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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(782) Werden die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst wirklich real mehr bekommen?

(781) Ein (fremdes) Buch, das mich schlecht schlafen läßt

(780) Keine Verspätungen mehr - Bitte Buch bestellen

(779) Der Rentenskandal

(778) Dümmer gehts nicht: Schon wieder das Geschwafel von der Vollbeschäftigung

(777) Wie lange kann die Rezession in USA dauern?

(776) Derzeit einige Tage Verzögerung in der Auslieferung von „Globalisierung: Legende und Wahrheit", doch Warten lohnt sich

(775) Warum die Bankenaufsicht nur bellen, aber nicht beißen darf




Gedanken zur Zeit 782 31-03-08: Werden die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst wirklich real mehr bekommen?

Nach BILD „ein kräftigen Schluck aus der Lohnpulle". Aber langsam. Zunächst ein Plus von 5,1 % in 2008. Doch davon ab geht für alle, die bisher 38,5 Stunden gearbeitet haben - und das sind die Arbeitnehmer der meisten Kommunen in Westdeutschland - und demnächst 39 Stunden pro Woche oder 1,3 % mehr arbeiten sollen, genau dieser Anteil, macht 3,8 %. Dann kommt ein Plus in 2009 von 2,8 % (2009) sind im Durchschnitt 3,3 % pro Jahr mehr, wenn man es auf die Arbeitsstunden bezieht.

Die Inflationsrate lag im März bei 3,1 % (siehe Abbildung). Niemand erwartet derzeit einen wesentlichen Rückgang der Inflation und bisher macht sie auch nicht den geringsten Ansatz zum Rückzug. Gerade Energie und Nahrungsmittel werden unter dem Ansturm der chinesischen Nachfrage auf den Weltmärkten immer teuerer werden. Die gefühlte Inflation bei einem realistischer Warenkorb liegt ohnehin zwischen 6 % und 9 %. Macht real ein Mini-Plus bei den Arbeitseinkommen pro Stunde von 0,2 %, kann aber realistisch und gefühlt betrachtet auch bis zu 9 % weniger sein.

Nun wird es aber noch etwas komplizierter, wenn man all die anderen Änderungen, die das Nettoeinkommen betreffen, berücksichtigt, als da wären in 2008: Steuerprogression -0,50%, Erhöhung Pflegeversicherung -0,25% und Erhöhung Krankenversicherung -0,55%, das ganze gegenbilanziert mit der Senkung der Arbeitslosenversicherung von 0,45 %, macht dann netto + 4,25 %. Und für 2009 noch einmal eine Steuerprogression von 0,35%. Macht alles in allem pro Stunde im Durchschnitt 2008/9 eine Erhöhung von 2,7 % und nach aller Wahrscheinlichkeit aus heutiger Sicht unter oder nur sehr wenig über der Inflationsrate und erheblich unter dem, was die Arbeitnehmer als Inflation fühlen werden. Von Nachholen der jahrelangen Reallohnverzichte kann schon gar nicht die Rede sein. Oder habe ich da was nicht verstanden?

Die deutsche Binnenkonjunktur wird jedenfalls mit diesem Tarifabschluß nicht in einen Boomzustand zu versetzen sein. Aber vielleicht haben die Tarifparteien eine andere Mathematik als die, die ich gelernt habe, zur Verfügung?


Gedanken zur Zeit 781 31-03-08: Ein (fremdes) Buch, das mich schlecht schlafen läßt

Keine Angst: Hier geht es einmal nicht um mein eigenes Buch. Zum Einschlafen brauchen viele Menschen etwas Bettlektüre, so auch ich. Nun hat mir meine Frau ein dickes Buch des britischen Journalisten Robert Fisk geschenkt. Bei 1.368 Seiten sollte man oft und gut schlafen können. Leider ist nun das Gegenteil der Fall. Doch ich kann das Buch nicht weglegen. Sein Titel: „Der große Krieg für Zivilisation".

Fisk zeichnet Etappe für Etappe, Jahr für Jahr die militärischen Einsätze der USA, Großbritanniens, Israels, der UdSSR, der Türkei und der Nato gegen meist islamische Bevölkerungen in Palästina, Afghanistan, Irak, Iran (über die vom Westen unterstützte Aggression Saddams) und der Türkei (Armenier, Kurden) nach. Auch islamische Terroristen und Diktatoren, vor allem Saddam, werden gebührend ins Visier genommen.

Gestern fiel mir das Einschlafen über diesem Buch besonders schwer. Auf Seite 881 kam ich an ein Kapitel mit der Überschrift „The Plague". „Plague" heißt so viel wie Pest oder Seuche. Beschrieben werden hier die fünf Jahre von 1994 bis 1999 andauernde permanente Bombardierung des Irak, vor allem seiner südlichen Landesteile in der Nähe zu Kuweit. Es war ein Erschöpfungskrieg, bei dem Saddams Regime in die Knie gebombt werden sollte, Hauptleidtragende aber Zivilisten waren.

Nun gab es vor wenigen Jahren in Großbritannien eine lange Diskussion über das sogenannte „Golf Syndrom", nämlich unerklärliche Nervenerkrankungen britscher Soldaten, die im ersten Golfkrieg von 1991 eingesetzt gewesen waren und viele Jahre später erkrankten. Sie verlangten Entschädigungen vom Verteidigungsministerium, die sie nicht bekamen. Schuld war offensichtlich, was später „DU" genannt wurde, oder depleted unranium, ein Abfallprodukt der Kernkraftwerke, das in Panzermunition wegen seiner Härte verwandt wurde.

Die eigentlichen Opfer waren aber hohe Zahlen an Krebserkrankungen bei Zivilisten, vor allem Kindern im Irak, die nach dem Panzereinsatz von 1991 noch der fünfjährigen Bombardierung ausgesetzt worden waren. Denn auch viele der von den Kampfflugzeugen abgeworfenen Sprengsätze waren mit DU gehärtet. Insgesamt sollen amerikanische Panzer 5.000 Runden DU und amerikanische Kampfflugzeute sogar zehntausende abgefeuert haben. Fisk spricht von einer regelrechten Krebsepedimie, vor allem bei Zivilisten im Süden des Landes, die am meisten von der Verwendung von DU schon im Krieg von 1991 und dann in den Bombardierungen bis 1999 betroffen waren.

Nun fragt man sich: Welcher Waffenproduzent in USA konnte nicht die Folgen eines Uraniumeinsatzes im Krieg, vor allem bei Zivilisten, erahnen? Welches in den Kauf verwickeltes Rüstungsamt mußte nicht wissen oder wenigstens erahnen, was das für die von Bombardierungen betroffene Zivilbevölkerung bedeuten würde? Hat es wenigstens Test vor der Waffenproduktion gegeben? Ist jemals jemand zur Verantwortung gezogen worden? Warum hat man immer nur von den Folgen unter amerikanischem und britischem Militär gehört, nie aber - soweit ich mich erinnern kann- unter der Zivilbevölkerung? Und vor allem, gehört DU immer noch zur Ausrüstung der Militärs?

Mir ist die Einstellung hinter solchem Einsatz praktisch "schmutziger Nuklearwaffen" unbegreiflich. Vielleicht hilft das zum Verständnis (wieder aus Fisk): Madeleine Allbright, geb. Korbel, wurde 1996 damals als amerikanische UN-Botschafterin unter Clinton in CBS news 60 Minutes von Anchor Leslie Stahl gefragt: „Wir haben gehört, daß eine halbe Million Kinder gestorben sind (zur Erklärung: Vor allem wegen des Embargos gegen Irak). Ich meine, das sind mehr Kinder als die in Hiroshima gestorbenen. War der Preis das wert?" Antwort: „Ich denke, es ist eine sehr harte Wahl, aber der Preis - wir glauben der Preis ist es wert."


Gedanken zur Zeit 780 31-03-08: Keine Verspätungen mehr - Bitte Buch wieder bestellen

Der Verlag hat mir heute morgen mitgeteilt: „In der Woche vor Ostern und in der Woche nach Ostern sind wir mit unserem Verlag in größere Büro- und Lagerräume umgezogen. Davon war leider auch unser Server betroffen, der in dieser Zeit nicht permanent aktiv sein konnte. Online-Bestellungen sind daher teilweise erst mit ein paar Tagen Verspätung bei uns eingetroffen".

Sie können also mein neues Buch nun ohne die vom Verlag erklärten Verzögerungen bestellen. Dies ist leider die einzige Form, die ich mangels eines großen Verlages mit Werbeetat und Auslage beim Buchhandel habe, um auf das Buch aufmerksam zu machen. Die erste Welle ist im Vertrieb offensichtlich gelaufen, und nun ist mehr Werbung und Weiterempfehlen notwendig.

Bisher habe ich nur begeisterte Kommentare erhalten. Es muß sich also lohnen, das Buch zu kaufen und auch weiterzuempfehlen (und es erhält zudem diese Webseite). Gegenüber der Informationssuche auf dem Internet, auch auf dem Infoportal, sparen sie mit der Lektüre und dem Nachschlagen in meinem Buch unheimlich viel Zeit, zumal es pointiert und damit leichter zu lesen geschrieben und reich mit Grafiken ausgestattet ist. Viele kaufen es auch zum Weiterverschenken.


Gedanken zur Zeit 779 31-03-08: Der Rentenskandal

Leider ist der Begriff „Skandal" so abgenutzt, daß man ihn gar nicht gebrauchen möchte. Doch alle anderen Begriffe klingen viel zu milde für, was ich den „Rentenskandal" nenne. Unser Rentensystem könnte sehr leicht durch eine entsprechende Steuerpolitik wie in den skandinavischen Ländern auf eine solide Basis gestellt werden. Man könnte so die einseitige Aneignung des Produktivitätsfortschritts durch die Kapitaleigner verhindern und diesen in die Renten umleiten. Alle Menschen in Deutschland könnten ohne Angst vor dem Alter leben. Dagegen liegt Deutschland beim Renteneinkommen gemessen am letzten Arbeitseinkommen so ziemlich am Ende des internationalen Feldes (siehe Abbildung). Das gilt besonders für die kleineren Arbeitseinkommen, weil es keine Mindestrenten gibt. Und deutsche Politiker streiten über eine lächerliche Rentenanhebung weit unter der Inflationsrate und vom Volumen her geringer als das, was in der IKB unter der Kontrolle der öffentlichen KfW und eines hochrangigen Vertreters der Bundesregierung im IKB-Aufsichtsrat an Milliarden vergeigt wurde.

Statt dessen sind die Zahlungen aus neuen Versichertenrenten allein zwischen 1996 und 2006 real schon um 19 % gefallen und mit anziehender Inflation fallen sie jetzt noch schneller (siehe Abbildung). Das läßt sich nur als Skandal bewerten. Die ergänzende Privatversicherung ist für einen sehr großen Teil der Bevölkerung mangels Masse keine Lösung und dient im Übrigen nur der Versicherungswirtschaft.

Ein häufiger Besucher meiner Webseite hat mir einen Beitrag für das Wochenbuch zur Verfügung gestellt, in dem Sie den Rentenskandal beschrieben finden.

Für mehr dazu siehe Kapitel 12 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 778 30-03-08: Dümmer gehts nicht: Schon wieder das Geschwafel von der Vollbeschäftigung

Der SPIEGEL-online: „So viel Einigkeit ist selten. Vertreter von Arbeitgebern, -nehmern und Regierung halten jetzt für möglich, was lange undenkbar schien: Vollbeschäftigung in Deutschland. In naher Zukunft könne es soweit sein."

Ganz vorne Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) natürlich in Bild am Sonntag: „Wir haben 1,6 Millionen Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt - jeden Tag entstehen 1400 neue Arbeitsplätze. Deutschland sei auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung im nächsten Jahrzehnt, wenn nun die Weichen richtig gestellt würden. Die von der SPD geforderten Mindestlöhne wirkten dieser Entwicklung entgegen." Die Angst der Neoliberalen vor dem Mindestlohn provoziert also das Versprechen der Vollbeschäftigung. Aber es ist auch die Angst vor dem Exporteinbruch bei stagnierender Binnennachfrage der privaten Haushalte. Mit frohen Botschaften sollen sie endlich zum Geldausgeben bewegt werden. Morgen mit dem Arbeitsmarktbericht vom März mehr in diesem Theater.

Ist „Vollbeschäftigung" wirklich erreichbar? Ja, sie ist es. Doch nur, wenn

Erstens, die Arbeitslosenzahlen weiter so manipuliert werden. Schon jetzt werden nur noch 59 % der Arbeitslosgengeldempfänger als arbeitslos registriert, vor einem Jahr wurden noch 66 % registiert (siehe Abbildung).Nun werden ab dieses Jahr auch noch die älteren Arbeitslosen aus der Statistik entfernt: Wer nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gilt nach Ablauf dieses Zeitraums für die Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht mehr als arbeitslos.

Zweitens, wenn Arbeitslose immer brutaler über ungeeignete 1-Euro-Jobs und, was die Agentur euphemistisch „ intensivere Betreuung von Arbeitslosen sowie die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus" nennt, in einen künstlichen Beschäftigtenstatus gezwungen oder jedenfalls aus der Arbeitslosenstatistik aussortiert werden.

Drittens, wenn immer mehr Arbeitnehmer in Billigstarbeit und unsichere Zeitverträge abgeschoben werden (siehe Abbildung).

Viertens, wenn man die Wochenarbeitszeit und die Lebensarbeitszeit verkürzt statt ständig zu verlängern.

Fünftens, wenn sich das derzeit aus demographischen Gründen rückläufige Arbeitskräfteangebot, das nach aktuellen Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2008 jahresdurchschnittlich um rund 90.000 abnehmen wird, so fortsetzt und wir mit Vollbeschäftigung in 10 Jahren zufrieden sind.

Sechstens, wenn endgültig alle Rezessionen und Wirtschaftskrisen von der Politik ausgeschlossen werden.

Na dann, Du schöne Welt der Glos u.Co.! Und hoffentlich kein Mindestlohn! Übrigens dies ist die langfristige Entwicklung der Arbeitsstunden in Deutschland: pro Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter seit 1960 ein Minus von 30 % (siehe Abbildung).

Für mehr dazu siehe Kapitel 2 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 777 30-03-08: Wie lange kann die Rezession in USA dauern?

Viele fragen sich jetzt, da sich offensichtlich Europa nicht so einfach von der Wirtschaftsentwicklung in USA abkoppeln kann, wie lange soll das eigentlich dort noch dauern mit dem Abschwung? Eine Antwort darauf gibt die Betrachtung früherer Abschwünge seit 1959. Merrill Lynch hat die sieben Abschwünge an Hand von 10 Indikatoren analysiert und grafisch aufbereitet (siehe Abbildung).

Leider befinden wir uns immer noch am Anfang der neuen Abschwungphase. Der Rückgang liegt bisher erst bei 0,4 Punkten. Frühere Abschwünge gingen bis zu 2,3 Punkten nach unten.

Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Gedanken zur Zeit 776 29-03-08: Derzeit einige Tage Verzögerung in der Auslieferung von „Globalisierung: Legende und Wahrheit", doch Warten lohnt sich

Mein neues Buch ist über die Osterzeit etwas stärker geordert worden. Einige hatten es wohl in den ruhigeren Tagen lesen wollen. Bei Amazon kam das Buch bis auf den 3. Platz unter 100 Büchern über das Thema Globalisierung, die Amazon auflistet (und liegt heute unter den ersten Plätzen pendelnd auf dem 10.Platz).

Dummerweise ist gleichzeitig der Verlag umgezogen, so daß es zu einigen Verzögerungen in der Auslieferung gekommen ist.

Bitte lassen Sie sich durch wenige Tage Warte nicht entmutigen. Bisher habe ich nur begeisterte Kommentare erhalten. Es muß sich also lohnen, das Buch zu kaufen und auch weiterzuempfehlen (und es erhält zudem diese Webseite). Gegenüber der Informationssuche auf dem Internet, auch auf dem Infoportal, sparen sie mit der Lektüre und dem Nachschlagen in meinem Buch unheimlich viel Zeit, zumal es pointiert und damit leichter zu lesen geschrieben und reich mit Grafiken ausgestattet ist. Viele kaufen es auch zum Weiterverschenken.

Und noch etwas. Einige Buchhändler haben sich dumm gestellt und das Buch angeblich nicht gefunden. Wahrscheinlich mögen sie es nicht besonders, weil es nicht über den Grossisten libri mit Sondernachlässen für den Buchhandel kommt und kein Werbeetat eines großen Verlages den Buchhändlerappetit anregt. Dazu schreibt mir der Verlag weiter: „In der Deutschen Nationalbibliothek ist Ihr Werk ebenso wie im Verzeichnis lieferbarer Bücher von vornherein gelistet gewesen. Es hätte sonst nicht schon unmittelbar mit Erscheinen unter Buchhandel.de, der öffentlich zugänglichen Plattform des VLB stehen können. Mich wundert ohnehin, dass die Buchhändler nicht standardmäßig dort nachschauen, wenn sie sich schon kein tagesaktuelles Online-Abonnement des VLB leisten, sondern nur die alle sechs Wochen upgedatete CD-ROM-Version. Aber leider haben wir auf die Aktivitäten des Handels keinerlei Einfluss. Ich hoffe aber, dass es sich bei den genannten Erfahrungen um Einzelfälle handelt."

Schade. In meinem nächsten Leben werde ich Buchhändler und nehme mich der „Underdogs" an!


Gedanken zur Zeit 775 29-03-08: Warum die Bankenaufsicht nur bellen, aber nicht beißen darf

Um richtig zu beißen, bräuchte die Bankenaufsicht dringends neue Zähne. Mit ihren derzeitigen Zähnchen würde sie sich dieselben ausbeißen. Also bellt sie nur. Neue Zähne bräuchte sie dringend, weil nur so das Vertrauen in die Banken wieder herzustellen wäre. Aber auch die Regierungen bellen nur, wenn sie eine schärfere Bankenaufsicht ankündigen, wie jetzt Präsident Busch oder der deutsche Finanzminister.

Der Grund ist banal. Eine schärfere Bankenaufsicht müßte für weit höhere Eigenkapitalquoten sorgen. Nie wieder darf eine Bank, wie die IKB, mit einer so dünnen Eigenkapitaldecke von nur 2,7 % rumturnen. Eine schärfere Bankenaufsicht müßte auch auf einer korrekten Bewertung der hochriskanten Anlagen der Banken bestehen. Das geht aber nur, wenn die Bewertung dieser Anlagen zu jeweiligen Marktpreisen, die derzeit extrem niedrig sind, stattfindet. Beides würde, um eine Pleite zu vermeiden, bei den Banken starke Kapitalerhöhungen erfordern, die derzeit am Markt jedoch gar nicht oder nur schwer zu realisieren sind. Bei den öffentlichen Banken in Deutschland, wie den Landesbanken oder der mehrheitlich öffentlichen IKB, müßte der Steuerzahler für noch mehr Kapital einspringen, als er es jetzt schon tut. Nur dann würden die Banken von dem hohen und dünnen Seil einer extrem knappen Eigenkapitaldecke herunterkommen. Wenn sie das Kapital aber zur Zeit nicht am Markt aufnehmen können, würde sie eine schärfere Bankenaufsicht in die Pleite treiben.

Also versucht man sich durchzuwurtschteln. Die Regierungen bellen, beißen aber nicht. Die Bankenaufsicht kann ohne neue Zähne ohnehin nicht beißen. Was heißt das? Soweit nicht die privaten Rating Agenturen darauf bestehen, werden Abschreibungen auf hochriskante Papiere weiter nur von Quartal zu Quartal tröpfeln, statt endlich reinen Tisch zu machen. Bei einem reinen Tisch kämen allein auf die deutschen Banken nach Einschätzung der Bankenaufsicht, einschließlich der schon vorgenommenen, bis zu 60 Mrd Euro an Abschreibungen zu (zur Erinnerung: Der Streit um die Minirentenerhöhung geht um 9 Mrd Euro verteilt über zwei Jahre).

Einstweilen rekapitalisieren sich die Banken überall in einem langen Prozeß über höhere Gebühren zu Lasten ihrer Kunden. Dabei geben sie die von den Zentralbanken abgesenkten Zinsen, vor allem die Sonderkonditionen für Banken, nicht weiter. Wenn Sie jetzt bei Ihrer Sparkasse auf Ihr Sparbuch einzahlen, räumt sie Ihnen großzügig einen Zins von 0,5 % ein. Entscheiden Sie sich für ein Geldmarktkonto, das sie über Internet selbst führen müssen und daher der Bank keine Kontoführungskosten erzeugt, erhalten Sie großzügig einen Zins von 3,34 % (und bei der EZB kann sich Ihre Bank notfalls derzeit Drei-Monatsgeld zu 4,5 % holen). Doch dann nimmt die Bank dieses vergleichsweise billige Geld und kann es derzeit zu 4,73 % an andere Banken weiterverleihen oder als Dispositionskredit für 14,25 % bzw. als Überziehungskredit für sogar 19,5 % weiterreichen. Variable Zinsen bei Hypotheken werden derzeit zu etwa 5,7 % eingeräumt. Kein schlechtes Geschäft, oder?

Die Banken profitieren auch davon, daß sich ihre Schulden mit höherer Inflation real vermindern, wobei die Notenbanken mit ihren gigantischen Liquiditätsspritzen an die Banken und ihrer „milden" Zinspolitik die Inflation nicht ausreichend im Schach halten können. Die Bayerische Landesbank soll sogar die Gründung einer Gesellschaft, die ihr rund 20 Milliarden Euro an riskanten Wertpapieren abnehmen soll, erwägen, um so das Risiko aus der eigenen Bilanz auszulagern. Doch keine beißende Bankenaufsicht dürfte nicht noch einmal eine solche und anderen Manipulationen an den Bilanzen durch ausgelagerte Vehikel zulassen.

Derweil steigt das Mißtrauen auch zwischen europäischen Banken immer weiter, wie der steigende Zwischenbankzins Euribor ausweist. Er ist seit einem Tiefpunkt Anfang Februar schon wieder von 4,28 % auf 4,73 % gestiegen und damit weit über den Zentralbankzins von 4 % (siehe Abbildung).

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.