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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(900) Wie sollen die Deutschen eigentlich Freude am Einkaufen finden?

(899) Praktisch mehr als ein Viertel der Deutschen in Armut

(898) Der Bundespräsident springt viel zu kurz: Die finanzielle Superklasse ist das eigentliche Monster!

(897) Der „mutige" Außenminister

(896) Nochmal: Die Sensation, die keine war

(895) Beim Steuerthema nimmt BILD keine Gefangenen

(894) Das Treuerspiel mit der Wirtschaftsanalyse auch auf der linken Seite

(893) Das angeblich beste Quartalsergebnis kommt nur durch eine zweifelhafte statistische Bereinigung zustande

(892) Das angeblich beste Quartalsergebnis der deutschen Wirtschaft seit 12 Jahren ist ihn Wahrheit kein besonders gutes

(891) Jahnke noch einmal heute im WDR3

(890) Deutsche Bosse und SPD-Rechte: eine China-Politik ohne Menschenrechte

(889) Ein schönes Beispiel für Forschungs-Propaganda: DIW meldet „Teuerung trifft Einkommensgruppen relativ gleichmäßig"

(888) Die Schönfärber sind wieder unterwegs

(887) Warum kein „mea culpa" des Bundespräsidenten?

(886) Spendenbereitschaft für Zyklon-Opfer gering?

(885) Bitte mal ran an den neuen Schwerpunkt

(884) Jahnke im WDR-Mittagsmagazin

(883) Reichsarbeitsdienst? Die Panik der Bundesregierung vor der nächsten Welle an Arbeitslosigkeit treibt extreme Blüten

(882) Zu geringer Aufwand für die soziale Sicherheit in Deutschland

(881) Stagflation: Nun zahlen wir die Chinaschnäppchen gleich mehrfach zurück

(880) Eine kleine Aufmerksamkeit für Käufer meines neuen Buches

(879) Nochmal amtliche und gefühlte Inflation

(878) Zur Inflation

(877) Abwanderung von Arbeitsplätzen - Der Denkfehler des Albrecht Müller

(876) Was läuft eigentlich an der Basis?

(875) Danke Robert von Heusinger, Respekt vor Ihnen und der FR!

(874) Die Angebotsorientierung der deutschen Wirtschaftspolitik und die Wüste

(873) Können die Volksvertreter das Volk noch vertreten?

(872) Wieder einmal Korrespondenz mit Nachdenkseiten

(871) Interviewfrage: Wenn Sie Bundeswirtschaftsminister wären?

(870) Immer wieder bösartige Täuschung bei den Arbeitseinkommen

(869) Die Bahnprivatisierung wird immer komischer

(868) Mein Weckruf in der Frankfurter Rundschau

(867) Exportentwicklung, Auftragszahlen, Produktionszahlen alles im Minus

(866) Die neoliberalen Handelspolitiker in Not: Das Haus brennt




Gedanken zur Zeit 900 19-05-08: Wie sollen die Deutschen eigentlich Freude am Einkaufen finden?

Da tut die Bundesregierung und ihr Statistisches Amt viel, um den Deutschen Einkaufsstimmung einzuimpfen. Die Arbeitsmartberichte werden regelmäßig aufgehübscht, und nun auch der Wachstumsbericht fürs erste Quartal. Vollbeschäftigung schon für morgen wird versprochen.

Doch dann hagelt es immer wieder in die Gegenrichtung. Die Inflation marschiert und macht Rentenerhöhungen von 0,5 % zu einem Witz, aber auch viele mühsam erfochtene Tarifferhöhungen. Die Renten werden immer wieder als unsicher abgestempelt. Und nun ist schon mehr als jeder vierte Deutsche arm oder ohne staatliche Almosen von Armut bedroht (siehe Gedanken zur Zeit 899). Immer wenn gerade eine Hoffnungssau durchs deutsche Dorf getrieben wurde, rutscht ein Stück statistische Realität ins Licht der Öffentlichkeit und macht die Sau zur Sau.

Wenn sich die Politik nicht ändert, werden alle propagandistischen Mätzchen nichts nützen.


Gedanken zur Zeit 899 18-05-08: Praktisch mehr als ein Viertel der Deutschen in Armut

Wieder einmal zeigt der Armutsbericht der Bundesregierung, der seit Jahren immer neu herauskommt, ein Anwachsen der Armut. Schon 13 Prozent der Bundesbürger gelten entsprechend der EU-Definition als arm, weil sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdienen; weitere 13 Prozent der Gesamtbevölkerung werden durch Sozialtransfers wie Kindergeld oder Arbeitslosengeld II vor dem Abrutschen in die Armut bewahrt, sind also praktisch auch als arm anzusehen, weil sie nur am Tropf staatlicher Almosen über die Armutsschwelle kommen. Auch die Zahl derjenigen, die arbeiteten und trotzdem unter die Armutsgrenze abzurutschen drohen, ist größer geworden.

Im Vergleich mit den 14 Mitgliedern der Alt-EU ist Deutschland zwischen 2000 und 2006 im Armutsrisiko vor Sozialtransfers vom 3. auf den 9. Platz abgerutscht (siehe Abbildung).

Mehrere Bundesregierungen haben unser Land in die Armut gewirtschaftet. Eine weiterhin hohe Langzeitarbeitslosigkeit - die höchste in der Alt-EU -, immer mehr lohndiskriminierende Zeit- oder Leiharbeit, das Fehlen eines flächendeckenden Mindestlohnes und einer Mindestrente, Steuerentlastungen für die Spitzeneinkommen bei einem gegenüber den ärmeren Bevölkerungsteilen, besonders bei mehreren Kindern, unsozialen Steuersystem haben entscheidend dazu beigetragen.

Ein Deutschland mit so viel Armut ist ein „Armes Deutschland". Warum spricht der Bundespräsident nicht gegen dieses Monster? Wieviel Armutsrisiko wollen normale Deutsche eigentlich noch auf sich nehmen, bevor sie den Regierenden die rote Karte an der Wahlurne zeigen?

Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 898 17-05-08: Der Bundespräsident springt viel zu kurz: Die finanzielle Superklasse ist das eigentliche Monster!

Da beschimpft der frühere Präsident des Sparkassenverbandes und spätere Chef des Weltwährungsfonds nun in den Bundespräsidenten mutiert wie ein total Unbeteiligter die Banken als Monster. Das bringt ihm die sicher nicht unwillkommenen zusätzlichen Punkte in der Bürgergunst und steigert seine Chancen auf Wiederwahl. Doch was er als „Monster" karrikiert, ist die Fassade. Wer die Strippen hinter den Banken, die sich verspekuliert haben, eigentlich zieht, wird nicht angesprochen. Bis auf die öffentlichen deutschen Landesbanken und die unselige IKB ist das in Deutschland so ziemlich unbekannt.

Weiter im neuen Wochenbuch hier.


Gedanken zur Zeit 897 17-05-08: Der „mutige" Außenminister

Steinmeier in einem internen Papier, das er in der SPD-Spitze zirkulieren ließ: „Er habe vorigen Montag mit dem chinesischen Außenminister telefoniert. Der habe ihm versichert, daß die chinesische Seite einen wirklichen Neuanfang in den Gesprächen mit dem Dalai Lama plane. Ein hoher Beamter des Auswärtigen Amts habe gleichzeitig mit den Beauftragten des Dalai Lama verhandelt. Diese konkreten Erfolge gilt es jetzt behutsam auszubauen und nicht durch unbedachte Aktionen zu gefährden."

Bisher noch beschimpft jedenfalls die chinesische Führung das geistige Oberhaupt der Tibeter als Terroristen und präsentiert die Gespräche mit dessen Abgesandten als Versuch, den Dalai Lama vom Terrorismus abzubringen. Wenn Steimeier nun auf ein Telefongespräch und seinen "hohen Beamten" setzt, dann hat er wohl Illusionen und überschätzt die "Großmacht" Deutschland mit seiner Außenpolitik. Steinmeier noch während seines Aufenthalts in Moskau kritisch zu Wieczorek-Zeul: "Mutig sein heißt doch heute, den Dalai Lama nicht zu treffen." Da haben wir nun einen ganz mutigen Außenminister!


Gedanken zur Zeit 896 17-05-08: Nochmal: Die Sensation, die keine war

Um den Globus herum geht ein Raunen: „Schaut auf Deutschland". Das Quartalswachstum von auf Jahreswachstum umgerechnet dramatischen 6 % verblüfft überall. Als mich der WDR zum Interview bat, nahm ich zunächst an, es ginge um meinen Europatest, in dem Deutschland so schlecht abschneidet und der in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht worden war. Doch die Dame Moderatorin wollte mich als Miesmacher vorführen, angesichts der Daten des 1. Quartals und des Stolzes der Bundesregierung, den die Dame offensichtlich ohne großes Wirtschaftsverständnis teilte.

Da schreibt mir heute ein Besucher des Infoportals: "Sie sind scheinbar der Einzige in diesem Lande, der einen kritischen Blick auf das 7. Weltwunder namens Sensationswachstum 1. Quartal 2008 wirft. Die übrige Autorenzunft scheint in Bezug auf die Daten des dem Bundesinnenministerium zugeordneten Statistischen Bundesamt jenen Satz vergessen zu haben, den man Churchill zuschreibt: Ich glaube nur jener Statistik, die ich selber gefälscht habe."

Eigentlich war es gar nicht so schwer, das deutsche "Wunder" auseinander zu nehmen. Denn der Bundeswirtschaftsminister hat in seiner eigenen Pressemitteilung schon aus Gründen des Selbstschutzes (das nächste Quartal wird sich umso schlechter mit dem 1. Quartal 2008 vergleichen, siehe neuer Rundbrief) vorsorglich auf den "starken" Effekt des milden Winters hingewiesen. Dieser wohlweislich nicht bezifferte Hinweis ist allerdings - wie beabsichtigt - sehr wenig beachtet worden. Den Effekt von 3,2 % der Saisonbereinigung nach oben hätte jeder Journalist mit einem einfachen Blick auf die Pressemitteilung des StaBuA selbst feststellen können.

Die hier aufzuschlagende Grafik zeigt, wie die Bereinigung unverändert über die Jahre trotz der neuerdings milden Winter und der Möglichkeiten des Winterbaus beibehalten wurde. Ebenso wird ziemlich unverändert das 2. Quartal im Vergleich zum 1. Quartal durch die Bereinigung abgesenkt, obwohl der Wetterunterschied viel geringer geworden ist, siehe hier. In diesen Werten ist leider die Kalenderbereinigung mitenthalten, weil sie für frühere Jahre nicht getrennt ausgewiesen wird. Im Durchschnitt der Jahre 2000 - 2008 wurde das 1. Quartal im Vergleich zum Vorquartal durch die Bereinigung um 3,2 Prozentpunkte verbessert, das zweite Quartal dagegen um 1,8 Prozentpunkte verschlechtert.


Gedanken zur Zeit 895 16-05-08: Beim Steuerthema nimmt BILD keine Gefangenen

Da wird sofort geschossen. BILD kennt keine Gnade. Selbst Schwarze werden ins Visier genommen. Der Staat muß arm gemacht werden. Wer sich widersetzt, wird erschossen. BILD-Kommentar von heute: „Warnschuss für Merkel. Das hat die Kanzlerin kalt erwischt! Doch wenn es um den Geldbeutel aller Bürger geht, wollen die Abgeordneten zu Recht mitreden. Und die Kanzlerin tut gut daran, den Warnschuss ernst zu nehmen. Es lohnt sich, für niedrigere Steuern zu streiten!"

Das ganze ist natürlich ziemlich wiederlich. Das größte deutsche Massenblatt will nicht begreifen, wie wichtig staatliche Leistungen gerade für die Mehrzahl seiner Leser ist. Un die sind dumm genug, für solche Belehrungen auch noch zu bezahlen.

Dabei will BILD im Interesse der Wohlhabenenden, zu denen die Eigner des Blattes zählen, und der deutschen Unternehmer, die auch für Anzeigen bezahlen, zugleich davon ablenken, daß die miserable Bruttoentlohnung deutscher Arbeit das eigentliche Problem ist.


Gedanken zur Zeit 894 16-05-08: Das Treuerspiel mit der Wirtschaftsanalyse auch auf der linken Seite

Wenn rechte Journalisten pfuschen oder sich vom Statistischen Bundesamt ohne eigenes kritisches Nachdenken verführen lassen, ist das schlimm. Doch im linken Spektrum sieht es oft nicht viel anders aus. Das tut dann besonders weh, weil man sich fragt, wo denn der kritische Verstand noch angesiedelt sein soll? Hier zwei Beispiele mit der Meldung zum Wirtschaftswunder im 1. Quartal (siehe heutiger Rundbrief).

Da tappt die "junge Welt" total im Dunkeln und meldet unter der Überschrift "Boom in der Krise": "Verblüffend: Statt wie erwartet vor sich hin zu dümpeln, ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal stark gewachsen. Diverse Volkswirte und Experten hatten sich noch vor wenigen Tagen als Kassandra betätigt und vor einer Quasistagnation der Wirtschaft gewarnt. Außerdem sind die Bundesstatistiker aus Wiesbaden dafür bekannt, bei derartigen Zahlen den spitzen Bleistift zu bemühen. Während nahezu alle essentiellen Daten der US-Wirtschaftsentwicklung höchst fragwürdig sind (z.B.: trotz Rezession, Kredit- und Immobilienkrise hat dort angeblich der private Verbrauch zugelegt ...), gelten die des Bundesamtes stets als weitgehend seriös." Und unter einem Photo der Bundeskanzlerin hat "junge Welt" beschriftet: "Vorwärts immer Trotz kräftiger Mehrwertsteuererhöhung geht es der Wirtschaft unter Kanzlerin Merkel gut." Leider hat da jemand gar nichts verstanden.

Oder schauen wir mal bei NachDenkSeiten nach. Da wird es besonders komisch. Wolfgang Lieb meldet nämlich in seinem Kurzkommentar: "Das Statistische Bundesamt wird immer mehr zu einem Propagandaorgan. Da werden im Sinne der gängigen Propaganda lächerlich geringe Wachstumsraten zu Erfolgsmeldungen hochgejubelt." Das mit der Propaganda stimmt, doch 1,5 % Quartalswert im Vorquartalsvergleich oder eine Jahresrate von 6 % ist alles andere als lächerlich gering. Hat da NachDenkSeiten nicht nachgedacht? Hoffentlich wird das noch korrigiert.


Gedanken zur Zeit 893 16-05-08: Das angeblich beste Quartalsergebnis kommt nur durch eine zweifelhafte statistische Bereinigung zustande

Die Kalenderbereinigung, die fehlende Arbeitstage ausgleichen soll, hat - neben der Saisonbereinigung - sehr dazu beigetragen, die Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2008 aufzuhübschen und zum angeblich stärksten Wachstum in 12 Jahren zu machen. Zwei fehlende Arbeitstage sind mit einem Bonus von 0,8 % gerechnet worden.

In der Tat sind wegen des in diesem Jahr früheren Osterfestes der Karfreitag und der Ostermontag feiertagsmäßig in das 1. Quartal gerutscht. Doch mindert das wirklich die Wirtschaftsleistung so stark? Verbrauchen die Deutschen an so hohen Feiertagen nicht trotzdem Nahrung, Energie, Transport etc., vielleicht sogar mehr als sonst? Wie werden denn die 0,8 % überhaupt berechnet? Das Statische Bundesamt schweigt sich dazu aus.

Schaut man sich die Vergangenheit an, so wurden total unterschiedliche Korrekturwerte angebracht. So galt im 4. Quartal 2006 ein fehlender Arbeitstag 0,2 %, im 4. Quartal 2007 0,1 % und im 1. Quartal 2007 ein halber Arbeitstag 0,3 %, und nun im 1. Quartal 2008 ein Arbeitstag gar 0,4 %. Man hat den Eindruck, die Korrektur würde immer mit einem Schielen auf das Endergebnis vorgenommen. Vielleicht will man uns optimistisch stimmen? Dazu kommt die Saisonbereinigung, die die neuerdings milden Winter nicht erfaßt und allein das Ergebnis des 1. Quartals um nicht weniger als 3,2 % (!) aufgebessert hat.

Das Beste ist wohl, auf die unbereinigten Werte zu achten. Dann wird allerdings aus dem schönen Plus von 1,5 % im Vorquartalsvergleich ein böses Minus von 1,8 % (siehe Abbildung). Noch nie in den letzten Jahren war der Einfluß einer Bereingung so stark (siehe Abbildung).


Gedanken zur Zeit 892 15-05-08: Das angeblich beste Quartalsergebnis der deutschen Wirtschaft seit 12 Jahren ist ihn Wahrheit kein besonders gutes

An diesem Vorgang kann man gut ablesen, wie die Propaganda arbeitet. Offiziell meldet das Statistische Bundesamt heute morgen: "Um 1,5% war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - preis-, saison- und kalenderbereinigt - im ersten Vierteljahr 2008 höher als im vierten Quartal 2007." Der Bundeswirtschaftsminister sekundiert stolz: "Auch wenn die Zahlen durch den milden Winter stark geprägt sind, zeigen sie, dass der Aufschwung in Deutschland auch den schwierigen Bedingungen der Weltkonjunktur trotzt. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist derart gestiegen, dass sie nicht mehr jeder Windhauch erschüttere." Irgendwer aus dem amtlichen Bereich steckt dem SPIEGEL, dies sei das stärkste Wirtschaftswachstum seit 12 Jahren. Und schon macht diese schöne Geschichte die Runde, bis in die Abendnachrichten des Fernsehens.

Die Wahrheit sieht wieder einmal anders aus als die statistische Beschönigung. Ist es schon zweifelhaft, ein einziges Quartal zu vergleichen, weil dessen Betrachtung dann von dem Zustand des Vergleichsquartals, hier das letzte aus 2007, ebenso abhängt, wie von der aktuellen Wirtschaftsleistung, so kommt hier noch viel mehr an Fehlinterpretationen hinzu. Das Vergleichsquartal war nämlich ein realtiv schwaches gewesen und dann fällt jeder Vergleich schön aus, auch wenn das aktuelle Quartal nicht besonders gut ist.

Die Saisonbereinigung des StaBuA ist unzuverlässig, weil der ungewöhnlich milde Winter in dem Bereinigungsverfahren noch nicht richtig reflektiert wird und damit das Ergebnis nach oben korrigiert wird, als hätte es einen richtigen Winter gegeben. Offensichtlich traut das StaBuA seinem eigenen Bereinigungsverfahren nicht besonders, denn es zeigt in seiner Grafik den Vergleich mit dem 1. Quartal 2007 ohne Saisonbereinigung mit einem Plus von nur 1,8 % statt mit dem saisonbereinigten Wert von angeblich 2,6 %. Dagegen wird der Vergleich mit dem 4. Quartal 2007 saisonbereinigt dargestellt und hat dann zu der weit überzogenen Jubelmeldung des besten Ergebnisses seit 12 Jahren verführt.

Hinzu kommt weiter, daß wieder einmal die Veränderung von Steuerregeln, in diesem Fall der Abschreibungsregeln der Unternehmen, zu einer den Vergleich künstlich beeinflussenden Besonderheit geführt hat. So sprang das Auftragsvolumen für gewerbliche Bauleistungen im Hoch- und Tiefbau vor Auslaufen der günstigeren Abschreibungsregel zum Ende 2007 stark an, und wurde mit der Abarbeitung der zusätzlichen Aufträge das 1. Quartal 2008 weiter verschönt.

Alles nicht sehr überzeugend, finde ich. Wir sollten besser das 2. Quartal abwarten. Mehr im Rundbrief.


Gedanken zur Zeit 891 15-05-08: Jahnke noch einmal heute im WDR3

In "Themen des Tages" bin ich heute um 18:00 Uhr noch einmal für viereinhalb Minuten einvernommen worden, diesmal zu den heutigen Wirtschaftszahlen des ersten Quartals. Natürlich wird so etwas am Ende immer zusammengeschnitten. In diesem Fall sind vor allem die Vergleiche mit unseren europäischen Nachbarn in der Alt-EU den Schnitten zum Opfer gefallen. Dennoch konnte ich eine Menge in dieser kurzen Zeit überbringen. Man muß ja schon sehr zufrieden sein, wenn man im Verlaufe von drei Tagen mit so kritischen Tönen gleich zweimal im Rundfunk zu Worte kommen kann, und dies nicht nach Mitternacht.

Falls Sie daran interessiert sind, können Sie mich hören, indem Sie hier anklicken. Sie finden die Sendung auch auf der Webseite des WDR. Allerdings ist dort die gesamte Sendung von etwa 15 Minuten abrufbar, wobei Sie auf die letzten Minuten zusteuern müßten.


Gedanken zur Zeit 890 15-05-08: Deutsche Bosse und SPD-Rechte: eine China-Politik ohne Menschenrechte

Weder Bundeskanzlerin Merkel noch Außenminister Steinmeier noch Bundespräsident Horst Köhler haben Zeit für das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Die deutschen Bosse mit den China-Interessen können nun aufatmen. Was sie eigentlich wollen: ungestört von der Politik die Billigstarbeitskraft in China ausbeuten. Dort billigst produzieren und teuerer bei uns verkaufen, ist wie der SPIEGEL einmal zutreffend schreibt: eine Lizenz zum Geldrucken. Da versuchen sie auch mal, ein neues etwas menschenfreundlicheres Arbeitsgesetz in China zu verhindern, entlassen widerspenstige Arbeitnehmer, wehren sich gegen Betriebsratsgründungen und beuten Menschen ohne Arbeitsvertrag aus, wie das auch chinesische Unternehmen häufig tun. Wenn dann mal 10 Euro mehr an Lohn gezahlt werden müssen, bricht schon eine kapitalistische Welt zusammen.

Die besten Fürsprecher haben diese Herren Unternehmer ausgerechnet im rechten Lager der SPD. Das baut sich zusammen mit den deutschen Bossen vor jeder öffentlichen Kritik an China auf. Wenn die SPD-Linke Wieczorek-Zeul den Dalai Lama trifft, kommt prompt die Gegenmusik. "Wir haben eine China-Politik des Außenministers, die sich an langen Linien orientiert und die Stabilität Chinas im Auge hat", sagt SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow. Der Verteidigungsexperte Jörn Thießen spricht von einem "schweren Fehler der deutschen Außenpolitik". Will die SPD wirklich nichts mehr von den Menschenrechten wissen?

Oder gibt es nur noch SPD-Sprechblasen wie in der Erklärung zum Tag der Menschenrechte im Dezember 2007: "Der Kampf um die Rechte der Menschen ist auch heute eine Aufgabe, die sich jeden Tag wieder neu stellt - international wie national. Gerade die Schwächsten und Verletzlichsten unserer Gesellschaft brauchen unser Engagement, denn "Recht ist Schutz der Schwachen" (Gustav Radbruch, SPD-Justizminister in der Weimarer Republik)? Bricht China wirklich zusammen, weil Wieczorek-Zeul den Dalai Lama trifft? Oder hat Kolbow zu viel China-Tee getrunken?


Gedanken zur Zeit 889 15-05-08: Ein schönes Beispiel für Forschungs-Propaganda: DIW meldet „Teuerung trifft Einkommensgruppen relativ gleichmäßig"

Da meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das mal zu den kritischen gehörte, aber längst "gleichgeschaltet" wurde, heute unter der Überschrift „Teuerung trifft Einkommensgruppen relativ gleichmäßig": "Bezieher niedriger Einkommen geben im Vergleich einen höheren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel und Wohnen aus und sind deshalb etwas stärker von den Preissteigerungen in diesen Segmenten betroffen. Nach Einkommensverhältnissen unterschieden stellt man fest, dass das Gewicht von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren bei den Beziehern niedriger Einkommen mit einem Budget von bis zu 1300 Euro bei 15 Prozent liegt, während die Haushalte mit einem Einkommen von mehr als 5000 Euro nur 11,6 Prozent für diese Güter ausgeben. Die Bezieher höherer Einkommen werden dagegen stärker von den gestiegenen Verkehrskosten belastet. Per Saldo trifft die Inflation alle Einkommensklassen trotz ihrer unterschiedlichen Konsumgewohnheiten in etwa gleich. Wir haben in unserer Untersuchung auch keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Alleinstehende, Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern systematisch stärker als der Rest der Bevölkerung von der Inflation betroffen sind."

Nun hat Prof. Brachinger von der Universität Freiburg/Schweiz längst nachgewiesen, daß die echte oder wahrgenommene Inflation mit einem realistischeren Warenkorb berechnet werden muß und dann, vor allem wegen des starken Gewichts von Nahrungsmitteln und Heizung viel höher als die amtliche zuschlägt und Bezieher kleinerer Einkommen, vor allem Rentner, derzeit mindestens doppelt so stark trifft als die amtlichen Zahlen belegen (siehe Abbildung). Was das DIW außerdem geradezu bösartig unterschlägt: Die hohen Einkommen geben einen viel kleineren Teil in den inflationsbelasteten Konsum und sparen viel höhere Anteile. Das hat das Statistische Bundesamt schon vor Jahren festgestellt (siehe Abbildung). Wenn die Besser- und Bestverdiener heute z.B. Immobilien kaufen oder ihr Geld an den Finanzmärkten profitträchtig anlegen, vielleicht noch unter Einschaltung von "Heuschrecken", spüren sie insoweit von der Inflation gar nichts, im Gegenteil: Immobilien kaufen sich in Deutschland seit Jahren zu Schnäppchenpreisen, wenn man nur das Kleingeld dafür hat.

Dazu schreibt mir ein Besucher der Webseite: "Im Klartext: wenn sich für den Wohlhabenden der Wochenendtrip zum Shoppen nach Mailand verteuert, ist das dasselbe, als wenn Oma Krause mehr für die Milch zum Kaffee ausgeben muß. Und haben Normalverdiener keine Autos? Der Geringverdiener des Beispiels gibt monatlich ca. 195 (15% von 1300, aber 19,5% von 1000) fürs Essen, TRrinken und Rauchen aus, der Besserverdiener mindestens 550 (11% von 5000, aber nur 5,5% von 10.000). Wenn man im übrigen mit 195 monatlich = 6,50 täglich fürs Essen über die Runden kommen will, dann ist man auf Aldi, Lidl etc. reduziert, da kommt z.B. Obst und Gemüse vom Wochenmarkt nur in Ausnahmefällen in Frage, das weiß ich aus eigener Haushaltserfahrung. Wie man davon noch eine Familie ernähren soll, ist mir völlig schleierhaft."


Gedanken zur Zeit 888 15-05-08: Die Schönfärber sind wieder unterwegs

Der SPIEGEL zum Wachstum im 1. Quartal 2008: „Trotz der Finanzkrise ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2008 so kräftig gewachsen wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. - Es ist das stärkste Wachstum seit Frühjahr 1996 - und es hat alle Experten überrascht." Die Wahrheit sieht allerdings wesentlich weniger prosaisch aus, wenn man die zweifelhafte Saison- und Kalenderbereinigung einmal wegläßt, die auch das Statistische Bundesamt auf seiner eigenen Grafik nicht anbringt, und längerfristig mit dem Vorjahr vergleicht. Dann ist der Trend weiterhin negativ und das 1. Quartal 2008 zu seiner Normalgröße zurückgebracht, siehe hier.

Wenn das Statistische Bundesamt meint, auch die Konsumausgaben hätten (geringfügig) im Vergleich zum 1. Quartal 2007 zugelegt, so beschönigt auch dieser Vergleich enorm, denn das1.Quartal 2007, mit dem man dann vergleicht, hatte wegen der aus Gründen der MWSt-Erhöhung nach 2006 vorgezogenen Nachfrage privater Haushalte die schlechtestes Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte seit sehr vielen Jahren, siehe hier. Eine ausführlicher Darstellung enthält der neue Rundbrief.


Gedanken zur Zeit 887 15-05-08: Warum kein „mea culpa" des Bundespräsidenten?

Bundespräsident Horst Köhler hat im Gespräch mit dem Magazin "Stern" die Banken mit Blick auf die weltweite Krise der Finanzmärkte scharf kritisiert: "Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte. Die Finanzmärkte haben sich zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss. Dies muß auch jedem verantwortlich Denkenden in der Finanzwelt klar geworden sein. Die Überkomplexität der Finanzprodukte und die Möglichkeit, mit geringstem eigenem Haftungskapital große Hebelgeschäfte in Gang zu setzen, haben das Monster wachsen lassen. Es hat kaum noch Bezug zur Realwirtschaft. Dazu gehören auch bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager. Die Finanzwelt hat sich mächtig blamiert. Ich vermisse aber noch immer als Schuldbekenntnis, ein klar vernehmbares mea culpa."

Nun ist Horst Köhler nicht irgendwer, sondern ein jahrelang selbst hochbezahlter Insider der internationalen und deutschen Finanzwelt. Er war als Finanzstaatssekretär und Sherpa von Bundeskanzler Kohl für internationale Finanzfragen verantwortlich. Er hat als Präsident des deutschen Sparkassenverbandes intime Kenntnisse, wie Finanzinstitutionen operieren, gewonnen. Er hat in dieser Funktion und dann als Präsident der Osteuropabank die schweren Finanzkrisen in Ostasien und dann in Rußland erlebt, die von der internationalen Finanzspekulation angerichtet wurden. Er war als Chef des Internationalen Währungsfonds in der höchsten Verantwortung, die die internationale Finanzwelt bereit hält. Von dort hätten rechtzeitige Warnungen kommen müssen, wenn überhaupt eine multinationale Organisation verantwortlich war. Jetzt warnt der IWF immer wieder, aber nun viel zu spät, vor einem Anhalten der Krise an den Finanzmärkten.

Was hat Horst Köhler eigentlich getan, um dem Unheil, das sich nun jahrelang aufgetürmt hat, aus seiner Position beim IWF in Washington entgegenzuwirken? Nicht einmal Warnungen aus seinem Munde sind bekannt. Warum meldet er sich erst, nachdem das Kind unüberschaubar in den Brunnen gefallen ist? Er sollte jeden, auch falschen Eindruck vermeiden, mit absichtlich gewählten starken Worten von einer evtl. vorhandenen eigenen früheren politischen Mitverantwortung ablenken zu wollen.


Gedanken zur Zeit 886 14-05-08: Spendenbereitschaft für Zyklon-Opfer gering?

Da meldet die Tagesschau: "Täglich gibt es zu den Meldungen über die Katastrophe in Birma Aufrufe zum Spenden. Doch anders als bei der Tsunami-Katastrophe 2004 halten sich die Deutschen zurück. Ein Grund seien die Berichte, dass die Hilfe nicht ins Land gelassen wird, sagt Experte Wilke im NDR-Interview."

Was nützen auch Spenden, wenn sie nicht durchkommen oder nur in die Hände der Militärclique? Nun ist der Versuch im Sicherheitsrat, an die birmesische Führung zu appelieren, gescheitert. China hat sein Veto angekündigt und dann läuft dort nichts. China ist nun mal der Protektor der birmesischen Diktatur wie vieler Diktatoren in Afrika. Schon im September letzten Jahres, als die Mönche in Birma niedergeknüppelt wurden, stellte sich China vor das Regime. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums erklärte, China würde immer eine Politik der Nichteinmischung verfolgen, und verhinderte so eine andere Resolution des Sicherheitsrates.

China ist der bei weitem größte Waffen- und Wirtschaftspartner der Junta. Schon anfangs der 90er Jahre fanden die ersten großen Waffenlieferungen aus China statt. Dafür erhielt China Stützpunkte und Radarposten entlang der wichtigen Seeversorgungsstraßen. Alle größeren Infrastrukturprojekte werden von den Chinesen betrieben. Dazu gehören die Hauptstraßenverbindungen zum Irrawaddy Fluß, der mit dem Hafen von Rangoon verbindet, ein Hauptwasserweg für China. Vor etwa einem Jahr erschien ein Artikel in Le Monde Diplomatique mit dem bezeichnenden Titel "Burma: a 24th province for China". Das Ganze ist ein schreckliches Trauerspiel zwischen Menschenrechten und Wirtschafts- bzw. Militärinteressen.


Gedanken zur Zeit 885 14-05-08: Bitte mal ran an den neuen Schwerpunkt

Es war keine leichte Geburt. Die Gedanken zur Zeit von gestern waren schon ein Wetterleuchten in meinem Hinterkopf. Ich konnte das Thema nicht liegenlassen. Und so gibt es nun einen neuen Schwerpunkt: „Deutschland verspielt seine soziale Sicherheit".

Auch hier wird wieder viel verglichen, aber auch eine Menge an Mechanik analysiert. Der letzte Satz: „Doch ein Land, das in Angst um seine soziale Sicherheit lebt, verliert auch die Würde und Schaffenskraft seiner Menschen."


Gedanken zur Zeit 884 14-05-08: Jahnke im WDR-Mittagsmagazin

Gestern interviewte mich das WDR-Mittagsmagazin zu meinem Europatest. Ausgelöst hatte das Interesse mein Namensartikel in der Frankfurter Rundschau.

Wenn Sie mein 3-Minuten-Interview hören wollen und Ihr PC mit Tonkarte und Lautsprecher ausgerüstet ist, können Sie hier anklicken.


Gedanken zur Zeit 883 14-05-08: Reichsarbeitsdienst? Die Panik der Bundesregierung vor der nächsten Welle an Arbeitslosigkeit treibt extreme Blüten

Die Linke bei 20 % und damit von der Regierung nicht mehr fernzuhalten? Die CSU in Bayern in der Opposition? Alles möglich, wenn sich die Wirtschaft dem bisherigen Trend folgend weiter abkühlt und die nächste Welle an Massenarbeitslosigkeit auf Deutschland zurollt. Statt unter 3 Millionen zu fallen, kann die Arbeitslosigkeit wieder auf über 4 oder 5 Millionen ansteigen. Die ehrlich gemessene Arbeitslosigkeit liegt ohnehin immer noch bei weit über 6 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit ist umso größer, da die Nachfrage privater Haushalte nicht anspringen wird und der Export zu schwächeln begonnen hat. Deutschland wird in der nächsten Krise viel schlechter dran sein als die meisten anderen Industrieländer (mit Ausnahme USA und Großbritannien).

Die neuesten Projektionen für die Krise in USA gehen auf bis ins nächste Jahr sinkende Hauspreise und eine immer weiter absinkende Konjunktur. Der renomierte Prof. Roubini, Professor an der Stern School of Business der New York University, der als einer der Ersten den Immobilien-Crash in den USA und eine folgende Rezession vorausgesagt hat, heute im Handelsblatt: „Ich denke, dass die Rezession (in USA) mindestens vier Quartale dauern wird. Vielleicht sogar bis zur Mitte nächsten Jahres. Im Vergleich zu dem sehr milden Abschwung im Jahr 2001 schätze ich die wirtschaftliche Lage heute als wesentlich schlechter ein. Wir befinden uns mitten in der größten Immobilienkrise seit der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre. Und die Lage verbessert sich nicht, sondern wird noch schlimmer. Ich rechne damit, dass die Hauspreise insgesamt um 30 Prozent fallen werden. Das wird das Vermögen vieler US-Haushalte auslöschen und sie in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Spüren werden das auch die Banken, wenn die Kreditausfälle zunehmen. Die Krise hat sich längst auf Hypotheken mit besserer Bonität ausgeweitet und greift jetzt auch auf Kreditkarten, klassische Konsumentenkredite, Autofinanzierungen und Firmendarlehen über. Im Moment sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels. Sowohl auf den Finanzmärkten als auch in der realen Wirtschaft wird sich die Lage zunächst noch weiter zuspitzen."

Und weiter: "Ich glaube nicht an die Abkopplung anderer Wirtschaftsräume von den USA. Wenn wir hier eine schwere Rezession erleben, werden das auch andere Teile der Welt über die Kanäle des Handels, der Währungen und der Finanzmärkte zu spüren bekommen. In Großbritannien, Irland und Spanien muss man aufgrund der dortigen Immobilienkrisen ebenfalls mit einer Rezession rechnen. Außerdem sind viele europäische Firmen als Kreditnehmer direkt von der Kreditklemme betroffen. Die Konjunktur in Deutschland wird wesentlich vom Export und nicht von der Binnennachfrage getragen. Ein Abschwung in Amerika wird deshalb auch die deutsche Wirtschaft treffen, zumal die Exportunternehmen durch den starken Euro noch zusätzlich belastet werden. Ich rechne deshalb mit einem deutlichen Abschwung auch in Deutschland. In Europa wird man sich noch wundern, wie stark das Wachstum zurückgeht. In Japan rechne ich mit einer Rezession." Tatsächlich wird heute bekannt, daß der Durchschnittspreis für ein Familieneigenheim in USA im 1. Quartal 2008 mit einem Minus von fast 8 % den tiefsten Sturz seit 29 Jahren genommen hat.

Und nun der CSU-Bundeswirtschaftsminister in seiner Presseerklärung von heute bei der Vorstellung seines Modells zur Bürgerarbeit: "Das Modell sieht vor, von Empfängern staatlicher Lohnersatzleistung eine Gegenleistung in Form von Bürgerarbeit zu verlangen. Dadurch soll der Anreiz gestärkt werden, die eigene Existenz durch eine Vollzeit-Tätigkeit selbst zu sichern. Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hatte im letzten Jahr errechnet, dass durch die Umsetzung dieses Modells ein kräftiger Beschäftigungseffekt von bis zu 1,4 Millionen Arbeitsplätzen ausgelöst werden kann. Mit dem Konzept sei keine Arbeitspflicht verbunden, wohl aber eine Pflicht zur Mitwirkung." Das Konzept sieht eine Arbeitspflicht von 39 Wochenstunden vor. Empfänger von staatlichen Lohnersatzleistungen, vor allem Arbeitslosengeld II, sollen als Gegenleistung zu einer Arbeit für die Gemeinschaft verpflichtet werden. Sonst riskieren sie eine Kürzung oder Streichung dieser Leistung. Dadurch sollen mehr Anreize zur Aufnahme einer Vollzeitarbeit geschaffen werden: Kein erwerbsloser Arbeitsloser soll Zeit haben, schwarz zu arbeiten oder einfach zu Hause zu bleiben.

Keine Arbeitspflicht? Natürlich läuft das Konzept auf eine Art Reichsarbeitsdienst hinaus.


Gedanken zur Zeit 882 13-05-08: Zu geringer Aufwand für die soziale Sicherheit in Deutschland

Nun bringt es ein neuer EU-Vergleich ans Licht: Deutschland verspielt nicht nur mit zu wenig Aufwand für die Bildung und eine schlechte Integration der stark zunehmenden Jungendlichen mit Immigrationshintergrund ein Stück Zukunft, es tut auch zu wenig für die soziale Sicherheit.

Die Eurostat-Pressemitteilung vom 8. Mai 2008 hat es in sich. Dort wird in nackten Zahlen vorgeführt, wie sich in der EU die Kosten für die soziale Sicherheit verhalten und wie sie sich zwischen 2000 und 2006 entwickelt haben. Berücksichtigt man, daß Deutschland eine besonders stark alternde Bevölkerung hat und daher relativ mehr für die soziale Sicherheit ausgeben sollte als die Vergleichsländer in der Alt-EU, und stellt dementsprechend auf die Ausgaben für soziale Sicherheit pro Kopf der Bevölkerung ab 30 Jahre ab, so lag Deutschland 2005 auf einen sehr enttäuschenden 11. Platz unter 15 und hat nur noch das europäische „Armenhaus" mit Italien, Spanien, Griechenland und Portugal unter sich (siehe Abbildung). Dänemark und Schweden führen nach Luxemburg das Feld an. Besonders bedrohlich für Deutschland: Hier ist der Zuwachs seit 2000 in Ausgaben pro Bruttoinlandsprodukt mit nur 0,2 % pro Jahr der weitaus geringste (siehe Abbildung).

Eine ausführlichere Darstellung mit mehr Abbildungen enthält der neue Rundbrief.


Gedanken zur Zeit 881 13-05-08: Stagflation: Nun zahlen wir die Chinaschnäppchen gleich mehrfach zurück

Phase 1 ab 2001:

Die großen westlichen Handelsnationen reißen in ihrer Gier nach Chinaexport (jeder Chinese ein Volkswagen) alle westlichen Einfuhrschranken für Produkte aus dem Milliarden-Menschen Staatshandelsland nieder. Die Dumpinglawine aus dem größten Niedrigstlohnland der Welt mit Streikverbot und ohne unabhängige Gewerkschaften beginnt zu rollen. China übernimmt in wenigen Jahren große Teile der westlichen Industrieproduktion und wird zur Werkbank der Welt. Jetzt findet man China-Waren als Vorerzeugnisse, Halb- oder Fertigwaren in fast allen unseren Konsumprodukten und sogar in sehr vielen Nahrungsmitteln.

Die Chinaschnäppchen begeistern die Verbraucher in aller Welt, vor allem in USA. Da China im Gegenzug amerikanische niedrigverzinste Schatzpapiere kauf, können sich die USA und amerikanischen Verbaucher unbegrenzt bei China verschulden. Der starke Dämpfer auf die amerikanischen Verbraucherpreise macht die Fed blind für die wirklichen Inflationsgefahren und trägt zur Politik des billigen Geldes entscheidend bei. Die ihrerseits fördert den künstlichen Immobilienboom in USA. Die amerikanischen Verbraucher werden zur Lokomotive der Weltwirtschaft. Doch diese Lokomotive wird nicht mit echten Kohlen befeuert. Noch sieht alles gut aus.

Phase 2 ab 2006:

China kann seine exportangetriebene Wirtschaft nicht entwickeln, ohne in den Städten eine zu relativem Wohlstand kommende Mittelklasse zu entwickeln. Die fordert ihren Tribut mit dramatisch steigenden Ansprüchen an anspruchsvolle Nahrungsmittel, Motorisierung, Wohnungsbau und im Ergebnis mit einer stark steigender Nachfrage nach Öl, Nahrungsmitteln und Rohstoffen auf den Weltmärkten. Das treibt dort mitentscheidend die Inflation hoch.

Gleichzeitig werden die Verbraucherpreise in China dramatisch hochgetrieben: von 1,5 % in 2006 auf 8,5 % im April 2008 (siehe Abbildung). In der Milchabteilung der Supermarktkette Jingkelong in Peking haben die Verkäufer in diesen Wochen viel zu tun. "Die Preise für Joghurt und andere Milchprodukte steigen so schnell, dass wir alle paar Tage neue Preise auszeichnen müssen", sagt eine Verkäuferin. Manche der Kunden, vor allem Rentner und Wanderarbeiter, machen deshalb einen Bogen um die Kühlregale. Vor allem die Lebensmittelpreise explodieren, im ersten Quartal um 21 %. Die Fleischpreise legten im April im Vergleich zum Vorjahr um 47,9 Prozent zu. Ein Kilo Schweinefleisch kostet in Peking mittlerweile umgerechnet 2,50 Euro - der halbe Tagesverdienst eines Wanderarbeiters. Ähnlich sind die Teuerungsraten bei Gemüse und anderen Nahrungsmitteln. Und nicht zu vergessen: In den Monaten vor den Studentendemonstrationen 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens herrschte in China eine galoppierende Teuerung.

Schon aus politischen Gründen müssen nun in China die Löhne angehoben werden. "Es gibt die wachsende Befürchtung, dass die anhaltenden Preissteigerungen bei Lebensmitteln auf die Gehälter überspringen und es zu einer breit ansteigenden Inflation kommt", warnt der Internationale Währungsfond. Damit werden auch die bisher mit Niedrigstlöhnen unterfütterten Chinaschnäppchen notgedrungen teuerer. Da China inzwischen große Teile der Weltmärkte mit seinen Waren fast monopolisiert, können die Preise gefahrlos angehoben werden. So schnell werden die in den westlichen Ländern unter dem Druck der Chinaschnäppchen geschlossenen Industrien nicht wieder aufmachen. Mit dem Druck auf die Weltmarktpreise für Öl, Nahrungsmittel und Rohstoffe und der Verteuerung seiner eigenen Exportwaren trägt China ganz erheblich zur weltweiten Inflation bei. Wir haben begonnen, die Chinaschnäppchen gleich mehrfach zurückzuzahlen. Der IWF sieht die Inflation als das größte derzeitige Problem für die Weltwirtschaft.

Gleichzeitig beginnt die Nachfrage amerikanischer Verbraucher wegzubrechen, nachdem die Politik der Verschuldung mit der Immobilienkrise an ihre Grenzen stößt. Auch in anderen Ländern bringt die Inflation die Verbrauchernachfrage in den Kühlschrank. Die Kombination aus Stagnation und Inflation ist Stagflation. Gegen die hat die neoliberale Wirtschaftswissenschaft kein kurzfristiges Heilmittel anzubieten. Die Krise kann viele Jahre dauern.

Eigentlich hätten sich unsere schlauen Politiker an den 10 Fingern abzählen können, daß auf Phase 1 die Phase 2 folgen muß, so sicher wie in der Kirche das Amen.

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 880 13-05-08: Eine kleine Aufmerksamkeit für Käufer meines neuen Buches

Nun habe ich eine erweiterte Version des Europatests zum Ausdrucken in Farbe erstellt. Sie kommt als pdf-Datei auf 20 Seiten im gleichen Format wie mein neuestes Buch und kann damit dort leicht hineingelegt, aber auch in Diskussionen mitgenommen werden. Der Titel lautet „Armes Deutschland - Das haben wir nicht verdient!".

Wer mein Buch erworben hat, kann per Email hier die Zusendung der Datei per Email bestellen. Es ist quasi mein besonderer Dank an die Leser meines Buches. Wie Sie wissen, halte ich das Buch für eine besonders wichtige Ergänzung der Webseite für diejenigen, die sich der Verdummung durch die gemachte Meinung widersetzen wollen.


Gedanken zur Zeit 879 11-05-08: Nochmal amtliche und gefühlte Inflation

Nun habe ich von Prof. Brachinger die Abfolge der von ihm mit einem realistischer Warenkorb berechneten gefühlten Inflation gefunden (siehe Abbildung). Legt man die an die Zeitreihe für die Einkommensentwicklung an, so haben die Bruttolöhne und -gehälter entsprechend bereinigt um 23 % seit 2000 verloren, während die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um den BIP-Deflator bereinigt 43 % dazugewonnen haben (siehe Abbildung). Das zeigt dann das ganze Ausmaß der echten sozialen Verwerfung in Deutschland.


Gedanken zur Zeit 878 11-05-08: Zur Inflation

Heute erreichte mich folgende Mail: "Als interessierter Leser Ihres Informationsportals fällt mir immer wieder auf, dass sie die zurecht manipulierten Arbeitsmarktdaten und andere Zahlen massiv "geraderücken" , nur bei den offiziellen Inflationsraten oder auch denen der EU gehen sie meiner Meinung nach sehr milde ins Gericht. Könnten sie hier nicht auch einmal auf die bewusste "Statistikfälschung" mittels Hedonik und anderer Möglichkeiten eingehen. Auch der warenkorb ist ja nicht repräsentativ, auch mit diesem läßt sich die Rate beliebig nach unten korrigieren. Meines Erachtens liegt hier eine massive Zeitbombe begraben, gerade was die Vermögensbildung meiner Generation (geb.1970) betrifft, denn wenn die "tatsächliche" Inflation bei eher 7-8 % liegt, als die mittlerweile zugegebenen 3,1 %, frisst diese mir grosse Teile meiner Sparleistungen weg und bringt noch viel mehr Brisanz in die Rentendebatte."

Und das war meine Antwort: "Sie haben recht. Eigentlich müßte ich jedesmal die gefühlte Inflationsrate hinzusetzen. Ich tue das häufig, aber nicht regelmässig. Bei Ländervergleichen ist es z.B. nicht so wichtig, den Unterschied zu machen, da die Verzerrung ja überall auftritt. Zuletzt habe ich Ende März in Gedanken zur Zeit darauf hingewiesen. Leider gibt es zur gefühlten Inflation nur die Arbeiten von Brachinger, aber keine amtlichen und aktuellen Daten. Ich selber habe zwei Grafiken auf der Webseite, die ich hier und hier anfüge, und die die jeweils letzten Brachinger-Berechnungen enthalten, auch für die Rentner. In der Tat dürfte die gefühlte Inflation um 7 % liegen."

Die letzten Daten des Statistischen Bundesamtes für April zeigen bei den Großhandelspreisen eine Inflation von 6,9 % an (siehe Abbildung). Die Nahrungsmittelpreise werden von der Gruppe "Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette" mit 21,5 % gewaltig angetrieben. Nach den letzten Zahlen für die Verbraucherpreisinflation im März kamen die Nahrungsmittel auf 8,2 % gegenüber Vorjahr (siehe Abbildung); das liegt viel näher an der von den Verbrauchern tatsächlich gefühlten Inflation.

Nun habe ich mich mal bei der Inflation auf den Weltmärkten für wichtige Agrarprodukte umgesehen. Die machen seit Mitte letzten Jahres enorme Sprünge, im Durchschnitt von April 2007 bis April 2008 um 46 % (siehe Abbildung). Das ist die Lawine, die auch Deutschland erreicht hat. Angesichts weiter steigender Ölpreise werden die Nahrungsmittelpreise kaum wesentlich sinken können. Höchste Zeit, daß die Bundesregierung das Statistische Bundesamt anweist, die gefühlte Inflation regelmäßig zu melden.


Gedanken zur Zeit 877 11-05-08: Abwanderung von Arbeitsplätzen - Der Denkfehler des Albrecht Müller

Vor ein paar Tagen hat sich Albrecht Müller, Bestsellerautor von „Die Reformlüge", mal wieder bestätigt gefühlt. Der SPIEGEL hatte gemeldet: „Experten sprechen schon von einer Renaissance des Industrie-Standortes: Weniger Unternehmen als bisher verlagern Arbeitsplätze ins Ausland, oft genug beschert der Job-Export ihnen nur Probleme. Deutschland wird wettbewerbsfähiger - denn gleichzeitig schwinden die Kostennachteile." Tatsächlich hatte das Fraunhofer Institut gemeldet, ein Drittel der Verlagerung bringe nicht die erwünschten Effekte. Nun ist das, wenn es denn stimmen sollte, eine relativ normale Fehlerquote bei so gewagten Unternehmensentscheidungen. Es gibt übrigens Studien mit anderen Ergebnissen. (Vielleicht erinnern wir uns auch noch an die kürzliche und schmerzvolle Schließung des Nokia-Werkes in Deutschland und die Verlagerung der Produktion nach Rumänien.)

Trotzdem greift Albrecht Müller unter der Überschrift "Denkfehler Nr. 13 - Panik wegen der Abwanderung von Arbeitsplätzen?" schnell in die Harfe und erinnert an seinen Bestseller: „Der folgende Text ist im Frühjahr 2004 geschrieben. Schon damals war erkennbar, dass die Behauptung von einer quantitativ bedrohlichen Abwanderung übertrieben ist. Was man heute weiß, konnte man auch damals wissen. Und dennoch ist massiv Abwanderungspropaganda gemacht worden. Übrigens: „Die Reformlüge" und die dort abgehandelten 40 Denkfehler haben nichts an Brisanz verloren. Dieses Buch ist immer noch eine gute Anleitung zum Blick hinter die Kulissen der Meinungsmacher in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Das schreibe ich - zugegebenermaßen - mit einem gewissen Stolz."

Nun sollte Albrecht Müller bei allem Stolz zwei seiner eigenen Denkfehler nicht übersehen. Erstens müssen ja nicht ein bestimmter Betrieb oder Teile davon verlagert werden, damit Arbeitsplätze abwandern. Dies ist ohnehin eher die Ausnahme. Es reicht ja völlig aus, daß die Konkurrenz aus Billigstländern, wie China, Unternehmen in Deutschland zur Produktionseinschränkung mit Arbeitkräfteabbau oder gar zur Aufgabe zwingt. Dann wird die Produktion als solche praktisch verlagert, ohne das ein Betrieb das Land ganz oder teilweise verläßt. Das ist der Normalfall, um den es bei der neoliberalen Globalisierung und der Verlagerung von Arbeit geht und der sich immer wieder ereignet hat und weiter ereignen wird. So ist China zur Werkbank der Welt geworden. Ganze Branchen, wie die Unterhaltungselektronik-, Haushaltsgeräte-, Computer-, Handy- oder Kameraproduktion sind auf diese Weise voll oder teilweise nach Japan, China, Taiwan und andere Billigstlohnländer verlagert worden. Wenn sich Albrecht Müller nur auf die Verlagerung von Unternehmen beschränkt, springt er zu kurz.

Zweitens und noch wichtiger drohen Unternehmen ständig mit Verlagerung, um entweder Lohndisziplin oder längere Arbeitszeiten zu erzwingen. Für die Arbeitnehmer ist es unmöglich die Ernsthaftigkeit solcher Drohungen zu beurteilen. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit zeigen sie dann ihre Wirkung. Sonst wäre es unmöglich gewesen, den deutschen Arbeitnehmern im Verleich der Alt-EU die schlechteste Lohnentwicklung seit dem Jahr 2000 aufzuzwingen. Hier ist der eigentliche Hund begraben, mit dem sich Albrecht Müller in seinem Bestseller gar nicht erst beschäftigt hat.

Deutsche Arbeitnehmer sind in allen drei Fällen Verlierer der Globalisierung. Schade, daß Albrecht Müller das alles für alte Hüte hält und statt dessen seinen Text aus 2004 hochhält, der längst hätte überarbeitet werden müssen, um den Realitäten angepaßt zu werden.


Gedanken zur Zeit 876 10-05-08: Was läuft eigentlich an der Basis?

In diesen Tagen, da ich in wenigen Monaten 70 werde und immer wieder darüber nachdenken, wie lange ich den Ganztagsjob mit der Webseite eigentlich betreiben kann, werde ich immer wieder durch eingehende Ansprachen durchgerüttelt. Heute erreichten mich zwei Mails. In der einen meldete sich ein Gymnasiallehrer: "DANKE für dieses Buch. Wir brauchen es im Schulunterricht (Sozialwissenschaften am Gymnasium) nahezu lebensnotwendig, um den pausenlos auf uns einprasselnden neoliberalen Parolen sachgerecht entgegentreten zu können! Ihr Blick "von außen" (über Deutschland hinaus) ist zurzeit durch NICHTS Vergleichbares zu ersetzen! Und bitte: machen Sie auch uns Mut, die wir an der Basis stehen und schwerste Aufklärung zu leisten haben, dass es sich lohnt nicht aufzugeben!" Diese und ähnliche Ansprachen werden es mir unendlich schwer machen, aufzuhören.

In einer zweiten Mail wird mir gesagt, daß ich mit dem letzten Artikel in der Frankfurter Rundschau eine Debatte mitanschiebe, die Deutschland braucht.

Es ist eigentlich schlimm um Deutschland, seine Medien und seine Aufklärungskultur bestellt, wenn kritische Analysen, wie z.B. meine, so schwer ersetzbar sein sollten. Wenn ich die Zeichen der Zeit richtig sehe, dann bin ich vor drei Jahren schlicht zu früh gestartet. Doch heute ist es so viel leichter geworden, gehört zu werden, und dies wegen der Offensichtlichkeit, mit der die Dinge in Deutschland falsch laufen. Doch die meisten Menschen verstehen zwar, daß die Richtung nicht stimmen kann, glauben aber immer noch, daß man dagegen nichts tun kann. Das ist natürlich eine Form von Defaitismus, die es den herrschenden Interessen umso leichter macht, sich immer wieder durchzusetzen. Wir sind viel stärker als wir glauben!


Gedanken zur Zeit 875 10-05-08: Danke Robert von Heusinger, Respekt vor Ihnen und der FR!

Die Medien, die sich in Deutschland von Zeit zu Zeit für meine kritische Arbeit interessieren, sind die Frankfurter Rundschau, die TAZ, einige öffentlichrechtliche Rundfunksender und mehrere ebenfalls kritische Webseiten. Andere Medien werden es sich politisch nicht leisten wollen. Als ich den Leiter des Ressorts Wirtschaft der Frankfurter Rundschau, Robert von Heusinger, vor einigen Tagen auf meinen Europatest aufmerksam machte, zeigte er sofort Interesse. Herausgekommen ist eine, wie ich meine, vor allem in der Redaktion der Printausgabe (aber auch online) sehr schöne ganzseitige Darstellung in der Ausgabe vom letzten Freitag.

Daraufhin haben mich sehr viele positive Zuschriften erreicht. MdB Willi Brase (SPD-Bundestagsfraktion) schrieb: "Zu Ihrem Artikel in der Frankfurter Rundschau gratuliere ich sehr herzlich. Er zeigt deutlich die reale Lage auf, wie sie von vielen Menschen in unserem Lande gesehen wird. Ich habe den Link Ihrer Internetseite weitergeleitet und hoffe, dass Ihre Informationen reichlich gelesen werden." Hier noch einige andere, die mir auf die Schultern klopften: "Weil ich gerade Ihren herausragenden Beitrag samt Grafiken in der FR studiert habe, möchte ich Ihnen spontan herzlich gratulieren. Vor allem auch dazu, daß Sie es auf diese Weise geschafft haben, Ihrem nach wie vor hochklassigen Internet-Auftritt zusätzliche starke Beachtung zu verschaffen und obendrein auf Ihr einzigartiges neuestes Buch aufmerksam zu machen ." "Ich freue mich persönlich für Sie, über den gut aufgemachten Gastbeitrag in der heutigen FR. Die in etwa halbzeitige Grafik finde ich gelungen. Sie zeigt unmissverständlich für die Leser, wo Deutschland in vielen Bereichen der Wirtschaft usw. liegt. Die Grafiken werden auch auf dem FR-Onlineangebot sehr gut dargestellt und kommentiert." (Die einzige zwar zustimmende, dann aber an einem Nebenpunkt stark mäkelnde Reaktion kam von NachDenkSeiten, worauf ich hier reagiert habe, schade!)

Die Veröffentlichung in der FR hat auch der Verbreitung meines Buches neuen Schwung gegeben, an der mir um der Sache willen so viel liegt. Ich bleibe dabei: Meine Webseite braucht dringend die Ergänzung durch ein Buch, das man in Ruhe lesen und dann immer bei Bedarf zur Hand haben kann, weil es sich auch als Nachschlagewerk eignet.

Nun möchte ich mich an dieser Stelle bei Robert von Heusinger herzlich bedanken. Ich respektiere seine und die Gradlinigkeit der FR, weiter auf kritischem Kurs zu bleiben, wo der durch die Verhältnisse gerechtfertigt ist.


Gedanken zur Zeit 874 10-05-08: Die Angebotsorientierung der deutschen Wirtschaftspolitik und die Wüste

Einst war wenigstens Deutschland West ein "blühendes Land". Dann kamen in USA Ronald Reagan, in Großbritannien Maggy Thatcher und später der New-Labour Blair und schließlich in Deutschland der Neu-SPD Schröder mit seinen angeblichen Reformen. Tatsächlich wurde eine stramm angebotsorientierte Politik eingezogen, die über viele Jahre immer mehr in die Wüste geführt hat, auch wenn dies die derzeitige Bundesregierung selbst jetzt noch nicht wahrhaben will. Wenn nun - und sei es nur im Rahmen normaler Konjunkturzylen der Weltwirtschaft - der deutsche Export auch noch wegbricht, bleibt den Deutschen nur Heulen und Zähneklappern.

Die große Fehlkalkulation der angebotsorientierten Politik ist eine doppelte. Einerseits ist es die Hoffnung auf Investitionen im eigenen Land, wenn man nur die Unternehmenssteuern senkt und auch den Spitzensteuersatz für die Reichen. Da ist im Zeitalter einer neoliberalen Globalisierung und der Attraktivität unsozialer und umweltschädigender Länder sowie des internationalen Steuerwettlaufs ein übler Trugschluß. Andererseits geht die Erwartung nicht auf, daß die Reichen und Kapitaleigner ihre hohen und steuerbegünstigten Einkommen zu Hause in den Konsum und damit in Arbeitsplätze und Masseneinkommen zurückschleusen. Es gibt kein Heruntertropfen ("trickle-down") des Wohlstands. Die Reichen haben nämlich schon alles und können nur immer kleinere Anteile ihrer Einkommen selbst verbrauchen. Der große und wachsende Rest wird spekulativ an den Finanzmärkten angelegt oder in Investitionen in hoffnungsvollen Billigstländern verbraten. Was in Deutschland bleibt, ist eine sozialpolitische und bei abbrechendem Export auch gesamtwirtschaftliche Wüste.

Dies finden Sie ausführlich und mit vielen Grafiken dargestellt im neuen Schwerpunkt "Die extrem angebotsorientierte deutsche Wirtschaftspolitik hinterläßt eine Wüste".


Gedanken zur Zeit 873 10-05-08: Können die Volksvertreter das Volk noch vertreten?

Erst einmal die Fakten. Nun wird im Bundestag ein Gesetzentwurf zur Erhöhung der Abgeordnetendiäten beraten. Die wurden erst im November um 9,4 % auf 7668 Euro erhöht. Der Öffentlichkeit verkauft wurde die Erhöhung damals mit Abstrichen bei den Altersbezügen. Allerdings wird den Berechnungen des Bundes der Steuerzahler zufolge aus der angeblichen Absenkung eine Erhöhung: "Gegenwärtig bekommt ein Abgeordneter nach acht Jahren Zugehörigkeit zum Parlament 1468 Euro, nach der geplanten Erhöhung wären es nun 1632 Euro", so der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz Däke.

Hinzu kommt die steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von 3647 Euro, die jährlich an die Steigerung der Lebenshaltungskosten angepasst wird. Die Pauschale soll unter anderem die Kosten für Miete und Verpflegung in Berlin decken. Zusammen also 11315 Euro.

Jetzt geht es um noch einen Schluck aus der Pulle um weitere 8 % auf 8159 Euro oder zusammen mit der Kostenpauschale auf 11806 Euro. Der viel zitierte „Eckrentner" brachte es dagegen 2007 nach 45 Arbeitsjahren im Westen lediglich auf 1182 Euro, im Osten auf 1040 Euro. Der durchschnittliche Bruttolohn eines Arbeitnehmers lag bei 2262 Euro (was die Ackermanns u.Co. einschließt).

Das sind für einen Abgeordneten 1150 Euro oder bis zum Jahr 2010 16,4 % mehr pro Monat, wenn man die beiden Schlücke zusammennimmt. Ein Rentner bekommt dagegen nach der jämmerlichen Erhöhung um 1,5 % gerade einmal 10 Euro mehr. Setzt man dann noch die gegenwärtige Teuerungsrate von rund 2,5 % ein, so bekommt der Rentner 6,67 Euro weniger, der Volksvertreter dagegen 974 Euro mehr.

Und nun lassen Sie uns fragen, kann so ein Volksvertreter eigentlich noch die Lage normaler Menschen in seinem Wahlkreis nachvollziehen, oder ist er auch schon von der Gier nach immer mehr Geld aufgefressen und spielt das Spiel derer, die nimmer genug bekommen können, egal wo es herkommt? Wie kann ein SPD-Abgeordneter, der doch die kleinen Leute vertreten will, das noch mit seinem Gewissen verantworten? Das ist mir schlicht unerfindlich. Schämen sich die CDU-Abgeordneten nicht, die vor Tagen in BILD und anderswo noch gegen die Minirentenerhöhung protestiert haben, nur um dann die eigenen mehr als einhundertmal größere Erhöhung einzusacken?


Gedanken zur Zeit 872 10-05-08: Wieder einmal Korrespondenz mit Nachdenkseiten

Anmerkung Wolfgang Lieb (Nachdenkseiten) zu meinem heutigen Artikel in der Frankfurter Rundschau:

„Ich teile ausdrücklich die hier zum Ausdruck kommende Auffassung von Jahnke, dass in Deutschland seit Jahren eine falsche Wirtschafts- und Sozialpolitik betrieben wird und dass dieser deutsche Sonderweg fälschlicherweise mit angeblichen Gründen der Globalisierung begründet wird. Nicht übereinstimmen kann ich mit der Auffassung, dass die Demographie bereits begonnen habe die Wirtschaftsentwicklung zu bremsen. Wir haben doch derzeit die Generation der Baby-Boomer im erwerbsfähigen Alter, wir haben eher einen „Studierenden-Berg" zu überwinden und wir haben eine Situation, der die Hälfte der Schulabsolventen keinen regulären Ausbildungsplatz erhält. Wir haben wegen einer falschen Wirtschaftspolitik zu wenig Arbeitsplätze, wir haben wegen einer falschen Hochschulpolitik zu wenig Hochschulabsolventen und wegen einer völlig unzulänglichen beruflichen Förderung in absehbarer Zeit Restriktionen bei Facharbeitern. Diese Fehler bremsen die Wirtschaftsentwicklung und eben nicht die Demografie."

Meine Antwort:

„Hallo Herr Lieb, Es ist schön, daß Nachdenkseiten wieder einmal und sicher nur ausnahmsweise mit mir linken, wenn auch nicht direkt mit dem Infoportal (vielleicht wollten Sie an der Frankfurter Rundschau nicht vorbeigehen müssen). Ich möchte aber doch kurz auf Ihren angehängten Kommentar reagieren. Leider gehen Sie mit keinem einzigen Wort auf das eigentliche Ergebnis des Vergleichs ein, sondern beschränken Ihren Kommentar neben einer sehr knappen Zustimmung zu den "angeblichen Gründen" der Globalisierung auf einen einzigen in diesem Zusammenhang nebensächlichen Satz zu den demographischen Auswirkungen. Wenn ich von „angeblichen" Gründen der Globalisierung schreibe, meine ich natürlich nicht, daß die Globalisierung im Vergleich zur ureigenen deutschen Wirtschaftspolitik keine besondere Rolle spiele (dies war nach meiner Erinnerung die Beurteilung von Nachdenkseiten), sondern daß die Globalisierung mit Verlagerungsdrohungen und anders ausgenützt wird und daher ihre Spielregeln zu ändern sind.

Bei der Demographie hatte ich immer einen Unterschied zu Albrecht Müller, der den Geburtenrückgang vor allem für ein von der privaten Versicherungswirtschaft erzeugtes Gespenst hielt. Nun hat sich allerdings der Geburtenrückgang entgegen seiner Erwartung auch im letztgemeldeten Jahr 2006 fortgesetzt, und Deutschland ist seit 2000 um weitere zwei Plätze in der Alt-EU abgerutscht und ist nun mit Italien Schlußlicht in der Alt-EU. Die Zahl der ABC-Schützen ist lt. StaBuA weiter rückläufig, wobei der Geburtenrückgang nach meiner Information in einigen Gebieten bereits zu Schul- und Klassenschließungen führt. Schon jetzt fällt damit natürlich Nachfrage auf dem Binnenmarkt aus. Kleiner werdende Familien fragen auch weniger Wohnraum nach, etc..Sie dürfen das nicht unterschätzen. Es geht ja nicht nur, wie in Ihrer Gegendarstellung, um den Arbeitsmarkt.

Aber auch am Arbeitsmarkt hat entgegen Ihrer Darstellung die Generation der Baby-Boomer im erwerbsfähigen Alter den Abgang schon anzutreten begonnen, und es wird nun Jahr für Jahr mit einem Rückgang der Nachfrage nach Arbeit gerechnet, wie die IAB immer wieder feststellt (in diesem Jahr um 94.000). Eine Industrie, die sich ihre Standorte langfristig aussucht, wird eine solche Entwicklungen nicht negieren.

Sie wissen, wie ich, daß sich diese Entwicklung am Ende besonders in die Ausbildungen für hochtechnologische Berufe hinein fortsetzen wird. Wir haben also einen Anfang einer Entwicklung, die ihrerseits auch über den Arbeitsmarkt immer mehr auf das deutsche Wirtschaftswachstum drücken wird. Sie wird im übrigen sehr ausgeprägt in Teilen der neuen Bundesländer ausfallen, wo die Geburtenrate besondes drastisch abgerutscht ist und die Auswanderung dazukommt. Das schließt natürlich die Beibehaltung einer hohen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung vor allem bei Geringqualifizierten und Älteren nicht aus, die die ersten Opfer der Globalisierung mit Verlagerungen und Dumpingimporte wurden und werden. Dabei haben wir einen sehr hohen Anteil von Immigrantenkindern, die offensichtlich aus verschiedenen Gründen besonders schwer zu integrieren sind. In Großstädten wie Frankfurt, Nürnberg, Düsseldorf und Stuttgart haben Kinder mit Immigranten-Hintergrund an allen Kindern unter fünf Jahren bereits einen Anteil von mehr als zwei Dritteln. Auch das wird sich leider zu einem Wirtschafts- und Gesellschaftsproblem auswachsen und ist wegen der Rolle der Elternhäuser selbst mit der besten Bildungspolitik, die wir nicht haben, nicht zu verhindern."

Schade, daß Nachdenkseiten die Funkstille nur unterbrechen, um wieder recht zu haben und Kritik zu üben. Da kann ich mich dann auch wieder nur wehren.


Gedanken zur Zeit 871 10-05-08: Interviewfrage: Wenn Sie Bundeswirtschaftsminister wären?

Heute meldete sich bei mir ein deutscher Rundfunksender, der durch meinen Artikel in der Frankfurter Rundschau auf meine Fährte gekommen war. Es war ein Vorgespräch für ein Interview, das in einigen Tagen stattfinden soll. Am Ende wurde ich gefragt, was ich nun anders machen würde, wenn ich Bundeswirtschaftsminister wäre. Nun habe ich mich natürlich nicht auf dessen Stuhl setzen wollen. Auch läßt sich so schnell ohnehin nur wenig ändern, nachdem der falsche Kurs seit so vielen Jahren so fest eingefahren wurde. Doch dann konnte ich nicht länger ausweichen. Also habe ich folgende Punkte beispielsweise aufgezählt:

1. Einstellung des Gegenfeuers gegen gewerkschaftliche Lohnforderungen, die meist mit der Drohung von Jobverlusten beantwortet werden.

2. Rentenerhöhungen auf der Basis einer steuerlich finanzierten Zusatzrente, die einen Teil des Produktivitätsgewinns der Volkswirtschaft abschöpft, den sich derzeit die Kapitaleigner einseitig aneignen. Gleichzeitig Ausräumen der ständigen Verunsicherung wegen der Renten.

3. Flächendeckener Mindestlohn, wie in fast allen Nachbarländern.

4. Zurücknahme der Absenkung des Spitzensteuersatzes und Absenkung der Steuern für normale Arbeitseinkommen.

Für mehr war nicht Zeit, sonst hätte ich noch hinzugefügt:

5. Vorbereitung eines Konjunkturpaketes in Erwartung einer Rezession auch in der Eurozone.

6. Der Europäischen Zentralbank wird aufgegeben, neben der Geldwertstabilität auch die arbeitsmarktpolitischen Konsequenzen ihrer Geldpolitik zu berücksichtigen, wie das bei anderen Zentralbanken, wie FED und Bank of England üblich ist.

7. Verbot der Lohndiskriminierung von Leiharbeit, wie von der EU-Kommission geplant.

8. Voller Einsatz des Anti-Dumpinginstrumentariums gegen Importe aus Ländern, die Streiks verbieten und keine unabhängigen Gewerkschaften zulassen (betrifft vor allem China).

9. Keine weiteren Zollsenkungen für Industriegüterimporte aus Niedrigslohnländern (Ausnahme: echte Entwicklungsländer, nicht Schwellenländer, wie China).

10. Keine weitere Absenkung der Unternehmenssteuern.

11. Vorschlag einer Spekulationssteuer zur Diskussion mit den EU-Partnern und den USA.

12. Ausgleich der MWSt-Erhöhung durch ein Sozialpaket für sozial Schwache.

13. Um Jobverlagerung in Billigststandorte zu erschweren, wird die deutsche steuerliche Förderung von Auslandsinvestitionen eingestellt. In der EU tritt Deutschland dafür ein, Investitionen in den Beitrittsländern, die der Jobverlagerung dienen, nicht mehr aus EU-Haushaltsmitteln zu fördern und deutsche Transferleistungen in künftigen EU-Haushalten nur noch vorzusehen, wenn ein Kodex gegen den negativen Wettlauf bei den Unternehmenssteuer verabschiedet wird.

14. Einstellen aller Verhandlungen und Vorgespräche über neue EU-Erweiterungen um Niedrigstlohnländer (betr. z.b. Türkei und Ukraine).


Gedanken zur Zeit 870 09-05-08: Immer wieder bösartige Täuschung bei den Arbeitseinkommen

Heute ist mir der „kalte Kaffee" hochgekommen, als ich in SPIEGEL und BILD die gleiche Geschichte fand, wonach nur die Inflation am Rückgang der Kaufkraft schuld sei. Das ist ähnlich irreführend wie die in den Medien immer wieder präsentierte Lüge, wonach der Finanzminister aus einem schönen Bruttolohn immer mehr ein mieses Netto macht. Dies stimmt nachweislich nicht, denn das Verhältnis von Netto zu Brutto pendelt auch wegen der Reformen bei der Lohnsteuer seit Jahren zwischen 65 % und 66 % und ist im 4. Quartal 2007 sogar wieder etwas gestiegen (hier).

Nun kommt das neueste Märchen aus interessierter Ecke von Allianz und Dresdner Bank. Da wird uns ein nominaler Zuwachs der Arbeitseinkommen von 28,5 % vorgerechnet bei einer Inflation von 36,8 %. Das stimmt, führt aber total in die Irre, weil hier der lange Zeitraum seit 1991 angesprochen ist. Der aber bestand aus drei Abschnitten mit sehr unterschiedlicher Einkommens- und Inflationsentwicklung. In der Periode 1991 bis 1994 stiegen die Nettoeinkommen im Wiedervereinigungsboom und Aufholprozeß der neuen Bundesländer pro Jahr um 4,5 %, dann zwischen 1994 und 2001 nur noch um 1,1 % und schließlich zwischen 2001 und 2007 im Zeichen der Drosselung der Lohnentwicklung nur noch um magerste 0,89 %. Hier liegt der eigentliche Hund begraben und nicht bei der Inflation. Die Inflation hat nur noch ein Übriges getan und verbraucherpreisbereinigt die Kaufkraft in der ersten Periode bei minus 0,2 % pro Jahr fast konstant gehalten, während sie in der zweiten Periode in ein Minus von 0,4 % und in der dritten in ein solches von 0,8 % drehte. Bei weiter gedrosselter Lohnentwicklung und wieder anspringender Inflation ergab sich dann nur auf das Jahr 2007 geblickt ein Kaufkraftverlust von schon 1,4 % (siehe Abbildung).

Noch einmal: Was hier zugeschlagen hat und sowohl von Allianz wie von BILD verschwiegen wird, ist der negative Lohndruck. Dagegen war die Inflation in den Jahren 1995 bis 2006 elf Jahre lang mit 1,5 % pro Jahr ziemlich moderat. Nun schreibt BILD in einem weiteren Täuschungsmanöver: In diesem Jahr solle es erstmals seit 2004 wieder ein Kaufkraft-Plus geben. Laut Allianz und Dresdner Bank sei mit einem Anstieg der Nettolöhne um durchschnittlich drei Prozent zu rechnen. Nach Abzug der Inflation von 2,4 Prozent bliebe unterm Strich ein Kaufkraftanstieg von 0,6 Prozentpunkten. Das ist natürlich purer Unsinn und glatt gelogen. Die Kaufkraft ist nur noch sehr begrenzt ein Ergebnis der Tariffabschlüsse. Viel zu viele Arbeitnehmer existieren inzwischen außerhalb der Tariffabschlüsse. Die Tarifbindung der Unternehmen ist in Westdeutschland auf nur noch 70 %, in Ostdeutschland auf nur noch 55 % gefallen. Sehr viele Arbeitnehmer werden, z.B. als Leiharbeiter oder geringfügig Entlohnte, außerhalb der Tariffverträge geführt. Die Kaufkraft der Rentner entwickelt sich ohnehin weit unterhalb der Inflationsschwelle. Was soll dann diese Irreführung?? Immer wieder ein Ablenken von der falschen deutschen Lohnpolitik!

Kein Wunder dann, daß die Arbeitnehmer mit der Durchsetzungsfähigkeit ihrer Gewerkschaften unzufrieden sind. Laut der Infratest-Umfrage gilt das für mehr als eine Million der insgesamt 4,3 Millionen Mitglieder. Darunter befinden sich "überdurchschnittlich viele, die beruflich erfolgreich sind", wie Facharbeiter und Gesellen. Sie würden ihren Funktionären vorwerfen, die Arbeitswirklichkeit nicht zu kennen, sich zu wenig um den Erhalt der Arbeitsplätze zu bemühen und bei Tarifverhandlungen zu schlechte Ergebnisse zu erzielen. Der DGB halte die Studie bisher unter Verschluss, schreibt die WAZ. "Jedes 4. Mitglied (24 Prozent) ist als gefährdet einzustufen, knapp die Hälfte davon als stark gefährdet", heißt es laut WAZ in der Auswertung der Umfrage. Dass sie noch nicht ausgetreten seien, sei vor allem auf die Rechtsberatung der Gewerkschaften und auf persönliche Kontakte zu Betriebsräten zurückzuführen. Die Erkenntnis ist auch deswegen dramatisch, weil der DGB in den vergangenen Jahren bereits viele Mitglieder verloren hat. Noch 1994 hatte die Gewerkschaft 1,7 Millionen mehr Mitglieder.


Gedanken zur Zeit 869 08-05-08: Die Bahnprivatisierung wird immer komischer

Gegen die wichtigste Gewerkschaft im eigenen Haus hätte Mehdorn die Privatisierung des Unternehmens kaum vorantreiben können. Nun wird langsam klar, wie die Strippen zwischen ihm, der CDU, der Gewerkschaft Transnet, deren Vorsitzenden Hansen mit SPD-Parteibuch und der SPD gezogen wurden. Daß ausgerechnet der Transnetvorsitzende mit einem hochdotierten Jobangebot im privatisierten Unternehmen geködert werden konnte, ist ein bewunderswerter Meisterstreich.

Wieder einmal muß man sich fragen, wie prinzipientreu einige deutsche Gewerkschaftsführer eigentlich sind. In Frankreich z.B. wäre ein solches Verhalten, wie die Privatisierung selbst, undenkbar. Wenn die Gewerkschaft nun argumentiert, mit dem Pöstchenwechsel werde eine weitere Garantie für den integrierten Konzern und für die Beschäftigungssicherung abgegeben, kann man nur zynisch lachen. Natürlich wird zunächst einmal Hansens Beschäftigung gesichert. Kapito?


Gedanken zur Zeit 868 08-05-08: Mein Weckruf in der Frankfurter Rundschau

Heute bringt die wird Frankfurter Rundschau auf einer ganzen Seite meinen Weckruf an die deutsche Politik oder, wie die Briten sagen „wake-up call", erscheinen unter der Überschrift, „Zahlen, die anklagen". Es ist der Vergleich Deutschlands mit seinen Partnern in der Alt-EU.

Vielleicht wollen Sie am Freitag mal die FR kaufen. Es lohnt sich immer, nicht nur wegen meines Weckrufes. Eine der wenigen Tageszeitungen in Deutschland, bei denen noch ein soziales Herz für die kleinen Leute schlägt. Hoffentlich noch lange!


Gedanken zur Zeit 867 08-05-08: Exportentwicklung, Auftragszahlen, Produktionszahlen alles im Minus

Nun schlägt offensichtlich der hohe Ölpreis (siehe Abbildung), die globale Kreditkrise und die in USA ankommende Rezession auch in Deutschland zu. Aus den Meldungen des Statistischen Bundesamtes von gestern und heute:

Die Auftragszahlen der deutschen Industrie für März zeigen saisonbereinigt schon den vierten Rückgang in Monatsfolge, ein Minus von mehr als 3 % gegenüber November 2007 und mehr als 4 % bei den Exportaufträgen (siehe Abbildung).

Der Trend der Ausfuhrvolumina im Vergleich zum Vormonat ist seit einiger Zeit eindeutig negativ (siehe Abbildung).

Produktion der gewerblichen Wirtschaft, die bereits im Februar stagnierte nun im März um ein halbes Prozent zurückgefallen ist (siehe Abbildung). Aus der Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministers: „Für die Industrie signalisieren die seit einigen Monaten rückläufigen Bestellungen wie auch die zuletzt deutliche Stimmungseintrübung in den kommenden Monaten eine etwas schwächere Produktionsdynamik."


Gedanken zur Zeit 866 08-05-08: Die neoliberalen Handelspolitiker in Not: Das Haus brennt

An zwei Seiten gleichzeitig steht das neoliberale Haus der Handelspolitik in Flammen. Die Nahrungsmittelpreise explodieren und trotz Welthandelsorganisation (WTO) begrenzen immer mehr Erzeugerländer die Ausfuhren, um die Produktion ihrer eigenen Bevölkerung zu reservieren. Thailand denkt bereits an eine OPEC für Reis nach. Der Chef der WTO, Pascal Lamy, mußte am Mittwoch in Genf einräumen, die WTO könne kurzfristig nichts gegen die Explosion der Preise tun. Eine weitere Liberalisierung des Welthandels durch den Abschluss der "Doha"-Welthandelsrunde könne jedoch mittel- bis langfristig zur Lösung der Probleme beitragen, hieß es in einem Schreiben Lamys an die WTO-Ratsmitglieder. Das ist natürlich auch nur ein frommer Wunsch. Denn wie nach Absenkung der Subventionen entsprechend verteuerte Lebensmittelexporte zu vermeiden sein sollen, bleibt das WTO-Geheimnis.

Vor allem brennt das Haus aus USA. Dort ist die Stimmung in der Bevölkerung im Zeichen der kommenden Rezession und der Jobverluste durch Importe aus China und Sorgen über Importe aus Lateinamerika deutlich umgeschlagen. Beide demokratischen Präsidentschaftsbewerber überbieten sich in Versprechen zur Regulierung der Importe: Zweifel an der Doha-Welthandelsrunde in Genf, keine neuen Freihandelsabkommen, Überprüfung des vorhandenen Nafta (North American Free Trade Agreement), Abwehrzölle gegen chinesische Industriewarenimporte wegen chinesischen Währungsdumping, usw.

Sollten die Demokraten das White House gewinnen, so wird sich in der internationalen Handelspolitik einiges grundsätzlich ändern, vor allem falls die USA tatsächlich in eine längere Rezession fallen sollten. Im April lagen die Konkursverfahren der Unternehmen um 49 % gegenüber dem Vorjahrestand. Bereits zwei Drittel aller amerikanischen Unternehmen, die Bonds ausgeben, werden schon als Junk-Status bewertet (siehe Abbildung). Das Wirtschaftswachstum sank im 1. Quartal auf einen Jahreswert von nur noch 0,6 %, der niedrigste seit der letzten Rezession in 2001. Bisher gingen in diesem Jahr 260.000 Jobs verloren. Amerikanische Verbraucher nehmen immer mehr bei Kreditkarten Zuflucht, nachdem die Bedingungen für Hypotheken und andere Bankdarlehen verschärft wurden. Im ersten Quartal 2008 wurde ein Höchststand an Verbraucherkrediten seit der letzten Rezession von 2001 erreicht.

Auch in Europa kann es für die neoliberale Handelspolitik eng werden. Einige EU-Länder sind bereits in der Nähe der Rezession. Der Interbankenzins Euribor (3 Monate) steigt immer weiter und liegt trotz aller Interventionen der EZB schon wieder bei 4,9 % (siehe Abbildung), was die Unruhe der Finanzmärkte auch auf dieser Seite des Atlantik verrät..


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.