Zu Ihren eigenen Gedanken zur Zeit hier
(694) Was verbindet die bayerischen Kommunalwahlen mit dem Verhältnis der SPD zur Linkspartei?
(693) Immer wieder die falsche Polemik wegen angeblich zu hoher Steuern in Deutschland
(692) Gegenöffentlichkeit kostet
(691) Mein Wort zum Sonntag: Schaut Euch dies an
(690) Der Abwehrkampf der neoliberalen Scheinheiligkeit
(689) Vom Unheil der 1-Eurojobs
(688) BILD schießt mit immer größeren Kanonen auf die SPD: Zurück zur DDR
(687) Es ist vollbracht: Aller guten Dinge sind drei
(686) Wo stehen eigentlich die Gewerkschaften in der Kritik der neoliberalen Globalisierung?
(685) Die 58 % - Statistik der Arbeitslosigkeit
(684) BILD: Mehr Opfer für den Export
(683) Vier Zahlen, die auch noch den dümmsten Politiker nachdenklich machen müßten
(682) BILD sieht Berlin wegen SPD auf dem Weg nach Weimar
(681) Binnennachfrage 4. Quartal: -0,8 % Abmarsch in die Rezession?
(680) Nochmal zum Niedrigsteuerland
(679) China und 800 Millionen Autobesitzer gegen zwei Milliarden Arme
(676) Was haben Schwarzarbeiter und die Arbeitsagentur mit Zumwinkel zu tun?
(675) Immer wieder das Verwirrspiel um die Steuer- und Abgabenquote
(674) Sag mir wo die Jobs sind! Wo sind sie geblieben?
(672) Welche Reformen braucht Deutschland eigentlich jetzt und sofort?
(671) Was verbindet Zumwinkel und die SPD?
(670) Der SPIEGEL stänkert aus allen Rohren gegen die SPD
(668) Nun auch SPIEGEL auf der Zumwinkel-Entlastungstour vor den Hamburger Wahlen
(667) Krepieren nun Heuschrecken, die sich an minderwertigen Hypothekenpapieren überfressen haben?
(666) BILD macht die Kritik an Steuerflucht zur Neid-Debatte
(665) EU-Subventionen für Rumänien und Nokia: Rechte Tasche - linke Tasche
(664) Der Bundeswirtschaftsminister auf seiner Sonneninsel
(663) Nun plädiert BILD auch noch für Steuersenkung zur Vermeidung weiterer Zumwinkels
(662) Die soziale Kluft wird immer tiefer
Gedanken zur Zeit 694 03-03-08: Was verbindet die bayerischen Kommunalwahlen mit dem Verhältnis der SPD zur Linkspartei?
Antwort: der BILD-Kommentar. Es ist schon komisch. Die SPD hat sich in Bayern recht gut geschlagen. Die Linkspartei blieb meist unter „ferner liefen". Und doch macht BILD die SPD für die angebliche Enttäuschung der Wähler verantwortlich. Hier aus dem Kommentar von heute: „ Immer weniger Bürger geben bei Wahlen ihre Stimme ab. Deshalb wird immer häufiger die Partei der Nichtwähler die stärkste Kraft - wie gestern bei den Kommunalwahlen in Bayern. Der dreiste Wortbruch der SPD im Umgang mit der Linkspartei hat das allgemeine Misstrauen gegenüber den Parteien noch vergrößert. Da wendet mancher Wähler sich mit Grauen ab. Man kann es ihm nicht einmal verdenken."
Vielleicht sollte BILD mal über die wahren Gründe des Wählerfrustes nachdenken. Der Verlust unserer sozialen Standards gehört sicher in erster Linie dazu. Eine große Mehrheit der Menschen sieht sich nach allen neueren Umfragen auf der Verliererseit der Wirtschaftsentwicklung und lebt in Angst vor Altersarmut.
Gedanken zur Zeit 693 02-03-08: Immer wieder die falsche Polemik wegen angeblich zu hoher Steuern in Deutschland
Es ist so einfach, auf hohe Steuern zu schimpfen. Auf vielen Blogs und Internetforen kann man das Gift beobachten, das Medien wie BILD mit der ständig wiederholten These zu hoher Einkommenssteuern verspritzen. Da wird gegen den deutschen Staat gestänkert, der angeblich mit zu hohen Steuern nur die faulen Almosenempfänger alimentiert. Die das meinen, wollen nicht begreifen, daß schon das Brutto (nicht erst das Netto) der Arbeitseinkommen in Deutschland Schwindsucht hat und daß ein armer Staat am Ende arme Bürger bedeutet.
Einige, die so argumentieren, sehen Deutschland an der Spitze der durchschnittlichen Einkommensbelastung und weiden dafür Zahlen der OECD aus. In der Tat, Deutschland ist Spitze, wenn man nicht nur die Steuern sondern auch die Sozialversicherungsabgaben und hier auch die Arbeitgeberbeiträge einbezieht. Die OECD nennt das „Total tax wedge". Allerdings müssen die deutschen Sozialversicherungsabgaben höher sein, weil Deutschland eine der am stärksten altenden Bevölkerungen hat, durch die höchste Langzeitarbeitslosenquote Einnahmen der Sozialversicherung verliert und weil - im Unterschied zu den angelsächsischen Ländern - die staatliche Sozialversicherung sehr viel wichtiger als die private Vorsorge ist. Deswegen sollte man den Vergleich auf die Steuerquoten beschränken.
Dann aber zeigt sich, daß sehr viele Ländern in der Belastung vor Deutschland liegen. Die folgenden Abbildungen zeigen das nach den Originalzahlen der OECD für 67 % des Durchschnittsarbeitseinkommens hier, 100 % hier, 133 % hier und 167 % hier. Unvergleichbare Länder, nämlich Korea, Mexiko, Türkei und die osteuropäischen EU-Beitrittsländer sind hier ausgenommen. Deutschland landet jeweils auf dem 10., 8., 7. oder 6. Platz von 23, was zugleich eine sozialere Gestaltung der Steuerprogression als im internationalen Durchschnitt andeutet. Deutschland hat also mitnichten die Spitzenposition, schon gar nicht in der Gruppe derer mit 67 % des durchschnittlichen Arbeitseinkommens. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die Ergänzungsangabe in Deutschland eine besondere Konsequenz der deutschen Teilung darstellt.
Schließlich ist zu berücksichtigen, daß viele Länder mit einer niedrigeren Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen sehr viel weniger staatliche Leistungen erbringen, wie z.B. die USA, oder steuerliche Sonderkategorien darstellen, wie Luxemburg, Schweiz und Irland, die alle mit generell niedrigen Steuersätzen ausländisches Kapital anlocken (teilweise durch Steuerflucht). Klammert man diese 4 Länder aus und läßt man die Ergänzungsabgabe mit ihrem einmaligen Hintergrund weg, so liegt Deutschland bei 100 % des durchschnittlichen Arbeitseinkommens ziemlich genau in der Mitte auf dem 9 von 20 Plätzen in der Reihenfolge der Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen.
Und noch etwas: Die Steuer- und Abgabenbelastung auf durchschnittliche Löhne und Gehälter in Deutschland pendelt um 35 % und hat sich über die letzten 10 Jahre kaum geändert, was zeigt, daß alle die Klagelieder heute nicht mehr Berechtigung haben als vor 10 Jahren (hier).
Gedanken zur Zeit 692 01-03-08: Gegenöffentlichkeit kostet
Manchmal wundern sich Besucher, daß ich das Infoportal ganz auf eigene Kosten betreibe. Es kostet in der Tat einiges. Man muß einen Webhoster bezahlen, auch ein Abonnement beim Statistischen Bundesamt für die sonst nicht zugänglichen Zahlen und braucht eine Menge Ausrüstung in Soft- und Hardware. So habe ich gerade einen neuen größeren Bildschirm gekauft, weil ich sonst nicht auf eine höhere Auflösung optimieren kann, die einige Besucher verlangen. Nun kann man seine Kosten künstlich oder auch echt senken, echt indem man keine Mitarbeiter beschäftigt, auch keinen Webmanager wie in meinem Fall, was dann die Qualität der Webseite etwas mindert. Künstlich, indem man seine eigene umso größere Arbeitszeit nicht rechnet. Dabei generiert das Infoportal (bis auf die Ausnahmen in der Rubrik "Gedanken zur Zeit") sein redaktionelles Material einschließlich der vielen Schaubilder selbst und beschränkt sich nicht auf die Kommentierung oder Wiedergabe anderer Meinungen und Meldungen.
Man könnte natürlich auch Spenden akzeptieren, was ich immer abgelehnt habe und ablehnen werde und deshalb auch keinen Förderverein einspannen möchte. Die Spender sind oft schlechter bei Kasse als der so Beschenkte. Auch Werbung werde ich nicht einstellen, auch wenn das bei dem regen Besuch des Inforportals einträglich wäre. Aber es würde meine Message verwässern und Abhängigkeiten erzeugen.
Nun gibt es eine andere Möglichkeit für wenigsten einen teilweisen Kostenbeitrag. Man schreibt mit noch mehr Zeiteinsatz ein Buch zum Thema der Webseite und hofft auf guten Absatz. Ich habe das getan (dabei allerdings auch auf einen Teil des üblichen Autorenhonorars verzichtet, um den Leserkreis nicht auf die besser Betuchten einzuschränken). Für das Buch kann man dann nicht die Werbung betreiben, die bei großen Verlagen stattfindet, weil das wieder kostet. Ebensowenig kann man Buchhändler ohne Extrakosten für eine Auslage des Buches gewinnen. Also hoffe ich, nicht zuletzt um der Sache willen, daß „Globalisierung: Legende und Wahrheit" auch so seinen Weg zu den Interessenten findet und die Webseite dabei einen Wegweiser abgibt.
Sie finden hier die Bezugsmöglichkeiten. Wenn Sie direkt beim Shaker Verlag bestellen, kommt die Lieferung portofrei und schneller (beim Buchhandel wird es erst in einigen Tagen bestellbar sein), und ich spare an dem Buchhändler-Rabatt, der das Autorenhonorar weiter einschränken würde. Und empfehlen Sie das Buch bitte weiter, falls es Ihnen gefallen sollte. Vielen Dank!
Gedanken zur Zeit 691 01-03-08: Mein Wort zum Sonntag: Schaut Euch dies an
Die international vergleichenden 10 Schaubilder zur unsozialen deutschen Entwicklung sind schon mehr als 16.000 mal aufgeblättert worden. Es gibt sie jetzt auch in schwarz-weiß ausdruckbarer pdf-Fassung zum Rumtragen. Sie kursieren auf vielen Foren und Blogs als Bezugsquelle. Man kann den deutschen Sonderweg in die Neoliberalität kaum besser vorführen, als mit allen unseren Nachbarn in Europa und darüber hinaus zu vergleichen. Deutschland ist einfach negative Spitze, natürlich bis auf den Export, der Kehrseite einer sehr unglückliche Medaille.
Ich habe die Schaubilder jetzt aktualisiert und erweitert. Aus 10 sind 13 geworden, anders als bei den kleinen Negerlein. Dafür sind sie nun noch aussagekräftiger. Sie finden sie hier.
Gedanken zur Zeit 690 01-03-08: Der Abwehrkampf der neoliberalen Scheinheiligkeit
Um den Globus herum hatte sich nach dem Ende des mißglückten kommunistischen Konkurrenzmodells unangefochten ein neoliberales Rechtskartell aufgebaut. Es reicht auch heute noch von den angelsächsischen Ländern über Deutschland, Osteuropa bis China. Eine neoliberale Globalisierung hat dieser Entwicklung ein starkes wirtschaftliches Rückrat eingezogen.
In Deutschland ist es besonders stark geworden. Hier konnte man den Kommunismus noch trefflicher mit dem DDR-Beispiel ins Abseits stellen. Auch hat Deutschland seit Adenauer und Springer-Presse eine Verteufelung des kommunistischen Rußland (UdSSR) betrieben, die teilweise an die Untermenschen Propaganda des Dritten Reiches erinnerte. Gesellschaftspolitisch war Deutschland ohne große demokratische Traditionen aus der Asche der gescheiterten Weimarer Demokratie auferstanden; die einzige richtige Revolution war hier die nationalsozialistische gewesen. Wirtschaftlich hatte der starke Mittelstand mit der „Herr im Haus"-Mentatlität des deutschen Unternehmertums eine Kombination mit der exportstarken Großindustrie gefunden, die über die Mitbestimmung angetreten war, die Gewerkschaftsbewegung zu korrumpieren und zahnlos zu machen. Damit das Ganze ideologisch zusammenpaßte gab es die Kampftruppen der verschiedenen rechtsliberalen Stiftungen von Bertelsmann bis Ludwig Ehrhard.
Nun aber bröckelt es an der Durchsetzungsfähigkeit der neoliberalen Ideologie, weil die Mehrheit der Menschen den Glauben daran verliert. Zu deutlich ist die Zahl der wirtschaftlichen und sozialen Verlierer viel zu groß. Zu groß sind die Spekulanteneinsätze im Kasino der internationalen Finanzmärkte geworden, die dabei auch die in Deutschland besonders heiligen Institutionen der öffentlichen Banken beschädigt haben. Zu offensichtlich läuft die neoliberale Globalisierung gegen die Interessen demokratischer Mehrheiten. Dabei haben in Deutschland zu viele Wirtschaftsführer mit brutaler Selbstbereicherung und rücksichtsloser Steuerflucht falsch gespielt. Zu viele Gewerkschaftler haben gleichzeitig die Mitbestimmung in Mißkredit gebracht. Das ganze paßt nicht mehr in ein positives Weltbild des deutschen Michels.
Es gibt nun eine klare Mehrheit links der Mitte, egal wie die Koalitionsspiele ausgehen. Was allerdings noch fehlt, ist ideologischer Bindekitt für die links der Mitte. Deutschland muß die soziale Marktwirtschaft und das „Eigentum verpflichtet" des Grundgesetzes erst noch wiederentdecken.
Der Abwehrkampf der neoliberalen Scheinheiligkeit wird immer erbitterter. Man sieht das gut an den wild um sich schlagenden Kommentaren von BILD und SPIEGEL, die ich deswegen hier immer wieder gern zitiere.
Gedanken zur Zeit 689 01-03-08: Vom Unheil der 1-Eurojobs
Die Bundesregierung hat die 1-Eurojobs wahrscheinlich vor allem zur Beschönigung der Arbeitslosenzahlen eingeführt. Das IAB gehört über die Bundesagentur für Arbeit zum Bund. Umso mehr läßt aufhorchen, wenn gerade das IAB zu kritischen Ergebnissen in der Bewertung wichtiger Teile der Hartz-Reformen kommt. In diesem Fall geht es in ihrem neuesten Bericht um die so genannten Ein-Euro-Jobs oder Arbeitsgelegenheiten. Ein-Euro-Jobs haben sich seit ihrer Einführung im Jahr 2005 zur quantitativ bedeutendsten Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik entwickelt. Jedoch wird weder die Integration in den Arbeitsmarkt noch die Beendigung der Hilfsbedürftigkeit - bis auf Ausnahmebereiche - erreicht, siehe hier
Wie das in der Praxis aussieht, hat mir ein 1-Euro-Jobber geschildert: "Ich befinde mich seit knapp einem Monat in einer 1euro-job Maßnahme und habe mir überlegt, gegen die Privatfirma (Dienstleistungsunternehmen), bei der ich jetzt die Maßnahme absitze, Strafanzeige zu stellen. Denn dort gibt es keine Arbeit. Nicht nur keine wirkliche bezahlte Arbeit, sondern auch keine 1euro-Arbeit. Seit 3 Wochen sitze ich jeden Tag 6 Stunden lang mit ca 15 Personen in einem Raum und tue nichts. Der Hintergrund der Geschichte is natürlich, daß private Dienstleistungsunternehmen 440 Euro zusätzlich pro Monat pro 1euro Jobber von der Arbeitsagentur bekommen. In dem Betrieb, in dem ich mich da befinde, kommen im Schnitt pro Woche 2 neue 1eurojobber dazu, die dann da auch ihre Zeit absitzen. Für die Privatfirma sehr lukrativ, für die Arbeitsagentur sehr lukrativ, denn es sind ja jedesmal zwei Arbeitslose weniger."
Gedanken zur Zeit 688 29-02-08: BILD schießt mit immer größeren Kanonen auf die SPD: Zurück zur DDR
Deutschland am Untergang - zurück zur DDR, außenpolitische Isolation und Grau in Grau. BILD-Kommentar von heute: „ Kein Mensch, weder hier noch im Ausland, gibt auf die Worte der Genossen um Beck noch einen Heller. Schon jetzt steht für viele fest, das Bündnis mit den alten und neuen Kommunisten wird schon bald auch im Bund Realität. Besonders Investoren aus dem In- und Ausland wird das vom Standort Deutschland abschrecken. Aber vor allem sie schaffen Jobs und Innovationen. Lafontaine und Gysi sind im Gegensatz zur SPD zumindest ehrlich und sprechen Klartext: Steuern hoch, Verstaatlichung zentraler Bereiche - ein Zurück zur DDR! Auch Leistungsträger, die die Freiheit des Geistes brauchen, gehen weg oder machen um eine solches Deutschland einen weiten Bogen. Am Ende gibt es vielleicht mehr Gleichheit auf niedrigem Niveau, außenpolitische Isolation und Grau in Grau. Will Deutschland das wirklich?"
Die BILD-Hysterie ist nicht mehr nachvollziehbar. Will man so Koch in Hessen durchsetzen? Und Hamburg für die CDU bewahren? Das sind Kommentare nach dem Motto „verbrannte Erde". Journalisten im Krieg, auch gegen vieler ihrer Leser!Gedanken zur Zeit 687 29-02-08: Es ist vollbracht: Aller guten Dinge sind drei
Ab heute finden Sie auf dem Infoportal links oben den Link, der auf mein neues Buch "Globalisierung: Legende und Wahrheit" aufmerksam macht und auch die Bezugsquelle nennt. Es ist das dritte Buch, das ich zu diesem Thema geschrieben habe und zu dem ich von vielen Besuchern des Infoportals ermuntert wurde. Zwei Jahre sind seit dem Vorgänger verstrichen. Vieles hat sich in unserer schnell lebenden Welt weiter verändert.
Ich habe nun einen Verlag gefunden, der mir erlaubte, in kürzester Frist mit noch heißen Daten bis in dieses Jahr hinein aufzuwarten und damit die Analysen zu untermauern. Im Unterschied zu den Vorläufern wird vieles pointierter ausgedrückt, bisweilen auch mit einem Stich Emotion.Vieles konnte von der leichter vermittelnden Technik des Internets übernommen werden, nur das man es jetzt in Händen halten, mit auf die Reise nehmen oder einfach darin bequem nachschlagen kann.
Um das Buch möglichst lange möglichst aktuell zu halten, werde ich auf dem Infoportal von Zeit zu Zeit wichtige Schaubilder in aktualisierter Form und im gleichen Format wie im Buch als pdf-Datei zum Ausdrucken bereit stellen. Wer will kann die Ausdrucke dann ins Buch legen. Hier ein Beispiel.
Gedanken zur Zeit 686 29-02-08: Wo stehen eigentlich die Gewerkschaften in der Kritik der neoliberalen Globalisierung?
Die deutschen Gewerkschaften, anders als die der meisten Industrieländer, sind bisher gegenüber der neoliberalen Globalisierung relativ unkritisch eingestellt. Zu oft sitzen Gewerkschaftsführer selbst am Vorstandstisch der mitbestimmten Exportunternehmen und finden dann alles gut. Natürlich gibt es gelegentlich einen Aufschrei, wenn Nokia oder ein anderes Unternehmen verlegt. Aber das war's dann schon.
Die Hans-Böckler-Stiftung ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB. Ihr Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erforscht gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge. Also ein guter Gradmesser des Gewerkschaftsverständnisses. IMK will uns nun heute in einem neuen Bericht unter dem Titel "Globalisierung und Beschäftigung" sehr viel Beruhigung vermitteln. Dort heißt es: "Die Bilanz von entgangener Produktion, Beschäftigung und Arbeitseinkommen infolge wachsender Importdurchdringung und der Expansion durch Wettbewerbsgewinne ist positiv. Zwar sind auch mehr Arbeitsplätze durch den gestiegenen Kauf von Vorleistungsgütern und Endprodukten aus dem Ausland im Vergleich zur ersten Hälfte der neunziger Jahre verloren gegangen. Die Ausweitung der Beschäftigung infolge des starken Anstiegs der Exporte hat diese Verluste jedoch mehr als kompensiert. Der Beschäftigungsstand der deutschen Volkswirtschaft wurde demzufolge durch den Exportüberschuss um mehr als 4% angehoben. Gegenüber 1995 hat sich der Saldo gar um 1,2 Millionen Stellen erhöht."
Also, liebe Gewerkschaften, weiter schlafen! Was total vergessen wird: Die Arbeitseinkommen sind durch die Konzentration auf den Export unter einen gewaltigen Negativdruck gekommen, der die Binnenwirtschaft weit mehr schädigt, als der Export nützt, und von der Binnennachfrage hängt die deutsche Wirtschaft in erster Linie ab. Nicht zuletzt deshalb hat Deutschland den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen unter allen Vergleichsländern. Wie können bloß gerade Gewerkschaftler zu dem Ergebnis kommen, die Bilanz für die Arbeitseinkommen sei positiv? Das Engelt pro Industriebeschäftigten ist inflationsbereinigt über das Jahr 2007 um 1,3 % gefallen. Was ist daran dann positiv? Und was passiert eigentlich, wenn unsere wichtigsten Exportmärkte weniger abnehmen und der Exportüberschuß bei gleichzeitig stark steigenden Importpreisen für Energie und Rohstoffe zurückfällt? Oder glauben die Gewerkschaften der Exportmeistertitel sei auf ewig für Deutschland gebucht? Auch wird leider wieder einmal übersehen, daß die eigentliche Welle an neoliberaler Globalisierung immer noch im Anrollen ist. Da bin ich auf eine Gewerkschaftsstudie in fünf Jahren gespannt. Bis dahin, schlaft ruhig weiter, vor allem Ihr auf den Vorstands- und Aufsichtsratssesseln der Exportmultis!
Gedanken zur Zeit 685 29-02-08: Die 58 % - Statistik der Arbeitslosigkeit
Nach dem heutigen Arbeitsmarktbericht klafft die Zahl der Arbeitslosen und die der Arbeitslosgengeldempfänger immer weiter auseinander. Nur noch 57,7% der Arbeitslosengeldempfänger ALG I und II werden als arbeitslos registriert (hier). Vor einem Jahr wurden noch 64,9 % registiert. Damit ist die Zahl der nicht als arbeitslos registrierten Empfänger von Arbeitslosengeld I und II innerhalb nur eines Jahres um 362.000 gestiegen (hier). Wie ehrlich ist eigentlich eine solche Statistik?
Nun verabschiedet sich die Arbeitsagentur allerdings mit vielen Freizeichnungsnoten selbst aus der Ehrlichkeit der Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt, allerdings nur im Kleingedruckten:
- » Die Arbeitslosenzahl ist saisonbereinigt erneut
deutlich gesunken, wenn auch verstärkt durch Sonderfaktoren.
- » Dass sich der Trend kräftiger saisonbereinigter Abnahmen in den Wintermonaten sogar noch verstärkt hat,
hängt auch damit zusammen, dass es vergleichsweise wenig witterungsbedingte Einschränkungen gegeben hat.
- » Von größerem Einfluss dürfte aber die Entlastungswirkung
des im Winter 2006/2007 eingeführten Saison- Kurzarbeitergeldes sein. Die Winterarbeitslosigkeit fällt damit tendenziell geringer aus als vor der Einführung dieser Regelung, was vom
Saisonbereinigungsverfahren erst zum Teil berücksichtigt werden kann.
- » Außerdem hat im Februar die Ausweitung von Qualifizierungsmaßnahmen zum Rückgang der
Arbeitslosigkeit beigetragen.
- » Geholfen haben außerdem ein rückläufiges Arbeitskräfteangebot, das nach aktuellen Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt-
und Berufsforschung 2008 jahresdurchschnittlich um 94.000 abnehmen wird.
- » Darüber hinaus dürften die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus für den
Vorjahresvergleich noch von Einfluss gewesen sein, allerdings mit abnehmender Tendenz.
- » Nach den Regelungen der §§ 428 SGB III und 252 Abs. 8 SGB VI müssen 58-Jährige oder
Ältere dem Arbeitsmarkt nicht mehr voll zur Verfügung stehen und werden auch nicht mehr als Arbeitslose gezählt.
Einen kritischen Bericht zur Lage am Arbeitsmarkt finden Sie hier.
Gedanken zur Zeit 684 21-02-08: BILD: Mehr Opfer für den Export
BILD lamentiert mit einem Bericht über massiven Jobabbau großer deutscher Unternehmen trotz hoher Gewinne: Henkel weltweit 3000 Stellen, BMW: 8100 Stellen (davon 7500 in Deutschland), Siemens 6800 Stellen (davon 3200 in Deutschland), Allianz: nach 8000 Stellen in den letzten zwei Jahren noch einmal 450, Continental: bundesweit 2000 Stellen.
Doch der BILD-Kommentar erklärt uns: „ Ist das eiskalter, gnadenloser Kapitalismus? Nein, es zeigt überdeutlich, dass Deutschland als Exportweltmeister voll im knallharten weltweiten Wettbewerb steht. Nur international wettbewerbsfähige Firmen sichern Jobs hier bei uns. Denn: Jeder zweite deutsche Arbeitsplatz in der verarbeitenden Industrie hängt direkt vom Export ab." Daran ist wieder einmal so ziemlich alles falsch. Am Export hängen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts nur knapp 22 % aller Arbeitsplätze (hier). Was BILD vergißt: Für den Export müssen sehr viele Vorprodukte und Rohstoffe importierte werden, die man von der Exportleistung durch Saldierung erst einmal abziehen muß. Auch wenn es in der Industrie etwas mehr sein mag, ist die Hälfte daher zu hoch gestochen. Vor allem aber: Seit wann sichert massiver Stellenabbau Jobs? Das ist die verlogene BILD-Logik. Mehr Opfer für den Export heißt außerdem weiterer Schaden für die bei stagnierender Massenkaufkraft schwer geschädigte Binnenkonjunktur, von der viel mehr Arbeitsplätze als vom Export abhängen. So wird ein Schuh draus.
Gedanken zur Zeit 683 27-02-08: Vier Zahlen, die auch den dümmsten Politiker noch nachdenklich machen müßten
Nach den gestern veröffentlichten Ergebnissen des 4. Quartals 2007 fielen real die Nettolöhne und -gehälter gegenüber dem Vorjahr um 1,7 % und gleichzeitig der Konsum privater Haushalte um 1,6 %. Wer kann eigentlich nicht auf die Idee kommen, daß da etwas zusammenhängt und daß es einfach an Massenkaufkraft fehlt, um Deutschland vor einer Rezession zu bewahren. Immerhin kommt mehr als 55 % der deutschen Wirtschaftsleistung aus dem Konsum der privaten Haushalte und nur 47 % aus dem Export oder gar nur 15 % aus dem Außenhandel, wenn man die Importe vom Export abzieht.
Und dann sind da die anderen zwei Zahlen. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen um satte 4,6 %. Gar nicht so wundersamerweise hat das die Sparquote um 7,7 % hochgezogen. Denn immer wenn die Unternehmens- und Vermögenseinkommen steigen, wird von diesen Glücklichen auch mehr gespart, und die mit den fallenden Arbeitseinkommen können dann noch weniger sparen. Man kann das sehr schön graphisch dokumentieren (hier).
Natürlich denken die Politiker nicht über das nach, was nicht in ihr Konzept paßt, und die meisten Journalisten auch nicht. Also ist z.B. der graphische Zusammenhang ein Staatsgeheimnis in Deutschland. Dazu paßt folgende Meldung von heute: Das Konsumklima stagniert nach den von der Gesellschaft für Konsumforschung veröffentlichten Ergebnissen für Februar praktisch schon seit November auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau (hier). Die Konkunkturerwartung ist noch weiter abgestürzt (hier). Was macht nun SPIEGEL-online daraus: „ Höhere Löhne - nach Überzeugung der Gewerkschaften liegt hierin der Schlüssel zur Ankurbelung der Binnennachfrage. Die aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung widerlegen diese Theorie. Danach haben die Verbraucher ihren Konsumstreik noch keineswegs eingestellt." Kaum glaublich, wie dumm Journalisten sein können, oder ist es nur naßforsch, um ihr verlogenes Weltbild zu propagieren? Doch die Verbraucher sind logischer als der SPIEGEL: Wenn die Arbeitseinkommen weniger steigen als die Inflation gehen sie auf die Konsumbremse oder müssen das tun. Mit "Streik" hat das gar nichts zu tun, denn einen Streik können die Streikenden ja jederzeit beenden.
Eine vollständige Übersicht mit Schaubildern über die Ergebnisse des 4. Quartals 2007 enthält der neue Schwerpunkt.
Gedanken zur Zeit 682 27-02-08: BILD sieht Berlin wegen SPD auf dem Weg nach Weimar
Kaum zu glauben. Im heutigen BILD-Kommentar wird der Untergang der Weimarer Republik beschworen und die SPD als Gefahr für einen ähnlichen Untergang unserer heutigen Demokratie dargestellt: „ Die Nationalsozialisten kamen hauptsächlich deshalb an die Macht, weil die Deutschen damals nicht mehr an das kluge Verhalten und die Zuverlässigkeit der amtierenden Politiker glaubten. Der Trend, den meisten aktiven Politikern nicht zu trauen, ist heute fast so stark verbreitet wie im Herbst 1932, in den letzten Monaten der in Agonie liegenden ersten deutschen Republik. Und die Führung der Sozialdemokratie verstärkte diese Tendenz außerordentlich durch den Beschluss, die Regierungsgewalt in deutschen Ländern notfalls auch mit Hilfe der Linken zu erreichen. Die Menschen aber haben sich nicht geändert. Wenn sie das Vertrauen in die sie repräsentierenden Politiker verlieren, ist die Demokratie selbst gefährdet, kann unser Schwur „Nie wieder!" bald nichts mehr wert sein."
Wenn viele Menschen heute so wenig Vertrauen in die deutsche Politik haben, so ist das ein schon Jahrzehnte altes Symptom, das durch die angeblichen Reformen unter Schröder, die die Große Koalition fortsetzt und die solchen Medien wie BILD noch nicht weit genug gehen, erheblich verstärkt wurde. Dagegen ist das BILD-Theater um Hessen geradezu komisch.
Natürlich garniert BILD den Kommentar dann noch mit zahlreichen Berichten in der gleichen Ausgabe, die Deutschland am Untergang sehen, wie „ So gefährlich ist die Linkspartei für die Wirtschaft ...und unseren Ruf im Ausland", „ Nach dem Wortbruch-Beschluss Aufstand gegen Parteichef Beck Zerreißt es die SPD?" und „ Kurt Beck Ein König ohne Volk".
Gedanken zur Zeit 681 26-02-08: Binnennachfrage 4. Quartal: -0,8 % Abmarsch in die Rezession?
Die Medien und auch der Bundeswirtschaftsminister vermeiden in ihrer heutigen Berichterstattung weitgehend die heutige Meldung des Statistischen Bundesamts über den Abrutsch der deutschen Binnennachfrage im 4. Quartal 2007 um minus 0,8 % verglichen mit dem 3. Quartal (hier). Das paßt offensichtlich nicht ins Konzept von „keep smiling". Da auch der Export in diesem Jahr wegen ähnlicher Entwicklungen auf wichtigen Absatzmärkten viel schwächer werden wird, besteht durchaus die Gefahr einer Rezession. Bisher zeichnet sich jedenfalls der immer wieder herbeigeredete Kaufboom nicht ab. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland vor Dänemark am Ende des Feldes (hier). Das gilt besonders beim Verbrauch privater Haushalte (hier).
Statt dessen berichtet die WELT unter dem Titel „Geschäftsklima hellt sich überraschend auf": „Finanzkrise und etwas schlechtere Konjunkturaussichten scheinen die deutschen Unternehmen kalt zu lassen: Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Januar überraschend auf 104,1 Punkte, ein Plus von 0,7 Punkten." Der Spiegel bombastet ähnlich: „Firmen aus Deutschland trotzen der weltweiten Krise". Doch was sind 0,7 Punkte, die noch dazu weit unter den Werten von Mitte letzten Jahres liegen (hier). Dabei sind die Geschäftserwartungen sogar weiter gefallen (hier).
Eine vollständige Übersicht mit Schaubildern über die Ergebnisse des 4. Quartals 2007 enthält der neue Schwerpunkt.
Gedanken zur Zeit 680 26-02-08: Nochmal zum Niedrigsteuerland
Heute morgen erreichte mich folgender Kommentar zu meinem Rundbrief 1026 „Deutschland Niedrigsteuerland" von gestern: „Gerne lese ich in Ihrem Info-Portal und Ihre Kommentare und Rundbriefe. In Ihren Gedanken zu Zeit (1026) Deutschland Niedrigsteuerland weisen Sie auf OECD-Statistiken hin die, die These vom Niedrigsteuerland Deutschland belegen. Mir wurde bei einer Diskussion gestern, als ich auf diese Statistiken verwies, gesagt, dass die deutsche Gewerbesteuer in der OECD-Statistik nicht enthalten sei. Kann das sein? Immerhin beträgt die Gewerbesteuer jährlich etwa 39 Mrd. Euro."
Dazu meine Antwort: "Die OECD hat auch eine Aufteilung des Abgabenaufkommens nach Subsektoren. Danach sind die lokalen Steuern, wie die Gewerbesteuer, drin. Ausserdem hat die massive Absenkung der Unternehmenssteuern um 8,5 Prozentpunkte auf nur noch 29,8 % ab 2009 gerade die Absicht, auch noch die Gewerbesteuer praktisch verschwinden zu lassen." Tatsächlich waren nach der OECD-Tabelle 8.9 % von der Gesamtbelastung von 35,7 % lokale Steuern. Die kompensierende Absenkung der Unternehmenssteuern ab 2009 bedeutet also praktisch eine Absenkung der deutschen Gesamtbelastung von Steuern und Abgaben um diese etwa 8,9 %. Wäre das schon für 2006 geschehen, hätte die deutsche Steuerbelastung nicht bei 35,7 % sondern nur bei 32,5 % gelegen und damit noch mehr am unteren Ende des OECD-Vergleichs.
Das Gift, mit dem uns BILD, Kirchhof und die Bierdeckel-Vereinfacher einreden wollten und wollen, unsere Steuerlast sei generell Spitze, sitzt offensichtlich tief. Auf einem Blog hat sogar jemand der OECD vorgeworfen, die Fernsehgebühren und die Kammerbeiträge nicht aufgenommen zu haben.
Gedanken zur Zeit 679 26-02-08: China und 800 Millionen Autobesitzer gegen zwei Milliarden Arme
Dem Welternährungsprogramm geht wegen immer weiter steigender Preise für Nahrungsmittel das Geld aus. Wahrscheinlich muß das Programm zusammengestrichen werden. Dabei ist dies nur die Spitze eines Eisberges, denn das Programm versorgt etwa 90 Millionen Menschen. Weltweit aber gibt es etwa 850 Millionen akut hungernder Menschen.
Warum steigen die Preise so gewaltig, Weizen z.B. auf mehr als das Doppelte innerhalb von 2 Jahren (Abb. 07211)? Neben anderen stechen zwei Gründe hervor. Erstens muß China ein Viertel der Weltbevölkerung ernähren, hat aber nur zehn Prozent der Anbauflächen und kauft daher die Weltmärkte leer. So haben sich in nur zehn Jahren die chinesischen Einfuhren von Sojabohnen mehr als versiebenfacht. Vor allem die wohlhabender werdende städtische Bevölkerung stellt sich auf hochwertige Ernährung um, z.B. mit wesentlich höherem Fleischkonsum. Doch für die Produktion von einem Kilo Schweinefleisch benötigt ein Viehzüchter drei Kilo Futter, bei Rindfleisch sogar sieben.
Zweitens verdrängen Raps und Zuckerrohr für Biokraftstoffe weltweit andere Kulturen. Als neuen Nord-Süd-Konflikt zwischen „800 Millionen Autobesitzern und weltweit zwei Milliarden der Allerärmsten" hat das der Präsident des Washingtoner Earth Policy Institutes, Lester Brown, bezeichnet.
Nach einer Meldung in der heutigen Financial Times schätzt die Welternährungs Organisation, daß die armen Länden in diesem Jahr 35 % mehr für ihre Getreideimporte ausgeben müssen, obwohl sie diese um 2 % zurückfahren werden. Deutschland und andere Industrieländer tragen für diese Entwicklung sehr viel Verantwortung. Sie haben mit gewaltigen Finanztransfers aus Handel und Investitionen China mit den Devisenpolstern versorgt, mit denen das Land jetzt beschleunigt auf Einkaufstour geht. Und sie sind es, die eine Kultur von Biokraftstoffen entwickeln, um ihren extremen Grad an individueller Motorisierung umweltverträglicher zu gestalten, statt auf mehr öffentlichen Verkehr umzustellen oder - im Falle Deutschlands - von großvolumigen Karossen und freier Autobahn Abschied zu nehmen. Wie soll das eigentlich weitergehen, bis die Hungerflüchtline ausschwärmen?
Gedanken zur Zeit 678 26-02-08: Noch ein Steuerskandal: Höchstverdiener zahlen nur 34 % oder 22 % (oberes Zehntel) Einkommenssteuer
Nach einem neuen Diskussionspapier des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zahlen die 450 deutschen Höchstverdiener (ohne Berücksichtigung von Steuerflucht) im Durchschnitt nur 34 % ihres Bruttoeinkommens als Einkommenssteuer. Bei dem obersten Zehntel der Einkommensbezieher (4,5 Millionen) liegt der Durchschnittssatz bei knapp 22 %. Der Unterschied zwischen dem Spitzensteuersatz von 42 % und dem tatsächlich entrichteten Steuersatz liegt daran, daß durch zahlreiche Abzugsmöglichkeiten die tatsächlich zu verteuernden Einkommen weit unter dem Bruttoeinkommen liegen. Bei den Höchstverdienern ist die Differenz zwischen Bruttoeinkommen und zu versteuerndem Einkommen besonders groß geworden, was besonders an der Differenz bei den Kapitaleinkommen liegt. Der Spitzensteuersatz ist in Deutschland mit 42 % ohnehin nicht besonders hoch. Er wird nur von 5 der 15 Alt-EU-Länder unterboten.
Natürlich versucht das DIW sofort abzuwiegeln: "Die Verteilung der Steuerlast ist hoch konzentriert: Das oberste Zehntel der Einkommensbezieher trägt mehr als die Hälfte zum gesamten Steueraufkommen bei, und beinahe ein Viertel des Steueraufkommens geht auf das oberste eine Prozent der Einkommensbezieher zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte der Einkommensbezieher nur fünf Prozent des Steueraufkommens". Es ist immer die gleiche Falschinformation, die in Deutschland verbreitet wird, weil sie nur auf die Einkommenssteuer abstellt. Die stellt aber nur 35 % des gesamten Steueraufkommens dar, wovon das meiste Lohnsteuer ist; die restlichen 65 % sind im wesentlichen Verbrauchssteuern, die weit überproportional von den weniger verdienenden und sehr viel zahlreicheren Haushalten entrichtet werden, wie z.B. die Mehrwertsteuer auf alle Einkäufe oder die Mineralöl- und die Tabaksteuer. Die Reichen geben dagegen einen viel geringeren Anteil ihrer stark wachsenden Einkommen und Vermögen für den persönlichen Verbrauch aus und sparen auch wesentlich mehr.
Einen ausführlicheren Bericht mit Schaubildern finden Sie hier.
Gedanken zur Zeit 677 25-02-08:
BILD und die Volksfront Aus dem BILD-Kommentar von heute: „SPD-Chef Kurt Beck stand in Hamburg nicht auf dem Stimmzettel. Dennoch ist er der große Verlierer dieser Wahl. Mit seiner
Zustimmung für Rot-Rot-Grün in Hessen fiel er den eigenen Wahlkämpfern an der Alster in den Rücken. Da blieb mancher SPD-Genosse offenbar lieber zu Hause, als sich auf solche
Volksfront-Experimente einzulassen. Eine schwarz-grüne Landesregierung in Hamburg, die erste in Deutschland, wäre ein Aufbruch zu neuen Ufern. CDU und Grüne sollten ihn wagen - auch
mit Blick auf 2009." Nach Wikipedia bezieht die Politikwissenschaft den Begriff „Volksfront" insbesondere auf die Volksfrontbündnisse der in der Kommunistischen Internationale (Komintern)
organisierten Kommunistischen Parteien (KPs) mit anderen Parteien und Organisationen im Europa der 1930er-Jahre. Da ist also bei BILD die Adenauer'sche Propaganda gegen die SPD „Alle Wege
führen nach Moskau" zurückgekehrt. Und sogar die „grüne Kröte" wird geschluckt, wenn sie nur die BILD-Partei CDU an der Macht hält. Sehr viele BILD-Leser müssen
schon Masochisten sein, wenn sie für solche Kommentare Geld ausgeben.
Gedanken zur Zeit 676 25-02-08:
Was haben Schwarzarbeiter und die Arbeitsagentur mit Zumwinkel zu tun? Was verbindet Schwarzarbeit, die Arbeitsagentur und Zumwinkel? Antwort: Wieder ein BILD-Kommentar, wie schon bei der Verbindung
von SPD und Zumwinkel im Kommentar vom vorgestern. Es ist immer das gleiche Strickmuster, das die deutsche steuerflüchtige Wirtschaftselite entlasten soll. Diesmal heißt der Kommentator
Frank Weise. Er ist Mitglied der CDU, für die er sich in der Frankfurter Kommunalpolitik engagierte. Er ist aber auch Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit und in dieser
Funktion am Herunterbeten der Arbeitslosenzahlen beteiligt. Immer nur Erfolgsmeldungen für die Regierung, auch wenn das Kleingedruckte anders aussieht.
Und nun spielt er als BILD-Kommentator
die Schwarzarbeiter gegen die Zumwinkels aus, als sei das alles auf einer Ebene: „Noch sind die Ermittlungen gegen den Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung nicht
abgeschlossen. Aber schon ist ein neues Feindbild ausgemacht: der raffgierige Manager. Das ist sehr kurz gedacht. Jeder Bürger in diesem Land muss sich fragen, ob er immer ehrlich ist. Viele
Deutsche arbeiten also schwarz, und fast alle haben schon einmal Schwarzarbeit in Anspruch genommen. Was heißt das? Sehr viele Menschen - nicht nur Manager - suchen ihren Vorteil, auch mit
illegalen Methoden."
Da wird doch tatsächlich jemand, der mal in seinem Haushalt Schwarzarbeit in Anspruch nimmt, mit dem gleichgestellt, der Millionen hinterzieht. Dabei werden nach dem Gesetz
bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen in Privathaushalten (Minijobs) das Nichtanmelden und Nichtabführen der Sozialversicherungsbeiträge und Steuern nur als
Ordnungswidrigkeit verfolgt. Herr Weise müßte den Unterschied eigentlich kennen.
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, die ja mit Schwarzarbeit wirklich nichts zu tun hat, als BILD-Kommentator zu Steuerflucht und Schwarzarbeit ist wirklich mal
was Neues. Herr Weise, Sie machen Ihrem Namen keine Ehre! Wie Ihre Berichte vom Arbeitsmarkt muß man auch ihre BILD-Kommentare
auseinandernehmen. Gedanken zur Zeit 675 24-02-08:
Immer wieder das Verwirrspiel um die Steuer- und Abgabenquote Die Seite des Infoportals über die Steuern enthält den OECD-Vergleich der Abgabenquoten von 2006 (Steuern und
Sozialabgaben). Dabei wird bei der OECD die deutsche Abgabenquote im unteren Mittelfeld mit 35,7 % ausgewiesen; der Bundesfinanzminister beziffert sie in seiner eigenen
Veröffentlichung mit 37,3 % für 2006 ähnlich. Und
promt meldet sich auf einem Internetforum dazu ein Kritiker: "Die Zahlen stimmen nicht. So werden bspw. die Ausgaben für das Kindergeld als Mindereinnahme gebucht und senken so die dort
angegebene Steuerquote. Und mit einer kumulierten Steuer- und Abgabenquote von 34% wie dort angegeben kann man auch keine Staatsquote von 47% (jeweils am BIP) erzielen.". Was allerdings immer wieder
vergessen wird, ist, daß es zweierlei Abgrenzungen gibt, nämlich eine nach der Finanzstatistik, die von der OECD für den internationalen Vergleich verwandt wird, und eine nach der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, auf die sich dieser Kritiker bezieht. Man kann natürlich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Und wenn man schon international vergleichen will,
muß man im System der OECD bleiben. Übrigens, auch die Statistik von Eurostat, deren neueste Ausgabe allerdings die Daten von 2005 zeigt und die USA, Japan und Schweiz nicht enthält, führt Deutschland noch unterhalb des
Durchschnitts der Eurozone mit 38,8 %. Wer mir also falsche Zahlen unterstellen will, sollte erst einmal das System verstehen. Der Stil, mit dem manche solche
Kommentare gemacht werden, ist schon recht vielsagend. So wurde z.B. mein letzter Rundbrief zu den subventionierten asiatischen Benzinpreisen auf
dem gleichen Internetforum so kommentiert: "Weiteres Beispiel für den Scheiß den der Typ veröffentlicht. Die Realität sieht eher
so aus, dass europäische Staaten den Benzinpreis durch immense Mineralölsteuern weit über Weltmarktniveau
anheben und dadurch unseren Lebensstandard und die wirtschaftliche Entwicklung hier retardieren." Weder hat der Kritiker was von Umwelt
verstanden, noch daß es in diesem Rundbrief um die Subventionierung in Asien geht. Dieses Forum nennt sich übrigens
"Marktplatz für individuelle Freiheit". Es ist offensichtlich die Freiheit, grundlos mit Verbalinjurien zu beschimpfen. Einen ausführlicheren Steuervergleich enthält der neue Rundbrief. Gedanken zur Zeit 674 24-02-08:
Sag mir wo die Jobs sind! Wo sind sie geblieben? Wahrscheinlich sind sich die meisten Menschen bei uns gar nicht bewußt, mit welcher Wucht sich der asiatische Arbeitsmarkt entwickelt. Nach den
neuen Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation entstanden weltweit im vergangenen Jahr 57 % aller Arbeitsplätze in Ost-, Südost- und Süd-Asien (ohne Japan) und nur 4 % in
Entwickelten Ländern (hier). 57 % liegt noch über dem Anteil dieser Region an der Weltbevölkerung von 52 % bis 53 %. Es handelt sich dabei um Niedriglohnländer, in erster Linie
China. Ein großer Teil dieser neuen Arbeitnehmer in Asien kommt aus der Landwirtschaft oder dem inoffiziellen Sektor, wo sie bisher nicht gezählt wurden. Sehr viele sind Teil der weltweit etwa
1,3 Milliarden Arbeitnehmer, die nicht mehr als 2 Dollar pro Tag verdienen. Worum ist diese Entwicklung für uns so wichtig? Ein hoher Anteil an der neuen Beschäftigung in Asien ist
exportorientiert und sehr viel davon zielt auf die Märkte in Europa und USA, neuerdings sogar mehr auf Europa als USA. Im vergangenen Jahr trug z.B. in China, auf das Wachstum gegenüber Vorjahr bezogen, der Export 43 % bei.
Mit anderen Worten: Gemessen an der gesamten zusätzlichen Wirtschaftsleistung war 43 % zusätzlicher Export. Etwa ein Viertel der chinesischen Exporte geht in die
Europäische Union. Dabei entwickelt sich die Produktivität pro Beschäftigten und damit die Wettbewerbsfähigkeit, vor allem Ostasiens und hier Chinas, viel stärker als in den
entwickelten Ländern. Über die letzten zehn Jahre waren es in Ostasien etwa 100 % Produktivitätszuwachs gegenüber nur 20 % für die Entwickelten Länder,
einschließlich EU (hier).
Wir werden diese Entwicklung immer mehr zu spüren bekommen.
Gedanken zur Zeit 673 23-02-08:
BILD springt zu kurz Aus dem BILD-Kommentar von heute: „ Oskar und Gregor - zwei Demagogen und ihre Partei der Vorgestrigen - treiben die deutsche Politik vor sich her. Sie werden den
Bürgern weiter rosa Elefanten versprechen - und auf das nächste Opfer warten. Bis der Wähler diesem gefährlichen Treiben ein Ende setzt. Hoffentlich bald!"
Warum denkt BILD nicht
mal darüber nach, warum eigentlich die Wähler zur Links-Partei laufen und ihr bestimmt kein Ende setzen werden? Sie tun es nicht, weil sie an „rosa Elefanten" glauben, sondern weil
die Regierungskoalition für ihre bedrückenden und unbestreitbaren sozialen Probleme keine Lösung hat oder haben will. So einfach ist das eigentlich und sollte sich auch der
BILD-Intelligenz nicht verschließen. Von den knallroten BILD-Elefanten, wie ständige Forderungen nach Steuersenkungen, wollen wir erst gar nicht reden.
Da nützt auch die Warnung der CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer im SPIEGEL-online Interview wenig: „Die SPD ist für mich
eine demokratische Volkspartei - bis jetzt." Es riecht schon wieder nach „Freiheit oder Sozialismus".
Gedanken zur Zeit 672 22-02-08:
Welche Reformen braucht Deutschland eigentlich jetzt und sofort? Aus der heutigen Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsminsters unter der Überschrift „IWF bestätigt: Reformen müssen fortgesetzt
werden": "Der IWF schloss heute seine jährlichen wirtschaftpolitischen Deutschland-Konsultationen ab. Nach der Revision der Prognosen für das weltwirtschaftliche Wachstum im Jahr 2008 und
aufgrund der gestiegenen Unsicherheiten im internationalen Umfeld hat er seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland auf 1,5 % gesenkt. Er fordert die Bundesregierung auf, die
Reformpolitik fortzusetzen. Vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden weltwirtschaftlichen Konjunktur und der noch bestehenden Risiken auf den Finanzmärkten gelte es umso mehr, auf den
Erfolgen der bisherigen Reformen aufzubauen und die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken. Insbesondere in der Arbeitsmarktpolitik warnt der IWF vor einer Reformumkehr." Dem angehängt ist dann noch ein persönliches Statement des Ministers, damit wir nun wirklich überzeugt sind: "Die IWF-Prognose unterstreicht die Notwendigkeit, die Wachstumskräfte
in Deutschland zu stärken und weitere Belastungen für den Aufschwung zu vermeiden. Die Erfolge insbesondere auf dem Arbeitsmarkt müssen gesichert und ausgebaut werden. In meiner
Skepsis gegenüber Mindestlöhnen fühle ich mich voll bestätigt. Dass das gute Investitionsklima in Deutschland - auch für ausländische Investitionen - erhalten und weiter
gefördert werden muss, kann ich nur unterstreichen." Man kann langsam nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn man solche Erklärungen liest. Natürlich steckt der IWF von und vor
Köhlers Zeiten voller Neoliberaler und natürlich hat ein neoliberaler Bundeswirtschaftsminister damit keine Probleme. Doch sein eigentliches Problem wird ihn noch sehr lange verfolgen. Wenn
das Abkoppeln von USA, wie man immer klarer an den Herunterstufungen des Wachstums beiderseits des Atlantiks sehen kann, nicht funktioniert. Und wenn Deutschland nach der sicher immer noch zu
optimistischen IWF-Prognose, die schon deutlich unter der erst vor einem Monat verabschiedeten Prognose des Jahreswirtschaftsbericht von noch 1,8 % liegt, immer mehr Richtung Rezession schlittert und
dies zusammen mit seinen wichtigsten Exportmärkten in Europa und Amerika. Dann kann auch der Export, jene deutsche Wunderwaffe nicht mehr helfen. Helfen kann dann nur noch ein wundersamer
Aufstieg der Nachfrage der deutschen privaten Haushalte, die in Europa das Schlußlicht ist
(hier). In der Tat, auf die stützt sich der bisherige regierungsamtliche Optimismus vom Abkoppeln.
Doch wie alle Zahlen immer wieder zeigen (hier und hier), trügt diese Erwartung. Jedenfalls solange den Menschen nicht die Angst vor der Ebbe in der Geldbörse genommen wird. Dazu verhelfen aber keine der vom IWF und vom Bundeswirtschaftsminister anvisierten Reformen, die nur das Wachstum weiter schwächen würden. Dazu würde nur ein Paket helfen, für das es eigentlich schon zu
spät ist. Nämlich politischer Druck auf die Arbeitgeber, wenigstens einen kleinen Teil der - gemessen am Produktivitätsfortschritt - seit Jahren zurückgestauten Lohnerhöhungen freizugeben. Das kombiniert mit einer gesetzlichen Auflage
an die boomende Zeitarbeitsindustrie zur Zahlung gleicher Löhne wie bei normalen Arbeitnehmern in gleicher Funktion und mit einem flächendeckenden Mindestlohn, wie ihn fast alle unserer Partner kennen. Außerdem
Rücknahme der Steuergeschenke aus den letzten Jahren für Besserverdiener, die ohnehin ihren Verbrauch nicht mehr weiter steigern können, weil sie schon alles haben,
und Aussetzung der bevorstehenden Steuergeschenke für Unternehmen, und aus der Differenz endlich eine inflationsentsprechende
Anhebung von Renten und Sozialleistungen sowie der Bezüge im öffentlichen Dienst. Man wird auch die "Kriegsgewinnler" wirksam an die Kandarre nehmen müssen, nämlich diejenigen
Energieversorgungsunternehmen, die ausgerechnet jetzt ihre Kunden um Kaufkraft berauben, obwohl sie enorme Gewinne hochfahren. Schließlich wird die EZB mit Zinssenkungen ihren
Beitrag ebenso wie die Fed leisten müssen. Es reicht nicht aus, daß sie ihre Hilfe auf die Spekulantenbanken mit immer neuen Liquiditätsspritzen und der Hereinnahme minderwertiger
Papiere als Sicherheiten konzentriert. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" (Michail Gorbatschow). Gedanken zur Zeit 671 22-02-08:
Was verbindet Zumwinkel und die SPD? Antwort: BILD. Und das ist aus dem Kommentar von heute: „Macht die SPD den Zumwinkel? Die Deutschen reiben und reiben sich die Augen über den Fall
Klaus Zumwinkel. Der Verlust an Vertrauen in die Elite des Landes ist enorm, kaum absehbar. Schärfste Kritik kommt von der SPD - aber gerade sie ist jetzt drauf und dran, noch mehr Vertrauen zu
verspielen. Nichts war so eindeutig im Wahlkampf wie das Versprechen der SPD, sich nicht - in keiner Weise - mit der Linkspartei einzulassen. Und nichts liegt so sehr in der Hand der SPD-Kandidatin
Andrea Ypsilanti, wie diese Zusage auch einzuhalten." Typisch wieder einmal für das deutsche Massenblatt vor den Hamburger Wahlen. Da wird ein Zusammenhang konstruiert nur, um die SPD in die
Nähe von Kriminalität zu stellen und die Empörung über gigantische Steuerflucht BILD-politisch auszunützen. Auch das ist ziemlich durchsichtig. An einem Tag wird die
Steuerflucht kommentarweise verharmlost, am nächsten hochgespielt, um dann die BILD-unbeliebte SPD in den gleichen Topf zu werfen.
Gedanken zur Zeit 670 21-02-08:
Der SPIEGEL stänkert aus allen Rohren gegen die SPD Heute gleich drei Top-Stories in SPIEGEL-online gegen Beck und die SPD: (1) Betrunkener pöbelt Beck an - SPD-Chef giftet zurück, (2)
Becks linke Nummer und (3) KOALITIONSPOKER IN HESSEN: SPD lässt Hintertürchen für Linke offen. Dazu dann gut plaziert mit nettem Photo: KANZLER-UMFRAGE: Unschlagbare Merkel. Offensichtlich wird es jetzt in Deutschland wie in den angelsächsischen Ländern üblich, daß Blätter vor Wahlen, wie jetzt in Hamburg, offen Partei ergreifen. Im Ministerium nannten wir das
früher den „vorauseilenden Gehorsam". Karriereinteressierte Beamte schrieben für den Minister oft das auf, was ihrer Vermutung nach dessen Meinung war. Heute schielen offensichtlich
Journalisten nach der Meinung des Verlegers. Schlimm wird es nur, wenn man uns als Leser dann auch noch für so dumm hält, als ließen wir uns am SPIEGEL-Händchen zur Stimmabgabe
führen. Es gab mal Zeiten in Deutschland, da mußten sich Journalisten geschickter anstellen, wenn sie die politische Richtung beeinflussen wollten. Und der SPIEGEL galt mal als eine
unverzichtbare kritische Informationsquelle. Lang ist's her!
Gedanken zur Zeit 669 21-02-08:
Abkoppeln unmöglich Was ist uns da nicht alles eingeredet worden, als hätte sich die Eurozone und Deutschland ganz besonders definitiv vom Schicksal der größten Weltwirtschaft,
nämlich den USA, abgekoppelt. Inzwischen wird diese Suppe immer dünner. Auch für Deutschland werden die Wachstumsprognosen ständig nach unten geschraubt. Die Aktienkurse fallen
sogar stärker als in USA. Unter den nicht-amerikanischen Banken haben sich die deutschen am meisten mit ziemlich wertlosen Hypothekenpapieren verspekuliert. Der europäische
Versicherungsaufschlag für Unternehmensbonds, die ein Rückrat der Unternehmensfinanzierung sind, steigt immer höher. Die Stagflation wird nicht nur in USA ankopfen.
Der neue aufgelegte Schwerpunkt zur Kreditkrise bringt das volle Bild.
Gedanken zur Zeit 668 21-02-08:
Nun auch SPIEGEL auf der Zumwinkel-Entlastungstour vor den Hamburger Wahlen Es konnte ja nur eine Frage der Zeit sein, bis sich der zahm- und rechtsgewendete Spiegel der BILD-Entlastungskampagne für die Zumwinkels
anschließt, auch er sicher mit dem Blick auf die Hamburger Wahlen. So heißt es heute unter der Überschrift: „Normalbürger hinterziehen mehr Steuern als Reiche": „In
fast jedem steckt ein kleiner Zumwinkel. Alltägliche Steuerhinterziehung durch Schwarzarbeit oder Tanken im Ausland kostet den Staat Milliarden, sagt der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich
Schneider im Interview mit SPIEGEL ONLINE." Schneider ist ein hier ziemlich unbekannter Professor aus dem österreichischen Linz, wird aber vom Spiegel als international renommierter
Steuerexperte aufgebaut. Der gibt dann fröhlich auf die Frage, ob Steuerhinterziehung längst ein Volkssport sei zum Besten: „So wird es von drei Vierteln aller Deutschen praktiziert
und empfunden. Die meisten haben ja einen offiziellen Job und arbeiten dann eben nach Feierabend oder am Wochenende schwarz." Halt mal, Herr Professor. Soll das wirklich heißen drei Viertel aller Deutschen
würden schwarz arbeiten. Was für ein bodenloser Unsinn. So viele Schwarzjobs gibt es in Deutschland nicht entfernt. Und so viele Menschen hätten weder die Kraft noch die Notwendigkeit,
einen zweiten Job auszuüben. Was der Herr Professor aber total vergißt: Die Steuer auf den Lohn wird bei normalen Menschen normalerweise automatisch abgezogen und viel Spargeld, dessen Zinseinnahmen sie
qua Transport ins Ausland hinterziehen könnten, haben sie ohnehin nicht. Daß die Reichen weniger Steuern hinterziehen, ist nur eine Behauptung und zugleich eine enorme Verharmlosung
rechtzeitig vor den Hamburger Wahlen. Zumal, auf die Zahl der Reichen bezogen, schon die Lichtensteinverlagerung dramatisch mehr sein dürfte,
als eine entsprechende Zahl an Nicht-Reichen jemals sportlich hinterziehen könnte.
Gedanken zur Zeit 667 20-02-08:
Krepieren nun Heuschrecken, die sich an minderwertigen Hypothekenpapieren überfressen haben? Das Karussel der internationalen Kreditkrise dreht sich immer weiter und immer schneller. Erst waren
die internationalen Banken dran und sind noch dran, die schon 146 Mrd Dollar abgeschrieben oder verloren haben
(siehe Abbildung). Doch neben den internationalen Banken waren Hedgefonds und Private Equity
Unternehmen die Hauptspieler im Kasino mit minderwertigen amerikanischen Hypotheken. Anders als die Banken werden sie aber nicht kontrolliert und müssen keine Bilanzen ausweisen. Einige Fonds
mußten schon dicht machen. Jetzt mußte KKR, eines der größten Private Equity Unternehmen, Auszahlungen von Subprime-Hypotheken Papieren aus seinem Fond KKR Financial zur
Hälfte bis zum 3. März aussetzen, um den Fonds zu restrukturieren, wie es in der Mitteilung heißt. Das hat den europäischen Index für die Kreditversicherung auf
Rekordhöhen getrieben (siehe Abbildung) und erzeugt heute neue Schockwellen auf den Aktienmärkten.
Gedanken zur Zeit 666 20-02-08:
BILD macht die Kritik an Steuerflucht zur Neid-Debatte Kaum zu glauben, der BILD-Kommentar von heute: „ Seit Tagen regen wir uns auf über „die da oben", über
Unanständigkeit, die sich im feinen Tuch des Anstands tarnt. Und nicht ganz ehrlich. Denn der Betrug ist zwar in Millionenhöhe gewaltig, aber er ist im Kleinen nicht weniger mies. Die
kleinen, ganz „normalen" Steuersünder sind nicht weniger schuldig und in ihrer Gesamtschadenssumme nicht weniger schädlich als die Großen. Was wir in Deutschland dringend
wiederentdecken müssen, sind Anstand, Ehrlichkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl. Überall. „Oben" und „unten". Eine Neiddebatte und das wohlfeile Zeigen auf andere
hingegen schaden uns allen." Das hatte uns gerade noch gefehlt. Deutschlands Massenblatt erklärt Kritik an Steuerflucht zur Neiddebatte und das vor allem aus Angst über den Einfluß
der Zumwinkels auf die Hamburger Wahlen.
Gedanken zur Zeit 665 19-02-08:
EU-Subventionen für Rumänien und Nokia: Rechte Tasche - linke Tasche Stolz und beruhigt zugleich meldet der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Schauerte heute: "Ich bin
sehr froh, dass die verschärften Regelungen zur Verhinderung von Betriebsverlagerungen mit Unterstützung der EU-Strukturfonds offensichtlich greifen. Bundeswirtschaftsminister Glos hat sich
im Ministerrat mit Nachdruck und im Ergebnis erfolgreich dafür eingesetzt, dass in der Förderperiode 2007-2013 keine innereuropäischen Produktionsverlagerungen mit
Arbeitsplatzverlusten aus den Strukturfonds finanziert werden dürfen." Die Europäische Kommission habe in einem heute eingegangenen Schreiben bestätigt, dass für die neuen
Produktionsstätten des Nokia-Werkes im rumänischen Cluj und im ungarischen Komarom keine Mittel aus den EU-Strukturfonds geflossen seien. Um derartige Fälle auch zukünftig
auszuschließen, enthalte das kürzlich genehmigte Programm zum Einsatz des Europäischen Regionalfonds in Rumänien eine klare Verpflichtung, wonach keine Betriebsverlagerungen mit
Hilfe der Strukturfonds gefördert werden dürfen. Also alles prima? Aber Rumänien erhielt und erhält doch enorme Mittel aus Brüssel: schon bis zum Jahr 2000 1,5 Mrd Euro und
dann in den Jahren unmittelbar vor dem Beitritt zum 1. Januar 2007 noch einmal mehr als 1 Mrd Euro, und weitere 20 Mrd Euro sind für die Periode 2007 - 2013 vorgesehen. Das ist für ein
armes Land sehr viel Geld und macht es leicht, mit einem niedrigen Steuersatz auf Unternehmenssteuern zu verzichten.
Die tarifliche Gewinnbelastung von Kapitalgesellschaften beträgt in Rumänien nur 16 %. Im ungewichteten Durchschnitt der 15 Alt-EU-Länder
sind es dagegen 28,3 % (siehe Abbildung). Presseberichten zufolge soll z.B. Nokia auch von der lokalen Immobiliensteuer
befreit werden. Überhaupt, schon mal was von "rechte Tasche - linke Tasche" gehört?
Gedanken zur Zeit 664 19-02-08:
Der Bundeswirtschaftsminister auf seiner Sonneninsel Man kann nur noch staunen. Da rutscht das Wirtschaftswachstum in 2007 von Quartal zu Quartal weiter ab (hier). Da geht der Einzelhandelsumsatz
zunehmend in die Negativen (hier) und die PKW-Zulassungen ebenfalls (hier). Da liegt Deutschland im 4. Quartal mit dem
Wirtschaftswachstum so ziemlich am Ende des internationalen Feldes (hier). Da
wächst der Arbeitsmarkt vor allem über Niedriglöhner und niedrig bezahlte Teilzeit oder Zeitarbeit, die sicher nicht zu einem Kaufboom beitragen können. Da verharrt der Ifo-Index
auf niedrigem Niveau (hier) und fällt der Index der Einschätzung der aktuellen Situation immer weiter (hier). Und dann kommt der Wirtschaftsminister mit seiner heutigen Pressemitteilung
zur wirtschaftlichen Lage im Februar 2008 mit solchen Feststellungen: Herr Bundeswirtschaftsminister, wir werden Sie mit jedem
neuen Monatsergebnis beim Einzelhandelsumsatz an Ihre Illusionen und die stark beschönigende Analyse erinnern. Die Kluft zwischen Darstellung und
Realität ist schon gespenstisch.
Gedanken zur Zeit 663 19-02-08:
Nun plädiert BILD auch noch für Steuersenkung zur Vermeidung weiterer Zumwinkels So viel Tinte wie BILD kann ein normaler Mensch gar nicht saufen, eigentlich auch nicht als BILD-Leser. Da
wird uns nun erklärt: „Seitenlange Steuerformulare, zu hohe Steuersätze, eine riesige Abgabenlast, Abschreibungsmöglichkeiten, die nur Fachleute verstehen - all das hat uns
steuermüde gemacht. Deutschland braucht wieder einen Mann wie Professor Paul Kirchhof. Steuersätze von 15, 20 und 25 Prozent - das war's . Und selbst der gierigste Großverdiener
würde seine Steuern vielleicht wieder hier bezahlen." Gleichzeitig werden wir alle den Steuersündern wie Zumwinkel gleichgestellt: „Aber sind sie die
Einzigen? Die kleine Steuersünde, die schwarz beschäftigte Putzfrau, der schnelle Betrug im Fahrtenbuch. Viele sind dabei, kaum einer bereut es." Unglaublich, wie BILD hier versucht,
selbst den schlimmsten Steuerbetrug sauberzuwaschen.
Gedanken zur Zeit 662 19-02-08:
Die soziale Kluft wird immer tiefer Zwei Meldungen von heute:
(1) Die Management-Beratung Kienbaum hat in einer heute veröffentlichten Studie, bei der Daten von 4300 Vorständen aus 1300
Unternehmen erhoben wurden, eine Steigerung der Vorstandsbezüge in 2007 um 17,5 % festgestellt. Bei den 30 größten Unternehmen waren es sogar 23,3 %. Selbst nicht-börsennotierte
Gesellschaften zahlten ihren Vorständen 12,6 Prozent mehr. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen dagegen, und dies einschließlich solcher und anderer Besserverdiener, in 3.
Quartalen 2007 gegenüber Vorjahresperiode nur um 1 %, wohlgemerkt noch vor Bereinigung um die Verbraucherpreisinflation von 1,7 % in dieser Periode. In der besser als durchschnittlich
bezahlenden gewerblichen Wirtschaft stieg das Entgelt uber das ganze Jahr 2007 um gerade einmal 2,3 % , wovon nach Abzug der Verbraucherpreisinflation nur 0,2 % übrig blieben. In eine Grafik
eingetragen sieht das dann so aus. (2) Bundesagentur für Arbeit (BA): „Zeitarbeit wurde 2007 deutlich stärker nachgefragt als im Vorjahr. Damit setzt sich der Trend der
letzten Jahre fort". Hatten Leihagenturen im Jahresschnitt 1997 rund 200.000 Leiharbeiter unter Vertrag, seien es Ende Juni 2007 bereits 731.000 gewesen. Damit hat sich : in den vergangenen zehn
Jahren die Zahl der Leiharbeiter verdreifacht. Zeitarbeiter gehen der BA-Statistik zufolge jedoch ein hohes Risiko ein, schon bald wieder arbeitslos zu sein: Von den insgesamt 466.000 Leiharbeitern,
deren Beschäftigungsverhältnis im Juni 2007 endete, waren rund 57.000 weniger als eine Woche in den Diensten eines Zeitarbeitsunternehmens. Knapp 200.000 hatten ihre Kündigung
spätestens nach drei Monaten in der Tasche. Lediglich 210.000 waren länger als drei Monate bei einer Leiharbeitsagentur unter Vertrag
(siehe Abbildung). Warum gehört das hierher? Zeitarbeiter
werden in aller Regel schlechter bezahlt, da für sie der Tarifvertrag des beschäftigenden Unternehmens nicht gilt. Da ihr Beschäftigungsverhältnis ganz überwiegend auch nur
sehr kurz ist, erfahren die Mehrheit keine Beförderung oder Gehaltsverbesserung. Die sehr geringe Entwicklung der normalen Arbeitsentgelte ist also nicht zuletzt dem starken Anstieg der Zeitarbeit zu
verdanken. Hier wird der soziale Graben von dieser Seite tiefer geschachtet.
Und hier geht es zum Anfang von Gedanken zur Zeit Teil 1
Der Aufschwung hat sich im Jahr 2007 insgesamt als solide und robust erwiesen. Insgesamt befindet sich die deutsche Wirtschaft
damit in einer guten Ausgangsposition für das laufende Jahr. Die konjunkturelle Grunddynamik ist intakt und steht auf einem soliden Fundament.
Eine Belebung des privaten Konsums steht
allerdings noch aus und ist, gestützt auf die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt, im weiteren Verlauf des Jahres zu erwarten. Die privaten Konsumausgaben haben sich noch nicht vollständig
wieder von ihrem Einbruch nach der Umsatzsteuererhöhung im letzten Jahr erholt. Trotz des aktuellen Rückganges (gemeint sind die Einzelhandelsumsätze) und der nach wie vor
gedämpften Konsumstimmung sprechen die günstigen Rahmenbedingungen wie ein anhaltender Beschäftigungsaufschwung, höhere Tariflohnabschlüsse, die Entlastung durch die Senkung
des Arbeitslosenversicherungsbeitrages und die im Jahresverlauf zu erwartende Abnahme der Teuerungsraten für eine Belebung des privaten Konsums in diesem Jahr.
Dies spricht zusammen mit dem
nach wie vor ansprechenden Niveau des ifo-Geschäftsklimas weiter für einen soliden Aufwärtstrend der Industrieproduktion.





















