Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 20/02/2007 09:37 -
Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)
Exportländer können sich auf verschiedene Weisen und in entsprechend unterschiedlicher Intensität von der Weltwirtschaft abhängig machen. Sie können entweder eine unschlagbare Exportpalette haben, von ungewöhnlich günstiger Entwicklung der realen Wechselkurse profitieren oder einfach das Glück haben, daß sich die Importländer derzeit wirtschaftlich gut entwickeln. Letztere Abhängigkeit ist besonders riskant - sie gilt für Deutschland. Deutsche Bank Global-Markets-Research ist der Frage nachgegangen, wem die deutschen Exporterfolge zu verdanken sind und welche Risiken sich damit verbinden. Dabei stützt sich die Analyse auf die Studie von S. Danninger und Fred Joutz, "What Explains Germany's Rebounding Export Market Share?", IMF Working Paper, Februar 2007 . Danach waren lediglich 4% des Exportzuwachses 2000 bis 2005 auf die Abwertung des realen Wechselkurses zurückzuführen (Abb. 12240). Ebenso spielte entgegen gängigen Vermutungen die Konzentration auf die Investitionsgüterproduktion keine Rolle, denn deren Anteil am deutschen Export ist eher gefallen (Abb. 13250), während der der Konsumgüter gestiegen ist.


In erster Linie war die Ausweitung der deutschen Marktanteile dagegen zu 35% auf die Verlagerung von Produktionsaktivitäten ins Ausland (Offshoring) und zu weiteren 25% auf eine regionale Spezialisierung auf Handelspartner mit einem raschen Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Deutschland hat wegen der bisher noch geringeren Lohnstückkosten in Ost- und Südosteuropa besonders vom Offshoring profitiert (Abb. 13252).

Aufgrund der Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland führte das kräftige Exportwachstum bei Endprodukten allerdings zu einem starken Anstieg der Importe von Vorprodukten, so dass der Außenbeitrag nur einen moderaten Wachstumsbeitrag leistete und das Wachstum des privaten Konsums und der Investitionen infolge der Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland gedämpft wurden (Abb. 13251).

Im vergangenen Jahr erholte sich das Wachstum deutlich und gab Anlass zu der Hoffnung, dass die Wirtschaft ihre lange Schwächeperiode überwunden hat. Deutsche Bank Global-Markets-Research fragt dann, wie begründet diese Hoffnung ist. Die Regionalisierung des Produktionsprozesses zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Exportsektor hat auch die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von Entwicklungen im Ausland erhöht. Anders ausgedrückt: Deutschlands Konjunktur hängt in höherem Grade von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Möglicherweise ist die im vergangenen Jahr offen zutage getretene Präferenz deutscher Unternehmen für Zeitarbeiter auch auf das Gefühl zurückzuführen, dass diese höhere Abhängigkeit zu einer stärkeren Volatilität führen kann und daher eine höhere Flexibilität erfordert. Wegen der gestiegenen Abhängigkeit lässt sich nach Deutsche Bank der Schluss ziehen, dass aufgrund der stärkeren internationalen Verflechtung Deutschlands Konjunktur so lange robust bleiben dürfte, wie die Weltwirtschaft kräftig wächst. Sie könnte sich jedoch rasch abschwächen, wenn sich das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt.
Dabei hat Deutsche Bank nicht einmal die besondere Abhängigkeit vom Konsumgüterexport berücksichtigt. Der aber befindet sich bereits seit August letzten Jahres deutlich im Abwärtstrend (Abb. 13254).

Wie stark Deutschland vom Export insgesamt abhängt, zeigt die Aufteilung des Zuwachses zum BIP 2006: die immer noch relativ schwache Nachfrage deutscher Haushalte konnte nur 17 % beitragen, der Exportsaldo dagegen 29 % (Abb. 13253). Dabei ist noch wichtig, daß auch die Investitionen mit 38 % derzeit erheblich exportangetrieben sind. Für eine längere Zeitreihe siehe Abb. 13249.


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