Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 03/05/2008 09:37 -
Das Infoportal zeigte bisher den Europatest ohne Text mit 13 Schaubildern, die nun schon 17.000-mal aufgerufen wurden (hier). Diese besondere Fassung bringt parallel etwas Text dazu, um das Verständnis zu erleichtet, und auch einige weitere Schaubilder (insgesamt 19). Der Vergleich findet mit den 14 anderen Ländern der Alt-EU statt, da die Situation der Beitrittslämder in Osteuropa noch nicht vergleichbar ist. Bei einigen Vergleichen werden andere westliche Länder, wie die USA einbezogen. Eine noch bessere Erläuterung der Zusammenhänge finden Sie in meinem neuen Buch hier
Zunächst ein zusammenfassender Überblick im Vergleich der 15 Alt-EU-Länder (Abb. 13407).

1. Löhne und Gehälter
Die deutschen Löhne und Gehälter haben sich auf der Basis der Eurostatdaten seit dem Jahr 2000 weit schlechter entwickelt als die aller anderer Vergleichsländer. Das Wegdriften nach unten ist besonders seit 2004 sehr ausgeprägt (Abb. 12990).

Auch nach den Daten des Statistischen Bundesamt hat Deutschland im 3. Quartal 2007 gegen Vorjahr mit nominal nur 0,7 % den bei weitem niedrigsten Anstieg der Stunden-Arbeitskosten in der EU verzeichnet (Abb. 13369). Der EU-Durchschnitt lag bei 3,7 %, der Eurozonen-Durchschnitt bei 2,5 %. Ebenso ist Deutschland für den gesamten Zeitraum seit dem Jahr 2000 Schlußlicht in der Entwicklung der Arbeitskosten gewesen (Abb. 13444).


Um die Arbeitsentgelte zwischen Ländern in ihrem 2007 erreichten Stand zu vergleichen, muß man sie an den jeweiligen Bruttoinlandsprodukten messen. Unter vergleichbaren Ländern der Alt-EU und Schweiz rangiert Deutschland auf Platz 9 unter 14 und wird nur noch von Östereich, Finnland, Spanien, Italien und Griechenland unterboten, wobei die meisten dieser Länder zur südeuropäischen Zone mit vergleichsweise schwachen Sozialsystemen gehören; Luxemburg und Irland sind Hochlohnländer, aber wegen der hohen Anteile ihrer Bankensektoren mit Auslandskapital am BIP nicht vergleichbar (Abb. 14115).

Zu allem Überfluß ist Deutschland auch noch Europameister in der Lohndiskriminierung der Frauen (Abb. 14100, 14411).


2. Nachfrage privater Haushalte und Einzelhandelsumsatz
Bei der Nachfrage privater Haushalte hat Deutschland schon seit 2001 keine Aufwärtsentwicklung mehr und ist seit 2004 einsam am Ende des Vergleichsfeldes (Abb. 12998). Bei der ungünstigen Entwicklung der Arbeitseinkommen sollte das nicht verwundern.

Ähnlich hat sich der Einzelhandelsumsatz entwickelt. Hier geht es seit 2006 nach unten oder in die Horizontale am Ende des Feldes (Abb. 12922).

Die Produktionsindizes des Baugewerbes spiegeln diese Situatione ebenfalls wider. Hier liegt Deutschland auf den vorletzten Platz (Abb. 13494).

3. Außenhandel
Beim Export hat Deutschland die Spitzenposition erreicht. Schon 2004 war es zum ersten Mal so weit (Abb. 15001). Angesicht der besonders geringen Entwicklung der Arbeitskosten ist das eigentlich kein Wunder.

Die Handelsbilanz der Eurozone zeigt die deutsche Sonderolle sehr deutlich. Ohne Deutschland wäre sie erheblich negativ (Abb. 13371).

4. Unternehmensgewinne
Bei der besonders ungünstigen Entwicklung der deutschen Löhne und Gehälter kann es nicht überraschen, daß die deutschen Netto-Unternehmensgewinne als Teil des Bruttoinlandsprodukts aller Wirtschaftsleistungen seit 2004 an die Spitze gerückt sind (Abb. 12531).

Die deutschen Unternehmen haben die Verlagerung in die Niedriglohnländer Osteuropas besser als die der übrigen Eurozone genutzt.
5. Arbeitslosigkeit
Die Langzeitarbeitslosigkeit ist in Deutschland seit 2005 die höchste aller Vergleichsländer (dies trotz vieler Manipulationen an der Statistik), was mit der schlechten Verbraucherkonjunktur zusammenhängt (Abb. 12999).

Bei der Arbeitslosigkeit insgesamt liegt Deutschland am Ende des unteren Mittelfeldes (Abb. 04068).

6. Bildung
Das deutsche Bildungssystem, besonders in der Grundstufe, ist eindeutig unterfinanziert verglichen mit fast allen Vergleichsländern (Abb. 13092).

Die unteren sozialen Schichten sind besonders stark benachteiligt (Abb. 13090, 13317).


Das gilt auch für Kinder mit Immigrantenhintergrund (Abb. 13320, 13319).


Bei der Hochschulabschlußquote rangiert Deutschland am Ende (Abb. 13001).

7. Ausgaben für die soziale Sicherheit
Berücksichtigt man bei den Ausgaben für die soziale Sicherheit, daß Deutschland eine besonders stark alternde Bevölkerung hat und daher relativ mehr für die soziale Sicherheit ausgeben sollte, und stellt dementsprechend auf die Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung ab 30 Jahre ab, so fällt Deutschland auf einen sehr enttäuschenden 11. Platz ab und hat nur noch das europäische „Armenhaus" mit Italien, Spanien, Griechenland und Portugal unter sich (Abb. 13419). Dänemark und Schweden führen nach Luxemburg das Feld an.

Deutschland hat den geringsten Zuwachs der Ausgaben für die soziale Sicherheit im Zeitraum 2000 – 2005, obwohl hier die Bevölkerung schneller altert als bei den anderen Alt-EU-Ländern (Abb. 13416).


In Deutschland sind vor allem die Arbeitgeberbeiträge vermindert worden, angeblich für mehr Beschäftigung wahrscheinlich aber, um die deutsche Konkurrenzfähigkeit im Export weiter zu stärken, und dies offensichtlich mit wenig Rücksicht auf die Zukunft der sozialen Sicherheit. Allein zwischen 2000 und 2005 verminderte sich der Arbeitgeberbeitrag um 7 %, während die Anteitgeberanträge aller anderen, teilweise erheblich, zulegten (Abb. 13430).

8. Renten
Beim Renteneinkommen gemessen am letzten Arbeitseinkommen liegt Deutschland so ziemlich am Ende des Feldes (Abb. 12916). Das gilt besonders für die kleineren Arbeitseinkommen, weil es keine Mindestrenten gibt.

9. Demographie
Die Fruchtbarkeitsrate gemessen in Kindern pro Frau ist die niedrigste (Abb. 04047).


Der Anteil derer unter 30 Jahren an der Gesamtbevölkerung ist der kleinste (Abb. 12353).

Die Ausstattung mit Kindergartenplätzen ist besonders schlecht, und zwar auf dem 17. von 20 Plätzen (Abb. 12952).

10. Wirtschaftsentwicklung Bruttoinlandsprodukt
Nicht überraschend hat Deutschland seit dem Jahr 2000 die drittschlechteste Wirtschaftsentwicklung verzeichnet (Abb. 13408). Das Wachstum war nur halb so groß wie im Durchschnitt der anderen Alt-EU-Länder (Abb. 13409).


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