Die deutsche Wettbewerbsposition auf den Weltmärkten hängt entscheidend von den Lohnstückkosten und der
Inflationsrate ab, neben anderen Faktoren wie innerer (die Sozialverhältnisse einschließender) und äußerer Frieden, Rechtsordnung, Infrastruktur, Ausbildungsstand,
Innovationsfähigkeit und Steuersystem. Die besonders gedämpfte Entwicklung bei den Lohnstückkosten hat den deutschen Export enorm wettbewerbsfähig gemacht, siehe hier.
Wie die
Abbildung 04170 sehr deutlich zeigt, sind - wie nicht anders zu erwarten - die Entwicklungen von Exportsaldo einerseits und Nettolöhnen und -gehältern andererseits negativ korreliert: Wann
immer die Arbeitseinkommen steigen, geht mit kleineren Zeitdifferenzen der positive Saldo zurück, und wenn die Arbeitseinkommen sinken, steigt er (ebenfalls mit kleineren Zeitdifferenzen) steil
an.
Schon seit 2001 fallen nun die Realeinkommen verbraucherpreisbereinigt und steigt gleichzeitig der Exportüberschuß stark an. Anders ausgedrückt: Die Exportüberschüsse
entwickeln sich - wenig überraschend - nicht zuletzt auf dem Rücken und mit dem Schub rückläufiger Arbeitskosten der Exportunternehmen. Nicht nur im Export, sondern auch im
Exportsaldo war Deutschland 2004 Weltmeister (Abb. 03024).
Insgesamt ist wegen der positiven Saldoentwicklung der Außenbeitrag zum deutschen Bruttoinlandsprodukt seit 2000 auf über 5 %
stark angestiegen (Abb. 04174) - der Wert ist übrigens fast so hoch wie bei China.
2. Sondersituation mit der Eurozone
Besonders ausgeprägt war dabei der Anstieg mit der Eurozone, weil
hier die deutsche Exportindustrie ohne die sonst zu erwartende und vor der Euroeinführung übliche Wechselkursanpassung ihre Wettbewerbsvorteile, besonders die günstige
Lohnstückentwicklung und niedrigere Inflationsrate, voll auspielen kann (Abb. 06003). Außerdem hat Deutschland, indem nichts oder wenig zur Ankurbelung der Binnennachfrage getan wurde,
seine Inflationsrate auf einem relativ niedrigen Niveau halten können (Abb. 06004), ebenfalls ein, wenn auch unfairer Vorteil im Wettbewerb mit den Partnern der Eurozone und ein Pluspunkt bei
der Saldoentwicklung.
Die gesamte Saldoentwicklung war daher entscheidend durch die Entwicklung innerhalb der Eurozone bestimmt (Abb. 04175). Im vergangenen Jahr kamen hier mehr als 65 % des
deutschen Gesamtüberschusses zusammen. Rechnet man die anderen EU-Länder dazu, die zum größten Teil dem Eurokurs als Leitwährung folgen, so waren es sogar 80 % (Abb. 06037).
Allein sieben Eurozonenländer kommen für fast zwei Drittel des deutschen Exportüberschusses mit aller Welt auf (Abb. 06013).
Ohne die Eurozonen-Überschüsse und die mit
einigen anderen dem Euro folgenden EU-Ländern wäre der deutsche Außenhandel weiter so ausgeglichen wie in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Ausserdem hat Deutschland, indem
nichts oder wenig zur Ankurbelung der Binnennachfrage getan wurde, seine Inflationsrate auf einem relativ niedrigen Niveau halten können (Abb. 06004), ebenfalls ein Vorteil im Wettbewerb mit den
Partnern der Eurozone und ein Pluspunkt bei der Saldoentwicklung. Natürlich hat die Lohnstückentwicklung auch die Exporte mit den USA und anderen Ländern befördert.
Dagegen
sind die Lohndifferenzen gegenüber den Billigststandorten natürlich viel zu hoch, um in der Regel durch Lohnverzichte überbrückt zu werden (Abb. 12104), dies mit der Folge
kräftig steigender Importanteile (Abb. 08018).
3. Fazit
Alles das hat der deutschen Exportindustrie also eine prächtige Entwicklung vor allem im Windschatten der festen Wechselkurse der
Eurozone ermöglicht. Dabei jagt sie offensichtlich für größere Marktanteile jeder Verkaufsmöglichkeit nach, während sie mit etwas weniger Export höhere Preise
erzielen könnte. Man muß fast vermuten, daß der Eurovorteil von vornherein einkalkuliert war, als die deutsche Industrie der Bundesregierung Rückendeckung für diese in
Deutschland und bei der Bundesbank ziemlich unpopuläre Umstellung gab. Immerhin war bekannt, daß die Steigerungen der Nominallöhne, nicht zuletzt wegen der stärkeren Rolle der
dortigen Gewerkschaften, in den meisten Europartnerländern traditionell höher als in Deutschland ausfielen. Nicht ohne Grund waren immer wieder Wechselkursanpassungen mit Abwertungen z. B.
des französischen Frank und der italienischen Lira nötig geworden oder hatte die DM gegenüber den Partnern aufwerten müssen.
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