Löhne und Gewinne - 2 Geschichten




Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 25/02/2006 09:37 -

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I. Die Geschichte von Löhnen und Gehältern

Die Lohn- und Gehaltssumme ist brutto seit Ende 2000 bis 2005 nur um geringe 2,9 % gestiegen. Bereinigt man sie noch um den Anstieg des Verbraucherpreisindex, so ergibt sich ein Rückgang um 5,4 %. Da wegen der gleichzeitig gestiegenen Arbeitslosigkeit die Lohn- und Gehaltssumme auf zunehmend weniger Köpfe entfiel, ist hier der Rückgang je Arbeitnehmer mit 2,9 % etwas weniger, aber immer noch deutlich (Abb. 04054). Der Anteil des Arbeitnehmerentgelds am Volkseinkommen schrumpft deutlich (Abb. 04027).





Dabei gibt es entgegen den Behauptungen der Arbeitgeber keinerlei deutschen Nachholbedarf in „Lohnmoderation". Über den langjährigen Zeitraum 1995 bis 2004 hat die Produktivität je Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe um 26 Punkte (Basisjahr 2000 = 100) zugenommen, während der Verdienst je Arbeitnehmer nur um 6 Punkte angewachsen ist; im Jahr 2005 hat sich der Vorsprung der Produktivität gegenüber dem Durchschnittsverdienst weiter erhöht (Abb. 040990).



Deutschlands Lohnstückkosten haben über die vier Jahre 2001 - 2005 (nach Spanien) das Schlußlicht der internationalen Entwicklung abgegeben.



Bei dieser Lage kann es nicht verwundern, daß die Verbraucherausgaben seit Jahren stagnieren (Abb. 04003), und zwar wesentlich mehr als in den meisten Vergleichsländern (Abb. 04018). Bei der entscheidenden Bedeutung des Binnenmarktes kann der Export diese Lage nicht ausgleichen. Im Ergebnis stagniert auch die Gesamtwirtschaft ablesbar am Bruttoinlandsprodukt; das dritte Quartal 2005 zeigte keine substantielle Verbesserung gegenüber dem ersten (Abb. 04002).







Das Jahr 2005 insgesamt brachte nur einen winzigen Zuwachs von 0,9 % (Abb. 04158).



II. Die Geschichte von den Unternehmens- und Vermögenseinkommen

In starkem Kontrast zu den Arbeitnehmereinkommen sind die Unternehmens- und Vermögenseinkommen kräftig gestiegen. Auch wenn man sie ebenfalls um den Anstieg des Verbraucherpreisindex bereinigt, bleibt ein schönes Plus von 22,6 % seit Ende 2000 (siehe oben Abb. 04173). Die höheren Vermögenseinkommen konzentrieren sich bei den besser Verdienenden und versacken dort zum Teil nur in der wesentlich höheren Sparquote (Abb. 04026), da dieser Personenkreis schon gut mit allem Nötigen versorgt ist.



Die Unternehmenseinkommen expandieren (so auch die der Unternehmensführungen). Deutschlands börsennotierte Großunternehmen haben nach den Rekordgewinnen von 2004 nun im 1. Halbjahr 2005 noch einmal um durchschnittlich 22 Prozent zugelegt. Die Unternehmensgewinne sollten eigentlich Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen dienen und auch Investionen zur Steigerung der Produktivität der deutschen Wirtschaft insgesamt, was im internationalen Wettbewerb die Zukunft entscheidet. Statt dessen sparen auch die Unternehmen und zahlen Kredite zurück oder kaufen ihre Aktien zurück. Die Bruttoanlageninvestitionen gehen jedenfalls in Deutschland - mit einem kleinen Plus im 3. Quartal 2005 - seit Jahren zurück (Abb. 04029), auch weil die Industrie bei stagnierendem Verbrauchereinkommen keine Entwicklung der Binnenkonjunktur sieht. Die Produktivität stagniert dementsprechend preisbereinigt (Abb. 03008). Die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze ist erheblich geschrumpft (Abb. 04008).







Die Situation in Frankreich ist übrigens diametral anders (Abb. 13032)



III. Zwei Geschichten

Zwei Geschichten und ein zwingender Zusammenhang. Es sollte doch nicht so schwer sein, das zu begreifen. Dennoch haben die Wirtschaftswissenschaft (bei wenigen Außenseitern), die Politik und natürlich die Verbände immer wieder zur Lohnzurückhaltung aufgefordert. Das dabei vordergründige Argument war der internationale Wettbewerb oder die Globalisierung schlechthin. Insbesondere die Ausrüstungsindustrie, die die deutschen Exportüberschüsse in allererster Linie erwirtschaftet, erhofft sich von Lohnzurückhaltung Standortvorteile. Tatsächlich aber kann auf der Importseite mit Lohnzurückhaltung gegenüber Billigstimporten aus China und Osteuropa wegen der großen Kostenunterschiede ohnehin nichts gewonnen werden. Auf der Exportseite wurde der Vorteil niedrigerer Lohnstückkosten zu einem großen Teil gegenüber den Partnerländern der Eurozone eingefahren, die nicht mehr abwerten können. Der Verlust an interner Kaufkraft durch Lohnzurückhaltung war immer sehr viel größer als der Zugewinn von draußen.



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