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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 05/07/2007 09:37 -

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Der Ölpreis steigt dramatisch (Abb. 07198), getrieben von wachsender Nachfrage aus Schwellenländern, wie vor allem China (Abb. 08145), und der Spekulation. Der Ölpreis treibt auch die Nahrungsmittelpreise dramatisch hoch.



Das geschieht auf dreierlei Weise. Erstens verteuert sich der Einsatz von Öl als in der Landwirtschaft notwendiger Kraftstoff und Vorprodukt für Düngemittel. Zweitens wird immer mehr Landwirtschaftsfläche in die Produktion von Vorprodukten für Biokraftstoffe umgewidmet, vor allem in USA, und drittens tritt auch hier die Spekulation an den Rohstoffbörsen und mit von den Banken aufgelegten Spekulationsfonds an. Außerdem spielen ungünstige klimatische Effekte eine Rolle.

Die Produktion von Bio-Sprit steigt weltweit (Abb. 07252). Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur soll in diesem Jahr schon mehr als die Hälfte der Treibstoffe aus Nicht-Opec-Quellen von Biospritproduktion kommen (Abb. 07260). Vor allem die USA, wo schon rund ein Drittel der Äcker für die Biospritproduktion benutzt werden, treiben diese Entwicklung im Interesse der heimischen Landwirtschaft an und setzen dazu in hohem Umfang Subventionen ein. Aber auch in der EU geht schon die Hälfte der planzlichen Öle in die Produktion von Biodiesel. Je mehr die Rohölpreise steigen, umso interessanter wird die Umwidmung der ursprünglich für die Nahrungsmittelproduktion genutzten Flächen.



In ihrem Bericht für den bevorstehenden G8-Gipfel beschreibt die Weltbank die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise, die Wirkung auf die Menschen und die Ursachen. Die Getreidepreise haben sich seit Januar 2006 mehr als verdoppelt, mit einem Anstieg von mehr als 60 % seit Januar 2008 (Abb. 07259, 07261). Die Reispreise stiegen zwischen Januar und Mai 2008 um mehr als das Dreifache. Überall ist die Verbraucherpreisinflation stark angestiegen; Abb. 13466 zeigt einige Beispiele.




Die Preise von Landwirtschaftserzeugnissen, die auch für die Biospritproduktion eingesetzt werden, sind in den letzten zwei Jahren viel stärker als die für andere Erzeugnisse gestiegen, nämlich 144 % bei Getreide, 157 % bei Ölsaaten und nur 11 % bei anderen Nahrungsmitteln. Drei Viertel des Zuwachses an globaler Maisproduktion ging in die amerikanische Ethanolproduktion. Weltweit wurden 5 Mio Hektar Landwirtschaftsfläche umgewidmet. Die Umwidmung in USA ist besonders unwirtschaftlich. Denn während in Brasilien die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr 2007 nur 0,24 Dollar pro Liter kostete, waren es in USA 0,45 Dollar auf der Basis von Mais. Im Ergebnis kostete Biodiesel in der EU und in den USA etwa 1,05 Dollar oder 0,64 Euro pro Liter (vor Steuer).

Nach Schätzung der Weltbank sind allein wegen der Nahrungsmittelpreissteigerungen bis zu 105 Millionen Menschen zusätzlich in die Armut gefallen. Die Weltbank kommt zu dieser Einschätzung, nachdem sie die Situation in acht Ländern untersucht hat, in denen die Armut wegen der Preissteigerungen zwischen 2005 und 2007 um 3 % pro Jahr stieg. In einer vertraulichen Studie ihres international anerkannten Volkswirts Don Mitchell schätzt die Weltbank, daß drei Viertel der Preissteigerungen von Nahrungsmitteln auf das Konto der steigenden Biospritproduktion gehen. Damit stellt sich die Weltbank gegen die Annahme der US Regierung von nur 3 % Einfluß.

Der Einsatz von Nahrungsmittelprodukten im Auto ist unverantwortlich, da er weltweit unter den Ärmsten den schleichenden Tod durch allmähliches Verhungern fördert. Viele erblinden zuvor aus Mangel an Vitamin A. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, stellte fest: "Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger. Alle vier Minuten erblindet jemand aufgrund von Vitamin A-Mangel. Im Jahr 2007 waren 856 Millionen Menschen - jeder sechste auf unserem Planeten - schwer und dauerhaft unterernährt. Im Jahr 2005 waren es noch 842 Millionen." Abb. 07262 zeigt die Relation als ein Achtel Unterernährte in 2007.


Eigentlich sollte der Hunger auf die Hälfte reduziert werden, was durchaus möglich und moralisch geboten wäre. Im September 2000 kamen die Staats- und Regierungschefs auf einem Gipfeltreffen der UN in New York zusammen, um die Eckpunkte der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu verabschieden, insgesamt acht Entwicklungsziele. Das prominenteste besteht darin, den Anteil der Hungernden in der Welt und der Menschen mit weniger als einem Dollar Einkommen pro Tag bis 2015 zu halbieren Jean Zieger nennt die Bio-Treibstoff-Fabrikation heute zu recht "ein Verbrechen gegen die Menschheit".

Was muß man daraus schließen? Offensichtlich ist der Endkampf um Öl und Nahrung eröffnet. Trotz allen Geredes von der Bekämpfung der Armut verteidigen die reichen Industrieländer neoliberal und global die im Individualverkehr erreichte Mobilität und zugleich die Pfründe ihrer Automobilindustrie, aber auch die Interessen ihrer Landwirtschaft. Dabei nehmen sie weltweit steigenden Hunger und mehr Hungertote, aber auch mehr Armut in ihren eigenen Ländern in Kauf. Noch haben sie nicht begriffen, daß allein der energiesparende öffentliche Verkehr an der Öl- und Nahrungsmittelfront Entlastung bringen kann. Daher ist auch die Privatisierung des öffentlichen Verkehrs, wie in Deutschland der Bundesbahn, der falsche Weg.


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