Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 27/12/2008 09:37 -
Wenn wir heute eine Lehre aus der beginnenden schweren Krise ziehen müssen, dann die, daß uns die Exportlobby der großen deutschen Unternehmen mit ihren Regierungsverbindungen auf einen seit vielen Jahren einsam falschen Wirtschaftskurs geführt hat. Der von der Lobby vorgeführte und von Politik und Medien gefeierte Exportweltmeister wird als einer der ganz großen Verlierer aus dieser vorprogrammierten Krise hervorgehen.
Vier deutsche Industriesektoren mit ihren mächtigen Verbänden, nämlich Automobilindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie, sowie die Verbände des Importhandels haben sich seit Jahren lautstark zu Gehör gebracht und im Export Deutschlands Schicksal beschrieben. Die Unternehmen haben teilweise die Politik mit Spenden finanziert und einige haben sogar Betriebsräte gekauft oder ihre eigenen Gewerkschaften hochgezogen. Denn ohne eine gewaltige Operation der Lohndrosselung wäre soviel Export kombiniert mit immer höheren Profiten nicht möglich gewesen. Die Qualität und Produktspezialisierung allein hätte das nicht geschafft.
Und so haben sich die Arbeitseinkommen kaufpreisbereinigt seit Jahren weit schlechter entwickelt als das Bruttoinlandsprodukt insgesamt, und ebenso die daran gekoppelten Sozialrenten (Abb. 14610). Deutschland hatte die bei Weitem schlechteste Entwicklung der Arbeitseinkommen in der Alt-AU (Abb. 12990).


Dafür entwickelten sich die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen prächtig, wobei diese Einkommen praktisch den gesamten Produktivitätsfortschritt der Volkswirtschaft für sich vereinnahmten (Abb. 04054). Die deutschen Unternehmen steigerten so ihre Profite am zweitstärksten unter den Alt-EU-Ländern (Abb. 12531).


Doch diese Entwicklung zugunsten der Exporte und der Unternehmensprofite belastete nicht nur die Arbeitnehmer erheblich. Sie bedeute aus zwei Gründen einen erheblichen Effizienzverlust für die Volkswirtschaft insgesamt. Einerseits entwickelte sich der Konsum der privaten Haushalte mangels Massenkaufkraft negativ (Abb. 14010) und rutschte ans Ende der Alt-EU (Abb. 12998). Damit fiel die wichtigste Komponente für die Entwicklung der Binnenkonjunktur aus. Denn die Nachfrage privater Haushalte stellt nicht weniger als 57 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts. An der Binnenwirtschaft hängen mehr als 78 % der deutschen Beschäftigung, am Export weniger als 22 % (Abb. 04960).



Deutschland geriet so unter die drei letzten Länder der Alt-EU in der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (Abb. 13408). Gleichzeitig blieb Deutschland das Schlußlicht in der Langzeitarbeitslosigkeit (Abb. 04022).


Andererseits wurde eine gewaltige Abhängkeit vom Export und der aus Deutschland nicht zu beeinflussenden Wirtschaftsentwicklung in den Abnehmerländern geschaffen (Abb. 14109). Sie ist weit größer als bei allen anderen größeren Vergleichsländern (Abb. 13560).


Das Institut für Weltwirtschaft Kiel erwartet jetzt für den deutschen Export in 2009 ein Minus von fast 9 %. Das entspräche je nach der Entwicklung der Vorproduktimporte bis zu 4 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts und damit einem gewaltigen Aderlaß an Wirtschaftskraft. Tatsächlich ist der Trend des deutschen Exportvolumens bereits deutlich nach unten gerichtet und im Oktober bereits im Minusbereich (Abb. 14119). Überall in der Alt-EU, vor allem in Deutschland, sind die Aufträge im Oktober meist zweistellig gegenüber Vorjahr gefallen (Abb. 04732).


Die gewaltigen Leistungsbilanzüberschüsse in den fünf Jahren 2004 bis 2008 betrugen kumuliert etwa 710 Mrd Euro und gingen so der Binnenwirtschaft verloren. Das ist erheblich mehr als alle deutschen Nettolöhne und -gehälter des vergangenen Jahres von 623 Mrd Euro. Anders ausgedrückt: ohne diese Überschüsse hätten die deutschen Löhne und Gehälter fast um ein Viertel höher ausfallen können, wenn die Wirtschaftsleistung nicht nach draußen, sondern nach innen gelenkt worden wäre. Ein großer Teil dieser Leistungsunterschüsse dürfte nun in der Krise verloren gehen: von Verlusten auf den internationalen Finanzmärkten, bis zu Verlusten an Forderungen gegen bankrotte ausländische Schuldner, bis zu Währungsverlusten, indem deutsche Auslandsguthaben und Portofolioanlagen durch Abwertung dortiger Währungen an Wert verlieren.
Nie wieder darf der Exportschwanz mit der deutschen Volkswirtschaft wedeln dürfen.
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