Ich teile Ihre Schlußfolgerungen. Die notwendige Kehrtwende muß damit beginnen, Kosten dort zu buchen, wo sie entstehen und dringend dieselben nicht zu sozialisieren was ja nicht nur die Falschen trifft sondern in vielen Fällen erst eine einseitige Ertragsrechnung des Verursachers möglich macht, die dann an den Börsen dieser Welt als Wachs- und Clevertum gefeiert werden kann.

Ich möchte allerdings betonen, daß hier Steuern und Zölle gefragt sind um diese Kosten dort zu belasten, wo sie verursacht werden und nicht etwa ein neuer Wust an Subventionsmaßnahmen; dazu folgendes Beispiel aus eigener Erfahrung: Wie bekannt gibt es in Deutschland aber bereits auch anderswo erhebliche Einspeisevergütungen für elektrische Energie aus landwirtschaftlichen Biogasanlagen, dem Strom aus renewables. Deutschland zahlt in den meisten Fällen 0.17 oder 0.19 per kW/h. Das ist vollkommen in Ordnung wenn dabei das gewollte Ziel erreicht wird, u.a. die Weiterverarbeitung von Gülle wobei es um die Vermeidung der Methanfreisetzung geht, die Bauern zusätzliche Einnahmen generieren können und die entstehenden Energien weitestgehend, d.h. möglichst vollständig genutzt werden. Durchschnittliche Biogasanlagen produzieren 100 bis 300 kWe die Stunde, dabei wird ein Mehrfaches an thermischer Energie generiert, ergo 200 bis 600kWt. Das ist Stand heute eine physikalische Regel, gewissermaßen unvermeidbar. An einigen wenigen geeigneten Standorten wird die Energie komplett genutzt; leider ist aber die Ausnutzung des thermischen Teils problematisch, da ad 1 zu viel davon anfällt für ad 2 zu wenige Abnehmer, denn die Biogasanlagen sind meist auf landwirtschaftlichen Anwesen, ergo weit entfernt von Wohn- bzw. Industriegebieten angelegt.

Nun gibt es mittlerweile Anlagen die durchaus in den 1, 2 oder gar 3 MW Bereich vorstoßen, schlimm genug, denn Abnehmer für die „Hitze“, die thermische Energie, das 2 bis 3-fache der elektrischen Energieproduktion, mithin 2 oder 4 MW an Wärme, gibt es nie – wo ja wäre das dann in der Tat die die Regel bestätigende eine Ausnahme! Um die Effizienz zu steigern werden im großen Stil Energiepflanzen, meist Mais, angebaut und wie auch gemahlenes Getreide beigemischt, um dann möglichst effizient möglichst viele kWe zu produzieren was der Rechnung „kWe x 0.17 “ ein gewünscht hohes Resultat folgen läßt.

Schon bei Anlagen dieser Größenordnung werden weite Transportwege (der Rohbestandteile) in Kauf genommen ebenso wie die Tatsache, daß das, was von einer aus Gründen der Effizienz nach 30 oder 35 Tagen abgebrochenen Fermentierung übrig bleibt zum einen nicht „fertig vergast“ ist und zum anderen rein volumentechnisch neue Kosten der Lagerung und Weiterverarbeitung generiert. Mit Kosten ist hier die Belastung der Umwelt gemeint, denn durch die hohen Einspeisevergütungen kann der Betreiber solcher Anlagen selbstverständlich die anfallenden pekuniären Kosten begleichen und insgesamt erhebliche Einnahmen erzielen. Da ist es höchstens lästig, weite Wege der zu hohen Ausbringung bezahlen zu müssen.

Die weltweit größte Anlage dieser Art entsteht nun in Ostdeutschland mit 20MW; das sind 40 Biogasanlagen, 40 Fermenter mit 40 Blockheizkraftwerken der Größe 500kWe; das Ganze auf 20 Fußballfeldern! Sicher wird ein Teil der generierten thermischen Energie für die Verarbeitung der anzuliefernden Gülle, die Heizung der Fermenter gebraucht, dennoch kann niemand sich auch nur ansatzweise vorstellen, welcher Überschuß an Wärme hier abgeblasen werden wird. 20, 30 oder 40 MWt könnten ganze Städte heizen, Tausende von Haushalten, nur gibt es derer an der polnischen Grenze wenig. (MWt sind Megawatt an thermischer Energie).

Um die hohen Incentives und lukrativen Vergütungen, immer aber Subventionen zu erlangen springen Kapital- und Finanzunternehmen auf und fördern/fordern den Bau riesiger Anlagen; dabei wird nicht nur der ursprüngliche Gedanke der dezentralen Energiegewinnung konterkariert und die beschriebene Wärmeemission in Kauf genommen sondern noch viel mehr die Tatsache verheimlicht, daß das Endsubstrat aus einem nicht vollendeten Fermentierungs- bzw. Vergasungsprozeß beileibe nicht Methanfrei ist; im Gegenteil, betrachtet werden muß das Volumen der nicht vollständig fermentierten Gülle zuzüglich den beigefügten Mais und Getreidemengen – auch nicht vollständig fermentiert – im Verhältnis zur originär angefallenen Güllemenge. Im Grunde arbeiten die Anlagen alle bestens wenn Mais und Getreideanteile über 60% der zu fermentierenden Biomasse ausmachen somit ist die Methanbilanz deutlich negativ weil hinter der Biogasanlage mehr dieses Treibhausgases anfällt als in der ursprünglich eine Biogasanlage begründende Güllemenge vorhanden wäre. Was nützt es da, am CO2 Ausstoß ganze Abkommen aufzuhängen?

Ach ja: für die o.g. 20 MW Anlage bedarf es des Anbaues von Energiemais auf annähernd 9.000ha Land. Anbau, Düngung, Bearbeitung, Ernten, Transport, auch die Einkommen der Bauern, alles Ausgaben die durch die Subvention bezahlt werden – jedoch die wahren Kosten werden wieder sozialisiert weil auch hier nicht zu Ende gedacht wird. So aber jemand meint, so billig könne die Erklärung nicht sein dann folgte daraus, dass auch das wieder so geschieht weil die Prediger der freien Marktwirtschaft es so liberal haben wollen.

Ich möchte betonen dass ich nicht gegen den Bau von Biogasanlagen bin – doch auch wie bei den riesigen Windkraftanlagen darf die Rechnung nicht ohne den Wirt gemacht werden; sonst geht der Wirt, unser Lebensraum, baden – das ist sicher und ist wirklich nicht schön, zu Ende zu denken.