...............................

hits


NEUES SYSTEM





Hier einige Schwerpunkte:

Demo

Demo

verlierer

armut

china

skandinavien

steuer

Angst

hedge

bildung

system

umwelt

 

Webseite
per EMail
weiterempfehlen

 

Mail-Zugang Fragen +Anregungen

 

Rundbrief bestellen


 

Schaubildboxen

Deutschland

Welt/Umwelt

 

Bookmark

 


Zur Bestellung von "Globalisierung: Legende und Wahrheit" hier


Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 03/10/2010 09:37 -

zur Druckansicht

Auswertung der September 2010-Ausgabe der OECD von "Bildung auf einen Blick" und anderen Materials

Der Kampf um wirtschaftlichen Wohlstand und relative Vorteile im internationalen Wettbewerb findet verstärkt über Investitionen ins Bildungssystem statt. Vor allem die Länder Asiens werfen enorme Mittel in ihre Bildungssysteme und greifen damit den Rest der Welt in der Konkurrenz nicht nur am unteren Ende der einfachen Produkte sondern auch in High-Tech und wertvollen Dienstleistungen an. Allein in China und Indien kommen jedes Jahr 4 Millionen Hochschulabsolventen dazu, schon jetzt wesentlich mehr als die 3,2 Millionen in Europa; für ganz Asien sind es ca 7,5 Millionen.

In dieser Situation waren schon die bisherigen OECD-Bildungsberichte aufrüttelnd. Auch der neue Bericht dieses Jahres zeigt deutlich, wie Deutschland seine Zukunft verspielt. Hier einige immer noch zutreffende Zitate von Angel Gurría, Generalsekretär der OECD, bei der Vorstellung des 2007-Berichts in Berlin:

»» Vergleicht man aber die Gesamtheit der tertiären Bildungsabschlüsse (Studium) der Generation, die sich dem Rentenalter nähert, mit dem Qualifikationsniveau der 25- bis 34-Jährigen, so ist Deutschland von Rang 10 auf Rang 22 zurückgefallen, und zwar vor allem deshalb, weil die Abschlussquoten im tertiären Bildungsbereich andernorts so viel rascher gestiegen sind. In den letzten zehn Jahren haben die Immatrikulationen für tertiäre Bildungsgänge OECD-weit um durchschnittlich 41% und die Ausgaben für die Tertiärbildung um 55% zugenommen. Demgegenüber sind die Immatrikulationen in Deutschland um gerade einmal 5% und die Ausgaben um 12% gestiegen.

»» Zu der ohnehin geringen Bildungsbeteiligung im Hochschulsektor kommt noch hinzu, dass ein großer Teil der Studierenden die Ausbildung ohne Abschluss abbricht. Bei den traditionellen fünf- bis sechsjährigen Studiengängen in Deutschland wird mit 35% eine hohe Abbrecherquote verzeichnet.

»» Deutschland gibt pro Studierenden im Tertiärbereich weniger aus als im OECD-Durchschnitt und weniger als die Hälfte des Betrags, den die Vereinigten Staaten hierfür.

»» Deutschland gehört zu den Ländern, in denen der soziale Hintergrund den größten Einfluss auf die Bildungsbeteiligung im Tertiärbereich hat: So haben nur 16% der Studierenden in Deutschland einen Vater, der Arbeiter ist. Bereits im Alter von zehn Jahren werden Schulkinder auf die verschiedenen Zweige des Schulsystems verteilt, wobei Kinder aus sozial benachteiligten Familien häufig an Zweige verwiesen werden, in denen die Leistungserwartungen niedriger sind. Das zeigt sich auch an den schwachen schulischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.

»» Die Mehrheit der deutschen 15-Jährigen zieht eine Hochschul- oder Berufsausbildung im tertiären Bereich nicht einmal mehr ernsthaft in Betracht: Lediglich 21% der Mädchen und 18% der Jungen streben einen tertiären Bildungsabschluss an. Diese Zahlen sind besorgniserregend. In Korea streben nahezu 80% der 15-Jährigen einen tertiären Bildungsabschluss an. Der OECD-Durchschnitt liegt immer noch über 50%.

Abbildung 13807 gibt einen groben Überblick der deutschen Platzierung bei der besonders ungünstigen Situation der Hochschulabschlüsse und der im internationalen Vergleich unzulänglichen finanziellen Ausstattung des Bildungssystems. Im weiteren Bericht werden die einzelnen Aussagen detailliert mit besonderen Darstellungen aufgegriffen.


I. Ausbildungsstand

Deutschland landet mit einem Anteil von Hochschulabsolventen in der Gruppe der Jüngeren von 25 bis 35 Jahren - also dem akademische Nachwuchs - auf einem der hintersten Plätze (Abb. 13088).


II. Hochschulabschlüsse

Während Deutschland bei der Abschlußquote im Sekundärbereich noch relativ gut abschneidet, sieht es mit den Hochschulabschlüssen viel schlechter aus. Deutschland liegt hier mit einer Hochschulabschlußquote von nur 26 % des Jahrgangs weit unter dem OECD-Durchschnitt von 38 % so ziemlich am Ende des Vergleichsfeldes (Abb. 13001). Anders als die meisten anderen Länder hat Deutschland die Abschlußquote zwischen 2000 und 2008 nur wenig verbessern können (Abb. 13089). Weniger Akademiker als in Deutschland werden nur noch in zwei Vergleichsländern ausgebildet: in Österreich und Luxemburg. "Wenn man berücksichtigt, dass künftig geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen, wird Deutschland den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können", so schon Studie von 2008. Das sei mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung Besorgnis erregend.



III. Hochschulabschlüsse im natur- und ingenieurwissenschaftlichen Bereich

Niedrige Abschlussquoten in den 80er und 90er Jahren schlagen sich auch in einem niedrigen Anteil von naturwissenschaftlichen Hochschulabsolventen in der Erwerbsbevölkerung nieder. Mit lediglich 1423 naturwissenschaftlichen Absolventen der Hoch- und Fachhochschulen unter 100.000 Erwerbstätigen in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen liegt Deutschland unter den OECD-Staaten mit vergleichbaren Daten nach den letzten schon etwas veralteten Zahlen für 2006 nur unternhalb des Durchschnittes im unteren Mittelfeld (Abb. 13002).


IV. Öffentliche Mittel im Bildungssystem

Ein besonders leidiges Thema ist der Einsatz öffentlicher Mittel im Bildungssystem. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt rangiert Deutschland mit 4,7 % weit unten und auch weit unter dem OECD-Durchschnitt (Abb. 13004, 13805). 1995 hatte der Anteil noch 5,1 % betragen.



Vor allem das deutsche Grundschulsystem, das für die Entwicklung der sozial Benachteiligten so große Bedeutung hat, ist notorisch unterfinanziert (Abb. 13092). Klassenstärken und Zahl der Schüler pro Lehrer sind im international Vergleich von Grundschulen besonders hoch (Abb. 15280, 13806).




V. Bildungsaussichten und Familieneinkommen

Die zweite Pisa-Studie von 2004 hat eneut belegt, daß in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Welt der Schulerfolg so abhängig vom Familieneinkommen und der Vorbildung der Eltern wie in Deutschland ist, nur in Ungarn, Belgien und Portugal sind die Aussichten für Kinder aus sozial schwachen Familien noch schlechter. Das ist im übrigen auch das Ergebnis des Armutberichts der Bundesregierung von 2004, demzufolge Kinder von Gutverdienern eine mehr als siebenfach größere Chance, ein Studium aufzunehmen, haben als Kinder aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialem Status, relativ wenig Chancengleichheit also.

Nach der OECD-Berechnung ist an deutschen Schulen für Kinder aus der unteren sozialen Schicht die "Wahrscheinlichkeit" des Versagens in der Basisqualifikation Mathematik um 4,6 mal größer als für Kinder aus der Oberschicht. Nur noch Belgien, die Slowakei und Ungarn haben unter 29 untersuchten Staaten noch schlechtere Werte (Abb. 13090). Ebenso ist die Wahrscheinlichkeit, keinen Hochschulabschluß zu erreichen, 3,1 mal größer (Abb. 13317); das ist fast doppelt so hoch wie in Finnland und wird nur noch von Ungarn übertroffen.



Auch weisen Studenten viel häufiger Väter auf, die ebenfalls studiert haben, als es deren Anteil an der Gesamtgeneration entspricht (Abb. 13321).


VI. Die Pisastudien

Die OECD vergleicht regelmäßig die Bildungssysteme ihrer Mitgliedsländer. Ihre sog. "Pisa-Studien" haben in Deutschland wegen des relativ schlechten Abschneidens Schockwellen ausgelöst. Das gilt vor allem im Vergleich zu den vorzüglich abschneidenden skandinavischen Ländern. Nach der letzten Pisa-Studie für 2003 ist Finnland erneut der internationale Spitzenreiter im Bereich der Schulbildung. Aber auch Schweden und Dänemark schneiden in der Regel besser als Deutschland ab und liegen meist oberhalb des Durchschnitts, während Deutschland im Mittelfeld hängen bleibt (Abb. 12027). Auffällig ist dabei die in Deutschland relativ hohe Leistungsvarianz zwischen Schulen, die sich von dem einheitlicheren Bild z.B. der skandinavischen Länder unterscheidet.


VII. Berufliche Weiterbildung

Auch bei der beruflichen Weiterbildung sieht es nicht besonders gut aus. Die Unternehmen rufen nicht einmal die Subventionen ab, die hierfür bei der Bundesagentur für Arbeit bereitgehalten werden. Im internationalen Vergleich leisten deutsche Unternehmen zur betrieblichen Weiterbildung Älterer realtiv wenig (Abb. 14910).


VIII. Bildung von Immigrantenkindern

Im internationalen Vergleich ist der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung relativ hoch und wird schon jetzt fast nur von den ausgesprochenen Einwanderungsländern Kanada und Australien übertroffen (Abb. 13285). Entsprechend wichtig ist der Schulerfolg der Immigrantenkinder.


Deutschland hat nach Feststellungen der OECD den bei weitem größten negativen Abstand in der Lesefähigkeit von Immigranten-Kindern verglichen mit denen von einheimischen Eltern (Abb. 13284). Auch bei mathematischen Leistungen haben Immigrantenkinder in Deutschland den im internationalen Vergleich größten Abstand von einheimischen Kindern (Abb. 13320).



Die Chancen von Immigrantenkindern der zweiten Generation, in Deutschland einen Hochschulabschluß zu erreichen sind besonders schlecht (Abb. 13319).


IX. Fazit

Man wird sagen müssen: In einer Zeit verstärkten globalen Wettbewerbs riskiert Deutschland wegen Schwächen im Bildungssystem zusätzliche Arbeitslosigkeit und seine Wettbewerbsfähigkeit. Wie soll Deutschland als ein Staat, der die Steuern jahrelang gesenkt hat und dann wegen der Schulden sparen muß, die notwendigen Mittel für die Gestaltung seiner Zukunft finden?


»»» Für andere der 132 Schwerpunktthemen auf jjahnke.net bitte hier anklicken (dort auch Bestellfenster für regelmäßigen kostenlosen Rundbrief). «««