(510) Wer blutet am Ende für die Banken?
(509) Und nun auch noch das: Treibt China den Euro hoch?
(508) 175 Seiten persönliche Überzeugung und eine überschuldete Erbschaft
(507) Aussteigen aus Pisa, warum nicht gleich aus der Industrieländerorganisation OECD insgesamt?
(506) Warum in Deutschland die Kinder selten werden
(505) Steinbrück im Glashaus: Bankenkrise
(504) Wieder zuviel Triumphgeheul vom Arbeitsmarkt
(502) Merkt der Bundespräsident nicht, wie er sich widerspricht?
(501) Wer betreibt denn da perfide Enteignung?
(500) TAZ und andere linke Medien: Immer wieder die gleichen Denkfehler im Umgang mit China
(499) Verstaatlicht marode Banken, wenn sie denn nicht in die Pleite gehen dürfen
(498) Nun stänkert BILD wegen Dalai-Lama auch noch gegen Frankreich
(497) China läßt seine Währungsmuskeln spielen
(496) Beim Blick über den nördlichen Tellerrand kann einem der kalte Kaffee hochkommen
(495) Volksverdummung à la SPIEGEL: Schutz gegen den starken Euro?
(494) Neue Richtung der Webseite: Globalisierung fällt nicht vom Himmel
(492) Verdrehte Quartalszahlen und ein bequemer Wirtschaftsjournalismus
(491) Noch zwei Kapitel für Dummies
(490) Musikalische Stühle: Bei wem stoppt die traurige Dollarmusik?
(489) China-Konkurrenz von Deutschland weiter aufgerüstet
(487) Nun endlich merkt es auch Fr. Merkel, merkt sie es wirklich? Die 74 Cents-Konjunkturrakete
(486) Frauen verschieben das Kinderkriegen massiv nach hinten
(485) Warum verspielen wir unsere Zukunft?
(484) Bitte helfen Sie mir, die VWL noch besser zu machen!
(483) BILD und die deutschen Arbeitnehmerinteressen
(482) Dieses war der letzte Streich
(481) Wer spielt hier verrückt: das Klima oder die Menschheit?
(479) Die Angst des Weihnachtsmannes vor dem Heiligabend
(478) Ist Sarkozy nur ein böser Protektionist?
(477) Wie man das 500-fache Gehalt für den Chef rechtfertigt: Die Chefs und die Neidhammel
(476) Koalitionsrunde: Mindestlohn als Dumpinglohn? Ältere Arbeitslose weiter diskriminiert
(475) 4.000 Dummies und jetzt Kapitel 8: Neoliberal wirtschaften wir unsere Umwelt kaputt
(474) Wer hat Angst vor dem gelben Mann?
Gedanken zur Zeit 510 02-11-07: Wer blutet am Ende für die Banken?
Haben Sie sich schon mal gefragt, wer am Ende für die immensen Schäden der platzenden Kreditblase und die damit verbundenen Verluste der Banken aufkommen muß? Eine Antwort finden Sie hier. Eine andere werden Sie erfahren, wenn die Banken ihre Gebühren anheben. Schon jetzt lassen sich die Banken, die Risiken, die sie gerade noch akzeptieren, teuer bezahlen, worunter so manches Unternehmen mit seinen Investitionen leiden wird.
Und wie kann man verhindern, daß immer neue Blasen hochgetrieben werden? Nur durch eine viel striktere Aufsicht über Banken und Heuschrecken. Und indem die immer stärkeren Einkommen der Reichen, die dieses Spielgeld an die Finanzmärkte bringen, zurückgeschnitten werden. Das geht nur, wenn die Gewerkschaften für die Arbeitnehmer mobil machen und die Wähler die Parteien strafen, die sie bei hoher Inflation mit eingefrorenen Renten, Sozialleistungen und öffentlichen Bezügen sitzen lassen. Die sozialen Ungleichgewichte müssen korrigiert werden.
Gedanken zur Zeit 509 01-12-07: Und nun auch noch das: Treibt China den Euro hoch?
Von einem erstarkenden Euro profitiert Chinas Export, solange China - wie bisher - den Renmimbi relativ nah am Dollar hällt. Nach einer Übersicht in der Financial Times ist der Bestand an US Treasury Bonds und Bills in den chinesischen Währungsreserven zurückgegangen (siehe Abbildung). Da der chinesische Export in der Regel in Dollar abgewickelt wird und damit zunächst Dollar in die chinesischen Währungsreserven fließen, muß man annehmen, daß die chinesische Zentralbank die zusätzlichen Währungsreserven aus dem Dollar heraus umschichtet, wahrscheinlich einen erheblichen Teil davon in Euro oder jedenfalls über den Staatsfonds Investitionen im Ausland bezahlt, die nur noch teilweise im Dollarraum vorgenommen werden. Praktisch würde China damit zur Stärke des Euro beitragen, wie es in der Vergangenheit den Dollar stark gemacht hat.
Das vermutet auch Allianz Dresdner Economic Research: "Statistiken des US Treasury zufolge waren die sich in chinesischer Hand befindlichen Schatzanleihen, die überwiegend auf die Zentralbank entfallen dürften, Ende September 2007 mit knapp 400 Mrd. USD nur um 2 % höher als ein Jahr zuvor. Im gleichen Zeitraum waren die Devisenreserven aber um 45 % auf 1436 Mrd. USD gestiegen. Mit anderen Worten: Der bis September 2006 kumulierte Bestand blieb zwar unbehelligt, von der Reservezunahme danach ist aber wahrscheinlich ein sehr großer Teil in andere Währungsräume und hier vor allem in den Euro geflossen. Im Falle, dass die Zentralbank die anderen, auf US Dollar lautenden Wertpapiere ihres Reservebestandes ebenfalls nur im gleichen Ausmaß wie die US Schatzanleihen ausgeweitet hätte, wäre der gesamte Dollar-Anteil an den Devisenreserven heute wahrscheinlich um bis zu 20 Prozentpunkte niedriger als noch vor gut einem Jahr."
Es ist eine verkehre Welt, in der China nun auch noch seinen ohnehin auf Billigstniveau laufenden Export durch eine Stärkung des Euro weiter manipulativ fördern kann.
Übrigens: Von den weltweit bestehenden Devisenreserven in Höhe von fast 6 Billionen US$ entfallen 75 % auf Notenbanken von Schwellen- und Entwicklungsländer. Wenn die anfangen, auch nur kleinere Teile in Euro umzuschichten, wird sich der deutsche Export und der anderer Euroländer dramatisch verteuern. Hier liegt noch eine der Bomben an den total aus dem Gleichgewicht gebrachten Devisen- und Finanzmärkten.
Gedanken zur Zeit 508 01-12-07: 175 Seiten persönliche Überzeugung und eine überschuldete Erbschaft
Mit dem 15. Kapitel „Statt eines Nachwortes: Von Generation zu Generation gesprochen" habe ich die "Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme" nun erstmal abgeschlossen. Sie ist schon fast 10.000-mal nachgeschlagen worden. Nach so einem Schlußwort kann man nur noch aktualisieren. Aber was soll man da noch dranhängen?
Heute schrieb mir ein freundlicher Zeitgenossen: "Mit dem 15. Kapitel hat Ihr neues Buch nun einen emotionell ansprechenden und inhaltlich abrundenden Abschluß gefunden, zu dem man gratulieren kann. Man spürt die Anspannung Ihrer Mühen, den Lesern sehr Wichtiges zu übermitteln, Vermächtnis und Fanal für die Zukunft zugleich. Sie haben sich eindrucksvoll als kritischer Denker profiliert, sind bis an die Grenze Ihrer Möglichkeiten herangekommen - man kann einer raschen Buchveröffentlichung nur besten Erfolg wünschen." Wer nimmt nicht gern so viel Anerkennung entgegen, auch wenn sie nicht voll verdient ist?
Ich war mir selbst nicht bewußt, wieviel Hypotheken meine Generation den nächsten Generationen hinterläßt, wenn sie einmal endgültig abtritt. Bis ich die lange Liste aufgeschrieben habe: Eine immer schiefere Sozialstruktur mit wachsender Armut und stark reduzierter Chancengleichheit, Massenarbeitslosigkeit mit immer unsicher werdenden Berufskarrieren, eine nicht ausreichend integrierte Massenimmigration, einen gnadenlosen Globalisierungsdruck über die nicht mehr schützenden EU-Grenzen, eine höchst unsichere Rentensituation und zu allem Überfluß auch noch eine dramatische Umweltentwicklung. Selbst die angsteinflößende Bombe konnten wir trotz des unerwarteten Endes des Kalten Krieges nicht aus der Menschheit verbannen. Mit der nuklearen Aufrüstung in der Dritten Welt kann diese Gefahr nun noch weniger kontrolliert werden, als zu Zeiten des Nuklearmonopols zweier Blöcke. Auch ist es uns Oldies nicht gelungen, die traditionellen, in der Regel beschützenden Familienstrukturen einigermaßen zusammenzuhalten.
Wir haben, ohne die Altersverklärung für jüngere Jahre einzuschalten, die Welt nicht besser machen können. Im Privatleben würde man eine solche Erbschaft wegen Überschuldung ausschlagen wollen. Die meisten haben allerdings noch nicht gemerkt, was ihnen da hinterlassen wird. Und ausschlagen können sie nicht - nur auslöffeln!
Gedanken zur Zeit 507 01-12-07: Aussteigen aus Pisa, warum nicht gleich aus der Industrieländerorganisation OECD insgesamt?
Da haben wir wieder das gewohnte Bild. Politiker lassen Deutschland nur dann vergleichen, wenn wir Weltmeister sind. In diesem Fall sah zwar Deutschland in der ersten naturwissenschaftlichen Studie nicht schlecht aus, zumal deutsche Schüler den Vorteil einer Konzentration auf in Deutschland hinlänglich bekannte Umweltfragen hatten. Doch dann sagte dieser schreckliche Deutsche von der OECD namens Schleicher, dass die Ergebnisse in wesentlichen Punkten nicht mit denen von 2003 zu vergleichen seien, die sehr schlecht für Deutschland ausgefallen waren, also keine Entwarnung. Aus der Rahmenkonzeption und dem Design der Pisa-Studie ergebe sich, dass man die Leseergebnisse seit 2000 und die Mathematikergebnisse seit 2003 vergleichen kann, während der naturwissenschaftliche Test im Jahr 2006 nur die Grundlage für zukünftige Vergleiche biete.
Prompt verlangte der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) wie bereits gestern seine Länder-Kollegen die Abberufung von Schleicher als Pisa-Koordinator: "Unter diesem Umständen können wir mit Herrn Schleicher nicht weiter zusammenarbeiten". Busemann ärgerte sich vor allem darüber, dass die neuen Pisa-Ergebnissen nicht vergleichbar und demnach nicht als Verbesserung zu bewerten seien. Logik zählt bei der CDU nicht, wenn es um Nationalstolz des Möchtegernweltmeisters geht. Nun möchte Busemann auf längere Sicht ganz aus der Pisa-Studie auszusteigen, wenn sich die Germanen mit einem neuen Institut dann mit sich selbst vergleichen können und nicht mit besseren Konkurrenten. Das hat auch den Vorteil, daß man dann weiter auf der Ausgabenbremse stehen und die Chancengleichheit in Deutschland beschneiden kann
Darauf Schleicher: „Das ist doch alles eine absurde Posse. Im Dunkeln sehen alle Schüler, Schulen und Bildungssysteme gleich aus. Was man nicht misst, kann man auch nicht verbessern". Wie recht hat er! Wir werden jedenfalls bis zu einer echten Verbesserung an den früheren Pisa-Ergebnissen messen, auch wenn sie ungünstig ausfielen.
Tatsächlich sickert jetzt durch, daß Deutschland beim letzten Test in Lesen und Rechnen weiter im Mittelfeld abgeschlagen von vielen Ländern hängen geblieben ist. Nun erst recht aussteigen, liebe CDU-Kultusminister?
Gedanken zur Zeit 506 01-12-07: Warum in Deutschland die Kinder selten werden
Der letzte OECD-Bericht über die Familiensituation war für mich eine wahre Fundgrube. Zum ersten Mal gutes vergleichendes Material. Leider wieder Deutschland ganz unten (vielleicht sollte man die OECD auflösen?).
Wer immer noch rätselt, warum die Deutschen in den Betten streiken, sollte den heutigen Rundbrief lesen. Dringend empfohlen (auch denen, die normalerweise nur meine Gedanken zur Zeit lesen)! Leider nur lesen unsere Familienpolitiker solche Berichte nicht, oder verdrängen sie sofort wieder.
Gedanken zur Zeit 505 30-11-07: Steinbrück im Glashaus: Bankenkrise
Steinbrück in der Financial Times: "Es gibt Bankvorstände, die der Komplexität dessen, was sie tun, nicht gewachsen sind . Die Hochnäsigkeit der Manager, die wir mitunter gesehen haben - nach dem Motto: Wir sind cleverer als die anderen -, endete in einem Desaster."
Die Kritik ist berechtigt. Aber wo war die deutsche Bankenaufsicht unter der Kontrolle des Bundesfinanzministers? Warum hat er zugelassen, daß außerhalb der Bilanzen unkontrollierte Vehikel gegründet wurden, von denen jetzt das Unheil kommt? Das war doch für den Bundesfinanzminister kein Geheimnis oder war der oberste Bankenaufseher auch von der Komplexität überfordert? Ist Angriff wirlich die beste Verteidigung?
Gedanken zur Zeit 504 29-11-07: Wieder zuviel Triumphgeheul vom Arbeitsmarkt
Nun wird jeden Monat selbst bei einem weiteren geringen Abbau an Arbeitslosigkeit ein neuer Rekord verkündet. So SPIEGEL online: „Kaum im Amt, kann der neue Arbeitsminister Scholz schon einen Rekord verkünden: Die Zahl der Arbeitslosen ist so gering wie seit Juni 1993 nicht mehr."
Doch der meiste Zugewinn an neuen Jobs finden bei unsicherer Leiharbeit statt, die schnell wieder verschwinden wird, wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt, und anderen prekären Arbeitsverhältnissen (siehe Abbildung). Dann wird wieder alles zu Tode betrübt sein. Warum kann man diese ohnehin ziemlich unsicheren Zahlen nicht nüchtern behandeln? Im Ubrigen: Auf der Basis der letzten Eurostat-Erfassung für das 2. Quartal 2007 hat Deutschland den höchsten Stand an Langzeitarbeitslosen in den Alt-EU-Ländern nach Griechenland und Belgien (siehe Abbildung). Auch sonst ist im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit auf dem 15. Platz von 18 Vergleichsländern immer noch hoch, zumal alle größeren bis auf Frankreich wesentlich niedrigere Raten haben (siehe Abbildung).
Hier der November-Bericht des Infoportals.
Gedanken zur Zeit 503 28-11-07: Was verbindet mich mit dem Vorstandsmitglied des Bankenverbandes? - Jahnke in der Frankfurter Rundschau
Manfred Weber ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bankenverbandes. Ich war bis vor wenigen Jahren Vorstandsmitglied einer großen internationalen Bank in der Londoner City. Sonst verbindet uns sehr wenig und in Sachen Globalisierung noch weniger. Im Interview mit der Frankfurter Rundschrau sagt Weber: "Zu Weltoffenheit und Globalisierung gibt es für Deutschland keine Alternative. Freier Verkehr von Waren und Dienstleistungen sowie offene Finanzmärkte sind unverzichtbare Voraussetzungen für Innovation, Wachstum und Beschäftigung in einer modernen Volkswirtschaft." Das klingt wie aus dem Parteiprogramm der CDU: "Die Globalisierung ist ein unumkehrbarer, politisch wie wirtschaftlich fruchtbarer Entwicklungsprozess, der weltweit zunehmend mehr Menschen gesellschaftliche, politische und ökonomische Chancen eröffnen kann."
Ich hatte die Möglichkeit, mich in der gleichen Ausgabe der Frankfurter Rundschau weit kritischer zu äußern. Wenn Sie das lesen wollen, finden Sie es : hier.
Gedanken zur Zeit 502 29-11-07: Merkt der Bundespräsident nicht, wie er sich widerspricht?
Zweimal Bundespräsident Köhler im Handelsblatt: (1) „ In der Bevölkerung gibt es das nachvollziehbare Gefühl, dass etwas nicht stimmt, wenn die Einkommen der einen stark steigen, die der anderen dagegen eher stagnieren." Und (2) „Es macht mich fast schon zornig, wie beim Thema soziale Gerechtigkeit vor allem übers Geldverteilen geredet wird".
Merkt der Präsident da gar nicht mehr, wie er sich selbst widerspricht? Wie will man über soziale Gerechtigkeit diskutieren und die Verteilung des Geldes zwischen den Einkommen normaler Arbeitnehmer und den Unternehmensführungen vermeiden?
Nach heutigen Meldungen verdienten die sechs Spitzenmanager des Porsche-Konzerns im abgelaufenen Geschäftsjahr demnach insgesamt 112,7 Millionen Euro - im Jahr davor waren es 45,2 Millionen Euro. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dürfte Insidern zufolge den größeren Anteil der Rekordbezüge erhalten, gefolgt von Finanzchef Holger Härter. Porsche weigert sich nach einem entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung, die eigentlich vorgeschriebene individuelle Angabe der Vorstandsbezüge auszuweisen.
150 % mehr für die Porschevorstände mit durchschnittlich 19 Millionen Euro. Für deutsche Arbeitnehmer im Durchschnitt pro Nase nach Inflation ein Minus von 1,5 %. 690-mal mehr für die Vorstände auf ihren weichen Sesseln als für die Arbeitnehmer am Fließband. Das ist was unsere Bosse „soziale Marktwirtschaft" nennen und feiern, und viele parteiische Medien in Deutschland transportieren. Und dann wollen sie natürlich ihre exorbitanten Gehälter geheim halten, von wegen Gefahr von Neidgefühlen. Wir sollen sie wohl für arme Manager halten, auf die die imaginäre Managerkrankheit wartet (die Infarkte kommen am Fließband!).
Gedanken zur Zeit 501 28-11-07: Wer betreibt denn da perfide Enteignung?
Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete heute Inflation als eine "der perfidesten Formen der Enteignung der kleinen Sparer ohne Sachwerte". Hat sie vergessen, daß die deutsche Inflation in diesem Jahr nicht zuletzt durch die starke Mehrwertsteuererhöhung um gleich 3 % angeheizt wurde? Oder glaubt sie, die Wahlbürger hätten das vergessen?
Jedenfalls ist die Inflation in diesem Jahre zum ersten Mal erheblich höher als im Rest der Eurozone gestiegen (im letzten Jahr lag sie noch um 0,6 % darunter, siehe Abbildung), was die Schleifspur der regierungsamtlichen Enteignung zeigt. Der Handel holt sich inzwischen offensichtlich im Schatten der Energiepreissteigerungen und mit Schuldzuweisungen an China die 3 % von den Käufern zurück. Zu Beginn des Jahres wäre das noch mehr aufgefallen. Wenn sich die Bundeskanzlerin so äußern kann, zeigt das doch nur, wie alle auf die Vergeßlichkeit der Menschen spekulieren. Oder hat das Glashaus inzwischen Panzerglas?
Außerdem werden nicht nur die Sparer enteignet, sondern auch die meisten Arbeitnehmer und erst recht die Rentner, Sozialleistungsbezieher und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, deren Einkommen von der Bundesregierung eingefroren wurden. Die durchschnittlichen Tariflohnsteigerungen liegen in diesem Jahr bei 2,4 Prozent, ein reales Minus von 0,6 % (wenn die Inflation so hoch bleibt). Die Tarifbindung hat inzwischen Löcher wie ein schweizer Käse, so daß ein großer Teil der Arbeitnehmer nicht einmal auf die nominal 2,4 % kommen, ganz zu schweigen von Leiharbeiter, für die die Tarifverträge nicht gelten und geringfügig Entlohnte bis hinunter zu den 1-Euro-Jobbern. Es gibt dazu keine Übersicht, doch vermute ich, daß die nach Tarif Bezahlten inzwischen eine Minderheit der Arbeitnehmer sind und erst recht eine Minderheit in der Gesamtbevölkerung.
Gedanken zur Zeit 500 28-11-07: TAZ und andere linke Medien: Immer wieder die gleichen Denkfehler im Umgang mit China
In ihrem Kommentar von heute schreibt die TAZ ziemlich blauäugig und typisch für den Umgang vieler auf der deutschen linken Seite, von Flassbeck bis Nachdenkseiten: „ Aber den Kardinalfehler westlicher China-Politik kann man ihr [Fr. Merkel] nicht vorwerfen. Immerhin hat Merkel von Peking bisher nicht mit großen Worten eine Aufwertung des Yuans verlangt. ...nach dem falschen Motto: Chinas Exporte schaden unserem Wachstum. Chinas billige Exportpreise haben seit zehn Jahren wesentlich zur Deflation und makroökonomischen Stabilität im Westen beigetragen . . Nur Chinas potenziell riesiger Binnenmarkt kann für einen nachhaltigen Ausgleich der Handelsströme sorgen."
Daran ist leider so ziemlich alles falsch. Erstens sind Trichet und Junker (Vorsitzender der EU-Finanzministergruppe) auch für und im Auftrag der Bundesregierung beschwerdeführend nach China gereist. Zweitens schadet die aggressive chinesische Politik mit Dumping und Wechselkursmanipulation längst der Eurozone. Der britische Premierminister hat in dieser Woche von einer Million Jobs in der Industrie und einer viertel Million bei Dienstleistungen gesprochen, die allein im letzten Jahr aus Europa, USA und Japan nach Asien gewandert seien. Vor allem wären ohne diese Politik Chinas die deutschen Löhne längst nicht so unter Negativdruck geraten, was die TAZ natürlich an anderer Stelle, ohne den Zusammenhang zu sehen, beklagt. Drittens wird die angeblich preisdämpfende Wirkung der Billigimporte inzwischen selbst von der Bundesbank angezweifelt, weil China und andere Schwellenländer gleichzeitig durch die größere Nachfrage nach Energie, Rohstoffen und Nahrungsmitteln starke Preissteigerungen ausgelöst haben. Chinas riesiger Binnenmarkt kann sich nur entwickeln, wenn die Währungsmanipulation zugunsten des Exports aufhört. Da der Euro wegen dieser Manipulation auch gegenüber der chinesischen Währung weiter aufwertet (siehe Abbildung), hat übrigens Europa inzwischen die USA als Hauptziel der chinesischen Exportlawine abgelöst (siehe Abbildung), und die Druchdringung mit Chinaschnäppchen ist in Deutschland besonders stark (siehe Abbildung).
Ein bißchen mehr ökonomischen Sachverstand und weniger Ideologie sollte man der TAZ und anderen Linksmedien dringend wünschen. Wenn selbst Neoliberale inzwischen bei China weniger neoliberal werden und TAZ das kritisch sieht, stimmt etwas mit ihren Koordinaten nicht. Übrigens auch Heiner Flassbeck, der Vordenker dieser Richtung, legt da falsche Fährten. So hat er im Blog der FT Deutschland das Märchen verbreitet, der Dollar falle vor allem deshalb, weil Deutschland seinen Exportüberschuss massiv nach oben treibt. Europas Wirtschaftspolitiker hätten das leider nicht verstanden. Er hat sich dann im Blog von einem jüngeren Semester der Volkswirtschaft korrigieren lassen müssen, daß die großen Defizite der USA nicht mit Deutschland oder der Eurozone bestehen sondern mit Asien. Und dann kommt es natürlich auch noch bei Flassbeck als Vorwurf: "Man müsse intervenieren wie die Chinesen, sagen die einen. Man müsse die Chinesen disziplinieren, sagen die anderen." Beides hält er natürlich für falsch.
Wenn diese Linke unbedingt für China bluten will, soll sie es alleine tun, nicht aber anderen einreden wollen, daß dies allein der richtige Kurs sei und alle alten Industrieländer in ihrer Kritik an der chinesischen Wechselkursmanipulation im Unrecht seien. Auch scheinen diejenigen, die auf den Flassbeck-Leim gehen, immer wieder zu vergessen, daß er als Ober-Stratege der von China stark bestimmten Entwicklungsländerorganisation UNCTAD total Partei ist.
Uff, das mußte ich meinen "China-Freunden" von Links im Interesse der Wahrheit mal wieder zumuten! Es ist schlimm, wenn man BILD und TAZ gleichzeitig auf die Journalistenfinger gucken muß.
Gedanken zur Zeit 499 27-11-07: Verstaatlicht marode Banken, wenn sie denn nicht in die Pleite gehen dürfen
Der Bankensektor war mal überwiegend staatlich (in Deutschland und Frankreich ist er es immer noch teilweise). Nun stellt sich wieder die Frage einer teilweisen Verstaatlichung. Denn die Notenbanken und Steuerzahler sind derzeit aufgerufen, marode Banken mit Krediten über Wasser zu halten. Am Ende werden diese Banken ganz oder teilweise für einen Apfel und ein Ei von Großanlegern aufgekauft. Die Zentralbanken und Steuerzahler können dann in die Röhre gucken. So sieht es jetzt in Großbritannien mit der zweitgrößten Hypothekenbank Northern Rock aus. Da hat die Bank of England retten müssen, nachdem die Panik am Bankschalter losbrach und Ansteckungsgefahr entstand. Jetzt soll Northern Rock für ein Butterbrot verkauft werden. Viele in Großbritannien, auch die Financial Times, fordern statt dessen eine Verstaatlichung mit späterer Privatisierung zu normalen Preisen.
Überall sind die Notenbanken zu Geiseln von Spekulantenbanken geworden. Da sich Banken untereinander keine Kredite zu vertretbaren Bedingungen mehr einräumen, müssen die Notenbanken einspringen. Die Fed hat jetzt versprechen müssen, das Bankensystem über das Jahresende über Wasser zu halten. Auch eine neue Form von Verstaatlichung ist schon unterwegs, nämlich aus dem Ausland durch öffentliche Super-Heuschreckenfonds als Käufer. So steigt Abu Dhabi bei der angeschlagenen größten Bank der Welt, Citygroup, groß ein. Man kann natürlich die Banken, so sie zu marode sind, den Regierungen der Ölscheichs, aus China und Rußland ausliefern. Sauberer und weit mehr im öffentlichen Interesse wäre da eine normale zwischenzeitliche Verstaatlichung.
Gedanken zur Zeit 498 27-11-07: Nun stänkert BILD wegen Dalai-Lama auch noch gegen Frankreich
Es wird langsam komisch um den Dalai-Lama-Empfang durch die Bundeskanzlerin und die chinesischen Repressalien. BILD hat entdeckt: „Wer die Klappe hält, macht Kasse" und giftet unter Bezug auf diese Repressalien gegen den französischen Staatspräsidenten, weil er Aufträge in China für Frankreich eingesackt hat und angeblich dabei die Menschenrechte nur am Rande angesprochen haben soll. Nun hatte der Dalai-Lama Frankreich gar nicht besucht. Was soll dann die BILD-Ermahnung: „Auch den Franzosen muss klar sein: Stark ist Europa auf Dauer nur gemeinsam, geschlossen. Nur so können die Europäer der neuen Weltmacht China auf Augenhöhe begegnen."
Hat nicht auch die Bundeskanzlerin China mit großem Wirtschaftsaufgebot um chinesische Aufträge buhlend besucht? Und hat BILD übersehen, daß nicht Sarkozy die Kanzlerin sitzen läßt, sondern Teile der eigenen Regierung und nun auch der BDI, wenn dessen Chef Thumann einen „konstruktiven Dialog" mit China einfordert? Bei der Kanzlerin gibt es keine BILD-Kritik. Dagegen ist Sarkozy eine Dauerzielscheibe. Da ist BILD absolut parteiisch.
Übrigens hat sich kaum ein Land in der EU so für die chinesischen Billigimporte geöffnet wie Deutschland (siehe Abbildung), was aber China wenig zu beachten scheint.
Gedanken zur Zeit 497 27-11-07: China läßt seine Währungsmuskeln spielen
Nachdem die Chinesen die weitaus größten Währungsreserven der Welt aufgetürmt haben, geht ein Teil davon jetzt in einen Staatsfond, der sich im Ausland einkauft. So wurde schon eine Beteiligung an der weltgrößten Heuschrecke Blockstone erworben. Jetzt bieten die Chinesen nach Presseberichten 200 Milliarden Dollar für den drittgrößten Bergbaukonzern der Welt. Die Chinesen würden sich damit wichtige Rohstoffquellen sichern.
Eigentlich sollten die neoliberalen Importländer chinesischer Waren, wie die USA und die EU-Mitglieder langsam begreifen, was es bedeutet, die Defizite gegenüber China hochzufahren, die dort Devisenreserven zum weltweiten Einkauf werden. Auch Deutschland hat mit China stark steigende Handelsbilanzdefizite. Am Ende sitzt China auf vielen der immer knapper werdenden Rohstoffen. In Afrika und vielen Ländern bis Burma tun es die Chinesen ohne Rücksicht auf die politischen Verhältnisse und Menschenrechte schon längst.
Gedanken zur Zeit 496 25-11-07: Beim Blick über den nördlichen Tellerrand kann einem der kalte Kaffee hochkommen
Immer wieder fasziniert mich, wie die Skandinavier ihre Gesellschaft und Wirtschaft in Ordnung halten. Die Arbeitseinkommen steigen, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Bildung hoch, die Renten viel besser und Kinder gibt es 40 % mehr pro Frau. Das führt dann zu einer jüngeren Gesellschaft mit weniger Maulerei.
Wenn Sie den Blick riskieren wollen, hier gehts weiter.
Gedanken zur Zeit 495 24-11-07: Volksverdummung à la SPIEGEL: Schutz gegen den starken Euro?
Schon Bundesfinanzminister Steinbrück hatte daneben gegriffen, als er seine Liebe für den starken Euro erklärte - nicht ahnend, wie schwach der Dollar noch werden würde. Nun kommt der SPIEGEL mit besonders dummen und falschen Argumenten auf derselben Wellenlänge. Da heißt es unter der Schlagzeile „Abgesicherte Industrie, Strategien gegen den Eurokoller": „ Des einen Leid ist des anderen Freud: Die Kritik am schwachen Dollar und entsprechend starken Euro teilen längst nicht alle in Deutschland. Jetzt zeigt sich: Unternehmen, die zu Zeiten eines starken Dollars Kurssicherungsgeschäfte abschlossen und konsequent auch Produktionsstätten im Dollar-Raum aufbauten, sehen ihr Geschäft durch das derzeitige Euro-Kurshoch kaum beeinflusst."
Und weiter: „Der BDI betont, dass ja der Import von in Dollar bezahlten Vorprodukten und Rohstoffen billiger werde - dies gleiche die Auswirkungen des Euro-Hochs zum Teil wieder aus. 40 Prozent der deutschen Exporten basierten auf solchen Materialien, die zuvor in Dollar bezahlt wurden. Die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen hat in diesem Fall auch Vorteile. Einzig die Verbraucher in der Euro-Zone können sich über die Kursentwicklung des Euro freuen. Nicht nur USA-Reisen werden günstiger - der schwache Dollar dämpft auch den Preisanstieg beim Benzin."
An dieser Betrachtung ist so ziemlich alles falsch. Wechselkursabsicherung kann man nur für einen begrenzten Zeitraum betreiben. Bleibt der Dollar langfristig schwach, gibt es keine Absicherung. Natürlich hat auch Airbus die Wechselkursabsicherung betrieben. Verlagerung in den Dollarraum kann zwar einem Unternehmen helfen, nicht aber der deutschen Industrie insgesamt und schon gar nicht den deutschen Arbeitnehmern. Die Story mit der Verbilligung der Vorprodukte ist ebenso weit übertrieben, wie die von den günstigen USA-Reisen und den Benzinpreisen. Denn das wichtigste Vorprodukt ist nun mal Öl und dessen Preis steigt mit der Abschwächung des Dollars und noch viel stärker (siehe Abbildung), weil sich Ölproduzenten den schwachen Dollar natürlich nicht auf sich hängen lassen, andere Rohstoffproduzenten übrigens auch nicht. Und unter den 40 % Vorprodukten sind vor allem Halbwaren, die deutsche Automobilfabrikanten und andere in Osteuropa produzieren, wo die Währungen ebenfalls gegenüber dem Euro fallen. Schließlich, so viele USA-Reisen können die Deutschen gar nicht unternehmen, da müßten sie schon dorthin auswandern. Und die Autofahrer werden unter dem Strich keine Entlastung haben (siehe oben).
Wie dumm will man uns eigentlich noch machen?
Gedanken zur Zeit 494 23-11-07: Neue Richtung der Webseite: Globalisierung fällt nicht vom Himmel
Die Webseite entwickelt sich derzeit erfolgreich. Die täglichen Webseitenaufrufe liegen seit der Sommerpause bei etwa 3.000 von halbsovielen Besuchern. Die Gesamtzahl der Aufrufe seit März 2005 nähert sich immer schneller der 1-Million-Marke, die noch in diesem Jahr erreicht sein wird (siehe Abbildung). Ähnlich erfolgreich entwickelt sich der Besuch der Gedanken zur Zeit, die in diesen Zahlen mitenthalten sind; da ist der Seitenaufruf jetzt auf durchschnittlich über 600 pro Tag bei 430 Besuchern gestiegen (siehe Abbildung).
Dennoch muß die Zielrichtung ständig nachtariert werden, und Erfolg verpflichtet. Bisher sah die Webseite ihre Hauptaufgabe darin, über die Schäden und Gefahren aus der neoliberalen Globalisierung zu informieren. Immer wieder zeigen neue Umfragen - zuletzt von der BAT Stiftung für Zukunftsfragen (siehe Abbildung) - daß sich eine erdrückende Mehrheit der Deutschen inzwischen auf der Verliererseite sieht und sich nur magere 19 % zu den Gewinnern zählen. Die Menschen erleben am eigenen Leibe, was Globalisierung heute bedeutet. Ich werde trotzdem diese Aufgabe der Information nicht fallen lassen. Doch wenn die Menschen mehrheitlich begriffen haben sollten, wie ihnen die neoliberale Globalisierung schadet, so muß man sich fragen, warum ändert sich dann nichts? Schließlich ist Deutschland demokratisch verfaßt.
Auch darauf gibt die letzte Umfrage eine Antwort. Die Autoren der Studien verkünden auf ihrer Webseite: „Nur in einem sind sich alle Europäer einig: Der Prozess der Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten und schon gar nicht zurückzudrehen." Im Ergebnis haben die meisten Menschen resigniert und sich mit ihrem deprimierenden Zustand frustriert abgefunden. Was soll man sich aufregen, wenn man eh nichts dagegen tun kann? Doch diese Resignation kommt aus Unkenntnis der Mechanik, die zu dem leidvollen Zustand führt.
Dabei wird die Unkenntnis von zwei Seiten geschürt. Erstens aus der Politik mit Hilfe von Medien und Wirtschaftswissenschaftlern und natürlich den großen neoliberalen Denkfabriken, wie der Bertelsmann Stiftung und viele andere. Die Ohnmacht ist genau das, was die Politiker, die selbst die Globalisierung immer weiter anheizen und sich dennoch als ohnmächtig erklären, offensichtlich den Bürgern erfolgreich eingeredet haben. Andererseits gibt es noch viele Informationsquellen selbst unter gesellschaftskritischen Medien (wie Albrecht Müller mit seinen Nachdenkseiten), die die Globalisierung als „alten Hut" verkaufen, mit dem man immer schon fertig werden mußte. Kein Grund zu besonderer Aufregung also nach dieser Betrachtung. Der Wettbewerb aus China wird der Beruhigung halber als nicht mehr als ein neues Japan verkauft. Auch das fördert selbstschädigende Resignation.
Ich werde mich deshalb in Zukunft, auch mit Hilfe meines Insiderwissens, mehr bemühen, die Mechaniken offenzulegen, die die neoliberale Globalisierung tagtäglich vorantreiben. Erwarten Sie keine Geheimnisse, aber eine solide Information. Dem ist auch das letzte Kapitel von „Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme" gewidmet.
Gedanken zur Zeit 493 23-11-07: Willkommen im Bärenklub
Die Bären, die bekanntlich die wirtschaftliche Zukunft skeptisch zu sehen pflegen, vermehren sich derzeit ungewöhnlich. Jetzt hat der von mir sehr geschätzte Robert von Heusinger, der vor kurzem die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Rundschau übernommen hat, in seinem ZEIT-Blog Herdentrieb geschrieben: "Die Löhne müssten steigen, die Jobsicherheit sowieso und die Menschen müssten optimistisch nach vorne schauen, den Geldbeutel locker sitzen haben und so zur großen Stütze für 2008 avancieren. Wirklich? Ich gestehe, auch ich habe bislang immer so argumentiert (MEHR JOBS = MEHR KONSUM), bin allerdings schon vorsichtiger geworden (DAS HAAR IN DER SUPPE). Und inzwischen bin ich zum Bären mutiert, sprich auf der Linie von Herrn Jahnke gelandet, der im Blog schon öfters auf die zu rosarote Brille hingewiesen hat, mit der wir auf den Verbrauch gesetzt haben." Und dann hat Heusinger noch auf diese Grafik hingewiesen.
Und dann gibt es auch noch diese steuerbedingten Vorzieheffekte in der Statistik, die die deutsche Wirtschaftszukunft belasten. Da war das letzte Jahr gleich in doppelter Hinsicht erheblich verschönt. Einmal beim Inlandsumsatz wegen der für dieses Jahr drohenden Mehrwertsteuererhöhung, wie sich besonders in der künstlich aufgebesserten Nachfrage privater Haushalte im 4. Quartal 2006 gezeigt hat. Dann aber auch mit dem Auslaufen der Eigenheimzulage zu Beginn dieses Jahres, was der Baukonjunktur noch einmal einen Stoß gegeben hat, der nun aber abrupt abklingt. Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts lag das Volumen der Wohnbaugenehmigungen nun in den ersten drei Quartalen um fast ein Drittel unter dem des Vorjahres, nach Herausrechnen des Preiseffekts sogar um mehr als 36 % (siehe Abbildung).
Da gibt es in diesem Jahr zu allem Überfluß noch einen dritten künstlichen Vorzieheffekt bei den Anlageninvestitionen, der in die Statistik positiv hineinhaut, dann aber das große Loch für nächstes Jahr programmiert. Im nächsten Jahr verschlechtern sich nämlich mit der Steuerreform die Abschreibungsmöglichkeiten. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat errechnet, wer in diesem Jahr eine Million Euro investiert, kommt um 90.000 Euro besser weg als bei einer gleich großen Investition im Jahr 2008. Das ist seiner Meinung nach „mit ein Grund für den derzeitigen Boom". Es spräche einiges dafür, daß die Investitionen im kommenden Jahr an Dynamik verlören. Nun war das Ergebnis der gesamten Wirtschaftsleistung im 3. Quartal sehr stark von den Anlageninvestitionen getragen. Mehr als 23 % des gesamten Zuwachses an Wirtschaftsleistung gegenüber Vorjahr war darauf zurückzuführen.
Wie wird es dann im nächsten Jahr aussehen, wenn alle diese Vorzieheffekte verbraucht sind und sich die Löcher zeigen? Und wie, bitte-schön, soll man da vom Bären zum Bullen mutieren können?
Gedanken zur Zeit 492 22-11-07: Verdrehte Quartalszahlen und ein bequemer Wirtschaftsjournalismus
Das Statistische Bundesamt hat mit seiner heutigen Meldung der Detailwerte der deutschen Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2007 eine irreführende Fährte ausgelegt. Zu eigenem Nachforschen zu bequeme Journalisten haben sich einfach draufgesetzt und irreführend nachgebetet. Vielleicht auch - und das wäre noch schlimmer - absichtsvoll, um die im Durchschnitt real ärmer werdende Arbeitnehmerschaft in die Kaufhäuser zu treiben. Hier zunächst ein Auszug aus der Originalmeldung: „Im Vorquartalsvergleich kamen die Wachstumsimpulse im dritten Quartal 2007 aus dem Inland: Saison- und kalenderbereinigt verzeichneten die privaten Konsumausgaben gegenüber dem Vorquartal ein Plus von 0,5%." Erst weiter unten und von unseren Wirtschaftsjournalisten wohl nicht mehr zur Kenntnis genommen kommt dann mit dem Vorjahresvergleich die Gegenmusik: „.. waren die privaten Konsumausgaben - im Unterschied zum Vorquartalsvergleich - leicht rückläufig (- 0,1%)".
Was machen nun unsere Journalisten daraus. SPIEGEL: "WACHSTUMSWENDE - Robuster Konsum treibt deutsche Konjunktur" und dazu ein Photos eines vollen Kaufhauses. Handelsblatt: "Bau und Konsum schoben Wirtschaft im dritten Quartal an". Frankfurter Rundschau: "Dank Investitionen von Firmen am Standort Deutschland und des anziehenden privaten Konsums beschleunigte sich das Wachstum im dritten Quartal 2007." Und hier noch die etwas vorsichtigere FAZ: "Gestützt wurde das Wirtschaftswachstum demnach außerdem von einer moderaten Zunahme der privaten Konsumausgaben." Viele Online-Zeitungen vermeiden allerdings jeden Kommentar, wohl weil sie die Detailwerte nicht für besonders interessant halten. Doch gerade hieraus hätten alle die Entwicklung der Nettolöhne pro Arbeitnehmer mit einem kaufpreisbereinigten Minus von 1,4 % errechnen können, wenn sie sich die Arbeit gemacht hätten (siehe Abbildung). Das hätte sie dann erst recht mißtrauisch gegenüber einem Kaufboom machen müssen.
Wenn man berücksichtigt, daß das wegen der MWSt-Vorzugseffekte ungewöhnlich schwache 1. Quartal 2007 zu Nachholeffekten im 2. und 3. Quartal führen mußte, so kann man daraus beim besten Willen in längerfristiger Betrachtung keinen Boom ablesen. Der reale Zuwachs der letzten 4 Quartale gegenüber den vorangegangenen 4 Quartalen beträgt jedenfalls nur 0,4 %.
Hier eine ausführlichere Darstellung mit Schaubildern.
Gedanken zur Zeit 491 22-11-07: Noch zwei Kapitel für Dummies
Auf Wunsch von Besuchern der speziellen Dummies-Webseite, die bisher schon fast siebentausendmal aufgschlagen wurde, sind nun noch zwei weitere Kapitel dazugekommen. Sie sind besonders wichtig, weil sie die neoliberale Mechanik dokumentieren: Kapitel 11: "Bildung neoliberal - nur noch für Kinder von Besserverdienern?" und Kapitel 12: "Die neoliberale Angstgesellschaft: Angst macht gefügig".
Wenn Sie sich über den rasanten Produktionsrhytmus wundern sollten. Er geht nicht zu Lasten der Qualität, weil ich auf den reichen Fundus der Webseiten zurückgreifen kann. Fast alle Abbildungen existieren bereits oder müssen höchstens auf den neuesten Stand gebracht werden. Viel Spaß bei der Lektüre!
Gedanken zur Zeit 490 21-11-07: Musikalische Stühle: Bei wem stoppt die traurige Dollarmusik?
Der Dollar hat nun gegenüber dem Euro seit Beginn letzten Jahres um 20 % abgewertet, davon allein 12 % in den letzten drei Monaten (siehe Abbildung), und er fällt weiter. Da muß man langsam fragen, wer keinen Stuhl mehr findet, wenn die Musik plötzlich stoppt. Chinesen und Japaner werten ebenfalls gegenüber dem Euro ab und schieben so die Anpassunglast nach Europa. Die Ölländer tun dies auch, indem sie sich durch Anhebung des Ölpreises überproportional sanieren (siehe Abbildung).
Der deutsche Michel sieht seine Exportfelle wegschwimmen, aber die schlechte Verbraucherkonjunktur bietet erst recht keinen Schutz. Und mit 74 Cents täglicher Absenkung der durchschnittlichen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung wird daran - entgegen den schon komischen Erwartungen der Kanzlerin - nichts zu ändern sein, zumal der Durchschnittsbetrag durch die Besserverdiener noch künstlich nach oben gezogen wird. Verreisen und von einer starken Währung profitieren ist auch keine Lösung mehr, da die meisten Reiseziele zum Eurobereich gehören.
Kein Wunder dann, daß die Deutschen trotz aller Schalmeienklänge aus der Politk die neoliberale Globalisierung nicht mehr mögen. Nach einer neuen Umfrage rechnet nicht einmal jeder fünfte Deutsche mit positiven Auswirkungen, während es im Durchschnitt der europäischen Länder noch jeder Dritte ist (siehe Abbildung).
Wenn die Musik wirklich stoppen sollte, werden wir es schwer haben, noch auf einen Stuhl zu kommen. Für mehr siehe hier.
Gedanken zur Zeit 489 21-11-07: China-Konkurrenz von Deutschland weiter aufgerüstet
Das einzige, was China noch in seinem Arsenal an Exportwaffen - neben Lohn-, Umwelt, Währungs-, Steuer- und Subventionsdumping - fehlt, ist ein besseres Berufsbildungssystem. Das soll sich nun mit deutscher Hilfe ändern. Zurzeit reist eine Delegation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch Asien, um dort für das deutsche Modell zur beruflichen Aus- und Weiterbildung zu werben. Erster Stopp der Tour war China. Die berufliche Ausbildung genießt hier noch viel zuwenig Ansehen. Das soll sich nun mit deutscher Hilfe ändern. In Peking wurde die dritte deutsch-chinesische Bildungsbörse eröffnet. „Training made in Germany" soll ein neuer Exportschlager werden.
Man kann seinen gefährlichsten Konkurrenten auf den Weltmärkten kaum besser aufrüsten. Wahrscheinlich läuft das dann auch noch unter Entwicklungshilfe. Nach Marx verkaufen die Kapitalisten den Strick zum Aufhängen. Die Deutschen haben eine modernere und weniger ideologische Form der Selbstbeschädigung gefunden. Wenn das ein Schlager werden soll, dann jedenfalls nicht zu unseren Gunsten.
Gedanken zur Zeit 488 20-11-07: Frankreich verstehen
In diesen Tagen schütteln wieder viele Deutsche indigniert den Kopf, wenn sie von den vielen Streiks in Frankreich hören, wo sie doch schon von dem einen in Deutschland die Nase gründlich voll haben und sich wenig darum scheren, daß ein deutscher Lokomotivführer, 40 Jahre alt, 2 Kinder, 17 Jahre Berufserfahrung netto pro Monat nur 1,988 Euro verdient (sein französischer Kollege 2.770 Euro und sein schweizer gar 4.985 Euro). Typisch die Berichterstattung im SPIEGEL: "Frankreich versinkt im Chaos: Streiks in Kliniken und Schulen, Hunderte Kilometer Staus rund um Paris, Flüge und Züge gestrichen: Protestaktionen gegen Reformpläne von Präsident Sarkozy legen Frankreich lahm."
Gerade selbst aus Frankreich zurück möchte ich Ihnen nur mal eben kurz vier Schaubilder anbieten. Alle sprechen sie für sich. Das (erste) zeigt die Entwicklung der Tariflöhne in Deutschland und Frankreich inflationsbereinigt, das (zweite) die Entwicklung der Nachfrage der privaten Haushalte, das (dritte) die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes und das (letzte) die der Geburtenrate.
Neoliberale in Frankreich wollen Deutschland kopieren. Doch normale Franzosen wollen nicht auf das deutsche Niveau absteigen. Warum sollten sie auch?
Gedanken zur Zeit 487 20-11-07: Nun endlich merkt es auch Fr. Merkel, merkt sie es wirklich? Die 74 Cents-Konjunkturrakete
Frau Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft unter Anspielung auf die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung: „Und es bedeutet für einen Durchschnittsverdiener eine Entlastung von 270 Euro im Jahr. Denn wir wissen, unser Wirtschaftswachstum gründet sich auf zwei Säulen: Einmal die Exportwirtschaft, aber natürlich auch die Nachfrage im Lande, den Binnenkonsum. Gerade diese zweite Säule müssen wir im nächsten Jahr stärken, wenn die außenwirtschaftlichen Bedingungen zum Teil auch komplizierter werden. Deshalb ist es ein gutes Signal für den Start in das Jahr 2008, wenn wir den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sagen können: Durch die Senkung der Lohnzusatzkosten wird jeder Einzelne mehr im Portemonnaie haben. Das wirkt sich insgesamt auf das Wachstum aus .. "
Und dieselbe am 13. November vor dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels: „Wenn wir über die Frage sprechen, wie es dem Einzelhandel geht, dann muss natürlich gesagt werden, dass Sie davon abhängig sind, dass wir Konsumenten in unserem Lande haben, die in der Lage sind, Geld auszugeben, um damit den Umsatz des Einzelhandels zu erhöhen. Aus diesem Grunde nehmen wir das Ziel, die Lohnzusatzkosten auf unter 40 Prozent zu senken, sehr ernst. Damit ergeben sich auch neue Spielräume für Konsum. Aber ich weiß auch eines: Der Aufschwung kann sich sehr schnell wieder eintrüben, die Dinge sind noch nicht gefestigt."
Hat sie nun wirklich und endlich eine Politik für den Konsum eingeleitet? Kann mit 270 Euro - das sind pro Tag 74 Cents - wirklich der Konsum angekurbelt und Deutschland aus seiner extremen Exportabhängigkeit befreit werden? Doch gleichzeitig hat die Bundesregierung mit der starken Erhöhung der Mehrwertsteuer in diesem Jahr auf die Konsumenten eingeschlagen - und der Schlag ist noch zu spüren -, hält sie die Sozialleistungen, die Renten und die Bezüge im öffentlichen Dienst weitestgehend eingefroren der Inflation ausgeliefert, tut sie bisher nichts gegen stark steigende Preise der Energieversorger. Und dann steigen auch noch die Preise für Mineralöl und wichtige Nachrungsmittel um ein Vielfaches der 74 Cents. Bei 2,45 % amtlicher Inflation im Oktober (die gespürte ist weit höher) gegenüber nur 1,1 % Jahr davor errechnet sich ein realer Kaufpreisverlust allein schon aus der Differenz, der Frau Merkels 74 Cents fast total auffrißt (65 Cents bei einem durchschnittlichen Nettolohn).
Daraus ergibt sich dann nur eine Frage: Auf welcher Wolke sitzt die Bundesregierung eigentlich, wenn sie mit 74 Cents das Startsignal für einen Konsumentenboom in 2008 geben will?
Gedanken zur Zeit 486 20-11-07: Frauen verschieben das Kinderkriegen massiv nach hinten
Während die die deutsche Geburtenrate nun ganz am Ende des internationalen Vergleichsfeldes (siehe Abbildung) liegt, zeigt sich auch die Wirkung einer Verlagerung des Kinderkriegens in ein höheres Alter. Zwischen 2001 und 2006 hat eine solche Verlagerung massiv stattgefunden (siehe Abbildung). Da dann auch die Fruchtbarkeit natürlich zurückgeht, kann das Ergebnis kaum überraschen.
Das letzte Kapitel 10 von „Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme" setzt sich unter dem Titel „Raum ohne Volk - Die neoliberale Kindervermeidungsgesellschaft" mit den Folgen auseinander.
Gedanken zur Zeit 485 19-11-07: Warum verspielen wir unsere Zukunft?
Kinder sind die Zukunft der Gesellschaft. Doch diese Zukunft sieht nach dem heute veröffentlichten Kinderreport Deutschland 2007 des Kinderhilfswerks, mit dem die Entwicklung seit 1965 nachgezeichnet wird, schlimm aus. Vor 42 Jahren war nur jedes 75. Kind unter sieben Jahren zeitweise oder dauerhaft auf Sozialhilfe angewiesen, 2006 war es jedes sechste Kind. Die materielle Armut von Kindern hat sich damit etwa alle zehn Jahre verdoppelt. Die Zahl der armen Kinder ist innerhalb von 40 Jahren um das 16-fache gestiegen.
Besonders ungünstig haben sich die Hartz- IV-Gesetze vor knapp drei Jahren auf die Situation der Kinder ausgewirkt: Die Zahl der auf Sozialhilfe angewiesenen Jungen und Mädchen hat sich dadurch auf mehr als 2,5 Millionen verdoppelt. Laut Report gelten nun schon 14 Prozent aller Kinder offiziell als arm. Schätzungsweise 5,9 Millionen leben in Haushalten mit einem Jahreseinkommen der Eltern von bis zu 15.300 Euro - das sind rund ein Drittel aller kindergeldberechtigten Kinder.
Sozial benachteiligte Kinder ernähren sich ungesünder, bewegen sich weniger, bleiben immer häufiger in isolierten Wohnvierteln unter sich, ohne gute Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten und ausreichend soziale Unterstützung. Gerade die vielfach fehlenden Bildungschancen sind ein Problem, das "Armutskarrieren" programmiert. Schon jedes dritte Kind wies bei seiner Einschulung 2004 therapiepflichtige Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf. Jedes vierte Schulkind hat die Schule "ohne Beherrschung des Mindestmaßes an Kulturtechnik" verlassen, die selbst Hilfsarbeiten voraussetzen - mit stark steigender Tendenz. Deutschland nimmt dem Bericht zufolge wegen seiner Familien- und Bildungsverarmung im Kreis der Industrienationen eine negative Spitzenstellung ein. Auch der amtliche Familienbericht von 2006 zeigt das. Danach machten die öffentlichen Ausgaben für Familien in Deutschland 1,9 Prozent des Buttoinlandsprodukts, im EU-Durchschnitt dagegen 2,1 Prozent aus (siehe Abbildung).
Kein Land kann seine Zukunft schneller verspielen!
Gedanken zur Zeit 484 01-11-07: Bitte helfen Sie mir, die VWL noch besser zu machen!
Die „Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme" ist bis heute schon mehr als 5.200-mal nachgeschlagen worden. Das allein sagt zwar etwas über das Interesse, aber wenig zur Beurteilung der Qualität. Einige wenige Zuschriften haben mich erreicht - zu wenige, um ein Urteil zu erlauben. Doch wenn etwas am Ende in den Druck gehen und kein Flopp werden soll, muß alles stimmen. Auch dieses Buch werde ich nur zum Selbstkostenpreis im Eigenverlag oder ohne Autorenhonorar bei einem Fremdverlag verlegen lassen. Umso mehr muß es nach all der hineingesteckten Arbeit ein Erfolg werden.
Deshalb noch einmal die Bitte: Lassen Sie mich wissen, was zu schwer verständlich ist, was fehlt, was zu penetrant dargestellt wird und was Sie einfach für Blödsinn halten. Die VWL liegt nun komplett vor. Sie können sie auch im pdf-Format leicht herunterladen und auch ausdrucken, auch wenn die farblichen Darstellungen der Schaubilder bei schwarz-weißem Druck manchmal nicht voll zu verstehen sein werden, weil man Kurven oder Balken dann nicht zuordnen kann.
Über jede Zuschrift werde ich mich freuen. Ich werde auch ein eigenes Fach in der Kommentarseite dafür aufmachen, wo Ihre Meinungen (anonym) festgehalten werden. Vielen Dank!
Gedanken zur Zeit 483 18-11-07: BILD und die deutschen Arbeitnehmerinteressen
BILD - obwohl zum allergrößten Teil von seit Jahren unterbezahlten deutschen Arbeitnehmern gelesen - macht immer wieder Front gegen deren Interessen. So war es beim Mindestlohn der Postbediensteten, wo das BILD-Gewicht die CDU/CSU erdrückte. So war es bei den Forderungen nach Steuersenkungen, die am Ende hauptsächlich die Besserverdiener bevorteilen. So ist es auch beim Umgang mit dem Streikrecht.
Da greift nun der Chefredakteur persönlich zur Kommentarfeder. „Schell darf nicht siegen!" heißt es schon martialisch in der Überschrift. Danach kommen nur noch BILD-typische Holzhammerargumente für Dumme. Kein Wort von der miserablen Bezahlung der Lokführer. Kein Wort, daß es auch in anderen Wirtschaftssparten, wie bei den Fluggesellschaften, eigene Tarifverträge für besondere Berufsgruppen gibt. Kein Wort zu Sturheit der an die Börse strebenden DB-Leitung, die nur deshalb unbeweglich bleibt. Kein Wort, daß der Streik von den Gerichten auch auf die Verhältnismäßigkeit hin geprüft wurde.
Dafür aber Primitiv-Sätze wie diese: „Um sich zum Abschluss seiner Gewerkschafter-Karriere noch ein Helden-Denkmal zu setzen, geht er [Schell] aufs Ganze." „ er nimmt für die Interessen einer Mini-Gruppe ein ganzes Land gefangen. Damit verstößt er massiv gegen das Gebot der Verhältnismäßigkeit" [will sich BILD an die Stelle der Justiz stellen?]. „ sein Erfolg wäre eine Niederlage für die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland" [seit wann sorgt sich BILD um die Gewerkschaftsbewegung?]. „setzt Schell sich durch, würde sein Versagen der vergangenen Jahre auch noch belohnt" [was sollen solche Angriffe zur Person?].
Gedanken zur Zeit 482 17-11-07: Dieses war der letzte Streich
Heute nun habe ich den letzten Stein in die Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme eingefügt: 7. Armer Staat gleich arme Bürger - Steuern und die Umverteilung nach oben. Alles zusammen sind es auf 117 Seiten in 9 Kapiteln die nach meiner Meinung besonders wichtigen Einblicke in die neoliberale Globalisierung und ihre Folgen, alles auf dem aktuellsten Stand dieses Jahres. Damit ist zugleich die Triologie aus "Deutschland global" (2005), Falsch globalisiert (2006) und "Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme - Die falschen Versprechen neoliberaler Globalisierer" (2007) zu Ende gebracht.
Als nächstes werde ich versuchen, einen Verlag dafür zu finden, notfalls einen Eigenverlag. Dann wird es handlicher und die Grafiken kommen in der nötigen Schärfe und werden an schwarz-weiß angepaßt sein, was ich für das Internet wegen des Zeitaufwandes vermeide. Lassen Sie mich bitte wissen, falls Sie zu diesem Thema etwas Aktuelleres und zugleich auf das Wesentliche Konzentriertes auf dem deutschen Büchermarkt finden.
Das Fazit aus dem Steuerkapitel ist ein doppeltes: (1) Die deutsche Steuerbelastung ist im internationalen Vergleich niedrig, aber mit einem armen Staat werden wir alle ärmer. Ein steuerarmer Staat bedeutet, daß die einen, und das sind vor allem die Wohlhabenden und Besserverdiener weniger Steuern zahlen, und dafür die anderen, und das ist die Mehrheit, weniger und schlechtere Leistungen des Staates erhalten. (2) Es sind nicht die Reichen und Spitzenverdiener, die den Löwenanteil der Steuerzeche bezahlen und damit, wie immer wieder fälschlich behauptet wird, das soziale Netz in erster Linie alimentieren.
Gedanken zur Zeit 481 17-11-07: Wer spielt hier verrückt: das Klima oder die Menschheit?
140 Regierungen im UN Klimarat haben das Ergebnis der Wissenschaftler akzeptieren müssen: Der Klimawandel ist sehr wahrscheinlich auf die Verfeuerung fossiler Brennstoffe zurückzuführen. Katastrophale Folgen drohen, wenn sich die Atmosphäre um mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Rund 0,7 Grad sind schon erreicht. Die Erderwärmung ist nicht mehr zu stoppen - sondern allenfalls zu bremsen. Dafür haben wir noch ein enges zeitliches Fenster von 10 bis 15 Jahren. Der wahrscheinliche Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 liegt je nach Szenario zwischen 1,8 und 4 Grad Celsius, möglicherweise aber auch bis zu 6,4 Grad. Sehr wahrscheinlich ist ein Anstieg des Meeresspiegels um 28 bis 43 Zentimeter. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wird im Sommer das Eis in der Arktis verschwunden sein. Hitzewellen werden demnach wahrscheinlich in Zukunft häufiger auftreten, genauso tropische Stürme häufiger Verwüstungen anrichten. Hier läuft die Menschheit mit dem Klima Amok. Wenn die Politiker die Analyse nun endlich akzeptiert haben, aber doch ausreichende Gegenmaßnahmen vermeiden, handeln sie schlicht kriminell.
Deutschland muß sich besonders an die Brust fassen. Es ist das einzige Land, wo der Gasfuß die volle Freiheit auf den Autobahnen hat. Die Pkw-Flotten französischer und italienischer Hersteller stoßen einer Studie des Umweltverbands T & E zufolge im Schnitt deutlich weniger Kohlendioxid aus als jene von Daimler und Konsorten. Im Jahr 2006 ist der durchschnittliche Kohlendioxidausstoß deutscher Neuwagen laut Bericht des Umweltverbandes T & E um 0,6 Prozent auf 173 Gramm pro Kilometer angestiegen; dagegen hätten französische und italienische Hersteller die CO2-Emissionen ihrer Neuwagen um 1,6 Prozent auf durchschnittlich 144 Gramm pro Kilometer gesenkt. Die japanischen Autobauer erzielten im vergangenen Jahr sogar eine Verminderung um 2,8 Prozent auf jetzt noch 161 Gramm pro Kilometer. Und deutsche Kraftwerke stoßen mehr CO2 aus als die der europäischen Nachbarn. Deutschland liegt innerhalb von Europa vorn sowohl bei der absoluten Menge an CO2-Emissionen als auch bei den Top Ten der klimaschädlichsten Kraftwerke. Die zwei größten CO2-Schleudern der Alten Welt stehen im nordrhein-westfälischen Niederaußem und dem brandenburgischen Jänschwalde. Hier lädt die deutsche Politik schwere Verantwortung auf sich. Es reicht nicht aus, als G7-Gastgeber vom Klima zu reden.
Gedanken zur Zeit 480 17-11-07:
Eine Welt in Angst Gestern bin ich von einem längeren Aufenthalt aus Frankreich zurückgekommen. Jeden Tag lief mehrmals im staatliche Fernsehen ein 3-Minuten-Flash über den Umfang an
klinisch relevanten Depressionen in Frankreich. Es gibt ihn auch auf dem Internet hier. Der Flash beginnt mit einer traurigen, selbst schon depremierenden Ansage:
„Il existe une maladie qui touche plus de 3 millions de personnes en France, une maladie qui peut vous empêcher de parler, de rire, de manger, de travailler, de dormir ou de vous lever le
matin, une maladie qui peut vous empêcher de vivre, cette maladie, c'est la dépression." Auf Deutsch: „Es gibt eine Krankheit, an der mehr als drei Millionen Menschen in Frankreich
erkranken. Eine Krankheit die Euch hindert zu sprechen, zu lachen, zu essen, zu arbeiten, zu schlafen oder morgens aufzustehen. Eine Krankheit, die Euch hindert zu leben. Diese Krankheit ist die
Depression." Nun bin ich in ein wunderschönes Land zurückgekehrt, nämlich Nordirland, und hier ist die Rede von 20 % der Bevölkerung in Depression oder Angst, was natürlich
eine wesentlich breitere Basis als die klinisch relevante Depression ist. In Deutschland erkranken etwa 20 % der Menschen mindestens einmal im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Experten
schätzen, daß derzeit etwa 5 % der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Depression leiden. Das wären etwa 4 Millionen - ein Wert wie in Frankreich. Die Krankheit
tritt am häufigsten im jungen Erwachsenen- und im mittleren Lebensalter auf. Frauen sind öfter betroffen als Männer. Nach einer vergleichenden Studie von 2004 befindet sich Deutschland
im Mittelfeld nach den Niederlanden, Schweden, Spanien, Luxemburg, Belgien und Österreich, allerdings mit einem Wert, der wie bei allen untersuchten EU-Ländern relativ weit verbreitete
„spychische Bedrängnis" oder auf Englisch formuliert "psychological distress" andeutet, eine Mischung aus Depression und Angst (siehe Abbildung). Natürlich gibt es für diesen
traurigen Zustand viele Gründe. Einer ist in meiner Einschätzung der Verlust an Zukunftsoptimismus, vor allem in den jüngeren und mittleren Jahrgängen, wo er immer besonders stark
vorhanden war. Das fängt bei diesem verdammten Finanzkapitalismus an, der nicht mehr ausreichend in die Zukunft der Menschen investiert, sondern riesige Vermögenswerte immer wieder im
Finanzkasino versenkt, wie jetzt gerade wieder, weil er sie lieber eifersüchtig für die Wohlhabenden reserviert und dann verpielt als die Einkommensverhältnisse sozial verträglich
zu machen. Nach den Gesetzen der neoliberalen Liberalisierung werden gute Fabriken mit ihren Arbeitskräfte in einem Land abgewrakt nur, weil man in einem
anderen die Menschen noch ein bißchen besser ausbeuten kann. Euphemistisch wird das dann „kreative Zerstörung" genannt. In Deutschland hat sich seit etwa 1992 - wenig nach dem
Fall der Berliner Mauer - eine gewaltige Investitionslücke aufgetan mit einem wesentlichen langsameren Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen (+11 % bis 2. Quartal 07) gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt insgesamt
(+23 %, siehe Abbildung). Die USA haben die niedrigste Nettoinvestitionsquote seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Wie soll man sich da bitte eine Zukunft ohne weit verbreitete Angst und Depression vorstellen?
Gedanken zur Zeit 479 15-11-07:
Die Angst des Weihnachtsmannes vor dem Heiligabend Um es gleich zu sagen, hier ist vom deutschen Weihnachtsmann die Rede. Seine Angst ist, nichts im Sack zu haben, wenn er bescheren soll. Die
Deutschen sparen jetzt auch bei der Bescherung und das gleich in doppelter weihnachtsmannschädigender Form. Sie senken die geplanten Ausgaben für Geschenke um rund 4 % gegenüber dem
Vorjahr weiter ab und sind mit dieser Rate die im internationalen Vergleich ausgabenängstlichste Nation, neben den Niederlanden. Und sie setzen vorwiegend auf Bargeld, das
Weihnachtsmänner bekanntlich nicht in ihrem Sack herumtragen können. Die Weihnachtsfreude im Ausgeben wird diesmal in Deutschland bei der Mehrheit der Bevölkerung besonders von
steigenden Preisen und der Befürchtung sinkender Einkommen ausgebremst. Mehr dazu im heutigen Rundbrief.
Gedanken zur Zeit 478 13-11-07:
Ist Sarkozy nur ein böser Protektionist? Vor dem EU-Parlament forderte der französische Staatspräsident - treu seiner seit langer Zeit vertretenen Linie - einen besseren Schutz der
Bürger vor den Auswirkungen der Globalisierung und Sozialdumping. Um in der Globalisierung zu bestehen, müsse die Gemeinschaft Vorrang haben, verlangte der Staatschef: Europa will keinen
Protektionismus, aber wir dürfen nicht die einzigen sein, die die Konkurrenz zu einer Religion machen. Wenn die anderen Regionen sich gegen Dumping verteidigten, könne Europa dies nicht
einfach hinnehmen. Er mahnte deshalb wirksame Mechanismen an, um vor unlautererem Wettbewerb und Sozialdumping zu schützen. Europa müsse das Recht haben, einen Teil der öffentlichen
Aufträge für europäische Mittelstandsunternehmen zu reservieren, wie dies in anderen Ländern der Fall sei. Sarkozy zufolge sollen diese Fragen zu den Schwerpunkten des
französischen EU-Vorsitzes in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres gehören. Neben den wirtschaftlichen Interessen will Sarkozy auch die europäische Identität
stärken: Die Globalisierung habe die europäischen Bevölkerungen in eine tiefe Identitätskrise gezogen, sagte er. Europa darf deswegen nicht als eine Bedrohung empfunden werden,
sondern als Schutz. Mit einer neuen Grundsatzdebatte sollten alle EU-Länder zusammen das Gesicht und das Ausmaß des Europa von morgen skizzieren, sagte Sarkozy Dazu gehöre auch eine
Debatte über die europäische Identität und die nationalen Identitäten. Bei einem Treffen mit den Fraktionschefs in Straßburg bekräftigte Sarkozy nach Angaben von
Abgeordneten auch seine ablehnende Haltung zu einem EU-Beitritt der Türkei. Der konservative Präsident forderte außerdem eine gemeinsame EU-Einwanderungspolitik. Europa müsse in
der Lage sein, die Einwanderungsströme zu kontrollieren, sagte er. Auch dies sei eine Voraussetzung dafür, dass die Bürger sich wieder mit Europa versöhnten. Was machen nun die
deutschen Medien aus dieser wahrlich längst bekannten Haltung. Hier als Beispiel der SPIEGEL. Da heißt es in der Einleitung: "Zu Hause unter Druck, entdeckt Frankreichs Präsident
Sarkozy der Europapolitik für sich. Er warnt vor den Folgen der Globalisierung, geißelt zu viel Liberalismus und will die europäische Wirtschaft besser schützen - notfalls durch
mehr Protektionismus." Was soll eigentlich eine solche Präsentation? Da ist keine neue Entdeckung von Europapolitik, nichts Neues gar unter innenpolitischem Druck und statt pauschalem
Protektionismus, wie der SPIEGEL meint, eine klare Begründung für den Schutzbedarf der Menschen in Europa, die sich mehrheitlich der neoliberalen Globalisierung ausgeliefert fühlen. Ein
bißchen mehr Intelligenz täte dem SPIEGEL gut. Von einem legitimen Dumpingschutz scheint dort nichts bekannt zu sein. Offensichtlich verstehen viele deutsche Medien nicht mehr vom Nachbarn
Frankreich als von China.
Gedanken zur Zeit 477 13-11-07: Wie man das 500-fache Gehalt für den Chef rechtfertigt: Die Chefs und die Neidhammel
Linde-Chef Wolfgang Reitzle in BILD auf die Frage, ob wir mehr soziale Gerechtigkeit brauchen: "Das Problem ist, wir haben ein völlig falsches Verständnis von Gerechtigkeit. Für viele ist Gleichheit gerecht und Ungleichheit ist automatisch ungerecht. Das ist einfach falsch. Wer mehr leistet, der sollte belohnt werden, indem er mehr verdient. Das ist doch auch ein Ansporn für uns alle."
Und auf die Frage, ob die Starken bei uns genug leisten: "Eindeutig ja. Gerade mal 10 Prozent der Arbeitnehmer zahlen 50 Prozent der Einkommenssteuer. Die Leistungsträger stützen dieses Land und ermöglichen das soziale Netz erst. Manager, auch ich, arbeiten auf Lohnsteuerkarte und zahlen den höchsten Steuersatz."
Und auf die Frage, ob es denn gerecht ist, daß ein Vorstandschef 500-mal mehr verdient als ein normaler Arbeiter: "Es ist dann gerecht, wenn der Chef auch die entsprechende Leistung bringt. Ich stehe im harten internationalen Wettbewerb und kann bereits mit wenigen Entscheidungen Milliarden Euro für den Konzern verdienen, aber auch versenken. Diese große Verantwortung für das Unternehmen und die Mitarbeiter hat einen Wert und wird entsprechend honoriert. Wenn sie [die Chefs] die Leistung bringen, verdienen sie nicht zu viel."
Und auf die Frage, ob wir ein Volk von Neidhammeln sind: "Manchmal ja, leider. Dabei haben wir das gar nicht nötig. Ich habe den Eindruck, dass viele bei uns nach dem Motto leben: Wenn es mir nicht gut geht, dann darf es dem Nachbarn nicht besser gehen."
Hier ist es wieder, das unselige Neidargument, mit dem sich die Besserverdiener ungeniert bedienen. Diese Verteidigungslinie der Selbstbediener gibt es nur in Deutschland. Wer kann denn wirklich mit der Einbildung des Herrn Reizle behaupten, daß die Entscheidungen der deutschen Chefs die hohen Gehälter rechtfertigen? Weil sie gerade Milliarden in minderwertigen Hypotheken versenkt haben? Und wenn es gut geht, ist es wirklich nur Dank der einmalig qualifizierten Entscheidung des Chefs, die er möglicherweise ausgewürfelt hat? Wenn deutsche Chefs in den letzten Jahren gute Gewinne gemacht haben, war es weiß Gott nicht in erster Linie Dank ihrer einmaligen Qualifikation, sondern Dank der hervorragenden Entwicklung der Auslandsmärkte für deutsche Waren, zu der diese Chefs ganz und gar nichts beigetragen haben, oder Dank der erzwungenen Lohnverzichte der Arbeitnehmer, die ein deutsches Lohndumping auf wichtigen Auslandsmärkten, z.B. in der Eurozone, ermöglicht haben. So wird ein Schuh draus. Herrn Reizle und anderen Chefs stände etwas mehr Bescheidenheit gut an, auch gelengentlich ein Arbeitslosen- oder Rentnerdasein. Dann würden sie nicht mehr von Neidhammeln schwatzen.
Bei den Steuerzahlern vergißt Reitzle übrigens die vielen kleinen Steuerzahler bei all den Verbrauchssteuern, die einen viel höheren Anteil ihres kleinen Einkommens dafür berappen als Reizle von seinem Arbeitseinkommen als Einkommenssteuer.
Gedanken zur Zeit 476 13-11-07: Koalitionsrunde: Mindestlohn als Dumpinglohn? Ältere Arbeitslose weiter diskriminiert
Die CDU/CSU will nun auf einmal einen Mindestlohn in der Postbranche, der mit 8 Euro unter dem vereinbarten Tariflohn liegen und diesen damit unterlaufen soll. So soll den Konkurrenten der Post ein Lohndumping ermöglicht werden. Gleichzeitig wird das Briefmonopol der Post zum 1. Januar aufgehoben, obwohl die meisten anderen EU-Länder ihres noch beibehalten. Neoliberaler geht es eigentlich nicht.
Dabei läuft die CDU/CSU vor dem Karren der Interessenten, zu denen der Springer-Verlag mit der zu ihm gehörenden PIN-Gruppe zählt. Die Beschäftigten der PIN-Gruppe dürften vom Springerkonzern ähnlich abgespeist werden wie die der TNT Post, die ihren Angestellten einen Hungerlohn zwischen 400 und 800 Euro bei einem Vollzeitjob bezahlt.
Bei den älteren Arbeitslosen soll es nur eine kleine Rolle rückwärts geben. Die meisten werden trotz längerer Beitragszeiten weiter mit Hartz diskriminiert. Arbeitslosengeld 1 soll es erst für die über 50-Jährigen und dann nur für 18 Monate geben, also nicht die 24 Monate von ante Hartz IV. Erst wenn man das gesegnete Alter von 58 Jahren erreicht hat, sind es wieder die 24 Monate. Allerdings droht für diese Personengruppe ab Ende des Jahres wieder Zwangsverrentung mit einem Rentenabschlag von 18 Prozent, falls man sich nicht noch auf eine soziale Abfederung einigt. Für viele Menschen lohnt es sich nicht, in Deutschland alt zu werden.
Gedanken zur Zeit 475 03-11-07:
4.000 Dummies und jetzt Kapitel 8: Neoliberal wirtschaften wir unsere Umwelt kaputt Die Volkswirtschaftslehre für Nicht-ganz-Dumme wurde bereits mehr als 4.000 nachgeschlagen. Heute ist nun das
Kapitel zur Umwelt dazugekommen. Hier das Fazit für Dummies: Die Neoliberalen wirtschaften unsere Umwelt kaputt, und uns mit ihr. Von allen Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung ist dies
wahrscheinlich die schlimmste und gefährlichste. Wenn die Erde uns nicht abwerfen soll, müssen wir Vernunft annehmen, so wir noch solche haben. Von den vorgesehenen neun Kapitel fehlt nun
nur noch das mit dem Titel: "Steuern und die Umverteilung nach oben". Demnächst in diesem Theater! Zusammen werden es ungefähr 120 Seiten sein, die meine Denke zu wichtigen
Verständnisfeldern der neoliberalen Globalisierung zusammenfassen.
Gedanken zur Zeit 475 13-11-07:
Wer hat Angst vor dem gelben Mann? In amerikanischen Unternehmenszentralen hat das große Nachdenken begonnen. Das nach Aktienmarktbewertung größte Unternehmen der Welt ist jetzt
chinesisch. Unter den zehn größten sind fünf chinesische, aber nur drei amerikanische. Auch in der bisher von sich selbst total überzeugten deutschen Maschinenbaubranche hat das
Nachdenken eingesetzt. Eine Studie des Verbandes Maschinen- und Anlagenbau prophezeit deutschen Herstellern Schwierigkeiten mit der aufholenden chinesischen Konkurrenz. Wetten, demnächst wird sich die
deutsche Automibilindustrie mit ähnlichen Sorgen melden? Es ist nicht mehr nur der chinesische Vorteil der Billigstlöhne. China wird nun auch noch zur "Wissensfabrik". Die Spin-offs der
chinesischen Spitzenuniversitäten sind zu einer wesentlichen Innovationsquelle geworden. Hier hat es die deutsche Industrie mit etwa 4.500 Wissensfabriken zu tun, die zur Hälfte in
High-Tech-Sektoren arbeiten und Umsätze im Milliarden-Dollar-Bereich erzielen. Aufwachen China-Freunde! Der Verband bemängelt zurecht, daß es in Deutschland sowohl in staatlichen
Institutionen, in der öffentlichen Meinung als auch oft in den Unternehmen an China-Kompetenz mangelt. Ich fürchte, auch in einigen linken Medien. Originalton des Verbandes: "Wir müssen die Entwicklung in China sehr genau analysieren, damit wir
nicht eines Tages von Importen aus China überrollt werden." Sollte das geschehen, werden sich unsere etwas naiven China-Freunde melden, und das als ein Stück Entwicklungshilfe für das arme China feiern.
Gedanken zur Zeit 473 11-11-07:
Kein Ende der Geschichte Und hier geht es zum Anfang von Gedanken zur Zeit Teil 1





















