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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(926) Die Financial Times Deutschland und die Neidkultur

(925) Unterinvestition in Deutschland und Schönfärben am Arbeitsmarkt

(924) 1. Quartal 08: Abmarsch in die Rezession?

(923) Der Europatest diesmal doch nicht im ZDF

(922) Fast die Hälfte des Wachstums im 1. Quartal beruhte auf Vorratsänderungen oder Lageraufbau

(921) Infoportal-Abbildung Europatest beim ZDF in „Neues aus der Anstalt"

(920) Aktualisierte Abbildungen für „Globalisierung: Legende und Wahrheit"

(919) Die BILD-Reaktion auf das Programm der LINKS-Partei zeigt die verzweifelte Gegenstrategie

(918) Die Entwertung unserer Arbeit und wie sie aufzuhalten ist

(917) Ein armer Bericht: Die Bundesregierung verschweigt die soziale Entwicklung der jüngsten Jahre

(916) Die zwei schlimmsten von 2500 Schaubildern

(915) BILD: Köhlers Wiederwahl und das Ende der Großen Koalition

(914) Nochmal: Sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen lassen

(913) Scholz, ZEIT und STERN reden die Armut klein: Das haben die Armen nicht verdient

(912) BILD macht Wahlkampf für Köhler

(911) Die Welthandelsorganisation, die neoliberale Globalisierung und der Hunger der Welt

(911) Die Welthandelsorganisation, die neoliberale Globalisierung und der Hunger der Welt

(910) Hat sich Köhler um seine Wiederwahl wirklich verdient gemacht?

(909) Wer ist Extremist?

(908) Bundeswirtschaftsministerium zur Doha-Runde: Die neoliberalen Teufelsschüler sind wieder am Werk

(907) Die Schönfärber sind wieder unterwegs

(906) Nichts Positives zu berichten?

(905) Sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen lassen

(904) Nochmal: Bundesminister Scholz versteht die Armutsschwelle nicht

(903) Warum der Exporterfolg uns mehrheitlich zu Verlierern der Globalisierung macht

(902) Deutschland - Das Schattenland

(901) Alle Wege nach Moskau: Die Angst der BILD-Zeitung vor einer Köhler-Alternative




Jahnke im Visier des Blogs der Rheinischen Post: Politische Diskussion in Deutschland - Wenn Fakten nicht mehr zählen

Die "Neoliberalen", "Neokonservativen", "Marktradikalen" oder wie immer man sie nennen möchte, haben sich ihr Traumgebäude an Propaganda aufgebaut, das weit von allen sozialen und wirtschaftlichen Fakten entfernt ist. Da ist z.B. Deutschland ein Hochsteuerland und müssen die Steuern weiter gesenkt werden (natürlich um so den Staat mit seiner unerwünschten sozialen Funktion zurückzudrängen). Da ist Deutschland ein Hochlohnland, dessen Löhne weiter gesenkt werden müssen. Da führen Mindestlöhne zu Millionen Arbeitslosen. Da werden alle Deutschen zu Gewinnern der Globalisierung, nur weil Deutschland Exportweltmeister ist, ohne einen Gedanken auf die sozialen Kosten zu verschwenden. Alles falsch und unbelegt, aber immer wieder verbreitet und in viele unwissende Köpfe eingetrichtert.

Und dann melden sich einige wenige mit den richtigen Zahlen und werden sofort zum Ärgernis. Da man die Zahlen nicht angreifen kann, wird der Mann oder die Frau gespielt statt der Ball.

Mir ist das nun auch mit meiner Faktendarstellung aus amtlichen Datenbanken in der Frankfurter Rundschau unter dem Titel "Diese Zahlen klagen an" passiert. Da findet sich nun in der Rheinischen Post ein Artikel unter dem Pseudonym Leaser und der Überschrift "Trau keinem Experten über 60!"; dieser Leaser schreibt sehr oft im Blog der Rheinischen Post. Der legt dann gleich richtig gegen die Frankfurter Rundschau los, als müßte die nun verboten werden, weil sie wagte, meine Darstellung zu bringen: "Dass sich die Frankfurter Rundschau für ein solch zweifelhaftes journalistisches Manöver hergab, halte ich für mehr als verwegen. Ich wage mal die These: In keinem anderen überregionalen Blatt, hätte er dafür Platz eingeräumt bekommen." Also weg damit!

Und weiter: "Wenn man aber alle entscheidenden Argumente der Gegenpartei weder diskutiert noch überhaupt anführt, ist das schlimmer als blamabel. Es drückt vorsätzliche Einseitigkeit aus. Ist er im gleichen Stil auch in seinen Büchern vorgegangen, würde ich die mit Vorsicht genießen. Natürlich wirkt alles verführerisch spektakulär. Klar ist, dass sich mit der Präsentation von Mindermeinungen mehr Geld verdienen lässt. Sie dürfen dann aber nicht auf Effekthascherei aus sein, sondern sollten sattelfeste Argumentationsketten anbieten. Er könnte zumindest erklären, warum er gewichtige Argumente der Gegenseite einfach unter den Teppich kehrt. Und einfach nur auf den schmückenden Titel Ministerialdirigent im Bundeswirtschaftsministerium zu setzen, ist mir zu wenig."

Nun ist dieser Schreiberling in der Rheinischen Post selbst schon über 60, so daß man seiner Überschrift folgend, den Artikel zur Seite legen könnte. Doch ist er so herrlich typisch für die Art, in der Neokonservative mit unbequemen Gegnern umgehen, daß ich doch weiter darauf eingehen möchte. Was wirft er mir eigentlich vor? "Die Auswahl der Kriterien, nach denen er die von ihm aufgestellte Behauptung belegen will, ist wie er selber freimütig einräumt, ausschließlich pro domo ausgesucht, also für die Position des Autors. Der Autor versucht, den kritischen Leser nicht zu überzeugen sondern zu überreden." Dabei habe ich die Kriterien so gewählt, daß sie die meisten Menschen in Deutschland betreffen. Das "pro domo" ist eine Unterstellung. Und ob ich überzeuge oder nur überrede, kann schließlich nicht Leaser entscheiden, sondern nur jeder Leser für sich.

Der nächste Vorwurf: "So vernachlässigt Jahnke konsequent die Auseinandersetzung mit klassischen Konstanten traditioneller Wirtschaftspolitik um die Situation unseres Landes zu beschreiben." Nichts wird vernachläßigt, im Gegenteil werden die sogenannten klassischen Konstanten traditioneller Wirtschaftspolitik" angeklagt, indem sie mit den Realitäten konfrontiert werden.

Der Rest nach dieser Polemik geht an meiner Analyse total vorbei. Angeblich soll Deutschland auch bei Anlegen meiner eigenen Maßstäbe auf einem mittleren Platz landen. Genau das kann man aber meiner Analyse nun wirklich nicht entnehmen.

Dann wird mir vorgeworfen ich hätte nicht auf die üblicherweise herangezogenen Kriterien für die Analyse der wirtschaftlichen Situation zurückgegriffen. Dann nämlich zeige uns schon der Vergleich des magischen Vierecks zwischen den aufgeführten Staaten, dass die deutsche Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre so schlecht nicht gewesen sein kann. Dort rangiere Deutschland durchgängig auf einer mittleren (Preisniveaustabilität, Beschäftigungsstand) bis guten Position (außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Wirtschaftswachstum). Die Spitzenposition im Export habe ich notiert (sie ist im übrigen weit von einem Gleichgewicht enfernt). Die Langzeitarbeitslosigkeit ist die höchste im Vergleichsfeld. Die Wirtschaftsentwicklung seit 2000 ist die drittschlechteste, nur von Italien und Portugal unterboten. Die Inflationsrate ist etwas niedriger als in einigen anderen Vergleichsländern, aber das liegt an der besonders schlechten Entwicklung der Arbeitseinkommen.

Dann kommen noch weitere unbegründete Vorwürfe. "Nimmt man aber noch weitere Aspekte als die klassischen 4 hinzu, um zu einer tragfähigen Analyse zu gelangen, erhellt sich das Bild deutlich: Folgende Aspekte schlagen relativ positiv zu Buche: niedrige Verschuldung, Zurückführung der Nettokreditaufnahme, und ein im Vergleich nicht schlechtes Hartz IV, das allerdings verbesserungswürdig ist. Relativierende Faktoren wie die Belastung durch die Wiedervereinigung haben nur wir, die Deutschen, zu tragen. Sie berühren unter anderem das Rentensystem und den Soli. Und haben demnächst ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht." Die deutsche Verschuldung gehört zu den höchsten. Sich auf HartzIV zu berufen, ist schon sehr mutig. Die Wiedervereinigung liegt viel zu lange zurück, um als Entschuldigung zu dienen.

Und nach diesen unbegründeten Einwürfen wendet sich der Schreiberling in der Rheinischen Post wieder der Polemik zu: "Ich weiß nicht, welches Land Herr Jahnke bei seiner Bilanz beschrieben hat, unseres nicht. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er gezielt die wirtschaftliche Entwicklung des vorigen, dieses und des nächsten Jahres einfach ausgeblendet hat. Und, Hand aufs Herz! Wenn viele so dächten wie er, müsste es von Streiks und Proteststürmen zu Hartz IV nur so wimmeln. Und die Schlange der Auswanderer läge längst bei 1.000.000. .. Und wer gar die Entwicklung von Arbeitslosigkeit mit Langzeitarbeitslosigkeit in einen Topf wirft, der hat einfach nicht genug recherchiert und ist zu einer differenzierten Analyse nicht fähig. Sind das die erfreulichen Beispiele für erfolgreiche Leute in einem Ministerium? Ich hoffe nicht! Sonst Gnade uns Gott. Wenn solche Analysen Grundlagen für ministerielle Entscheidungen geworden sind. Aber sie wären längst von der akademischen Welt in der Luft zerrissen worden. So eklatant sind die unzureichenden weil einseitigen Trugschlüsse." Meine Analyse schließt das letzte Jahr bei allen verfügbaren Daten durchaus ein, und für das laufende sind bisher kaum internationale Vergleichsdaten verfügbar. Natürlich gefällt dem Schreiberling nicht, daß ich die Langzeitarbeitslosigkeit, die schlimmste in der Alt-EU in diesen Topf werfe. Aber seit wann eigentlich ist die Langzeitarbeitslosigkeit nicht das eigentliche Problem des Arbeitsmarktes? Ein Mensch wie Leaser kennt offensichtlich Langzeitarbeitslosigkeit nicht. Vor solchen neokonservativen Menschen Gnade uns Gott!


Gedanken zur Zeit 926 28-05-08: Die Financial Times Deutschland und die Neidkultur

Aus dem heutigen Kommentar von Wolfgang Münchau in der Financial Times Deutschland: „..komme ich trotzdem nicht um die Erkenntnis herum, dass Rot-Rot-Grün eine logische Konsequenz des in Deutschland tief verwurzelten Antikapitalismus ist. Unser eigentliches Problem ist es, dass wir nach 60 Jahren Marktwirtschaft immer noch von einer antikapitalistischen Neidkultur geprägt sind. Wir beschweren uns über Managergehälter, die im Allgemeinen niedriger sind als im Ausland, und wettern gegen Hedge-Fonds und Steueroasen. Im Grunde träumt ein großer Teil des Landes immer von einer gut gemanagten Planwirtschaft. Dass sich eine derartige Geisteshaltung irgendwann einmal in der Politik niederschlägt, sollte nicht überraschen. Denn die Fragmentierung des Parteiensystems ist eine Art Marktmechanismus. Früher konnte man nur drei Parteien der Mitte wählen. Heute ist die Wahl größer. Für den Antikapitalismus gibt es jetzt eine wählbare Plattform - und die heißt Rot-Rot-Grün. Und Rot-Rot-Grün wird in Deutschland in spätestens zwei oder drei Jahren regieren. Darauf sollte man sich gefasst machen."

Ein solcher Satz von der Neidkultur als Deutschland prägend könnte in keiner Zeitung in Frankreich, Großbritannien oder USA stehen. Überall ist eine Mehrheit der befragten Menschen der Meinung, daß der Graben zwischen Reich und Arm zu groß geworden ist (siehe Abbildung), aber nirgendwo wird das mit dem Vorwurf des Neides abgetan. Überall hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß diese Entwicklung nicht gut ist. Nur in Deutschland geistert der Neidvorwurf durch die soziale Diskussion.

Nicht der Neid ist anzuprangern, sondern der Neidvorwurf, ein beliebtes Argument der Besser- und Bestverdiener in Deutschland. So hat Linde-Chef Reitzle, mit über sieben Millionen Euro pro Jahr einer der bestbezahlten Manger in Deutschland, auf die Frage, ob wir ein Volk von Neidhammeln seien, geantwortet: "Manchmal ja, leider. Ich habe den Eindruck, dass viele bei uns nach dem Motto leben: Wenn es mir nicht gut geht, dann darf es dem Nachbarn nicht besser gehen." Das ist der bequemste Weg, mit dem der soziale Skandal, der in Deutschland besonders ausgeprägt ist, verteidigt wird. Financial Times Deutschland sitzt natürlich in diesem Boot. In der Mutterzeitung Financial Times würde Münchau nie einen solchen Artikel an die Adresse der Briten schreiben.

Vielleicht erinnern sich die Menschen in Deutschland nur an die allseits bewunderte und erfolgreiche soziale Marktwirtschaft, die wir mal hatten? Und nirgendwo in vergleichbaren Ländern ist die Lohnentwicklung seit vielen Jahren so schlecht wie in Deutschland!


Gedanken zur Zeit 925 01-05-08: Unterinvestition in Deutschland und Schönfärben am Arbeitsmarkt

Zieht man von den Bruttoanlageinvestitionen im 1. Quartal 2008 den Vorratsaufbau und den Anstieg der Abschreibungen ab, so machte das so sehr gepriesene Plus bei den Bruttoanlageinvestitionen gerade einmal 0,2 % der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung aus. Die deutschen Unternehmen haben den Anteil der Netto-Investitionen am in der Volkswirtschaft verfügbaren Einkommen drastisch von etwa 5,5 % im 1. Quartal 2000 auf nur noch 3,5 % im 1. Quartal 2008 abgesenkt (siehe Abbildung, wo diese Entwicklung in gleitenden 4-Quartalsschritten gezeigt wird). Die Folgen am deutschen Arbeitsmarkt werden durch Schönfärben in Serientäterschaft wettgemacht.

Für mehr siehe neuen Rundbrief und neuen Schwerpunkt zum 1. Quartal.


Gedanken zur Zeit 924 27-05-08: 1. Quartal 08: Abmarsch in die Rezession?

Es war ein Stück harter Arbeit. Aber nun ist meine Analyse der heute bekannt gegebenen Detailergebnisse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung fertig. Nach der künstlichen Aufhübschung der Ergebnisse riecht es für das 2. Quartal, in dem wir uns ja schon befinden, umso mehr nach Rezession.

Der Bundeswirtschaftsminister muß den Berufsoptimisten spielen. In seiner heutigen Presseerklärung zu den Detailergebnissen des ersten Quartals 2008 heißt es: „Nach einer schwächeren Entwicklung zum Jahresende 2007 hat das Wachstum in den ersten Monaten dieses Jahres erfreulicherweise wieder deutlich Fahrt aufgenommen. Die sich festigende Binnenkonjunktur wirkt den gestiegenen Unsicherheiten im internationalen Umfeld entgegen und stärkt so die Wachstumsperspektiven."

Tatsächlich sieht das 1. Quartal, verglichen selbst mit dem schwachen 1. Quartal 2007, das unter der Ende 2006 vorgenommenen MWSt-Erhöhung litt, gar nicht so gut aus. Entgegen allen Beschwörungen hat der private Konsum zum Wachstum sehr wenig beigetragen. Wie sollte er auch, wenn das Nettoeinkommen pro Arbeitnehmer verbraucherpreisbereinigt weiter gefallen ist?

Die volle Analyse mit vielen Schaubildern finden Sie im neuen Schwerpunkt.


Gedanken zur Zeit 923 27-05-08: Der Europatest diesmal doch nicht im ZDF

Eben erreichte mich folgende Mitteilung des ZDF: „so wie es aussieht, wird heute Abend Ihre Grafik nun leider doch nicht eingesetzt. Wir waren gestern in der Generalprobe viel zu lange und müssen entsprechend kürzen. Dennoch möchten wir uns vorbehalten, auf Ihre Grafik zurückzukommen. Georg Schramm hat vor, sie zu einem späteren Zeitpunkt einzusetzen und ausführlicher zu besprechen, als es für diese Sendung geplant war. Wenn wir das Thema noch einmal planen, setzen wir uns mit Ihnen wieder in Verbindung."

Hat da jemand quergeschaltet, oder ist es wirklich nur Zeitmangel?

Für mehr dazu siehe Kapitel .. meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 922 27-05-08: Fast die Hälfte des Wachstums im 1. Quartal beruhte auf Vorratsänderungen oder Lageraufbau

Nun lichtet sich mit den Detailergebnissen das Dunkel über dem angeblich so phänomenalen 1. Quartal 2008. Selbst verglichen mit dem schwachen Vorjahresquartal, das unter der Ende 2006 vorgenommenen MWSt-Erhöhung litt, sieht es gar nicht so gut aus. Entgegen allen Beschwörungen hat der private Konsum zum Wachstum so gut wie gar nicht beigetragen. Wie sollte er auch, wenn das Nettoeinkommen pro Arbeitnehmer verbraucherpreisbereinigt weiter gefallen ist?

Der wesentliche Wachstumsbeitrag verglichen zum 4. Quartal 2007 kam, wie sich jetzt herausstellt, aus dem Vorratsaufbau bei den Investitionen, was eigentlich kein gutes Zeichen ist, zumal die Vorräte immer wieder abgebaut werden (siehe Abbildung). Mit 0,7 % entfiel fast die Hälfte des Gesamtzuwachses von 1,5 % allein auf diesen Faktor. Außerdem muß in Erinnerung gerufen werden, daß die Ergebnisse des 1. Quartals durch die trotz milden Winters vorgenommene normale Saisonbereinigung stark verschönert wurden.

Für mehr siehe den heutigen Rundbrief.


Gedanken zur Zeit 921 26-05-08: Infoportal-Abbildung Europatest beim ZDF in „Neues aus der Anstalt"

Das ZDF hat mich gebeten, die Abbildung Europatest (hier), die auch in meinem Artikel in der Frankfurter Rundschau gezeigt wurde, im Rahmen der satirischen Monatssendung am morgigen Dienstag um 22.15 Uhr einsetzen zu können. Ich bin gespannt, wie das laufen wird. Falls Sie sich auch dafür interessieren, ist hier das ZDF-Programm.


Gedanken zur Zeit 920 26-05-08: Aktualisierte Abbildungen für „Globalisierung: Legende und Wahrheit"

Wie versprochen werde ich etwa vierteljährlich die wichtigsten Abbildungen aus meinem letzten Buch aktualisieren. Dies wird in einem Format geschehen, das dem im Buch entspricht und damit ins Buch gelegt werden kann. Die nächste Aktualisierung wird nach der morgigen Veröffentlichung der Einzelangaben zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung passieren.

Die Aktualisierung wird auf einer besonderen Webseite abrufbar sein, die nach Registrierung durch Interessenten, die das Buch besitzen, erreichbar ist. Sie können sich hier registrieren. Wenn Sie registriert sind, werden Sie per Email von den Aktualisierungen benachrichtigt. So bleibt Ihr Buch für lange Zeit brandaktuell.

Vielen Dank!

P.S.: Bei Problemen bitte hier melden: globalnote@talktalk.net


Gedanken zur Zeit 919 26-05-08: Die BILD-Reaktion auf das Programm der LINKS-Partei zeigt die verzweifelte Gegenstrategie

Eigentlich kann es nicht überraschen. Wenn immer Vorschläge auf den Tisch kommen, die Deutschland wenige Zentimeter zur sozialen Marktwirtschaft zurückführen könnten, kommen im Gegenzug die Angstparolen vom Untergang Deutschlands. Hier ein schönes Beispiel mit der BILD-Reaktion auf das Programm der LINKS-Partei und die Lafontaine-Rede bei deren Parteitag:

„Höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten, bessere Schulen, üppigere Renten - wer könnte dagegen sein? Aber im Himmel ist kein Jahrmarkt, auch wenn die Linkspartei den Menschen das Paradies auf Erden verspricht. Folge: Noch höhere Steuern für alle, die fleißig arbeiten, ordentlich verdienen und sparen. Diese Lafontaine-Republik würde deutsche Unternehmen vertreiben und ausländische Investoren abschrecken. Folge: Die Arbeitslosigkeit steigt. Dieser Lafontaine-Republik würden junge Wissenschaftler scharenweise den Rücken kehren, ebenso hoch qualifizierte Spezialisten. Folge: Wissen und Können wandern aus. In dieser Lafontaine-Republik gäbe es weniger Wachstum; der zu verteilende Kuchen würde schrumpfen. Selbst wenn die Armen dann fast gleich große Kuchenstücke bekämen wie die Reichen, wären es kleinere als heute. Das große Versprechen der Linkspartei heißt mehr Gleichheit - Gleichheit unter Armen."

Der BILD-Kommentator Hugo Müller-Vogg ist zwar studierter Volkswirt und Politologe, scheint sich aber auf Politologie mehr zu konzentrieren als auf die Volkswirtschaft, von der er offensichtlich wenig versteht. Nichts fürchten solche Menschen mit ihrem neoliberalen Gemüt mehr als mehr soziale Gleichheit. Das wird dann sofort die „Gleichheit unter Armen" oder eine Art DDR-Wirtschaft. Dabei war Deutschland für die große Mehrheit seiner Menschen ein weit wohlhabenderes und glücklicheres Land als es noch die soziale Marktwirtschaft und etwas mehr Gleichheit gab. Viele junge Wissenschaftler und andere wandern gerade deshalb heute aus, weil sie Deutschland unter seinen derzeitigen wirtschaftspolitischen Bedingungen als ein Land mit schrumpfendem Kuchen sehen. An die von Hugo Müller-Vogg gefürchtete Lafontaine-Republik denkt da niemand. Ob BILD wirklich glaubt, mit so überzogenen Angstparolen den Aufstieg der LINKS-Partei verhindern zu können? Alle Umfragen zeigen, daß die erdrückende Mehrheit der Deutschen (nach der letzten Harris Poll Umfrage 87 %) den Graben zwischen Arm und Reich in Deutschland als zu groß beurteilen. Gegen diese Ansicht wird BILD mit seinen Angstparolen wenig ausrichten.


Gedanken zur Zeit 918 25-05-08: Die Entwertung unserer Arbeit und wie sie aufzuhalten ist

Wenn immer weniger Menschen mit dem realen Geldergebnis ihrer Arbeit am Aufschwung teilnehmen und sich als Verlierer fühlen müssen, so beginnen sie nach den Gründen zu suchen. Sie lassen sich nicht mehr damit trösten, daß es sich nur um augenblickliche Probleme der deutschen oder der Weltwirtschaft handele, die schon auf gutem Wege einer Lösung seien.

Weiter im neuesten Eintrag ins Wochenbuch.


Gedanken zur Zeit 917 25-05-08: Ein armer Bericht: Die Bundesregierung verschweigt die soziale Entwicklung der jüngsten Jahre

Nun habe ich mich durch den Entwurf des 3. Armuts- und Reichtumsberichts mit seinen 413 Seiten gequält. Er ist mehr als ein Jahr überfällig und immer noch nicht amtlich. Was mir als sein größter und sicher absichtlicher Fehler auffällt: Viele wichtige Sozialdaten bleiben 2005 stehen, einige sogar noch früher, z.B. 2002. So stehen die Armutsdaten bei 2005, ebenso die Einkommensverteilung und die Vorstandsbezüge. Die Vermögensverteilung steht sogar bei 2002.

Das ist doppelt ärgerlich, weil sich die soziale Schere immer weiter öffnet und so veraltete Daten die Dynamik der Entwicklung gar nicht wiedergeben können. Neuere Daten sind aber vorhanden. So bringt Eurostat die Dezilverteilung der Einkommen bis 2006, der Armutsdaten ebenfalls. Wenn die Bundesregierung neuere Daten nicht aufgreift, obwohl sie sie längst an Eurostat weitergegeben hat, muß man leider vermuten, daß dies bewußt geschieht, um das Ausmaß der unsozialen Entwicklung zu verschleiern. So spiegelt uns der Bericht vor, die Einkommensverteilung nach dem Verhältnis des obersten Fünftels zum untersten hätte sich zwischen 2003 und 2005 nicht verschoben, aber nach Eurostat stieg die Ungleichheit nach diesem international übliche Maßstab zwischen 2005 und 2006 um nicht weniger als 7,9 % (siehe Abbildung). Warum wird das verschwiegen? In der deutschen Presse kann man längst die immer rasantere Entwicklung der Vorstandsbezüge der 30 Dax-Gesellschaften bis 2007 lesen, warum bleibt der Bericht zwei Jahre vorher stehen (siehe Abbildung)?


Gedanken zur Zeit 916 24-05-08: Die zwei schlimmsten von 2500 Schaubildern

Über drei Jahre sind rund 2500 Schaubilder zusammengekommen. Am schlimmsten ist für mich das, das das Auseinanderklaffen von Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen einerseits und aus Arbeitseinkommen und Renten andererseits seit dem Jahr 2000 beschreibt. Sie können es hier aufschlagen. Über die 7 Jahre bis 2007 sind erstere real um 42 % gestiegen, die beiden anderen dagegen um 4 % und 6 % gefallen. Zieht man bei den Arbeitseinkommen die bessere Entwicklung der obersten 10 %, so sanken sie sogar um 6,4 %. Hier spaltet sich die Nation zwischen denen, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind, und den besser Betuchten, die vorrangig von Unternehmertätigkeit und Vermögen leben, wobei auch Arbeitnehmer - wenn auch in weit geringerem Umfang - Vermögseinkommen haben, Arbeiter allerdings so gut wie gar nicht; auch haben viele Arbeitnehmer durch Schulden negative Vermögenseinkommen.

Fast eben so schlimm ist der Vergleich der Entwicklung deutscher Löhne und Gehälter mit denen in der übrigen Alt-EU. Auch hier geht eine deutsche Schere nach unten auf, siehe hier.

Kann man den sich besonders in Deutschland öffnenden sozialen Graben besser beschreiben?

Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 915 24-05-08: BILD: Köhlers Wiederwahl und das Ende der Großen Koalition

Für Deutschlands größtes Massenblatt, das sein Gift nach dem Motto "Steter Tropfen hölt den Stein" verspritzt, wird es nun immer dramatischer. Da wird auf den gestrigen Pro-Köhler-Kommentar gleich noch einmal draufgesetzt. Sollte Köhler die Wiederwahl nicht schaffen, so wäre die LINKS-Partei schuld. Für diesen Fall präsentiert BILD im heutigen Kommentar den von dem Blatt selbst als „kühn" eingestuften Gedanken einer Vertrauensfrage der Kanzlerin und Neuwahlen.

Aber auch aus der Politik kommen nun schrille Schreie. Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Ingo Friedrich droht schon - natürlich in BILD - mit einem Bruch der Großen Koalition: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht." CSU-Rechtsexperte Norbert Geis: "Wenn die SPD Gesine Schwan nominiert, wäre das ein Bruch in der Koalition. Ich weiß nicht, ob man diese Regierung dann noch über ein Jahr durchschleppen sollte." Und natürlich muß sich da wieder unterstützend der unselige Wolfgang Clement melden, und das natürlich in der BILD-Schwester „Welt am Sonntag". Überlegungen in der SPD für eine Wahl Schwans wertet er als ein "politisches Signal" für "ein rot-rot-grünes Bündnis auf der Bundesebene".

Hat schon jemand dieser Köhler-Fans darüber nachgedacht, wie hier mit Drohungen die demokratische Wahl eines Bundespräsidenten in den Dreck gezogen wird?

Gedanken zur Zeit 914 24-05-08: Nochmal: Sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen lassen

Vor drei Tagen hatte ich den Leitspruch meines letzten Buches, der von Theodor W. Adorno stammt, in Erinnerung gebracht: „Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen" (Minima Moralia). Heute fand ich auf einer anderen Webseite folgenden Spruch von Karl Weihofer, der von 1980 bis 1987 Hinterbänkler der SPD war: „Die Menschen sind grob in drei Kategorien zu unterteilen: Die Wenigen, die dafür sorgen, daß etwas geschieht..., die Vielen, die zuschauen, wie etwas geschieht..., und die überwältigende Mehrheit, die keine Ahnung hat, was überhaupt geschieht." Diese überwältigende Mehrheit muß mit Gegeninformation reduziert werden, damit sie sich weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht dumm machen läßt.

Sicher ist das keine leichte Aufgabe für alle die, die Deutschland nicht weiter in die falsche Richtung treiben lassen wollen. Dazu braucht es die akribischen Prüfer falscher Aussagen, die Aufbereiter verständlicher Gegeninformation und die Wahrheitsfanatiker mit sozialem Engagement. Es braucht aber auch die Multiplikatoren, die für eine möglichst breite Streuung sorgen. Jeder von uns kann leicht Multiplikator sein. So nehme ich für mich in Anspruch, nicht nur Information zu generieren, sondern auch zu multiziplieren, und zwar über die Webseite, durch die direkt versandten Rundbriefe und durch mein letztes Buch, von dem bis heute leider erst 611 Exemplar kursieren und hoffentlich bald noch mehr, weil es auf jede politische Diskussion in Deutschland vorbereiten kann.

Heute erreichte mich folgende Nachricht: „Dem Leser, der erlebt, wie wenig er bewegen kann, möchte ich meinen Weg vorschlagen. Wenn jeder Leser Ihrer Seiten diese Information nutzen würde und selbst auf lokaler Ebene in Leserbriefen oder in Online-Foren den Mainstream-Gedanken die Fakten entgegensetzen würde, dann wäre das schon eine große Potenzierung Ihrer Seite. Die Gehirnwäsche funktioniert ja nur, weil es kaum Gegeninformationen gibt, mit denen die Widersprüche sichtbar werden. Oder wo Erklärungen geliefert werden, die nicht stimmen, aber durch die ständige und unwidersprochene Wiederholung Faktizität erlangen. Dieser Weg hätte auch den Vorteil, das alle Leser die Informationen auf die lokalen oder Alltagsprobleme herunterbrechen müssen, wo sie die Menschen erleben. Zum Beispiel wird in unserer Kreisstadt über den geschäftsgefährden Umsatz in der Altstadt geklagt. Das ist ein Problem aller Städte, die Lösung liegt aber nicht in mehr Parkplätzen, wie die Geschäftsleute fordern, sondern hier kann man auf die Verringerung der Einkommen und des Konsums hinweisen und mit Zahlen belegen. In diesem Sinne gibt es noch viel zu tun, kein Grund für Lethargie."


Gedanken zur Zeit 913 23-05-08: Scholz, ZEIT und STERN reden die Armut klein: Das haben die Armen nicht verdient

Nach Brecht sieht man „die im Schatten" nicht. Deutschland hat verdammt lange Schatten, um seine Armut zu verbergen. Und wenn die Schatten etwas gelüftet werden, wie jetzt mit dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, eilen sofort die Konservativen herbei, um alles als ein Mißverständnis zu erklären.

Weiter im neuesten Eintrag ins Wochenbuch.


Gedanken zur Zeit 912 23-05-08: BILD macht Wahlkampf für Köhler

Für BILD ist mit einer Gegenkandidatur zu Köhler die Große Koalition faktisch beendet. BILD: „Ab jetzt regiert nur noch einer: der Wahlkampf." Offensichtlich auch für BILD. Ausschnitte aus dem heutigen Kommentar: „Horst Köhler möchte Bundespräsident bleiben. Er hat den Job bisher gut gemacht. Köhler hat sich von keiner Partei vereinnahmen lassen, ist mutig für Reformen eingetreten, hat aber auch oft genug anderen Politikern offen ins Gewissen geredet. Trotzdem ist es das demokratische Recht der SPD, eine eigene Kandidatin aufzustellen - auch wenn es eine Premiere ist, dem amtierenden Präsidenten die Wiederwahl zu verwehren."

Natürlich hat Köhler mit seiner ständigen Forderung nach weiteren Reformen und seinem Widerstand gegen einen flächendeckenden Mindestlohn die Politik der CDU/CSU, der er angehört, unterstützt. Kleine Rempeleien waren da nur an der Oberfläche. Wenn er - wie BILD meint - gelegentlich an den Berufspolitikern rumgemäkelt hat, dann vor allem um seine eigene Schwächen aus dem blassen Funktionärshintergrund mit mangelndem Charisma zu überspielen und populistisch an die deutsche Volksabneigung gegen die Berufspolitik zu appelieren. Der letzte BILD-Satz hat es in sich: Da wird das demokratische Recht einer Gegenkandidatur gleich wieder mit dem Hinweis klein geredet, erstmals würde dem amtierenden Präsidenten die Wiederwahl verwehrt. BILD bleibt demagogisch BILD!


Gedanken zur Zeit 911 23-05-08: Die Welthandelsorganisation, die neoliberale Globalisierung und der Hunger der Welt

Jean Ziegler, der UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, hat in der Pressekonferenz zum Abschluß seiner Amtszeit nicht mehr zurückgehalten. Für den Hunger der Welt sei neben den Biotreibstoffen und der verfehlten Politik des IWF auch die Welthandelsorganisation mit den erzwungenen Marktöffnungen der Entwicklungsländer für Agrarprodukte aus den Industrieländern verantwortlich. Nicht Handelsliberalisierung, sondern im Gegenteil protektionistischer Schutz und entsprechende Zahlungen ermöglichten es den Bauern und Kleinbauern, Nahrungsmittel herstellen zu können. Der WTO-Direktor Pascal Lamy arbeite vollkommen „gegen die Interessen der Menschen, die Opfer des Hungers sind." Die Bestrebungen der WTO, jetzt unbedingt die Doha-Runde für noch weitergehende Handelsliberalisierungen abzuschließen, werde noch mehr Menschen das Leben kosten.

Dem kann ich nichts hinzufügen.

Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 910 22-05-08: Hat sich Köhler um seine Wiederwahl wirklich verdient gemacht?

Köhler war das erste Mal der besondere Wunschkandidat der FDP, der Partei der Besserverdiener Deutschlands. Nun will er wiedergewählt werden. Er hat diesen Wunsch heute vorgetragen und begründet. Er will Deutschland etwas zurückgegeben haben von dem, was ihm gegeben wurde. Er habe gelernt, mit welchem Einsatz und mit welcher Zuversicht wir für Verbesserung sorgen. Er sagt: "Deutschland, unser Land, ist vorangekommen in den vergangenen Jahren. .. Das war auch mit Härten verbunden. .. Doch wir sollten den eingeschlagenen Weg der Erneuerung weitergehen."

Es ist ziemlich klar, was Deutschland an Köhler gegeben hat: nach einer Beamtenkarriere mit Parteibuch herrliche Spitzenjobs im öffentlichen Bereich als Staatssekretär, Verbandspräsident der Sparkassen, Bankpräsident in London, Chef des Weltwährungsfonds und schließlich Bundespräsident. Mit einem anderen Paß wäre er nicht dahin gekommen. Doch ist mir nicht ganz klar, was Köhler seinerseits Deutschland gegeben haben will. Er erklärt es auch nicht. Jedenfalls ist er immer wieder für weitere Reformen der unsozialen Art eingetreten und hat sich z.B. gegen den Mindeslohn, den fast alle anderen Ländern als Sozialschutz haben, eingesetzt. Die meisten neuen Jobs sind von der gering bezahlten und unsicheren Sorte. Die Armut hat eklatant zugenommen. Das nennt er dann Verbesserung? Schaut man sich dagegen den Weg an, den unsere Nachbarn in der Alt-EU gegangen sind, so sind die meisten davon viel weiter gekommen, ohne diese Reformen. Noch immer haben wir die geringste Entwicklung der Arbeitseinkommen, der privaten Nachfrage, der Einzelhandelsumsätze und zugleich den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen.

Köhler will den eingeschlagenen Weg trotz aller Härten weitergegangen sehen. Wenn die falsche Medizin nicht wirken will, muß man nur die Dosis erhöhen.

Und natürlich will der die SPD zur Entscheidung zwingen, bevor die Bayernwahl klare Verhältnisse in der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten schafft. Clever war er immer schon.

Dabei wünscht man sich einen Bundespräsidenten, der wirklich bewegt und nicht nur Populismus verbal verbreitet. Wenn Köhler einmal abtritt, wird er nicht zu den Großen der deutschen Geschichte zählen, wahrscheinlich nicht einmal zu den großen Bundespräsidenten. Das "Köhler, who?" in der internationalen Presse, als ihn der damalige Bundeskanzler Schröder zum Kandidaten für den Chefsessel des Internationalen Währungsfonds machte, oder das "Köhler, wer?" als er von CDU-Gnaden Deutscher Bundespräsident wurde, wird sich nach einiger Zeit des Vergessens wieder zurückmelden.


Gedanken zur Zeit 909 22-05-08: Wer ist Extremist?

Der neueste Verfassungsschutzbericht beschäftigt sich unter der Kapitel-Überschrift „Die Linkspartei.PDS"/„DIE LINKE." (S. 137) mit folgendem Zitat von Lothar Bisky: „Wir diskutieren auch und immer noch die Veränderung der Eigentums und Herrschaftsverhältnisse (...) Wir stellen die Systemfrage!" Daraus wird dann geschlossen: „Damit bekennt sich die Partei in ihrer Programmatik weiterhin zu einer extremistischen Ausrichtung." Da wird das Infragestellen der immer ungerechteren Eigentumsverhältnisse also schon zum Extremismus.

Nun bin ich weder Mitglied noch Anhänger der Partei DIE LINKE. Doch erlaube auch ich mir immer wieder, auf die ungerechte Veränderung der Eigentumsverhältnisse, die natürlich die Herrschaftsverhältnisse nach sich zieht, mit ganz amtlichen Material hinzuweisen. Das ist auch in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit, die sich kritische Geister leisten können und müssen. Wo ist Deutschland eigentlich hingekommen, wenn der Kapitalismus derzeitiger Ausprägung unter Verfassungsschutz steht?


Gedanken zur Zeit 908 22-05-08: Bundeswirtschaftsministerium zur Doha-Runde: Die neoliberalen Teufelsschüler sind wieder am Werk

Sie erinnern sich vielleicht: Hinterher, wenn wieder einmal ein paar Kinder im Brunnen gelandet sind, will es keiner gewesen sein. Dann ist die neoliberale Globalisierung ein Gottesgericht, gegen das man nichts tun kann. Unsere Politiker geben sich ohnmächtig. Beispielsweise hat Erhard Eppler davon gesprochen, daß sich die Gestaltungsmöglichkeiten für Politik durch die Globalisierung der Märkte dramatisch verringert hätten und Politiker gar nicht mehr das leisten könnten, was die Bürger von ihnen erwarten. Oder Gerhard Schröder: „Man darf ja nicht darüber hinwegsehen, daß die Globalisierung uns zu bestimmten Maßnahmen zwingt ". Oder Bundespräsident Köhler: „Die Welt ist in einem tief greifenden Umbruch. Wer hier den Zug verpaßt, bleibt auf dem Bahnsteig stehen". Auch der Brüsseler Industriekommissar Günter Verheugen argumentiert ähnlich: „Wir müssen unsere Volkswirtschaften bewußt dem Wettbewerb aussetzen. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in billiger produzierende Länder ist nicht mehr aufzuhalten."

Und dann diese Presseerklärung des Bundeswirtschaftsministeriums von heute zur derzeitigen Liberalisierungsrunde in der Welthandelsorganisation (sogenannte Doha-Runde) mit Erklärungen des Staatssekretärs im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Bernd Pfaffenbach. Man müßte sie sich auf der Zunge zergehen lassen, wäre es nicht so ein schreckliches amtsdeutsch. Sie klingt jedenfalls alles andere als ohnmächtig. Sie verrät nicht das Opfer sondern den Täter in Sachen neoliberaler Globalisierung: "Die Verhandlungen werden jetzt dahin gehen müssen, neben den Zollsenkungen für die deutsche Wirtschaft im Industriegüterbereich auch Marktzugangsverbesserungen in wichtigen Wachstumsmärkten zu gewährleisten. Die Bundesregierung unterstützt den Abschluss der Verhandlungen noch in diesem Jahr. Wir wollen ein ehrgeiziges und ausgewogenes Verhandlungsergebnis, das allen WTO-Mitgliedern Vorteile bringt. Unser Ziel ist eine Verbesserung des Marktzugangs für Industriegüter und Dienstleistungen. Sie machen mehr als 90 % des Welthandels aus. Reale Marktzugangsverbesserungen sind im Interesse unserer Exportwirtschaft. Wir müssen die Entwicklungsländer stärker in das Welthandelssystem integrieren und ihnen den Marktzugang erleichtern. Wir können auch nicht die gleichen Zugeständnisse erwarten wie von den weiter entwickelten Industrieländern. Für ein ausgewogenes Ergebnis müssen aber alle Partner Zugeständnisse machen und kompromissbereit sein. Das gilt insbesondere auch für die großen Schwellenländer wie Brasilien und Indien. Ein zügiger Abschluss der Doha-Runde kann auch einen Beitrag zur Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung in den ärmsten Ländern leisten."

Da ist wieder alles drin. Die EU-Zölle sollen weiter gesenkt werden, um noch mehr Dumpingimporte ins Land zu lassen. Angeblich nützt das der deutschen Exportindustrie, wenn Deutschland mehr importiert. Vor allem kann man dann natürlich die deutschen Arbeitnehmer noch mehr zur Lohndisziplin anhalten. Dabei geht es gar nicht um die klassischen Entwicklungsländer, sonder um sehr aggressive sogenannte Schwellenländer, die ihre Billigstarbeitskräfte ausbeuten und das Produkt bei uns dumpen wollen. Genannt werden hier Brasilien und Indien, aber in erster Linie handelt es sich natürlich wieder um China, das offen zu erwähnen man sich offensichtlich nicht traut. Und dann kommt auch wieder das Argument mit den Nahrungsmitteln für die ärmsten Ländern. Das ist nicht mehr als eine billige Ausrede. Denn gegenüber den ärmsten Ländern könnte man sofort handeln, und müßte es eigentlich auch, ohne auf den Rest der Verhandlungen zu warten.

Für mehr dazu siehe Kapitel 5 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 907 21-05-08: Die Schönfärber sind wieder unterwegs

Schönfärben ist so ziemlich das einzige Handwerk, das in Deutschland weit mehr als in anderen Ländern Dauerkonjunktur hat. Das mag an der Großen Koalition liegen, die es in anderen Ländern so nicht gibt und die mit ihrer politischen Macht auch die Medienhoheit weigehend vereinnahmt. Da werden so ziemlich alle Wirtschafts- und Sozialdaten schöngefärbt. Das fängt beim Arbeitsmarkt an, wo wir ständig mit angeblichem Beschäftigungszuwachs beeindruckt werden, ohne daß man uns die überwiegend miserable Qualität der neuen Arbeitsplätze verrät (heute wieder das Statistische Bundesamt, siehe hier). Dazu zählt neuerdings auch künstlich erzwungene Selbständigen-Beschäftigung, wie ein Besucher des Infoportals an einem plastischen Beispiel gerade vorgeführt hat (siehe hier). Der Bundesarbeitsminister senkt die Armutschwelle ab und präsentiert so weniger Armut. Er läßt zudem den Eindruck aufkommen, der statistische Armutsanteil werde künstlich durch mehr Ackermann-Einkommen am anderen Ende erhöht, was bei der „median" bestimmten Armutsschwelle gar nicht möglich ist.

Bei den Wirtschaftsdaten hat das Statistische Bundesamt gerade das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal dieses Jahres mit einer verzerrenden Saisonbereinigung aufgehübscht.

Dann wird der Spuk mit den umfragebasierenden Index-Werten von Ifo, ZEW und GfK getrieben. Eine kleine Biege nach oben bei einem dennoch miserablen Wert wird vom Spiegel hochgejubelt: „Der SPIEGEL ist wieder einmal begeistert und meldet zum heute veröffentlichten Ifo-Index: „Stimmung in den Chefetagen steigt. Finanzkrise und schwächelnder Weltwirtschaft zum Trotz: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist gut - und steigt sogar. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg entgegen den Erwartungen von Experten und liegt damit wieder auf dem Niveau wie zu Jahresbeginn." (Siehe hier). Noch besser ist hier der STERN: „ Wirtschaft bleibt optimistisch. Die Exportchancen sind weiterhin gut und auch der Einzelhandel blickt zuversichtlich in die kommenden Monate. " Dabei kann von „optimistisch bleiben" keine Rede sein. Die Erwartungskomponente des Index befindet sich auf dem dem zweitniedrigsten Niveau seit September 2005 (nur der April 2008 fiel noch niedriger aus, siehe Abbildung). Der Ifo- Indikator des Einzelhandels turnt weiterhin im negativen Bereich und hat lediglich einen Teil des starken Einbruchs aus dem April wieder wett gemacht (siehe Abbildung); von "Zuversicht" kann mithin keine Rede sein.

Interessant auch, daß der Bundeswirtschaftsminister wieder einmal eine Pressemitteilung zum ifo-Index herausgibt, und das unter dem Titel "ifo-Geschäftsklima im Mai wieder aufgehellt". Zuletzt hatte er sich zu ifo im Februar 2006 gemeldet und das mit der Überschrift "ifo-Geschäftsklima im Februar zum dritten Mal in Folge weiter aufgehellt". Offensichtlich meldet er sich selektiv mit dem ifo-Ergebnis nur, wenn es positiv ausfällt.

Geradezu obszön wird es, wenn sich die Wirtschaftsforschung mit den steigenden Nahrungsmittelpreisen befaßt und auch die noch nach dem Motto "Der Hunger macht die Welt gerecht" schön machen möchte. Dazu der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Zimmermann, im neuesten Wochenbericht, Seite 12: "Verantwortlich [für die Preissteigerungen] ist vielmehr die Nachfrageseite. Dies ist eine Folge des gewaltig gewachsenen Konsums der Entwicklungs- und Schwellenländer. Aber auch der durch Wirtschaftsentwicklung getriebene Energiehunger hat zur Nutzung riesiger Agrarflächen für die Kraftstoffproduktion geführt. Beides sind isolierte Prozesse, die die Welt im Schnitt besser und gerechter gemacht haben. Dies führt dennoch temporär zu Hunger, hauptsächlich in der dritten Welt, den man sehr Ernst nehmen muss. Aber die steigenden Preise sind vor allem relative Preissteigerungen. Sie drücken eine Wertschätzung der Konsumenten aus, die die Produzenten von landwirtschaftlichen Produkten zu Investitionen in die Landwirtschaft und zu Produktionsausweitungen führen wird. Angesichts seiner Produktivitätsreserven sollte davon insbesondere das arme Afrika profitieren. Sollte Europa dazu seine Agrarmärkte öffnen, dann könnte der Wettbewerb auch die Preise bei uns bändigen. Und die Welt würde ein Stück gerechter."

Hierzu ein Besucher des Infoportals: "Gestiegene Wertschätzung" - Früher sagte man dazu im Volksmund: Hunger ist der beste Koch. Und der Satz: "Beides sind isolierte Prozesse (was natürlich sachlich nicht stimmt), die die Welt im Schnitt besser und gerechter gemacht haben", der ist schon scharf. Im Schnitt. Wenn für meine Bereicherung ein Mensch stirbt, ist im Schnitt alles gleichgeblieben. Und wenn die Entwicklung so ist, daß sich die Lebensbedingungen großer Mengen verschlechtern, damit der Reichtum der happy few wächst, dann ist die Welt im Schnitt besser und gerechter geworden. Schließlich ist es ja gerecht, daß es so ist, wie es ist, denn es entspricht den Maßstäben des Kapitalismus und kommt marktgerecht zustande.

Dem kann ich nichts hinzufügen.


Gedanken zur Zeit 906 21-05-08: Nichts Positives zu berichten?

Gestern erreichte mich folgende Mail: „Herr Dr. Jahnke, Sie haben in den vergangenen Wochen --nix,- aber auch gar nix positives zu berichten. Wenn Sie das nicht glauben, dann lesen Sie einfach mal Ihre eigenen Berichte durch. Es gibt auch NIX anderes zu kommentieren.!! Sie haben einfach recht, mit dem was Sie schreiben."

Immer wieder mache ich mich auf die Suche nach Positivem. Wer will denn nur Negatives berichten, selbst wenn er eine kritische Einstellung hat? Oft kommen Nachrichten mit positiver Schlagzeile. Doch wenn man dahinter blickt und die Daten auseinander nimmt, trügt der schöne Schein. Heute nun gibt es eine Meldung des Statitischen Bundesamts mit der Überschrift "1,4 Millionen mehr Erwerbstätige binnen zwei Jahren". Das sind 3,7 %. Schön, denke ich, da habe ich nun was Positives. In der Tat, die Meldung klingt ganz überwiegend positiv. Und prompt meldet der SPIEGEL: "Die Wirtschaft wächst, den Arbeitsmarkt freut's: Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist im ersten Quartal deutlich gestiegen. Bis zur 40-Millionen-Marke fehlt nicht mehr viel."

Doch leider meldet das Statistische Bundesamt nicht, was das für zusätzliche Jobs sind, die da entstanden sind. Sind es wenigstens überwiegend vollwertige? Erste Zweifel kommen mit der Erklärung, alleine in den Dienstleistungsbereichen seien 1,1 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Ist das nicht der Bereich, in dem Billigstjobs bis zu 1 Euro herunter und schlecht bezahlte Zeit- und Teilzeitarbeit vor allem angesiedelt sind? Und was bleibt dann für die Entwicklung der Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft? Und seit wann faßt man zwei Jahre zusammen, um eine schöne Zahl auszubrüten? Ist das noch seriöse Statistik oder schon Propaganda?

Tatsächlich hat die gewerbliche Wirtschaft sehr wenig zugelegt. Über ein Jahr nur knappe 1,5 % (siehe Abbildung). Doch dann stolpere ich richtig. Die Arbeitsstunden je Beschäftigten in der gesamten deutschen Wirtschaft sind in deutlichem Rückgang. Lag der Zuwachs gegenüber Vorjahr im 1. Quartal 2006 noch bei 1 %, so sank er im 1. Quartal 2007 auf nur noch 0,3 % und kippte im 1. Quartal 2008 in ein Minus von 0,8 % (siehe Abbildung). Was geht hier vor sich? Das Statistische Bundesamts liefert eine nicht voll überzeugende Erklärung: "Ausschlaggebend hierfür war unter anderem, dass im ersten Quartal 2008 zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung standen als im Vorjahresquartal." Sie kann nicht voll überzeugen, weil das "unter anderem" nicht erklärt wird und weil der Rückgang auch schon im 4. Quartal 2007 stattfand und einem Trend seit Beginn des Jahres 2007 folgt. Ich kann nur vermuten, daß sich hinter diesem Trend der Zuwachs an Zeit- und Teilzeitarbeit verbirgt, also just jener Beschäftigungsformen, die in der Regel sehr viel schlechter als normale Arbeit bezahlt werden. Aus der schönen Nachricht wird so leider wieder eine mit Fragezeichen.


Gedanken zur Zeit 905 20-05-08: Sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen lassen

Heute schrieb mir ein Besucher der Webseite: "Wie gehen Sie eigentlich mit Ihrer Ohnmacht um, wenn Sie sich so engagieren und auch wie ich merken, wie wenig wir letztlich umsetzen können? Ich erlebe bei mir persönlich so langsam auch Lethargie. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Das wäre sicherlich mal ein Beitrag von Ihnen für Ihre Seiten."

Nun empfinde ich mich gar nicht als so schrecklich ohnmächtig. Für das, was ein Einzelner in unserer Gesellschaft zur Meinungsbildung beitragen kann, erreiche ich in aller Bescheidenheit schon eine ganze Menge. So hatte ich gestern fast 3.000 registrierte Besucher auf der Webseite und viele mehr sind wahrscheinlich durch die Ritzen der Registrierung gefallen. Die fast 650 direkt versandten Rundbriefe werden relativ oft weitergereicht. Natürlich muß ich in meinem Urteil vorsichtig bleiben. Doch im Vergleich zu meinem recht aktiven Berufsleben bewege ich heute konkret vielleicht doch etwas mehr und kann das eine oder andere Argument rüberbringen, das dann im Hinterkopf des einen oder anderen Wählers bzw. der einen oder anderen Wählerin vielleicht fortwirkt. Gerade deshalb wünsche ich meinem jüngsten Buch eine angemessene Verbreitung und fühle mich ärgerlich frustriert, wenn das so schwer zu bewerkstelligen ist (noch habe ich mein Ziel von 1.000 nicht erreicht).

An Lethargie kranke ich jedenfalls bisher nicht. Vielleicht hält mich gerade die Webseite davon ab. Allerdings halte ich mich auch an den Leitspruch meines Buches, der von Theodor W. Adorno kommt: "Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen" (Minima Moralia). Wir dürfen uns nicht ohnmächtig fühlen. Die angstvollen Reaktionen der herrschenden Neoliberalen in diesen Tagen zeigen, daß ihnen einige Felle begonnen haben, davon zu schwimmen. Wenn 87 % aller von Harris Poll in Deutschland Befragten der Meinung waren, der Graben zwischen Arm und Reich in Deutschland sei zu groß, zeigt auch das die Bewegung. Die Menschen haben zu begreifen begonnen, wie unendlich viel ihnen vorgemacht wird und lassen sich nicht mehr als angebliche Gewinner der Globalisierung verdummen, weder von Rechts noch von Links.


Gedanken zur Zeit 904 20-05-08: Nochmal: Bundesminister Scholz versteht die Armutsschwelle nicht

Im Rundbrief 1103 hatte ich mich gewundert, daß sich der Bundesarbeitsminister von BILD am Sonntag beim Bezug der Armutschwelle auf das Durchschnittseinkommen in die Irre führen läßt.

Dazu schreibt mir jetzt ein versierter Besucher des Infoportals: "Die Frage von BamS und die Antwort des Ministers sind die reine Unwahrheit: Die Armutsquote errechnet sich aus dem Prozentanteil der Bevölkerung, deren Einkommen 60% unter dem Medianeinkommen liegt. Die von BamS und Scholz fälschlicherweise behauptete Armutsquote bezöge sich hingegen auf das Durchschnitts- einkommen.. Das Medianeinkommen ist das Einkommen jener Person, welches die oberen 50 Prozent der Einkommensbezieher von den unteren 50 Prozent trennt. Die Zunahme der Einkommen der Bankvorstände erhöht das Medianeinkommen somit um keinen einzigen Cent. Somit bleibt auch die Zahl der Armen unverändert." Und weiter:

"Erschreckend ist, daß sich der Bundesarbeits- und Sozialminister Scholz sich nicht einmal davor scheut, dieses Interview auf die Homepage seines Ministeriums zu stellen. Das läßt Schlimmes befürchten: Entweder sind Scholz und seine Staatssekretäre völlig inkompetent oder das Ministerium betreibt im Zusammenspiel mit BILD AM SONNTAG eine bewußte Irreführung der Bevölkerung, indem es versucht, die Armut in Deutschland kleinzureden. Beides sollte für den Minister und "Sozialdemokraten" Scholz Konsequenzen nach sich ziehen. Inwieweit der "Sozialdemokrat" Scholz sich von den Grundsätzen sozialdemokratischer Politik entfernt hat, bewies er bereits vor einigen Jahren, als er in seiner Funktion als damaliger SPD-Generalsekretär mit einer mehr als fadenscheinigen "Begründung" den Begriff "Soziale Gerechtigkeit" aus dem SPD-Parteiprogramm streichen wollte."

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.


Gedanken zur Zeit 903 20-05-08: Warum der Exporterfolg uns mehrheitlich zu Verlierern der Globalisierung macht

Von Rechts bis Links gibt es offensichtlich in Deutschland einen festen Glauben: Wir sind Exportweltmeister auf Dauer und daher Gewinner der Globalisierung. Weiter im neuesten Eintrag ins Wochenbuch.


Gedanken zur Zeit 902 19-05-08: Deutschland - Das Schattenland

Nach Brecht sieht man „die im Schatten" nicht. Deutschland hat verdammt lange Schatten, um seine Armut zu verbergen. Warum eigentlich dieser „Aha-Effekt", wenn der Armutsbericht der Bundesregierung das eigentlich ohnehin zu Vermutende bestätigt? Dabei sind die Medien noch gar nicht auf den wirklichen Trichter gekommen. Die Armut wird festgestellt, wenn weniger als 60 % des Durchschnitteinkommens bezogen wird. Doch das Durchschnittseinkommen hat sich in Deutschland besonders schlecht entwickelt und die Schwelle der 60 % lag daher in Deutschland schon 2006 mit 9370 Euro pro Jahr niedriger als in fast allen anderen Ländern der Alt-EU, außer dem südeuropäischen Armenhaus von Italien, Spanien, Griechenland und Portugal (siehe Abbildung). So gilt man in Dänemark schon bei einem Monatseinkommen von weniger als 1133 Euro als arm, in Deutschland erst bei unter 781 Euro. Da die durchschnittliche Schwelle der 10 Länder mit höherer Schwelle als Deutschland 2006 bei 10.735 Euro lag, kann man vermuten, daß bei diesem Schwellenwert in Deutschland noch erheblich mehr Arme zusammenkämen. Den Anteil von „nur" 26 % Arme (vor staatlichen Sozialleistungen) verdanken wir also einer besonders schlechten Entwicklung der Durchschnittseinkommen. Auch hier wieder einmal eine statistische Irreführung, der übrigens selbst Arbeitsminister Scholz zum Opfer gefallen ist (siehe hier).

In Deutschland sind mehr Menschen der Meinung, der Graben zwischen Arm und Reich sei zu groß geworden, als in Frankreich, Italien, China, Großbritannien, USA, Spanien und Japan, so eine neue Umfrage von Harris Poll (siehe Abbildung). Ohne die deutsche Exportmanie und die dafür erzwungene Lohndisziplin sowie die auf diese Weise gesteigerten Einkommen der Reichen wäre die Situation total anders. Ich kann daher weder Lafontaine noch seinen spiritus rector Flassbeck verstehen. Lafontaine im Tagesspiegel-Interview vom 18.Mai: „Deutschland ist als Exportweltmeister der größte Nutznießer der Globalisierung" und Heiner Flassbeck in Spiegelfechter vom 19. Mai: „Deutschland ist das Land, das von der Globalisierung am meisten profitiert - mit 80 Mio. Einwohnern exportiert Deutschland mehr Güter, als die USA, mit ihren 400 Mio. Einwohnern oder China, mit seinen 1.300 Mio. Einwohnern, was für sich genommen, schon grotesk ist."

Können die beiden Marx-Brothers auf der deutschen Linken nicht endlich begreifen, daß dieses von ihnen immer wieder als Beweis für die deutsche Gewinnerrolle zitierte Exportergebnis nur auf dem Rücken der Lohnverzichte deutscher Arbeitnehmer entstehen konnte, die nun wirklich nicht zu den Gewinnern gezählt werden dürfen? Es kann doch wirklich nicht so schwer sein, eins und eins zusammenzuzählen, auch wenn man Volkswirtschaft studiert hat und sogar Professor für Volkswirtschaftslehre ist, wie Flassbeck, oder sogar deutscher Finanzminister war, wie Lafontaine. An solchen Sprüchen auf der deutschen Linken kann man intellektuell eigentlich nur verzweifeln. Es gibt in Deutschland weit mehr Globalisierungverlierer als -gewinner!

Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 901 19-05-08: Alle Wege nach Moskau: Die Angst der BILD-Zeitung vor einer Köhler-Alternative

Jetzt mach BILD offen Propaganda für eine Köhler-Verlängerung. BILD im Kommentar von heute: „Und in der Bundesversammlung sind Union und FDP stärker als SPD, Linke und Grüne zusammen". Da wird allerdings bewußt verschwiegen, daß sich das Blatt mit den bayerischen Wahlen ändern kann. Erst wenn man das ins Kalkül zieht, versteht man die BILD-Meinungsmache.

Und dann kommt der BILD-Holzhammer: „ Eine gemeinsame Präsidentschaftskandidatin von SPD, Linken und Grünen würde im Wahljahr 2009 aber als Vorbotin für eine rot-rot-grüne Bundesregierung angesehen - für rot-rote Bündnisse in Thüringen und im Saarland obendrein. So sitzt die SPD in der Köhler-Falle: Je länger sie mit der Idee einer eigenen Kandidatin spielt, um so stärker begibt sie sich in die Hand der Linkspartei - und noch weiter weg von den lebensnotwendigen Wählern in der Mitte."

Für BILD ist die deutsche Welt wieder mal ganz einfach. Wer gegen Köhler ist, befindet sich in den Händen der Linken. Ein neues „alle Wege führen nach Moskau", mit dem die CDU unter Adenauer gegen die SPD antrat.


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.