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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(721) Ehrliche Aufklärung hat es schwer in Deutschland

(720) Ein „Dankeschön"

(719) Deutschland im Europatest

(718) Noch gibt es unabhängige Journalisten im öffentlichen Rundfunk

(717) So wird man berühmt

(716) „Schönfärber" Franz ist wieder am Werk

(715) „Rentnerschreck BILD" hat es schon wieder mit den Rentnernn

(714) Was wäre der deutsche Außenhandel ohne die Eurozone?

(713) Wie werden eigentlich die Kosten meines Buches kalkuliert?

(712) Ohne Rücksicht auf Verluste: Deutschland setzt seinen Niedriglohnwettbewerb fort

(711) Fette Katzen immer fetter

(710) Politische Justiz in Deutschland?

(709) Die Rundbriefe haben schon 2005 den Braten gerochen

(708) Die 7 Endzeit-Plagen des Johannes und die 5 der neoliberalen Globalisierung

(707) Das Bockwurst- & Sauerkrautland wird zum Michelin Drei-Sterne-Land

(706) Werden wir von Idioten regiert?

(705) BILD gegen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst

(704) Wir werden unsere Welt in 5 Jahren nicht wiedererkennen

(703) Afghanistan gefährlicher denn je: Opiumanbau 2007 +34 %

(702) Der „unaufhaltsame" Abstieg der deutschen Mittelschicht

(701) Scham über Deutschland: Europameister im Frauenausbeuten, ohne Mindestlohn umso besser

(700) Je schlechter die Zeiten, desto schöner die Meldungen

(699) Bundesamt für statistische Schönfärbung?

(698) Haben Sie schon die Inflation gefühlt?

(697) Wieder BILD-Lügen zur Steuerbelastung

(696) Von Kofferträgern und Urgestein in der SPD vor dem Hintergrund der Globalisierung

(695) Der Aufschrei des Signor Barroso




Gedanken zur Zeit 721 12-03-08: Ehrliche Aufklärung hat es schwer in Deutschland

Wer mit ehrlicher Analyse der wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Situation unseres Landes kommt, tritt gegen die Megasprachrohre und Megamillioneneinsätze der neoliberalen Lobby an. Aber auch gegen die nicht selten verdummende Pressearbeit öffentlicher Stellen, ob aus der Regierung, dem Statistischen Bundesamt oder der Bundesagentur für Arbeit. Natürlich dann auch gegen den willfähigen oder einfach recherchenfaulen Journalismus und gegen neoliberale Wirtschaftsforschung oder was sich in Deutschland „Forschung" nennen darf. Und letztlich leider auch gegen solche kritische Geister, die sich für ausreichend aufgeklärt halten, ohne es wirklich zu sein (warum dann noch ein Buch kaufen?), und vielleicht auch noch gegen die „Geiz ist geil-Hürde" beim Bücherkauf, wenn Aufklärung so betrieben werden soll.

Hier zunächst ein Beispiel für Volksverdummung von heute. Da meldet das Statistische Bundesamt unter der Überschrift „Konsumausgaben 2007 stark von PKW-Käufen beeinflusst": „Die privaten Haushalte in Deutschland haben ihre Konsumausgaben 2007 um 1,2% gesteigert, 2006 lag die Wachstumsrate bei 2,3%. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, sind die Konsumausgaben ohne die privaten Autokäufe im Jahr 2007 um 1,8% nach 2,1% im Jahr 2006 gewachsen. Dies zeigt, dass die Schwankungen bei den Autokäufen den Verlauf der privaten Konsumausgaben erheblich prägen." Natürlich soll das die traurige Entwicklung auch ohne Autokäufe in ein positives Licht versenken.

Denn das liest sich nun so, als ginge es dem deutschen Konsum eigentlich gut, wenn man nur die Autokäufe herausrechnet. Dabei ist auch eine ohne Autokäufe auf 1,8 % gefallene Steigerungsrate keineswegs gut, da sie noch unter der Inflationsrate liegt, was das Statistische Bundesamt natürlich wohlweislich nicht verrät, obwohl es die reale Entwicklung kennt. Die gesamte Nachfrage privater Haushalte lag 2007 um real 0,5 % und im 4. Quartal 2007 sogar schon um 1,6 % unter dem Vorjahreswert. Von wirklicher „Steigerung" also keine Rede, es sei denn man wollte lügen.

Und was macht dann der „verdummende" SPIEGEL daraus? Kaum zu glauben: „Die Deutschen sind ausgabefreudig wie nie: Die privaten Haushalte haben im vergangenen Jahr insgesamt knapp 1375 Milliarden Euro für den Konsum ausgegeben. Einen massiven Einbruch gab es laut Statistischem Bundesamt bei Autokäufen." Einbruch nur bei den Autokäufen? „Ausgabefreudig wie nie" bei einer real negativen Entwicklung, wo kein Stück mehr sondern viele Stücke weniger gekauft wurden?

Wer da aufklären will, muß ein dickes Fell haben und recht selbstlos sein. Ich habe die letzten drei Jahre ziemlich voll für meinen Teil an Gratis-Aufklärung eingesetzt. Ich freue mich über den regen Webseitenbesuch. In der letzten Woche waren es durchschnittlich 2.000 pro Tag und einige werden wiedergekommen sein. Gehen wir also von 6.000 Gästen aus, die in der vergangenen Woche das Infoportal aufgesucht haben. Außerdem empfangen fast 600 den Rundbrief. Dann habe ich Monate für mein letztes Buch eingesetzt, das echte Aufklärungsarbeit leisten will und sich außerdem eignet, an Menschen im Familien- und Freundeskreis geschenkt zu werden, die noch nicht von den Realitäten erreicht worden sind. Nun, was ist die Trefferquote im Buchvertrieb bisher? Mein Verlag nannte mir heute morgen eine Zahl um ganze 2 % derer, die ich mit meiner Eigenwerbung theoretisch erreichen kann.

Natürlich darf man da nicht aufgeben. Also habe ich noch einmal eine Werbemail an die 600 „unglücklichen", mit denen ich per Mail korrespondiere, verschickt. Derzeit hat das Buch damit bei Amazon einen Sprung von Platz 60.000 auf etwa 7.600 geschafft und liegt auf dem 9. Platz aller Bücher, die Amazon zum Thema Globalisierung führt. Nicht schlecht, denn die besser platzierten kommen fast alle aus großen Verlagen und können daher billiger sein und sehr viel mehr Werbung betreiben und bei jedem Buchhändler ausliegen. Das Problem ist nur, daß wahrscheinlich morgen wieder ein Sprung nach hinten sein wird, und dagegen kann ich dann wenig tun. Meine Großmutter, die die Weltwirtschaftskrise durchlebt hatte, pflegte zu sagen: „Wenn der Bäcker kein Mehl hat, backt er nicht".


Gedanken zur Zeit 720 12-03-08: Ein „Dankeschön"

Autoren laufen nicht selten Gefahr, sich in ihr Werk zu verlieben, und es ist schwer, Abstand davon zu halten. Umso wichtiger sind die Kommentare, die von draußen kommen, und hier von völlig unbekannten Lesern.

Eine kleine Sammlung aus Kommentaren zu „Globalisierung: Legende und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" habe ich jetzt zusammengestellt. Alle zeigen mir, wie wichtig Bücherschreiben sein kann. Hier ein Auszug aus sechs Kommentaren:

    Vom Inhaltlichen her bewerte ich Ihre Arbeit als ausgezeichnet, zudem als sehr geeignet, gerade jüngeren Menschen die heutige Welt-Europa-Deutschland-Situation in verständlich-begreifbarer Weise nahezubringen - ganz im Sinne Ihrer Widmung für Ihren Sohn. ..kaufte ich fünf Exemplare Ihres Buches, die "meine" örtliche Buchhandlung mir heute zustellte. Vier dieser fünf Exemplare werden als "besondere Ostereier" von meiner Frau und mir an unsere Kinder im Alter zwischen 42 und 28 Jahren verschenkt.
    Lassen Sie mich eine kurze sehr persönliche Sache sagen. Heute früh war meine Frau überaus verärgert: ich schlief um 9 Uhr immer noch. Warum? Weil ich bis Mitten in der Nacht Ihr Buch nicht weglegen konnte. Es wird mir sehr viel Mühe kosten, einen negativen Punkt zu finden.
    ich habe Ihre Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme wegen der einzigartigen Aussagekraft aufmerksam verfolgt.
    Vielen Dank für Ihre wichtige Arbeit. Die VWL für nicht ganz Dumme hat sogar meinen eingefleischten CDU Bruder zum Nachdenken gebracht.
    Ein herzliches Dankschön dafür - gerne reiche ich es an unsere Jungs und die beste aller Ehefrauen "zur geflissentlichen Kenntnisnahme" weiter.
    Man spürt die Anspannung Ihrer Mühen, den Lesern sehr Wichtiges zu übermitteln, Vermächtnis und Fanal für die Zukunft zugleich. Sie haben sich eindrucksvoll als kritischer Denker profiliert, sind bis an die Grenze Ihrer Möglichkeiten herangekommen - man kann der Buchveröffentlichung nur besten Erfolg wünschen.

Ein Kommentar zu meinem Buch hat schon seinen Weg zur Kommentar-Rubrik bei Amazon gefunden. Ich freue mich über jeden neuen Leser und jeden Kommentar (auch wenn er Kritik enthalten sollte). Falls Sie sich für das Buch interessieren, finden Sie hier eine Beschreibung und die Bezugsquellen und einen Link zu der Seite mit den Kommentaren.


Gedanken zur Zeit 719 12-03-08: Deutschland im Europatest

Das Infoporatal zeigte bisher „13 Schaubilder gegen die unsoziale Entwicklung in Deutschland", die nun schon 17.000-mal aufgerufen und sicher auch oft ausgedruckt wurden. Viele Blogs und Foren verweisen darauf. Jetzt habe ich mich entschlossen eine zusätzliche Fassung zu erstellen. Sie bringt kurze erläuternde Texte, um das Verständnis zu erleichtern, und auch einige weitere Schaubilder. Zusammen sind es nun 18 aus 8 Bereichen, nämlich Löhne und Gehälter, Nachfrage privater Haushalte und Einzelhandelsumsatz, Außenhandel, Unternehmensgewinne, Arbeitslosigkeit, Bildung, Renten und Demographie. Der Vergleich findet mit den 14 anderen Ländern der Alt-EU statt, da die Situation der Beitrittsländern in Osteuropa noch nicht vergleichbar ist. Bei einigen Vergleichen werden andere westliche Länder, wie die USA einbezogen.

Ich wünsche diesem neuen Schwerpunkt einen ähnlichen und vielleicht noch größeren Erfolg als den bisherigen „13 Schaubildern gegen die unsoziale Entwicklung in Deutschland". Nur so kann man die Schuppen von vielen Augen lösen. Zu viele vertrösten sich mit der Exportweltmeisterschaft, die jetzt ohnehin an China übergegangen ist, und vergessen gern den Rest. Es wäre schade, wenn Sie sich diesen weiterhin kurzen Vergleich entgehen ließen. Er spricht mehr Bände als alle Reden unserer Politiker und (als Zugabe) sämtliche bisherigen Meldungen in BILD oder SPIEGEL zum Land, auf das wir stolz sein sollen.


Gedanken zur Zeit 718 12-03-08: Noch gibt es unabhängige Journalisten im öffentlichen Rundfunk

Heute hat mich ein Kommentar in h2 von Reinhard Lauterbach überrascht: "Kurti, Dagmar und Angelika oder Warum die SPD nicht auf den grünen Zweig kommt, egal, was sie macht". Es ist ein phatastisches Stück politischer Analyse ohne besondere Rücksichtnahme. Sie finden es hier.


Gedanken zur Zeit 717 11-03-08: So wird man berühmt

Mein neuer Schwerpunkt „Schrumpfende Mittelschicht - Mitverlierer der neoliberalen Globalisierung" hat in Lagern eingeschlagen, wo ich es gar nicht erwartet hatte, natürlich in der Regel mit recht einseitiger Ausschlachtung. Das fängt mit der Webseite des Astrologen Martin Schmid an, der aus Tailand per Telefon nach Überweisung von 100 Euro astrologischen Rat gibt und offensichtlich gleichzeitig der deutschen Linkspartei nahesteht. Unter Falschreibung meines Names (vielleicht wird er astrologisch ohne „h" geschrieben?) wird dann ein Zitat aus „hartgeld" übernommen, das seinerseits aus meinem Schwerpunkt stammt.

Walter K. Eichelburg ist der Gründer & Organisator jener Webseite für den langfristigen Edelmetall-Investor mit dem Namen "hartgeld". Er bezeichnet sich als "Network Technology Consultant sowie Investor und Autor zahlreicher Artikel am technischen- und Finanzsektor" und behauptet, seine Webseite werde jeden Monat 1-Million mal aufgerufen, was ziemlich unwahrscheinlich ist, weil es so viel Edelmetall-Spekulanten in Deutschland gar nicht geben dürfte. Er hat nun einen Artikel mit dem Titel "Wer ist die Mittelklasse? und dem Obertitel "Ein perfides System" verfaßt, dessen „Inspiration" von meinem Schwerpunkt gekommen sein soll. Darin wird sehr willkürlich eine Passage meiner Webseite zitiert und dann die Misere der Mittelklasse der zu hohen Steuer statt den zu niedrigen Arbeitseinkommen in die Schuhe geschoben. Das Ende dieses recht komischen Aufsatzes des Herrn über die Edelmetall-Spekulation lautet übrigens, wohl von Marx geklaut: "Es ist Zeit, aus diesem System auszubrechen und das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Aber auch die heutigen „Reichen" werden in der kommenden Depression einen Grossteil ihres Papiervermögens verlieren. Dann wird es vermutlich zur Revolution kommen. Und die Massen werden aufwachen - hoffentlich." Dieser Wohltäter der Menschheit kommt aus Österreich, gab es da nicht schon mal einen, der die Revolution wollte und machte?

Darauf erhielt ich eine ironische Zuschrift eines Besuchers des Infoportals: "Sie werden anscheinend immer bekannter. Selbst Seiten, die Ihnen mit Sicherheit ideologisch in keinster Weise nahestehen, beziehen sich jetzt schon auf Ihre Homepage." Leider kann ich das nicht verhindern.


Gedanken zur Zeit 716 11-03-08: „Schönfärber" Franz ist wieder am Werk

Der Mann mit dem tollen und gern in voller Länge zur Schau gestellten Titel „Prof. Dr. Dr. h.c. mult." heißt Wolfgang Franz und ist Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, also einer der so genannten „Wirtschaftsweisen", und einer der Ober-Neoliberalen. Er ist auch Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, das monatlich auf Umfragebasis 285 Analysten und institutionelle Anleger befragt, wie sie die Wirtschaftssituation heute und die Erwartungen für morgen einschätzen. Es sind eigentlich Menschen, die zu einem Mindestniveau an Optimismus verurteilt sind, wenn sie an ihren Beruf glauben wollen. Doch der Ausbruch der Kapitalmarktkrise hat sie in ein tiefes „Tal der Tränen" gestürzt, aus dem sie in der letzten heute veröffentlichten Umfrage ein paar Millimeter und weit unter dem historischen Mittelwert hinausgekrochen sind (hier). Es ist noch immer der dritttiefste Wert seit 15 Jahren gewesen, so daß die minimale Aufhellung im Februar und jetzt im März kaum ins Gewicht fällt. Außerdem sank die aktuelle Einschätzung der Konjunkturlage weiter ab (hier).

Bisher hat Franz noch jedes Ergebnis mit seinem persönlichen Kommentar ziemlich einseitig angereichert, so auch diesmal. Seine Pressemitteilung trägt die Überschrift: „Erwartungen auf Erholungskurs" und kommt dann zu dem tollen Urteil: „Der Optimismus der Finanzanalysten gründet sich vermutlich auf die Hoffnung, dass bei der Finanzmarktkrise das Schlimmste in einem halben Jahr überwunden sein wird und die Konjunkturdynamik sich nicht mehr abschwächt als bisher erkennbar". Das ermutigt dann den ebenfalls traditionell auf Schönfärben eingestellten SPIEGEL zu der noch schöneren Schlagzeile: „ Experten glauben wieder an die Konjunktur - Euro auf Rekordhoch", wobei er nicht einmal den Widerspruch bemerkt: „Experten und Analysten geben in der aktuellen ZEW-Studie überraschend gute Prognosen für die Konjunktur zu Protokoll." Das Franz'sche „vermutlich" ist natürlich auch weggefallen. So arbeiten die Schönfärber.

Weiß Franz von seinen Experten etwas, das wir nicht wissen? Oder weiß er (und sie) nicht, bzw. will nicht wissen, was wir wissen, nämlich daß sich die Krise derzeit weiter in alle Ecken des Kreditmarktes und damit auch in den Berufsstand der Banker (mit Stellenstreichungen) und - viel schlimmer - in die Realwirtschaft hineinfrißt und wenig Anzeichen für den Franz'schen Optimismus läßt, in einem halben Jahr sei alles vorbei. Noch immer türmen sich weitere negative Faktoren auf, wozu für uns nicht zuletzt die ständige Aufwertung des Euro zu rechnen ist (hier). Die US-Notenbank pumpt gerade heute weitere 200 Milliarden Dollar in die geleerten Kassen der Banken. Große Fonds, wie Carlyle müssen Anlagen im Feuerverkauf auf den Markt werfen, weil sie ihren Verpflichtungen sonst nicht nachkommen können. Die Unternehmensfinanzierung verteuert sich mit immer höheren Zinsaufschlägen für die Bond-Versicherung (hier), selbst bei AAA eingestuften angeblich supersicheren Bonds (hier), weiter. In USA steigen die Arbeitslosenzahlen wieder.

Vielleicht ist das wirklich unser ganz einsames Herrschaftswissen aus ganz offenen Quellen?


Gedanken zur Zeit 715 11-03-08: „Rentnerschreck BILD" hat es schon wieder mit den Rentnern

„Die Alten beuten die Jungen aus" heißt die knallige Schlagzeile in BILD online und der Kommentar quatscht vom „Krieg der Generationen" und weiter: „Wahr ist: Auch wenn die Rente heute nur minimal wächst, geht es der aktuellen Rentnergeneration so gut wie keiner zuvor. Diese doppelte Last können die Jüngeren nur schultern, wenn die Älteren maßhalten. Wenn Generationen füreinander denken - und nicht gegeneinander Krieg führen."

BILD trägt eine kräftige Portion Verantwortung für die Kaufzurückhaltung verängstigter Rentner und damit die schlechte deutsche Binnenkonjunktur, natürlich auch für das Wohlergehen der BILD sehr nahestehenden privaten Altersversicherung. Schon mal was von armen Rentnern gehört, vor allem den vielen Frauen darunter?

Dabei ist das alles Unfug. Die Produktivitätsentwicklung ist immer noch erheblicher schneller als der Aufwuchs der Unterstützungsbelastung zwischen den Generationen. Und die Älteren geben den Jüngeren so eine wesentlich produktivere Volkswirtschaft weiter. Die Unterstützungsbelastung für die Generationen im arbeitsfähigen Alter wird bis 2050 um etwa 1 % pro Jahr ansteigen. Dagegen steigt die Produktivität schneller als der Rentnerberg, in den letzten 8 Quartalen oder zwei Jahren bis Ende 2007 um durchschnittlich 1,6 % (siehe Abbildung). In der gewerblichen Wirtschaft lag der jährliche Produktivitätszuwachs im Durchschnitt seit dem Jahr 2000 sogar um 4 % (siehe Abbildung). Der Produktivitätsgewinn wird in erster Linie erreicht, indem Arbeitskräfte durch Automaten ersetzt werden, die natürlich keine Renten finanzieren müssen. Hier können Sie eine rechnerische Projektion von Produktivitätsgewinn und Unterstützungsbelastung bis zum Jahr 2050, dem Zeithorizont der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung, sehen. Wie man sieht, müßte es eigentlich keine Probleme geben. Leider jedoch wird in Deutschland der Produktivitätsfortschritt seit Jahren weitestgehend von den Kapitaleignern zur eigenen Bereicherung verfrühstückt. Durch eine vernünftige Steuerpolitik könnte aber gegengesteuert werden. So werden in den skandinavischen Ländern Grundrenten aus dem Steueraufkommen finanziert, das dort wesentlich höher als bei uns ist, und niemand macht den Menschen wegen ihrer Renten Angst.

Im Übrigen: Hat BILD eigentlich schon mal was von Erbschaft gehört? Die hohen Sparquoten der Wohlhabenden schieben die Erschaften hoch, die nur gerechter zu besteuern sind, um auch den weniger erbschafts-glücklichen Jungen zusätzliche Entlastung zu geben. Aber auch das Angstsparen sorgt für mehr Erbschaft unter nicht so Wohlhabenden. Das Erben war immer ein Teil des Generationenvertrags und wird es bleiben.


Gedanken zur Zeit 714 11-03-08: Was wäre der deutsche Außenhandel ohne die Eurozone?

Man kann sich kaum vorstellen, welche enormen Vorteile der deutsche Außenhandel wegen der Eurozone hat. Innerhalb derselben können sich die Partner nicht mehr gegen eine deutsche Niedriglohnpolitik mit Abwertung einer eigenen Währung wehren. Deutschland hat die bei weitem niedrigste Arbeitskostenentwicklung in der EU (siehe Abbildung), die ohne den Euroverbund schon längst zu Währungsanpassungen geführt hätte. So aber kann Deutschland gegenüber seinen Europartnern hohe Bilanzüberschüsse auffahren (siehe Abbildung).

Außerhalb der Eurozone hängt der deutsche Export von der Währungsrelation des Euro zu anderen Währungen ab. Die aber wird nicht durch die deutsche Leistungs- oder Handelsbilanz sondern die aller Europartner bestimmt (neben dem Zins der EZB). Doch diese Bilanz wird seit 2005 durch einen hohen Verlust der Europartner heruntergezogen, der den deutschen Überschuß neutralisiert. Das zeigt die Gesamtleistungsbilanz der Eurozone (siehe Abbildung) aber vor allem die Handelsbilanz mit dem Nicht-Eurozonen-Raum, die (anders als die Leistungsbilanz) Deutschland getrennt ausweist (siehe Abbildung). Hätte Deutschland noch die DM, so wäre die bei solchen Überschüssen längst viel stärker und viel früher als der Euro heute aufgewertet worden und mit den deutschen Überschüssen außerhalb der Eurozone wäre nicht viel gewesen.

Man muß sich dieser künstlichen Umstände immer bewußt bleiben, wenn man den deutschen Export feiert.


Gedanken zur Zeit 713 10-03-08: Wie werden eigentlich die Kosten meines Buches kalkuliert?

Mein neues Buch „Globalisierung: Legende und Wahrheit" wird natürlich ohne den Rückenwind eines großen Verlages und seines Werbeaufwandes, bis zu Geschenken für den Buchhandel, kein Bestseller werden. Trotzdem findet es derzeit - bei bescheidenen Maßstäben - eine Menge Interesse. Es gibt ja nicht viel Ähnliches auf dem deutschen Büchermarkt und nichts so Aktuelles. Und das Thema muß uns eigentlich beschäftigen, wenn man die deutsche Situation und unsere soziale Entwicklung, einschließlich der ökologischen Dimension, verstehen will. Trotzdem werden Sie aus den erwähnten Gründen das Buch nicht auf den Bestsellerlisten und wahrscheinlich auch nicht auf dem Tisch Ihres Buchhändlers entdecken können.

Mein eigener monatelanger Einsatz an einem Sachbuch von fast 300 Seiten und vielen Grafiken, die man nicht einfach runterschreiben kann, war enorm und als Kostenfaktor ohnehin nicht kalkulierbar, selbst wenn einiges von der Webseite weiterverwandt werden konnte. Ein mittlerer Buchverkaufpreis hätte nach Auskunft des Verlages bei 19.90 Euro gelegen. Im normalen Versandhandel wären z.B. bei Amazon noch einmal 3 Euro an Porto drauf gekommen. Das wären dann netto fast 23 Euro gewesen und für viele einfach zu teuer. Also habe ich unter Verzicht auf einen Teil des Autorengehalts einen etwas niedrigeren Kaufpreis von 18,50 Euro ermöglicht und außerdem auf die Möglichkeit hingewiesen, direkt beim Shaker Verlag ohne die 3 Euro Porto einzukaufen.

Wie sieht das nun auf meiner Seite aus, werden Sie fragen? Hier die wirklich ehrliche Antwort: Beim Verkauf über Amazon oder andere Buchhändler fallen pro Buch Herstellungskosten und eine Distributionsgebühr des Verlags von zusammen 9,89 Euro und ein Buchhandelsrabatt von 4,62 Euro an. Beim Autor bleiben dann pro verkauftes Buch 3,08 Euro für seinen Schweiß und Zeiteinsatz hängen (bei Direktversand durch den Verlag sind es mit 4,19 Euro ein bißchen mehr). Davon gehen jedoch noch Einmal-Kosten ab, bisher rund 300 Euro für den Datenaustausch und die ISBN-Vergabe sowie einen ersten Satz an Autorenexemplaren, damit man ein Minimum an Werbung durch deren Gratisverbreitung betreiben kann. Nun will ich mit dieser Rechnung nur Auskunft geben, nicht aber Mitleid mit dem "armen Autor" erregen. Es geht mir ja um die Sache, wie schon bei den früheren zwei Büchern. Und dafür lohnt sich jeder Einsatz, oder fast jeder.

Noch eine Bitte: Empfehlen Sie das Buch bitte weiter. Sie können das per EMail unter Einsetzen einer Adresse hier durch Knopfdruck tun. Und wenn Sie selbst mehr über das Buch wissen wollen und es selbst bestellen wollen, geht es mit Inhaltsangabe und Bezugsquellen hier weiter.


Gedanken zur Zeit 712 10-03-08: Ohne Rücksicht auf Verluste: Deutschland setzt seinen Niedriglohnwettbewerb fort

Es kaum noch zu glauben: Im vierten Quartal 2007 fielen die Bruttolöhne und -gehälter nach Bereinigung um die Verbraucherpreisentwicklung um 1,3 % gegenüber Vorjahr (siehe Abbildung). Dabei hat sich der Negativtrend über die letzten drei Quartale ständig verstärkt, was auch mit der steigenden Inflation zusammenhängt.

Deutschland hat bei weitem die niedrigste Entwicklung der Arbeitskosten in der EU (siehe Abbildung). Dann können natürlich die Ausfuhren weiter steigen (bis die Märkte demnächst müde werden, wie schon in USA). Doch der Inlandsumsatz der deutschen Konsumgüterindustrie stagnierte im Januar bei magersten 0,9 % gegenüber Vorjahr und der ständig herbeigeredete Konsumentenboom bleibt eine Fata Morgana. Für mehr siehe morgigen Rundbrief. SPIEGEL online feiert statt dessen den deutschen Export: „ Frankreich, Italien, Amerika: Deutsche Waren verkaufen sich weltweit nach wie vor bestens - trotz des starken Euro und der sich abkühlenden Konjunktur" und erwähnt mit keinem Wort die gleichzeitig veröffentlichten Zahlen zu den Arbeitskosten.


Gedanken zur Zeit 711 10-03-08: Fette Katzen immer fetter

Man kann es kaum glauben. Trotz aller Diskussionen um exorbitante Managergehälter haben es die Vorstände der 30 größten deutschen Unternehmen 2007 mit einem Plus von 14 % wieder geschafft. Über die letzten drei Jahre haben sie damit um 41 % zulegen können. Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer stiegen dagegen, noch ohne Bereinigung um die Verbraucherpreisinflation, nur um magerste 2,6 %, und in diesem Durchschnittswert sind die fetten Gehälter der Manager und Leitenden Angstellte sogar noch mitenthalten (siehe Abbildung).

Durchschnittlich erhielten deutsche Top-Manager 2007 knapp 2,9 Millionen Euro, rund 400.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Je durchschnittlicher Arbeitnehmer waren es dagegen brutto gerade einmal 33 Euro mehr, viel weniger als die Inflation. In den Vorstandszahlen sind die besonders hohen Einkommen von Josef Ackermann (Deutsche Bank ), Henning Kagermann (SAP ) und Wolfgang Reitzle (Linde ) noch gar nicht enthalten, da die Geschäftsberichte der Unternehmen erst noch veröffentlicht werden müssen. Der bishere Spitzenreiter Dieter Zetsche von Daimler kam 2007 auf Barzahlungen und eine aktienbasierte Vergütung im Gesamtwert von etwas mehr als zehn Millionen Euro, knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahr.


Gedanken zur Zeit 710 09-03-08: Politische Justiz in Deutschland?

Die deutsche Justiz war politisch immer schon eher rechtslastig. Das mag mit der Natur der Rechtsprechung zusammenhängen, aber auch mit der sozialen Herkunft der Rechtsprecher. Recht und rechts liegt nun mal nahe. Man erinnert sich der Fürther Arbeitsrechtlerin, die munter den Lokführerstreik verboten hatte, als gäbe es in Deutschland kein Streikrecht. BILD damals: „Dieses Urteil lässt alle aufatmen: Wirtschaft, Urlauber, Pendler und die Bahn sowieso. Die Züge rollen, die Gewerkschafter schmollen. Dabei müssten die streikbereiten Lokführer spätestens nach dem Richterspruch aus Nürnberg einsehen, dass sie mit ihren Aktionen überziehen. Denn nach der Gerichtsentscheidung steht fest: Auch Gewerkschafter dürfen bei der Durchsetzung ihrer Forderungen nicht ein ganzes Land als Geisel nehmen und die Wirtschaft lahmlegen."

Auch gegen den Post-Mindestlohn hat BILD erbittert gekämpft. Nicht zuletzt gehört die PIN-Gruppe zu Springer. Jetzt kommt ein Verwaltungsgericht in Berlin daher und meint, der Mindestlohn für Briefträger sei nur zulässig, wenn sonst keinerlei Tarifvereinbarung existierte. Hier aber hätten die Postkonkurrenten mit der Gewerkschaft der neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) einen Mindestlohn von 7,50 Euro (West) und 6,50 Euro (Ost) vereinbart. Man erinnert sich: Eine Popanzgewerkschaft in den Räumen und mit Unterstützung der Arbeitgeber war schnell aus dem Boden gestampft worden. Wenn sich so ein Mindestlohn verhindert ließe, wäre Deutschland das einzige Land in Europa, wo solche Manipulation der Arbeitnehmerinteressen legal wäre. Und prompt zitiert heute BILD online Florian Gerster, Präsident des Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustelldienste, wonach 20.000 Arbeitsplätze in der Postbranche gefährdet seien. Man möchte meinen, daß in der deutschen Justiz zu viel BILD gelesen wird.

Und ein Bundeswirtschaftsminister feiert das Urteil, ohne die nächste Instanz abzuwarten. Was ist das bloß für eine Regierung?

Ich habe mal selbst Recht studiert und dabei alle Illusionen verloren. Die deutsche Rechtswissenschaft gehörte zu einer der ersten Disziplinen, die zu den Nationalsozialisten überliefen. Denen wurde dann der here Mantel des Rechts umgelegt. Deutsche Juristen waren schreckliche Juristen. Damit niemand beleidigt sein kann: Das hat natürlich mit der Berliner Entscheidung ganz und gar nichts zu tun. Da fallen mir nur noch ein paar Aphorismen zur deutschen Justiz ein:

    Tucholsky 1925: „Unvollkommen ist diese Welt, unvollkommen ihre Beleuchtung. Bei dem einen blakt die eine Laterne, bei dem anderen die andere. Sieht ein Maulwurf? Hört ein Dackel? Schmeckt ein Sachse? Riecht eine Schlange? Fühlt ein preußischer Richter?"
    Ambrose Bierce : „Definition von rechtmäßig: Mit dem Willen des zuständigen Richters vereinbar."
    Ambrose Bierce: „Definition des Richters: Einer, der sich dauernd in Streitigkeiten einmischt, die ihn persönlich nichts angehen. Beamter, dessen Funktionen denen Gottes sehr ähnlich sind."
    Ambrose Bierce: „Früh krümmt sich und verbiegt sich, was ein Landgerichtsdirektor werden will."
    Ambrose Bierce: „Gerechtigkeit, Gebrauchsgegenstand, den der Staat in mehr oder minder verdorbenem Zustand dem Bürger verkauft, als Entgelt für dessen Treue, Steuerzahlung und persönliche Dienste."
    Walther Rode: „Definition des Richters: Er verteidigt in der Verhandlung die Resultate seines Aktenstudiums gegen die eindringende Wahrheit."
    Karl Kraus: „Bezirksgericht. Der Richter redet einer des Diebstahls angeklagten Frau ins Gewissen: Hab'n S' was g'stohl'n? — Angekl.: I hab' nix g'stohl'n. — Richter: Wie kommen denn dann die fremden Sachen in Ihren Koffer? — Die Angeklagte erwidert, sie besitze einen Teil dieser Sachen schon seit zwei Jahren. Sie habe sie angeschafft, als sie mit einem Kinde niederkam. — Richter: Sie sind ja gar net verheiratet, wie kann ma denn da a Kind kriegen! — Angekl. (kurz): Ledige Leute kriegen aa Kinder. — Richter: Ja, leider! Schamen S' Ihna! ..."


Gedanken zur Zeit 709 08-03-08: Die Rundbriefe haben den Braten 2005 gerochen

Fast jeden Tag kommt ein neuer Rundbrief auf das Infoportal und mehrmals täglich eine Ausgabe der Gedanken zur Zeit. Wenn sich genug Wichtiges ansammelt, wird es etwa alle zwei Wochen in einen neuen Schwerpunkt gegeben; einige Schwerpunkte, wie zum Arbeitsmarkt, zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und zur Kreditkrise, werden regelmäßig aktualisiert, ebenso die „13 Schaubilder gegen die unsoziale Entwicklung in Deutschland" und die „Rote Liste". Die Rundbriefe und Gedanken zur Zeit erreichen täglich etwa 2.000 Besucher; per Email werden daneben fast 600 Rundbriefe direkt verschickt, die meisten davon im Wochenrythmus.

Nun habe ich einmal zurückgeblättert. Schon vor drei Jahren oder wenig danach habe ich über die verschiedenen Krisensymptome berichtet, die sich jetzt zu handfesten Krisen auswachsen.

Zur amerikanischen Verschuldungskrise:

    15-06-05: Die Gesamtverschuldung der USA steigt in 2005 weiter stark an
    21-06-05: Globale Hauspreisblase - die größte in der Geschichte. In der Tat ist die Hauspreisblase derzeit eine der größten globalen Unsicherheiten. Ein Crash z.B. in USA würde den dortigen Konsumerboom beenden und hätte sofortige Auswirkungen auch auf Deutschland haben (am 27. März 2007 kam dann der erste Rundbrief zur sich abzeichnenden Hypothekenkrise: Der amerikanische Hypothekenmarkt und die deutsche Konjunktur).
    03-12-06: Der Dollar auf Talfahrt - was macht der deutsche Export

Zu Hedgefonds und andere

    Schwerpunktseite zu der Risikokonzentration in unkontrolierten Kapitalsammelstellen, wie Hedgefonds, seit 21. 2. 2006

Zu Energie und Umwelt:

    08-07-05 Saudi-Arabien warnt vor Öllücke
    04-07-05 Rückgang der arktischen Eisfläche

Zu Einkommen und stockendem Konsum in Deutschland:

    17-05-05 weiterer Rückgang der Beschäftigung und der Einkommen in der gewerblichen Wirtschaft
    22-06-05 Verängstigte Konsumenten

Und zu China:

    13-04-05 China hat nach jetzt veröffentlichten Angaben des IIF Washington 2004 einen stark gestiegenen Leistungsbilanzüberschuß in der Größenordnung von 70 Mrd $ erzielt
    17-06-05 Mit einem noch kräftigeren Sprung wird sich China - bei allerdings noch niedrigem pro Kopf Wert - auf den 2. Platz in der Gesamtmenge an CO2-Emission setzen.
    04-08-05 "produce now, live later" - China kann Deutschland in drei Jahren an Wirtschaftsleistung überholen

Das waren alles keine Geheiminformationen und standen auch der Bundesregierung zur Verfügung. Hat sie sich und uns auf die Krisen vorbereitet?


Globalisierung

Gedanken zur Zeit 708 08-03-08: Die 7 Endzeit-Plagen des Johannes und die 5 der neoliberalen Globalisierung

In der Offenbarung des Johannes (Offb 15-16) gibt es sieben Plagen der Endzeit: schlimme Geschwüre an den Menschen, Meerwasser wird zu Blut und Tod aller Meereslebewesen, Flüsse und Quellen werden zu Blut, Sonne versengt Menschen mit großer Hitze, Reich des Tieres wird verfinstert, Austrocknung des Stromes Euphrat und das größte Erdbeben seit Menschengedenken vernichtet alle Inseln und Berge. Darin sind immerhin zwei der Umweltkrisen enthalten, mit denen die Menschheit jetzt rechnen muß: die Hitze aus dem Treibhauseffekt und die Austrocknung der Wasserreserven. Auch die Krebs-Geschwüre sind eine schlimme Plage geworden, und im Reich der Tiere beginnt es mit dem Artensterben finster zu werden.

Im neuen Schwerpunkt beschäftigt sich das Infoportal mit den fünf Plagen aus der neoliberalen Globalisierung: eine Weltwährungskrise, eine Weltkreditkrise, eine Weltenergiekrise, eine Welternährungskrise und die Umweltkrise. Die Umweltkrise war bisher ausgeklammert, um das Ganze nicht zu lang werden zu lassen. Gestern aber fand ich im neuen Umweltausblick der OECD zwei der schlimmsten Umweltbedrohungen drastisch dargestellt und auf 2050 bezogen, nämlich die Treibhausgasemissionen und die Wasserverknappung, die fast 5 Milliarden Menschen bedroht. Den Schwerpunkt gibt es daher jetzt aktualisiert.

Das eingangs platzierte Bild zeigt im Hintergrund einen Ausschnitt aus dem Holzschnitt „Die Zehn Plagen" des jüdischen Künstlers Jakob Steinhardt (1921).


Gedanken zur Zeit 707 08-03-08: Das Bockwurst- & Sauerkrautland wird zum Michelin Drei-Sterne-Land

Die fortschreitende Teilung der deutschen Gesellschaft in Arm und Reich machts möglich: Nun haben wir mit insgesamt neun mehr dieser teuersten Restaurants als alle anderen, nur Frankreich noch nicht.

Auf der anderen Seite sparen immer mehr Menschen immer stärker an der Nahrung, vor allem an Fleisch und Fleischwaren (hier). Während der gesamte Einzelhandelsumsatz 2007 volumensmäßig um 2,1 % zurückgegangen ist, nahm der Handel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabackwaren um 4,9 %, mit Fleisch und Fleischwaren um 4,1 % ab.


Gedanken zur Zeit 706 07-03-08: Werden wir von Dummköpfen regiert?

Heute muß ich offen granteln. Eigentlich ist es nicht mehr zu fassen. Um uns herum braut sich ein Wirtschaftsgewitter zusammen (siehe neuer Schwerpunkt), das dem deutschen Export schwer zusetzen wird. Außerhalb der EU bricht er schon ein (hier). Die Binnennachfrageentwicklung war im letztmitgeteilten 4. Quartal 2007 negativ (hier). Alles kommt jetzt darauf an, daß die Verbraucher mehr Geld in ihre Taschen bekommen, nicht natürlich die Wohlhabenden, die kaum mehr verbrauchen können.

Unter Otto Normalverbraucher haben die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes eine herausragende Rolle. Deren Arbeiter, Angestellte und Beamte zählen zusammen 4,6 Millionen. Das sind 17 % aller in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftgter, also sehr wichtig für die Gesamtsituation in den Portemonaies. Alle anderen Länder bezahlten ihre öffentlich Beschäftigten im vergangenen Jahr mit einem sehr viel höheren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (hier).

Wenn ein privates Unternehmen egoistisch seine Arbeitnehmer kurz hält und sich einen Dreck um die deutsche Binnenkonjunktur schert, darf man nicht überrascht sein, weil das nun mal zur Privatwirtschaft leider dazugehört. Wenn aber der Staat einen so großen Teil der deutschen Arbeitnehmer unter die Inflationsrate drückt, fehlen - mir jedenfalls - die Worte. Haben denn alle diese Verhandler auf der öffentlichen Arbeitgeberseite noch nie etwas von Volkswirtschaft gehört oder lesen sie gar nur BILD, wo der Streik derzeit angegiftet wird? Tragen sie keine Verantwortung für die Entwicklung des Landes? Oder haben sie vergessen, wie normale Menschen leben (spätestens seit sie ihre eigene Besoldungsentwicklung von der der Beamten abgekoppelt haben)?


Gedanken zur Zeit 705 07-03-08: BILD gegen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst

Das Arbeitgeberangebot von 5 % für zwei Jahre bei Verlängerung der Wochenarbeitszeit liegt erheblich unter der zu erwartenden Inflation, die zuletzt im Februar bei 2,8 % also für 2 Jahre schon bei 5,6 % lag. Und dann kommt der BILD-Kommentar, der diesmal mit einem Bericht vermengt wird, so daß der Leser nicht merken soll, wo die BILD-Meinung anfängt: "Stoppt diesen Streik! Deutschland ist Streik-müde! Ver.d-Chef Bsirske will jetzt die Früchte ernten, die er mit seinem Mega-Streik gesät hat." Wieder einmal wird dabei so getan, es ginge es einem Gewerkschaftsführer nur um seine persönliche Gloriole und sei die Forderung total unberechtigt.

BILD wird nie lernen: Ohne mehr Geld in den Taschen ist die deutsche Konjunktur im Eimer!


Gedanken zur Zeit 704 07-03-08: Wir werden unsere Welt in 5 Jahren nicht wiedererkennen

Fünf Krisen laufen derzeit parallel ab und werden jahrelang anhalten: eine Weltwährungskrise, eine Weltkreditkrise, eine Weltenergiekrise, eine Welternährungskrise und die Klimakrise. Diese schweren Schocks werden die Welt, die wir kennen, in den nächsten fünf Jahren so ziemlich auf den Kopf stellen. Dabei hängen diese Krisen eng zusammen.

Im neuen Schwerpunkt wird das Panorama aufgeblättert. Schauen Sie es bitte nicht an, wenn Sie schwache Nerven haben.


Gedanken zur Zeit 703 06-03-08: Afghanistan gefährlicher denn je: Opiumanbau 2007 +34 %

Im Schatten der Nato-Truppen wächst die afghanische Opiumproduktion unaufhaltsam. Mit 193.000 ha Anbaufläche wurde nach Meldung des UN International Narcotics Control Board 2007 ein neuer Rekord aufgestellt. Die Produktionsfläche sprang um 17 % nach oben, während die Produktion um 34 % auf 8.200 to anstieg (hier). Ebenso stieg die Canabis-Produktion.

3,8 Millionen Menschen hängen in Europa mißbräuchlich von Opium ab. Afghanistan produziert etwa 90 % des illegalen Opiums in der Welt, aus dem Heroin hergestellt wird. Wie paßt die Verteidigung der „freien Welt" mit deren Gefährdung unter den Augen der Nato zusammen?


Gedanken zur Zeit 702 06-03-08: Der „unaufhaltsame" Abstieg der deutschen Mittelschicht

Wer sich zur schrumpfenden deutschen Mittelschicht zählt, sollte den neuen Schwerpunkt mit vielen Schaubildern "Schrumpfende Mittelschicht - Mitverlierer der neoliberalen Globalisierung" ansehen.

Der Anteil der Mittelschicht ist nach Festellungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung beginnend im Jahr 2000 erheblich zurückgegangen.


Gedanken zur Zeit 701 06-03-08: Scham über Deutschland: Europameister im Frauenausbeuten, ohne Mindestlohn umso besser

Deutschland ist EU-Meister im Frauenausbeuten. Nirgendwo unter vergleichbaren Ländern ist der geschlechterspezifische Lohnunterschied so groß wie in Deutschland (hier).

Das hängt auch mit dem nichtvorhandenen Mindestlohn zusammen. Normalerweise wäre der Europameistertitel bei den Briten. Doch hier gibt es Mindestlohn. Der wird gerade um 3,8 % auf £5,52 oder Euro 7,37 (durchschnittlicher Umrechnungskurs dieses Jahres) angehoben. Die Regierung erklärt dabei stolz, daß der Mindestlohn seit seiner Einführung im Jahr 1999 schon um 60 % angehoben worden sei und - vor allem - daß unter der 1 Million Begünstigten zwei Drittel Frauen seien.

Deutschland hat keine Mindestlohn und diskriminiert umso freier seine Frauen. Eine feine Gesellschaft ist das. Arme Länder, wie Portugal und Griechenland, führen uns vor, wie man seine Frauen an den Lohntüten behandelt. Man sollte sich für Deutschland schämen.


Gedanken zur Zeit 700 05-03-08: Je schlechter die Zeiten, desto schöner die Meldungen

Das Infoportal hat für diese Gedanken zur Zeit Pressemitteilungen der Bundesregierung, des Statistischen Bundesamts, die Arbeitsmarktmeldungen der Bundesagentur für Arbeit sowie die Massenmedien BILD und SPIEGEL besonders auf dem Kieker. Denn die verfahren immer ungenierter nach dem Muster: „Je schlechter die Zeiten, desto schöner die Meldungen".

Was wird uns da nicht alles serviert, um uns in Kaufrausch ohne Lohnerhöhungen zu versetzen. Geschönte Arbeitsmarktzahlen, bei denen nur 58 % der Arbeitslosengeldempfänger als arbeitslos gerechnet werden, oder - wie heute vom Statistischen Bundesamt - geschönte Zahlen für die Durchschnittseinkommen (hier). Dann wird uns von BILD die schlechte Entwicklung der Bruttoeinkommen mit einer angeblichen „Steuergier" des Staates netto wegdefiniert. Dann kommen die Schlaumeier und wollen uns weißmachen, Mindestlöhne würden allein in Deutschland schaden, während sie offensichtlich überall anders nützen. Oder das Statistische Bundesamt tröstet uns über die im zweiten Halbjahr erheblich abbrechenden Exporte, was es verschweigt, mit Teilzahlen für die EU-Exporte und die dann für das ganze Jahr hinweg. Dann soll in diesem Jahr angeblich die Inflation zurückgehen, während die Menschen das Gegenteil spüren.

Der Bundeswirtschaftsminster hat in seinen Pressemitteilung offensichtlich ständiges Wachstum gepachtet. Original Soundbite von vor nur zwei Wochen: „Der Aufschwung hat sich im Jahr 2007 insgesamt als solide und robust erwiesen. Insgesamt befindet sich die deutsche Wirtschaft damit in einer guten Ausgangsposition für das laufende Jahr. Die konjunkturelle Grunddynamik ist intakt und steht auf einem soliden Fundament". Der Bundesfinanzminister beschwor lange Zeit die Abkopplung von der einknickenden US-Konjunktur (zuletzt nicht mehr, das Gegenteil ist zu offensichtlich!).

Leute, wenn Ihr die Wahrheit sucht, müßt Ihr Euch die Daten selbst zusammensuchen oder mindestens die Analysen einiger unabhängiger Webseiten als Gegenmittel einnehmen.


Gedanken zur Zeit 699 05-03-08: Bundesamt für statistische Schönfärbung?

Bisher galt die Vermutung, die Durchschnittsverdienste hingen noch hinter der Entwicklung der Tariflöhne zurück. Nun tröstet uns aber das Statistische Bundesamt mit der Überschrift: "Durchschnitts- und Tarifverdienste wachsen 2007 im Gleichschritt" und meldet, die Durchschnittsverdienste seien in 2007 mit 1,4 % sogar etwas stärker gestiegen als die Tariflöhne mit 1,3 %. Der leicht bessere Anstieg der Durchschnittsverdienste sei auf den sinkenden Anteil der marginal Beschäftigten zurückzuführen. Dazu zählt das Amt die Arbeitnehmer, die keine voll sozialversiche-rungspflichtige Beschäftigung ausüben, wie die Beschäftigten in Arbeitsgelegenheiten, die sogenannten "1-Euro-Jobs", und die ausschließlich geringfügig Beschäftigten.

Leider ist auch diese Meldung wieder gewaltig schöngefärbt, ganz abgesehen davon, daß wieder einmal keine Bereinigung um die Verbraucherpreisentwicklung vorgenommen wurde. Denn einerseits gibt es viel mehr Kategorien an marginal Beschäftigten und sonstigen besonders niedrig Entlohnten, wie z.B. die stark steigende Flut der Leiharbeiter (hier) und Teilzeitbeschäftigten. Leiharbeiter werden erheblich unter den Unternehmenstarifen bezahlt. Teilzeitbeschäftigte haben im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten eine um ein Viertel geringere Entlohnung je Arbeitsstunde. An einem Rückgang der besonders niedrig entlohnten Beschäftigung unter den Durchschnittsverdiensten kann es also wirklich nicht liegen. Das ist wieder einmal schöngefärbt.

Und dann kommt ein harmlos klingender und total irreführender Satz: "Bei der Ermittlung der gesamtwirtschaftlichen Durchschnittsverdienste der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden alle Arbeitnehmergruppen einbezogen - auch Beschäftigte in Arbeitsgelegenheiten, geringfügig Beschäftigte ebenso wie leitende Angestellte, Vorstandsmitglieder oder Beamte.". Was das Statistische Bundesamt hier unauffällig aus dem Sack läßt, ist die starke Verzerrung der Durchschnittsverdienste durch die Bestverdiener von Ackermann abwärts. Das ist der eigentliche und vom Amt verschwiegene Grund, warum sich die Durchschnittsverdienste besser als die Tariflöhne entwickeln.

Statt die vom Statistischen Bundesamt zu eng definierten "marginal Beschäftigten" herauszurechnen, sollte das Amt uns mal die Zahl für die Durchschnittsverdienste ohne leitende Angestellt und Vorstandsmitglieder verraten. Das aber ist in Deutschland ein statistisches Staatsgeheimnis. Auch der Bundesfinanzminister, der mindestens mit den Steuererklärungen einen Näherungswert dafür hat, verrät uns nicht, welchen Anteil z.B. das oberste 10 % der versteuerten Arbeitseinkommen an allen Arbeitseinkommen hat. Schließlich könnten solche Zahlen Sozialneid schüren.

Soviel kann man sagen: Wenn trotz der Flut am unteren Ende die Durchschnittsverdienste stärker als die Tariflöhne steigen, muß das obere Ende gewaltig zugelegt haben. So stiegen die Vorstandsbezüge im Jahre 2007 um rund 18 % (hier). Wenn das Statistische Bundesamt statt dessen auf angeblich weniger Beschäftigte am unteren Ende verweist, so ist das eine ziemlich dreiste Schönfärbung eines immer unsozialeren Zustands.


Gedanken zur Zeit 698 05-03-08: Haben Sie schon die Inflation gefühlt?

Der Präsident des Statistischen Bundesamts Walter Radermacher stellte am 3. März 2008 den routinemäßig angepaßten Verbraucherpreisindex vor. Dabei sah er sich zu einem Exkurs gezwungen, aus dem sich zu zitieren lohnt:

"Die Preisbewegungen bei Nahrungsmitteln spielen für die Wahrnehmung der Teuerung eine wichtige Rolle. Starke Preisbewegungen waren in den letzten Monaten bei den Molkereiprodukten zu beobachten, Milch etwa ist im Verlauf des Jahres 2007 um 27,9% teurer geworden. Für ein Päckchen Butter mussten die Konsumenten zum Jahresende durchschnittlich 46,9% mehr ausgeben als noch zu Jahresbeginn. Diese Preisbewegungen haben die Menschen bei ihrem Einkauf deutlich gespürt und entsprechend ist die „gefühlte Inflation" in der Mitte des letzten Jahres sprunghaft angestiegen.

Im Auftrag der EU-Kommission wird regelmäßig in Deutschland und den anderen EU-Ländern eine größere Anzahl von Konsumenten darüber befragt, wie sich nach deren Ansicht die Verbraucherpreise in den letzten 12 Monaten entwickelt haben. Die Umfrageergebnisse für Deutschland zeigen in der zweiten Jahreshälfte 2007 einen Anstieg der gefühlten Inflation, der schon fast an das Ausmaß heranreicht, welches im Jahr nach der Euro-Bargeldeinführung zu beobachten war."

Das Schaubild hier zeigt, wie stark die persönlichen Eindrücke von den amtlichen abdriften. Leider erfolgen die Anpassungen von Sozialleistungen, wenn sie überhaupt stattfinden, und der meisten Löhne allenfalls an die amtliche Inflation, jedoch nicht an die, unter der normale Menschen tatsächlichen leiden. Das Ergebnis ist z.B. ein Rückgang des Einzelhandelsumsatzes gerade bei Nahrungsmitteln. Wie in den schlechten Zeiten kommt oft wieder Margarine auf den Tisch.

Natürlich besorgt sich der Herr Präsident um die Glaubwürdigkeit seines amtlichen Zahlenwerkes: "Ein dauerhaft starkes Auseinanderdriften von gemessener und gefühlter Inflation kann die Glaubwürdigkeit der amtlichen Preisstatistik beeinträchtigen. Aber auch für die Geldpolitik und die Wirtschaftspolitik allgemein spielt es eine wichtige Rolle, wie die Menschen die Inflation einschätzen. Das Lohn- und Preissetzungsverhalten der Wirtschaftsakteure wird nicht zuletzt durch deren Erwartungen hinsichtlich der künftigen Inflationsentwicklung beeinflusst und die hängt auch von der gegenwärtigen Inflationswahrnehmung ab. Ob der Geldpolitik die Verankerung von moderaten Inflationserwartungen gelingt, hängt letztlich auch davon ab, wie realistisch die Wirtschaftssubjekte die aktuelle Preisentwicklung einschätzen."

Schön formuliert, wenn auch an den Interessen der Menschen vorbei.


Gedanken zur Zeit 697 04-03-08: Wieder BILD-Lügen zur Steuerbelastung

Die BILD-Kampagne geht unter der Überschrift "Steuer-Gier immer größer!" weiter. BILD Kommentar von heute: „ Unterm Strich sind die Löhne in den letzten zehn Jahren sogar leicht gesunken. Gleichzeitig stiegen die Belastungen durch den Staat weiter an. Im Klartext: Arbeit und Fleiß lohnen sich nicht wirklich. Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Politik Abgaben und Steuern senkt. Nur so gibt es wirklich mehr Netto für alle!" Niemand mag die Steuer, schon gar nicht in Zeiten, wo Wohlhabende Wege zu ihrer Umgehung benutzen. Doch zur Steuerehrlichkeit gehört, daß man ehrlich darüber berichtet. BILD tut das nicht. Tatsache ist: Die Steuer- und Abgabenlast ist nicht gestiegen. Sie hat sich über die letzten 10 Jahre kaum geändert, was zeigt, daß alle die Klagelieder heute nicht mehr Berechtigung haben als vor 10 Jahren (Schaubild hier).

Dabei hat Deutschland im internationalen Vergleich eine relativ sozial eingerichtete Steuerprogression. Wer 67 % des Durchschnittseinkommens bezieht, und in dieser Kategorie werden die meisten BILD-Leser rangieren, hat eine Steuerbelastung (ohne Sozialbeitäge) von etwa 15 %, und das ist im Mittelfeld der Vergleichsländer (Schaubild hier). Dabei ist es unredlich, die Sozialversicherung einzubeziehen. Würde der Staat, wie von BILD gefordert, die Sozialbeiträge kürzen, müßte er auch die Renten kürzen. Will BILD das wirklich?


Gedanken zur Zeit 696 03-03-08: Von Kofferträgern und Urgestein in der SPD vor dem Hintergrund der Globalisierung

Die SPD hatte mal eine Menge Urgestein. Schumacher, Brandt und Wehner waren sicher davon. Dann kamen die eher technokratisch versierten wenn auch sehr unterschiedlichen Macher, wie Schmidt und Schröder, wobei letzterer auch Boss in einem Großunternehmen hätte sein können und eine ähnliche Politik betrieben hat. Dann trat nach seinem Scheitern die dritte Garnitur an, von der jetzt vor allem zwei im Kabinett auffallen: Steimeier und Steinbrück. Sie tragen den Stein nur noch im Namen. Urig ist da nichts mehr. Sie kommen aus Beamtenkarrieren und haben es vom Kofferträger ihres Chefs zum Chef geschafft. Steinmeier war zunächst in der niedersächsischen Staatskanzlei als Medienreferent beschäftigt, bevor er das persönliche Büro des niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder übernahm und dann dort Staatssekretär wurde und mit Schröder in die Bundesregierung ging. Steinbrück startete ebenfalls als Beamter im Bundesministerium für Forschung und Technologie, wo er Persönlicher Referent der Bundesminister Matthöfer, Hauff und von Bülow wurde, danach Beamter in Nordrhein-Westfalen und Leiter des Büros des Ministerpräsidenten Rau, von dort Staatssekretär und schließlich Minister. Diese Menschen sind eigentlich austauschbar und könnten auch in der CDU oder FDP sein. Wenn sie mal abtreten, werden sie vielleicht einen Job in der Wirtschaft annehmen, wie ihr Ziehvater Schröder.

Es ist schlimm, daß erst der SPD-Parteirat zusammentreten muß, um Beck die Steine aus dem Wege zu räumen. Mal sehen, ob jetzt die Medien das Trommelfeuer auf Beck aufgeben, bei dem sie sich ständig auf die beiden Steine und deren opponierenden Äußerungen bezogen haben. Wahrscheinlich nicht. Jedenfalls bin ich auf den BILD-Kommentar von morgen gespannt.

Im Nachrichtenteil übt BILD schon mal heute: "Steinmeier sagte, er selbst habe den Vorstandsbeschluss mitgetragen, weil er eine klare Distanzierung zu einer Zusammenarbeit der SPD und den Linken auf Bundesebene enthält. Dies müsse in der Debatte noch viel deutlicher als bisher werden. Der Beschluss stelle eben keine Einladung an die Linkspartei zur Zusammenarbeit dar." Und noch kurz vor der Sitzung in BILD: "Klar ist aber auch: Alles hängt an Steinmeier. Wenn er erkennen lässt, für die Kanzlerkandidatur bereitzustehen, bekommt der Unmut über Beck enorme Dynamik - und alles wäre möglich!" und: "Die Rebellen sind prominent und mächtig: Becks Stellvertreter Peer Steinbrück und die beiden direkten Vorgänger Becks im Amt des Parteivorsitzenden, Matthias Platzeck und Franz Müntefering. Die drei wollen laut SPIEGEL Beck als Kanzlerkandidat im nächsten Jahr verhindern, stattdessen Außenminister Frank-Walter Steinmeier ins Rennen schicken."

Die Technokraten und die hochgedienten Beamten haben die Folgen der neoliberalen globalen Entwicklung nie kommen sehen und ihnen auch noch den Weg bereitet. Einer der Steine hat noch vor kurzer Zeit Deutschland als von der globalen Kreditkrise und der in USA schon anklopfenden Rezession abgekoppelt erklärt, keine Sorgen wegen eines starken Euro haben wollen und auf die Banken geschimpft, obwohl er Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der KfW ist, die gerade zweistellige Milliarden über die IKB verbrannt hat. Der andere Stein hat das Hamburger Programm der SPD mitverabschiedet, wonach die Europäische Union unsere Antwort auf die Globalisierung werden muß, und den EU-Änderungsvertrag hymnisch gefeiert: „Nach der tiefsten europäischen Depression werde nunmehr Europa auf eine neue vertragliche Grundlage gestellt", obwohl die wichtigsten Bereiche zur Herstellung fairer Wettbewerbsverhältnisse und Zurückdämmung der neoliberalen Globalisierung, nämlich Steuer- und Sozialpolitik, weiterhin dem nationalen Veto einzelner Mitgliedsstaaten unterliegen.

Statt Steinen brauchen wir wieder Urgestein in der Politk, und das gilt für alle Parteien.


Gedanken zur Zeit 695 03-03-08: Der Aufschrei des Signor Barroso

Barroso, für die sicher vielen, die ihn nicht unterbringen, ist der besonders neoliberale Präsident der EU Kommission aus Portugal. Nun war von ihm in der heutigen Financial Times unter der Überschrift "Barroso protection alert" ein Aufschrei zu lesen: "Protektionistischer Druck verstärkt sich quer durch Europa, selbst bei den politischen Kräften, die traditionell freie Märkte unterstützten. Ja, und ich fürchte nicht nur in Europa sondern überall. Einige der mitterechts Kräfte sind nun konservativer. Die Europäer sind beunruhigt wegen Chinas hohen Handelsbilanzüberschusses mit Europa. Ich weiß sehr wohl, daß einige Menschen Chinas Wachstum für eine Bedrohung halten. Ich habe den Chinesen gesagt: Ihr müßt uns helfen. Ihr müßt beweisen, daß es gut ist für die globale Wirtschaft".

Wie naiv sind solche Ermahnungen bei einem Handelspartner, der kühl zu kalkulieren gelernt hat? China ist nun mal das Land, daß seinen steilen Exportanstieg nicht zuletzt vielen Formen von Dumping verdankt, das geistiges Eingentum wenig achtet (siehe Weltmeisterschaft im Abkupfern) und noch weniger die Welt-Umwelt und seine eigene, wenn nicht gerade Olympiade sein soll. Wer sollte da nicht Angst bekommen, zumal die Kommission das völlig legale Antidumping-Schwert stumpf gemacht hat?

Doch der arme Barroso kann sich wenigstens auf die deutsche Linkspartei verlassen. In dem Entschließungsantrag der Partei „Die Linke" zur Globalisierung „Menschen statt Profite" taucht die Vokabel „Dumping" nicht ein einziges Mal auf. Statt dessen ist dort die Rede von einem „Protektionismus des Nordens gegenüber dem Süden" und wird beklagt, daß China beim Export als „Konkurrent auf das Schärfste bekämpft" werde. Die Linksaußen-Genossen wollen - vielleicht in alter Anhänglichkeit an das Land der Mao-Bibel - nicht wahrnehmen, daß dort inzwischen Millionäre und selbst Milliardäre trefflich gedeihen. Die Zahl der Dollar-Millionäre wächst im Jahresdurchschnitt um 15 % und damit um die Hälfte schneller als die chinesische Volkswirtschaft insgesamt Zwischen dem untersten und dem obersten Fünftel der Einkommensbezieher klafft schon ein Graben von 1 zu 12 (zum Vergleich: Japan 1: 2,3). Seit Deng Xiaoping in den 80er Jahren erklärte: „Laßt erst mal einige Leute reich werden", ist China immer kapitalistischer geworden. Heute gibt es in keinem Land der Welt, außer USA, so viele Milliardäre wie in China. Die Hurun Rich List für 2007 zählt davon 106 (gegenüber nur 15 im Vorjahr) mit einem Gesamtvermögen von 243 Milliarden Dollar, außerdem 800 Millionäre mit je mehr als 100 Millionen Dollar und durchschnittlich einer halben Milliarde Dollar. Ein Drittel der 800 gehören der Partei an, 38 sind sogar im Nationalen Parlament vertreten. In den chinesischen Buchläden werden zur Nachahmung zahlreiche Biografien der Reichen angeboten.

Es ist schon eine komische Allianz der China-Freunde von Barroso bis Linkspartei. Mehr zum Thema China im neuen Schwerpunkt "China-Schnäppchen: Die große Illusion" hier.




Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.