hits


NEUES SYSTEM





Hier einige Schwerpunkte:

Demo

Demo

verlierer

armut

china

skandinavien

steuer

Angst

hedge

bildung

system

umwelt

 

Webseite
per EMail
weiterempfehlen

 

Mail-Zugang Fragen +Anregungen

 

Rundbrief bestellen


 

Schaubildboxen

Deutschland

Welt/Umwelt

 

Bookmark

 


Zur Bestellung von "Globalisierung: Legende und Wahrheit" hier


Zu Ihren eigenen Gedanken zur Zeit hier







Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(865) Die deutschen Arbeitnehmer blicken in die Eurozonenröhre

(864) Hinter dem asiatischen Lächeln die nationalistische Fratze?

(863) Schon wieder BILD-Verblödung: Umverteilung an den Rand der Gesellschaft?

(862) McKinsey's Schwanengesang

(861) Herzkrankheiten in Deutschland im Anstieg

(860) Immer wieder: Der deutsche Rentenwahnsinn

(859) Sind die Nationen passé?

(858) Was habt Ihr Politiker und Wirtschaftsführer aus unserem Land gemacht?

(857) Was ist meine Lebensqualität?

(856) Wirtschaftspolitik als Psychotrip

(855) Die Kinder von Guangdong

(854) Die Fleischlüge?

(853) Ein Tropfen Blut

(852) Hilfe, die Weltwirtschaft braucht ein neues Uhrwerk!

(851) Wo soll denn die Vollbeschäftigung herkommen?

(850) Was ist eigentlich Kauflaune?

(849) Die Verbrechen der neoliberalen Globalisierer gegen die Menschheit

(848) Die Angst des Bundeswirtschaftsministers vor dem Mindestlohn

(847) Jean Ziegler zum Hunger der Welt

(846) Die deutsche Auslandsvermögensposition: BILD verdreht immer mehr

(845) Es tobt die Propaganda-Schlacht um China

(844) Wieder Totalverdummung durch BILD, diesmal die Auslandsvermögensposition

(843) Müssen wir uns von einem Mr. Rogge warnen lassen?

(842) Wenn hungrige Finanzheuschrecken Hunger verbreiten

(841) Meinen es die "Schwachköpfe" ernst?

(840) 200 Millionen Wanderarbeiter

(839) Wieviel Krückstöcke brauchen die politisch Blinden?

(838) BILD und das Comeback der deutschen Industrie

(837) Wer muß die 945 Mrd Dollar Schaden an den Weltkreditmärkten verschmerzen?

(836) Verlagerung schädigt vor allem gering Qualifizierte

(835) Die Bundesregierung will die Arbeitslosigkeit im Wahljahr unter 3 Mio haben




Gedanken zur Zeit 865 07-05-08: Die deutschen Arbeitnehmer blicken in die Eurozonenröhre

Die heutige Veröffentlichung von Eurostat bringt es ans Licht. Seit 2001 sind die Löhne- und Gehälter als Anteil am Umsatz der Unternehmen ständig gefallen. Die Gewinne haben sich entsprechend spiegelbildlich erhöht und sind vor allem seit 2003 stark gestiegen. Allerding geht die gesamte Verschiebung auf das Konto Deutschlands (siehe Abbildung). Deutschland hat nach steilem Rückgang im Lohnanteil am Umsatz jetzt fast das Niveau der anderen erreicht, unter denen sich jedoch viele Länder mit relativ niedrigen Löhnen befinden, vor allem im Süden Europas, wie Portugal, Spanien, Italien und Griechenland . Wenn sich der Trend so weiter fortsetzt, wird auch deren Niveau noch erreicht werden. Von der sozialen Marktwirtschaft kann da nicht mehr viel übrig sein.

Was haben die deutschen Arbeitnehmer am Ende eigentlich von den deutschen Überschüssen in der Eurozone, die auf dem Rücken ihrer gedrückten Löhne erwirtschaftet werden? Mehr im heutigen Rundbrief.


Gedanken zur Zeit 864 06-05-08: Hinter dem asiatischen Lächeln die nationalistische Fratze?

China gibt Rätsel auf. Einerseits soll die Welt zu Olympiazeiten das Land und seine kommunistische Führung in Sympathie bewundern. Andererseits ist Ausbeutung von hunderten Millionen von armen Wanderarbeitnehmern (bis zu vielen Kindern und Inhaftierten) ohne Steikrecht und unabhängige Gewerkschaften sowie eine totale Mißachtung fundamentaler Lebensrechte an einer einigermaßen sauberen Umwelt auf der Tagesordnung. Einigen Menschenrechtlern und Umweltschützern wurde noch vor der Olympiade kurzer Prozeß gemacht, und die so Weggesperrten können bei der Olympiade nicht mehr auffallen. In der Provinz Tibet ist seit den Aufständen - neben Strafen - Umerziehung angesagt. Journalisten dürfen sich dort nicht mehr frei bewegen. Französische Läden und Produkte sind Boykottaufrufen ausgesetzt. Die chinesische Jugend demonstriert massiv und nationalistisch. T-Shirts mit „I love China" erleben einen Boom. Mit den finstersten Diktatoren in Afrika und Burma wird paktiert. Mugabe in Simbabwe bekommt chinesische Waffen.

Mit dem Abgesandten des Dalai Lama wird zwar gesprochen. Gleichzeitig wird dieser aber zum Extremisten hochstilisiert, was den Glauben an seriöse Gespräche torpediert. Die chinesische Regierung spricht unermüdlich von der "Dalai-Clique" und setzt sie einer Terrororganisation gleich, vor der man sich nun schützen muß. Zeitungen und im Fernsehen bringen ausführliche Beschreibungen der Grausamkeiten der alten Klosterherrschaft und ihrer Mönche, die in Gegensatz zum segensreichen Wirken der Kommunistischen Partei heute stehen.

Nun gibt es auch noch in zwei Hallen des Nationalitätenpalastes in Peking eine große Propagandaschau. "Die Ausstellung zeigt die Rückständigkeit und Dunkelheit des alten Tibets", heißt es auf einer Tafel am Eingang. Und sie zeigt "die lange unzertrennliche Geschichte zwischen Tibet und seinem Vaterland", denn von Alters her sei Tibet "chinesisches Territorium" gewesen. Zu sehen sind Stempel und Dokumente, Pfeil und Bogen, primitive Pflüge, aber auch Ketten, mit denen einst Sklaven gefesselt wurden. Schon in der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) habe der Pekinger Kaiserhof tibetische Beamte ernannt, die Tibeter hätten ihm Tribute gezahlt, steht auf einer Schautafel geschrieben. Nachdem die Bauern 1960 von der Kommunistischen Partei eigene Landtitel erhielten, "brachen viele in Tränen des Glücks aus", heißt es unter einem Foto. Nicht erwähnt wird dagegen, daß die KP die Ländereien, die sie an die Tibeter verteilt hatte, bei den großen Zwangskollektivierungen bald wieder einsammelte.

Es fällt mir sehr schwer, da Sympathie für die KP China und ihre Diktatur zu empfinden.


Gedanken zur Zeit 863 06-05-08: Schon wieder BILD-Verblödung: Umverteilung an den Rand der Gesellschaft?

Natürlich setzt BILD mit dem in Bayern angeschlagenen Huber die Kampagne gegen den angeblich fetten Staat und die Steuern fort: „In Deutschland wird zu wenig an die Mitte der Bevölkerung gedacht, an die ganz normalen Leute, die für ihren Lebensunterhalt tagtäglich arbeiten und ihre Kinder ohne viel staatliche Hilfen großziehen. CSU wie FDP stellen die entscheidende Frage, die nicht oft genug gestellt werden kann: Warum bleibt von meinem Brutto nicht mehr Netto übrig? Derzeit gilt: Umverteilung statt Steuersenkung; die Mitte zahlt, damit die Ränder beglückt werden können. Das darf nicht immer so weitergehen. Beim mündigen Bürger ist das Geld allemal besser aufgehoben als beim nimmersatten Staat."

Hier wird es nun schlicht komisch. Erstens wird die „Mitte" umdefiniert und umfaßt nun alle normalen arbeitenden Menschen. Das ist natürlich statistischer Unfug. Denn da wären alle von Ackermann bis zu den 1-Euro-Königen drin. Die wirkliche soziale Mitte der Gesellschaft ist aber auch nach all den angeblichen Reformen und angesichts der deutschen Minilohn-Kultur viel kleiner. Zweitens ist es nicht die Steuer, die die Mitte nach unten drückt, sondern das Brutto, das schon nimmt stimmt. Wäre da die Welt in Ordnung, könnten selbst hohe Steuern ohne soziale Konsequenzen, wie z.B. in den skandinavischen Ländern, bequem gezahlt werden. Wann endlich kritisiert BILD, daß die Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland im internationalen Vergleich nach unten wegtauchen (siehe Abbildung)und daß nach Inflationsbereinigung die deutschen Bruttolöhne und -gehälter zwischen 2000 und 2007 um 3,9 Bruttoeinkommen gefallen sind, während die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um 51 % zugelegt haben (siehe Abbildung). Hier, liebe BILD, ist der eigentliche soziale Skandal, über den sich aufzuregen, lohnt.

Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 862 04-05-08: McKinsey's Schwanengesang

Ausgerechnet McKinsey will ein Herz für die in Deutschland sozial Bedrohten entdeckt haben, diese Unternehmensberatung, die sonst den Großkonzernen hilft, die Arbeitskraft auszupressen. Es ist allerdings ein durchsichtiges Spiel für einen „weißen Fuß". Nach McKinsey muß Deutschland in entscheidenden Zukunftsbranchen deutlich mehr Wachstum schaffen. Und dann werden in einem Chancenszenario brav einige Branchen aufgelistet, von denen McKinsey bis 2020 6,1 Millionen mehr Erwerbstätige erwartet, natürlich exakt bis hinter das Komma berechnet. Folgt Deutschland McKinsey nicht, so würden bis 2020 zehn Millionen Menschen weniger zur Mitte zählen als noch Anfang der neunziger Jahre.

Natürlich kommt auch gleich der neoliberale Pferdefuß zum Vorschein: Besserer Zugang zu den Kapitalmärkten für eine effizientere Unternehmensfinanzierung, eine nicht näher definierte Stärkung des Unternehmertums sowie Rückzug des Staates und Deregulierung.

Pech für McKinsey: Das Unternehmen hat offensichtlich keine Ahnung, wie soziales Dumping aus Osteuropa und vor allem Asien diese Konzept schon im Ansatz durchkreuzt. Da plädiert McKinsey für Wachstum bei Hightech-, Chemie- und im Umwelttechniksektor, sowie der Transport- und Logistikbranche, während längst die asiatischen Billigländer auf diesen Zug steigen. China z.B. wird immer mehr auch zum Hightech-Anbieter und beherrscht die Logistik für seinen Zugang zu den Weltmärkten immer besser, nicht zuletzt dank der Hilfe der westlichen Multis (die Waren werden schon in China für die Regale in Deutschland und anderswo verpackt und ausgezeichnet). A propos Umwelttechnologie: China hat Deutschland z.B. bei der Solarzellenproduktion überholt und liegt nun erstmals auf Platz eins. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland Solarzellen mit einer Leistung von 875 Megawatt produziert, in China waren es dagegen 1200 Megawatt und insgesamt stammen schon 65 Prozent der weltweit produzierten Solarzellen aus Asien. Und wo McKinsey die signifikanten Wachstumspotentiale im Dienstleistungssektor sehen will, haben sich längst Indien und andere billigst in Stellung gebracht.

Was sollen eigentlich solche Gutachten? Nur faire Spielregeln in der Handelspolitik können noch helfen.

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 861 04-05-08: Herzkrankheiten in Deutschland im Anstieg

Man will es eigentlich nicht glauben. Nach einer neuen Studien unter der Leitung von Prof. Wittchen von der Universität Dresden und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München ist in Deutschland die Zahl der Herzpatienten in nur vier Jahren von 2003 bis 2007 rasant angestiegen. Litten in 2003 bereits 17,5 % aller Männer über 40 Jahren an einer Herzkrankheit, so waren es 2007 schon 25,6 %. Bei den Frauen stiegen sie von 8,9 % auf 13,1 %.

Besonders stark fiel der Anstieg bei den höheren Altersgruppen aus. Bei den eigentlich noch im arbeitsfähigen Alter befindlichen Männern zwischen 60 und 64 Jahren waren es 2007 27 % und damit mehr als jeder Vierte. Im Alter von 65 bis 69 Jahren sogar mit 36 % mehr als jeder Dritte (siehe Abbildung). Wie irrsinnig ist bei einer solcher Situation das Hinausschieben des Rentenalters!

Interessant ist auch die Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Sind der stark gewachsene Arbeits- und Arbeitslosenstreß sowie der tiefer werdende soziale Graben und die sich auflösenden Familienstrukturen an dieser bedrückenden Entwicklung mitschuldig? Überraschen würde das mich nicht.

Schließlich zeigt der geradezu dramatisch hohe Anteil der Herzkrankheiten bei den Männern zwischen 70 und 74 Jahren von 45,5 % (!) und bei denen über 70 Jahren von 60 % (!), daß entweder mit dieser Studie etwas nicht stimmt oder das Gerede von der Verlängerung der Lebenserwartung und dem gesegneten Alter ziemlich hohl klingen sollte.

Ein Ländervergleich zeigt im übrigen, daß Deutschland im Abbau der Sterberate von Herzkrankheiten noch immer hinter den westeuropäischen Vergleichsländern zurückhängt (siehe Abbildung).

Diese Gedanken sind auch ein Nachtrag zum Thema Lebensqualität im Wochenbuch von vorgestern.


Gedanken zur Zeit 860 04-05-08: Immer wieder: Der deutsche Rentenwahnsinn

In keinem Land werden die Menschen so in Angst vor Altersarmut gehalten wie in Deutschland. Das drückt inzwischen landesweit die Lebensqualität steil nach unten. Wenn Menschen selbst ihr Sauerverdientes nicht mehr ausgegeben können, weil die Angst vor dem Protemonaie steht, krankt das ganze Land. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Deutschen glauben, dass Altersarmut schon in wenigen Jahren eines der größten Probleme des Landes sein wird. Dies ergab die heute veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid (siehe Abbildung).

Besonders groß ist die Sorge mit je 82 Prozent bei den Frauen sowie bei den Menschen, die zwischen 50 und 64 Jahre alt sind, also in den nächsten Jahren ins Rentenalter kommen. Hier trifft sich der deutsche Europarekord bei der Frauendiskriminierung an den Lohntüten (siehe Abbildung) mit dem bei den Renten.

Nur ein Drittel (33 Prozent) der Bürger ist der Meinung von Bundeskanzlerin Merkel, dass die Grundsicherung über die Sozialhilfe Armut im Alter verhindere und somit bei der Rente keine großen Änderungen nötig seien. Merkel hatte vergangene Woche im Interview mit BILD am SONNTAG gesagt: „Einen Systembruch bei der Rente wird es mit mir nicht geben."

36 Prozent der Befragten fordern, Bezieher von Mini-Renten sollten zusätzlich vom Staat über Steuereinnahmen Geld erhalten. Zugleich sagen 50 Prozent, weder Merkel oder Rüttgers noch SPD-Chef Kurt Beck oder Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kümmerten sich ernsthaft um die Probleme der Rentner.

Dabei wäre das Problem sehr einfach über die Steuer löbar, die dann natürlich bei denen erhoben werden müßten, die sich seit Jahren den Produktivitätsgewinn der Volkswirtschaft als Kapitaleigner allein unter die Nägel reißen. Die skandinavischen Länder haben alle Steuerlösungen und damit wesentlich höhere Renten, sowohl bei Normaleinkommen, wie besonders bei niedrigeren Einkommen (siehe Abbildung).

Für mehr dazu siehe Kapitel 12 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 859 03-05-08: Sind die Nationen passé?

Die Rundbriefe erreichen jetzt in direkter Zusendung etwa 625 Empfänger. Fast täglich kommen neue dazu. Über die letzten zwei Jahre gab es nur etwa 35 Abbestellungen, einige davon, weil sich die Empfänger täglich direkt auf der Webseite informieren. Sehr selten sind Abbestellungen mit Erklärungen verbunden (aus meiner Sicht leider).

Heute kam nun seit sehr langer Zeit wieder einmal eine Abbestellung mit Erklärung: "Wir sollten uns alle gegenseitig unterstützen. Das denken in Nationen, wir, die Deutschen, die Chinesen, die Guten, die Bösen, ist für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft auf dieser Erde wenig geeignet. Wenn wir die Grenzen überwinden, insbesondere in unserem Denken, dann werden wir fähig sein, miteinander unsere Zukunft zu gestalten."

Diese Abbestellung erreichte mich von einem nach USA verschlagenen Deutschen, wie die Email-Anschrift zeigte und das Fehlen von Umlauten auf dem Keybord. Sie hat mir zu denken gegeben. Ich wollte sie nicht sofort unter der Rubrik "fromme Worte" ablegen. Deutsche im Ausland, vor allem in USA, zeigen eine besondere Energie zur Integration in ihre neue Umwelt und glauben dann, daß die Herkunftsnation passé ist. Aber auch die zu Hause gebliebenen wollten sich lange Jahre lang vor allem als gute Europäer aufführen, bis sie merkten, daß diese große Liebe selten erwidert wurde und oft in Zahlmeisterschaft ausartete.

Auch ich lebe jedes Jahr für lange Wochen und Monate im Ausland. Allerdings komme ich zu dem entgegengesetzten Ergebnis des Abbestellers. Die Nationen sind keineswegs passé. Andere Länder halten eisern an ihrer Nationalität fest. Franzosen oder Briten sind da ganz anders als Deutsche. Polen, Tschechen, Spanier und Italiener sicher auch. Sie wollen allenfalls ein Europa der Nationen. Von den USA, wo die Nationalflagge fast immer und überall hängt, ganz zu schweigen. Selbst bei China kann man jetzt den sich regenden Nationalstolz feststellen, der China gegen den Rest der Welt, wo sie westlich ist, aufbaut. Die Nationen sind in den Köpfen der Menschen immer noch im Kommen, gerade in Zeiten der Globalisierung und ganz anders als die sich immer mehr internationalisierenden Unternehmen. Wenn man im Ausland angesprochen wird und nicht schon am Akzent erkennbar ist, lautet die erste Frage regelmäßig "Where are you from?" und dann wird man mit seinem Herkunftsland eingeordnet.

Wenn wir die Zukunft gestalten wollen, müssen die Nationen kooperieren. Alles andere sind fromme Wünsche, besonders wenn sie aus der deutschen Seele kommen, wo die Nation so schrecklich mißbraucht wurde. An der deutschen Seele werden andere Nationen ohnehin nicht genesen wollen.


Gedanken zur Zeit 858 03-05-08: Was habt Ihr Politiker und Wirtschaftsführer aus unserem Land gemacht?

Deutschland war in den 50er und 60er Jahren ein international gefeiertes Modell für eine solidarische und erfolgreiche Gesellschaft. Die soziale Marktwirtschaft war ihr Markenzeichen. Lang ist's her, leider. Immer wieder schaue ich sprachlos auf meinen eigenen Europatest, der nur aus offiziellen Zahlen des Statistischen Amtes der Europäischen Union und der OECD kommt. Er zeigt Deutschland in fast allen Kategorien, bis auf die Exportleistung und die Unternehmensgewinne, am fußkranken Ende des Vergleichsfeldes, sehr oft in der absoluten Schlußposition. Sie können das an diesem sehr einfachen Schaubild sehen.

Den vollen Europatest der 15 Alt-Mitgliedsländer der EU mit 20 Schaubildern finden Sie in einer heute aktualisierten Ausgabe hier. Die Beitrittsländer sind darin nicht mitenthalten, weil die sich noch im Aufholprozeß befinden.

Viele, die diesen Vergleich sehen, zeigen sich schockiert, weil sie eine so schlechte Position Deutschlands nicht für möglich gehalten hatten. Natürlich lassen die Bundesregierung, die deutsche Wirtschaftsforschung und erst recht die Medien nichts davon verlauten, außer gelegentlich mal ein Bruchstückchen. Dagegen werden wir ständig mit der Exportweltmeisterschaft indoktriniert. Was habt Ihr, die politische Elite Deutschlands, aus unserem Land gemacht?

Für mehr dazu siehe meines neues Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 857 02-05-08: Was ist meine Lebensqualität?

Die Frage nach der Qualität des eigenen Lebens ist wahrscheinlich die wichtigste und zugleich quälendste Frage, die sich die meisten Menschen bewußt oder unbewußt so oder ähnlich immer wieder stellen. Über die Kriterien kann man streiten. Aus meiner Sicht stehen drei ganz vorne: Gesundheit, ein intakter Familien- und Freundeskreis und schließlich genügend Geld in der Tasche für ein anständiges Leben, dies verbunden mit einem zufriedenstellenden Job, wenn man im arbeitsfähigen Alter und Zustand ist. Andere Kriterien folgen entweder daraus oder kommen weiter hinten. Weiter im neuesten Eintrag ins Wochenbuch hier.


Gedanken zur Zeit 856 02-05-08: Wirtschaftspolitik als Psychotrip

Drei Meldungen: „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie", „Das Konsumklima in Deutschland hat sich überraschend verbessert, trotz der starken Inflation" und „Viele Waren werden teurer und der Einzelhandel leidet: Die Umsätze sind im März deutlich zurückgegangen." Fällt Ihnen etwas auf? Es sind alles Meldungen aus dem SPIEGEL, die beiden letzten diametral entgegengesetzten nur wenige Tage auseinander vom letzten Montag und bzw. von heute. Die erste Meldung zeigt die Methode der Wirtschaftspropaganda und stammt schon vom März letzten Jahres. Der SPIEGEL hält es nicht einmal für nötig zu erklären, warum er uns mit den beiden letzten Meldungen so an der Nase herumführt.

Tatsächlich ist der Einzelhandelsumsatz preis-, kalender- und saisonalbereinigt seit Anfang 2006 um 2,7 % gefallen allen Propagandameldungen über einen angeblichen Kaufrausch der Deutschen zum Trotz (siehe Abbildung). Das entspricht dem realen Rückgang der Arbeitseinkommen und der Ebbe in den Portemonaies der Massen. Der Psychotrip von Bundesregierung, Wirtschaftsforschung und Medien beißt sich an den Fakten immer wieder die Zähne aus. Trotzdem wird er immer wieder versucht, weil man die Wirtschaftspolitik selbst nicht ändern will, obwohl das allein die deutsche Wirtschaft gesunden ließe.

Übrigens fängt die Schönfärberei schon beim Statistischen Bundesamt an. Das bringt heute viele Erklärungen warum der Verlust von 6,3 % Einzelhandelsumsatz gegenüber dem Vorjahr gar nicht so schlimm sei. Da wird mit der etwas geringeren Zahl der Verkaufstage argumentiert, als müßten die Deutschen nicht auch an Feiertagen essen und sich bekleidet halten. Hat das Osterfest im März 2008 nicht eher umsatzsteigernd gewirkt? Dann wieder war der Vorjahresmärz ein besonders guter Umsatzmonat und daher zum Vergleich eigentlich nicht geeignet. Im Vergleich des gesamten ersten Quartals 2008 mit dem ersten des Jahres 2007 muß das StaBuA ein Minus von 1,2 % feststellen. Doch verschweigt es hier, daß das Vergleichsquartal von 2007 durch Vorzieheffekte der Mehrwertsteuererhöhung nach unten gedrückt war und daß ohne diesen Effekt der Abrutsch zum ersten Quartal 2008 noch weit stärker ausgefallen wäre. Schließlich beruhigt uns das StaBuA, das März-Ergebnis hätte nur um 0,1 % unter dem Februar-Ergebnis dieses Jahres gelegen, natürlich ohne zu erwähnen, daß schon das Februar-Ergebnis sehr schlecht war.

Leider machen sich die Wirtschaftsjournalisten nicht die Mühe, solche Ungereimtheiten zu hinterfragen. Oder wollenb sie das gar nicht, weil sie selbst auf dem Psychotrip im Aufrag der Medienzaren und der anzeigenkaufender Wirtschaft sind und natürlich auch der eher konservativen Bundesregierung folgen wollen?


Gedanken zur Zeit 855 01-05-08: Die Kinder von Guangdong

Die Region von Guangdong im Süden Chinas ist die größte industrielle Basis der Welt mit vielen Industrien von Elektronik, Schuhen, Spielsachen, Möbeln, Beleuchtung, Mobiltelefonenen, T-Shirts und vieles mehr. Etwa ein Drittel der Exporte Chinas enstehen hier, viele Produkte, die auch in Deutschland als Schnäppchen auf den Ladentischen landen. Hier arbeiten Millionen Wanderarbeiter aus dem ganzen Land. Die Kombination von niedrigen Löhnen, kaum Regulierung und einer unterbewerteten Währung ist unschlagbar.

Leider arbeiten auch Kinder hier. Hunderte Kinder zwischen 9 und 16 Jahren wurden in Fabriken dieser Provinz wie Arbeitssklaven gehalten. Sie wurden von ihren Eltern "wie Kohlköpfe" an Banden verkauft, die sie dann an Arbeitsvermittler oder direkt an die Fabriken weiter verkauften. Die Kinder wurden dann Hunderte Kilometer entfernt von zuhause zur Arbeit gezwungen. Der größte Teil stammt aus Liangshan, einer armen Stadt in der südwestlichen Provinz Sichuan, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt. Ein kleines Mädchen erhielt beispielsweise nur einen halben Dollar pro Stunde.

Es wird Zeit, auf Waren aus China, Indien und anderen Ländern, die für Kinderarbeit bekannt sind, ein überprüfbares Zertifikat anzubringen, das nicht nur die Qualität der Ware sondern auch bescheinigt, daß die Arbeitsbedingungen den Mindestnormen der Internationalen Arbeitsorganisation entsprochen haben. Der SPIEGEL, der über diesen Fall berichtet, erwähnt natürlich mit keinem Wort, daß dies die Exportregion Chinas ist.


Gedanken zur Zeit 854 01-05-08: Die Fleischlüge?

Da meldet die Financial Times Deutschland in einem Kommentar unter der Überschrift "Die Fleischlüge": "An massiv steigenden Lebensmittelpreisen und Hungerrevolten sind nicht die Chinesen schuld. Ein Blick in die Handelsbilanz zeigt: Nicht die Chinesen haben uns die Teller leer gegessen. Im vergangenen Jahr produzierten sie mehr Reis, als sie verzehrten, sie führten mehr Fleisch aus als ein."

Nun weiß ich nicht, wo diese Statistik herkommt und von wann sie stammt. Man muß sicher die allerneuesten Zahlen suchen. Dies ist eine brandaktuelle Information aus dem China-Bericht des renomierten Institute for International Finance: "Landwirtschaftsimporte wuchsen in den ersten zwei Monaten 2008 gegenüber Vorjahr um 78 %, Getreideimporte dabei um mehr als 100 %." Bei so gespenstigen Steigerungsraten sollte man sich über Preiseffekte auf den ohnehin labilen und derzeit auch hochspekulativen Weltmärkten für Nahrungsmittel nicht wundern. China verfuegt mit 1,3 Milliarden Menschen oder fast einem Viertel der Weltbevölkerung nur über 7 % der Landfläche und pro Kopf nur über ein Viertel an Wasser gemessen am Weltdurchschnitt. Die chinesischen Nahrungsmittelimporte steigen längerfristig um fast 15 % pro Jahr. Die FAO und OECD erwarten in ihrem neuesten Ausblick, daß China um 2016 z.B. der weltgrößte Importer von Fertignahrung auf Ölsaatenbasis sein und einen Anteil von fast 50 % der Weltimporte an Ölsaaten erreichen wird.

Dabei muss China nicht Fleisch importieren. Wenn es - wie es geschieht - auf den bisher der Nahrungsmittelproduktion dienenden Flächen nun Tierfutter anbaut, das in etwa 10-facher Menge für die Fleischproduktion gebraucht wird, so müssen die anderen Agrarprodukte, die bisher auf diesen Feldern wuchsen, importiert werden. Und wenn Rindfleisch im Lande verzehrt wird, sind weniger Kühe für die Milchproduktion auf den Feldern. Also wird mehr Milch importiert, zumal China eine besonders geringe eigene Milchproduktion hat. Bei solchen Substitutionsprozessen darf man also nicht allein auf den Außenhandel mit Fleisch sehen.

Im übrigen aus einem Bericht des deutschen Verbandes der Fleischwirtschaft von Ende September letzten Jahres: "China war bis einschl. 2006 Nettoexporteur. Importmengen waren mit durchschnittl. 2.000 t/Monat gering. Seit Jan. 07 drastischer Anstieg der monatlichen Importmenge auf 9.000 t im Juli. Lieferländer: Frankreich, USA, Dänemark, Kanada.


Gedanken zur Zeit 853 01-05-08: Ein Tropfen Blut

Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Frage zum Einbandbild meines neuen Buches: „ Als begeisterte Leserin Ihres Buches interessiert mich selbstredend jede Information, die Sie in dieses Buch hinein legten. Deshalb unke ich, seit ich das Buch in Händen halte, was das für ein "rotes Ding" ist, das aus der, sich in einer Kneifzange befindlichen Erde, heraus tropft. Ist es das symbolisierte Blut der durch falsche Globalisierung gequälten, gar getöteten Lebewesen unseres Planten? Oder ist es ein Ei, das, wenn es ausgebrütet wird, auf einen positiven Neuanfang der gegenwärtigen Wirtschafts- und Sozialpolitik hoffen lässt? Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir die Symbolik dieses "roten Dings" erklären würden."

Und dies war meine Antwort: "Es soll schon der eigentlich nahgeliegende Bluttropfen sein, der aus der Erde und ihren Lebewesen gepreßt wird. Da blutet die Menschheit, aber auch die Natur. Die Erde ist für mich entsprechend der Gaia-Theorie ein Lebewesen mit vielen Rückkopplungsprozessen. Die Gaia-Theorie stammt von dem britischen Umweltforscher James Lovelock."


Gedanken zur Zeit 852 01-05-08: Hilfe, die Weltwirtschaft braucht ein neues Uhrwerk!

Nun konnte ich der Verführung nicht widerstehen, die in immer größere Unordnung geratende Weltwirtschaft mit einem kaputten Uhrwerk zu vergleichen. In der Tat, der Vergleich bietet sich an. Sie finden ihn im neuesten Eintrag in das Wochenbuch.

Wieviel Ungleichheit hält die Welt aus? Kann man wirklich so weitermachen, als bräuchte man das ganze Uhrwerk nicht? Eine Weltwirtschaft also ohne jede Spielregel? Nur angetrieben vom unbegrenzten Profitinteresse der ohnehin schon viel zu Mächtigen?

Für mich hat mit dem Fall der Berliner Mauer, dem Ende des gescheiterten gesellschaftspolitischen Gegenmodells und der zunehmenden Integration von mehr als 1 Milliarde Billigstarbeiter in die Weltwirtschaft eine neue Zeitrechnung begonnen. Wir befinden uns im Jahr 19 nach der Mauer.


Gedanken zur Zeit 851 01-05-08: Wo soll denn die Vollbeschäftigung herkommen?

Mit näherkommenden Wahlen schwafelt die SPD - im Besitz des Arbeitsministeriums - wieder von Vollbeschäftigung. So heute Minister Scholz In BILD: „Vollbeschäftigung ist kein Traum, sondern ein realistisches Ziel. Dieses Ziel hatten viele viel zu lange aus den Augen verloren. Aber: Wir können und werden es schaffen. Ich bin mir sicher, dass wir in ein paar Jahren sagen können: Niemand, der seinen Job verliert, bleibt länger als ein Jahr ohne einen neuen Arbeitsplatz. Das wäre ein Riesenerfolg. Das wäre für mich Vollbeschäftigung." Man beachte die Umdefinierung der Vollbeschäftigung.

Dabei geben die Arbeitsmarktzahlen vom April trotz aller Beschönigung und statistischen Manipulation wenig Anlaß zu solcher Vollmundigkeit:

    Das Stellenangebot geht seit Monaten zurück.
    Der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich deutlich (saisonbereinigt fast auf Null), ebenso der Aufbau an Beschäftigung, wovon mehr als ein Drittel auf unsichere befristete Arbeitsverhältnisse entfällt.
    2,7 Mio Arbeitslosengeldempfänger gelten nicht als arbeitslos
    Schon fast 5 Millionen werden nur geringfügig entlohnt.
    Im internationalen Vergleich hat Deutschland weiter die meisten Langzeitarbeitslosen und liegt auch bei den Arbeitslosen insgesamt im unteren Drittel.

Der neue Schwerpunkt analysiert die Arbeitsmarktdaten vom April.

Für mehr zum Arbeitsmarkt siehe Kapitel 2 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 850 29-04-08: Was ist eigentlich Kauflaune?

Die Positivpropaganda des größten deutschen Nachrichtenmagazins kennt keine Grenzen. Da berichtet die Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung auf Basis einer notorisch unsicheren Umfrage einen lächerlich kleinen Anstieg des Konsumklimas (siehe Abbildung) und wagt dann eine in nichts begründete Prognose für den kommenden Monat. Der immer zur Propaganda aufgelegte SPIEGEL schwelgt prompt in geradezu irrsinnigen Wortblüten: "Deutsche in Kauflaune", "Verbraucherstimmung in Deutschland gut" und "Die jüngsten Tariferhöhungen und der anhaltende Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ließen die Konsumlaune in Deutschland im April aufblühen". Es muß schon schlimm um das Konsumklima bestellt sein, wenn sich die Propagandamaschine in den "Overdrive" bewegt.

Dabei wird nicht einmal die amtliche Statistik des Einzelhandelsumsatzes vom Freitag abgewartet. Auch bleibt unberücksichtigt, daß gerade heute das Statistische Bundesamt eine Verteuerung der Nahrungsmittel im April gegenüber Vorjahr um - je nach Bundesland - 6,5 % bis 8,8 % bekannt gemacht hat, sowie für Heizöl zwischen 33,7 % und 42,9 %. Auch prognostizierte die EU-Kommission heute eine Verbraucherpreisinflation in der EU für 2008 von 3,6 % und für die Eurozone von immer noch 3,2 %.


Gedanken zur Zeit 849 28-04-08: Die Verbrechen der neoliberalen Globalisierer gegen die Menschheit

Sie hätten den Hunger kommen sehen müssen, die hochbezahlten und hochausgebildeten Minister und ihre Beamten und die Bosse der Unternehmen. Daher haben sie im moralischen Sinne zum Tod von Millionen Menschen fahrlässig beigetragen. Wenn sie jetzt nicht auf die Bremsen ihres Tuns gehen, handeln sie sogar vorsätzlich.

Diese mörderischen Entwicklungen stehen immer noch am Anfang und werden sich immer schlimmer fortsetzen. Allein in China gibt es noch hunderte Millionen, die in die Schlange vor den besseren Futterkrippen kommen wollen und - selbst bei höheren Preisen - werden, weil die westlichen Regierungen und Konzerne China aus eigennützigen Wirtschaftsinteressen heraus überstürzt in die Weltwirtschaft integrieren. Die Biospritproduktion baut sich noch weiter auf. Die Agrarpolitik der USA und der EU steht weiter unter dem Druck der Großbauern. Die Spekulation bei Nahrungsmittelpreisen wird ebenfalls weitergehen - sollte sie erfolgreich sein, sogar in noch größerem Umfang.

Jean Zieger nennt die Bio-Treibstoff-Fabrikation zu recht "ein Verbrechen gegen die Menschheit". Gilt das nicht auch für die anderen hier erwähnten Ursachen des Hungers? Das neue Wochenbuch beschäftigt sich mit der Misere und der moralischen Verantwortung.


Gedanken zur Zeit 848 28-04-08: Die Angst des Bundeswirtschaftsministers vor dem Mindestlohn

Der Bundeswirtschaftsminister greift in die Harfe gegen das vom DGB in Bayern vorbereitete und in der bayerischen Verfassung vorgesehene Volksbegehren. Dabei bringt er nicht nur die bekannten Argumente, wie die angebliche Gefährdung von Arbeitsplätzen, vor. Er erklärt auch gleich die DGB-Pläne für ein solches Volksbegehren als "aus rechtlicher Sicht höchst wahrscheinlich überhaupt nicht zulässig". Hat er und seine bayerische CSU etwa Angst vor dem Volk?

Und dann versteigt sich der Bundeswirtschaftsminister in seiner Presserklärung von heute auch noch zu dem Argument, die DGB-Gewerkschaften würden durch gesetzliche Regelungen die Tarifautonomie zerstören und sich selbst überflüssig machen. Das ist besonders lustig, weil es in fast allen unseren Nachbarländern Mindestlöhne auf gesetzlicher Basis und funktionierende Gewerkschaftsbewegungen gibt. Wenn der Bundeswirtschaftsminister wirklich meint, die Gewerkschaften würden sich überflüssig machen, dann würde das doch durchaus im Einklang mit der Politik der Bundesregierung stehen, die in der Vergangenheit oft vor Lohnforderungen der Gewerkschaften gewarnt hat.

Wie wichtig ein Mindestlohn in Deutschland ist, führen zu allem Überfluß auch noch die Kirchen vor. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" können viele Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen nicht mehr von ihrem Einkommen leben. Dem Bericht zufolge müssen die Beschäftigten zusätzlich zu ihrem Einkommen Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen. Dies ergebe sich unter anderem daraus, dass bei Einrichtungen der Diakonie Verträge auf 75 Prozent begrenzt werden. Der Mitarbeitervertreter in der bundesweiten arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie, Wolfgang Lindenmaier, warf den Kirchen vor, die Lohnspirale bewusst nach unten zu treiben. Die beiden Kirchen würden ihren Einfluss und ihre Marktführerschaft im sozialen Bereich nicht nutzen, "um endlich vernünftige Entgelte für die Arbeit zu bekommen", sagte Lindenmaier dem Magazin. Stattdessen verwendeten sie ihre Macht, "um Dumpinglöhne durchzusetzen." Alle Welt rege sich über Lidl und Aldi auf, aber die "Kirche ist schlimmer", kritisierte Lindenmaier.


Gedanken zur Zeit 847 27-04-08: Jean Ziegler zum Hunger der Welt

Jean Ziegler ist der UN-Berichterstatter zum Recht auf Ernährung und Professsor für Soziologie an den Universitäten von Genf und Paris. Er hat viele sehr kritische Bücher zur Globalisierung geschrieben und ist zu einem ihrer profiliertesten Kritiker geworden. Im Tagesspiegel vom Sonntag ist ein sehr lesenswerter Artikel unter der Überschrift "Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind" erschienen. Darin macht er in drastischen Worten auf das wachsende Hunger-Elend, vor allem in Afrika, aufmerksam:

    "Knapp unter einer Milliarde Menschen wohnen in Afrika. Zwischen 1972 und 2002 ist die Zahl der schwerst und dauerhaft unterernährten Afrikaner von 81 auf 203 Millionen angewachsen."
    "Von den 192 Staaten des Planeten liegen 122 in der südlichen Hemisphäre. Ihre Auslandsschuld beläuft sich insgesamt auf mehr als 2100 Milliarden Dollar. Die Außenschuld wirkt wie eine Würgschraube."
    "Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger. Alle vier Minuten erblindet jemand aufgrund von Vitamin A-Mangel. Im Jahr 2007 waren 856 Millionen Menschen - jeder sechste auf unserem Planeten - schwer und dauerhaft unterernährt. Im Jahr 2005 waren es noch 842 Millionen."
    "Die Verschuldung und der Hunger sind die zwei Massenvernichtungswaffen, die von den Herren der Welt eingesetzt werden, um die Völker, ihre Arbeitskraft, ihre Rohstoffe und ihre Träume zu versklaven."
    "Es gibt mehrere Gründe für dieses Desaster. Der wichtigste Grund: die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union. Die Industriestaaten der OECD haben ihren Landwirten und Viehzüchtern im Jahr 2007 mehr als 350 Milliarden Dollar an Subventionen für Produktion und Export ausbezahlt. Insbesondere die Europäische Union praktiziert in Afrika das Agrar-Dumping. Das führt in erster Linie zur systematischen Zerstörung der afrikanischen Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln."
    "In Heiligendamm haben Wladimir Putin, Angela Merkel, George W. Bush und Nicolas Sarkozy und ihre Kollegen versucht, als die Herren der Welt aufzutreten. Ein rührender Versuch, der ans Lächerliche grenzt, sind doch die meisten unter ihnen - selbst wenn sie demokratisch gewählt sind - nichts anderes als Söldner der real herrschenden Konzerne. Im Jahr 2007 haben die 500 mächtigsten transkontinentalen Privatgesellschaften mehr als 53 Prozent des Weltbruttosozialprodukts kontrolliert, das heißt aller Reichtümer (Kapital, Dienstleistungen, Waren, Patente usw.), die in einem Jahr auf dem Planeten geschaffen werden."

Leider muß man Jean Ziegler zustimmen. Die neoliberale Globalisierung ist ein irrsinniges Verbrechen an der Menschheit, vor allem ihrem größeren armen Teil.

Für mehr zur Armut in der Welt siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 846 27-04-08: Die deutsche Auslandsvermögensposition: BILD verdreht immer mehr

Ein Besucher des Infoportals hat den BILD-Kommentator Martin unter Hinweis auf den Bericht im Infoportal angeschrieben. Der hat darauf so reagiert:

    der von Ihnen zitierte Auslandsvermögensstatus enthält nicht nur die Anlagen von Unternehmen und Privatpersonen im Ausland, sondern auch jene von MFIs (Banken), öffentlichen Händen und der Bundesbank. Die letzteren drei sind aber keine Warenex- oder -importeure, auf die ich versucht hatte, in dem Beitrag abzustellen. Die Auslands- Aktivposition der Banken ist von 2003 bis 2006 von 1,4 auf 2,4 Billionen Euro gestiegen, die Passivposition von 1,5 auf knapp 2 Mrd Euro. Das hat mit realwirtschaftlichen Exporten absolut nichts zu tun. Es handelt sich um Vorgänge der Finanzsphäre und nicht um Anlagen der Exportüberschüsse. Vergibt die Deutsche Bank 100 Mrd Euro Kredite an z.B. die New Yorker Citibank steigt der deutsche Auslandsvermögensstatus ohne dass es sich dabei um die Anlage eines Exportüberschusses gehandelt hätte, um den es mir in meinem Beitrag gegangen war.
    Was andere Staaten mit ihren Exportüberschüssen anstellen, zeigen die Öl-Staaten (Saudi-Arabien, Abu Dhabi usw.) oder große Fertigwaren- Exporteure z.B. in Fernost, die sich ihrer sog. "Staatsfonds" bedienen, die in jüngster Zeit heftig tätig waren (Kauf von Wertpapieren und/oder Bankbeteiligungen).

Was BILD hier ausführt, ist nur weitere Verdummung. Erstens war in dem Kommentar der Gesamtvermögenstatus angesprochen, und dazu gehören nun einmal die Banken. Wenn BILD jetzt auf die Staatsfonds der Ölstaaten hinweist, so sind dies ebenfalls Finanzinstitutionen. Wo ist da der Unterschied?

Der Vergleich mit den Staatsfonds hinkt ohnehin schrecklich, denn Deutschland ist nun mal kein bevölkerungsarmes Ölland, dem eines Tages das Öl ausgehen wird, und das daher jetzt für die Zukunft sparen kann und muß. Und die Staatsfonds gehören dem Namen entsprechend dem Staat und werden hauptsächlich aus den Exportüberschüssen von Staatsunternehmen gespeist (z.B. China, Norwegen oder Singapur), die es in Deutschland so gar nicht gibt. Kein normales marktwirtschaftlich organisiertes altes und rohstoffarmes Industrieland hat daher nennenswerte Staatsfonds.

Außerdem stimmen die BILD-Zahlen auch nicht für die Auslandsvermögenssitution ohne Banken. Die Position für Unternehmen und Individualpersonen hat sich von 582 Mrd Euro 2003 über 685 Mrd Euro 2004, 890 Mrd Euro 2005 auf 841 Mrd Euro entwickelt. Also keineswegs der Einbruch um 1/4, von dem BILD-Martin in seinem Kommentar schwafelt.


Gedanken zur Zeit 845 26-04-08: Es tobt die Propaganda-Schlacht um China

Die chinesische Führung braucht nur einige tausend Demonstranten vor einer französischen Ladenkette in China aufmarschieren zu lassen und schon knicken weltweit die Unternehmerschaft und viele Medien ein und machen lautstark mit dem menschenrechtsverachtenden Regime gemeinsame Propagandasache. Bei kurzem Gedächtnis hat man vergessen, daß das chinesische Regime notfalls auch Panzer gegen das eigene Volk auffahren läßt und daß der gegenwärtige Parteiführer seine Karriere als chinesischer Platzhalter mit harter Hand just im Tibet begonnen hat. Deutsche Unternehmer haben sich bei der Beschwichtigung besonders hervorgetan und sogar die eigene demokratisch gewählte Regierung gleich mitkritisiert.

Besonders clever bringt sich nun der SPIEGEL in Stellung. Da wird berichtet, wie Chinesen für zehn Stunden Arbeit am Tag, an sieben Tagen pro Woche, und 50 Euro pro Monat für die Verbraucher in aller Welt Gemüse schnippeln. Und dann kommt die verquere SPIEGEL-Logik: "Verlogen ist es doch wohl auch, sich einerseits dauernd in Sachen China und Menschenrechte in die Brust zu werfen, um andererseits klammheimlich von der Billigarbeit der Küchensklaven dort zu profitieren."

Nun ist dieser Vorwurf in sich verlogen. Denn erstens beuten hier die gleichen westlichen Unternehmer, die jetzt mit dem chinesischen Regime gegen die Menschenrechtsfürsprecher paktieren, höchst profitabel die billige chinesische Arbeitskraft aus, und dies zusammen mit ihren chinesischen Partnern. Zweitens würde der gleiche SPIEGEL Zeter und Modrio schreien, wenn jemand wegen der Ausbeutung zum Boykott chinesischen Gemüses aufrufen würde.


Gedanken zur Zeit 844 261-04-08: Wieder Totalverdummung durch BILD, diesmal die Auslandsvermögensposition

Da meldet heute BILD: "Deutschland nennt sich gern Exportweltmeister. Doch was macht unser Land eigentlich mit den riesigen Überschüssen? BILD.de erklärt: Die Bundesrepublik hat im vorigen Jahr einen Exportüberschuss von knapp 200 Milliarden Euro erzielt. Darauf können wir stolz sein. Die Frage ist nun aber: Was machen die Deutschen mit ihren Mega- Überschüssen? Das Geld kann man entweder nach Hause transportieren und dort für weitere Investitionen ausgeben oder für höhere Lohnzahlungen. Oder man legt es im Ausland an. Damit würde der sog. "Vermögensstatus" Deutschlands verbessert, sozusagen unser geronnener Fleiß. Und von den Erträgen daraus kann man entsprechende Gelder mühelos einstreichen."

BILD weiter: "Leider hat sich der deutsche Vermögensstatus gegenüber dem Ausland in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. 2005 hatte Deutschland noch 624 Mrd Euro im Ausland "stehen", inzwischen ist diese Summe rasant abgeschmolzen - auf nur noch 448 Milliarden. Ein Minus von 176 Mrd Euro oder mehr als einem Viertel. Dagegen sind die Amerikaner schlauer. Sie sind Importweltmeister - also das genaue Gegenteil von uns. Sie haben aber ihr Geld, das sie im Ausland stehen haben klüger angelegt und ziehen aus aller Welt Nettoerträge von 44 Mrd Dollar - trotz ihrer negativen Handelsbilanz. Wir sollten aufpassen, dass wir trotz dem schönsten Made in Germany zum Schluss nicht mit leeren Händen dastehen. Klartext: Irgendetwas machen wir falsch. Wir verdienen tonnenweise Geld in aller Welt, bringen es aber nicht fertig, diese Summen dort, wo wir sie verdienen auch so anzulegen, dass wir eines Tages davon leben könnten, wenigstens zum Teil."

Das ist natürlich von vorne bis hinten gelogen. Die deutsche Vermögensposition gegenüber dem Ausland ist nach den Zahlen der Bundesbank immer weiter gewachsen, allein zwischen 2003 und 2006, der aktuellsten Zahl, auf das 4,5-Fache (siehe Abbildung). Sie ist auch stärker gewachsen als der Überschuß aus der deutschen Leistungsbilanz der letzten Jahre (siehe Abbildung). Mehr kann man wirklich nicht erwarten. Dagegen haben die Amerikaner auf Pump des Auslandes gelebt und sehen ihre Wirtschaftskonjunktur jetzt in den Keller rauschen.

Was will denn BILD mit solcher Irreführung erreichen? Offensichtlich soll den Deutschen von dem deutschen Rechts-Blatt eingeredet werden, noch geringere Löhne zu akzeptieren, damit die Unternehmen noch mehr Gewinne machen, die sie dann im Ausland anlegen. Und wenn sie das tun, können die vielleicht - wie BILD meint - davon leben, nicht aber "wir". Was BILD "geronnenen Schweiß" nennt, ist der Schweiß der Arbeitnehmer, für den sie nicht bezahlt werden. Und was "Klartext" sein soll, ist polemischer Blödsinn!

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 843 26-04-08: Müssen wir uns von einem Mr. Rogge warnen lassen?

Soviel ist ziemlich klar: Das Volk der Tibeter wird kulturell und sozial von einer chinesischen Machtstruktur, die nicht demokratisch legitimiert ist, unterdrückt. Nach den Unruhen werden Tibeter nun einem von der chineischen Führung angekündigten verschärften Umerziehungsmanöver unterworfen. China hat, um die Welt zu beruhigen und das eigene Aushängeschild Olympia zu retten, dem Dalai Lama Gesprächsbereichtschaft signalisiert, angeblich um diesen von weiterer Unruhestiftung abzubringen. Ein solches Angebot verpflichtet die chinesische Führung zu gar nichts. Dann gibt es ein Internationales Olympisches Kommitte unter seinem Boß Jacques Rogge, das sich mit der chinesischen Diktatur ins Bett gelegt hat (muß man sich an 1936 erinnern?).

In der Vergangenheit war das IOC immer wieder in Korruption verwickelt, viele Olympiasportler in Drogenskandalen. Dabei ist die Olympiade zu big business verkommen. Viele Unternehmen, die die Olympiade als Schaufenster verwenden, darunter auch deutsche, habe eigene Korruptionsaffairen zu verantworten, von Bestechung für Aufträge bis zum Einkauf von Gewerkschaftlern. So hat Siemens die Vorbereitung der Olympischen Spiele Bestellungen im Wert von 1,1 Mrd. Euro beschert. Und in Deutschland ist Siemens bis zum ehemaligen Vorstand um von Pierer hinauf in einen Korruptionsskandal um schwarze Kassen von hunderten Millionen Euro verwickelt, wenn man einem Bericht des neuen Vorstands Glauben schenkt.

Und nun warnen ausgerechnet große am Chinageschäft interessierte Unternehmen völlig selbstlos und nur aus Sorge um die Menschenrechte vor Kritik an der chinesischen Führung. BASF-Boß Lambrecht behauptet allen Ernstes, er spreche Menschenrechtsthemen mit China an und tue das leise und hinter der Tür. Er glaube, daß das ganz besonders wirksam sei. Wahrscheinlich murmelt er dabei so leise, daß es keiner hören kann. Nun kommt auch noch der IOC-Chef und warnt im Interview mit der Financial Times "den Westen", China nicht weiter wegen der Menschenrechte zu belästigen. Man erreiche mit lauter Stimme gar nichts. Der Westen habe erst vor 40 Jahren Kolonien aufgegeben.

Also Schnauze halten! Wenn die einen mal Kolonien gehabt haben, dürfen das dann auch andere? Wer hat eigentlich die Kolonien gehabt? Big business oder Sie und ich? Wer ist eigentlich Mr. Rogge, daß er solche Warnungen von sich geben kann? Was hat er denn für die Menschenrechte getan? Vielleicht murmelt er noch leiser als Mr. Hambrecht?


Gedanken zur Zeit 842 25-04-08: Wenn hungrige Finanzheuschrecken Hunger verbreiten

Mit Spekulanten hatte die Welt in der Vergangenheit leben gelernt. Allerdings haben sich seit einigen Jahren die Dimensionen dramatisch geändert. Das Volumen aller Wetten im Derivatebereich stieg nach der Statistik der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich in Basel von 281 Billionen Dollar Mitte 2005 auf 516 Billionen Dollar nur zwei Jahre später (zum Vergleich: die gesamte Wirtschaftsleistung der USA pro Jahr beträgt etwa 19 Billionen Dollar). Der tagesdurchschnittliche Umsatz erreicht fast vier Billionen US Dollar oder mehr als das Tausendfache aller täglichen Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland. Dabei ist auch das Volumen von Wetten auf die verschiedensten Arten von Waren an den Warenbörsen von 2,7 Billionen Dollar auf 7,1 Billionen Dollar förmlich explodiert, und seitdem sicher weiter gestiegen.

Dazu zählen nun in wachsendem Umfang preistreibende Wetten auf die Entwicklung von Nahrungsmittelpreisen. Die Spekulation kauft damit heute Warenkontrakte für die Lieferung in einem mittelfristigen Zeitraum von wenigen Jahren in der Annahme, daß sie dann bei bis dahin steigenden Preisen durch Weiterverkauf der Verträge Kasse machen kann. Es ist also praktisch eine künstliche Nachfrage von Spekulanten, die die Waren selbst am Ende gar nicht behalten wollen. So sollen Finanzinvestoren inzwischen die Rechte an zwei kompletten Jahresproduktionen der in Chicago gehandelten Weizensorte "Soft Red Winter Wheat" halten.

Wo kommt das Geld für diese überbordende Mega-Spekulation her? Seit einigen Jahren reißt der soziale Graben überall in der Welt immer mehr auf. Das geschieht unter dem aus den Niedrigstlohnländern kommenden negativen Druck auf normale Arbeitseinkommen. Die andererseits immer wohlhabender werdenden Besserverdiener dieser Welt können ihre Einkommen nur noch zu einem geringen Teil selbst verbrauchen und suchen statt dessen, zusammen mit einigen institutionellen Anlegern, profitable Anlagen. Erleichtert wird die Spekulation durch viel Liquidität und niedrige Zinsen, so daß das Eigenkapital mit Krediten gestreckt und umso profitabler eingesetzt werden kann. Nachdem der Markt für sekurisierte Kreditpapiere auf der Basis minderwertiger amerikanischer Hypotheken geplatzt ist, sucht das Spekulationsgeld noch mehr nach anderen und diversifizierenden Anlagen.

Da kommen die Warenmärkte für Nahrungsmittel gerade recht. Zu den Hauptspielern zählen die Hedgefonds, die in Deutschland als "Heuschrecken" berühmt-berüchtigt wurden. Aber selbst wohlhabende Kleinanleger spielen mit. Für sie bietet die Investitionsbank ABN Amro seit Anfang März ein Zertifikat an, mit dem auch dieser Spekulantenkreis an der Terminbörse in Chicago z.B. auf steigende Reispreise setzen kann.

Hier zeigt sich eine weitere Kehrseite der neoliberalen Globalisierung der Finanzmärkte. Hungrige Finanzheuschrecken tragen zu den Preissteigerungen für Nahrungsmittel bei und verbreiten so den Hunger.

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 841 25-04-08: Meinen es die "Schwachköpfe" ernst?

Heute erreichte mich ein Kommentar zu meinem Buch, den ich hier gerne mit dem finsteren Hintergedanken der Schleichwerbung berichte:

"Ich finde Ihr Buch "nicht leicht" zu lesen und "gefährlich".

Nicht leicht deshalb, weil das was beim täglichen Besuch Ihrer Web Seite nach und nach an Informationen aufgenommen wird, durch Ihr Buch lavinenartig über einen kommt. Und gefährlich weil einem schlagartig klar wird, mit welcher Dreistigkeit die Politik und Interessenverbände "mich" für dumm verkaufen wollen. Gefährlich auch, weil jeder der für sich in Anspruch nimmt noch selber nachzudenken, nur zwei Möglchkeiten hat; radikal werden, oder resignieren (schwarz - weiß betrachtet).

Damit wir uns nicht mißverstehen, gefährlich für die Interessenverbände und ihre Erfüllungsgehilfen!

Mehr den je bin ich der Überzeugung, daß der Spruch von Twain "Manchmal frage ich mich, ob die Welt von klugen Köpfen regiert wird, die uns zum Narren halten, oder von Schwachköpfen die es ernst meinen." absolut richtig ist, denn meines Erachtens trifft beides zu."


Gedanken zur Zeit 840 23-04-08: 200 Millionen Wanderarbeiter

200 Millionen Rücken, auf denen der Wettbewerb um die Weltmärkte ausgetragen wird. So viele weitgehend rechtlose Wanderarbeiter gibt es in China. Das sind fast die Hälfte mehr an Arbeitskräften, als in der ganzen Eurozone beschäftigt sind. Allein im Exportzentrum Shenzhen arbeiten 10 Millionen Wanderarbeiter. In Beijing sollen nach offiziellen Schätzungen 5,1 Millionen Wanderarbeiter leben.

Die Lohnentwicklung auf dem Lande, wo die Exportkapazitäten, die mit Wanderarbeiter funktionieren, hauptsächlich angesiedelt sind, liegt unter der Inflationsrate. Die Löhne steigen hier nominal weit weniger als für die Stadtbevölkerung (siehe Abbildung). Da verbinden sich westliche Konzerne mit chinesischen Partnern in der Ausbeutung der billigen Arbeitskraft.

Einen tiefen Einblick in die Existenzbedingungen solcher Wanderarbeiter in Beijing bietet ein Artikel im neuesten Freitag

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 839 22-04-08: Wieviel Krückstöcke brauchen die politisch Blinden?

Wir leben in einer dramatischen Zeit, die noch Jahrzehnte ihr ständig wachsendes Drama ausspielen wird. Einerseits werden fast 2 Mrd Menschen in relativ kurzer Zeit in die Weltwirtschaft und das heißt vor allem den Weltarbeitsmarkt integriert. Das geschieht zu neoliberalen Konditionen zu dem im globalen Wettbewerb um die unsozialsten Bedingungen erreichbaren niedrigsten Lohnniveau. Länder mit Streikverbot und ohne unabhängige Gewerkschaften, wie China, sind klar im Vorteil.

Die Vorstellung, daß der steigende Handel alle Schiffe auch in den alten Industrieländern höher schwimmen läßt, hat sich längst als Illusion herausgestellt. So ist das deutsche Exportvolumen in den 16 Jahren zwischen 1991 und 2007 um 171 % gestiegen, dagegen das Bruttoinlandsprodukt nur um 27 % und das Arbeitnehmerentgelt verbraucherpreisbereinigt sogar nur um 2,5 %, ein lächerlicher Jahresdurchschnitt um ein Zehntel Prozent. Das deutsche Arbeitsvolumen hat bis zur letzten statistischen Angabe für 2006 sogar um 6,1 % abgenommen, und das trotz der vielen Minijobs, gering bezahlten Jobs und unsicheren Zeitverträge.

Ich empfehle sehr den neuen Bericht im Wochenbuch, mit einer - wie ich meine - eindrucksvollen Grafik.


Gedanken zur Zeit 838 22-04-08: BILD und das Comeback der deutschen Industrie

Seit wann ist eigentlich die deutsche Industrie abgetreten, daß BLD jetzt ein Comeback zur Hannover-Messe verkündet? BILD: "Die deutsche Industrie feiert ein grandioses Comeback! Auf der weltgrößten Technik-Schau in Hannover stellen fast 2700 deutsche Firmen seit gestern ihre Neuheiten vor. Die ganze Welt will wieder Made in Germany."

Dies ist wieder nur Schön-Wetter-Propaganda. Immerhin hält der Exportboom zu Lasten der deutschen Binnenkonjunktur nun schon seit vielen Jahren an. Von Comeback keine Spur. Leider verrät uns BILD nicht den wahren Grund für die bisher noch unveränderte Exportstärke. Das tut jedoch das Statistische Bundesamt mit seiner Meldung von heute. Auch in 2007 sind die deutschen Arbeitskosten der im Europavergleich am wenigsten gestiegen (siehe Abbildung, hier nur Alt-EU - in den Beitrittsländern stiegen die Arbeitskosten weit stärker).

Damit liegen die deutschen Arbeitskosten heute längst nicht mehr im Spitzenfeld (siehe Abbildung). Das gilt auch für die Industrie, wenn man den kostensenkenden Verbundeffekt der in Deutschland relativ niedrigen Dienstleistungskosten aus der Vorleistungsverflechtung der Industrie berücksichtigt, wie er vom IMK für 2005 ermittelt wurde (siehe Abbildung). Da die deutsche Industrie die stärkste Kostendämpfung hat und die Eurozonenpartner nicht mehr abwerten können, wird die deutsche Industrie damit immer wettbewerbsfähiger.

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 837 22-04-08: Wer muß die 945 Mrd Dollar Schaden an den Weltkreditmärkten verschmerzen?

Mehrfach wurde ich gefragt, wo eigentlich der Riesenschaden von den Weltkreditmärkten hängenbleibt, den der IWF mit 945 Mrd $ annimmt. Der IWF hat auch das in seinem Global Financial Stability Report abgeschätzt (siehe Abbildung):

    49 % davon fallen bei Banken an und treffen im Wesentlichen die Alt-Aktionäre, wenn neues Kapital aufgenommen werden muß und die Aktien einbrechen (mit der Ausnahme von Northern Rock in UK, Bear Stearns in USA und den öffentlichen Banken in Deutschland).
    12 % landen in ähnlicher Weise bei Versicherungsunternehmen.
    15 % sind von Hedgefonds zu tragen, die meist das Geld der Reichen verwalten.
    Ganze 13 % treffen Pensionsfonds, die wahrscheinlich überwiegend das Geld kleiner Leute betreuen.

Dieser Riesenschaden ist also allenfalls zu einem sehr kleinen Teil in einem direkter Kreislauf zwischen Arm und Reich umgeschichtet worden. Natürlich hat der IWF in seine 945 Mrd Dollar Schätzung nicht die Schäden der Volkswirtschaften oder der amerikanischen Hauseigentümer einbezogen.


Gedanken zur Zeit 836 22-04-08: Verlagerung schädigt vor allem gering Qualifizierte

Nach einer neuen Statistik des Statistischen Bundesamtes haben deutsche Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten zwischen 2001 und 2006 im Zuge von Auslandsengagements 188.000 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut. Im Gegenzug wurden angeblich verlagerungsbedingt 105.000 neue Stellen am heimischen Standort geschaffen, also rund 56% der durch Verlagerung abgebauten Arbeitsplätze. Allerdings wurden dabei in der Gesamtwirtschaft 125.000 Arbeitsplätze für gering Qualifizierte abgebaut, aber lediglich 37% davon als neue Stellen mit vergleichbarer Qualifikation am bisherigen Standort eingerichtet. In der Industrie wurden 95 000 Arbeitsplätze für gering Qualifizierte abgebaut und nur ein Drittel davon neu geschaffen.

Das Statistische Bundesamt bestätigt damit, daß die Verlagerung vor allem gering Qualifizierte betrifft. China war das zweitwichtigste Zielland für Verlagerungen mit einem Anteil von 40 % in der Gesamtwirtschaft (siehe Abbildung) und sogar 45 % im technologieintensiven verarbeitenden Gewerbe (siehe Abbildung).

Diese Statistik unterzeichnet allerdings die Verlagerung erheblich, denn sie erfaßt nicht Unternehmen, die in Deutschland wegen Konkurrenz aus den Verlagerungsländern schließen mußten, wo also die Produktion, nicht aber ein bestimmtes Unternehmen verlagert wurde. Dazu liefert uns das Amt leider keine Statistik.

Heute hat mir jemand Verbohrtheit und dauernde öffentliche Abgrenzung vorgeworfen, weil ich die Verharmloser der neoliberalen Globalisierung auch im linken deutschen Spektrum kritisiere. Ich habe darauf im heutigen Wochenbuch reagiert.

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 835 21-04-08: Die Bundesregierung will die Arbeitslosigkeit im Wahljahr unter 3 Mio haben

Eigentlich kann es nicht überraschen: Im Wahljahr 2009 soll die Arbeitslosigkeit unter 3 Millionen sinken. So sagen es die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten vorraus und kommen haargenau auf 2,97 Millionen, als wenn jemand heute schon die Arbeitslosen bis Ende 2009 auf zehntausende oder 0,3 Prozentpunkte rechnen könnte. Selbst der chronisch unzuverlässige Kaffeesatz der Institute ist nicht so undeutig.

Nun erwärmt sich auch die Bundesregierung für ein solches Ziel. Sie geht nach Pressemeldungen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen spätestens im September 2009, dem im Jahresdurchschnitt für den Arbeitsmarkt günstigsten Monat, unter drei Millionen sinkt. Das wäre dann kurz vor den Bundestagswahlen und politisch genau richtig. Doch wie kommt man an ein solches Ziel, wenn der Arbeitsmarkt doch eigentlich von Regierung und Wirtschaftsforschung weitgehend unkrollierbaren Einflüssen folgt, wie z.B. der Entwicklung der Weltmärkte für den deutschen Export?

Im Wesentlichen hat die Bundesregierung drei kleine Hebelchen, wenn sie nicht nur auf die demographische Entwicklung vertrauen will, die nun von Jahr zu Jahr die Nachfrage nach Arbeit reduziert. Sie kann einerseits noch mehr an der Statistik manipulieren, als dies schon in den letzten Jahren der Fall war, und wahrscheinlich wird sie das tun. Sie kann andererseits die ihr nahestehende Wirtschaft bedrängen, mindestens für die Wahlkampfzeiten mehr Zeitverträge abzuschließen, die man ja nach der Wahl wieder reduzieren kann. Und sie kann schließlich versuchen, mit frohen Meldungen, wie diese von den weniger als 3 Millionen, die Menschen zum Geldausgeben und damit einer Ankurbelung der notleidenden Binnenkonjunktur zu bewegen, was dann mehr Jobs schaffen würde.

Die wiederholten frohen Botschaften schon jetzt noch weit vor den Wahlen deuten drauf hin, daß es vor allem wieder das letzterwähnte Hebelchen ist, das zwar schon in der Vergangenheit wirkungslos blieb, aber dennoch immer wieder gedrückt wird. Doch am Schluß wird man doch wieder zur statistischen Manipulation greifen, denn ausgerechnet in 2009 soll nach der Prognose des IWF das deutsche Wirtschaftswachstum auf nur noch 1 % fallen und damit unter die Produktivitätsentwicklung mit der Folge, daß keine neuen Arbeitsplätze entstehen können, jedenfalls keine richtigen.

Für mehr dazu siehe Kapitel 2 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.