Das Infoportal zeigte bisher den Europatest ohne Text mit 13 Schaubildern, die nun schon 17.000-mal aufgerufen wurden (hier). Diese besondere Fassung bringt parallel etwas Text dazu, um das Verständnis zu erleichtet, und auch einige weitere Schaubilder (insgesamt 20). Der Vergleich findet mit den 14 anderen Ländern der Alt-EU statt, da die Situation der Beitrittslämder in Osteuropa noch nicht vergleichbar ist. Bei einigen Vergleichen werden andere westliche Länder, wie die USA einbezogen.
Zunächst ein zusammenfassender Überblick im Vergleich der 15 Alt-EU-Länder (Abb. 13407).

Die deutschen Löhne und Gehälter haben sich auf der Basis der Eurostatdaten seit dem Jahr 2000 weit schlechter entwickelt als die aller anderer Vergleichsländer. Das Wegdriften nach unten ist besonders seit 2004 sehr ausgeprägt (Abb. 12990).

Auch nach den Daten des Statistischen Bundesamt hat Deutschland im 3. Quartal 2007 gegen Vorjahr mit nominal nur 0,7 % den bei weitem niedrigsten Anstieg der Stunden-Arbeitskosten in der EU verzeichnet (Abb. 13369). Der EU-Durchschnitt lag bei 3,7 %, der Eurozonen-Durchschnitt bei 2,5 %. Ebenso ist Deutschland für den gesamten Zeitraum seit dem Jahr 2000 Schlußlicht in der Entwicklung der Arbeitskosten gewesen (Abb. 13444).


Um die Arbeitsentgelte zwischen Ländern in ihrem 2007 erreichten Stand zu vergleichen, muß man sie an den jeweiligen Bruttoinlandsprodukten messen. Unter vergleichbaren Ländern der Alt-EU und Schweiz rangiert Deutschland auf Platz 9 unter 14 und wird nur noch von Östereich, Finnland, Spanien, Italien und Griechenland unterboten, wobei die meisten dieser Länder zur südeuropäischen Zone mit vergleichsweise schwachen Sozialsystemen gehören; Luxemburg und Irland sind Hochlohnländer, aber wegen der hohen Anteile ihrer Bankensektoren mit Auslandskapital am BIP nicht vergleichbar (Abb. 14115).

Zu allem Überfluß ist Deutschland auch noch Europameister in der Lohndiskriminierung der Frauen (Abb. 14100, 14411).


Bei der Nachfrage privater Haushalte hat Deutschland schon seit 2001 keine Aufwärtsentwicklung mehr und ist seit 2004 einsam am Ende des Vergleichsfeldes (Abb. 12998). Bei der ungünstigen Entwicklung der Arbeitseinkommen sollte das nicht verwundern.

Ähnlich hat sich der Einzelhandelsumsatz entwickelt. Hier geht es seit 2006 nach unten oder in die Horizontale am Ende des Feldes (Abb. 12922).

Die Produktionsindizes des Baugewerbes spiegeln diese Situatione ebenfalls wider. Hier liegt Deutschland auf den vorletzten Platz (Abb. 13494).

Beim Export hat Deutschland die Spitzenposition erreicht. Schon 2004 war es zum ersten Mal so weit (Abb. 15001). Angesicht der besonders geringen Entwicklung der Arbeitskosten ist das eigentlich kein Wunder.

Die Handelsbilanz der Eurozone zeigt die deutsche Sonderolle sehr deutlich. Ohne Deutschland wäre sie erheblich negativ (Abb. 13371).

Bei der besonders ungünstigen Entwicklung der deutschen Löhne und Gehälter kann es nicht überraschen, daß die deutschen Netto-Unternehmensgewinne als Teil des Bruttoinlandsprodukts aller Wirtschaftsleistungen seit 2004 an die Spitze gerückt sind (Abb. 12531).

Die deutschen Unternehmen haben die Verlagerung in die Niedriglohnländer Osteuropas besser als die der übrigen Eurozone genutzt.
Die Langzeitarbeitslosigkeit ist in Deutschland seit 2005 die höchste aller Vergleichsländer (dies trotz vieler Manipulationen an der Statistik), was mit der schlechten Verbraucherkonjunktur zusammenhängt (Abb. 12999).

Bei der Arbeitslosigkeit insgesamt liegt Deutschland am Ende des unteren Mittelfeldes (Abb. 04068).

Das deutsche Bildungssystem, besonders in der Grundstufe, ist eindeutig unterfinanziert verglichen mit fast allen Vergleichsländern (Abb. 13528, 13529, 13092).



Die unteren sozialen Schichten sind besonders stark benachteiligt (Abb. 13090, 13317).


Das gilt auch für Kinder mit Immigrantenhintergrund (Abb. 13320, 13319).


Bei der Hochschulabschlußquote rangiert Deutschland am Ende (Abb. 13001).

Beim Renteneinkommen gemessen am letzten Arbeitseinkommen liegt Deutschland so ziemlich am Ende des Feldes (Abb. 12916). Das gilt besonders für die kleineren Arbeitseinkommen, weil es keine Mindestrenten gibt.

Die Fruchtbarkeitsrate gemessen in Kindern pro Frau ist die niedrigste (Abb. 04047).


Der Anteil derer unter 30 Jahren an der Gesamtbevölkerung ist der kleinste (Abb. 12353).

Die Ausstattung mit Kindergartenplätzen ist besonders schlecht, und zwar auf dem 17. von 20 Plätzen (Abb. 12952).

Nicht überraschend hat Deutschland seit dem Jahr 2000 die drittschlechteste Wirtschaftsentwicklung verzeichnet (Abb. 13408). Das Wachstum war nur halb so groß wie im Durchschnitt der anderen Alt-EU-Länder (Abb. 13409).

