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Von http://www.jjahnke.net/chinum.html, Version 07.03.07

Mit wenig Übertreibung kann man sagen: In China entscheidet sich das Weltklima. China ist seit einigen Jahren zur Fabrik der Welt geworden und versorgt bei einem stark steigenden Export den Rest der Welt immer mehr mit Industriegütern, deren Produktion hier konzentriert wird. Die chinesische Industrieproduktion wächst seit fünf Jahren jedes Jahr zwischen 16 % und 17 % (Abb. 08088), was zu einer Verdoppelung in jeweils vier bis fünf Jahren führt. China hat Deutschland nach Wirtschaftskraft als drittgrößtes Land bereits abgelöst und kann nach Projektionen von Goldman Sachs um das Jahr 2040 auch die USA abhängen (Abb. 08019).

China wird zum Haupt-Emittenten von CO2

Doch diese Entwicklung kostet Umwelt, chinesische und vor allem über den CO2 Ausstoß immer mehr Welt-Umwelt. Das chinesische Wachstum ist bisher zu einem großen Teil exportangetrieben und beruht insoweit auf Verlagerung von Industrieproduktion aus den alten Industrieländern. Dabei finden Energieproduktion und -verbrauch in China mit weit schlechteren Ausnützungsgraden und dementsprechend höheren Emissionen statt (Abb. 07062). Dort wird pro Einheit an Bruttoinlandsprodukt bis zu zweimal so viel CO2-Emission erzeugt wie in der Eurozone, bei bis zu fast dreimal soviel Verwendung von "schmutziger" Kohle auf der Basis veralteter Kraftwerkstechnik in der Stromerzeugung. Der Energieverbrauch ist allein in den Jahren 2000 bis 2005 um mehr als die Hälfte gestiegen (Abb. 08090).

In der neueren Zeit ist China zu einem klassischen wenn auch extremen Beispiel für die Entwicklung der Nachfrage nach Öl in einigen aufstrebenden Schwellenländern geworden. Der IWF erwartet, daß in China schon in 2030 mehr KfZ als in USA fahren werden (Abb. 07030). Kraftfahrzeuge chinesischer Technik verbrauchen 20 % bis 30 % mehr als ausländische Modelle.

Chinas steil steigende Motorisierung, allgemeine Mobilität und zunehmende Konsumermentalität treiben den Öldurst gewaltig an (Abb. 07009). Mehr als die Hälfte der zusätzlichen Weltnachfrage nach Öl entfällt auf China und die USA. Wenn jeder zweite Chinese eines Tages ein Auto besitzen sollte, wie in USA, so würde sich die Zahl aller Autos in der Welt schon deswegen von jetzt 540 Millionen um weitere 600 Millionen mehr als verdoppeln.

Alle sieben bis zehn Tage geht ein neues großes Kohlekraftwerk irgendwo in China ans Netz. Dabei ziehen die chinesischen Kraftwerksbetreiber billige und umweltbelastende Technologie von mit ihnen verbundenen heimischen Herstellern dem Import teuerer moderner und umweltfreundlicherer Ausrüstung vor. Über die nächsten 25 Jahre werden die Treibhausgase aus Chinas Kohlekraftwerken die Treibhausgas-Emissionen aller Industrieländer zusammen übersteigen und fünfmal mehr an Belastung ergeben als die vom Kyotoprotokoll vorgesehenen Einschränkungen.

Dramatisch fallen die letzten Gesamtprojektion per 2030 aus. Nach dem OECD-Energieausblick kommen die Entwcklungsländer für über drei Viertel des erwarteten Anstiegs der Emissionen zwischen 2004 und 2030 auf. Sie überholen die westlichen Industrieländer (OECD-Raum) als Hauptverschmutzer um 2012 (Abb. 07100). Ihr Anteil and den Welt-Emissionen wird vom 39 % auf 52 % ansteigen. Dabei steigen die Emissionen schneller als der Energieverbrauch, weil der zusätzliche Verbrauch mehr als in den anderen Regionen auf Kohle beruht. China allein ist für 39 % des globalen Anstiegs an Emissionen verantwortlich. Nach Abschätzung der Internationalen Energie Agentur der OECD, wird China die USA noch vor 2010 als größtes CO2-Emissionsland überholen (Abb. 07126).

Auch das World Watch Institute hat auf der Basis des Resourcenverbrauchs und der Emissionen errechnet, daß China und Indien beim heutigen japanischen Pro-Kopf-Niveau bereits 2030 einen extra Planeten von der Größe der Erde brauchten, um ihre Bedürfnisse abzudecken. China z.B. würde den heutigen japanischen Pro-Kopf-Emissionswert bereits mit einer jährlichen Zuwachsrate an Emission von nur 5 % bis 2030 erreichen - seine Wirtschaft wächst nun bereits seit Jahren um rund 10 % und die Industrieproduktion zwischen 16 und 17 % jährlich, wobei bei 10 % BIP-Zuwachs derzeit die Emissionen um 6 % pro Jahr wachsen.

Ebenso erwartet die US Energy Information Administration von 2003 bis 2030 einen Anstieg der weltweiten Emissionen um 3/4, und zwar getrieben von China besonders in Nicht-OECD-Asien, aber auch vor allem wegen der Entwicklung in USA einen weiteren Anstieg im OECD-Bereich (Abb. 07077).

Chinas Umweltpolitik

Chinas Umweltverwaltung ist traditionell schwach. Kommt es zum Konflikt mit den Wirtschaftsplanern, die die Beschaffung von Arbeitsplätzen für das größte Problem Chinas halten, so haben sie in der Vergangenheit in der Regel den Kürzeren gezogen. Typisch ist da die Antwort des Chefingenieurs für das Schanghaier Stromnetz im Gespräch mit dem Korrespondenten des Berliner Tagesspiegels : "Wir tun alles, um die Emissionen zu begrenzen. Aber Sie sollten auch das chinesische Problem verstehen: Wir müssen die wachsende Nachfrage decken. Wir können ja nicht verbieten, dass die Menschen Häuser, Klimaanlagen und Internetanschluss haben wollen. Sind nicht auch in Deutschland 19 neue Kohlekraftwerke geplant?"

Bei der Verabschiedung des Fünf-Jahres-Plans für die Jahre 2006 bis 2010 im Staatsrat war vorgesehen, binnen fünf Jahren, den Energieeinsatz gemessen an der Wirtschaftsleistung um 20 % zu senken. Die Realitäten sehen bisher freilich anders aus: So hat das National Bureau of Statistics Chinas mitgeteilt, daß der ohnehin vergleichsweise hohe Energieverbrauch pro Produktionseinheit in 2006 um 0,8 % weiter zugenommen hat. Da wirken bisher selbst die Worte von Präsident und Parteichef Hu Jintao anlässlich der Dezember-Sitzung des Politbüros hohl: „Partei und Gesellschaft müssen begreifen, wie dringend die Steigerung der Energieeffizienz ist". So ist auch Zhou Dadi, der die vergangenen zwölf Jahre das energiewissenschaftliche Institut des NDRC-Superministeriums geleitet hat, vorsichtig: Selbst im besten Fall, wenn alle Pläne aufgehen, werde Chinas Kohleverbrauch bis zum Jahr 2020 noch einmal um mindestens 50 Prozent zunehmen und mit ihm der Ausstoß von Treibhausgasen.

China und internationale Vereinbarungen

China hat im Kyoto-Protokoll als Entwicklungsland keinerlei Beschränkungen seiner Emissionen akzpetiert. Es ist auch bisher nicht bereit, Beschränkungen zu akzeptieren. Seine Vertreter in internationalen Gesprächen verweisen darauf, daß die alten Industrieländer das Problem geschaffen hätten und nun nicht China Beschränkungen auferlegen könnten.

Sehr bezeichnend hat China die größte Delegation zur UN-Klima-Konferenz im Februar 2007 in Paris geschickt, um darüber zu wachen, daß der UN Umweltbericht nicht zu hart ausfällt. Hier beispielshaft einige der chinesischen Interventionen, die in der Regel allein oder mit Unterstützung von Saudi-Arabien, das um seinen Ölabsatz besorgt ist, vorgetragen wurden. So versuchte China erfolglos, eine Liste von Unsicherheiten in den Prognosen in das Dokument zu bekommen. China wollte die Betonung eines unzureichenden Verständnisses der Rolle von Aerosols. China verhinderte mit der Behauptung jährlicher Schwankungen die beabsichtigte pauschale Feststellung, daß die Zuwachsrate der CO2-Emissionen in den letzten zehn Jahren zugenommen habe. China setzte die Streichung in der fettgedruckten Passage durch, die den menschlich verursachten Beitrag zur Erwärmung mit dem natürlichen der Sonne vergleichen sollte. China verhinderte die von Deutschland und anderen geforderte Feststellung einer Beschleunigung des Erwärmungstrends in den letzten 25 Jahren. China verlangte einen Hinweis auf Unbestimmtheiten in den Klima-Modellen, dem in einer Fußnote stattgegeben werden mußte. Natürlich wandte sich China auch gegen die Formulierung als „sehr wahrscheinlich" für die menschliche Verursachung des Anstiegs der Treibhausgase und wollte statt dessen „wahrscheinlich" oder notfalls „zunehmend sehr wahrscheinlich" durchsetzen, was jedoch nicht gelang. Schließlich kämpfte China bis tief in die letzte Nacht gegen den Vergleich der derzeitigen Temperaturerhöhung in Grönland mit der Temperaturerhöhung und dem 4 bis 6 Meter Meereshöhenzuwachs vor 125.000 Jahren. Das war die letzte noch offene Frage, bei der China schließlich einlenken mußte.

Dieses Verhalten Chinas, das man eher von den USA erwartet hätte (die sich aber konstruktiv verhalten haben), ist ein böses Omen für seine Bereitschaft, irgendeine Form von Disziplin in der Emission von Treibhausgasen zu akzeptieren.