Reihe 47 ab 15-07-09 ... ...

(1427) Ein paar Gedanken zur Medienmacht

(1426) Warum werden wir mit den Detail-Daten der Wirtschaftsleistung eigentlich an der Nase herumgeführt?

(1425) Warum mir China immer unheimlicher wird

(1424) Das Recht auf Rufmord? - Ende meiner Dokumentation über ein SPIEGEL-online Forum

(1423) Elfi's kritische Presseschau hatte einen guten Start

(1422) SPIEGEL-Blödsinn: „DIE ERSTE MILLION - Spar dich reich

(1421) Dokumentation eines versuchten Rufmordes

(1420) Über den Zaun geblickt

(1419) Elfi's kritische Presseschau

(1418) Die immer wieder gespielte Empörung des Bundesfinanzminister wird langsam unerträglich

(1417) Ein bißchen Eigenwerbung

(1416) Guttenbergs Ersatz-Verstaatlichung der Banken

(1415) Schon wieder rast die BILD-Sau durchs Rentner-Dorf

(1414) Wolfgang Münchau und FT Deutschland auf einem Auge blind

(1413) Noch ein vorerst letzter Schwerpunkt

(1412) Das Infoportal ein kleines Fensterchen zur Wahrheit auf dem Arbeitsmarkt?

(1411) Für eine Totalwegsteuerung aller Einkünfte der Banker über 1 Million

(1410) Steinmeiers unsinnige Versprechungen für Vollbeschäftigung

(1409) Bloggen zu den Nachrichten des Infoportals

(1408) Weniger Kinder = weniger Zukunft

(1407) Der Bund hat bei HypoRealEstate nur teuersten Murks gemacht

(1406) Der Unterschied zwischen willkommenen Hinweisen und dem Klau geistigen Eigentums

(1405) Wagenknecht kann in der Diskussion mit Sinn keine Blumentopf gewinnen, weil sie die Globalisierung nicht frontal kritisiert

(1404) Hört doch endlich mit dieser irren Form von Globalisierung auf!

(1403) Aufschwungspropaganda kennt keine Grenzen mehr: China soll's richten

(1402) Auch das ist Globalisierung: Der Virus liebt den Ferntourismus per Billigflug

(1401) An die Blogger vom Infoportal

(1400) Guttenberg vor Merkel: Wie kann ein Minister, der keine Großtaten vorzuweisen hat, auf den Umfrage-Spitzenplatz kommen?

(1399) Bericht eines Lehrlingsausbilders

(1398) Warum ich mir Steinmeier unter 20 % wünsche

(1397) Müllers Märchenstunde

(1396) Hier ein schönes Gysi-Video zu HypoRealEstate und anderen Bankenskandalen





Gedanken zur Zeit 1427 14-08-09: Ein paar Gedanken zur Medienmacht

In diesen Tagen kann man gut beobachten, wie groß die Macht der Meinungsindustrie inzwischen geworden ist und wie sehr sie die demokratischen Strukturen bedroht. Dazu bieten sich besonders zwei Medienspektakel an: in Deutschland zur Wirtschaft und in USA zur Gesundheitsreform.

In Deutschland kommen kritische Meldungen zur Wirtschaftslage kaum noch durch die Medien. Die haben im Benehmen mit der Bundesregierung beschlossen, daß die Krise vorbei ist, mindestens bis zu den Wahlen. Die FAZ bringt heute schon einen Artikel mit der Überschrift: „Deutschland nach der Rezession". Da verkündet sogar der Wirtschaftswissenschaftler Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung: „Wir haben die Talsohle erreicht". Kein Wort darüber, daß die deutsche Wirtschaft bei 7 % unter Vorkrisenniveau herumkrebst.

So finden die wirklich horrenden Zahlen des Statistischen Bundesamt zur Lage der gewerblichen Wirtschaft, die der heutige Rundbrief behandelt, in den meisten Medien gar keine Beachtung oder wird entsprechend der Leseanleitung des Statistischen Bundesamts unter Beschäftigungsabbau verpackt war, mit dem ohnehin jeder rechnet, statt den für die Gesamtwirtschaft gefährlichen Einkommensverlust herauszustellen.

Schlimm sieht es in USA mit der konservativen Polemik gegen Obamas Gesundheitsreform aus. Hier lassen sich viele Medien vor den Karren der gut verdienenden Ärzteschaft und der Pharmaindustrie spannen. Die USA haben das teuerste Gesundheitssystem der Welt, doppelt so teuer wie das britische NHS, und doch sind 40 Millionen Menschen ohne jeden Gesundheitsschutz. Für die Konservativen Gralswächter ist das britische NHS des Teufels, obwohl man sonst alles Britische schätzt, und wird Obama mit Hitler verglichen und per Schnurrbart karrikiert. Mindestens wird er als „Sozialist" apostrophiert, was in USA ähnlich schlimm ist.



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Gedanken zur Zeit 1426 13-08-09: Warum werden wir mit den Detail-Daten der Wirtschaftsleistung eigentlich an der Nase herumgeführt?

Heute erreichte mich auf dem Blog folgende Frage zu meinem letzten Rundbrief:

„Warum wird am 25.08.2009 das korigiert werden müssen? Liegt das daran, dass dann die kompletten Daten vom Monat Juni vorhanden sind. Und falls ihre Rechnung stimmt, wird dann auch die offizielle BIP-Entwicklung für das 2. Quartal verändert werden müssen?"

Dazu meine Antwort:

„Am 25. 8. veröffentlicht das StaBuA die Detaildaten. Dann wird klar sein, wieweit sich der Außenbeitrag auswirkt. Das StaBua hat diesen Betrag wahrscheinlich jetzt schon, verrät ihn aber nicht. Meine Rechnung beruht auf den ersten zwei Monaten des 2. Quartals, weil der dritte Monate Juni zum Außenhandel noch nicht veröffentlicht ist. Ich mußte daher mit der Tendenz von zwei Monaten auf den dritten schließen. Doch verbal räumt das StaBuA schon ein, daß der Außenbeitrag gestiegen ist. Das Ergebnis des 2. Quartals wird am 25.8. nicht korrigiert werden. Doch wir werden dann genau wissen, daß - wie ich vermute - ohne die abgesenkten Importe das Gesamtergebnis negativ wäre (ich schätze mit meiner Rechnung minus 1,3 %, also weiterer Abrutsch statt aufstieg). Natürlich wird das StaBuA daraus dann keine große Geschichte machen, weil der Braten ja nicht gerochen werden soll. Normalerweise interessieren sich die Medien auch nicht für die Detaildaten."

Es ist eine besondere Perfidie in Deutschland, immer erst das Gesamtergebnis presseträchtig zu verkünden, dabei die Interpretationshoheit zu behalten und dann bei den Detaildaten 10 Tage später auf Desintereresse der Medien zu setzen. In Frankreich werden z.B. sofort die Deteildaten veröffentlicht und man weiß, wo lang der Haase läuft. Ich verstehe nicht, warum das nicht in Deutschland möglich sein soll. Wenn das StaBuA das Gesamtergebnis hat, muß es doch auch die Details kennen. Wie will es sonst zum Gesamtergebnis kommen?

Dazu noch folgender Nachtrag: Statistiken führen auf zwei Weisen in die Irre. Erstens können sie manipuliert sein, was sehr oft passiert. Zweitens können Sonderfaktoren für eine Entwicklung vorliegen, die zu deren Verständnis bekannt sein müssen, aber verschwiegen werden. So ist es hier mit dem Außenbeitrag. Da wird heute nur eine vage Andeutung gemacht, damit man später sagen kann, man hätte nichts hinter dem Busch gehalten. Doch wenn man dann mit der konkreten Wahrheit nach zehn Tagen heraus muß, kann die Bundesregierung darauf vertrauen, daß sich niemand mehr für das Detail interessiert. Damit hat die Bundesregierung die Deutungshoheit für sich gepachtet, wenn es nicht so ärgerliche Webseiten, wie das Infoportal, gäbe.


P.S.: Übrigens: Heute wieder Elfis kritische Presseschau neu!


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Gedanken zur Zeit 1425 12-08-09: Warum mir China immer unheimlicher wird

China liegt mit den schlimmsten Dikatatoren von Zimbawe über Kongo bis Burma im Bett. Für Rohstoffe und andere Handelsvorteile ist jedes moralische Opfer recht. Der Westen protestiert einhellig gegen die Verurteilung der burmesischen Regimekritikerin Suu Kyi - doch der Uno-Sicherheitsrat konnte sich auf keine Resolution gegen die Junta einigen. China und Russland verzögerten die Verhandlungen und mühen sich, den Text des Beschlusses zu entschärfen. China, das im Uno-Sicherheitsrat über ein Vetorecht verfügt, hat sich in der Vergangenheit immer wieder gegen harte Maßnahmen wie Sanktionen gegen das benachbarte Burma ausgesprochen. Auch nach der Sitzung des Sicherheitsrats betonte China, die Welt müsse die Souveränität der Justiz in Burma respektieren. Da stützt eine Diktatur in China eine andere in Burma. Mir graut vor dem Gedanken, daß Putins Regime und das in China zusammen versuchen könnten, einen diktatorischen Block zu bilden und andere Regime unter ihre Fittiche zu nehmen.

Dann noch ein anderes. Gerade in dieser langanhaltenden Krise der alten Industrieländer, versuchen chinesische und russische Staatsunternehmen durch weltweite Unternehmensaufkäufe ihr Süppchen zu kochen. Bei China kommt noch ein Übriges hinzu. Das Regime ist von Innen bedroht, falls die Arbeitslosigkeit bei rückläufigem Export weiter um sich greift. Die Lage auf dem chinesischen Arbeitsmarkt bleibt trotz der positiven Signale aus der Wirtschaft angespannt. "Viele Unternehmen befinden sich immer noch in Schwierigkeiten. Das Risiko weiterer Arbeitsplatzverluste bleibt entsprechend groß", sagte Wang Yadong vom chinesischen Arbeitsministerium am Dienstag in Peking.

Immerhin habe sich die Situation der Wanderarbeiter verbessert, hieß es. Lediglich drei Prozent von ihnen hätten bislang keine neue Arbeit gefunden. Bei offiziell 150 Millionen Wanderarbeitern wären das 4,5 Millionen. Weil die Ausfuhren weggebrochen waren, hatten zunächst 18 Millionen ihren Job verloren. Die meisten Betroffenen waren im Exportsektor beschäftigt. Allerdings sind mit Wiedereinstellung vieler Arbeiter auch die Löhne gesunken. In der südchinesischen Stadt Dongguan beispielsweise, die im Perlflussdelta Stütze der sogenannten Werkbank der Welt ist, sank nach Angaben der Stadtverwaltung der durchschnittliche Arbeitslohn im Vergleich zum vergangenen Jahr um rund zehn Prozent. Außerdem fallen in vielen Fabriken seit Monaten die für die Beschäftigten lukrativen Überstunden weg.

Ausgerechnet jetzt heizt China also den Niedriglohnwettbewerb weltweit noch weiter an. Es hat auch die eigene Währung wieder fest an den Dollar gebunden, um mit manipulierter Währung seinen Export noch weiter zu fördern. Es wird nicht lange dauern, bis auch die deutschen Arbeitgeber mit Hinweis auf die chinesische Konkurrenz und Drohung von Verlagerung Lohnverzichte einfordern.


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Gedanken zur Zeit 1424 12-08-09: Das Recht auf Rufmord? - Ende meiner Dokumentation über ein SPIEGEL-online Forum

Heute schrieb ich an den Administrator von SPIEGEL-online:

„In diesem Forum ist eine persönliche und haßerfüllte Kampagne mit beleidigenden Unterstellungen zu meiner beruflichen Entwicklung geführt worden. Siehe z.B. die Beiträge von Spiegel-Hai und Rainer Eichberg. Ich habe diese Diskussion nicht provoziert, sondern bin von dritter Seite darauf aufmerksam gemacht worden, als sie bereits in vollem Gange war. Sie haben das Forum (wohl um diese Diskussion zu beenden, die nie hätte zugelassen werden dürfen) inzwischen geschlossen. Ich fordere Sie nun auf, diese beleidigenden Beiträge mindestens dieser zwei Personen zu löschen. Anderenfalls behalte ich mir rechtliche Schritte vor."

Darauf bekam ich einen „Zwischenbescheid":

„Sehr geehrter Herr Dr. Jahnke,

bitte nennen Sie mir die Nummern (jeweils rechts oben) der betreffenden Beiträge.

Darüber hinaus haben Teilnehmer die Möglichkeit, der Moderation mittels der Klickfunktion "Beitrag melden" (jeweils unter den Beiträgen) Postings zur Kenntnis zu bringen, die Ihrer Auffassung nach den Regeln der Netiquette widersprechen.

Wir werden dann ggfs. entsprechend reagieren..

Mit freundlichem Gruß

Redaktion Spiegel Online

Ich schrieb zurück:

Sehr geehrter Herr .,

Vielen Dank. Ich hätte nie gedacht, unprovoziert mit so viel Schmutz beworfen zu werden, z.B.: „ein klassischer SPD-Parteibuchkarrierist der dritten Garnitur, den man stets wegbefördert hat, natürlich nie an wirklich verantwortungsvolle Stellen, dann hat man ihm anscheinend den vorgezogenen Ruhestand ans Herz gelegt. Ich habe den Verdacht, daß er, vermutlich wegen seiner abstrusen Wirtschaftstheorien, unter Schröder schlicht aussortiert wurde."

Dagegen bin ich 1989 zu Kohl-Zeiten mit der Unterschrift des Bundespräsidenten zum Ministerialdirigent befördert worden, was ja wohl nicht eine SPD-Parteibuchkarriere ist. Ich bin nicht wegbefördert worden, sondern in eine anspruchsvolle Position der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London übergewechselt, wo ich weiter zum Stellvertretenden Vizepräsidenten aufsteigen konnte (immer noch zu Kohl-Zeiten und nicht als SPD-Parteibuchkarriere). Das ist eine Führungs-Position in internationalen Organsationen, die nur sehr wenige Deutsche innehaben. Zeitweise war in London der derzeitige Bundespräsident Kollege im Vorstand und Präsident der Bank (auch kein SPD-Mann).

Wenn das im Forum stehen bleiben würde, wären solche grundlosen Beleidigungen demnächst per Google mit meinem Namen verbunden. Ich bin erst sehr viel später von Dritten auf diese Rufmord-Kampagne aufmerksam gemacht worden und konnte mich daher der von Ihnen erwähnten Klickfunktion nicht bedienen.

Leider lief die Kampagne über die letzten Tage und füllte zeitweise die Hälfte des Blogs. Hier einige Beitragsnummern (besonders schlimm sind 9448, 9495 und 9538), wobei auch solche mit den Beleidigungen als Zitat aufgenommen werden mußten: ..

Mit freundlichem Gruß

Und hier die Antwort:

Sehr geehrter Herr Dr. Jahnke,

bei der von Ihnen erwähnten Kommunikationsform handelt es sich nicht im "Blogs", sondern um Forumsdiskussionen, im Rahmen derer eine Menge, was manche als Beleidigungen ihrer Person empfinden, durch das Recht auf Meinungsäußerung abgedeckt ist.

Ich habe dennoch die drei von Ihnen monierten Beiträge gelöscht.

Generell ist es jedoch besser, mit in solchen Fälle jeweils die Links der betreffenden Seite zu posten.

Mit freundlichem Gruß

Redaktion Spiegel Online

Und dies war meine Schlußreaktion:

Sehr geehrter Herr ,

Vielen Dank. Das Recht auf Meinungsäußerung deckt nicht das Aufstellen falscher Behauptungen oder Lügen, in diesem Fall z.B. eines "Parteibuch-Karrieristen", den man "wegbefördert" und dem man einen "vorzeitigen Ruhestand nahegelegt habe". Meine Karriere mußte ich unter schwarz-gelben Regierungen (gegen meine Mitgliedschaft in der SPD) durch harte und erfolgreiche Arbeit machen. Meine Karriere in eine der wenigen und international hart umkämpften Spitzenpositionen in Internationalen Organisationen steht ebenfalls eindeutig gegen solche Lügen.

Ich halte sehr viel von freier Meinungsäußerung und nehme das Recht auch selbst ausgiebig in Anspruch. Doch der Administrator eines Forums sollte schon ein bißchen auf das Niveau und die rechtlichen Grenzen eines Forums achten. Hier wurde eindeutig das Forum zu einer unprovozierten persönlichen Attacke mißbraucht, die mit dem Forum-Thema nicht das geringste zu tun hatte, und das dann auch noch zwei Tage lang von Menschen, die sich denselben Ball immer wieder zuspielten und denen es nur um eine Form von billigem (weil anomym betriebenen) Rufmord ging.

Mit freundlichen Grüßen


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Gedanken zur Zeit 1423 11-08-09: Elfi's kritische Presseschau hatte einen guten Start

Heute ist erst die zweite Ausgabe am Netz. Doch die Zahl der Besuche hat schon 1.000 erreicht. Das ist ein guter Anfang, zumal aller Anfang - auch dieser - schwer ist und seine Tücken hat. Ich bin sehr froh, daß sich Elfi zu dieser Arbeit für uns alle bereitgefunden hat.

Nun gibt es natürlich Fragen der Auswahl. Elfi hat einen internationalen Zuschnitt, der zum Infoportal hervorragend paßt. Dabei kommt es zu einem Sprachenproblem. Sie hat sicher keine Zeit, alles für uns durchzulesen und dann auch noch zu übersetzen, wenn das Original einmal nicht auf Deutsch kommt.

Ich überlasse Elfi die Auswahl. Wir haben einen Briefkasten auf einem eigenen Blog eingerichtet. Niemand, der dort eingeworfen hat, darf böse sein, wenn das nicht aufgegriffen wird oder dann Erklärungen erwarten.

Ich habe mit Elfi ins Auge gefaßt, daß neue Ausgaben zweimal pro Woche, möglichst dienstags und freitags kommen. Die neueste wird immer oben eingestellt. Die jeweis zwei älteren bleiben darunter noch stehen. Manchmal, wenn Elfi auf Reisen ist oder anders verhindert, kann es auch zu einem anderen Rhytmus kommen. Ich hoffe, daß dieses Konzept so bei allen Interessenten so auf Zustimmung trifft.


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Gedanken zur Zeit 1422 09-08-09: SPIEGEL-Blödsinn: „DIE ERSTE MILLION - Spar dich reich"

In diesen Krisenzeiten verbreiten die deutschen Medien Hoffnung wie vom Fließband, als hätten die Verleger denen unter ihren Journalisten Rausschmiß angedroht, die nicht genug Positives finden. Nun erklärt uns der SPIEGEL allen Ernstes, wie man in 30 Jahren Millionär wird, und tut dabei so, als könne das jeder schaffen. Nicht Spekulieren, nicht andere Ausbeuten, nein: einfach Sparen ist das wundervolle SPIEGEL-Rezept, das uns schnurstracks zu Millionären macht. Nur mal eben 1.000 Euro jeden Monat auf die hohe Kante legen. Einige mögen das können, denn es gibt ja in Deutschland genug Bestverdiener und dann auch Millionäre oder Milliardäre. Aber wie hoch ist eigentlich der Anteil der Deutschen, die jeden Monat 1.000 Euro flüssig oder besser gesagt „überflüssig" haben?

Sicherheitshalber rät der SPIEGEL uns, nur nicht richtig über die Stränge zu schlagen und Dinge zu kaufen, die sich mangels relevanter Nutzung oder angesichts hohen Wertverlustes nie im Leben rechnen - wie eine Jacht, ein Ferienhaus oder ein Ferrari. Also Ferrari-Freunde, Ihr seid schon Millionäre (oder Milliardäre) oder Ihr werdet es nie!

Und dann gibt es noch ein kleines Problemchen. Für die Million ist eine kräftige jährliche Rendite nötig. Die setzt der SPIEGEL mathematisch korrekt bei 6 % für die 30 Jahre an. Nun, wo bekommt man mal eben 6 % Rendite? Wenn man die 25 % Steuer berücksichtigt, die der SPIEGEL unterschlägt, müssen es schon 8 % sein. Da die Bundesanleihen für 10 Jahre nur gerade 3,75 % bringen, muß es also etwas Riskanteres sein, vielleicht geht es doch nicht ohne Glückspiel an der Börse oder wenn mal wieder Subprime angeboten wird? Für ganz Dumme empfielt der SPIEGEL als besonders geeignete Anlageformen schon mal die betriebliche Altervorsorge (Versicherungswirtschaft - ich hör Dir trapsen - noch ein paar gut bezahlte Annoncen im SPIEGEL?), Fonds, börsengehandelte Indexfonds, und vermietete Immobilien. Kleines Geheimnis von mir: Nichts davon wird die 8 % vor Steuer schaffen.

Und dann ist da noch ein Problemchen, das der SPIEGEL schlicht unterschlägt, nämlich die Inflation, die auch das Ersparte immer wieder teilweise entwertet. Sie lag in den 17 Jahren seit der Wiedervereinigung bei 2 % pro Jahr. Bei solcher Inflation muß man schon 38 Jahre warten, und wenn man nur 3 % (4 % vor Steuer) Nominalrendite erzielt, um mit Bundesanleihen oder ähnlichen Anlagen auf der sicheren Seite zu bleiben, wird man während seiner Lebenszeit nie ankommen. Und wenn man jemals ankommt, kann man im biblischen Alter nur noch vererben. Und dann: Wieviele kapitalvernichtende Krisen wird es in so vielen Jahrzehnten noch geben, lieber SPIEGEL? Oder schreiben wir heute den 1. April? Daß sich die Journalisten nicht schämen, solchen Quatsch aufs Papier oder online zu bringen!


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Gedanken zur Zeit 1421 11-08-09: Dokumentation eines versuchten Rufmordes

Leider ist der SPIEGEL in die rechte Ecke gerückt. Und so tummeln sich auf SPIEGEL-online (SPON) viele, die auch so denken. Rufmordversuche an Andersdenkenden sind keine Seltenheit bei diesen Zeitgenossen. Diesmal galt der Versuch mir. Er wird hier dokumentiert. Ich habe nie so viel Jauche auf einem Fleck gesehen.

Ein Besucher des Blogs (Bernhard Fischer) hat mich informiert. Ich habe ihn nun gebeten, meine Reaktion auf den SPIEGEL-Blog zu bringen und vielleicht tut er das. Jedenfalls bin ich ihm für die Information und seine Reaktion auf dem Blog dankbar. Meine Reaktion ist eigentlich zu viel Ehre für diese Schmierfinken, aber es geht mir mehr um ein treffendes Beispiel für die Verwilderung der Sitten auf dem Internet.

Nur vorweg einige Richtigstellungen und Hinweise:

1. Die Kritiker von SPON treten natürlich anonym und hinter dem Rücken des Angepinkelten auf. Keiner hat den Mut und Anstand gehabt, mich direkt anzusprechen, obwohl meine Email-Anschrift auf dem Infoportal steht und Kommentare immer erbeten werden.

2. Keiner der Kritiker hätte den Mut, den eigenen Lebenslauf auf das Internet zu setzen (und wahrscheinlich wäre der dann auch nicht besonders eindrucksvoll, um es gelinde zu formulieren). Entgegen der Unterstellung habe ich meinen Lebenslauf nie zurückgezogen

3. Der Vorwurf „ein selbsternannter Wirtschaftsweiser" zu sein, ist rein polemisch und kommt nur aus der Diffamierung einer anderen Auffassung.

4. Absoluter Unsinn und aus der Luft gegriffen sind die Unterstellungen, ich sei „ein klassischer SPD-Parteibuchkarrierist der dritten Garnitur, den man stets wegbefördert hat, natürlich nie an wirklich verantwortungsvolle Stellen, dann hat man ihm anscheinend den vorgezogenen Ruhestand ans Herz gelegt. Ich habe den Verdacht, daß er, vermutlich wegen seiner abstrusen Wirtschaftstheorien, unter Schröder schlicht aussortiert wurde. Übrigens kennt ihn nicht einmal die SPD-Hompepage, was für einen hoch geschätzten Genossen doch sehr ungewöhnlich wäre."

Ich bin unter Brandt in die SPD eingetreten und unter Schröder wieder aus, was ja wohl nicht ehrenrührig ist (deswegen auch nicht auf der SPD-Hompage zu finden). Ich bin als SPD-Mitglied 1989 zu Kohl-Zeiten mit der Unterschrift des Bundespräsidenten zum Ministerialdirigent befördert worden, was ja wohl nicht gegen meine Leistungsfähigkeit spricht. Ich bin nicht wegbefördert worden, sondern in eine anspruchsvolle Position der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London übergewechselt, wo ich mich weiter zum Stellvertretenden Vizepräsidenten entwickeln konnte (immer noch zu Kohl-Zeiten und nicht wegen meiner SPD-Mitgliedschaft), eine Führungs-Position in internationalen Organsationen, die nicht sehr viele Deutsche innehaben. Was ist da eigentlich so ehrenrührig an meiner Entwicklung, daß man mit Vermutungen dagegen anstänkern will?

5. Ich habe nie beansprucht, in linken SPD-Partei-Kreisen Bedeutung zu haben, wie mir unterstellt wird. Allerdings hat die Otto-Brenner-Stiftung der IG-Metall eines meiner Bücher mitfinanziert und hat der IG-Metall-Chef Jürgen Peters das Vorwort dazu geschrieben und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger an der Vorstellung des Buches teilgenommen. Bemerkungen wie: „hatte offenbar, nach dem, was ich herausfinden konnte, entgegen seines eigenen Anspruchs, wenig Bedeutung außerhalb des eigenen Safts vermutlich linker SPD-Partei-Kreise und Gewerkschaftsnaher Einrichtungen, die ihn wohl ab und zu reden lassen" ist demgegenüber reine Polemik unter die Gürtellinie.

5. Daß mir - als einziges Beispiel - ausgerechnet die Kritik an der Zeitarbeit entgegengehalten wird, wo die Zeitarbeiter derzeit als erste aus den Jobs fliegen, ist nur noch als lächerlich einzuordnen.

6. Und was soll man davon halten: „Hinzu kommt seine klare politische Ausrichtung die er auch ganz ofen vertritt und die beileibe nicht auf objektivität schliessen lässt, im Gegenteil!" Ist eine klare politische Ausrichtung der Beweis für mangelnde Objektivität (natürlich nur, wenn es nicht die Ausrichtung des Kritikers ist)?


Hier die Dokumentation:

spiegel-hai

den Herrn Jahnke hatten wir hier schon einmal, Sie dürfen ihn auf seiner Homepage besuchen: http://www.jjahnke.net/. Lesen Sie seinen Lebenslauf, er ist damit nicht zurückhaltend. Er war nie wirklich nie "große Nummer", und wurde schließlich abserviert. Seit dem ist er selbsternannter Wirtschaftsweiser und dilettiert in Volkswirtschaft. Er gehört zum Feld der Globalisierungsgegner. Allerdings wird er, so weit ich festgestellt habe, wissenschaftlich von niemendem ernst genommen, vielmehr hat er sein Publikom in gewissen politischen Strömungen.

Rainer Eichberg

Wer solche sicherlich auch hochdotierten Posten irgendwann mal inne hatte, ist für mich schon eine "große Nummer". Allerdings beschleicht mich der Verdacht, daß der gute Mann sich in einem anderen Medium wähnt wenn er schreibt:

Diese Webseite ist zum ersten Mal im März 2005 auf Sendung gegangen

spiegel-hai

Der gute Mann ist in den letzten Monaten offenbar schlauer geworden und hat aus der Homepage seinen persönlichen Werdegang entfernt. Der war nach meiner Erinnerung samt seinen geschwollenen, dennoch dürftigen Hinweisen auf seine Positionen, recht vielsagend. Demnach ist er ein klassischer SPD-Parteibuchkarrierist der dritten Garnitur, den man stets wegbefördert hat, natürlich nie an wirklich verantwortungsvolle Stellen, dann hat man ihm anscheinend den vorgezogenen Ruhestand ans Herz gelegt. Ich habe den Verdacht, daß er, vermutlich wegen seiner abstrusen Wirtschaftstheorien, unter Schröder schlicht aussortiert wurde.

Hätte er auch nur den Hauch von wirklicher Bedeutung gehabt, würde er einen nachvollziehbaren Lebenslauf präsentieren, mit Fakten und Daten. Daß er das nicht tut, spricht Bände. Übrigens "kennt" ihn nicht einmal die SPD-Hompepage, was für einen hoch geschätzten Genossen doch sehr ungewöhnlich wäre.

Er, ein Hobby-VWLer mit ungebremstem Weltgeltungsdrang, hatte offenbar, nach dem, was ich herausfinden konnte, entgegen seines eigenen Anspruchs, wenig Bedeutung außerhalb des "eigenen Safts" vermutlich linker SPD-Partei-Kreise und Gewerkschaftsnaher Einrichtungen, die ihn wohl ab und zu reden lassen.

Hingegen habe ich trotz der bekannten Geschwätzigkeit des Internet und des ungebremsten Veröffentlichungsdrangs wissenschaftlicher Institute keinen Hinweis darauf gefunden, daß er in der wissenschaftlichen Diskussion auch nur zur Kenntnis genommen würde, und das läßt tief blicken.

Jetzt nutzt er seine Freizeit, um als von der Mehrheit verkannter Prophet einer besseren Wirtschaftsordnung durch die Welt zu ziehen und gläubige Anhänger zu sammeln. Hier im Forum gibt es auch einige davon.

Rainer Eichberg

Ihr Eindruck von diesem Herrn ist offenbar richtig: Falsch verstandener Prophet mit "Sendungsbewußtsein". Sein Glück, daß man im Internet sein kann, wer man möchte.

ein schelm ...

Ich dachte Sie sind hier der Quellinator? http://www.jjahnke.net/erinnerungen.pdf "(..)Trat aus Begeisterung für Willy Brandt in die SPD ein. (..)"

wrdlbrnfd

Vielen Dank, daß Sie den linkslastigen Horizont hier mal wieder für fünf Minuten gerade rückten. Motto: Hattu Meinung hattu Quelle

MediaThor

Hat hier mal schon jemand seine Fakten und Zahlen widerlegen können von den "höflichen GroßGeistern", die nur seine Person diffamieren und schmähen?

Rainer Eichberg

Darum geht es doch gar nicht. Es geht doch darum, daß hier jede noch so krude Argumentation aus der Schlaraffenland-Fraktion mit einem Link auf eine Jahnke-Grafik versehen wird. So, als wäre der Mann die Unfehlbarkeit in Person. Mich stört die dusselige Statistik-Hörigkeit. Ich kann mich nicht entsinnen, daß die B∓W-Fraktion ständig Statistiken postet. Warum auch? Wir haben unsere Meinung, und die ist maßgeblich. Wenn es hier um den Austausch von Fakten ginge, könnte man das Forum dicht machen und stattdessen eine von den Usern gepflegte Linksammlung eröffnen. Wer will aber sowas schon lesen?

ein schelm ...

Also gut, nur so als Beispiel (kein besonders gutes zugegebenermassen, sollte trotzdem reichen hab eigentlich keine grosse Lust mich weiter mit Ihm zu beschäftigen und das war die erstbeste "Analyse"): http://www.jjahnke.net/zeitarb.html --> Zeitarbeit "(..) Die Zunahme an Zeitarbeit in 2006 entsprach fast 2/3 des Rückgangs an Arbeitslosigkeit (Abb. 12448). Diese prekäre Situation dürfte sich nun in 2007 noch verstärken.(..)" Mal davon abgesehen dass der gute Mann Fakten mit eigenen Meinungen und Vermutungen (die nicht zuletzt seiner Gesinnung geschuldet sind: "dürfte sich noch verstärken", soso, na wenn das nicht fundiert ist) verquickt bohrt er doch ein sehr dünnes Brett. Rückgang Arbeitslosigkeit 374'000, Zunahme Zeitarbeit 230'000. Und nun kommt er zu dem einfachen und den gewillten Leser nicht allzu fordernden Ergebnis dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit zu fast 2/3 der Zunahme der Zeitarbeitslosigkeit geschuldet wäre. Aber ist das wirklich so einfach? Wohl kaum, wieviele dieser neuen Zeitarbeiter waren denn vorher gar nicht Arbeitslos gemeldet? Wieviele sind aus einem festen Angestelltenverhältnis zur Zeitarbeit gewechselt, wieviele machen das nur vorübergehend ...? Wissenschaftlich gesehen ist das mehr als dürftig und erfüllt keinerlei Mindeststandard. Hinzu kommt seine klare politische Ausrichtung die er auch ganz ofen vertritt und die beileibe nicht auf objektivität schliessen lässt, im Gegenteil! Ich möchte den Mann keineswegs mobben, man sollte ihn aber auch nicht besser oder grössser machen als er es letztlich ist...

Bernhard Fischer

Ich habe Ihre Rufmordattacke direkt an Dr. Jahnke weitergeleitet... Aber incognito kann man unbewiesenen Schmutz kübelweise ausleeren

Bernhard Fischer (an Eichenberg)

JEEDE? „krude" Argumentation - und „Wir haben unsere Meinung, und die ist maßgeblich." kleinwahn macht auch mist.... Eichberg, Sie schwurbeln hier unentwegt unbewiesene „Meinungen" aus Köln/München und Gütersloh ohne Quellennennung durch die gegend, wobei man Ihenn ständig auf die Finger dabei schauen muss - und Sie versteigen sich hier zu den Tönen? Unmöglich!!!!

spiegel-hai

daß er SPD-Mitglied ist, vielleicht auch (inwischen) war, ging aus seinem Lebenslauf hervor, der sich, jedenfalls als ich vor ein paar Monaten über ihn recherchierte, noch auf seiner genannten Hompage befand. Er ist, nach meiner Erinnerung, bereits so um seine Ausbildung herum in die SPD eingetreten, offenbar in der Hoffnung auf eine Parteikarriere.

Im übrigen ist die Frage, was ein "Kritiker" wäre, den es sich lohnt, zu verschweigen. Wäre er ausgebildeter VWLer, was er nicht ist, hätte er möglicherweise Zugang zu Fachmedien. Und nachdem dort auch ein buntes Völkchen herumläuft, hätte er vielleicht auch dort Beachtung in Form von Zustimmung oder "Verriß" gefunden - allerdings stellt sich die Frage, ob er mit wirklichen Fachkenntnissen solche Ansichten vertreten würde.

Ich vermute aber - wissen tue ich es allerdings nicht -, daß er den Zugang zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung nicht gesucht, sondern eher gemieden hat, denn einer wirklich fachlichen Auseinandersetzung wäre er vermutlich nicht gewachsen gewesen. Einziger Hinweis auf eine derartige Kontaktaufnahme, die ich jetzt in der Kürze der Zeit finde, ist die zu Hans-Werner Sinn, den er mit einem seiner Artikel als Reaktion auf einen Artikel in der FAZ beglückt hat, woraufhin der ihm höflich zu verstehen gegeben hat, daß er Unsinn schriebe. http://www.cesifo-group.de/portal/pa...D=150359190405

Wissenschaftler verbringen im übrigen ihre Zeit in der Regel nicht damit, auf die Suche nach "unerkannten Talenten" zu verbringen, um sich, auf der ewigen Suche nach Fehde, mit diesen zu streiten. Jahnke wurde nicht "totgeschwiegen", er wurde gar nicht bemerkt.

Jahnke hat außerdem sein gläubiges Publikum im Lager der Globalisierungsgegner, zu denen bekanntermaßen die Linken und die Gewerkschaften gehören, und die mögen anderes ohnehin nicht hören.

Über die Denke von Herrn Jahnke und sein Niveau gibt hervorragend folgende "Diskussion" Auskunft, zweifelsohne von ihm selbst veröffentlicht, in der er mit einen nicht benannten Unternehmer "diskutiert" - ich halte sie übrigens für fingiert http://209.85.129.132/search?q=cache...t=clnk∓gl =de und in der er - welch Überraschung - seine "Überlegenheit" beweist, in dem er sich selbst ein üppiges erklärendes Schlußwort genehmigt - uralter Trick aller "Rechthaber". Ich finde, der Schuß geht eher nach hinten los.


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Gedanken zur Zeit 1420 09-08-09: Über den Zaun geblickt (Nachschlagebuch)

Globalisierung

Wenn Sie eine fundierte Diskussion über die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik bestreiten wollen, müssen Sie einen Maßstab zur Hand haben, an dem die Leistungsfähigkeit unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems gemessen werden kann. Das kann ein Zeitvergleich sein, der die Entwicklungen gegenüber früher feststellt. Allerdings haben sich so viele Rahmenbedingungen geändert, viele davon außerhalb der bequemen Reichweite deutscher Politik, daß mit Zeitphasenvergleichen relativ schwer zu argumentieren ist. Dann bleibt nur der Maßstab eines internationalen Vergleichs mit Ländern ähnlicher Entwicklungsstufe. Nur mit dem Blick über den Zaun haben Sie einen Kompaß durch den von Regierung und Medien aufgemachten Daten-Dschungel.

Die deutsche Politik und die ihr hörigen Medien meiden solche Vergleiche, weil sie sehr oft zum Nachteil der deutschen Politik ausfallen. Oder sie bringen nur solche, die wenigstens an der Oberfläche gut aussehen, oft auch noch ein bißchen manipuliert, wie die deutschen Arbeitsmarktzahlen. Dann sind wir "Weltmeister im Export", ohne die immensen Kosten dieses volkswirtschaftlichen Abendteuers zu erwähnen, wie sie sich jetzt in der Krise zeigen. Oder der Bundesarbeitsminister erklärt uns auf der Basis einer besonders stark manipulierten Statistik zu den letzten Arbeitsmarktzahlen mal wieder: „Andere Länder schauen neidisch auf unser Land. Wo es keinen gut ausgebauten Kündigungsschutz und keine aktive Arbeitsmarktpolitik gibt, ist die Arbeitslosigkeit seit Beginn der Krise dramatisch angestiegen. Zum Teil hat sie sich dort fast verdoppelt." Das klingt so, als sei die deutsche Arbeitsmarktpolitik einsame Spitze.

Das Infoportal sammelt seit mehr als vier Jahren verläßliche Vergleichsdaten und bereitet sie in möglichst leicht verständlicher Form grafisch auf. Es sortiert diejenigen aus, die besonders manipuliert werden. Nun denke ich daran, einen Schritt weiterzugehen und Ihnen ein Kompendium an die Hand zu geben, mit dem man für jede Diskussion gewappnet ist. Auch wenn man nicht diskutieren will, kann man sich wenigstens ein eigenes Bild verschaffen. Es sind Vergleichsdaten, die sonst in dieser Aktualität und grafischen Plastizität in Deutschland kaum zu finden sein werden. Ich werde die Arbeit auf mich nehmen und wieder ein so preiswertes Buch-Format wie möglich suchen (ca. 150 Seiten, 16 Euro), falls sich genug Interessenten finden.

Sollten Sie interessiert sein, so schicken Sie mir bitte mit Knopfdruck hier unverbindlich und ohne weitere Auskünfte eine Mail (nicht den Kommentar-Blog benutzen). Sollte ich mich dann bei ausreichendem Interesse entschließen, die Arbeit auf mich zu nehmen, werde ich Sie informieren, sobald das Endprodukt verfügbar ist.

Dieses Buch aus kommentierten Grafiken wird sich wegen seiner speziellen Anlage nicht mit meinen vorhandenen Büchern, vor allem meinem Standardbuch "Globalisierung: Legende und Wahrheit", überschneiden, die Sie weiter kaufen sollten. Ich denke an folgende Teile und Kapitel, bin aber bereit, auf Verbesserungsvorschläge einzugehen:

I. Gesellschaftsstruktur

Familie/Kinder/Kindergartenplätze/Fruchtbarkeitsrate

Jugendliche/Bildung

Frauen/Diskriminierung

Alte/Renten

II. Soziale Schichtung

Arbeitseinkommen/Mindestlöhne

Gesamteinkommen

Arme

Reiche

Arbeitslose

Immigranten

III. Wirtschaft

Bruttoinlandsprodukt

Nachfrage der Haushalte

Einzelhandelsumsatz

Unternehmensgewinne

Ausgaben für soziale Sicherheit

IV. Steuern

Steuer- und Abgabenquoten

Lohnsteuern

Unternehmenssteuern

V. Umwelt


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Gedanken zur Zeit 1419 07-08-09: Elfi's kritische Presseschau

Das Infoportal bringt zunächst als Test auf einer besonderen Seite "Elfi's kritische Presseschau". Es ist ein Anfang, bei dem uns die Besucher noch einige Unzulänglichkeiten vergeben mögen (Verbesserungsvorschläge werden gern angenommen).

Wir planen, diese Übersicht aufgeteilt nach Inland und Ausland etwa zweimal pro Woche zu aktualisieren. Sie versucht, solchen Medien Vorrang zu geben, die als besonders oder relativ kritisch ein Kontrastprogramm zu den Normalmedien liefern. Doch auch einige der Normalmedien fehlen nicht, wenn der Beitrag interessant genug ist.

Ich freue mich, Elfi für diesen Test und was daraus wird gewonnen zu haben.

Neue Ausgaben werden auf der Homepage angekündigt.


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Gedanken zur Zeit 1418 07-08-09: Die immer wieder gespielte Empörung des Bundesfinanzminister wird langsam unerträglich

Bundesfinanzminister Steinbrück erregt sich wieder einmal, wie so oft, wenn er Kritik an sich selbst befürchtet. Was hat er eigentlich getan, um die Millionen-Zahlungen an Vorstandsmitglieder bei den auf öffentliche Hilfen angewiesenen Landesbanken abzudrehen. Da hat z.B. die stark angeschlagene WestLB ihren Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr jeweils durchschnittlich mehr als eine Million Euro Jahresgehalt gezahlt, wie "Panorama" berichtete. Und Steinbrück? Er erregt sich darüber.

Als Bundesfinanzminister hätte er längst seine Kollegen aus den Bundesländern mit angeschlagenen Landesbanken zusammentrommeln und eine Obergrenze für Vorstandsgehälter und -Boni vereinbaren müssen. Denn wenn es wirklich bei den Landesbanken schief läuft, ist der Bund aus seiner Bestandsgarantie dran.

Dann wieder schüttelt Steinbrück erregt den Kopf, wenn die Aktionäre - und das sind vor allem verschiedene Fonds - nun gegen die verstaatlichte HRE Schadensersatzforderungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro wegen falscher Unterrichtung durch den seinerzeitigen Vorstand geltend machen, obwohl doch ohne die Verstaatlichung die Bank schlicht Pleite gewesen wäre und die Aktionäre alles verloren hätten. Doch warum hat Steinbrück in das eigens eingebrachte Verstaatlichungsgesetz eigentlich keinen Haftungsausschluß des Bundes für Ansprüche aus dem Verhalten des früheren Vorstands hineingeschrieben?

Statt Handeln nur Sprücheklopfen.


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Gedanken zur Zeit 1417 06-08-09: Ein bißchen Eigenwerbung

Mit 3.077 hat die Zahl aller Rundbriefe und Gedanken zur Zeit eine auch für mich unerwartete Höhe erreicht. Dazu kommen die 326 ausführlicheren Schwerpunkte für einzelne Problembereiche der Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Die Zahl der darin verarbeiteten Diagramme, Grafiken und Abbildungen stieg auf 3.671, viele davon immer wieder aktualisiert. Es ist ein Fundus an Daten und Analyse unserer und der globalen Situation, wie er so schnell nicht anderswo auf deutschen Webseiten zu finden sein wird. Ohne diese relativ gesicherte Daten- und Faktenbasis würden alle Ableitungen in der Luft hängen.

Das Infoportal hatte vor der Urlaubszeit im Juni eine durchschnittliche tägliche Besucherzahl von 3.300 bei etwa 6.000 Seitenaufschlägen. Das ist immerhin etwa ein Viertel von NachDenkSeiten, die als wahrscheinlich größte kritische Webseite in Deutschland mit einem viel größeren Apparat einschließlich Förderkreis bei viel weniger eigener Analyse arbeiten, da meist die Nachrichten von anderen Quellen eingespiegelt werden. Dazu kommt der Blog, der bisher in wenigen Wochen 40.000-mal aufgesucht wurde und damit einen echten Bedarf anzeigt. Allerdings scheint dieses Ergebnis des Infoportals nach viereinhalb Jahren harter Arbeit so etwa das derzeit erreichbare Besucher-Maximum zu sein. Nur Ihre Werbung im Bekannten- und Kollegenkreis, liebe Besucher, kann die Besucherfrequenz noch nach oben schieben.

Die Zahl der bestellten und zugesandten Rundbriefe liegt knapp unter 1.000. Diese Aktivität ist für mich besonders wichtig, da ich damit auch viele sogenannte Multiplikatoren aus Gewerkschaften, dem Bildungssektor und den Medien erreiche. Ein kleinerer Teil wird täglich versorgt, der andere in wöchentlichen Zusendungen eines Rundbriefes mit den Links zu allen anderen und auch den Gedanken zur Zeit. Viel mehr Empfänger kann ich nicht aufnehmen, da die Internetprovider in ihren Anti-Spam-Programmen bei der Versendung nur bis zu 100 Empfänger pro Einzelsendung mit einem Tagesmaximum bis zu 300 oder etwas mehr zulassen und mir deshalb schon jetzt viel Arbeit mit der Mehrfachversendung über mehrere Tage entsteht.

Alles nicht schlecht, aber sicher nur ein bescheidener Beitrag zur politischen Diskussion in Deutschland. Ich werde diesen werbenden Beitrag noch einmal nach Ende der Urlaubszeit auf das Internetportal setzen.


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Gedanken zur Zeit 1416 06-08-09: Guttenbergs Ersatz-Verstaatlichung der Banken

Guttenberg kämpfte (erfolglos) gegen die Verstaatlichung der HRE. Nun will er fürs nächste Mal seinen Willen haben, und das natürlich auf der Basis neoliberaler Ideologie, und zwar noch neoliberaler als in USA oder Großbritannien, wo die Verstaatlichung von Banken längst kein Tabu mehr ist.

Also soll es statt Verstaatlichung eine vorsorgliche Zwangsverwaltung von Banken, wie sie sonst nur im Insolvenzfall stattfindet, geben. Das ganze soll dann mit staatlichen Unterstützungsmaßnahmen kombiniert sein (also wie gehabt). Wo ist der Unterschied? Bei erfolgreicher Zwangsverwaltung laufen die Steuerzahlergelder am Ende direkt in die Taschen der Aktionäre, wenn die Börsenkurse wieder nach oben steigen. Bei Verstaatlichung verlieren die Aktionäre, weil der Staat zu dem gedrückten Aktienkurs aufkauft und oft später mit Gewinn für den Steuerzahler wieder privatisieren kann, indem er seine Anteile an der Börse verkauft.

Merke: Bei den Neos zählen nur die Aktionäre!


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Gedanken zur Zeit 1415 06-08-09: Schon wieder rast die BILD-Sau durchs Rentner-Dorf

Immer wieder - fast jede Woche einmal - versucht die mit der privaten Versicherungswirtschaft vertraglich liierte BILD, die Rentner von morgen von der staatlichen Rente weg in die private zu schrecken. Aus dem heutigen Kommentar unter der Überschrift „Altersarmut statt Wohlstandsbauch", bei der man den abgemagerten Rentner geradezu vor sich sieht:

„ Die gesetzliche Rente schmilzt nach zahllosen Reform-Eingriffen wie Butter in der Sonne. Und über den Rest macht sich noch die Steuer her. Selbst die viel gelobte Riester-Rente kann die Löcher nicht stopfen. Wer heute zwischen 25 und 35 ist und sich allein auf die Rente verlässt, ist verlassen. Was übrig bleibt, ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Denn auf eine Frage wissen auch all die Sonntagsredner keine Antwort: Wer, bitte schön, soll das wachsende Rentner-Heer denn finanziell aushalten, wenn die Deutschen keine Kinder mehr bekommen? Der viel gerühmte Generationenvertrag kann nur funktionieren, wenn es auch noch eine jüngere Generation gibt. Die Rente ist sicher, hieß es früher. Es fehlt der Zusatz: nur für die Jungen nicht!"

Natürlich fehlt da wieder einmal jeder Hinweis, auf die ständig steigende Produktivität, die sich die Kapitaleigner bisher weitgehend und einseitig unter die Nägel reißen und die man sehr einfach für eine staatliche Grundrente wegsteuern könnte. Das BILD'sche „Zum Leben zu wenig" macht Deutschland bewußt und bösartig zu einem Land, in dem Armut unvermeidbar ist. Es ist immer das gleiche BILD-Lied.


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Gedanken zur Zeit 1414 05-08-09: Wolfgang Münchau und FT Deutschland auf einem Auge blind

Da erscheint eine recht schlüssige Analyse in der FTD , wie China, Deutschland und Japan mit dem Tranfer ihrer riesigen Leistungsbilanzüberschüsse in den Dollarraum und von da mit hochriskanten Papieren der Schattenbanken in alle Ecken der Welt entscheidend zum weltweiten Kredit-Crash beitrugen. Sie liegt auf der Linie dessen, was das Infoportal schon seit vielen Monaten in seinen Analysen immer wieder feststellt. Doch dann springt die FT über den Hintergrund der Leistungsbilanzüberschüsse selbst hinweg und vergißt überhaupt, daß erst die immer einseitigere Einkommensverteilung den Spielraum für die spekulative Kreditflut geschaffen hat. Denn ohne die einseitige seit der Jahrtausendwende verstärkt einsetzende Einkommensverteilung um den Globus herum, und vor allem in China und Deutschland, wären die Mittel für die Spekulation gar nicht erst zusammengekommen. Nur mit dem gewaltigen Lohnverzicht der ausgebeuteten Arbeitnehmer in China und auf entsprechendem Niveau in Deutschland hätte dieser einseitige Aufbau von Exporten, Export- und Leistungsüberschüssen und auf Kredit transferierten Währungsreserven gar nicht stattfinden können.

Vor allem die Mehrheit der Chinesen und Deutschen hat patologischen Konsumverzicht leisten müssen. Bei China fiel der Anteil des privaten Konsums von 47 % der Wirtschaftsleistung im Jahr 2000 auf nur noch 36 % im vergangenen Jahr. In Deutschland fiel er auf den tiefsten Wert unter den großen Industrieländern der G7-Gruppe von etwas über 56 %. Nur dieser Konsumverzicht, dem ein Lohnverzicht vorausgegangen war, erlaubte die kreditierte Weitergabe der Konsummöglichkeiten an Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten, vor allem die USA.

Natürlich will die FT Deutschland den Schleier über diesem sozialen Hintergrund nicht lüften. Sie spricht nur von „überschüssigen Ersparnissen", als seien die vom Himmel gefallen oder seien es gar die Spargroschen der kleinen Leute von ihrem Sparbuch gewesen und nicht die ihnen abgepreßten Supereinkommen der Bestverdiener, die direkt in Fonds und Investitionsbanken gingen. In die meisten Hedgefonds kann man ohnehin nur mit größerem Vermögen investieren. Wenn die FT Deutschland meint, die Transformation der Ersparnisse, die durch die modernen Finanzinstrumente ermöglicht wurde, war der eigentliche und bislang am wenigsten beachtete Trick der Globalisierung, so beachtet sie selbst wieder einmal nicht, daß der eigentliche Trick der Globalisierung die Deckelung der Arbeitseinkommen in den alten Industrieländern ist. Schade, daß man so tut, als würde nun ein Geheimnis gelüftet, und dabei den eigentlichen Hintergrund geheim hält.


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Gedanken zur Zeit 1413 05-08-09: Noch ein vorerst letzter Schwerpunkt

In den letzten viereinhalb Jahren sind im Infoportal 326 Schwerpunkte entstanden. Anders als Rundbriefe und Gedanken zur Zeit gehen sie ausführlicher auf einzelne Problembereiche der Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt ein. Nun ist also der 326. Schwerpunkt dazugekommen. Er behandelt mit den Abstieg der Mittelschicht ein Thema, das mich seit geraumer Zeit beschäftigt, zumal ich auch in anderen Ländern, vor allem Frankreich, erhebliches Problembewußtsein festgestellt habe.

Die "Financial Times" hat schon vor fast drei Jahren einen großen Artikel unter der Schlagzeile "profits of doom - globalisation generates colossal sums, ... isn't it time the west's middle classes asked why they're footing the bill for everyone else's gains?" ("Profite des Untergangs - Globalisierung schafft enorme Vermögen .... ist es nicht Zeit, daß die Mittelschichten des Westens fragen, warum sie die Rechnung für die Gewinne aller anderen bezahlen?"). In Frankreich, das in sozialen Fragen schon wegen des Ideals der "égalité" viel sensibler als Deutschland und die angelsächsischen Länder reagiert, erschien eine Untersuchung von Prof. Chauvel unter dem Titel: "Les classes moyennes à la dérive" ("Die Mittelklassen am Scheideweg"). Und der "Figaro" griff das Thema unter der Schlagzeile "Classes moyennes: l'angoisse d'une génération" ("Mittelklassen: Ängste einer Generation") auf. Das größte Problem sieht Chauvel bei der Generation der jetzt Jugendlichen, die wesentlich schlechtere Zukunftsaussichten habe als die Elterngeneration. Bis 1975 haben sich die realen Einkommen in Frankreich mit einer Jahresrate von etwa 3,5 % erhöht, was einer Verdoppelung der Kaufkraft in 20 Jahren entsprach und damit den Optimismus in die Zukunft erhielt. Seitdem ist die jährliche Wachstumsrate auf 0,5 % gefallen, was eine Verdoppelung erst in 140 Jahren und damit jenseits des Wahrnehmungshorizonts erwarten läßt.

Es wird wohl für längere Zeit der letzte Schwerpunkt des Infoportals sein, da ich meinen Arbeitseinsatz etwas zurückfahren muß. Daneben muß ich einige Schwerpunkte wie zum Arbeitsmarkt und zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung immer wieder aktualisieren.


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Gedanken zur Zeit 1412 03-08-09: Das Infoportal ein kleines Fensterchen zur Wahrheit auf dem Arbeitsmarkt?

Heute erreichte mich folgende Zuschrift:

„Als Abonnent Ihres Newsletter möchte ich mich zunächst sehr dafür bedanken, dass Sie mit Ihrem Engagement es schaffen, die so oft auf dem Kopf stehenden Statistiken zum Arbeitsmarkt wieder auf die Füße zu stellen. Ich sage dies als Vertreter eines Bildungsträgers, der als sogen. "Dritter" sich seit nunmehr .. Jahren um die Wiedereingliederung der Menschen bemüht, die durch Arbeitslosigkeit in Not geraten sind. In dieser Zeit haben wir die ganzen Irrungen und manipulierten Wirrungen der BA hautnah mitbekommen, Stichworte wie "Arbeitsamt 2000" sind da gut in Erinnerung. In diese Zeit fiel dann der für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Statistikschwindel, welcher in der Folge auch die ARGEN entstehen lies. Heute sind wir wieder an dieser Stelle, es scheint aber geschickter in der Manipulation zu sein. Ich selbst, der sich um Aufträge auch der BA bemüht, verwende bei meiner Bewertung des Arbeitsmarktes ausschließlich Ihr Material, nur so ist es möglich, wirkungsvolle Instrumentarien zu entwickeln, die sich dann in den jeweiligen Konzepten wieder finden. Ich hoffe sehr, dass dieser Wahnsinn ein Ende findet!"

Mehr an Anerkennung konnte das Infoportal eigentlich kaum erwarten!


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Gedanken zur Zeit 1411 01-08-09: Für eine Totalwegsteuerung aller Einkünfte der Banker über 1 Million

Es wird langsam unerträglich. Die beiden größten Verlustbanken der USA, die beide die giftigen Wertpapiere gestrickt und dann international zum Schaden ganzer Volkswirtschaften gehandelt haben und jetzt am amerikanischen Staatstropf hängen, nämlich Citybank und Merril Lynch, zahlen jetzt Bonusse von je mehr als 1 Million Dollar an nicht weniger als 1.400 ihrer weltweiten Mitarbeiter. Ein Teil dieser Mitarbeiter sind wahrscheinlich dieselben, die an dem schädlichen oder besser gesagt schändlichen Spiel mitgewirkt haben, denn gegangen wurden bei beiden Banken nur die allerobersten Bosse, und das mit Riesenabfindungen, und dann ein paar unterste Etagen zur Kostensenkung.

Leider orientieren sich an diesen Millionenbonussen sofort alle anderen Banken, die etwas auf sich halten. Ackermann hat schon nach den ersten Versuchen der amerikanischen Regierung gegen solche Bonusse erklärt, nun könne die Deutsche Bank - da selbst ohne solche (inzwischen wohl aufgegebenen) Beschränkungen - nun gutes Personal beliebig einkaufen.

Die Öfentlichkeit der Steuererzahlen mag Fußball-Stars und einigen herausragenden sonstigen Sternchen ihre Millionen noch gönnen, denn die haben immerhin keinen Schaden angerichtet und werden nicht vom Steuerzahler unterhalten. Doch bei den Bankern ist das anders. Höchste Zeit für eine Vereinbarung zwischen den Regierungen aller betroffenen Länder, alle Bonus- oder Gehaltszahlungen an Banker von mehr als 1 Million Dollar oder Euro total wegzusteuern, mindestens solange die Steuerzahler die Regenschirme über dieser Branche aufspannen müssen, und auch noch unterhalb der Million eine angemessene Steuer einzuführen, um wenigstens für einen Teil des Schadens aufzukommen. Die Alternative ist, mit saftigen und ohnehin notwendigen Eigenkapitalvorschriften die Banken in die Annahme von Staatsbeteiligungen zu zwingen und dann als „Herr im Haus" für ein angemessene Gehalts- und Bonuskultur zu sorgen. Geschieht das alles nicht, weil die Regierungen ihre Banken weiter verhätscheln wollen, so wird das Vertrauen in die Demokratie nur weiter zerstört. Wie lange kann das eigentlich noch gutgehen?


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Gedanken zur Zeit 1410 01-08-09: Steinmeiers unsinnige Versprechungen für Vollbeschäftigung

Unter SPD-geführten oder beteiligten Bundesregierungen ist die Zahl der Arbeitsstunden in Deutschland trotz eines wuchernden Niedriglohnsektors um mehr als 7 % zurückgegangen, hat nur ein künstlich gegen das Gebot der Nachhaltigkeit per Niedriglohn und auf Kredit finanzierter Hyperexport den Aufwuchs der Arbeitslosigkeit zeitweise gebremst und wurde gleichzeitig die Binnenkonjunktur mit einer immer ungleicheren Einkommensentwicklung und falschen Sozialreformen auf Eis gelegt. Vollbeschäftigung hat es in diesen zwölf langen Jahren nie gegeben. Und nun kommt der gleiche Apparatschik Steinmeier, der für all dies unter Schröder Verantwortung trug und danach als Vizekanzler, her und tut so, als könnte er die Vollbeschäftigung garantieren. Das wäre nur noch zum Lachen, wenn solcher Realitätsverlust nicht so deprimierend wäre.

In seinem „Deutschland-Plan"" für den Wahlkampf verspricht er, bei einem Wahlsieg vier Millionen neue Stellen in der Wirtschaft zu schaffen und die Arbeitslosigkeit bis 2020 zu besiegen. Kein Wort dabei, wie er den Verlust weiterer Arbeitsplätze in der bisherigen Industriestruktur vermeiden will, wenn Deutschland - wie zu erwarten - nicht wieder auf das alte Exportniveau hochkommt, weil es dafür keine schuldenfreien Abnehmer mehr findet. Neben diesen real drohenden weiteren Verlusten ist Steinmeiers „Silicon Valley umweltschonender Industrieproduktion" ein Nirwana oder eine Fata Morgana gegen die bitteren Realitäten der Volkswirtschaft. Neue Arbeitsplätze müssen netto entstehen und dafür müssen erst einmal Rezepte gegen den fortschreitenden Arbeitsplatzverlust her.

Nein, lieber Steinmeier, so erlangst Du keine Wirtschaftskompetenz und wirst die Wahlen nicht gewinnen. Es ist einfach traurig, wie die SPD, die einmal mit Schiller und Schmidt sehr kompetente Wirtschafts- und Finanzminister hatte, ihre Kompetenz auf diesem Felde verloren hat.


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Gedanken zur Zeit 1409 31-07-09: Bloggen zu den Nachrichten des Infoportals

Die beiden Blogs des Infoportals sind in diesen Tagen drei Monate alt geworden und nähern sich dem Meilenstein von 50.000 Seitenaufschlägen (bei mehr als 27.000 Besuchen). Ich habe sie selbst mit 310 Postings gefüttert. Das hat dann zu bisher etwas mehr als 1.700 Beiträgen der Blogger geführt.

Die Beiträge erlauben eine lebhafte Diskussion, wie das zu erwarten ist. Viele Blogger haben sich inzwischen an einander gewöhnen können, weil es eine Kernmanschaft gibt, die sich häufiger meldet. Ich schätze sehr den pfleglichen Umgang miteinander, bei dem ich bis auf sehr wenige Beiträge alles freischalten konnte. Mir erlauben die Beiträge auf den Blogs ein besseres Verständnis des Problemdrucks und der Interessen von Besuchern des Infoportals. Ich kann auch weitere Erklärungen zu meinen Postings geben.

Eigentlich wollte ich mich heute nur einmal zwischendurch für den regen Besuch bedanken. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch für viele anerkennende Zuschriften zu meinem letzten Buch „Die zweite Grosse Depression". Ein freundlicher Zeitgenosse hat einen weiteren sehr positiven Kommentar bei Amazon untergebracht.


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Gedanken zur Zeit 1408 31-07-09: Weniger Kinder = weniger Zukunft

Sehr platt formuliert: Deutschlands Zukunft sind sein Kinder, wie in jedem Land. Doch davon gibt es in Deutschland immer weniger, viel weniger als in den meisten Vergleichsländern. Die Geburtenrate sinkt. Die No-Child-Familien oder Alleinstehenden breiten sich aus. Das Ganze wird von der Kinderlosigkeit der Frauen, die nicht mehr in die Ehe gehen und ihre Berufspläne und Unabhängigkeit vorziehen, angetrieben. Oder auch von den Männern, die ebenfalls die Ehebindung vermeiden. Weniger Ehen = mehr Kinderlosigkeit ist die einfache Formel. Das ist nun auf der Basis des letzten Mikrozensus in dem neuen Rundbrief dargestellt.

Bisher war die Familienpolitik offensichtlich machtlos gegen diese ungünstige Entwicklung, die die Bevölkerung rascher als anderswo altern läßt und eine erhebliches Rentenproblem heraufbeschwört. Vor allem Frauen mit höherer Bildung bleiben öfters kinderlos (und wahrscheinlich ehelos). Das muß nicht so sein, wie Skandinavien zeigt. Es geht hier offensichtlich sehr stark um das Rollenspiel in der Ehe, bei dem deutsche Männer verhältnismäßig große Nieten sind, um es einmal drastisch zu formulieren. Da habe ich in Norwegen beispielsweise beobachtet, daß die Mütter nie auf die Idee kommen würden, dem Mann oder dem Sohn das Frühstück vorzusetzen, was wohl in Deutschland noch weit verbreitet ist. Mann oder Sohn müssen dort selbst zugreifen.

Deutschland ist auch im Berufsleben noch immer ein Macholand, bei dem die Lohndiskriminierung der Frauen weit höher ausfällt (Abbildung hier). Wenn sich diese Grundverhältnisse nicht ändern, kann es mit der Gesamtentwicklung nur immer schlimmer werden.


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Gedanken zur Zeit 1407 30-07-09: Der Bund hat bei HypoRealEstate nur teuersten Murks gemacht

Nun wird immer deutlicher, wie schlecht der Bund mit den Banken zur Rettung der HypoRealEstate verhandelt hat. Er hat die Bücher nicht ausreichend geprüft sondern sich auf die weit untertreibenden Verlustkalkulationen der Banken verlassen. Aus dem damals von den Banken erwarteten HRE-Verlust von "im schlimmsten Fall" 15 bis 25 Mrd Euro (so damals Ackermann) sind inzwischen Hilfen des Bundes und der Bankenbranche von 102 Milliarden Euro geworden und jetzt drohen weitere Mrd-Verluste. Doch Alles über 8,5 Mrd Euro trägt der Bund allein. Und die Banken kassieren auf ihr Darlehen von 15 Mrd Euro, das sie nach Verstaatlichung der HRE praktisch dem Bund gewähren, auch noch Zinsen und verdienen damit an der HRE-Rettung.

Nun kommen auch noch die alten Aktionäre der HRE und klagen auf mindestens 200 Mrd Euro Schadensersatz. Hinter der Massenklage stehen Fonds mit tausenden Anlegern. Sie werfen dem früheren HRE-Vorstand vor, Risiken verschwiegen zu haben. Sollte die Klage Erfolg haben, müsste der Bund den Schadensersatz aus der Staatskasse bezahlen, da die HRE im Zuge ihrer Rettung weitgehend verstaatlicht wurde. Auch an diese ja zu erwartende Schadensersatzforderung hat der Bund in seinen Verhandlungen mit den Banken nicht gedacht.

Die Reaktion von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist absolut hilflos. Er habe wenig Verständnis für eine angestrebte Schadensersatzklage gegen den vor der Pleite geretteten Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Die Klage "erfreut natürlich mich als Vertreter des Bundes nicht, weil diese Bank jetzt überwiegend dem Bund gehört und eines Tages vollständig", sagte Steinbrück im Bayerischen Rundfunk. "Diese Schadensersatzklagen richten sich ja dann an die Adresse des neuen Eigentümers, sprich des Bundes." Weiter sagte Steinbrück: "Diese Kläger, weil sie selber Steuerzahler sind, richten sich dann mit ihren Forderungen, wenn man so will, etwas paradox an sich selber." Hätte die Bundesregierung Hypo Real Estate nicht maßgeblich vor der Pleite bewahrt, "dann hätten diese Aktionäre heute niemanden, den sie beklagen könnten, weil es diese Bank nicht mehr gäbe", so der Minister. Als wenn die Aktionäre jemals soviel Steuern zahlten, wie sie jetzt mit der Klage verlangen.

Da rettet der Bund mit weit über 100 Mrd Steuerzahlergeld ein marodes Institut und die Banken, die das vor einem Run der Kunden auf ihre Kassen rettet, machen wieder - wie die Deutsche Bank - fröhlich Milliarden Gewinne für ihre Aktionäre. Es ist ein total verkehrte Welt, in der kleine Steuerzahler für reiche Aktionäre aufkommen.


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Gedanken zur Zeit 1406 30-07-09: Der Unterschied zwischen willkommenen Hinweisen und dem Klau geistigen Eigentums

Beiträge aus dem Infoportal erscheinen nun immer häufiger auf anderen Webseiten. In der Regel nur mit einem kleinen Auszug und dann einem genauen Link zum Beitrag. Das finde ich gut, weil es der Verbreitung des Infoportals dient.

Nun gibt es aber Webseiten, die wollen ganze Beiträge oder sehr große Teile im Originaltext oder mit leichten Veränderungen übernehmen. Das kann ich nicht zulassen. Denn dann suchen die meisten Internetbesucher, die sich durch viele News arbeiten müssen und in der Regel wenig Zeit haben, nicht mehr über den Link (falls er überhaupt genau genug angegeben ist) auch noch das Infoportal auf, um den Beitrag ein zweites Mal zu lesen. Auch verstößt eine solche Zitierform gegen mein copy-right.

Ich betreibe die Webseite als 1-Mann-Veranstaltung mit erheblichem Kosteneinsatz - meine Zeit bei einer Ganztagsbeschäftigung gar nicht gerechnet - und habe davon keinerlei persönliche Vorteile (es gibt keine Werbeeinnahmen, keinen Spenderverein und ich strebe auch keine politische Karriere an). Es ist dann besonders unfair, wenn meine geistige Leistung von „lieben Zeitgenossen" durch Verkauf an eine Zeitung gegen mein copy-right auch noch zu Geld gemacht wird.


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Gedanken zur Zeit 1405 28-07-09: Wagenknecht kann in der Diskussion mit Sinn keine Blumentopf gewinnen, weil sie die Globalisierung nicht frontal kritisiert

Die Zeit hat eine Diskussion zwischen der Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht und dem Ökonom Hans-Werner Sinn über die richtige Antwort auf die Krise organisiert. Da keiner von beiden die neoliberale Form der Globalisierung als Ursache der ungleichen Einkommensverteilung ändern will, fällt beiden auch kein Konzept für eine überzeugende Anwort auf die Krise ein. Es ist ein Schulbeispiel, wie man mit Sinn nicht diskutieren sollte.

Hier ein Auszug, wo sich beide wenigstens dem Thema Globalisierung nähern, ohne daß jedoch einer zum Angriff darauf bläst. Von einer linken Politikerin wäre das eigentlich zu erwarten gewesen, z.B. in der Kritik am chinesischen Dumping, von Sinn natürlich nicht. Wagenknecht fällt in Sinn's Falle, indem sie den Vorteil der Globalisierung für die Armen in China und Osteuropa total zu bestreiten vesucht. Es stimmt natürlich nicht, daß - wie sie behauptet - die Löhne in China sinken, sie steigen nur nicht schnell genug. Und natürlich verfolgt auch China ein neoliberales Modell, anders als Wagenknecht meint.

Wagenknecht: Große Unternehmen in privater Hand sind heute ein Machtfaktor, das ist ein Problem. Die Agenda 2010 ist ja nicht entstanden, weil ein paar Ökonomen falsche Ratschläge gaben, sondern durch Erpressung aus der Wirtschaft. Die Konzerne haben gesagt: Löhne runter, sonst gehen wir woandershin! So wie Nokia.

Sinn: Sie gehen dahin, wo sie die höchsten Renditen erzielen. Was schlecht ist für die hiesigen Arbeiter, aber gut für diejenigen, wo sie hingehen.

Wagenknecht: Auch nicht unbedingt.

Sinn: Aber natürlich, das Kapital, das von Deutschland nach Osteuropa und China gewandert ist, hat die weltweite Ungleichheit der Löhne reduziert.

Wagenknecht: Ja, nach unten, die Löhne sinken.

Sinn: Bei uns kommen sie unter Druck, in den Schwellenländern steigen sie.

Wagenknecht: Der Lebensstandard in den Industrieländern verschlechtert sich, und in anderen Ländern ist die Subsistenzwirtschaft zerstört worden, von der viele Menschen lebten. Die Welt wurde ungleicher, die Armut ist gewachsen.

Sinn: Im Gegenteil: Der Anteil der Weltbevölkerung, der von weniger als einem Dollar am Tag leben muss, ist zwischen 1980 und 2000 von 44 auf 13 Prozent gefallen. Und dieser Rückgang der Armut ist das Ergebnis der Profitsucht der Kapitalisten, die dahin gehen, wo die Löhne am niedrigsten sind, die dort Arbeitsplätze schaffen und so das Lohnniveau in die Höhe treiben. Sie können doch nicht leugnen, dass Indien und China - und damit 40 Prozent der Weltbevölkerung! - dabei sind, über die Armutsschwelle zu kommen.

Wagenknecht: China ist ein spezieller Fall. Dort gibt es einen staatlich kontrollierten Kapitalismus, das neoliberale Modell ist das nicht.

ZEIT: Ist es ein Modell, das Ihnen sympathisch ist?

Wagenknecht: Na ja, es ist auch sehr brutal. China hat, weil es sehr arm ist, gemacht, was Sie vorschlagen, Herr Sinn: Es hat den Binnenkonsum kleingehalten, stattdessen überproportional Kapital akkumuliert und auf den Export gesetzt. Das ist eine rationale Strategie für ein armes, kaum industrialisiertes Land. Aber keine für Deutschland.

Sinn: Es ist nicht das westliche Modell, aber es war Kapitalismus, der Chinas Lebensstandard gehoben hat!


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Gedanken zur Zeit 1404 28-07-09: Hört doch endlich mit dieser irren Form von Globalisierung auf!

Fast jeden Tag treffen nun gerade in der Krise Meldungen ein, die zeigen, wie falsch die neoliberale Globalisierung läuft. So wird die Krise zur Stunde der Wahrheit. In der Bank, in der ich in London arbeitete, sagten wir immer, die Krisen spülten die Leichen nach oben (womit die faulen Kredite gemeint waren). Hier zwei Beispiele:

Erstens: Im Rundbrief von gestern finden Sie z.B. den Hinweis auf die chinesische Währungsmanipulation ausgerechnet in der Krise. Heute kommt die schlimme Meldung aus China, daß die Belegschaft eines großen Stahlwerks, das per Privatisierung gesundgeschrumpft werden sollte, den damit beauftragten Manager erschlagen hat. Die Stahlindustrie leidet weltweit unter Überproduktion, und China hat seine eigene Produktion immer weiter hochgefahren und viel auf den Weltmarkt gekippt. Nun soll wegen des Widerstands die Verkleinerung des Stahlwerks abgeblasen worden sein. Heißt das nun, daß Arbeitsplätze in anderen Ländern, auch Deutschland, verloren gehen, weil man hier nicht so brutal gegen Entlassungen vorgeht wie in China? Bekommen wir nun auch noch einen globalen Wettbewerb in Brutalität zur Rettung von Arbeitsplätzen. Es wird wirklich und endlich Zeit, bei China der Verrohung der Handelssitten durch Dumping bei Ausbeutung der chinesischen Arbeitskräfte und Währungsmanipulation einen Riegel vorzuschieben.

Zweitens: Ein anderer Rundbrief berichtete über die bei den Banken steckenbleibenden Liquiditäten. Die EZB teilt heute mit, die Darlehen an Firmen außerhalb des Finanzsektors seien um 35 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat (Jahresrate von 8,4 %) gesunken, was der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik 2003 war. Hier rächt sich immer noch die Globalisierung des Handels mit sekurisierten Schuldpapieren, wie den miesen Papieren auf der Basis amerikanischer Hypotheken. Nun kommen nach neuen Meldungen, die in einem Rundbrief von heute verarbeitet wurden, Kreditkartenausfälle auf die Banken zu aus ebenfalls sekurisierten und international gehandelten Papieren. Der deutsche Steuerzahler muß am Ende für Verluste der deutschen Banken aus miesen ausländischen Hypotheken und Kreditkarten einstehen, obwohl in diesen beiden Bereichen in Deutschland nichts Entsprechendes stattgefunden hat. Doch statt diesen internationalen Handel mit Schulden abzudrehen, verhandelt die EU-Kommission derzeit mit vielen Ländern über eine weitere Liberalisierung des Zugangs zu den Finanzmärkten, als sei nichts geschehen.


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Gedanken zur Zeit 1403 25-07-09: Aufschwungspropaganda kennt keine Grenzen mehr: China soll's richten

Der SPIEGEL-online heute:

„China boomt wieder, und Deutschlands Außenhändler schöpfen Zuversicht: Die Stimmung im wichtigen Exportsektor hat sich erneut verbessert. Auch immer mehr Volkswirte erkennen ein Ende der Konjunkturtalfahrt. Die Arbeitslosigkeit, glauben sie, könnte weniger stark steigen als bisher befürchtet."

Hat denn nur ein einziger SPIEGEL-Journalist mal nachgeschaut, welchen Anteil China am deutschen Export hat: im vergangenen Jahr gerade einmal 3,4 %. Wenn man an die steigende Arbeitslosigkeit denkt, muß man den Export nach China gegen die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung spiegeln. Das sind dann gerade 1,4 %. Doch muß man davon eigentlich die Einfuhren aus China abziehen, weil im Prinzip nur ein Exportüberschuß netto für Arbeitsplätze sorgt, soweit die Einfuhren nicht in Bereichen erfolgen, bei denen Deutschland selbst keine Produktion hat (meist hat Deutschland noch eigene Produktion, zumal China immer mehr technische Produkte liefert). Den Überschuß gibt es allerdings gar nicht. Bisher in diesem Jahr hat China 35 % mehr an Deutschland geliefert, als von Deutschland importiert. Insgesamt hat China seine Importe weltweit im ersten Halbjahr um 25 % gekürzt, seine eigenen Exporte dagegen nur um 22 % und damit zum Nachteil seiner Handelspartner einen Exportüberschuß von fast 1 Billion Dollar (923 Mrd Dollar) erzielt. Tatsächlich ist der deutsche Export nach China in den ersten fünf Monaten 2009 um 4 % gegenüber Vorjahr gefallen (Abbildung hier).

Was sollen solche Propagandameldungen, die an Unseriösität gar nicht zu überbieten sind, eigentlich erreichen?


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Gedanken zur Zeit 1402 25-07-09: Auch das ist Globalisierung: Der Virus liebt den Ferntourismus per Billigflug

Auch ein Ergebnis der Globalisierung: Immer mehr Reiseziele in fernen Ländern per Billigflug zu erreichen. Anders wäre die Schweinegrippe nicht so schnell aus Mexiko nach Europa gekommen, und nun per Ferienenden erst recht. Natürlich beruhigen die Reiseveranstalter und die mit ihnen verbundenen Reiseärzte: Anstecken könne man sich überall.

So einfach ist das also. Man hat die Reise nach Mexiko geplant und reist los, obwohl schon längst die Schweinegrippe-Meldungen aus Mexiko verbreitet sind. Büßen für solche Rücksichtslosigkeit von Reiseveranstaltern und Reisenden müssen dann auch die, die Mexiko nur von der Landkarte kennen und nie in ihrem Leben dort waren oder dort sein werden. Dann wird monatelang die Weltgesundheitsorganisation beschimpft, weil sie angeblich mit den Warnungen vor dieser Seuche übertrieben haben soll. Mexiko setzt durch, daß die ursprünglich als „mexikanische Grippe" bekannte Seuche umbenannt wird, damit der Ursprungsort und derzeit größte touristische Gefahrenpunkt verschleiert werden kann.

BILD fordert im heutigen Kommentar die Wahrheit:

„Deshalb mutet es befremdlich an, wenn Regierung und Gesundheitsbehörden die Situation schönreden. Schließlich liegen die Pandemiepläne fertig in den Schubladen. Aber das wird lieber totgeschwiegen. Jetzt ist nicht die Zeit für Gesundbeter, sondern für die Wahrheit!"

Doch das ist viel zu kurz gesprungen. Die eigentliche Frage ist, ob nicht auch in dieser Hinsicht die Globalisierung besser administriert werden muß? Wenn ein Land zum Ursprungsort von Seuchen wird, muß der Ferienreiseverkehr eingestellt werden. Die Profite der Airlines und Reiseveranstalter dürfen keine Vorfahrt oder besser keinen Vorflug haben.


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Gedanken zur Zeit 1400 25-07-09: An die Blogger vom Infoportal

Bitte beachten: Ich werde nicht mehr Beiträge freischalten, die uns unter Angabe aller möglichen Links überzeugen wollen, daß Zins und Zinseszins abzuschaffen sind oder das wir einfach ohne Banken existieren können. Ich werde auch nicht freischalten, wenn man uns überzeugen will, daß der Treibhauseffekt mit dem Menschen nichts zu tun hat. Warum diese Zensur? Weil ich mich dann jedesmal mit einer Gegendarstellung gegen so unrealistische Vorstellungen einschalten müßte, um das Infoportal von Spinnereien freizuhalten. Dafür fehlt mir beim besten Willen die Zeit, auch weil diese Zeitgenossen diese beiden Themen in quasi religiösem Eifer ewig diskutieren und "zu Tode reiten" wollen. Ich will meine Zeit für das Infoportal selbst reservieren und die Administration der beiden Blogs darf das nicht verdrängen. Ich bitte um Verständnis.

Übrigens: Mit 812 Seitenaufschlägen hat der Rundbriefe-Blog gestern einen neuen Rekord eingefahren.


Gedanken zur Zeit 1401 24-07-09: Guttenberg vor Merkel: Wie kann ein Minister, der keine Großtaten vorzuweisen hat, auf den Umfrage-Spitzenplatz kommen?

Die Deutschen sind schon ein komisches Volk. Da gibt es seit wenigen Monaten einen Bundeswirtschaftsminster, der vielleicht zackig spricht und zackig aussieht, aber weder einen qualifizierenden Hintergrund hat, noch bisher besondere Taten zum Wohle des Volkes nachweisen kann. Und ausgerechnet der soll der beliebsteste Politiker sein?

Ist es Sehnsucht nach der Monarchie bei einem adligen Namen? Ist es einfach nur das Neue, das gegen das verbrauchte Alte absticht? Hat er - anders als seine Umfragekonkurrenten - nur noch nicht genug Zeit gehabt, unbeliebt zu werden? Oder ist es gar das erzkonservative Gepräge dieses Menschen, das die Menschen in Deutschland in ihrer Verängstigung und überwiegend konservativer Denkweise anzieht? Oder sollte man solchen Umfragen grundsätzlich nicht glauben? Eines jedenfalls ist sicher: Guttenberg ist permanent von den Medien aufgebaut worden.


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Gedanken zur Zeit 1399 24-07-09: Bericht eines Lehrlingsausbilders

Normalerweise halte ich Beiträge auf den beiden Blogs des Infoportals getrennt von diesem. Allerdings hat sich heute ein Zeitgenosse gemeldet, der in einem kleineren Betrieb Lehrlinge ausbildet und dessen Bericht absolut augenöffnend ist:

„Unser Betrieb bildet im Schnitt 5 Lehrlinge pro Jahr aus. Drei Kaufleute, zwei Mechaniker. Es ist immer ein Drama, wenn wir pro Ausbildungsplatz an die 30 40 BewerberInnen haben. So, die Bewerbungen werden überflogen, die Hauptschüler, die nicht über einen hervorragenden Notenschnitt verfügen, sind als erste draussen. Dann kommt das feinere Sieb. Wer nicht rechnen kann (4 oder schlechter) fliegt raus. Wer nicht schreiben kann auch.(4 oder schlechter). Dann sind im Schnitt noch 5 übrig. Die kommen dann zum Kennenlernen ein paar Tage in den Betrieb. Mit Glück ist dann eine(r) dabei, der den Platz bekommt.

Es geht nicht darum festzustellen, was eine(r) schon kann. Es geht um Begabung, Interesse am zukünftigen Job, und es geht um soziale Kompetenz. Wir legen viel Wert auf zwischenmenschliches Auskommen. Selbstverständlich wissen wir, dass wir erzieherisch tätig sein müssen. (Was glauben Sie, was ich alles mitmache!).

Mir ist klar, dass die, die ich nicht einstelle, wo anders wohl auch kaum Chancen haben. Mir ist auch bekannt, welches Unglück dies auslöst. Was sollen wir denn machen? Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Kinder die Schule verlassen, ohne auch nur annähernd ausbildungsreif zu sein. Hier ist Ursachenforschung angesagt.

Etwas anderes: Wir haben oft Praktikanten, die uns das Arbeitsamt oder die widerliche Arge schickt. Da sieht man dann das ganze Ausmass des Dramas. Jugendliche und junge Erwachsene ohne Schulabschluss, ohne irgendeine Begabung, ohne Power, RTL2 Geschädigte. Die, wo zu Hause der Punk abgeht. Zerrüttete Familienverhältnisse, die es dem Kind unmöglich machen, sich überhaupt zu entwickeln. Immer mehr Kinder aus "Altfreakfamilien", die die Eltern nur "dicht" sehen. Interessenlosigkeit der Eltern in Sachen Erziehung, überforderte Alleinerziehende, die zwar alles richtig machen wollen, aber gesellschaftlich immer noch geächtet sind, vom Staat wegen dem bischen Geld, dass ihnen zusteht, auch noch massiv schickaniert werden. (ob da wohl ein Kerl im Bett liegt? dann wird das asoziale Hartz Geld gekürzt).

Diese Gesellschaft hat beschlossen, sich aufzulösen. Die Politik versagt in Sachen Familienpolitik, Gesellschaftspolitik total. Diese Gesellschaft ist todkrank.

Zu den 68ern: Das waren überwiegend gebildete Leute, (nicht Fischer), aus wirtschaftlich bessergestellten Verhältnissen. Das Donnerwetter der 68er war sozusagen ein Jungbrunnen für eine verkrustete und wertelose Gesellschaft. Das Donnerwetter, das uns demnächst erwartet, wird anders aussehen. Da geht es nur noch um Frustabbau. Kaputtschlagen ist dann angesagt. Aber nicht im Sinne von "Ton Steine Scherben"s: "Macht kaputt, was euch kaputt macht". Da sind wir alle dran.

Und hier gehts zum Blog, wer das diskutieren will.


Gedanken zur Zeit 1398 17-07-09: Warum ich mir Steinmeier unter 20 % wünsche

Dieser alte Apparatschik von des Sonnenkanzlers Schröders Gnaden war zunächst in der niedersächsischen Staatskanzlei als Medienreferent beschäftigt. Dann übernahm er das persönliche Büro des niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder und wurde dort Staatssekretär. Später nahm Schröder den Getreuen ohne eigenes Profil mit nach Berlin und machte ihn zunächst zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragten für die Nachrichtendienste und dann zum Chef des Bundeskanzleramtes, der zentralen Koordinationsstelle für die gesamte Regierungspolitik auf Bundesebene, wo er fortan wie die Spinne im Netz als "graue Eminenz" die Regierungsgeschäfte betreute (einen anderen Beruf hat er außerhalb seines Beamtendaseins nie ausgeübt). Seine Mittäterschaft bei den zutiefst unsozialen Reformen der SPD-Regierung sollte nie vergessen werden.

Man könnte das etwas leichter vergessen, wenn Deutschland und seine Arbeitslosen nicht heute in der Krise noch mehr unter diesen angeblichen Reformen leiden würden. Die Arbeitsmarktpolitik verkam unter Schröder/Steinmeier und seitdem den von der SPD gestellten Arbeitsministern immer mehr zu einer Bereinigungsoperation, unter der Arbeitslose statistisch versenkt wurden. Heute werden 43 % derer, die Arbeitslosengeld beziehen, trotzdem nicht als arbeitslos ausgewiesen. Inzwischen konkurrieren schon deutsche Unternehmen auf der Basis von 1-Euro-Arbeitnehmer mit solchen in China. Man kann das sehr schön auf diesem Video der ARD über die "Armutsindustrie" sehen.

Weit hat es Deutschland Dank Steinmeier u. Co. gebracht! Viel Unsozialer hätte das die CDU auch nicht einrichten können. Hierfür kann die SPD nur in der Opposition büßen, bevor sie wieder wählbar wird. Der Verrat an der eigenen Mitgliederschaft (ich habe auch mal dazu gehört) wiegt schwer.


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Gedanken zur Zeit 1397 16-07-09: Müllers Märchenstunde

Albrecht Müller mit seinen NachDenkSeiten rückt immer wieder die wirtschaftliche Welt zurecht, damit sie mit seinem Weltbild übereinstimmt, in dem es die Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung seit den 80er Jahren und verstärkt seit dem Ende des kommunistischen Gegenmodells nicht gibt und bei einer richtigen deutschen Wirtschaftspolitik Wachstum für Deutschland kein Problem sein soll. Seine Welt ist in der Tat in den 70er Jahren stehen geblieben, als er noch selbst im Bundeskanzleramt arbeitete.

Nun legt er sich in einem Beitrag ausgerechnet mit Karl Georg Zinn, einem der wenigen linken Wirtschaftsprofessoren in Deutschland, an. Der hatte gewagt, in Le Monde Diplomatique zu behaupten, in den siebziger Jahren habe ein Bruch, eine Art Zeitenwende, stattgefunden und sei das hohe Wachstum zu Ende gewesen und seitdem könnten Konjunkturprogramme nicht mehr die Vollbeschäftigung zurückholen. Müllers Überschrift ist schon Programm: "Über einige Mythen und Denkfehler im fortschrittlichen Lager - Heute: Wachstum und Sättigung (links gestrickte Mythen I)".

Mein heutiger Rundbrief unterstützt mit Datenmaterial Zinns Ansichten. Was mich immer wieder an Müller fasziniert, ist die Leichtigkeit, mit der er die seit den 70er Jahren enorm fortgeschritte und nun praktisch in einer zweiten Welle ablaufende Globalisierung aus seinem Gedankengebäude ausklammert. Da haben auch zusätzliche 1,5 Milliarden Niedrigstlöhner in der Welt, die über Exportstrategien weltweit zugreifen, keinerlei Bedeutung. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Schade um NachDenkSeiten und alle, die auf solche Sprüche hereinfallen und nur bitter enttäuscht werden können. So jedenfalls kann man in Deutschland keine Überzeugungsarbeit leisten.


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Gedanken zur Zeit 1396 15-07-09:

Hier ein schönes Gysi-Video zu HypoRealEstate und anderen Bankenskandalen

Wer mal in treffenden Gysi-Worten hinter die Kulissen des Versagens der deutschen Bankenaufsicht und des Bundesfinanzministeriums blicken will, sollte sich dieses Video mit der Gysi-Rede zur Begründung eines Untersuchungsausschusses zur HypoRealEstate ansehen. Sehr zu empfehlen. Man beachte auch das erschreckend geringe Präsenzinteresse der Regierungsparteien im Plenarsaal des Deutschen Bundestages.




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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Die zweite Grosse Depression" - ist im April 2009 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-257-4). Zur Bestellung hier.