Mehr als 27 % der erwachsenen Europäer leiden Schätzungen zufolge mindestens einmal im Leben unter psychischen Störungen, wie die EU-Kommission in ihrem neuesten Bericht vom 17.
Oktober 2005 feststellt. Die verbreitesten psychischen Störungen in der EU sind Angst und Depression (Abb.04083). Man rechnet damit, daß bis zum Jahr 2020 Depressionen in den Industriestaaten die
zweithäufigste Ursache von Erkrankungen sein werden. Eine Spitze des Eisberges ist die Zahl der Selbsttötungen, die zurzeit in der EU bei etwa 58.000 Bürgern jährlich liegt; dies
übertrifft die Zahl der jährlichen Todesfälle durch Straßenverkehrsunfälle, Tötungsdelikte und HIV/AIDS.
Die Kosten psychischer Erkrankungen betragen
schätzungsweise 3 % - 4 % des BIP, hauptsächlich als Folge von Produktivitätsverlust. Psychische Störungen sind eine der Hauptursachen von Frühverrentung und Invalidisierung.
Ungeachtet verbesserter Behandlungsmöglichkeiten und positiver Entwicklungen in der psychiatrischen Versorgung erfahren psychisch kranke und geistig behinderte Personen nach Auffassung der
EU-Kommission immer noch soziale Ausgrenzung, Stigmatisierung, Diskriminierung und Verletzungen ihrer Grundrechte und ihrer Menschenwürde. Von den deutschen Gesundheitsausgaben entfallen 10 %
auf seelische Störungen.
Vergleichende Studien der psychischen Situation in einzelnen EU-Ländern sind wiederholt unternommen worden, auch wenn die Korrelierung der Daten in der Regel
schwierig ist. Nach einer Studie von 2004 befindet sich Deutschland im Mittelfeld nach den Niederlanden, Schweden, Spanien, Luxemburg, Belgien und Österreich, allerdings mit einem Wert, der wie
bei allen untersuchten EU-Ländern relativ weit verbreitete spychische Bedrängnis oder auf Englisch formuliert "psychological distress" andeutet (Abb. 04084).