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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 03/03/2008 09:37 -

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Der Handel mit China gilt vor allem deshalb als großer Vorteil in den Ländern, die viel Chinaware importieren, weil er angeblich die Bevölkerung dauerhaft mit äußerst billigen Konsumgütern versorgen kann.

Dahinter verschwindet das Bewußtsein, in welchem enormen Umfang Industrieproduktion aus diesen Ländern nach China verlagert wird. Ganze Produktsparten sind inzwischen zur „Werkbank" der Welt abgewandert. Die chinesische Industrieproduktion ist im vergangenen Jahr 2007 mit der gigantischen Rate von 18,5 % gewachsen (Abb. 08130). Der auch dafür notwendige Bauboom hat den Zementverbrauch auf fast die Hälfte dessen in der ganzen Welt hochschnellen lassen.


Dabei ist das chinesische Wirtschaftswachstum im wesentlichen immer noch exportangetrieben. Die Exporte steigen steil an (Abb. 08001), im vergangenen Jahr mit einer Steigerungsrate von 25,7 % (Abb. 08131). Bei einer solchen Rate verdoppelt sich der Export in nur 4 Jahren.



Zum Beispiel wurden schon vor zwei bis drei Jahren 70 % aller Spielsachen, 60 % aller Fahrräder, zwei Drittel aller Photokopierer, Mikrowellenöfen, DVD-Spieler und Schuhe, mehr als die Hälfte aller digitalen Kameras, die Hälfte aller PCs, 35 % aller Mobiltelephone, und 30 % aller Fernseher heute in China gefertigt. Nach Einschätzungen der deutschen Automobilindustrie wurden in China bereits im ersten Halbjahr 2005 mehr Personen- und Nutzfahrzeuge gebaut als in Deutschland. Das größte Handelshaus der Welt, der amerikanische Wall-Mart-Konzern, bezieht inzwischen mehr als 70 % seines Sortiments aus China. Schon 2004 hat China die USA vom ersten Weltrang der Exporteure von Produkten der Informations- und Kommunikationstechnik wie Mobiltelefone, tragbare Computer und digitale Photoapparate, also einer ausgesprochenen Zukunftsbranche, verdrängt.

China hat rund ein Fünftel der Weltbevölkerung (Abb. 14091). Bei 6 % der Weltwirtschaftsleistung (Abb. 14092) erbringt das Land bereits 10,4 % der Weltexportleistung (Abb. 14092). Gegen Ende des vergangen Jahres hat es Deutschland als Exportweltmeister verdrängen können (Abb. 14069).





Wie steht es da mit den Auswirkungen auf die Preise in den Abnehmerländern, wie Deutschland? Mit bei uns steil steigenden Inflationsraten wird immer deutlicher, daß der positive Effekt billiger Chinaware nicht mehr ankommt. Der Preisauftrieb durch die steil steigende chinesische Nachfrage auf den Weltmärkten für Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel kompensiert bereits den Billigeffekt. In Großbritannien, das sehr viel Industrieprodukte aus China importiert, wird inzwischen angenommen, daß der Effekt auf die Preise netto positiv also steigend geworden ist.

Deutschland ist nach Berechnungen des IWF und der Bundesbank das Land mit dem höchsten Anteil von Importen aus Niedriglohnländern am Bruttoinlandsprodukt geworden, dies verglichen mit USA, Frankreich und Japan (Abb. 07191). Der größte Anteil der Importe aus Niedriglohnländern kommt dabei aus China. In ihrem Monatsbericht vom Oktober 2007 verweist die Bundesbank auf eine OECD-Studie, wonach sich unter Berücksichtigung der preistreibenden sowie der preisdämpfenden Effekte der Globalisierung der Nettoeffekt auf die Verbraucherpreise für die OECD Länder zwischen 1995 und 2005 in einer Größenordnung von nur 0 bis -0,25 Prozentpunkten pro Jahr bewegt haben könnte. Wenn der Nettoeffekt schon zwischen 1995 und 2005 so gering dämpfend war, so dürfte er seitdem erheblich steigernd wirken.


Seit dem vergangen Jahr zeigt sich nun eine weitere Entwicklung. China bekommt die eigene Inflation nicht mehr in den Griff. Sie betrug 2007 4,8 % und wird für 2008 auf knapp 7 % geschätzt (Abb. 08129). Schuld daran ist nicht zuletzt die wachsende Nachfrage einer zu relativem Wohlstand kommenden städtischen Bevölkerung, die ihre Ansprüche an Unterkunft, Energieeinsatz, Motorisierung und hochwertigere Nahrungsmittel stellt und dem westlichen Lebensstandard nachstrebt. Dieser erhebliche Teuerungseffekt wird teilweise auch über die chinesischen Exportpreise weitergegeben werden müssen. China kommt dabei zugute, daß es auf vielen Ausländsmärkten die heimische Industrie inzwischen schon total oder fast total verdrängt hat und damit relativ ungestört die Preise anziehen kann. Denn niemand wird auf die Idee kommen, verdrängte Industriesparten gleich wieder aufzubauen, wenn China die Preise anhebt. Über solche Situationen darf man sich nicht wundern, wenn man Lieferanten-Monopole oder -Quasimonopole zuläßt.


Der Traum von den ewigen China-Schnäppchen kann sich damit sehr schnell als die große Illusion herausstellen, jedenfalls dort, wo wir und andere alte Industrieländer die eigene Industrieproduktion schon aufgegeben haben. Das hat man dann davon, wenn man sich neoliberal mit einer dumpenden Staatswirtschaft einläßt. Dumping ist nun mal die Methode, mit der Märkte aufgerissen werden, um dann die Preise zu erhöhen, wenn die Konkurrenten ausgeschaltet sind.

Eine Staatswirtschaft, wie China, hat da noch besondere Vorteile. So kann jetzt der bisher durch Anbindung an den Dollar nach unten manipulierte Wechselkurs des Renminbi zum Floaten nach oben freigegeben werden und prompt verteuern sich die einstigen Schnäppchen. Tatsächlich hat die chinesische Regierung den Renmimbi etwa seit November letzten Jahres gegenüber dem sinkenden Dollar aufwerten lassen (Abb. 08133) und hat auch schon eine Aufwertung gegenüber dem Euro zugelassen (Abb. 08132).



Leider hat der neoliberale Handelskommissar Mandelson das Antidumping-Schwert der EU stumpf gemacht, unterstützt von seinem Heimatland Großbritannien, den anderen EU-Nordlichtern und den neoliberalen EU-Beitrittsländern. Der jüngste Fall betraf von China unter Kosten gedumpte Kompressoren, bei denen es bereits die Hälfte des EU-Marktes besetzt hat, vor allem Dank der Verlagerung von EU-Produktion. Der Tatbestand ist unstreitig. Doch der Handelskommissar wollte keinen Antidumpingzoll verhängen. Argument: Es würde die Käufer in Europa mehr schädigen als die verbliebenen Produzenten, vor allem in Italien. Doch letztere sind bereit, bei einem Antidumpingzoll Produktion aus China zurückzuverlagern, und umgekehrt alles nach China zu verlagern, falls der Antidumpingzoll nicht verhängt wird. Wieder spalteten sich die EU-Mitglieder, von denen genau die Hälfte den Zoll unterstützen, die andere Hälfte ihn aber ablehen (bei einer Enthaltung). In einem solchen Fall kann der Handelskommissar Mandelson seine Haltung durchsetzen.

Nun kann man in der Financial Times vom 3. März den Aufschrei des EU-Kommissionspräsidenten Barroso unter der Überschrift "Barroso protection alert" lesen: "Protektionistischer Druck verstärkt sich quer durch Europa, selbst bei den politischen Kräften, die traditionell freie Märkte unterstützten. Ja, und ich fürchte nicht nur in Europa sondern überall. Einige der mitterechts Kräfte sind nun konservativer. Die Europäer sind beunruhigt wegen Chinas hohen Handelsbilanzüberschusses mit Europa. Ich weiß sehr wohl, daß einige Menschen Chinas Wachstum für eine Bedrohung halten. Ich habe den Chinesen gesagt: Ihr müßt uns helfen. Ihr müßt beweisen, daß es gut ist für die globale Wirtschaft". Wie naiv sind solche Ermahnungen bei einem Handelspartner, der kühl zu kalkulieren gelernt hat?


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