbraucher jedoch nur um ganze 0,4 % zu und das praktisch nur Dank Abwrackprämie, die ihrerseits auch die Produktion im Jahr 2009 gestützt hat. Der eigentliche Grund für die Differenz zwischen den 15,9 % Produktionseinbruch und den "nur" 5 % gesamtwirtschaftlicher Einbruch war der inzwischen auf wenig mehr als ein Viertel abgerutschte Anteil der gewerblichen Wirtschaft an der gesamten deutschen Wertschöpfung. Die anderen Sektoren, vor allem im Dienstleistungsbereich, Gesundheitsdienst, öffentlicher Dienst usw. hatten weit weniger Einbruch. Das hätte ein Wirtschaftsjournalist eigentlich wissen können, bevor er wieder den privaten Konsum als Konjunkturstütze beschwört.


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Gedanken zur Zeit 1663 05-02-10: Bankraub - eigene Bank - Bankdatendiebstahl

Früher hieß es, statt eine Bank zu berauben, sei es profitabler, selbst eine aufzumachen. Heute sollte man vielleicht besser Bankdatendieb werden. Anders als die beiden anderen Formen der Bereicherung im Bankenumfeld ist dies ein ehrlicher Beruf, bei dem kauffreudige Regierungen von gleich zu gleich verhandeln. Man kann Millionen verdienen. Die kaufenden Regierungen schützen selbst den anschließenden Steuerbetrug, der in der Nichtversteuerung dieser Millionen liegt. Denn kein Steuerdieb wird seine eigenen Steuerbehörden durch Erklärung dieses Einkommens ins Vertrauen ziehen, zumal wenn es die Behörden des Staates sind, in dem der Datendiebstahl stattgefunden hat. Er baut deshalb auf die Deckung durch die kaufgierige Regierung. Auch werden die kauffreudigen Regierungen die Beute liebend gern auf ein Nummernkonto in einem perfekteren Steuerparadies, als es die Schweiz neuerdings ist, überweisen. Sie werden auch darauf verzichten, wie nach jeder Lösegelderpressung, nachträglich die Polizeihunde von der Leine zu lassen, um die Millionenbeute zurückzuholen und den Datendieb dingfest zu machen. Denn sie wollen ja zu weiteren Datendiebstählen ermuntern, und ein solch böses Ende eines Datendiebes könnte sich unter anderen Bankdatendieben abstoßend herumsprechen.

Wenn Brecht heute seine Dreigroschenoper schreiben würde, die Bankdatendiebe würden ihre Rolle unter den Gentlemen finden. Diese Glosse ist übrigens teilweise bei Blickpunkt, der schweizer Zeitschift für "intelligente Optimistinnen und konstruktive Skeptiker", geklaut. Die hat nämlich in einem Brief an Schäuble zwei Fragen gestellt:

"1. Wie den Medien zu entnehmen war, handelt es sich beim Datenlieferanten um eine in der Schweiz domizilierte Person. Es ist davon auszugehen, dass der Kaufpreis vom Empfänger nicht deklariert wird,da er sich damit der Strafverfolgung aussetzen würde. Wird der deutsche Staat den Schweizer Behörden Amtshilfe bei der Aufklärung dieses Steuerbetrugs leisten?

2. Werden Sie insbesondere verhindern, dass der Kaufpreis auf ein Konto in einer Steueroase oder auf ein Konto unter einem Namen überwiesen wird, der keinen Rückschluss auf den Begünstigten zulässt?"


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Gedanken zur Zeit 1662 04-02-10: Wird der Euro nun doch noch zum Teuro?

Viele haben über den Inflationsschub bei der Euro-Einführung geklagt, als sei das das eigentliche Problem gewesen. Mir war immer unheimlich bei einer Währung ohne gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dafür gab es kein erfolgreiches Beispiel. Von Anfang an warnte auch Helmut Schmidt vor deutschen de-facto Beistandspflichten gegenüber Ländern, die im Vergleich zu Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit über die Jahre verlieren würden, ohne noch abwerten zu können.

Diese Sorgen wurden von den Technokraten im Staatsdienst weggewischt: Der Stabilitätspakt von Maastrich werde den Euro noch stärker als die DM machen. Von Anfang an gab es keine Notfallplanung für den Ernstfall einer Wirtschaftskrise, obwohl Krisen nicht ungewöhnlich sind. Auch die Spekulation kann zum Krisenfaktor werden. So wurde Großbritannien von Soros und anderen Spekulaten aus der Europäischen Währungsunion herausspekuliert. Die Technokraten hatten zwar Regeln auf das Papier geschrieben, aber vergessen, Länder mit notorisch korrupter Statistik, wie Griechenland, auf die Finger zu schauen.

Nun ist das Kind wieder einmal im Brunnen. Deutsche Banken sind mit 331 Mrd Euro Hauptgläubiger von Griechenland, Spanien und Portugal (siehe Rundbrief). Hinzu kommen Forderungen deutscher Unternehmer und privater Anleihezeichner in unbekannter Höhe. Schon deshalb ist die Bundesregierung erpreßbar und wird am Ende Beistand mit deutschem Steuerzahlergeld leisten müssen. Die Forderungen deutscher Banken aus griechischen Staatsanleihen wurden übrigens von der deutschen Bankenaufsicht als topsicher behandelt und daher nicht gegen das Bankenkapital gerechnet.

Der Euro wird zum Teuro werden. Die EZB kann außerdem derzeit eine aufkommende Inflation nicht wirksam bekämpfen, weil sie mit niedrigen Zinsen auf Griechenland und andere Schwachländer Rücksicht nehmen muß. Eines ist sicher: Wie schon bei der globalen Krise, wird die Bundesregierung nur mit dem Finger von sich weg zeigen, als hätte es nie eine deutsche Bankenaufsicht und eine deutsche Rolle in der EU gegeben.


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Gedanken zur Zeit 1661 10-02-10: Kritische Ökonomie auf DVD: EMail-Schalter jetzt repariert

Der EMail-Schalter zum Bestellen der DVD war defekt und ist jetzt hier korrigiert.


Gedanken zur Zeit 1660 10-02-10: Die

Globalisierung

Nachdem meine "Kritische Ökonomie" in 10 Teilen von zusammen etwa 110 Minuten Länge auf Youtube sehr gut ankommt (das erste Video schon fast 1.200-mal angesehen), habe ich sie nun auf eine DVD gebrannt. Das erlaubt, die einzelnen Teile nach Belieben aufzurufen und über PC oder TV abzuspielen. Die DVD kann unabhängig vom Breibandanschluß auch im Freundes- und Bekanntenkreis herumgereicht oder verschenkt werden. Sie will mit Sprache und Schaubildern das Verständnis der Abläufe in Wirtschaft, Sozialem und Umwelt bei denen erleichtern, die nicht viele Einzelbücher lesen oder sich durch viele Webseiten arbeiten wollen. Zum ruhigen Betrachten und Aufbewahren lege ich auf einer getrennten CD die Abbildungen bei.

Der Empfang der Videos ist dabei unabhängig von der Server- und Breitbandqualität, die bei Youtube mitspielt, und ist mit 720 x 576 besser als im verkleinernden Youtube-Format.

Wer interessiert ist, kann sich mit einer kurzen Mail hier unter Angabe der Anschrift melden. Die Zusendung von DVD plus CD erfolgt ohne Portoaufschlag zum Preis von 7,00 Euro nach Eingang des Betrags auf meinem Konto, das den Interessenten mitgeteilt werden wird. Mangels Zeit werde ich nur eine kleinere Auflage brennen können, wobei ich Interessenten in der Reihenfolge der Bestellung berücksichtigen werde.



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Gedanken zur Zeit 1659 31-01-10: Von grüner Naivität im Umgang mit China

Manchmal kann einem wirklich der kalte Kaffee hochkommen. Heute ist so ein Tag. Da quälen uns Menschen mit dem kritischen Blick gleich drei Beobachtungen: erstens eine Bundesregierung, die ausweislich Jahreswirtschaftsbericht rein gar nichts gelernt hat, um uns künftige Nöte zu ersparen (siehe heutiger Rundbrief), zweitens unübersehbare Schwächen im Euroverbund, die uns um unsere Ersparnisse bangen lassen können, falls nächstens die Südschiene der Eurozone entschuldet werden muß und die Rechnung vor allem auf so sparsame Länder, wie Deutschland, zugeschoben werden wird, und drittens eine erstaunliche Naivität der Umweltschützer beim Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung, besonders wenn sie aus China kommen.

Zu Letzterem ein paar Gedanken. Wer heute noch glaubt, die Welt sei zwischen reichen Industrieländern und armen Entwicklungsländern zweigeteilt, dessen Uhr ist spätestens im vergangenen Jahrtausend stehen geblieben und der politische Kompaß gleichzeitig über Bord gegangen. So scheinen die grünen und Umweltschutz-Bewegungen die besondere Rolle der aggressiven Schwellenländer, vor allem Chinas, bei der Zerstörung der Umwelt nicht einordnen zu wollen. Sie verlangen von Ländern, wie Deutschland, daß wir auch China, dem nach Währungsreserven bei Weitem reichsten Land der Welt, Milliarden hinüberschieben, damit es sich in die Umweltdisziplin zum Klimaschutz einkauft. Sie preisen die vagesten Absichtserklärungen zum Klimaschutz aus Peking, auch wenn gleichzeitig jede Überprüfung solcher angeblichen Emissionsbegrenzungen verweigert wird. Und sie haben natürlich nicht erwartet, daß China - wie jetzt in diesen Tagen - Zweifel in die menschliche Verursachung der Klimaerwärmung säht. Wie naiv ist man da eigentlich?


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Gedanken zur Zeit 1658 30-01-10: Immer der gleiche Schwindel über die angeblich steigenden Tarifverdienste

Unter der vollmundigen Schlagzeile: "Tarifverdienste 2009 um 2,8% gestiegen" meldet das Statistische Bundesamt heute:

"... stiegen die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2009 um 2,8% gegenüber 2008. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um 0,4%."

Dann wird jenseits der Schlagzeile noch kleinlaut nachgeschoben:

"Allerdings profitierten aufgrund von Kurzarbeit, der Kürzung von Sonderzahlungen, aber auch der vorübergehenden Aussetzung von Tarifsteigerungen durch Öffnungsklauseln nicht alle Tarifbeschäftigten in vollem Umfang von den vereinbarten Tariferhöhungen."

Was soll man dann noch von der schlicht irreführenden Schlagzeile halten? In vielen Branchen wurde von den sogenannten Öffnungsklauseln Gebrauch gemacht und wurden Tariferhöhungen ausgesetzt. Über 1 Million Arbeitnehmer befinden sich in Kurzarbeit. 0,6 Millionen sind als Leiharbeiter in versicherungspflichtiger Beschäftigung und unterliegen nur den Tarifen der Leiharbeitsfirmen, nicht aber den wesentlich besseren der Unternehmen, an die sie ausgeliehen werden. Noch wichtiger: Die Tarifbindung liegt in W-Deutschland nur noch bei 70 %, in O-Deutschland sogar nur noch bei 55 %.

Viel ehrlicher wäre es gewesen, wenn das StaBuA auf seine eigene Erfassung der Entwicklung der tatsächlichen Arbeitseinkommen in der gewerblichen Wirtschaft verwiesen hätte. Da sind nämlich im November gegenüber dem Vorjahr real die Entgelte pro Beschäftigten um 3,7 % und pro Arbeitsstunde um 3,8 % gefallen und nicht etwa gestiegen. Die gesamte Lohn- und Gehaltssumme stürzte sogar um 8,1 % ab.

Warum eigentlich immer diese betrügerischen Meldungen? Glaubt das StaBuA und das hinter ihm stehende CDU-Bundesinnenministerium wirklich, mit solchen schönen Meldungen die Kauffreude, der um ihren gerechten Lohn geprellten deutschen Arbeitnehmer antreiben zu können? Dazu paßt die Erklärung des Bundeswirtschaftsministers zum Jahreswirtschaftsbericht mit dem lyrischen Titel "Mit neuer Kraft die Zukunft gestalten":

"Setzen die Tarifparteien ihre maßvolle und flexible Lohnpolitik fort und haben die Bürger dank weiterer Steuersenkungen mehr Geld in der Tasche, sind die Weichen richtig gestellt für einen nachhaltigen Wachstumskurs."

Merkt der Mann denn gar nicht, wie er sich widerspricht. Die Fortsetzung einer "maßvollen" Lohnpolitik der Tarifparteien, die die Arbeitnehmerabkommen in der Vergangenheit hat fallen lassen, und mehr Geld in der Tasche - wie soll das zusammengehen? "Weitere Steuersenkungen" werden es auch nicht richten, wenn gleichzeitig der Jahreswirtschaftsbericht eine "strengere Haushaltsdisziplin" ankündigt, weil das am Ende nur über Steuererhöhungen (MWSt läßt grüßen!) erreichbar sein wird.


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Gedanken zur Zeit 1657 29-01-10: Speed kills - Exponential zerstören wir die Erde

Immer mehr Beschleunigung aller humaner Abläufe. Computer, Internet, Jettransport. Exponential steigender Energieeinsatz. Jeden Tag ein Verbrauch an fossilen Energien, zu deren Aufbau die Erde Jahrhunderte gebraucht hat. Enorme Verdichtung der Weltbevölkerung in Giga-Städten. Fast Food. Blitzschnelle globale Finanztransaktionen. Immer mehr Rohstoff- und Frischwasserverbrauch. Artenvernichtung. Überfischung der Ozeane. Ein gigantisch wachsender "Footprint" der Menschheit auf unserem Ökosystem. Wie lange noch?

Mit der zehnten und nun wirklich letzten Folge der "Kritischen Ökonomie der neoliberalen Globalisierung" kehre ich zu einem Thema zurück, das mich beschäftigt, seit ich vor fast 40 Jahren über Dennis Meadows' "Grenzen des Wachstums" gestolpert bin. Ein verbittert klingender Meadows sagt heute: "Wir stecken mitten in der Umweltkrise, die wir damals vorhergesagt haben, mit dem Unterschied, daß wir 40 Jahre weitgehend verloren haben, in denen die Menschheit hätte handeln sollen."

Mit diesem letzten Video stehen nun auf Youtube in 10 Folgen fast zwei Stunden für diejenigen zur Verfügung, die sich auf die Schnelle einen kritischen Überblick zu unserer globalen Befindlichkeit verschaffen wollen. Ich freue mich, daß diese Kurzvideos von je 10 Minuten inzwischen schon rund 3.200-mal aufgerufen wurden.

Teil 1: Das Zeitalter der globalen Plutokratie
Teil 2: Wie die Globalisierung das Klima zusätzlich aufheizt
Teil 3: Heimatlose und verantwortungslose Konzerne
Teil 4: Chinas globaler Jobklau
Teil 5: Die globale Kreditkrise
Teil 6: Die globale Angst
Teil 7: Kein Aufstieg mehr in diesem Land
Teil 8: Die Lügenmärchen vom Arbeitsmarkt
Teil 9: Deutschland - Niedrigsteuerland
Teil 10: Speed kills - Exponential zerstören wir die Erde

Sie finden das Video hier:





Hier die Abbildungen (ohne meinen gesprochenen Kommentar) zum ruhigen Betrachten:









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Gedanken zur Zeit 1656 28-01-10: Deutschland - Niedrigsteuerland

Die ständige Diskussion in Deutschland über Steuersenkungen trotz steil ansteigender Staatsverschuldung hat mich nun zu einem neunten Teil meiner "Kritischen Ökonomie" auf Youtube gebracht.

Sie finden das Video hier:





Hier die Abbildungen (ohne meinen gesprochenen Kommentar) zum ruhigen Betrachten:




















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Gedanken zur Zeit 1655 27-01-10: Der Euro auf Mittelmeersand gebaut

Griechenland hat sich in den Euro geschwindelt, Italien bei bereits hoher Verschulding in ihn gerettet. Spanien und Portugal hätten nie hineinkommen dürfen. Denn alle vier Länder haben, vor allem im Vergleich zu dem seit Jahren auf der Lohnbremse stehenden Deutschland, so viel an Wettbewerbsfähigkeit verloren, daß sie dringends abwerten müßten, aber innerhalb des Euro nicht können. Was jetzt läuft, hätte auch ein Blinder vorraussehen müssen.

Der Euro wurde als Schönwetterveranstaltung gebaut und nie krisenfest gemacht. Jetzt gibt es für die vier Länder nur den Ausstieg aus dem Euro mit immensen Kosten steil nach oben gehender internationaler Kreditzinsen oder den Konkurs der Staatsfinanzen mit einem immensen Vertrauensverlust für den Euro überall in der Welt oder den Beistand der Steuerzahler im Rest der Eurozone, vor allem in Deutschland. Dann haben die deutschen Arbeitnehmer jahrelang Lohnverzicht geleistet und die deutschen Exportkonzerne dick verdienen lassen und müssen jetzt auch noch die Steuerlast für einen mißlungenen Euro tragen.

Griechenland versucht derzeit, bei China Kredit zu bekommen, indem China griechische Staatsanleihen mit hoher Verzinsung kauft. Dann verdient China gleich zweimal: einmal durch den Aufbau von enormen Export- und Währungsüberschüssen zu Lasten der EU, und dann noch einmal an den hohen Zinsen für das Ausleihen eines kleinen Teils seiner Überschüsse an Griechenland. Letzteres geschieht natürlich im Vertrauen, daß am Ende die Europartner alle für die Bonität der griechischen Staatsanleihe einstehen.

Kaum verquerer und schädlicher für uns hätte man den Euro kaum konstruieren können. Wer waren eigentlich die deutschen Spitzenbeamten im Bundesfinanzministerium und Bundeskanzleramt, die den total wirkungslosen Stabilitätspakt in Deutschland als hart wie die DM verkauft haben? Einige von ihnen bekleiden jetzt höchste politische Ämter in Deutschland und der EZB. Und natürlich ist es keiner gewesen. Und Kohl schwafelte davon, der Euroverbund wäre nötig gewesen, um einen weiteren Weltkrieg in Euro zu vermeiden.


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Gedanken zur Zeit 1654 26-01-10: Die Lügenmärchen vom Arbeitsmarkt

In der Reihe "Kritische Ökonomie" des Infoportals auf Youtube ist nun ein 10-Minuten-Video zur deutschen Arbeitsmarktstatistik erschienen. Es zeigt die Schwächen und offensichtlichen Lügen dieser von der Politik meistmißbrauchten Statistik in sechs besonders wichtigen Feldern auf.

Sie finden das Video hier:





Hier die Abbildungen (ohne meinen gesprochenen Kommentar) zum ruhigen Betrachten:









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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Die zweite Grosse Depression" - ist im April 2009 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-257-4). Zur Bestellung hier.