Zu Ihren eigenen Gedanken zur Zeit hier
(577) Bundesbank mit leeren Drohungen auf der Lohnbremse
(575) Auch das noch zum Jahresanfang: Wenn Marx heute zu uns reden könnte..
(574) Ein Bundespräsident noch rechts von der Regierung?
(573) 2007 war für das Infoportal ein erfolgreiches Jahr
Gedanken zur Zeit 577 30-12-07: Bundesbank mit leeren Drohungen auf der Lohnbremse
Nun wird es schon ziemlich komisch. Die Konjunktur im nächsten Jahr hängt am seidenen Faden eines ohnehin schon recht unwahrscheinlichen Anspringens des Verbrauchs der privaten Haushalte. Dafür muß die Massenkaufkraft endlich wieder steigen. Denn die Bundesbank will immer noch ein Wachstum von 1,9 % sehen.
Und nun kommt der Bundesbankchef und erklärt gegenüber BILD zweierlei. Erstens soll die hohe Inflation erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres zurückgehen und zwar auf eine immer noch sehr hohe Jahresrate von 2,3 % (Anmerkung: die echte, gefühlte Inflation wird weit höher liegen). Zweitens fordert die Bundesbank wieder einmal Lohndisziplin ein. Die vornehmen Bundesbanker nennen das „Lohnabschlüsse mit Augenmaß". Anderenfalls sei die Preisstabilität auf mittlere Sicht gefährdet. Die ist es doch jetzt schon, und nicht wegen der Löhne. Und wenn die Löhne nicht erheblich über der erwarteten Inflation liegen, ist es einfach Sense an den Ladenkassen und mit der Konjunktur insgesamt. Daß ein Bundesbankpräsident eine so einfache Gleichung nicht begreifen kann, aber wahrscheinlich will er das auch gar nicht.
Und dann kommt er gleich mit der Keule der Europäischen Zentralbank, in deren Rat die Bundesbank sitzt, und droht mit einer Zinserhöhung. Diese Drohung ist total leer. Denn einerseits kann die EZB nicht die anderen Europartner bestrafen, weil die deutschen Arbeitnehmer einen Teil des längst überfälligen speziell deutschen Nachholbedarfs bei den Löhnen einfordern. Andererseits hängen mehrere europäische Großbanken wegen der Kreditkrise in den Seilen und würden eine Zinsanhebung schlecht vertragen, und außerdem würde die EZB den Euro-Außenkurs nur noch höher treiben und so die europäische Exportwirtschaft weiter schädigen, die auch unter dem Abschwung in USA (und Großbritannien) leiden wird. Nein, so einfach sollte es sich Herr Weber nicht machen und logisch sollte er auch bleiben! Immerhin ist er der wahrscheinlich bestbezahlte Deutsche im Staatsdienst.
Gedanken zur Zeit 576 29-12-07: Dollar, quo vadis?
Nach Weihnachten hat der Dollar seinen Abwärtsrutsch ins Neue Jahr wieder aufgenommen. Seit Beginn letzten Jahres hat er bereits 19 % verloren (siehe Abbildung). Gleichzeitig jedoch haben die größten Konkurrenten der Eurozone, nämlich China und Japan, ihre Währungen ebenfalls gegenüber dem Euro um 11 % bzw. 16 % fallen lassen (siehe Abbildung).
Die Frage ist, wie lange der Eurozonen-Export das aushalten kann, wenn - wie zu erwarten - sich die Entwicklung in 2008 fortsetzt und vielleicht auch noch beschleunigt, wenn sich die schlechten Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt und nun auch vom Arbeitsmarkt häufen werden.
Wo sind denn nun alle die schlauen Menschen von EZB bis Bundesregierung, die uns weismachen wollten, die Kreditkrise würde an Deutschland vorbeigehen, oder der Bundesfinanzminister, der den starken Euro sogar gut fand? Stumm sind sie. Und morgen werden sie „Feuer" schreien, als hätten sie immer schon gewarnt.
Gedanken zur Zeit 575 01-12-07: Auch das noch zum Jahresanfang: Wenn Marx heute zu uns reden könnte..
Da schreibt mir der deutsche Unternehmer, mit dem ich ausführlich diskutiert habe (siehe hier): „Ich jedenfalls bin mir ziemlich sicher, dass Karl Marx heute Mitglied der FDP geworden wäre."
Ich selbst bin mir da gar nicht so sicher. Würde Marx heute, 124 Jahre Jahre nach seinem Tod in London, von seiner Wolke auf die Erde blicken, seine ersten Worte wären wahrscheinlich:
„Seht Ihr, habe ich Euch schon immer gesagt! Das deutsche Kapital und das anderer Industrieländer eignet sich immer noch den Mehrwert Eurer Arbeit an, also das, was Eure Arbeit mehr wert ist, als Ihr zum Leben braucht. Die deutschen Kapitalisten sind besonders schlimm und zahlen Euch nicht einmal den in anderen Ländern üblichen Mindestlohn und drohen ständig mit Produktionsverlagerung nach China (ausgerechnet das letzte Land, das sich auf mich beruft und dabei nach den USA die meisten Milliardäre hat!). Da Ihr den Wert Eurer Arbeit nur zu einem immer geringeren Teil erhaltet, fehlt es in Deutschland an der Nachfrage der arbeitenden Verbraucher für Eure Produkte. Die kann kein Wirtschaftsminister, und sei er noch so glos, herbeireden.
Und da heute der Mehrwert dank weit fortgeschrittener Produktionstechniken und hoher Produktivität gewaltig gewachsen ist und auch von den Kapitalisten nicht mehr verfrühstückt werden kann, müssen sie ihn exportieren, wo immer Menschen sich noch verschulden können (bisher vor allem in USA). Oder sie müssen ihn auf den internationalen Kreditmärkten verspielen, wie jetzt gerade wieder in der globalen Kreditkrise, oder andere Blasen, wie zuletzt die IT-Blase, aufblasen oder einfach nach Schumpeter kreative Destruktivität betreiben.
Der Kommunismus, an dessen Wiege ich gestanden habe, hat meine Erwartungen natürlich nicht erfüllt. Doch hat er den Prozeß der einseitigen Aneignung des Mehrwertes Eurer Arbeit in den kapitalistischen Ländern aufgehalten, weil die Kapitalisten in Angst vor den Kommunisten lebten. Mein Erzfeind Bismarck hat aus Angst vor meinen Ideen noch schnell die Sozialversicherung eingeführt. Die war noch solide wie Kruppstahl. Seit dem Fall der Berliner Mauer, bei deren Bau ich mir auf meiner Wolke die Augen reiben mußte, gibt es nun diese Angst nicht mehr. Es ist fast wieder wie zu meinen Zeiten. Damit wachsen die Widersprüche im kapitalistischen System erneut. Irgendwann werdet ihr dann begreifen, wie recht ich mit meiner Analyse hatte. Ich kann Euch nun nicht mehr helfen. Doch wer mich auf meiner Wolke besuchen will, kann das mit mir weiter diskutieren.
Übrigens, einer Eurer Kapitalisten wollte gestern auch auf eine Wolke. Den haben wir aber zum Teufel geschickt. Nun klagt der Teufel: Wen habt Ihr mir denn da geschickt? Der hat als erstes die Manschaft entlassen und die Öfen stillgelegt!
Ach ja, und zur FDP fällt mir nichts ein. Ist das nicht die deutsche Partei der Besserverdiener, also derjenigen, die vorne in der Schlange nach dem Mehrwert stehen?
Und daß das Infoportal an mich denkt, hat mich zu einem Luftsprung getrieben, bei dem ich fast von meiner Wolke auf die Erde zurückgefallen wäre. Auf der Erde könnte ich mich wenigsten im Grabe umdrehen, wenn ich an viele von denen denke, die sich auf mich berufen haben und noch berufen."
Gedanken zur Zeit 574 29-12-07: Ein Bundespräsident noch rechts von der Regierung?
Hier einige Zitate aus dem Interview des Bundespräsidenten mit der Frankfurter Zeitung: „ wünschte ich mir mehr Reformehrgeiz. Einem Schritt oder zweien voran folgt leider oft auch wieder ein Schritt zurück. Wir sind in dem Prozess, uns auf die Chancen und Risiken der Globalisierung einzustellen, noch nicht weit genug gekommen" „Zweifel, ob diese Maßnahme (gemeint ist die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitslose) wirklich zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt. Eher trägt sie wohl dazu bei, die Beschäftigungsschwelle des Wachstums wieder anzuheben, das heißt, es zu erschweren, aus Wachstum mehr Beschäftigung zu machen." Er wisse nicht, ob diese Vereinbarung (gemeint ist der Mindestlohn für Postdienste) „eine rundum gelungene Antwort" auf die schwierigen Fragen sei, die sich auf diesem Gebiet stellten. Ein „Mindestlohn, der von den Arbeitgebern im Wettbewerb nicht gezahlt werden kann, vernichtet Arbeitsplätze". Wenn Arbeit überall auf der Welt in gewünschter Qualität geleistet werden könne, dann lasse sich ihr Preis immer weniger innerhalb von Landesgrenzen bestimmen.
Wir haben also einen Bundespräsidenten, für den der Mindestlohn und die Verlängerung des Arbeitslosengelds I „Schritte zurück" sind, obwohl die große Mehrheit in der Bevölkerung das anders sieht. Auch ist es wieder da, das Bekenntnis zur Ohnmacht vor den Wirkungen der Globalisierung. Weiß der Bundespräsident, der doch Finanzstaatssekretär, G7-Sherpa und IWF-Direktor war, nicht, daß die Globalisierung gerade von der deutschen Politik in ihrer einseitigen Bindung an Exportinteressen immer weiter vorangetrieben wird? Warum können eigentlich alle anderen Regierungen um uns herum den Mindestpreis der Arbeit innerhalb ihrer Landesgrenzen bestimmen, nur Deutschland nicht?
Gedanken zur Zeit 573 28-12-07: 2007 war für das Infoportal ein erfolgreiches Jahr
Als kleiner Webseitenbetreiber darf man eigentlich nie zufrieden sein. Dennoch, das Infoportal hat Anfang Dezember 2007 die 1 Million Webseitenaufrufe überschritten und marschiert jetzt auf die nächste Million zu. Mit 0,7 Millionen ist die Zahl der Webseitenaufrufe gegenüber dem Vorjahr auf das 2,4-Fache gestiegen, ebenso die Zahl der Besucher. Leider waren es wahrscheinlich gerade die Nachrichten, die kritisch beleuchtet werden mußten und daher nicht so gut oder gar schlecht waren, die nach unabhängiger und besserer Information verlangten, als sie die Normalmedien anbieten.
Das Infoportal lebt seinerseits von der kritischen Begleitung durch seine Besucher. Daher bin ich für alle Kommentare dankbar, die mich entweder persönlich erreichen oder für die Kommentarseite des Infoportals bestimmt sind. Sie müssen nicht immer so freundlich ausfallen, wie die Nachricht, die mich heute erreichte:
- „Zum Jahresende möchte ich Ihnen sehr herzlich danken
für die nützlichen Informationen, die Sie uns als Empfänger
ihrer Newsletters im zu Ende gehenden Jahr haben zukommen lassen. Wir sind anonym für sie, viele aber tatkräftig in ihrem Umfeld. Die Entwicklung zeigt, dass Sie mit Ihren
Einschätzungen näher an der Realität liegen als die wenigen anderen „Dienste" dieser Art. Wir brauchen Sie auch im Neuen Jahr und wünschen Ihnen Gesundheit, Schaffenskraft
und Vergnügen!
Ich habe jetzt eine eigene Webseite eingerichtet, auf der ich Ihnen Gelegenheit bieten möchte, Ihre eigenen Gedanken zur Zeit anonym loszuwerden, ohne daß Sie sie in die Zwangsjacke von Kommentaren zum Infoportal bringen müssen.
Mir selbst ist es nun gelungen, nicht zuletzt mit Material vom Infoportal mein drittes Buch zu Ende zu schreiben: „Globalisierung: Legende und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme". Es ist auf 268 Seiten reichhaltig mit 205 Diagrammen ausgestattet, hat die jeweils aktuellste Datenbasis und versucht in flotter Schreibe, die meisten heißen Eisen anzupacken, die uns eine neoliberale Globalisierung in den Weg legt. Damit ist es mehr als nur ein Nebenprodukt der Webseite geworden. Ich hoffe, daß ich Ihnen bald einen Erscheinenstermin nennen kann. Es wird wieder zu Selbstkosten erscheinen.
Ihnen allen wünsche ich viel Glück in 2008!
Ihr Joachim Jahnke
Und hier geht es zum Anfang von Gedanken zur Zeit Teil 1





















