Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 05/03/2009 09:37 -



Frauen werden im Berufsleben in Deutschland erheblich benachteiligt, und meist mehr als in vielen anderen Vergleichs-Ländern. Das gilt vor allem für die Lohndiskriminierung, den Beschäftigungsanteil (besonders von Frauen mit Kindern), die Nachteile von Teilzeit- und Zeitarbeit, die vergleichsweise schlechte Situation im Alter und die Rolle in den Führungsetagen der Unternehmen. Das ist das Ergebnis neuer Daten von Eurostat und der OECD. Hier die Ergebnisse im einzelnen:

1. Lohndiskriminierung

Der Gender Pay Gap, das heißt der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen, lag in Deutschland mit 23,2% auch im Jahr 2008 deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union (18,0%). Wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März mitteilt, wiesen von den 15 Ländern der Alt-EU lediglich Österreich (25,5%) und die Niederlande (letzter Wert 2007: 23,6%) einen gegenüber Deutschland höheren geschlechtsspezifischen Verdienstabstand auf. Der deutsche Wert ist sogar von 22,0 % in 2005 auf 23,2 % in 2008 noch angestiegen (Abb. 14100, 14411).



2. Bildungsdiskriminierung

Der alte Spruch von Bertrand Russel „Bilde die Mutter und Du bildest die ganze Familie" hat immer noch Gültigkeit. Bei der Schuldbildung haben allerdings die deutschen Frauen, nicht zuletzt im Zeichen der 1-Kind-Familien und der verstärkten Förderung durch die Eltern, nicht nur gut aufgeholt, sondern übertreffen inzwischen mit der Zahl der Abgänger mit Hochschulreife die Männer bereits um etwa ein Viertel. Allerdings waren im letztgemeldeten Wintersemester 2007/2008 unter den eingetragenen Studenten nur 47 % Frauen bei 53 % Männer (Abb. 14147). Akademisch ausgebildete Frauen der Altersgruppe 25 bis 64 Jahre waren 2007 nur zu 80 % berufstätig, gegenüber 88 % bei den Männern. Im internationalen Vergleich reicht das nur für den 10. Platz unter 17 Ländern (Abb. 14148).



3. Beschäftigungsdiskriminierung

Der Beschäftigungsanteil der deutschen Frauen liegt mit 65,4 % im internationalen Mittelfeld (Abb. 12398). Doch ist der Abstand zu den Männern mit 75,9 % in Deutschland erheblich. Der Anteil befristeter Verträge bei den Frauen als Arbeitnehmer liegt mit 14,6 % ebenfalls im internationalen Mittelfeld (12394). Frauen leiden in Deutschland besonders unter dem vergleichsweise geringen Angebot an professioneller Kinderbetreuung für Kleinkinder (Abb. 14151).




4. Soziale Diskriminierung im Alter

Daß Frauen bei vergleichsweise diskriminierend kleinerem Arbeitseinkommen und wegen der Kinderaufzucht unterbrochener Berufslaufbahnen am Ende auch diskriminierend viel geringere Renten kassieren, kann mangels in Deutschland nicht vorhandener Mindestrenten nicht überraschen. Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag von Rentenzugängen in 2008 betrug bei Frauen 468 Euro gegenüber Männern 822 Euro oder drei Viertel mehr bei Männern. Besonders schlecht sind die dran, die im Alter auf Grundsicherung von der Sozialhilfe angewiesen sind. Das waren 2008 doppelt so viele Frauen wie Männer (Abb. 14146).


5. Führungspositionen

Unter solchen Umständen sollte auch nicht überraschen, daß der Anteil der Frauen in Führungsetagen der Wirtschaft für Deutschland erst bei 11 % liegt, was ebenfalls dem Mittelfeld internationaler Vergleiche entspricht (Abb. 12397).


6. Fazit

Das ganze ist immer noch ein Trauerspiel. Die Diskriminierung der Frauen in Deutschland erklärt viele der Probleme, von der geringen Kinderzahl bis zu vielen zerrütteten Ehen. Eine besonders deprimierende Erkenntnis besagt: Sobald Paare Kinder bekommen, passen immer noch in erster Linie die Frauen ihre Arbeitssituation dem neuen Familienleben an. Beim Karrieremachen hecheln sie dann den männlichen Kollegen hoffnungslos abgeschlagen hinterher. Dazu paßt auch, daß verheiratete Frauen schlechter bezahlt werden als Singles. Mit mehr Kindergartenplätzen allein läßt sich das sicher nicht reparieren. Hier werden im Schutz eines neoliberalen Wirtschaftssystems mit abnehmender sozialer Komponente die Frauen als die schwächeren Teile der Gesellschaft ausgebeutet.

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