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Ein Hinweis: In Elfi's Presseschau werden bewußt viele Stimmen aufgenommen, die nicht Mainstream sind. Natürlich heißt das nicht, daß deren Ansichten automatisch geteilt werden. Aber auch wenn man anderer Meinung ist, muß man sie ja nicht gleich unter den Tisch fallen lassen.


Für alle Anregungen und Rückfragen steht Elfi mit ihrem Briefkasten zur Verfügung.


Letzte PS

IT in Schule und Kinderstube - für wen rüstet v. der Leyen - Einbruch bei Snowden


Verleihung des Deutschen Schulpreises - Was ist eine gute Schule?

Bildschirm oder Liebe?(

Lehrplan 21: Apple steht in den Startlöchern

«Die Polytechnische Oberschule stellte eine Verbindung vom Lernen in der Schule zum Berufsleben her»

Volker Handon über das Innenleben des Finanzsystems

"Die Banken haben die Politik zunächst für ihre Rettung und dann für ihre Regulierung beraten"

"Die Nullzinspolitik der EZB ist unverantwortlich"

Russland und China sollen Snowden-Daten geknackt haben

American empire imploding both at home and abroad

Einflusskampf um Lateinamerika

Friedensdividende: Studie ergibt, dass die israelische Wirtschaft in den ersten zehn Jahren nach einem Friedensschluss um $123 Milliarden wachsen würde

Von der Leyen: Milliarden für europäische Kriege


Verleihung des Deutschen Schulpreises - Was ist eine gute Schule?(Quelle:Tagesschau)

10.06.2015 "Eine Schule, in der alle Beteiligten auf Augenhöhe agieren können und in der wir Schüler mitentscheiden dürfen, wie wir lernen", sagt der Abiturient Justin Gentzer über sein Idealbild von Schule... Schüler, die mitentscheiden wollen - darauf setzt auch die Gesamtschule Barmen in Wuppertal...Die Gesamtschule Barmen in Wuppertal hat den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2015 gewonnen. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Lehrer die Kinder und Jugendlichen gezielt an ihre Leistungsgrenzen und darüber hinaus führten. Vier weitere Schulen wurden für vorbildliche Konzepte und Leistungen mit je 25.000 Euro belohnt: die Bremer Grundschule am Buntentorsteinweg, das Ganztags-Gymnasium Klosterschule in Hamburg, die Jenaplanschule in Rostock sowie die Waldschule der Stadt Flensburg. Der ebenfalls mit 25.000 Euro dotierte "Preis der Jury" ging an die Berufsschule Don Bosco in Würzburg.

"Die Schüler heute hinterfragen viel kritischer als früher. Damals beschulte man die Kinder, sie waren passiv", erinnert sich Ralf Gossmann, der seit mehr als dreißig Jahren unterrichtet und mittlerweile Mitglied der Schulleitung der Wuppertaler Gesamtschule ist. Damit die Schüler besonders leistungsfähig seien, müsse die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern stimmen, sagt Gossmann. An der Schule in Wuppertal setzen sie deswegen auf zwei Lehrer pro Klasse in Sekundarstufe Eins (Klasse 5-10). Die Lehrer haben neben dem Unterricht auch Stunden, die nur für Hausaufgabenbetreuung und Kommunikation mit den Schülern vorgesehen sind. "So ermöglichen wir den Schülern ein individuelles Lernen. Jeder kann sich nach seinen Stärken und Schwächen entfalten. Der Lehrer kann jeden Schüler unterstützen, weil er ihn kennt", sagt Gossmann. Ein gutes Verhältnis zu den Lehrern, das ist auch Stina Holtkötter wichtig. Die 15-Jährige geht zur Klosterschule in Hamburg, die für den Deutschen Schulpreis nominiert war. Ihre Mitschüler kommen aus Polen, dem Kosovo oder dem Libanon. "Es ist toll, andere Kulturen kennenzulernen", sagt sie. Ihr ist es wichtig, nicht nur Frontalunterricht zu haben, sondern auch in Gruppen zu arbeiten. "Vor der Wahl in Hamburg sind Politiker zu uns in die Schule gekommen und wir durften ihnen Fragen stellen, das fand ich cool", erzählt die Schülerin...

Die Schulen müssen bestimmten Qualitätskriterien entsprechen, um für den Preis infrage zu kommen: Die Leistung der Schüler muss stimmen genauso wie der Umgang mit der Vielfalt der Schüler. Viele Schulen müssten sich beispielsweise um Flüchtlingskinder kümmern. Eine gute Schule begreife das als eine Herausforderung, mit der sie umgehen lernen könne, sagt der Bildungsforscher Hans Anand Pant. Außerdem müssen Eltern eingebunden werden...Damit Schule erfolgreich funktionieren kann, braucht es auch viel Engagement. "Die Lehrer sehen sich bei uns auch als Personen mit Erziehungsauftrag", sagt der Wuppertaler Lehrer Gossmann. Genauso wie den Lehrern viel abverlangt wird, sollen sich auch die Eltern engagieren. Die Schule hat rund 80 Arbeitsgemeinschaften, die zu einem großen Teil von Eltern geleitet werden. Die Wuppertaler Gesamtschule liegt mitten im sozialen Brennpunkt. Etwas mehr als die Hälfte der Schüler wächst nicht mehr in der Ursprungsfamilie auf, mindestens ein Drittel hat ausländische Wurzeln. Trotz unterschiedlicher Startbedingungen hat kein Jugendlicher die Schule ohne Abschluss verlassen. Nur 17 Prozent der Schüler kommen mit der Empfehlung "Gymnasium" auf die Gesamtschule, doch 60 Prozent wechseln dann tatsächlich in die gymnasiale Oberstufe. Diesen Erfolg führt die Schule auf ihr Gesamtkonzept mit dem Fokus auf Beziehung und Leistung zurück....Andere Schulen sollen von den Vorbildern profitieren, sagt Hans Anand Pant. Eine solche Vorbildfunktion hat nun auch die Schule in Wuppertal. Hier wird den Schülern etwas zugetraut, sie entscheiden mit.

Lehrer und Schüler führten gemeinsam ein Handyverbot für die Sekundarstufe Eins ein: "So verbringen die Schüler die Pause miteinander, nicht in Smartphone-Haltung nebeneinander", sagt Gossmann. Einzige Ausnahme: Das Handy wird im Unterricht gebraucht...Die Schulen auszuzeichnen sei ein erster Schritt, um die Entwicklung der Schulen als Abenteuerreise zu sehen. An diese Reise sollte man sich auch wenn man schon lange nicht mehr zur Schule geht, gerne erinnern, meint Bildungsforscher Pant: "Eine Traumschule ist es, wenn die Schülerinnen und Schüler noch nach vielen Jahren mit einem Leuchten in den Augen von ihrer Schule erzählen."...

Mein Kommentar: Alles Lernen beginnt mit der Liebe zum Lehrer, wusste bereits Pestalozzi und so wird das auch bleiben. Die Güte der sozialen Beziehungen der Lehrer und Schüler und Familie ist entscheidend für Lernerfolg. Das weiß zwar keine Pisa Studie, aber jeder von uns wird diese Wahrheit durch seine eigene Erfahrung bestätigen können. Schule ist nicht da gut wo die Auslese der Besten im Konkurrenzkampf betrieben wird, sondern wo der Ehrgeiz gilt alle mitzunehmen auf dem Weg die Beste oder der Beste zu werden. Unmöglich sei das: Nein aber provokativ für eine Gesellschaft wie unsere, die auf Auslese einer Elitenkaste setzt. Der Rest soll dienstbar sein. Siehe zur Bedeutung der persönlichen Beziehung beim Heranwachsen auch den nächsten Beitrag:


Bildschirm oder Liebe?(Quelle:Zeitfragen)

Moritz Nestor, Psychologe und Anthropologe: In der Glitzerwelt eines Flughafens hat auf einer Polstergruppe ein gut gekleidetes Ehepaar mit einem etwa fünf Monate alten Kleinkind Platz genommen. Der Vater starrt, Kopfhörer in den Ohren, in sein Handy und tippt ununterbrochen auf den Tasten herum. Ab und zu nippt er an seiner Cola. Die Mutter, ebenfalls vor einer Cola, starrt in den Bildschirm eines grösseren elektronischen Teils, mit dem sie ständig Nachrichten empfängt und sendet. Das Kind sitzt in einem Tragkorb, der neben dem Tisch steht. Vor sich hat es ein iPad. Über die Lautsprecher der Halle plätschert «Steckdosenmusik». Die Händchen des Kindes patschen auf dem Bildschirm herum. Ein blödes Blasengesicht mit Stummelbeinen und Dreiecks-Ärmchen nach dem anderen taucht auf, rote, blaue, gelbe, grüne, sie lachen das Kind an und verschwinden. Und das Kind lacht den Blasengesichtern hinterher, will sie mit den Fingerchen festhalten, aber es versteht noch nicht, was irreale Bilder sind – etwa so wie mein Hund, der den bellenden Hund auf dem Bildschirm hinter dem Fernseher sucht. Dann und wann quiekt das kleine Kind. Und dann und wann beugt sich die Mutter wortlos zu ihm hinunter, um bald aber wieder weiter mit ihrer Maschine beschäftigt zu sein. Dann und wann fliegt eine «Information» zwischen den Erwachsenen hin oder her, ein schneller Blickwechsel, dann wieder das alte Bild. Fast zwei Stunden geht das so.

Was spielt sich da ab? Das Kind ist gut ernährt, warm gekleidet, die Eltern sind offensichtlich wohlhabend. Man hat nicht den Eindruck, als würde es dem Kind an irgend etwas Materiellem fehlen. Es sitzt aufmerksam und ruhig da und «kommuniziert» rege mit seinem «sozialen Medium», einer «intelligenten Maschine» – so jedenfalls bezeichnen die Kybernetiker, die heute in der Pädagogik den Ton angeben, derartige Maschinen. Das Kind hat also alles, ist geistig angeregt und emotional angesprochen durch die Maschine, man sieht es an seinem lebhaft bewegten Gesicht. Werden so nicht das Figuren- und Farbensehen und die Phantasie früh angeregt? Übt das Kind nicht gerade – und wie früh! – seine Händchen und Augen aufeinander abzustimmen? Und erst noch selbständig! Und geht es nicht gerade auf Entdeckung, erkundet es nicht selbständig die Möglichkeiten des Mediums und der Darstellungen? Ein perfektes Beispiel von «selbstgesteuertem Lernen» also, könnte man meinen.

Oder doch nicht? Fehlt nicht etwas? Mir fällt ein Versuch des US-amerikanischen Primatenforschers Harry Harlow ein: In einem Käfig, durch eine Zwischenwand getrennt, stehen zwei Draht-Attrappen von Schimpansenmüttern mit grossen Augen-Attrappen. Die eine trägt nur ein weiches Fell. Die andere trägt kein Fell, aber zwei volle Milchfläschchen als künstliche Brüste. Ein neugeborenes Äffchen wird in die Mitte zwischen beide Attrappen gesetzt. Harry Harlow will wissen: Welche «Mutter» bevorzugt das Äffchen? Nach gängiger Freudscher Auffassung – die Harlow bis dahin teilte – hätte es die Drahtmutter mit milchspendenden Brüsten sein müssen: Die emotionale Bindung an die Mutter entsteht erst durch die Bedürfnisbefriedigung, das Füttern. Das Äffchen aber huscht schnell zur Attrappe mit Fell und klammert sich daran fest. Ab und zu nur flitzt es zur Drahtmutter mit der Milch hinüber, um zu trinken, sucht dann aber schnell wieder das flauschige Fell auf, dessen Geborgenheit es bevorzugt.

Harlow revidiert seine ursprüngliche Annahme und schliesst: Das erste und wichtigste Bedürfnis im Leben ist nicht Nahrung, sondern Mutterliebe, Geborgenheit. Nun wächst dieses Äffchen mit einem Fell als «Mutter» heran. Als es im gebärfähigen Alter ist, offenbart sich die bis dahin verborgene Tragik. Als man ihm ein fremdes Neugeborenes in den Käfig setzt, flüchtet das mit dem Fell aufgewachsene Weibchen vor dem Neugeborenen ängstlich in die Käfigecke... Es reagiert sichtlich mit Angst vor dem jungen Äffchen, das ein lebendiges Hin und Her sucht, zu dem die Mutter nicht in der Lage ist, weil sie es selber nicht erlebt hat. Das Fell war eben nur ein schlechter Ersatz für echte Mutterliebe. Immerhin hatte es zum Überleben gereicht. Aber das Fell hatte das Liebesbedürfnis des Äffchens nicht erwidern können. Und ohne die lebendige Erfahrung gemacht zu haben, geliebt zu werden, konnte dieses Schimpansenweibchen später als Erwachsene keine Liebe erwidern. Es konnte nicht Mutter sein. Es war familienuntauglich! Ein Fell ist eben keine Mutter, ist kein liebendes lebendiges Wesen, das einen entgegennimmt, das einem Aufmerksamkeit schenkt – ungeteilte Aufmerksamkeit. Jetzt weiss ich auf einmal, was dem kleinen Kind in der Flughafenhalle fehlt. Das iPad kann (wie bei dem Äffchen von Harry Harlow das Fell) keine Beziehung stiften, keine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wie das Fell für das bedauernswerte Äffchen zwar kuschelig war, aber keine Beziehung erwidern konnte, so konnte die Maschine dem Kind keine Beziehungsaufnahme erwidern, und das Kind kann selber keine Erfahrungen sammeln, welche Wirkungen seine emotionalen Äusserungen auf ein lebendiges Gegenüber haben. Alle Sinne werden angeregt, aber der wichtigste «Sinn» bleibt tot: das Streben des Kindes nach Beziehung wird nicht erwidert. Denn Beziehung heisst: emotionales Echo bekommen, ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt bekommen, geliebt zu werden. All das kann die «smarte» Maschine nicht. Und die Eltern sind geistig weit weg. Alle drei sind «gemeinsam einsam». Den Erwachsenen macht das kaum etwas aus. Aber das Kind ist noch lebensnotwendig angewiesen auf die mütterliche Zuwendung, auf ihr emotionales Echo. Andere Familien reden miteinander, tauschen Gefühle aus, sind aufeinander bezogen, haben eine innerliche emotionale Verbindung zueinander und schauen sich in die Augen. Sie verbinden sich geistig und emotional zu einer gemeinsamen inneren Welt – eben Beziehungsgestaltung. Dieser für ein Kleinkind überlebensnotwendige Vorgang fehlt hier zwei lange Stunden. Wie wird sich diese Entbehrung auswirken? Was für Folgen wird das haben?... Mit sechs Monaten taucht dieses Kind schon in eine irreale Bildschirmwelt ein. Und zwar ehe das für das Leben-Können so notwendige konkrete Erleben der Wirklichkeit ausgebildet ist. Dieses Kind hat ja die reale Welt noch kaum kennengelernt! Und jetzt wird das bisschen reales Erleben schon mit Irrealem durchmischt, ohne dass das Kind beides voneinander unterscheiden kann. So bereitet man einen gefährlichen Weg. Denn wenn das Kind nicht unterscheiden kann zwischen Realität und Irrealität, dann entwickelt es kein stabiles Ich. Es entwickelt keinen festen inneren Kern, von dem aus es mit der Welt angemessen umgehen und sie beurteilen kann. Der Boden zu mancherlei seelischen Fehlentwicklungen wird hier bereitet, ohne dass die Eltern dies wollen. Wenn die beiden Eltern in der Flughafenhalle das zum Beispiel wüssten, würden sie sofort damit aufhören. Denn sie lieben ihr Kind. All die falschen Theorien von «früher Förderung» durch die «intelligenten» Medien, das Gerede vom «selbstgesteuerten Lernen» und ähnliches wäre ihnen einfach egal, denn sie opfern lieber die Maschine dem Mülleimer als ihr Kind der Maschine – und reden mit ihrem Kind und lesen ihren Kindern vor und geben ihm all das, was ein Kind zum Lebenlernen braucht: mitmenschliche Zuwendung, Führung, Anleitung, Korrekturen, Gewissensbildung – kurz: menschliche Beziehung.

Mein Kommentar: Tatsächlich braucht der Heranwachsende Bezugspersonen, die freundlich, geduldig soziales Empfinden vermitteln können. Sich nervös und aufgeregt zuwenden ist so wenig hilfreich wie das Nicht-Kümmern, das Laissez fair.

Ein Bonmot in Biographien von Menschen, die in sehr reichen bürgerlichen oder adeligen Familien groß wurden, in denen die Eltern sich wenig um ihren Nachwuchs selber kümmerten, aber die Erziehung ihrer Sprösslinge dem Personal, besonders den Kindermädchen und Hauslehrern überließen, ist die Tatsache, dass diese Kinder sich dann zu vollwertigen Erwachsenen entwickeln konnten, wenn der Umgang dieses Personals - respektvoll und freundlich - soziale Bindung zu vermitteln verstand. Übermäßige Strenge, Gleichgültigkeit, nervöser Umgang überforderter Bezugspersonen (Eltern oder Nicht- Eltern) ist für Kinder nicht gedeihlich. Und generell ist gute Erziehung schwerer als unsere heutige Gesellschaft ahnt.

Dank Internet gehen Nachrichten sehr schnell hin und her. Die Qualität nimmt dabei oft proportional der Geschwindigkeit ab. Und was wir alle zu wenig wissen: Die großen Nachrichtenagenturen filtern, was öffentlich werden darf. Davon beeinflusst sind Mainstream und Alternativmedien. Was im Filter der Nachrichtenagenturen hängen bleibt, sind die Ereignisse, die nur ein sehr kleiner Teil zum Schweigen verpflichteter Personen wissen darf. Hilfreich sich in diesem Dschungel zurecht zu finden sind heute Whistleblower und geleakte Dokumente. Wird Elternhaus und Schule das die Jugend lehren können. Wohl kaum, solange es den Erziehern selber noch an Orientierung fehlt.


Lehrplan 21: Apple steht in den Startlöchern(Quelle:Zeitfragen)

Im Kanton Solothurn läuft seit letztem Sommer ein Schulversuch namens «myPad», «wie es ihn in der Schweiz noch nicht gegeben hat». In zwölf Klassen von der 3. bis zur 6. Primarklasse erhielten alle Schüler und Lehrer einen eigenen Tablet-Computer. Aber es geht noch weiter: In Adliswil wurden sogar drei Kindergärten mit jeweils zwei iPads ausgerüstet. Die Geräte werden den Kindern «während des Freispiels» zur Verfügung gestellt – als zusätzliche Möglichkeit neben den herkömmlichen Spielen. Sogenannte Experten beteuern: «iPads im Kindergarten sind sinnvoll». Sinnvoll für wen? Auf jeden Fall für Hardware- und Software-Produzenten aller Art. So warb Apple in den USA bereits vor 3 Jahren für «Interaktive Grafiken und Videos statt trockener Bücher». («Frankfurter Allgemeine Zeitung» vom 19.1.2012) In der Schweiz ist der Verkaufs-Hit nun mit einiger Verspätung angekommen, pünktlich zur geplanten «Umsetzung» des unsäglichen Lehrplans 21. Naja, dieses Milliarden-Geschäft will sich ja keine Computer-Firma entgehen lassen … Die Pädagogische Hochschule (PH) Zürich jedenfalls kommt den IT-Multis freundlich entgegen, indem sie bereits Weiterbildungskurse für den Einsatz von iPads in Kindergarten und Unterstufe anbietet: Es ist an uns Eltern und Lehrern, solchem Treiben ein Ende zu setzen. Laufende oder schon eingereichte Volksinitiativen in den Kantonen Aargau, Baselland, Schwyz, St.?Gallen, Thurgau, Zürich und Solothurn und geplante in weiteren Kantonen geben der Bevölkerung die Möglichkeit, die Einführung des Lehrplans 21 zu verhindern.

Mein Kommentar: In der Schweiz macht sich die Forschung und Schulbehörde viele Gedanken wie man Schüler zu Wesen erzieht, die eigenständig arbeiten und forschen. Das ganze Konzept ist aber sehr auf Selektion ausgerichtet und nicht auf Förderung auch sozialer Kompetenzen und auch nicht Erziehung zum kritischen Hinterfragen. Weit wird man m. E. damit nicht springen lernen. Auch in Deutschland stehen wir vor der Frage, wie Familie und Schule mit diesen neuen Technologien umgehen lernen. Was ist davon gut und was ein Irrweg. Meine Erfahrung beim Lesen für die Presseschau war sehr ernüchternd für mich: Die Wahrheit ist oft so schwer zu finden wie die Stecknadel im Heuhaufen. Dafür sorgen schon die Filter der großen Presseagenturen.


«Die Polytechnische Oberschule stellte eine Verbindung vom Lernen in der Schule zum Berufsleben her»(Quelle:Zeitfragen)

Kürzlich hat mir ein Unternehmer in Ilmenau gesagt: Deutschland bilde keine Ingenieure mehr aus, sondern nur noch MBA (Master of Business Administration), welche, oft ohne Fachkenntnisse, Betriebe auf Effizienz trimmen wollen, alles umkrempeln und sie dabei nicht selten ruinieren. Das war früher anders. In der ehemaligen DDR wurde grosser Wert auf eine gute Ausbildung gelegt, vor allem auch in den technischen Berufen. Die dort ausgebildeten Fachkräfte waren jedenfalls im Westen sehr begehrt. Ich schlage vor, dass wir heute einmal über Schule und Ausbildung zur DDR-Zeit sprechen, mit einem besonderen Blick auf die Polytechnische Oberschule. Gotthard Bläsche: Zunächst etwas zur aktuellen Situation. In Deutschland werden heute viel zu wenig Facharbeiter ausgebildet, und es gibt viel zu viele Studenten, die das Studium nicht durchziehen. Zurzeit bemüht sich bei uns die Handwerkskammer, diese Studien­abbrecher aufzufangen und ihnen eine Facharbeiterausbildung zu ermöglichen. Christa Stolze: Ich muss sagen: Die besten Diplom-Ingenieure waren die, die vor dem Studium einen Beruf erlernt haben. Meine Lehrlinge, die zuerst ausgelernt haben und dann zum Studium gegangen sind, haben was gebracht, aber die, die nach dem Abi zuerst studiert haben und dann zu uns gekommen sind, mit denen konnte man nichts anfangen. Das ist meine Erfahrung aus der Industrie.----Hans Schäfer: Ich möchte das bestätigen. Ich kenne eine ganze Reihe von Glasingenieuren, die sich nach Abschluss unserer Fachschule für Glastechnik, nach der Wende drüben im Westen wiedergefunden haben. Sie wurden dort mit allem konfrontiert, was sich im Laufe der Jahre an Unterschieden angesammelt hatte. Und gerade, was die Bewährung in der Praxis betrifft, muss ich sagen: Da waren unsere Leute wesentlich besser als die Wessis. Sie brachten Fertigkeiten mit und waren auch Willens und im Stande, etwas durchzutragen und nach Lösungen zu suchen, wenn etwas kaputt war. Da haben die West-Kollegen grosse Augen gemacht. ----Christa Stolze: Die haben sich hingesetzt und gewartet, bis das Ersatzteil und der Handwerker kam, der das reparierte. Die Bayern haben immer gesagt: Die Ossis sind gut, die können auch arbeiten, wenn etwas kaputt ist. Das war für uns eben notwendig, denn wir hatten nichts. Wir haben doch jedes Stückchen Draht aufgehoben und die Nägel, die krumm waren, wieder grade gekloppt. Die Mangelwirtschaft hat die Menschen erfinderisch gemacht. Ich weiss nicht, wie Sie das sehen, Sie waren ja als Leiter des Beruflichen Schulungszentrums näher dran?... Es will auch (heute)in der beruflichen Bildung keiner mehr Lehrer für Metall- oder Elektrotechnik werden. Technik gilt häufig schon bei den Grundschullehrern als schwierig, und das hält die jungen Leute davon ab, in die Technik zu gehen....

Evelin Hubatsch: Bei uns (DDR) gab es ja die Polytechnischen Oberschulen für alle Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse. Zum Gymnasium wechselte man anfänglich nach der achten und später nach der zehnten Klasse. Jede der polytechnischen Schulen hatte eine enge Verbindung zu einem oder mehreren Partnerbetrieben... Ab der siebten bis zur zehnten Klasse gingen die Schüler einen Tag im Monat in den Partnerbetrieb, und dort ­mussten sie richtig mitarbeiten....Bis zur vierten Klasse überwog in den Polytechnischen Oberstufen der Deutschunterricht, zehn bis vierzehn Stunden in der Woche. Nach dem gründlichen Erwerb der deutschen Sprache lag der Schwerpunkt auf den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Technik...Sprache und Denken gehören bei der Gattung Mensch auch eng zusammen. Jemand, der keine Sprache hat, kann auch nicht richtig denken, und das fehlt heute teilweise sogar dort, wo Sprache zum Beruf gehört.

Zeit-Fragen: Wenn ich Ihnen zuhöre, stellt sich mir die Frage, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, wenn man bei der Wende zusammengesessen wäre und überlegt hätte, was von beiden Schulsystemen erhaltenswert ist und wenn man das dann zusammengefügt hätte?----Gotthard Bläsche: Nach der Wende war prinzipiell alles verkehrt, was wir gemacht haben... Ich glaube, es wird immer praktisch orientierte Leute brauchen; die Welt ist nicht theoretisch. Es braucht viel handwerkliches Wissen. Die Anforderungen sind zwar anders geworden, weil andere Geräte und Dinge zur Verfügung stehen, die bedient werden müssen, aber es ist nach wie vor wichtig, allgemeingültige Sachen zu lernen, zu probieren und eins und eins zusammenrechnen zu können. Ich habe festgestellt, dass bei jungen Leuten Orientierungslosigkeit oft zu Antriebslosigkeit führt. Wenn sie nicht wissen, was kommt, fehlt die Motivation. Generell denke ich aber, dass die jungen Leute heute nicht minder leistungsfähig sind als früher. Das hängt auch von der Schule ab. Ich denke mit grosser Hochachtung an einige Schulen hier in der Umgebung, die Grossartiges leisten und die Schüler ordentlich beschulen. Nur bilde ich mir ein, dass oft der Zusammenhang fehlt, dass die Schüler nicht wissen, was sie mit dem Gelernten anfangen können und wie sie es verknüpfen können. Sie wissen oft nicht, was ihnen das bringt. Dieser Zusammenhang fehlt häufig. In der Polytechnischen Oberschule war der Effekt der, dass die jungen Leute in der Schule was gelernt haben, zum Beispiel in der Mathematik, dann sind sie in den Betrieb gekommen und haben gemerkt: Ich muss ja rechnen können, wenn ich das lösen will. Dadurch gab es eine Verbindung vom Lernen in der Schule zum Berufsleben.

Mein Kommentar: Was in diesem Artikel unerwähnt bleibt, ist die pädagogische Anforderung an die damaligen Lehrer in der DDR, jeden Schüler mitzunehmen. Man ging eben davon aus, dass bei aller Verschiedenheit der Mensch doch quer durch alle Schichten ein lernfähiges und deshalb förderungswürdiges Wesen ist. Zwar haben DDR-Lehrer auch erwartet, dass die Kinder gehorchen und brave Bürger erzogen. Gemildert wurde das aber, da Schule keine Institution der Auslese war, sondern in erster Linie zur Förderung der Kinder da war. Eine krasse Form von Schule als Auslese der Besten habe ich selber als Lehrer in der Schweiz erlebt. Und das gilt leider bis heute. Fortschrittliche aufgeklärte Pädagogen wehren sich dort vehement dagegen.



Der ehemalige Wertpapierhändler Volker Handon als Arbitrageur für Banken und Fondsgesellschaften tätig, vermittelt seine -in der Praxis gewonnenen- Einsichten in ein Finanzsystem, das in seiner akuten Form grundsätzlich mit unlauteren Methoden arbeitet, eine erhebliche Gefahr für die Realwirtschaft darstellt und dank staatlicher Unterstützung künstlich am Leben erhalten wird. Er versteht es klar, eindrücklich und mutig die Malaise zu benennen und redet Klartext: Deshalb soll er in dieser letzten Presseschau ausführlicher zu Worte kommen.


Volker Handon über das Innenleben des Finanzsystems - Teil 1(Quelle:Heise)

18.05.2015 Sie waren jahrelang als Finanz-Trader spezialisiert auf Arbitrage-Gewinne tätig. Macht dieser Geschäftszweig für die Realwirtschaft Sinn?---- Volker Handon: Aus der Sicht eines Arbitrageurs und kleiner Teil der Realwirtschaft muss die Frage mit einem klaren "Ja" beantwortet werden. Solange es zeitgleiche Preisdifferenzen für gleiche Produkte auf unterschiedlichen Marktplätzen gibt, ist das Ausnutzen dieser Differenzen für einen Arbitrageur eine hochwillkommene und einfache Einnahmequelle. Und nicht nur der Arbitrageur ist Nutznießer. Alle Beteiligten in dieser Handelskette haben finanzielle Vorteile. An erster Stelle die Order ausführenden Banken, Clearinghäuser und Börsen, die von diesem Kuchen ihr Stück abhaben möchten. Deshalb scannen heute Computerprogramme von Handelshäusern permanent den Markt nach diesen Preisdifferenzen ab.

Der Rest der Realwirtschaft zahlt bei diesem Business natürlich die Zeche: mit zu hohen Kaufkursen oder zu niedrigen Verkaufskursen. Dieses Spiel ließe sich einfach verhindern, wenn einheitliche Märkte für gleiche Produkte geschaffen würden oder der Kunde selbst die komplette Information über den jeweils besten Preis an dem entsprechenden Börsenplatz von seiner Hausbank geliefert bekommen würde. Zusätzlich müssten die kleinen Privat-Trader auch einen Handelszugang zu allen betreffenden Börsen bekommen, um ein vorteilhaftes Geschäft auch tätigen zu können. Dem ist aber nicht so. Das sogenannte Globaltrading, verbunden mit Globalclearing, ist nur Profis vorbehalten und die lassen sich nur ungern was vom Teller wegnehmen. Solange wir in einer zersplitterten Börsenlandschaft leben, Banken ihren Kunden die gerade beschriebenen Dienstleistungen vorenthalten und bestimmte Börsenzugänge nur für die Profis zugänglich sind, wird es immer Arbitragegewinne geben. Politischer Wille aber könnte Arbitragegewinne Einzelner im Börsenhandel verhindern und faire Marktbedingungen für viele Marktteilnehmer herstellen.

Was ist an ihrem Metier für das Finanzsystem gefährlich?----Volker Handon: Das größte Problem im Handel für das Finanzsystem stellt die Machtkonzentration einzelner Marktakteure dar... Ist das Spekulationskapital auf sehr viele Akteure verteilt, sinkt die Wahrscheinlichkeit extremer Bewegungen, die aber trotzdem jederzeit möglich sind. Letztlich führen solche Kursausreißer immer zur Geldumverteilungen unter den Marktakteilnehmern und das ist ja eigentlich Sinn der Börse und von allen gewünscht, nur möchte keiner der Spender, sprich der Verlierer sein. Die weitaus größte Gefahr für das Finanzsystem geht heute aber von Hedgefonds und dem gesamten Schattenbanksystem aus, das weiterhin ohne jede Kontrolle im globalen Finanzbusiness aktiv ist. Hier ist akuter Handlungsbedarf angesagt.

Wie oft gibt es Insider-Geschäfte und warum werden Sie nicht unterbunden?----Volker Handon: Das wesentliche Merkmal eines Insidergeschäftes ist ja ein Wissensvorsprung verbunden mit der Annahme, dass dieses Wissen eine Marktreaktion hervorrufen wird. Es gibt eine Unzahl von sogenannten Insidergeschäften, die sich zweifelsfrei als solche nachweisen lassen und strafwürdig sind...Interessanter sind die Beispiele, bei denen die Frage nach dem Insiderhandel nicht so einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Nehmen wir als Beispiel die Börsenempfehlung von einer großen, weltweit agierenden Investmentbank wie zum Beispiel Goldman Sachs. Dieses Haus hat so viele Follower und Lemminge, die jede dieser Empfehlungen sofort in Handelsaktivitäten umsetzten. Selbst Algotradingmaschinen scannen die Homepage von Goldman und sämtlichen Nachrichtenagenturen, um noch schneller an solche Empfehlungen zu kommen. Jetzt verkauft oder bietet Goldman seinen guten Kunden diese kursbeeinflussenden Empfehlungen aber viel früher, als dem Rest der Welt. Diese Kunden verfügen also früher als andere über Kauf- oder Verkaufsempfehlungen und die eigene Handelsabteilung von Goldman sowieso. Ist das nun Insiderhandel? Es wurde doch nur eine Empfehlung ausgesprochen. Ich habe noch niemanden getroffen, der den Mut hatte, diese gängige Praxis offiziell als Insiderhandel zu bezeichnen. Ein Finanzunternehmen mit soviel Einfluss sollte verpflichtet werden, allen Marktteilnehmern gleichzeitig seine Marktmeinung zu bestimmten Ereignissen oder Finanzmärkten zukommen zu lassen.

Ein anderes Beispiel: Die viel diskutierte Netzneutralität im Internet gibt es an der Börse nicht. An der Börse entscheidet die Brieftasche über die Zugriffsgeschwindigkeit. Gegen eine saftige Gebühr bietet die Börse Marktteilnehmern besonders schnelle Leitungen oder einen Serverplatze an, der sich direkt neben den börseneigenen Servern befindet. Das alles dient nur dem Zweck, schneller als andere Marktteilnehmer am Marktgeschehen teilnehmen zu können und diesen Geschwindigkeits- und Zugriffsvorteil in bare Münze umzusetzen. Dieses Verhalten, das von Börsenbetreibern gewünscht und gefördert wird, ist meiner Ansicht nach eine Form von erkauftem Insiderhandel - nur mit gesetzgeberischer Rückendeckung. Es gibt noch jede Menge weiterer Beispiele, die tagtäglich stattfinden. Doch erst wenn sich ein klarer Konsens für faire Marktbedingungen für alle durchgesetzt hat, kann Insiderhandel weitgehend unter Strafe gestellt und unterbunden werden. Hier fehlt es offensichtlich an politischem Willen oder an der Arbeitslust, um diese Gerechtigkeitslücke zu schließen.


"Die Banken haben die Politik zunächst für ihre Rettung und dann für ihre Regulierung beraten"(Quelle:Heise)

Mit dem Bankenrettungsschirm wurden den Banken ihre waghalsigen Unternehmungen mit einem gewaltigen Aufwand an Steuergeldern finanziert. War dies das falsche Signal an die Finanzbranche? Volker Handon: Hier kann man ja eigentlich nicht von falschen Signalen an die Finanzbranche reden. Die Signalgeber waren doch die Finanzinstitute selbst. Die Branche hat schnell erkannt, wie sie und ihre Eigentümer, die Probleme, die ihnen durch ihre eigenen Fehler entstanden sind, lösen können. Für diese Lösung wurde der gesamte Lobbyistenapparat in Richtung Berlin in Bewegung gesetzt. Jedem Politiker, der es wissen wollte, wurde dezidiert erklärt, dass eine Rettung nur mit Steuergeldern möglich sei. Und damit beim Volk kein größerer Unmut aufkommt, wurde diese Form der Rettung des Finanzsystems von der Kanzlerin und ihrem Finanzminister auch noch für "alternativlos" erklärt. Die Banken haben also in Deutschland die Politik zunächst für ihre Rettung und dann für ihre Regulierung beraten. Und weil das schließlich Arbeit macht, haben sie der Regierung für diese Qualitätsberatung auch noch fette Rechnungen gestellt. Das ist schon dreist.

In Deutschland haben sich die Politiker von den Banken ganz klar über den Tisch ziehen lassen. Da aber in der politischen Landschaft damals allgemeine Ahnungslosigkeit herrschte, kam man mit dieser Strategie schnell zum Erfolg und an das Geld der Steuerzahler. Bis zum heutigen Tage ist eine realistische Abwicklung einer systemrelevanten Bank wie zum Beispiel der Deutschen Bank ohne den immensen Einsatz der Geldschöpfungsfähigkeit von Notenbanken oder durch Steuergeldern, einschließlich der Enteignung von Inhabern und Aktionären, nicht möglich. Die Vision, die von Politikern gerne verbreitet wird, eine große Bank sei nach all den Reförmchen nun ohne weiteres abwicklungsfähig, ist echte Volksverdummung.

Volker Handon: Die Tobin-Tax sollte ursprünglich ausschließlich auf Devisengeschäfte erhoben werden. Inzwischen redet man von einer Finanztransaktionssteuer (FTS), die möglichst sämtliche Finanzgeschäfte betreffen soll... Grundsätzlich bin ich als Händler gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, hätte allerdings einen besseren Vorschlag zu machen. Warum überlässt man das heute weitgehend automatisierte Börsenbusiness eigentlich den Banken? Eine staatliche Börse, die zudem das Clearinggeschäft übernimmt, könnte sich für den Staat als ewig und kräftig sprudelnde Einnahmequelle erweisen, um die dringend erforderlichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur, die Energiewende oder die Kosten einer Finanzkrise zu stemmen. ...


"Die Nullzinspolitik der EZB ist unverantwortlich"(Quelle:Heise)

19.05.2015 Die Manipulation langfristiger Zinsen, die von der EZB faktisch betrieben, aber regelmäßig verleugnet wird, ist Staatsfinanzierung reinster Art. Die Aufkäufe von Unternehmensanleihen, welche inzwischen ebenfalls zum Repertoire der EZB gehören, ist pure Wirtschaftspolitik. Nutznießer sind Staaten und Unternehmen, die sich billigst verschulden können, und zwar ohne jede Gegenleistung wie zum Beispiel Reformen oder Produktivitätssteigerungen erbringen zu müssen. Diese Ziele zu erreichen, sollte nie Aufgabe einer Notenbank oder der EZB sein. Hier hat sich eine Behörde verselbstständigt und vor den Karren einiger Interessensgruppen spannen lassen. Es ist offensichtlich, dass der lange Arm der Politik wie der Finanzwirtschaft in der Notenbankpolitik angekommen ist und dort das Zepter schwingt. Exit-Strategien aus der Nullzinspolitik sowie eine Darstellung möglicher Konsequenzen und Fehlentwicklungen sind von der EZB nie öffentlich zur Diskussion gestellt worden. Sie werden einfach negiert beziehungsweise totgeschwiegen.

Was die Arbeitmarktreformen betrifft, wird mit trügerischen Statistiken gearbeitet. Jeder Politiker, der dazu befragt wird, verkündet die stereotype Botschaft vom märchenhaften Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Was die meisten zu erwähnen vergessen, ist eine Aussage über deren Qualität. In Deutschland wurden nämlich ganz bewusst viele Niedriglohnjobs geschaffen. Überprüft man das Jobwunder Agenda 2010 anhand der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden aller Arbeitnehmer pro Jahr, stürzt dieses Lügenmärchen in sich zusammen: In den letzten fünfundzwanzig Jahren sind die geleisteten Arbeitsstunden insgesamt um zirka 10 Prozent gestiegen - das heißt um lächerliche 0,4 Prozent pro Jahr. Es wurde also nicht mehr Arbeit geschaffen, die geleistete Arbeit, gemessen in Arbeitsstunden, blieb gleich hoch oder gleich niedrig. Sie wurde im Laufe der Zeit lediglich auf mehr Köpfe verteilt und als Jobwunder verkauft. Gleichzeitig haben viele Unternehmen den demografischen Faktor genutzt, um Mitarbeiter, die sich in die Rente verabschieden, durch billige Arbeitskräfte zu ersetzen, die die gleiche Arbeit für 20, 30 oder gar 40 Prozent weniger Lohn verrichten. Das soziale an unserer Marktwirtschaft wurde schon immer klein geschrieben und ist nun endgültig eliminiert.

Der Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Ausprägung kommt hier ganz klar an einen Scheideweg, an dem sich einige grundlegende Fragen stellen: Wie können wir die Arbeit neu und gerecht verteilen? Wie können an der Gewinnsteigerung der Unternehmen, die durch Automatisierung erzielt wird, auch die dadurch arbeitslos gewordenen Menschen partizipieren?

Ökonomen wie Jörg Huffschmid haben bereits 1999, also gut zehn Jahre vor der Lehman-Krise auf die Gefahren des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus hingewiesen und selbst dem Investment-Banker konnten die Risiken seines Geschäfts kaum verborgen geblieben sein. Trotzdem wurde bis 2008 ohne Rücksicht auf Verluste spekuliert. Als die Krise ausbrach, rettete man Banken in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, deren Insolvenz die deutsche Wirtschaft problemlos verschmerzen hätte können. Die Banker konnten weiter machen wie bisher, ohne dass sie zur Rechenschaft gezogen und ohne dass die unmittelbaren Ursachen der Krise behoben wurden, deren Ausläufer sich trotz (beziehungsweise wegen) der Nullzinspolitik der Zentralbanken immer weiter in Wirtschaft und Gesellschaft fressen werden.

Heise Das Hauptproblem mit TTIP ist doch, dass die Verhandlungen für die Bevölkerung nicht öffentlich, transparent und nachvollziehbar gestaltet und diskutiert werden. Hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, wird niemals Vertrauen in die Ergebnisse herstellen. Sollte ein Abkommen unter den hier genannten Vorraussetzungen ratifiziert werden, sehe ich für Banken und ihre Führung keine bedenklichen Vorteile.

Börsensendungen wie die "Börse vor acht" vor den großen Nachrichtensendungen sind vollkommen überflüssig und haben weder inhaltlichen Wert noch dienen sie der Unterhaltung. Sie sind ein schönes Beispiel für die Lobbyarbeit der Finanzwirtschaft, die hier jeden Abend zur besten Sendezeit drei kostenlose Werbeminuten geschenkt bekommt, was für jeden Zwangsgebührenzahler im öffentlich-rechtlichen TV ein echtes Ärgernis sein sollte. Als Kursinformation sind sie unzureichend und als Erklärungsveranstaltung für das Tagesgeschehen an der Börse eine Farce. Hier wird zur besten, teuersten Werbesendezeit eine Marketingveranstaltung für die Börsen, Banken und anderen Kapitalsammelstellen gesendet, mit dem Zweck, viele neue Börsenschafe zu gewinnen, die man mit netten Zocker-Produkten über den Schlachttisch ziehen kann.

Mein Kommentar: Fazit: Inkompetent, weil kaum, nicht und/oder desinformiert und zum Denken nicht aufgelegt oder schlicht von der Finanzlobby materiell und mental korrumpiert, verloren die Politikartisten die Kontrolle über die Finanzmärkte und damit die Globalisierung des entfesselten Kapitals. Die staatliche Lokomotive wurde zum Anhänger und dieser oft einfach abgekoppelt. Schattenbanken , Schattenregierungen - der Schatten auf die Demokratien wird immer länger, weil der Platz an der Sonne von immer Wenigeren belegt wird.

Bundeskanzlerin Merkel hat den Abgesang auf staatliche Regulierung des Finanzkapitalismus auswendig lernen dürfen: Alternativlos! Wer seine Entscheidungen nicht mehr zur Debatte stellt, braucht weder Wissenschaft noch Opposition noch Demokratie, die nach ihrer Natur nur in alternativen Problemlösungen denken, agieren, überleben können und sollen. Fallen die Alternativen, fallen auch die Demokratien und dann die Demokraten, möchte man Merkel und Co. geschichtlich erwidern. Denn diese alternativlosen Politiker sind nicht alternativlos wie auch nicht die neoliberal enthemmte Marktwirtschaft.



Noch ein gemeinsamer Blick auf die internationale Gemengelage einschließlich Deutschland und seiner "teuren" Ministerin von der Leyen als Frontfrau der NATO-EU und eingeladen bei den Bilderbergern, empfohlen als neue Kanzlerin der BRD (s. letzter Artikel und Kommentar dieser Presseschau)?


Russland und China sollen Snowden-Daten geknackt haben(Quelle:Spiegel)

14.06.15 Ist es IT-Spezialisten in Moskau und Peking gelungen, die Dokumente von Whistleblower Edward Snowden einzusehen? Das berichtet die "Sunday Times", Großbritannien hat demnach zahlreiche Agenten aus dem Ausland abgezogen. Russland und China haben sich Medienberichten zufolge in den Spionagedaten-Fundus des Informanten Edward Snowden gehackt. Der britische Auslandsgeheimdienst MI6 sei dadurch gezwungen gewesen, Agenten aus Einsätzen in "feindlich gesinnten Ländern" abzuziehen, berichtete die britische "The Sunday Times" in der Nacht zum Sonntag. Die Zeitung berief sich auf Quellen im Sitz des britischen Premierministers, im Innenministerium und in Sicherheitsbehörden. Dem Bericht zufolge verschaffte sich etwa Russland Zugang zu mehr als einer Million Geheimdokumenten aus dem Snowden-Fundus. Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte der britischen Rundfunkanstalt BBC, die Agenten seien versetzt worden, weil Russland und China Snowden-Dateien hätten einsehen können. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass einem von ihnen etwas zugestoßen sei. Trotzdem sei der Vorgang hochproblematisch. Russland und China "wissen nun, wie wir arbeiten", zitierte die BBC den Regierungsvertreter. Dies habe verhindert, dass Großbritannien an "wichtige Informationen" gelange.

Snowden wird von den USA gesucht. Auf seiner Flucht war er in Russland gestrandet und hat dort Asyl bekommen. Der Zeitung "New York Times" hatte er im Oktober 2013 gesagt, er habe keine geheimen Dokumente mit nach Russland genommen. Er habe im Juni in Hongkong vor der Weiterreise nach Russland alle Unterlagen an Journalisten übergeben und habe keine Kopien behalten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Russen oder Chinesen irgendwelche Dokumente bekommen haben, liegt bei null Prozent", betonte Snowden in dem Interview. Die betroffenen Geheimdienste, vor allem jene aus den USA, haben in der Vergangenheit trotz dieser Beteuerungen immer wieder und vehement das enorme Sicherheitsrisiko durch die Snowden-Enthüllungen betont. Der Computerspezialist hatte zunächst für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet und war unter anderem in Genf stationiert. Später wechselte er zu der Vertragsfirma Booz Allen Hamilton. Für Booz arbeitete er als externer Mitarbeiter bei der National Security Agency (NSA). Als Systemadministrator hatte er Zugriff auf viele Dokumente - und kopierte Tausende Unterlagen. Insgesamt soll er sich 1,7 Millionen Datensätze beschafft haben und diese an Journalisten weitergereicht haben. Seit zwei Jahren werden daraus immer neue Informationen über die weltweiten Überwachungsaktivitäten des Dienstes NSA und seines britischen Verbündeten GCHQ bekannt.

Mein Kommentar: Wenn sogar der britische Auslandsgeheimdienst MI6 seine Agenten zu deren Sicherheit aus dem Ausland abzieht, dann kann man diese Meldung ernst nehmen. Auch wenn Snowden die Daten nicht in Russland oder China gelagert hat so liegen sie auf einem Server irgendwo und können dort von findigen IT Spezialisten geortet werden und das waren offensichtlich nicht westlichen IT Spezialisten. So hat auch Snowden seine Meister gefunden und kann die Lücke in seinem System suchen.


American empire imploding both at home and abroad(Quelle:RT)

12.06.15 The crisis and chaos engulfing the Middle East and Ukraine is evidence of US imperial decline, as Washington learns the harsh lesson that no empire lasts forever. The dollar has been underpinning US hard power and hegemony since the Second World War, exploiting its role as the world’s international reserve currency. But US currency hegemony is also in the process of being contested with the creation in October 2014 of the Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) by China as a counterweight to the IMF. Interestingly, among the 20 nations who’ve since joined this new international investment bank is the UK, much to the consternation of its Washington ally. The AIIB joins the New Development Bank that China also set up last year in partnership with Russia, India, Brazil and South Africa. Also known as the BRICS bank, it took its place alongside the pre-existing Shanghai Cooperation Organization (SCO) development bank as part of a new global financial infrastructure operating independently of Washington. The SCO has also established its own currency reserve to help cushion its members against financial shocks or crises, such as the one that emanated from the US financial system in 2008. Taken together, we are able to chart the relative decline of US hegemony and unipolarity, unfolding economically, geopolitically, culturally and militarily. The dangers as this process unfolds are evident in the spread of extremism and fanaticism as regional allies increasingly pursue their own agendas, regardless of how damaging to US interests they may be in terms of sowing instability. As with the Roman Empire centuries before it, Washington is learning that the only thing permanent in this world is impermanence, especially imperial power resting on foundations of hypocrisy and injustice.

Mein Kommentar: Der Knall einer Implosion ist bisher nicht zu hören, aber doch ein Knacken im Gebälk.

Thomas Graham, Russlandexperte und ehemalige US-Präsidentenberater äußert den Verdacht: «Amerikaner greifen Russland immer vehementer und giftiger in dem Maße an, wie ihre Frustration mit der politischen Dysfunktionalität in Washington und der Inkompetenz der US-Außenpolitik wächst. Mit anderen Worten, die Intensität der Kritik hat weniger mit Russlands Verhalten als mit Amerikas ungenügenden Fortschritten zu tun, seine eigenen Mängel zu beheben.» (New York Times. 22. 8. 2013).


Einflusskampf um Lateinamerika(Quelle:German Foreign Policy)

12.06.2015 Warnungen vor einem weiteren Einflussverlust gegenüber China sind auf dem gestern zu Ende gegangenen EU-Lateinamerika-Gipfel laut geworden. Die Volksrepublik baue inzwischen "sehr intensive Handelsbeziehungen mit den lateinamerikanischen Ländern auf", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Brüsseler Gipfeltreffen. Die EU dürfe gegenüber China nicht noch weiter zurückfallen und müsse nun neue Anstrengungen zum Ausbau der Kooperation mit Lateinamerika unternehmen. Deutschland baut in diesem Rahmen derzeit insbesondere die Beziehungen zu Mexiko aus. Das Land wird gegenwärtig, da es ein Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada unterhält, vor allem als Billiglohnstandort zur Produktion für den US-Markt genutzt; in jüngster Zeit haben zahlreiche bedeutende Automobilkonzerne, darunter auch deutsche, Milliardeninvestitionen angekündigt. Mexiko gilt zudem als wichtiger politischer Kooperationspartner: Es gehört der "Pazifik-Allianz" an, einem Bündnis von inzwischen fünf Staaten Lateinamerikas, die - klar neoliberal-prowestlich orientiert - enge Wirtschaftsbeziehungen nach Ostasien und in die Pazifik-Region haben. Sie gelten dabei als Verbündete von USA und EU

Vermutungen, die EU werde in Lateinamerika gegenüber China in den kommenden Jahren weiter an Einfluss verlieren, sind durchaus realistisch. Zusammengenommen sind die EU-Staaten traditionell stets der zweitgrößte Handelspartner Lateinamerikas nach den USA, zuletzt auch der größte Investor auf dem Subkontinent gewesen. Gegenüber Beijing aber fallen sie klar zurück. Der Außenhandel Lateinamerikas mit China ist von 2000 bis 2013 um den Faktor 22 auf 275 Milliarden US-Dollar gestiegen und wächst weiter; in absehbarer Zeit wird er sogar den US-amerikanisch-lateinamerikanischen Handel übertreffen. Zwar liegt die Volksrepublik bei den Investitionen noch deutlich zurück; jedoch hat Staatspräsident Xi Jinping im Januar angekündigt, chinesische Unternehmen wollten in den kommenden zehn Jahren 250 Milliarden US-Dollar in Lateinamerika investieren. Im Unterschied zu anderen Staaten setzt China derlei Ankündigungen erfahrungsgemäß auch um. Bei der Kreditvergabe liegt Beijing in Lateinamerika einer neuen Untersuchung zufolge schon jetzt vor den USA... Appelle wurden laut, nun endlich ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur [3] zu schließen. Schon seit 2000 wird über ein solches Abkommen verhandelt; 2004 wurden die Gespräche vertagt, erst 2010 wurden sie wieder aufgenommen. Zu einem greifbaren Ergebnis haben sie bis heute nicht geführt; Experten hatten sie bereits für tot erklärt [4], bevor es nun in Brüssel hieß, möglicherweise könne man doch noch eine Einigung erreichen. Abgesehen davon hat die EU den Staaten Lateinamerikas 118 Millionen Euro zugesagt, die insbesondere in die Transport- und Energiewirtschaft fließen sollen. Das vielleicht konkreteste Resultat des Gipfels ist der Beschluss, für 26,5 Millionen Euro ein Glasfaserkabel von Lissabon durch den Atlantik ins brasilianische Fortaleza zu verlegen. Dies soll es möglich machen, bei der Kommunikation zwischen Europa und Lateinamerika die Vereinigten Staaten zu umgehen, um Abhörmaßnahmen der NSA zu erschweren.

Mexiko ist traditionell einer der zwei bedeutendsten Wirtschaftsstandorte der Bundesrepublik in Lateinamerika. Deutsche Firmen hatten Ende 2012 laut Angaben der Bundesbank unmittelbare und mittelbare Direktinvestitionen in Höhe von 9,2 Milliarden Euro in dem Land getätigt - deutlich weniger als in Brasilien (23,9 Milliarden Euro), aber deutlich mehr als in Argentinien (2,5 Milliarden Euro), dem drittgrößten Standort deutscher Unternehmen auf dem Subkontinent. Seine besondere Bedeutung zieht Mexiko aus der Vielzahl von Freihandelsabkommen, die es geschlossen hat; sie machen es zu einem lukrativen Produktionsstandort für den Export. Unter ihnen ragt das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA heraus, das Ausfuhren in die USA begünstigt und das Land als US-Billiglohnstandort schlechthin qualifiziert. Wer auf dem US-Markt konkurrieren will, kann seine Produktionsstätten in Mexiko errichten - und von "niedrige(n) Produktionskosten" sowie einem "recht geringen Regulierungsgrad" profitieren, wie das Bundeswirtschaftsministerium schreibt.[6] Als dem US-Markt vorgelagerter Billiglohnstandort ist das Land in vollständige wirtschaftliche Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten geraten: Rund 50 Prozent seiner Importe kommen von dort, 80 Prozent seiner Exporte gehen in das nördliche Nachbarland, aus dem mehr als die Hälfte der Auslandsinvestitionen in Mexiko stammen. Die andere Hälfte der Auslandsinvestitionen ist ebenfalls weitestgehend auf die Ausfuhr in die Vereinigten Staaten fokussiert.

Während Mexikos Wirtschaft insgesamt zuletzt etwas schwächelte, verzeichnen Auslandsinvestitionen in dem Land seit einigen Jahren einen Boom. "Mexikanische Arbeiter" seien "mit aktuell 6,50 Dollar nur noch einen halben Dollar pro Stunde teurer als ihre chinesischen Kollegen", hieß es im letzten Sommer in der deutschen Wirtschaftspresse; mit dem Anstieg der Einkommen in China gewännen andere Billiglohnstandorte an Attraktivität - darunter Mexiko.[7] Vor allem die Automobilindustrie investiert dort zur Zeit Milliarden; die Zulieferer folgen auf dem Fuß. General Motors etwa steckt von 2013 bis 2018 fünf Milliarden US-Dollar in die Modernisierung seiner Fabriken in Mexiko; Ford will 2,5 Milliarden US-Dollar ausgeben. Toyota hat Investitionen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar in Aussicht gestellt, Honda hat knapp eine Milliarde US-Dollar investiert, Mazda knapp 600 Millionen Euro, Kia 800 Millionen Euro. Audi zahlt rund 900 Millionen Euro für ein neues Werk in Mexiko, BMW 800 Millionen Euro, Daimler und Nissan investieren gemeinsam eine Milliarde Euro. VW, dessen Werk in Puebla 500.000 Fahrzeuge im Jahr produziert und damit die Nummer 2 nach der Stammfabrik in Wolfsburg ist, will bis zum Jahr 2018 gut sieben Milliarden US-Dollar in Nordamerika investieren - einen erheblichen Teil davon wohl in Mexiko. Inzwischen sei Mexiko "der siebentgrößte Autoproduzent der Welt" und habe "Brasilien den Rang abgelaufen", heißt es in der Wirtschaftspresse; laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte könne es in drei Jahren sogar Deutschland vom Platz des drittgrößten Autoexporteurs der Welt verdrängen.[8]

Investitionen in Mexiko gelten inzwischen auch deswegen als außerordentlich interessant, weil das Land der "Pazifik-Allianz" angehört, einem noch jungen Zusammenschluss von inzwischen fünf lateinamerikanischen Staaten.[9] Sie sind sämtlich stark neoliberal orientiert, verstehen sich als prowestlich, betreiben umfangreiche Geschäfte mit Ländern Ost- und Südostasiens sowie der Pazifik-Region - und gelten deshalb als wichtige Verbündete der Vereinigten Staaten und der EU im Einflusskampf gegen China (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Im Fall Mexikos fallen ökonomisches und politisches Interesse an den Milliardeninvestitionen, die die bilateralen Beziehungen stärken, deshalb auf für Berlin günstige Weise zusammen, was die Bemühungen um den Ausbau der Kooperation fördert. Entsprechend sollen die Kontakte nun sowohl ökonomisch wie auch politisch ausgebaut werden...

Mein Kommentar: Das neoliberale System des Kapitalismus - laut Bush sen. das überlegene System - erweist sich als nicht reformierbar und nicht resozialisierbar. Immer dasselbe: Billiglohn, Kampf um Rendite, Kampf ums Überleben auf den Absatzmärkten, Verkauf an die die noch Geld haben und...und ...und... Menschlichkeit, Prosperität für die Masse der Menschen Ade! Gegenkräfte wachsen bereits in- und außerhalb des westlichen Bündnisses.


Friedensdividende: Studie ergibt, dass die israelische Wirtschaft in den ersten zehn Jahren nach einem Friedensschluss um $123 Milliarden wachsen würde(Quelle:Anti Krieg)

Israelische Regierungsvertreter sind Tag für Tag gegen die BDS-Bewegung (Boykott, De-Investition, Sanktionen) losgegangen und haben die Aufassung, dass einige Leute keine Geschäfte mit den okkupierten Territorien betreiben wollen, als Antisemitismus gegeißelt und sich allgemein gegen die Vorstellung gewendet, dass eine ständige Besatzung mit Kosten verbunden sein wird.Eine neue Studie der RAND Corporation hat jedenfalls eindeutig ergeben, wieviele Dollars durch wirtschaftliches Wachstum Israel allein dadurch erwarten kann, dass es nicht das ultraparanoide Sparta in der Levante bleibt, das in eine endlose Reihe von sinnlosen Kriegen mit seinen verarmten Nachbarn verstrickt ist. Würde Israel jetzt sofort Frieden schließen, so die Studie, dann könnte es erwarten, dass seine Wirtschaft um zusätzliche $123 Milliarden über die nächsten zehn Jahre hinweg wachsen würde, wobei ein großer Teil des Wachstums sich einfach dadurch ergibt, dass die von Seiten internationaler Investoren angenommene Unsicherheit des Landes reduziert wird. Das ist ein Haufen Geld, sogar um einiges mehr, als es den Anschein hat, wenn man daran denkt, dass Israel ein Land mit gerade einmal 8 Millionen Einwohnern ist, dessen Bruttoinlandsprodukt sich im Bereich von $300 Milliarden bewegt.

Ungeachtet dieser günstigen Gelegenheit erklärte die kriegsgeile stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely, dass „keine Chance“ auf Frieden mit den Palästinensern unter welchen Umständen auch immer bestehe, und dass die Abwesenheit von Frieden ausschließlich die Schuld der Palästinenser sei. Hotovely ist die Regierungsvertreterin, die vor wenigen Wochen behauptet hat, dass es der Wille Gottes ist, dass Israel alle okkupierten Territorien für immer besitzen soll, und dass das Ministerium sich darauf konzentrieren müsse, diese Auffassung international durchzusetzen.

Mein Kommentar: Saudi-Arabien brüstet sich am 29. April 2014 auf einer Militärparade mit Langstreckenraketen bestückt mit Nuklearsprengsätzen. Im Verdacht diese Nuklearsprengsätze an Saudi Arabien verkauft zu haben stehen Israel, Frankreich und Pakistan.

Was hätte Europa - besonders Deutschland - als Friedensdividende zu erwarten, wenn es nicht Rüstung und Expansion per EU-NATO Bündnis a la von der Leyen auf seine Fahnen schreiben würde sondern schlicht und einfach wie früher Landesverteidigung - wenn schon Abrüstung weltweit kein Thema ist und Krieg ein Zukunftsprospekt. Dazu der nächste Beitrag:


Milliarden für europäische Kriege(Quelle:German Foreign Policy)

10.06.2015 Die deutsche Verteidigungsministerin kündigt neue milliardenschwere Rüstungsprojekte an und zielt auf eine größere militärische Eigenständigkeit Deutschlands und der EU gegenüber den USA. Wie Ursula von der Leyen am gestrigen Dienstag mitteilte, wird die Bundeswehr als Ersatz für ihre "Patriot"-Luftabwehrbatterien das Flugabwehrsystem "Meads" kaufen. Es wird von einem Konsortium unter starker deutscher Beteiligung hergestellt, während die "Patriot"-Systeme komplett aus den Vereinigten Staaten importiert werden mussten. Die Kosten werden auf rund vier Milliarden Euro geschätzt; weitere vier Milliarden Euro sind bereits investiert worden. Deutschland erlange mit Meads größere "sicherheitspolitische Souveränität", erklärt ein CSU-Militärpolitiker.

Zudem wird die deutsche Marine vier Mehrzweckkampfschiffe MKS 180 erhalten - Kosten: ebenfalls vier Milliarden Euro. Mit ihnen werden Kriege fernab des eigenen Landes schlagkräftiger und länger geführt werden können als bisher. Weitere Rüstungsprojekte wie ein deutsch-französisches Kampfpanzerprojekt dienen der Verschmelzung der EU-Waffenindustrie oder zielen wie die "Euro-Drohne" darauf ab, von US-Waffenschmieden unabhängiger zu werden.

Die Bundeswehr wird das Flugabwehrsystem "Meads" ("Medium Extended Air Defense System") beschaffen. Dies hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am gestrigen Dienstag bestätigt. Die Entscheidung gilt wegen ihres finanziellen Volumens wie auch wegen ihrer rüstungspolitischen Tragweite als eine der bedeutendsten der gegenwärtigen Legislaturperiode...Meads wird von einem Konsortium aus der deutschen Filiale des europäischen Rüstungsunternehmens MBDA mit Sitz in Schrobenhausen (Bayern), MBDA Italia und dem US-Konzern Lockheed Martin entwickelt. Der US-Konkurrent Raytheon, dessen Luftabwehrsystem "Patriot" gegenwärtig von der Bundeswehr genutzt wird und der den deutschen Streitkräften eine Weiterentwicklung des Produkts verkaufen wollte, geht leer aus. Das neue System soll spätestens im Jahr 2025 bereitstehen; dann endet die vorgesehene Betriebsdauer der "Patriot"-Batterien der deutschen Streitkräfte. Gegenüber dem Kauf modernisierter US-amerikanischer "Patriot"-Batterien bietet Meads Berlin zudem die Möglichkeit, moderne Sensortechnik im eigenen Land herzustellen und weiterzuentwickeln. Verteidigungsministerin von der Leyen hatte die Sensortechnik vergangenes Jahr zur "Schüsseltechnologie" erklärt.[2]... Das Bemühen, eine von den USA so weit wie möglich unabhängige Rüstungsindustrie aufzubauen, steht auch hinter dem jüngsten Beschluss, eine eigene europäische Drohne zu produzieren. Am 18. Mai haben Verteidigungsministerin von der Leyen und ihre Amtskollegen aus Frankreich und Italien diesbezüglich eine Absichtserklärung unterzeichnet; nun soll eine Studie in Auftrag gegeben werden, die gut 60 Millionen Euro kosten und bis Ende 2017 klären wird, welche Fähigkeiten die "Euro-Drohne" besitzen soll. Offiziell heißt es, sie werde "bewaffnungsfähig" sein; die Bundeswehr fordert ausdrücklich die Beschaffung von Kampfdrohnen. Spätestens 2025 sollen sie eingesetzt werden können...Perspektivisch müsse "Europa" jedoch über eine eigene Drohne verfügen - unabhängig von den Vereinigten Staaten, erklärt von der Leyen: "Ziel der Eurodrohne ist, dass wir europäisch selber entscheiden, was wir aufklären, wo wir die Eurodrohne einsetzen und wie wir die Eurodrohne einsetzen".

Während Berlin die militärtechnologische Eigenständigkeit gegenüber den USA ausbaut, stärkt es zugleich die Verschmelzung der europäischen Rüstungsindustrie. So stellt die Panzerschmiede Krauss-Maffei Wegmann für Mitte Juli die Unterzeichnung einer Fusionsvereinbarung mit dem französischen Panzerbauer Nexter in Aussicht. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen ist im Sommer 2014 beschlossen worden...Beide Firmen sind annähernd gleich groß und kommen zusammen auf einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro - bei mehr als 6.000 Mitarbeitern in Deutschland und Frankreich. Die Fusion ist in Berlin aufgrund von Befürchtungen, Paris könne sich in dem Projekt als stärker erweisen als die deutsche Seite, nicht unumstritten gewesen, wird nun aber befürwortet - unter anderem, weil Frankreich "bei Waffenlieferungen ins Ausland abseits von EU oder Nato wesentlich großzügiger als Deutschland" sei, wie es in der Wirtschaftspresse heißt.[5] Krauss-Maffei Wegmann und Nexter sollen nach ihrer Fusion beginnen, einen neuen Kampfpanzer zu entwickeln, der den deutschen Leopard 2 ablösen wird. Ziel ist es unter anderem, gegen eine russische Panzer-Neuentwicklung bestehen zu können, die gegenwärtig in Arbeit ist. Zuletzt hatten Militärexperten gefordert, für die etwaige Bekämpfung des russischen Modells Uranmunition zu beschaffen (german-foreign-policy.com berichtete [6]).

Mit Paris will Berlin künftig auch im Weltall militärisch kooperieren. Zwei solche Satelliten werden bereits gebaut, einer soll im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden, ein dritter ist inzwischen geplant. Ihn will Berlin zu rund zwei Dritteln finanzieren und sich damit zugleich Zugriff auf die anderen beiden Satelliten sichern. Dies sei zur "Deckung des weiteren Bedarfs der Bundeswehr an elektrooptischen Satellitenbildern" unumgänglich, heißt es im Verteidigungsministerium.[7] Ob es auch bei den vier Mehrzweckkampfschiffen MKS 180, deren Beschaffung für vier Milliarden Euro von der Leyen gestern ebenfalls angekündigt hat, zu deutsch-französischen Kooperationen kommt, ist unklar. Entwicklung und Bau des MKS 180 würden "europaweit ausgeschrieben", heißt es beim Bundesverteidigungsministerium.[8] Das Schiff soll in der Lage sein, Ziele in der Luft sowie über und unter Wasser zu bekämpfen, einen 20 Kilometer weiten Schutzschirm für andere Kriegsschiffe zu schaffen, Landziele zu beschießen und Landeinsätze operativ zu führen... Die entschlossene Fokussierung Berlins auf eigenständige deutsch-europäische Rüstungsprojekte führt nicht nur zu hohen Kosten...Die Fähigkeit, Kriege in Zukunft unabhängig von den Vereinigten Staaten führen zu können, gilt als unverzichtbar. Welches Ausmaß diese europäischen Kriege haben werden, zeigt der Umfang der aktuellen Rüstungsprojekte an.

Mein Kommentar: Was sagt uns unsere bisherige Erfahrung: Die NATO steht und wird auch in Zukunft unter amerikanischem Oberbefehl bleiben. Abhängigkeiten in Politik, Medien, Rüstung, Wirtschaft bzw. Finanzen sind für die westlichen Staaten diesseits wie jenseits des Atlantiks noch viel zu groß. Frau von der Leyen empfiehlt sich laut Artikel als selbstbewusste Deutsche und Europäerin, die sich von der US-Dominanz lösen möchte. Da die Zustimmung der Deutschen zu der engen Allianz mit den USA immer mehr schwindet (dank Schnüffeltätigkeit der NSA und Russlandsanktionen), wird diese Frau mit dem angeblichen Antiamerikakurs als neue Kanzlerkandidatin uns vorgestellt? Das vermute ich. Genau dafür bekam sie nun auch eine Einladung zu der Bilderbergerkonferenz, d. h. einem Klub der internationalen Wirtschafts- und Finanzeliten, der sich gerade trifft. Sie ist ihr "Mann", um Frau Merkel als Bundeskanzlerin abzulösen, der viele Deutsche zu große Nähe zum großen Bruder in Übersee attestieren. Ist das nun eine Spekulation? Ist der Artikel von German Foreign Policy eine fette Zeitungsente? Ich vermute Letztes. Die Zukunft wird uns das verifizieren oder falsifizieren.

Für Letztes spricht auch, dass von der Leyen diensteifrig der Forderung aus USA nachkommt, Europa müsse mehr Geld in die Rüstung stecken und US-EU sich fit für eine gemeinsame Zukunft machen. Das geschieht nun dank Ursula von der Leyen. Die teuer und technisch anspruchsvolle Hardware sollen wir in Deutschland und Europa bauen und zahlen, die Leitung und Lenkung durch Softwareadditative bleibt hinter dem Atlantik wie gehabt.

Seit wir geschriebene Geschichte kennen wurden Waffen und Kriegstechnik in Gesellschaften entwickelt und früher oder später kamen sie auch zur Anwendung. Khane, Sultane, Könige, Kaiser, Cäsaren, Pharaonen etc. verteidigten und erweiterten so ihre Besitzstände. Soldaten kamen in Lohn und Brot, hofften der Armut zu entrinnen und dank Kriegsbeute vielleicht auch ein wenig reicher zu werden. Plündernd zogen sie dann durchs Land. Ihre Anführer wurden oft reich oder verloren wie die Soldaten ihre Gesundheit und ihr Leben - je nachdem. Angeblich beschützten sie Bauern, Kinder und Frauen ihrer Sippe. Was wirklich kam war grenzenloses Elend für die Beschützten - früher oder später. Das ist es was uns Geschichte lehrt über Bewaffnung, Verteidigung und Angriff.

Und trotzdem will uns Frau von der Leyen und Konsorten erzählen sie täte etwas für unsere Sicherheit, wenn sie Steuergelder dafür verpulvert ganz zur Freude der Rüstungsschmieden hier und dort?

BND, CIA, Britischer Geheimdienst und NSA waren offensichtlich nicht clever genug herauszufinden, auf welchem Server Snowden seine Dateien gelagert hat. Russen und Chinese sollen es herausgefunden haben. Wohl denn dem, der technologisch überlegen ist. Ist er es nicht auch militärisch, weil der Kampf, Sieg und Niederlage sich längst in einem so hochtechnologisch neuen Bereich wie elektronische Sicherheit abspielt? Ein Märchen wenn man uns noch länger erzählt, wir hätten die überlegene Verteidigungs- und Angriffstechnologie. Das gilt doch nur in Bezug auf Länder wie Libyen, Türkei, Polen, viele in Afrika und Asien, die unsere Rüstungstechnik und dazu noch die veralteten Systeme für teures Geld den großen Produzenten (USA bis Russland) abkaufen.

Unsere Welt braucht Menschen, die sehen, dass der einzige Garant für Frieden in totaler Abrüstung und totaler Ächtung aller Waffen besteht und den Cyberwar gleich noch mit einschließt. Wozu gibt es eine UNO als friedensschaffende und friedenssichernde Institution? Utopisch sei diese Vorstellung? OK, aber noch utopischer ist der Glaube mit Waffen Frieden sichern zu können. Geschichte beweist das! In diesem Sinne verabschiede ich mich von allen Lesern der Presseschau. Ich danke ihnen und Herrn Jahnke nochmals mir diese Gelegenheit gegeben zu haben.

Mit den besten Wünschen für uns alle

Ihre Elfi