BILD-Nachlese aus 2009/10: Eine Sammlung zum Augenöffnen
Gedanken zur Zeit 1616 22-12-09: BILD's Klima-Dummheiten
Beim Klima schaltet der BILD-Geist total ab. Jetzt lehnt BILD weitere Verhandlungen über die Emissionsbeschränkung ab. Statt dessen soll über eine Senkung des Ölverbrauchs verhandelt werden. Hat BILD noch nicht begriffen, daß der größte Klimakiller Kohle und nicht Öl ist? Hier aus dem Kommentar von heute nach dem Motto „Freiheit des Geistes statt Öl"und unter der Überschrift „Wir brauchen keine neuen Klima-Gipfel":
„Nach der Flop-Konferenz von Kopenhagen reden schon alle vom nächsten Klima-Gipfel. 2010 in Mexiko ... Die Wahrheit ist: Wir brauchen keine Klimakonferenzen mehr. Es gab genug davon - und sie sind alle gescheitert. Was bedeutet das Scheitern des Klima-Gipfels für die Zukunft unserer Erde? Wir haben schon viel zu oft Politikern zugehört, die rührselige Reden über schwitzende Eisbären hielten.
Was wir endlich brauchen, ist ein Energie-Gipfel. Eine Konferenz, auf der die besten Forscher der Welt darüber reden, wie wir endlich die Allmacht des Öls überwinden. Öl ist der größte Klimakiller. Öl ist in vielen Ländern der klebrige Feind der Demokratie. Die mächtigste Waffe der freien Welt hingegen ist ihr Geist. Statt weiter Diktaturen ihr Öl abzukaufen, sollten wir endlich Milliardenbeträge in die Suche nach neuen Energien, in die Forschung, in den Geist investieren. Denn in einer Welt, die kein Öl mehr braucht, ist das Klima besser - und die Diktatoren sind pleite. „Grün" ist längst kein Thema mehr für Baum-Umarmer, die Fröschen über die Straße helfen. „Grün" ist die wichtigste Demokratie- und Freiheitsbewegung unserer Zeit."
Gedanken zur Zeit 1615 21-12-09: BILD: Die SPD ist schuld am Kunduzdesaster nicht Guttenberg
Im Faktenverdrehen war BILD schon immer gut. Hier eine Kostprobe vom heutigen Kommentar unter der Überschrift „Guttenberg ist die falsche Zielscheibe":
„Beim Thema Afghanistan wird die Luft bleihaltig: Um Kunduz ranken sich noch viele Fragezeichen. Vielleicht hilft es ja, an ein paar Fakten zu erinnern. Tatsache Nr. 1: Deutsche Soldaten verteidigen „am Hindukusch auch unsere Freiheit", weil Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Außenminister Joseph Fischer (Grüne) es 2001 so wollten. Tatsache Nr. 2: Die deutsche Öffentlichkeit wurde über Kunduz zunächst nicht richtig informiert. Deshalb musste der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sein neues Amt als Arbeitsminister räumen. Tatsache Nr. 3: Als die ersten deutschen Soldaten nach Afghanistan geschickt wurden, saß zu Guttenberg noch nicht einmal im Bundestag, beim Vorfall von Kunduz war er noch Wirtschaftsminister. Fazit: Wer beim Thema Afghanistan auf den populären Verteidigungsminister schießt, erzeugt zwar Lärm, zielt aber auf den Falschen."
Seit wann ist Guttenberg als Verteidigungsminister eigentlich „populär", wie BILD suggeriert. Und wieso hat die falsche Informationspolitik und die vorschnelle und flasche Rechtfertigung des Bombardements von Kunduz durch Guttenberg mit Schröder und Fischer zu tun?
Gedanken zur Zeit 1612 20-12-09: Merkel von der „verblaßten Klima-Queen" zur „Mutti Erde"
Unglaublich der Bogen der sich heute um Angela Merkel spannt. Für die Grünen-Vorsitzende Roth ist sie die einstige „Klima-Queen", deren glamour verblaßt ist. Doch für den BILD-Kommentar kommt sie als „Mutti-Erde" zurück. Haben die eigentlich noch alle Tassen im Schrank bei BILD oder halten sie ihre Leser endgültig für kleine Kinder, denen man alles in den Hals schieben kann? Hier Auszüge aus dem BILD-Kommentar:
„So traurig das Gipfelergebnis ist: Zu Weltuntergangsstimmung darf es nicht führen. Schon bei der UN-Folgekonferenz Mitte 2010 in Bonn könnte ein neuer Geist herrschen. Die Hoffnungen ruhen wieder einmal auf Angela Merkel, deren Wort in der globalen Klimadebatte Gewicht hat. Viel wird davon abhängen, ob es ihr gelingt, die Interessen der Schwellen- und Entwicklungsländer stärker zu berücksichtigen. Nur dann wird über Bonn der ersehnte weiße Rauch aufsteigen. Und dann wird die Klimakanzlerin zu Mutti Erde."
Wieso soll eigentlich Merkels Wort besonderes Gewicht haben? Weil Deutschland im nie endenden Exportwahn überall seine Klimatechnologie zu vermarkten versucht? In Kopenhagen jedenfalls stand sie total machtlos im Schatten, als die Großen (USA, China, Indien, Brasilien und Südafrika) den faulen Kompromiß aushegten. Und da setzt BILD nicht einmal Anführungszeichen um Mutti Erde.
Und die Ex-Klima-Queen und neue „Mutti Erde" bringt sich selbst in „Bild am Sonntag" hoffnungsvoll zu Worte und in Stellung, als hätte sich mit Kopenhagen nichts verändert und seien wir alle naiv:
„Kopenhagen ist ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer Kopenhagen jetzt nur schlechtredet, beteiligt sich am Geschäft derer, die bremsen, statt voranzugehen. Auf Kopenhagen muss jetzt aufgebaut werden. Das wird Deutschland auf der Konferenz Mitte des Jahres in Bonn tun."
Mutterland - kannst ruhig schlafen!
Gedanken zur Zeit 1606 17-12-09: BILD immer an der Seite bombender Soldaten und eines scharfzüngigen Ministers
Aus zwei BILD-Kommentaren von gestern und heute, die die Einseitigkeit dieses Blattes in der Kunduz-„Affäre" zeigen, die mehr als nur einfach eine „Affäre" ist (nomen est omen):
„In BILD reden heute Bundeswehrsoldaten Klartext. Sie sind empört, wie mit ihnen umgegangen wird. Sie sind enttäuscht, wie über sie geredet und geschrieben wird. Sie haben recht. Unsere Soldaten sind weder Angsthasen noch bombenschmeißende Zivilisten-Killer. Sie versuchen nur, in einem schwierigen Einsatz, der seit Jahren immer gefährlicher wird, ihre Pflicht zu tun. In der Kunduz-Affäre geht es NICHT darum, dass sich unsere Soldaten dafür rechtfertigen müssen, dass sie eine Waffe tragen und sie im Ernstfall auch einsetzen. Unsere Soldaten sind im Krieg. Und sie erwarten, dass diese Tatsache in der Heimat endlich akzeptiert wird."
„Das hat es noch nicht gegeben. Noch nie. Der bis vor Kurzem oberste Soldat der Bundeswehr wirft dem Verteidigungsminister öffentlich Lügen vor. Doch so spektakulär das ist - es lenkt vom Eigentlichen ab. Der Bombenangriff vom 4. September - ob „militärisch angemessen" oder nicht - war in jedem Fall der mit Abstand blutigste Einsatz der Bundeswehr, seit sie besteht. Aber behandelt und aufgearbeitet wurde er mit einer Wurstigkeit, als ginge es um eine geklaute Kiste Draht. Letzten Endes verantwortlich dafür waren ein Minister, ein Staatssekretär und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan. Alle drei verloren ihre Ämter zu Recht. Darum geht es. Dagegen verblasst die Frage, ob der neue Minister Guttenberg in Talkshows zu salopp formuliert hat. Oder ob General Schneiderhan auf die erste oder auf die anderthalbte Nachfrage die gesuchten Berichte hervorzog. Wenn General Schneiderhan sich in seiner Ehre verletzt sieht - SO wird er sie nicht wiederherstellen."
BILD liebt nun mal den Waffeneinsatz unserer Soldaten und den Minister mit der flotten Zunge. Da werden tränenrührend Soldaten vorgeführt, die sich für ihren Einsatz extra bezahlen lassen, die niemand nach Afghanistan gezwungen hat, und die nun mehr Respekt erwarten, auch wenn mal eben Zivilisten bombardiert werden. BILD-Mitleid mit solchen Soldaten, aber kein Wort des Mitleids mit den ermordeten Frauen, Kindern und anderen Zivilisten, bei deren hinterbliebenen Familien sich die Bundesregierung mit einer Art Ablaßhandel von der moralischen Verantwortung freikauft.
Gedanken zur Zeit 1549 01-11-09: BILD: Kindergeld für Schnaps und Glotze
Man konnte damit rechnen. Auch BILD fährt klammheimlich auf der Sarazzin-Buschkowsky-Linie einer schamlosen Verallgemeinerung und Diskriminierung dessen, was leichtfertig die "Unterklasse" genannt wird. Aus dem Kommentar von heute:
"Aus dem Mann (gemeint ist Buschkowsky ) spricht nicht nur Wut, sondern die Sorge des Stadtvaters, der auf den Tisch haut, weil er zu Problemen, die eine ganze Generation ins Abseits bringen, nicht schweigen kann. Natürlich soll man Familien nicht pauschal vorwerfen, sie könnten mit dem Betreuungsgeld nicht vernünftig umgehen. Doch gerade die Kinder, die Bildung und Erziehung am nötigsten hätten, werden von dem Geld am wenigsten profitieren. Es darf nicht sein, dass Kinder als lukrative Finanzierungsquelle für Schnaps und Glotze herhalten. Der Staat muss sicherstellen, dass Kindergeld Geld für Kinder ist. Selbst der Preis einer stärkeren Kontrolle wäre dafür nicht zu hoch."
Mit "klammheimlich" meine ich, daß sich BILD verbal gegen eine pauschale Kritik ausspricht, dann aber ein Betreuungsgeld in seiner pauschalen Anwendung unterstützt und sich dabei auf Merkel beruft:
"Sie räumte ein, dass es wohl besser sei, Hartz-IV-Empfängern das Geld als Gutschein zu geben für die Bildung ihrer Kinder - Buschkowsky also in der Sache recht habe."
Das ist die widerliche Art von BILD-Kommentaren, die unter die Gürtellinie geschlagen werden, dabei aber moralisch aussehen sollen, indem die Gürtellinie verbal abgesenkt wird.
Gedanken zur Zeit 1543 26-10-09: Verlogener geht es nicht: BILD heute: "Familien haben bis zu 154 Euro mehr pro Monat"
Heute macht BILD groß mit der Schlagzeile auf "Familien haben bis zu 154 Euro mehr pro Monat". Schlägt man dann die beigefügte Tabelle dieser angeblichen steuerlichen Großtat nach, so findet man, daß dieser Betrag auf verheiratete Doppelverdiener mit einem Monatseinkommen von 6.000 Euro zutrifft. Für den Durchschnittsarbeitnehmer, zu dem auch die Bestverdiener wie Ackermann, zählen, sind das bei einem Monatseinkommen von 2.319 Euro (Alleinstehender) allerdings nur ein Drittel davon, nämlich gerade einmal 50 EUR. Und ein sehr großer Teil der Arbeitnehmer hat Einkommen unterhalb des Durchschnittes und bekommt damit noch weniger Entlastung.
Der Kriegsruf der BILD-FDP-Brüderschaft "Mehr Netto vom Brutto" war von Anfang an ohnehin irreführend. Da in den nächsten Jahren die Löhne der meisten Arbeitnehmer stagnieren werden, trifft die sogenannte kalte Progression ohnehin nur auf die Best- und Besserverdiener zu. Beim durchschnittlichen Arbeitnehmer lag der Anteil von netto an Brutto des Monatslohns zwischen den Jahren 2000 und 2008 wegen verschiedener Steuerentlastungen immer in einer engen Bandbreite um 65 % (Abbildung hier) und ist daher eine kalte Progression nicht einmal feststellbar.
Im Kommentar von BILD heute heißt es nun unter der Überschrift "Wort gehalten!: "Man kann über die neue schwarz-gelbe Regierung viel sagen. Über manche Ministerbesetzung spotten, über manch schwammige Formulierung im Koalitionsvertrag lästern. Aber eines muss man sagen: Bei den Steuern haben CDU/CSU und FDP Wort gehalten. Die schwarz-gelbe Koalition hat sich festgelegt, setzt alles auf eine Karte - Wachstum. Denn ohne Wachstum wird aus diesem Versprechen nichts. Heißt: Schwarz-Gelb geht einen gewagten Weg. Aber es ist derzeit der einzig Mögliche." Dies zeigt wieder einmal, wie verlogen die ganze Vor- und Nachwahlpropaganda ist.
Gedanken zur Zeit 1530 19-10-09: BILD und FDP: Wenn sie schreiten Seit an Seite
Fast jeden dritten Tag schicken jetzt die BILD-Kommentatoren Steuersenkungs-Salven durch die Gegend. Das Massenblatt agiert voll auf der FDP-Linie. Es läßt sogar die unsinnige Forderung von Ifo-Sinn zu Worte kommen, wonach Steuersenkungen auch auf Pump finanziert werden sollten. Dann können sich die Wohlhabenden gleich zweimal bereichern: einmal über die Steuersenkung und dann noch einmal über wegen der Staatsverschuldung notwendige Bundesanleihen, deren Zinsen mit wachsender Verschuldung auch noch steigen werden.
Aus dem Kommentar von heute:
"Die FDP weiß, dass sie ohne Steuersenkungen ihre Wähler vor den Kopf stößt. Und die CDU spürt, dass auch ihre eigenen Wähler mehr erwarten als eine Fortsetzung der alten Steuererhöhungs-Politik. Einfach ist das alles nicht. Die Kassen sind wegen der Finanzkrise leer. Aber noch nie hat ein Land eine wirtschaftliche Krise überwunden, in dem es die Steuern erhöht oder die Staatsausgaben gekürzt hat. Wir können uns nicht aus der Krise "heraussparen", wir müssen "herauswachsen". Da gibt es keine 08/15-Lösungen. Deshalb kann es nicht schaden, wenn die Koalitionspartner nichts übers Knie brechen. Das Land braucht eine Agenda 2020."
In der Vergangenheit haben Steuersenkungen selten zu gesundem und nachhaltigem Wirtschaftswachstum geführt, zumal wenn die Hauptbegünstigten die Wohlhabenden sind, die dann auch nicht mehr als jetzt schon ausgeben. Der letzte, der mit diesem Rezept auf die Nase fiel, war Bush in USA. Die BILD-Forderung nach Steuersenkungen ohne Kürzung von Staatsausgaben kann nur zu mehr Staatsverschuldung führen, also Steuersenkung auf Pump. Volkswirtschaftlich ist das Wahnsinn. Wenn sich der Staat schon für die Konjunktur verschulden muß, soll er das über direkte, konkunkturstützende Staatsausgaben tun, weil dann wenigstens die Nachfrage angekurbelt wird und Steuersenkungen nicht zu weiter aufgeblähten Sparstrümpfen der so Begünstigten führen oder - moderner formuliert - zu mehr Spielkapital auf dem Finanzmarkt.
Es wird auch immer deutlicher, daß BILD mit seiner monatelangen Steuersenkungs-Kampagne der FDP gezielt die BILD-verdummten Wähler zugetrieben hat und jetzt von der FDP den Preis dafür einklagt.
Gedanken zur Zeit 1517 13-10-09: Über die dummen FDP-Wähler und BILD
Jeder halbwegs Gescheite hätte sich ausrechnen können, wie eng die Spielräume für Steuersenkungen sind. Sie sind nur im Gegenzug zu massiven Absenkungen der sozialen Leistungen finanzierbar. Dazu aber fehlt der CDU der Mut, zumal vor den Wahlen in NRW. Trotzdem haben viele Bundesbürger im Vertrauen auf die Steuerversprechen der FDP diese Parte gewählt.
Nun fängt das Heulen und Zähneklappern über den Umfall der FDP bei BILD an. Hier aus dem heutigen Kommentar unter der Überschrift "Fällt die FDP schon um?":
"Die FDP wird kleinlaut, so klingt es. Regieren ist doch ein bisschen komplizierter als Opposition. Fallen die Liberalen am Ende um? Das wäre eine Schande. Hinter vermeintlich neuen Haushaltsnöten kann sich die FDP nicht verstecken. Die Finanzkrise samt Folgen war ja kein Staatsgeheimnis. Eine echte Steuerreform mit spürbarer Entlastung hat FDP-Chef Guido Westerwelle immer und immer wieder versprochen. Dafür ist er gewählt worden. Damit steht oder fällt seine Glaubwürdigkeit: Die Wähler haben sein Wort. Wenn das Geld für mehr Kindergeld UND Steuerreform zugleich nicht reicht, dann muss Guido Westerwelle sich entscheiden. Noch kann er sein Steuer-Wort halten. Tut er es nicht, wäre es eine ganz schwere Hypothek für die schwarz-gelbe Koalition - ein böser Fehlstart."
Man merke: Hier gehen Steuersenkungen, die die FDP vor allem für die höheren Einkommensgruppen im Programm hat, vor Kindern. Wie pervers ist BILD eigentlich und wie weit weg von den Dummen, die dieses Blatt jeden Morgen am Kiosk erstehen und damit ihre eigene Verdummung einkaufen?
Gedanken zur Zeit 1507 06-10-09: Der Zynismus von BILD ist nicht mehr zu übertreffen
Vor den Wahlen hat BILD nur noch Dreck auf die "alte Tante" SPD geworfen. Jetzt tut das Massenblatt in seinem heutigen Kommentar so, als würde es sich der Interessen dieser Partei annehmen:
"Die deutsche Sozialdemokratie steckt mit ihrer neuen Führung in der Zwickmühle. Weiter nach links und weg von den eigenen Reformen? Oder Konzentration auf die Mitte der Gesellschaft? Und da knirscht es an der SPD-Spitze gewaltig. Nahles, Wowereit und Kraft zieht es in Richtung Gysi/Lafontaine. Gabriel und Co. balancieren die Flügel aus und Steinmeier steht schon jetzt auf einsamem Posten. Es ist wie bei der Geschichte vom Hasen und Igel! Die SPD kann noch so links werden, die Linkspartei ist mit ihren Heilsversprechen immer einen Schritt voraus. Was die SPD dann hinter sich lässt - nämlich die Mitte der Wählerschaft, kann schnell die nach links gerückte CDU ausfüllen. Für die alte Tante SPD wäre das ein tödliches Spiel."
Wer da nicht merkt, was hier gespielt wird, muß stockdoof sein. BILD hat nur eine Mission: rechts ... rechts .. rechts ...
Gedanken zur Zeit 1495 29-09-09: BILD: Nachdem die SPD abserviert ist, wird gegen Seehofer gepöbelt
Ohne das Hauptopfer der BILD-Pöbeleien SPD, hat sich das Blatt nun die CSU und hier Seehofer vorgenommen, dem es die Kritik an der FDP verargt und der ihm offensichtlich zu linkslastig ist. Im Kommentar von heute wird Seehofer schon der Abgang nahegelegt. Offensichtlich ist jetzt Guttenberg BILD's CSU-Lieblingskind:
„Die CSU hat so schlecht abgeschnitten wie noch nie bei einer Bundestagswahl seit 1949. Das ist Horst Seehofers Schuld. Der CSU-Chef wollte ganz nah bei „seinen" Bayern sein. Er wollte sich beliebt machen. Aber er war nur beliebig. Wer morgens gegen die eigene Bundesregierung stänkert, aber nachmittags mit der Kanzlerin säuselt, ist kein bayrischer Löwe, sondern ein Irrlicht. Wer bei Gentechnik, Gesundheit, Steuern oder Afghanistan sein Fähnchen mal nach diesem, mal nach jenem Wind hängt, dem geht das Wichtigste in der Politik verloren: die Haltung. Denn nur Haltung macht glaubwürdig. Horst Seehofer, der Politprofi, hat einen Anfängerfehler gemacht: Er hat die Wähler unterschätzt. Ihren gesunden Menschenverstand, ihr Gedächtnis. Jetzt muss er ganz schnell ein anderer werden. Und wenn er das nicht kann oder das nicht will - dann muss er gehen."
Für BILD sind offensichtlich nur Politiker akzeptabel, die auch noch den letzten Widerstand gegen den neoliberalen Kurs aufgeben. Da spielt das Blatt „verbrannte Erde" mit der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, allerdings nur mit dem Stückchen, das vielleicht noch übrig ist.
Gedanken zur Zeit 1487 26-09-09: Der BILD-Wahlaufruf für Schwarz-Geld
Nun endlich kommt auch die direkte Wahlempfehlung von BILD für Schwarz-Geld im Kommentar von heute:
"Bekommen wir eine Neuauflage der Großen Koalition? Mit ein bisschen "Weiter so!", mit viel Zoff von Anfang an? Und in Lauerstellung die Kommunisten von der Linkspartei, zu denen sich manche in der SPD hingezogen fühlen... Oder gibt es einen Regierungswechsel, eine bürgerliche Mehrheit von Union und FDP? Mit einer starken, erfahrenen Kanzlerin, mit einer (vielleicht) neuen Politik."
Da wird auch gleich der noch unerfahrene Guttenberg prompt zu einem der "zwei souveränsten Minister des Kabinetts" ernannt und die Bundeswehr in Afghanistan zur Wahlschutzbrigade, als hätte es dort echte Wahlen gegeben. Und der Iran muß natürlich auch noch in die BILD-Wahlsuppe geworfen werden:
"In Afghanistan sind dieses Jahr deutsche Soldaten gestorben, damit Afghanen sicher zur Wahl gehen können. Im Iran wurden diesen Sommer junge Menschen auf der Straße erschossen, weil sie frei wählen wollten."
Schade um Deutschland, wenn das auflagenstärkste Blatt glauben kann, mit solcher Propaganda, die an finsterste Zeiten des Landes erinnert, die Wahlen beeinflussen zu können.
Gedanken zur Zeit 1456 02-09-09: 53.000 Euro pro Arbeitstag und dann ein Loblied von BILD auf die Bescheidenheit
Ex-Arcandor-Chef Eick sollte 15 Millionen Euro nach genau 184 Arbeitstagen kassieren, also 80.000 Euro pro Arbeitstag. Nun will er sich unter öffentlichem Druck mit 53.000 Euro pro Tag oder insgesamt 10 Millionen Euro zufrieden geben. Und sofort kommt das Lob vom BILD-Kommentar, als sei mit solchen „noblen" Taten der Zweifel in die Fehlsteuerung des gesamten Systems zu Gunsten einer finanziellen Oberschicht beseitigt:
„Wieder war ein deutscher Manager dabei, beim Abschied einen großen Fehler zu begehen! Und wieder hätte das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft, der Glaube an einen Funken soziale Gerechtigkeit gelitten! Es ist deshalb klug, wenn der Manager jetzt ein Drittel der Summe für die Versorgung von Mitarbeitern in besonderer Not spenden will. Wie Ex-Porsche-Chef Wiedeking hat Eick begriffen, dass weniger auch mehr sein kann. Dass ein guter Ruf mehr wert ist, als alles Geld der Welt. Dass Augenmaß das Gebot der Stunde ist. Es wäre hilfreich für das soziale Klima in diesem Land, wenn sich diese Erkenntnis in den Chefetagen herumsprechen würde."
Da ist also für BILD das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft und der Glaube an die soziale Gerechtigkeit gerettet, wenn ein Pleite-Manager, der keinen Pfifferling wert war, 52.000 Euro für jeden Arbeitstag statt 80.000 Euro kassiert und mal eben 10 Millionen mitnimmt, während Tausende Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Arme „soziale Marktwirtschaft", wenn sie im größten deutschen Massenblatt so abgewertet wird.
Gedanken zur Zeit 1454 01-09-09: Wenn der BILD-Kommentar auf dem letzten Loch pfeift
Heute in BILD an Lofontaine (Auszug):
„Lieber Oskar Lafontaine, lassen Sie uns menschlich miteinander reden. Sie sind ein silberhaariger 65-jähriger Mann. Als Kanzlerkandidat der SPD wurden Sie Opfer eines Messer- Attentats. In der Wahlnacht im Fernsehen sah ich die Narben an Ihrem Hals und Ihr glückliches Gesicht. Ich mache mir Sorgen um Sie, weil Sie besessen sind. Vor zehn Jahren schmissen Sie den SPD-Vorsitz hin, weil Sie sich von Schröder gemobbt fühlten. Sie gründeten mit den PDS-Kommunisten die LINKE. Wenn ich Sie so sehe mit Ihren Messerstichen am Hals und dem Schröder-Mobbing in der Seele, dann habe ich Mitleid mit Ihnen. Rache ist süß. Aber Rache ist wilde Justiz. Mit Rache kann man kein großer Mann in der Geschichte Deutschlands werden. Was groß bei Ihnen ist, ist Ihr Ego, Ihre Besessenheit, Ihre Sucht nach Macht. Das macht Sie klein."
Wie bösartig kann so ein Schreiberling eigentlich werden, wenn er den Verleger und die Redaktion hinter sich glauben kann. Da wird zwischen den Narben am Hals eines Attentatopfers und seiner politischen Rolle eine pathologische Verbindung konstruiert. Lafontaine mag ja das Messer am Hals gehabt haben, doch BILD scheint nach den Landtagswahlen das Wasser am Hals zu stehen. Man muß kein besonderer Freund von Lafontaine sein, um diesen BILD-Stil widerlich zu finden.
Gedanken zur Zeit 1415 06-08-09: Schon wieder rast die BILD-Sau durchs Rentner-Dorf
Immer wieder - fast jede Woche einmal - versucht die mit der privaten Versicherungswirtschaft vertraglich liierte BILD, die Rentner von morgen von der staatlichen Rente weg in die private zu schrecken. Aus dem heutigen Kommentar unter der Überschrift „Altersarmut statt Wohlstandsbauch", bei der man den abgemagerten Rentner geradezu vor sich sieht:
„ Die gesetzliche Rente schmilzt nach zahllosen Reform-Eingriffen wie Butter in der Sonne. Und über den Rest macht sich noch die Steuer her. Selbst die viel gelobte Riester-Rente kann die Löcher nicht stopfen. Wer heute zwischen 25 und 35 ist und sich allein auf die Rente verlässt, ist verlassen. Was übrig bleibt, ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Denn auf eine Frage wissen auch all die Sonntagsredner keine Antwort: Wer, bitte schön, soll das wachsende Rentner-Heer denn finanziell aushalten, wenn die Deutschen keine Kinder mehr bekommen? Der viel gerühmte Generationenvertrag kann nur funktionieren, wenn es auch noch eine jüngere Generation gibt. Die Rente ist sicher, hieß es früher. Es fehlt der Zusatz: nur für die Jungen nicht!"
Natürlich fehlt da wieder einmal jeder Hinweis, auf die ständig steigende Produktivität, die sich die Kapitaleigner bisher weitgehend und einseitig unter die Nägel reißen und die man sehr einfach für eine staatliche Grundrente wegsteuern könnte. Das BILD'sche „Zum Leben zu wenig" macht Deutschland bewußt und bösartig zu einem Land, in dem Armut unvermeidbar ist. Es ist immer das gleiche BILD-Lied.
Gedanken zur Zeit 1392 13-07-09: BILD demontiert den Staat als unersättlich, obwohl doch ohne ihn derzeit gar nichts läuft
Wieder mal typisch BILD: Der Staat wird als unersättlich demontiert. Es ist der "Abkassierer-Staat", Schluß, aus. Kein Wort darüber, daß gerade die Steuereinnahmen kollabieren (im Juni fast 9 % weniger) und daß immer mehr Schulden notwendig werden, um ein relativ kleines Antikrisenprogramm zu finanzieren (nur 6 % des BIP in 2009 gegenüber 22 % in USA und 11 % in Japan). So einfach ist die BILD-Raffke-Welt, wonach selbst in der schlimmsten Krise der Republik die Steuern gesenkt werden müssen, damit BILD-Raffke-Steuerzahler zu seinen Rechten kommt. Hier wird Wut gegen den Staat geschürt, um von einer total unsozialen Einkommens- und Vermögens- und Steuerentwicklung abzulenken. Unter den Steuerzahlern, die nach BILD zu viel zahlen, kann sich auch Ackermann einordnen!
Wieder werden die Sozialabgaben moniert und indirekt die private Versicherungswirtschaft in den Himmel gehoben. Wieder wird mit einer Steuerlastquote von 33 % gearbeitet. Dabei liegt die Steuerquote auf durchschnittliche Arbeitseinkommen nach OECD bei 22 % und klettert erst für Einkommen, die um 2/3 über dem Durchschnitt liegen, auf 30 %. Kein Wort natürlich, daß Steuersenkungen gegenfinanziert werden könnten, wenn man den Spitzensteuersatz wieder auf die frühere Höhe bringt und wenn die Einnahmen aus Vermögens- und Erbschaftssteuern so hoch wie in Großbritannien wären, nämlich fünfmal höher.
Hier ein Auszug aus dem Kommentar mit der Überschrift "Es ist was faul im Abkassierer-Staat":
"Eigentlich haben wir Grund zum Feiern: Wer morgen aufsteht und zur Arbeit geht, der arbeitet die verbleibenden 170 Tage in diesem Jahr nur noch für sich. Gleichzeitig haben wir allen Grund, wütend zu sein. Die bisherigen 195 Tage des Jahres 2009 haben wir nämlich nur für den Staat gearbeitet. Der Staat nimmt uns von dem, was wir verdienen, fast 33 Prozent in Form von Steuern und knapp 21 Prozent als Sozialabgaben weg - zusammen also mehr als die Hälfte. Folglich schuften wir mehr als die Hälfte des Jahres nur für Finanzamt und Sozialbürokratie. Der Staat ist schlichtweg unersättlich. Hier und da gibt es eine kleine Beitragssenkung oder Steuerentlastung. Aber gleich danach geht das Schröpfen weiter. Kein Zweifel: Es ist etwas faul im Abkassierer-Staat. Die Senkung von Steuern und Abgaben ist deshalb kein Luxus; sie ist überfällig."
Gedanken zur Zeit 1391 12-07-09: BILD kocht wieder das Süppchen gegen die Rentner, diesmal an der unseligen Steinbrück-Attacke
Die Grundrechenarten hat BILD schon immer vergessen, wenn es um politische Polemik ging und vor allem die Präferenz für die mit BILD verbundene private Versicherungswirtschaft vor der staatlichen Rente. Deswegen wurde nicht nur die staatlichen Rente seit Jahren als schlecht und unsicher gebrandtmarkt, sondern auch noch - in totaler Inkonsquenz - als zu üppig, wenn es um Rentenerhöhungen ging. Nun kommt heute ausgerechnet zum Sonntag der BILD-Kommentar daher, behauptet die Grundrechenarten zu beherrschen, hängt sich bei Steinbrück ein und beklagt den angeblichen Angriff auf die Jüngeren, weil man die Renten nicht kürzen will. Wegen der zunehmenden Veralterung der Bevölkerung müßten die Renten aus sinken können. Dabei wird total vergessen, daß es einen anhaltenden technischen Fortschritt gibt, der zu anhaltenden Rentensteigerungen statt Rentensenkungen führen sollte, und daß die Renten schon ausgebremst werden, weil es in Deutschland anders als bei fast allen unseren Nachbarn keine Mindestlöhne gibt, die das Lohn- und damit auch das Rentenniveau oben halten würden. Allein der mit BILD-Zustimmung regierungsgezüchtete wuchernde Niedriglohnsektor würde bei manischer Anwendung einer abstrakten Angleichungsformel zu unsinnigen Rentenkürzungen führen.
Schließlich werden die Renten real immer wieder durch die Inflation gekürzt, weil es in Deutschland anders als in vielen anderen Ländern keine Inflationsanpassung gibt. So, und nach all dem Blödsinn über die angeblichen Rentensteigerungen oder Nicht-Kürzungen kommt BILD dann im letzten Absatz in typischer Inkonsequenz wieder mit der Feststellungen der Unsicherheit der Renten, was ja wohl deren Höhe einbezieht.
Hier ein Auszug aus BILD's Wort zum Sonntag unter der Überschrift "Die Rente und die Ehrlichkeit":
Doch weil ich die Grundrechenarten halbwegs beherrsche, halte ich das von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) mit Billigung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf den Weg gebrachte Gesetz, dass die Renten niemals sinken, für unseriös. Dieses Wahlgeschenk der Großen Koalition geht zulasten meiner Tochter und meiner Enkeltochter. Es bedeutet die Aufkündigung des oft beschworenen Generationenvertrages zugunsten der Senioren und zulasten der Jüngeren. Sie sind, so bekennt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in lobenswerter Ehrlichkeit, "die Gekniffenen". Die Deutschen werden immer älter, was erfreulich ist, und haben weniger Kinder, was nicht erfreulich ist. Deshalb kann niemand ausschließen, dass die an die Löhne gekoppelten Renten eines Tages nicht doch sinken werden oder die Staatszuschüsse von heute 80 Milliarden Euro für die Rentenkassen weiter steigen müssen. Den Spruch "Die Renten sind sicher" haben wir zu oft gehört. Leider stimmt er nicht, garantiert.
Gedanken zur Zeit 1373 28-06-09: BILD: Wieder "Freiheit statt Sozialismus"
Man will es kaum glauben. Man reibt sich bei der Lektüre des BILD-Kommentars des Stellv. Chefredakteurs die Augen. Sind wir wieder in den 70er Jahren des "Freiheit statt Sozialismus"? Hier ein Auszug:
"Am Ende von vier Jahren Großer Koalition haben die Wähler eine überraschend klare Alternative zwischen einer Koalition, die bei der Überwindung der Krise auf Wachstum setzt, sowie den Parteien, die ihr Heil in mehr Staat und Steuern sehen. Das Steuerthema, das aus Sicht der Bürger immer auch ein Freiheitsthema ist, macht aus der Wahl im September eine Richtungsentscheidung."
Man erinnere sich: Freiheit statt Sozialismus war laut Wikipedia die wichtigste Parole der CDU bei der Bundestagswahl 1976. Die Parole wurde von Alfred Dregger geprägt und auch lanciert. Die Wendung richtete sich gegen die Ostpolitik. Freiheit symbolisierte das demokratisch-politische System der Bundesrepublik Deutschland, demgegenüber sollte Sozialismus auf das politische System der Deutschen Demokratischen Republik verweisen. Im Wahlkampf sollte der Slogan diese Symbolik auf die Politik von CDU und SPD übertragen. Auf der einen Seite stünde dann die Politik der Union, die konsequent die westliche Freiheit verteidigt und auf der anderen Seite die SPD, die diese Freiheit durch die Ostpolitik (aber auch andere Politikbereiche) gefährde. Die Bundestagswahl 1976 endete mit einem deutlichen Stimmenzuwachs der Union auf 48,6 Prozent. Inwieweit dieser Slogan dazu beigetragen hat, ist nicht feststellbar. Hans Filbinger übernahm die Parole im selben Jahr im Landtagswahlkampf Baden-Württembergs und erreichte damals eine absolute Mehrheit. Die FDP verwendete den Slogan bei der Hessischen Landtagswahl 2008.
Kommt denn Deutschland nie aus dem Schatten seiner unglücklich geteilten Vergangenheit, die eine Folge seiner unglücklichen Weimarer Vergangenheit war, in der die gleichen Kräfte, die jetzt hinter "BILD" stehen, Adolf Hitler an die Macht beförderten? Der garantierte dann den ihn finanziell unterstützenden Großindustriellen die Freiheit, Herr im Haus zu spielen, und setzte am Ende das "Arbeit macht frei" über die Vernichtungslager.
Hier zu den Kommentaren.
Gedanken zur Zeit 1355 10-06-09: BILD's Krokodilstränen zur Karstadt-Pleite
Dies sind Worte aus dem BILD-Kommentar von heute unter der Überschrift „Jetzt geht es um die Menschen":
„So unausweichlich der Gang zum Insolvenzgericht für den Konzern war, so bitter ist er für die Mitarbeiter. 43000 Beschäftigte bangen nun um den Job, um den Lohn für ehrliche Arbeit. Das sind 43000 Familien, Schicksale. Von der Verkäuferin über die Kassiererin bis zum Lagerarbeiter. Vom Techniker bis zum Auslieferungsfahrer. Für viele geht es nach langer Betriebszugehörigkeit auch um IHRE Firma, IHR Lebenswerk. Die Pleite ist schlimm, aber sie bietet die Chance für einen Neuanfang - vielleicht mit weniger, aber dafür sichereren Arbeitplätzen. Die Mitarbeiter hätten es verdient!"
Das ist doppelter Hohn. Denn BILD weiß natürlich, daß Insolvenz - und dafür hat BILD immer argumentiert - für einen großen Teil der Mitarbeiter Arbeitslosigkeit bedeutet, die entgegen dem Schlußabsatz wirklich nicht verdient ist. Und das Anpreisen der angeblichen Chance auf Neuanfang ist wie bei den Politikern mehrfach hohl. Und was heißt eigentlich „vielleicht mit weniger", wo bisher jede Insolvenz zu Entlassungen geführt hat?
Erst draufschlagen. Dann Mitleid mit den Opfern heucheln.
Gedanken zur Zeit 1343 03-06-09: Den BILD-Kommentar von Volksaufklärer Tiedje muß man sich auf der Zunge zergehen lassen
Hans-Hermann Tiedje, seines Zeichens ehemaliger BILD-Chefredakteur, ist einmal so charakterisiert worden: „Da hat man sich einen Gesellen reaktiviert, der schonungs- und hemmungslos verhetzt, der gezielte Verblödungen an seine Leserschaft weiterreicht, um es als ein Stück Bildung zu verkaufen. Er ist der typische Bourgeois, Vertreter des Geldbürgertums, viel Meinung verbreitend, großes Selbstbewußtsein ausstrahlend, arrogant und abgehoben; jedoch bei genauem Besehen stellt sich heraus, dass er Meinungen nachplappert oder schlicht nicht hat, mit dem Selbstbewußtsein seinen Bildungs- und Wissensmangel ausgleicht, daher als Selbstschutz arrogant und abgehoben wirken muß." Wenn BILD wieder einmal den gröbsten Kommentar braucht, ist der Volksaufklärer vom Dienst gefragt.
Heute ist nun staunenden Auges unter der Überschrift „Der Mensch lebt nicht vom Staat allein" das von ihm zu lesen:
„Wenn Karl Marx die Bundesrepublik Deutschland vorausgeahnt hätte, dann hätte er sein Jahrhundert-Blendwerk ‚Das Kapital' gar nicht schreiben müssen. In der BRD 2009 gibt es nämlich ganz real, wovon Marx 1867 träumte: Staatsbeteiligung an Betrieben (VW, Bahn), Vergesellschaftung von Banken (Hypo Real Estate), wachsenden Staatseinfluss auf Produktionsmittel (Opel, Porsche, Schaeffler) vielleicht sogar einen eigenen Staatshandel (Karstadt). So viel Staat war nie. Das alles geschah, ohne dass - wie Marx glaubte - die Massen verelendet wären oder dass es des Sieges der Straße bedurft hätte. Nein, Ludwig Erhard wurde ganz leise begraben. Unter der Großen Koalition ist passiert, was man nicht für möglich gehalten hätte: immer mehr Sozialismus. Der nachträgliche Sieg der DDR über die CDU."
Hat der Mann nicht begriffen, daß erst die neoliberale Politik, die er selbst mit seinen Kommentaren immer wieder arrogant unterstützt hat, zur Krise und den notwendigen Rettungsmaßnahmen geführt hat? Wie verblendet kann man eigentlich sein? Oder wie stark will man seine Leser verblenden?
Gedanken zur Zeit 1327 21-05-09: BILD: Deutsche Armut nur Folge der SED-Politik
Nun legt BILD auf die Verharmlosung der deutschen Armut noch einmal obendrauf: sie sei vor 1989 entstanden. Als hätte die deutsche Politik in 20 Jahren nichts tun können und keine Verantwortung übernommen. Als gäbe es nicht auch im Altbundesgebiet Langzeitarbeitslosigkeit als europäischer Spitzenwert. Als hätte nicht die Bundesregierung über die Hartz-Beschlüsse viele Familien und vor allem viele Kinder zur Armut verdammt. Als wäre nicht Deutschland eine europäische Insel ohne das soziale Netz von Mindestlöhnen und Mindestrenten.
Hier Auszüge aus einem der polemisch an der Wahrheit vorbeisegelnden BILD-Kommentare, obwohl die eigentlich alle seltsam verlogen sind, unter der Überschrift "Armut made in DDR":
"Im Süden Wohlstand, alles paletti. Im Westen und Norden geht's auch ziemlich gut, Ausnahmen wie Bremen und Saar bestätigen eher die Regel. Aber, leider, der Osten. Die neuen Bundesländer. Im Osten ist die Armut zu Hause. Dieser Osten, so viel steht fest, ist weder von Kohl noch Brandt, weder von Schröder noch von Frau Merkel arm gemacht worden. Als der Unrechtsstaat DDR zusammenbrach, war er komplett bankrott. Eine Pleite-Diktatur, kaputtgewirtschaftet nicht von seinen Bürgern, sondern von der Staatspartei SED. Die Ost-Armut von heute ist direkte Folge der SED-Politik. Die SED nennt sich heute Linke. Von diesen Diplom-Stümpern möchten wir bitte nicht mit Ratschlägen belästigt werden. Sie können sicher sein: Der moderne Kapitalismus ist garantiert auch in seiner größten Krise dem Sozialismus überlegen. Turmhoch."
Und vergessen wir nicht: Selbst die Armut in den neuen Bundesländern hätte längst verschwinden müssen. Für den Wiederaufbau der total zerstörten deutschen Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg waren weit weniger als 20 Jahre nötig.
Gedanken zur Zeit 1323 16-05-09: BILD und die Handwerker
Aus dem BILD-Kommentar von heute:
"Unser altes Haus bekommt ein neues Dach. Seit ein paar Wochen klingeln morgens um 7 Uhr gut gelaunt die Handwerker: Zimmermänner, Dachdecker, Maler und Maurer. Diese Männer schuften mit ihren Händen. Hobeln, schleppen, nageln, brennen und schleifen. Schaut man ihnen zu, sieht man in lachende Gesichter. Auf mich wirken diese Männer glücklicher als die schwarz gekleideten Herren im ICE oder am Flughafen mit ihren Headsets, Blackberrys und Laptops. Das Geheimnis eines glücklichen Lebens ist doch, dass man liebt, was man täglich tut! Das man einen Sinn darin findet! Das Geld ist ein Maßstab für Luxus, aber Gott sei Dank nicht für Glück!"
Eigenartig, wie BILD hier die schwere Arbeit vergöttert und kein Wort über die vergleichsweise schlechte Entlohnung verliert. Im Gegenteil: Nach BILD ist Geld nur ein Maßstab für Luxus, der nach BILD-Meinung auf Handwerker offensichtlich nicht paßt. Ob wohl der BILD-Kommentator Handwerker mit schlechter Entlohnung sein möchte? Und mit unsicherem Arbeitsplatz? Und natürlich ohne Mindestlohnnetz von unten bei Niedrigstlohnkonkurrenz aus Osteuropa und vom Schwarzen Markt? Und mit weniger Chancen, seine Kinder mit Chancengleichkeit in der Bildung zu sehen? Und mit ständigen Sorgen wegen der unsicheren Altersversorgung?
Gedanken zur Zeit 1320 14-05-09: BILD täuscht absichtlich über die Risiken des Steuerzahlers aus Bad Banks
BILD ist schon früh für das Konzept der Bad Banks eingetreten, weil das die Bankenkrise vernebelt und damit auch die Krise des Finanzkapitalismus. Heute lesen sich unglaubliche Sätze dazu in BILD:
"Was sind das für rätselhafte Gebilde? Sie können gegründet werden, aber nicht als Bank, wie wir sie uns vorstellen, sondern als sogenannte "Sondervermögen" des Bundes, vergleichbar mit einem Staatsforst oder einem Truppenübungsplatz."
"WIE GEHEN DIE PRÜFER VOR? Sie ermitteln den Wert, der im schlimmsten Fall zu erwarten wäre, wenn die Papiere auslaufen - in der Regel in zwei bis drei Jahrzehnten."
"MUSS DER STEUERZAHLER RAN? Nein, die Bad Bank als Sondervermögen wird nur mit Garantien (Bürgschaften), aber nicht mit Cash ausgestattet, der aus Haushaltsmitteln stammen würde. Auch wenn alles schiefgeht und alle Müllpapiere in den Ofen wandern, haftet für den Verlust nicht der Staat, sondern die teilnehmenden Banken: Sie müssen den Verlust mit Verzicht auf Dividendenzahlung ausgleichen."
"Klartext: Die Bad Banks entlasten die Banken in ihren laufenden Geschäften. Sie haben dadurch Spielraum, von Unternehmern und Verbrauchern in der Krise dringend benötigte Kredite zu vergeben. Und vor allem: Die "gesäuberten" Banken können sich wieder untereinander trauen und sich Geld leihen - und so den stockenden Blutkreislauf der Wirtschaft wieder anwerfen.
Das ist natürlich absoluter BID-Schwachsinn für Millionen Leser, die keinen eigenen Einblick haben und nach der Wahrheit suchen: Bad Bank als "Staatsforst" ohne Risko für den Steuerzahler mit Ausgleich von Verlusten durch Verzicht auf Dividenden. Die Wahrheit ist genau andersherum: Die Banken sind eigentlich Pleite und die Aktionäre könnten in der Pleite weder Dividenden noch einen Gegenwert für ihre Aktien erwarten. Kein Dividendenverzicht kann die Inanspruchnahme des Steuerzahlers aus den öffentlichen Garantien ausgleichen. Dabei wird das derzeitige Garantievolumen von 200 Mrd Euro wahrscheinlich mit der Zeit immer weiter aufgestockt werden, wenn die "Sachverständigen" ihren Kaffeesatz studiert haben und wissen wollen, was die Papiere in 20 Jahren wert sein sollen.
Was eigentlich not tut ist ein ehrlicher Stresstest der Banken, bei der Deutschen Bank angefangen, und dann sofort eine Zwangsrekapitalisierung aus privaten Quellen, die derzeit nicht sprudeln werden, und daher ersatzweise eine staatliche Zwangsbeteiligung. Was dagegen jetzt vorbereitet und von BILD (und der Bundesregierung) vertuscht wird, ist eine Zeitbombe für den Steuerzahler und potentieller Staatsbankrott.
Gedanken zur Zeit 1313 06-05-09: BILD = unsozial
Wieder macht BILD im Kommentar gegen die Rentner mobil. Wie die Banker sind die Rentner ein beliebtes Angriffsobjekt von BILD. Natürlich gehört dazu ein schönes Photos von sich auf der Bank sonnenden Rentnern. Und natürlich geht es dabei nur um die Empfänger staatlicher Rente. Die für BILD guten Rentner haben sich von BILD überzeugen lassen, private Renten mit privaten Versicherungen abzuschließen.
Diesmal plädiert BILD für eine Rentensenkung nach der Rentenformel, ausgerechnet in der Krise, wenn Deutschland bei zusammenbrechendem Export mehr Binnennachfrage braucht. Hier zunächst ein Auszug aus dem Kommentar:
"Fest steht: Der Verzicht auf Rentensenkungen ist nicht zum Nulltarif zu haben. Das kostet Milliarden. Wenn die nicht von Beitragszahlern kommen sollen, müssen eben die Steuerzahler ran. Was das für jeden Arbeitnehmer bedeutet, ist klar: Unterm Strich - zahl ich! Das kommt eben dabei heraus, wenn aus Angst vor dem Wähler nach dem Motto regiert wird: allen wohl, niemandem weh. Dabei sind Kontinuität und Verlässlichkeit das A und O der deutschen Rentenversicherung. Aber damit ist es nun endgültig vorbei."
Da wird unanständigerweise von BILD verheimlicht, warum die Rentenformel zu einer Senkung führen würde. Es wäre nämlich die Konsequenz der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate. Kurzarbeitergeld senkt das Lohneinkommen pro Arbeitnehmer und die daran orientierten Renten erheblich, während die sonst eintretende Arbeitslosigkeit das nicht täte. Aber warum sollen die Rentner für die Antikrisenpolitik der Bundesregierung beim Kurzarbeitergeld aufkommen? Darauf hätte man gern eine Antwort von BILD!
Gedanken zur Zeit 1300 23-04-09: BILD möchte die Krise kleinschreiben
BILD benutzt selbst jede Gelegenheit, um mit Tatarenmeldungen, z.B. zur angeglichen Unsicherheit der staatlichen Renten, nicht nur Politik sondern vor allem Auflage zu machen. Nun in der schwersten Krise seit den 30er Jahren kommt ein BILD-Kommentar mit der Überschrift „Einfach mal die Klappe halten!" Wie oft habe ich mir das von BILD gewünscht! Doch BILD hält nicht Selbstgespräche, sondern meint den Chef der deutschen Gewerkschaften.
Hier BILD im Originaltext:
„Noch weniger aber brauchen wir Untergangspropheten, die persönlich überhaupt nicht von der Krise betroffen sind - aber meinen, sich damit wichtig tun zu müssen, dass sie uns noch mehr Angst machen! DGB-Chef Michael Sommer muss sich um seinen Lebensstandard kaum Sorgen machen, noch weniger der milliardenschwere Schrauben-Fabrikant Reinhold Würth. Ausgerechnet diese beiden Schlaumeier schwafeln jetzt von „sozialen" und „bürgerkriegsähnlichen Unruhen", die Deutschland drohen. Deutschland braucht Macher und keine Quatscher."
Es ist schon eine beachtliche BILD-Leistung, die Augen vor den wachsenden sozialen Spannungen zu verschließen und den Chef der deutschen Gewerkschaften als „Quatscher" abzutun. Dabei sind die deutschen Gewerkschaften eigentlich lammfromm. Man schaue nur über den Zaun nach Frankreich.
Oder man verfolge die Steuerpolitik anderer Regierungen in der Krise. So hebt die britische Regierung jetzt den Spitzensteuersatz von 40 % auf 50 % und damit weit über den deutschen Satz an. In Irland müssen die Reichen eine Sondersteuer von 15.600 Euro pro Jahr berappen. Auch andere Regierungen planen ähnliche Belastungen derer, die im Boom überproportional profitiert haben und von denen die Banken das Geld für die Spekulation angenommen haben und die jetzt mit ihren Anleihepapieren vom staatlichen Bestandsschutz für die Banken profitieren. Nur eben wieder nicht in Deutschland. Da läuft die SPD mit einem Wahlprogramm herum, das eine Mini-Anhebung des Spitzensteuersatzes von 45 % auf gerade einmal 47,5 % vorsieht, und wird selbst das von der CDU/CSU abgelehnt. Die hier immer wieder zu Unrecht gefeierte, weil längst versenkte Soziale Marktwirtschaft ist wohl in das Erzland des Neoliberalismus Großbritannien ausgewandert.
Gedanken zur Zeit 1284 13-04-09: BILD in „Yes, we can!"-Laune
Das sind laut BILD-Kommentar zu Ostern die Sorgen rummaulender Deutscher zu dieser Zeit: „ dass man am Ostermontag nicht shoppen gehen kann. Dass der Lieblingsitaliener am Sonntag geschlossen hat und die Terrasse des Eiscafés von Pfingst-Touristen gestürmt wird." Und dagegen setzt BILD ein trotziges „Yes, we can!". BILD-wörtlich: „ Dabei hat Gott vor knapp 2000 Jahren, nach dem traurigen Karfreitag, nichts anderes getan, als dieses Yes, we can! in die Tat umgesetzt. Der Glaubende weiß: Wer hofft, hat schon jetzt etwas davon, weil er dem Leid des Lebens und dem Elend der Welt ein trotziges „Yes, we can!" entgegensetzen kann. Die Hoffnung ist stärker als die Angst."
So, nun stimmt die BILD-Welt wieder. Die deutschen Sorgen sind wirklich lächerlich.
Gedanken zur Zeit 1266 02-04-09: BILD: Bitte keinen Trübsinn trotz Wirtschaftskrise
BILD bleibt BILD. Da wird in jede Richtung Stimmung gemacht, solange es der Auflage nützt. Einmal wird die Krise beschworen und alle die schrecklichen Folgen. Dann wieder, wie heute, ist alles nicht so schlimm. Auszug aus dem Kommentar:
- Vor allem gilt: Nicht in Trübsinn verfallen. Falls die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um
5 Prozent schrumpft, produzieren wir immer noch mehr als 2006. Und da gingen wir nicht am Bettelstab!
Soll das die 4,8 Millionen Arbeitslosen trösten, die die OECD für das kommende Jahr voraussagt? Oder die sehr viele Millionen mehr, die nun Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Im BILD-Vergleichsjahr 2006 gingen wir nicht am Bettelstab, hatten aber mit über 5 Millionen die höchste Arbeitslosigkeit in der Geschichte der Bundesrepublik (zusammen mit 2005). Wer will sich eigentlich mit einem solchen Vergleich trösten lassen?
Gedanken zur Zeit 1256 26-03-09: Was BILD an der Bundespräsidentenrede so schön findet
Ex-Sparkassenpräsident und heutiger Bundespräsident Köhler ist ein wichtiger Sprecher der Neoliberalen in Deutschland. Kein Wunder dann, daß BILD immer für ihn trommelt und sich nun für seine „Berliner Rede" begeistert. Und das klingt dann so:
- „ Deutschstunde! Auf diese Rede hat
Deutschland gewartet - es war eine Deutschstunde mitten in der Krise! So, wie vor knapp einem Jahr, als der erfahrene Ex-Banker die Krise kommen sah und die internationalen Finanzmärkte mit
„Monstern" verglich. Das Staatsoberhaupt hat auch dieses Mal nichts beschönigt. Horst Köhler hat uns ein Stück auch den Weg aus der Krise aufgezeigt, indem er eine neue Kultur
des Miteinander und der Verantwortung einfordert.Diese Dienstagsrede bringt uns weiter als viele Sonntagsreden!"
Als „erfahrener Banker" hat Köhler die Krise eben nicht kommen gesehen. Denn „vor knapp einem Jahr" war die vor einem Jahr und acht Monaten im Juli 2007 ausgebrochene Krise längst da. Man konnte sie aber schon vor spätestens drei Jahren kommen sehen. Viele haben schon damals gewarnt, nur eben nicht der „erfahrene Banker". Und eben dieser „beschönigt" auch jetzt immer noch gewaltig, weil er nicht die zu befürchtende Länge dieser Krise anspricht und statt dessen nur von „Monaten" redet, wo es mindestens noch weit nach 2010 hinein dauern wird und durchaus auch noch länger.
Übrigens, eine "neue Kultur des Miteinander und der Verantwortung" hat der Bundespräsident nicht als Weg aus der Krise, sondern als eine allgemeine Notwendigkeit angesprochen. Indem BILD daraus den Weg aus der Krise macht, soll es wieder einmal unser aller Kultur sein, die falsch war und zur Krise geführt hat. Die Opfer werden zu Tätern. So hat es BILD auch schon früher gemacht, indem das Blatt uns alle der Gier bezichtigt und damit schuldig erklärt hat.
Gedanken zur Zeit 1249 22-03-09: BILD und das Panik-Marketing
BILD war schon immer ein Meister in verkaufsfördernder Panikstrategie, von der Unsicherheit der Renten bis jetzt zur Hyperinflation. Das ganze läuft wieder einmal für den Leser schwer durchschaubar. Da trägt der Kommentar heute die Überschrift „Panik kein guter Ratgeber!". Das klingt so, als sähe BILD keinen Grund zur Panik und wolle beruhigen.
Doch dann kommt es knüppeldick: „Für den normalen Verbraucher sind die Rettungsaktionen, die Milliarden und Billionen schlicht unvorstellbar. Viele haben Angst, dass ihr Geld bald nichts mehr wert ist. Sie sorgen sich um ihr Erspartes, um ihre Altersvorsorge und haben Angst vor der Zukunft. Zugegeben, niemand weiß derzeit, wie schlimm die Krise wird und welche Folgen sie noch haben wird. Panik ist aber kein guter Ratgeber! Politik, Notenbanken und Finanzbehörden weltweit haben den Ernst der Lage erkannt. Jetzt müssen die richtigen Taten folgen."
Das kann doch im Klartext für den besorgten Leser nur heißen: Die Politik, Notenbanken und Finanzbehörden lassen bisher nicht die richtigen Tagen folgen. Also doch BILD-Anlaß zur Panik. Das Ziel ist - neben der eigenen Absatzsteigerung - offensichtlich, den Menschen mehr Angst vor der Inflation als vor einer schweren Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit einzujagen und so das im Vergleich zu Obamas Programm weit unterbelichtete Konjunkturprogramm der Bundeskanzlerin zu bemänteln und den USA gleichzeitig die Schuld für eine Inflation zuzuspielen. So heißt es denn im redaktionellen Teil von BILD dazu passend: „Doch der Druck aus Amerika auf Europa, die Notenpressen anzuschmeißen, wächst!"
Gedanken zur Zeit 1240 11-03-09: Die Bundeskanzlerin bei BILD: immer noch schreckliche Illusionen
Da gibt die Bundeskanzlerin dem Massenblatt BILD ein Interview, das nach BILD „ .. die Fragen beantwortet, die die Deutschen bewegen". Doch dann fallen solche Sprüche: „Die Exzesse der Märkte, die die Krise ausgelöst haben, zwingen uns dazu, Grenzen zu überschreiten und Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun würden."
Wieder sind es nur „Exzesse" eines ansonsten nach Einschätzung der Bundeskanzlerin offensichtlich stabilen Systems, in dem Deutschland ungestört riesige Leistungsbilanzüberschüsse zu Lasten seiner Partner aufbauen und zusammen mit China und Japan die Weltwirtschaft destablisieren konnte. War das wirklich ein Exzess der Märkte? Nein, es war ein Exzess der deutschen Politik, die mit der Verweigerung von Mindestlöhnen und der Förderung schlecht bezahlter Leiharbeit und auf vielen anderen Wegen diese gewaltigen Überschüsse überhaupt erst möglich gemacht hat. Es war ein Exzess der deutschen Politik, die mit einer unsozialen Politik die Umverteilung nach Oben in Szene gesetzt und damit zur Überflutung der Finanzmärkte mit Spekulationskapital beigetragen hat.
Und dann noch so ein Spruch: „ Sicher ist für mich aber auch: Deutschland ist besser als die meisten Länder in der Lage, diese Krise zu meistern"? Kann man so leicht vergessen, daß gerade Deutschland wegen seiner extremen Exportabhängigkeit besonders getroffen wird?
Gedanken zur Zeit 1234 03-03-09: Von der Steuer-Einäugigkeit bei BILD
Es ist schon phänomenal. Da blutet der deutsche Mittelstand an einer dramatisch einseitigen Einkommens- und Vermögensverteilung aus, bei der die oberen 20 % schon mehr als 80 % des Vermögens besitzen und die mittleren 20 % gerade einmal 4 % (Abbildung hier). Doch BILD meint im Kommentar von heute unter der Überschrift „ Mittelschicht wird ausgepresst!", nur der Anstieg der Steuerlast von Normalverdienern sei schuld. Dabei verliert BILD natürlich kein kritisches Wort über die Steuerentlastung der Bestverdiener durch Absenkung von Spitzensteuersatz und andere Steuergeschenke. BILD war immer auf der Seite der Bestverdiener und die Klage um die Mittelschicht besteht nur aus Krokodilstränen, die an den wirklichen Ursachen vorbei vergossen werden:
- „Die Steuerlast der Normalverdiener in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren um bis zu 13 Prozent gestiegen. Sie sind die Mittelschicht. Das
Rückgrat unserer Wirtschaft und der gesamten Bundesrepublik. Genau sie halten den Laden am Laufen. Doch Leistung, Fleiß und Ranklotzen werden in Deutschland nicht belohnt. Nein, die
Steuer- und Abgabenlast wird immer erdrückender, immer höher! Die Mittelschicht wird wie eine reife Zitrone ausgepresst. Noch ein Stück mehr und noch eins ... Wir wollen eine soziale
Marktwirtschaft, die den Schwachen hilft und die Tüchtigen belohnt."
Nun hat BILD die soziale Marktwirtschaft immer schon verbogen. Dazu gehört für BILD die Ausbeutung durch Leiharbeit, der Widerstand gegen Mindestlöhne und natürlich der ganze negative Lohndruck, der erst die Mittelschicht wirklich in die Ecke drückt.
Gedanken zur Zeit 1210 18-02-09: Von der Verzweifelung der neoliberalen BILD
Da klingt ein Aufschrei der Verzweifelung durch den BILD-Kommentar von heute unter der Überschrift: „ Was die Krise mit uns macht":
- „Heute HRE, morgen Opel, übermorgen ...Wie die Hasen hasten die Politiker mal hierhin, mal dahin. Aber die Krise ist - wie der Igel - immer schon da. Und die Bundesregierung bietet ein
verwirrendes Bild: Ohnmacht und Allmacht zugleich. Mit einer Krise, die nicht Katastrophe werden dürfe, lässt sich derzeit scheinbar alles rechtfertigen. Aber wenn sogar Enteignungen
möglich sind: Was gilt dann überhaupt noch von dem, was 60 Jahre lang in Deutschland galt? Wird die Republik je wieder die alte? Es ist jetzt die Stunde der Kanzlerin zu erklären, was
die Krise mit uns macht, wie weit der tief greifende Wandel gehen darf. Denn NOCH vertrauen die Deutschen darauf, dass unsere Demokratie auch die stärkste Wirtschaftskrise aushält."
Was verrät ein solcher Kommentar, jenseits der eigenen Ratlosigkeit des Massenblatts? Der Wandel geht BILD zweifellos zu weit. Und da wird schon mal die Sorge dagegengesetzt, die Rettungsaktionen, gegen die man sich nicht direkt stellen will, könnten die deutsche Demokratie beschädigen und das Vertrauen der Menschen in dieselbige. Ist BILD die Wahrung der heiligen neoliberalen Prinzipien am Ende wichtiger als die Rettung der Arbeitsplätze bei Opel?
Gedanken zur Zeit 1179 27-01-09: Jetzt mogelt sich BILD in die Zuversicht
Als wenn unser Schicksal vom Exportweltmeistertitel abhänge, kommentiert BILD heute unter der Überschrift „Gute Gründe für Zuversicht" und greift damit auch noch nach einem schon zerreißenden Faden: „Eine gute Nachricht aus der Wirtschaft ist in diesen Tagen rar. Deshalb ist diese umso erfreulicher: Deutschland bleibt 2008 Exportweltmeister - knapp vor China! Die Firmen sind wettbewerbsfähiger geworden, haben ihre Kosten gesenkt und spielen im globalen Handel ganz vorne mit. Deutschland hat alle Fähigkeiten, aus der schlimmen Krise gestärkt hervorzugehen. Und eins ist sicher: Der nächste Aufschwung kommt garantiert!"
So schön ist also die BILD-Welt. Dabei hat die BILD-gepriesene Kostensenkung die Masseneinkommen seit Jahren torpediert und die Binnenkonjunktur kaputt gemacht sowie Deutschland die höchste Langzeitarbeitslosigkeit in der Alt-EU beschert.
Und der Vergleich mit China hinkt schrecklich. Er stützt sich auf eine Meldung des Statistischen Bundesamts von gestern: „Im Rennen um den inoffiziellen Titel des „Exportweltmeisters" lag China von Januar bis November 2008 knapp hinter Deutschland. Auf Dollarbasis exportierte Deutschland in den ersten elf Monaten des Jahre 2008 Waren im Wert von 1 376 Milliarden US-Dollar in alle Welt. Die Gesamtexporte Chinas beliefen sich auf 1 317 Milliarden US-Dollar." Nun aber fällt der deutsche Export weit stärker als der chinesische. Tatsächlich hat China in den drei Monaten September bis November seine Exporte noch um 13 % steigern können, die deutschen fielen dagegen bereits um 1,4 %. Im Dezember fielen auch die chinesischen im Vormonatsvergleich um 3,3 %, doch die deutschen sind schon im November um 14,2 % gefallen und im Dezember höchstwahrscheinlich noch stärker. BILD könnte sich also an seinen 12 Fingerchen ausrechnen, wann es mit der Exportweltmeisterschaft vorbei ist.
Gedanken zur Zeit 1177 25-01-09: BILD-Kampagne: So kommen wir als Sieger aus der Krise!
Es ist eigentlich kaum noch zu ertragen, wie die Krise in Chance umfunktioniert wird und wir alle am Ende wieder Sieger sein sollen, obwohl die Mehrheit von uns es auch in der Vergangenheit bei schrumpfenden Realeinkommen nicht gewesen ist. Da darf heute ausgerechnet der Unternehmens-Sanierer und Management-Professor Utz Claassen seine Siegeshymne auf die Krise verbreiten. Hier ein paar Auszüge:
"Jede Krise bietet auch Chancen, und für die Besten ist jede Krise sogar eine Chance an sich. Wir sind Exportweltmeister, unsere Fabriken zählen zu den modernsten, in unseren Firmen arbeiten tüchtige und fleißige Menschen, unsere Wissenschaft produziert noch immer Nobelpreisträger, und im Moment der Krise hat auch unsere Politik die Fähigkeit zu einer schnellen und kraftvollen Reaktion unter Beweis gestellt. Damit haben wir beste Voraussetzungen, zu Gewinnern der globalen Finanzmarktkrise zu werden." Da ist sie wieder, die Exportweltmeisterschaft, die uns nun besonders tief in die Krise zieht und für die es in einer ausgewogeneren Weltwirtschaft ohne platzende Blasen in der Zukunft keinen Platz mehr gegen wird. Wir können nicht länger Arbeitslosigkeit exportieren oder wir müssen teuer dafür bezahlen. Und wie oft will man diese längst tote und in der Exportkrise immer weiter abstürzende Weltmeister-Sau eigentlich noch durchs deutsche Dorf treiben?
"Der Markt und die Marktwirtschaft haben uns über Jahrzehnte Wohlstand gebracht. Wer sie nun infrage stellt, sägt an dem Ast, auf dem wir alle sitzen." Das ist die Lebenslüge der Neoliberalen. Mit "uns" meinen diese Propagandisten vor allem sich selbst, und Claassen gehört als Unternehmens-Sanierer natürlich dazu. Die Mehrheit hat seit Jahren negative Realeinkommen akzeptieren müssen oder Arbeitslosigkeit, da Deutschland noch immer das Land mit der höchsten Langzeitarbeitslosigkeit in der Alt-EU ist. Die Hälfte der Deutschen hat keinerlei Vermögen bilden können, wie die neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt.
"Kein Land der Welt hat von der Globalisierung mehr profitiert als Deutschland". Das ist erst recht eine Lüge. Wirklich profitiert haben die Kapitaleigner der Exportkonzerne und großen Handelshäuser, sonst kaum jemand.
"Für eine Gesellschaft, die gerecht sein will, sich zugleich aber im harten internationalen Wettbewerb behaupten muss, gibt es drei Hauptaufgaben: Bildung, Bildung und Bildung." Auch hier wird wieder gelogen, denn das deutsche Bildungssystem ist besonders schlecht und Fortkommen darin vom Geldbeutel der Eltern abhängiger als anderswo.
"Die Finanzmarktkrise resultiert aus dem Platzen einer Kreditblase: Man kann nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben." Wieviele Deutsche leben eigentlich über ihre Verhältnisse? Die meisten sind durch berechtigte oder auch nur medienverbreitete (gerade von BILD) Zukunftsängste immer wieder gezwungen, unter ihren Verhältnissen zu leben.
"Schulden lassen sich nicht mit Schulden bekämpfen. Der Staat muss deshalb sparsam bleiben." Was soll das eigentlich heißen? Ein Staat, der jetzt keine Schulden macht, läßt vor allem diejenigen seiner Bürger im Stich, die nicht zu den Best- und Besserverdienern gehören.
"Ohne Anstrengungen und Belastungen kann man nicht gewinnen. Wenn wir es wirklich wollen, können und werden wir jedoch unter den Siegern sein." Belastungen fûr die ohnehin Belasteten? Na, dann sieg mal schön. "Sieg Heil" hieß das früher einmal.
Gedanken zur Zeit 1175 24-01-09: BILD kämpft weiter für Hungerlöhne
Derzeit zeigt die besonders verzweifelte Situation des Exportweltmeisters, welch Pferdefuß und Gift für die Wirtschaft ein ausufernder Niedriglohnsektor mit entsprechend schrumpfender Binnennachfrage ist. Doch BILD setzt den Kampf gegen Mindestlöhne, der wirklich ein Kampf für Hungerlöhne und eine dauerhaft geschwächte deutsche Volkswirtschaft ist, fort. Davon haben nur die Arbeitgeber, denen BILD immer aus der Hand oder soll man sagen: der Seele frißt, einen Vorteil. In allen Vergleichsländern bewähren sich die Mindestlöhne gerade jetzt in der Krise, in der die unteren Lohnstufen sonst ins Bodenlose absinken würden.
Hier der verlogene BILD-Kommentar von heute: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das gilt auch für die jetzt vom Bundestag beschlossene Ausweitung der Mindestlöhne auf sechs weitere Branchen. Die Abgeordneten, die dem zugestimmt haben, meinen es sicher gut. Sie wollen, dass niemand für einen Hungerlohn arbeiten muss. Am Ende herauskommen wird aber etwas Schlechtes: Viele Unternehmen, beispielsweise in der Altenpflege oder der Entsorgungsbranche, werden höhere Löhne nicht bezahlen können. Sie werden schließen müssen, weil natürlich niemand ihnen Mindesteinnahmen garantieren kann. Die Leidtragenden sind die Menschen, die ihren Job verlieren. Wer arbeitslos ist, hat nichts vom Mindestlohn. Er hat gar keinen Lohn."
Was soll diese dümmliche und auch angesichts der positiven Erfahrungen unserer Nachbarn vorsätzlich falsche Propaganda eigentlich? Die Krise hat doch längst bewiesen, wie falsch die Niedrigstlohnpolitik in Deutschland war und ist. Ich hätte diesem Schreiberling und seinen Kollegen bei BILD inständig gewünscht, daß sie als Alterspflegefälle von Billigstkräften gepflegt werden müssen, falls das qualifizierte Pflegepersonal dann mangels Mindestlohn von den meist importierten und lustlosen Billigstkräften total ersetzt worden wäre. Der Mindestlohn in den Pflegeberufen wird das nun mindestens teilweise verhindern. Doch diesem Schreiberling sollte dann wenigstens sein Kommentar von heute noch im Halse stecken.
Gedanken zur Zeit 1158 09-01-09: Wie eine gute Nachricht für BILD und deutsche Neoliberale zur "unfassbaren Horror-Nachricht" wird
Der BILD-Kommentar von heute zur Staatsbeteiligung an der Commerzbank: "Was für eine neue unfassbare Horror-Nachricht! Seit gestern steht fest: Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden und nimmt immer beängstigendere Ausmaße an!"
Nun wußte eigentlich jeder, daß die Krise noch nicht ausgestanden ist. Doch scheint eine Bankenverstaatlichung in Deutschland das Traumgebäude aller Neoliberalen endgültig zum Einsturz zu bringen. Anders als z.B. in Großbritannien und USA, den Vorreiterländern des Neoliberalismus, wo dies pragmatisch gesehen wird, kommt in Deutschland sofort die Ideologie ins Spiel.
Verräterisch war schon, daß die Bundeskanzlerin beim Bankenrettungspaket das Wort "Verstaatlichung" nicht mochte: "Wenn für Banken Kapital bereitgestellt wird, ist dies nichts anderes, als wenn sich Firmen Kapital auf dem privaten Markt besorgen würden. Insofern ist es keine Verstaatlichung, daß der Staat jetzt vorhat, auf Dauer in die Banken einzugreifen, sondern es ist eine Hilfe durch den Staat."
Dabei ist es eigentlich eine gute Nachricht. Denn nun kann die Bundesregierung darauf Einfluß nehmen, daß die Commerzbank bei der Kreditvergabe dort den Fuß wieder von der Bremse nimmt, wo es vernünftig ist. Der ganze Vorgang zeigt, wie viel neoliberaler die deutsche Politik und ein Teil der Medien heute ist, als man selbst in den Kernländern des Neoliberalismus beobachten kann.
Gedanken zur Zeit 1154 04-01-09: Weiser Rat von Frank-Jürgen Weise in BILD?
Frank-Jürgen Weise ist Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit und bei der CDU politisch engagiert. Er darf zum Sonntag in BILD Hoffnung im Kampf gegen die drohende Arbeitslosigkeit verbreiten. Doch was ist sein Rezept? Sein Kommentar trägt die Überschrift: „Durch Weiterbildung aus der Krise". Dort heißt es: „Zudem haben wir Mittel für Maßnahmen, die uns aus der Krise herausführen können: Dazu gehört vor allem die Qualifikation von Arbeitnehmern. Denn Kenntnisse und Fähigkeiten sind das, was Deutschland braucht, um international mitzuhalten."
So einfach ist das also und so schnell geht das. Ein bißchen mehr lernen und schon haben wir die bevorstehende Krise am Arbeitsmarkt vermieden! Doch selbst qualifiziertere Mitarbeiter helfen den Unternehmen nicht, wenn der Markt brutal wegbricht (siehe heutiger Rundbrief). Das Weise-Rezept ist nur ein „Schönwetter-Rezept". Die Arbeitslosen müssen sich verschaukelt fühlen, zumal Herr Weise natürlich weiß, das der Anteil der gut Ausgebildeten unter den Langzeitarbeitslosen, vor allem den älteren Jahrgängen, ebenfalls erheblich ist.
Gedanken zur Zeit 1153 03-01-09: Freiheit oder Sozialismus
Nun ist es wieder einmal soweit. Für die populistische Keule BILD ist unser System bedroht. Nicht etwa von den Spekulanten und denen, die die Spekulation nicht verhindert haben, sondern von den Kritikern der Spekulation.
Und so der BILD-Kommentar von heute unter der Überschrift „Erhard oder Marx: Was wollen wir?": „Panikmacher verstärken wie dröhnende Lautsprecher das Gefühl von Krise, von Wirtschaft am Abgrund, von Arbeitsplätzen in Gefahr, bösen Bankern, Armut und schreiender Ungerechtigkeit. Aber die Panikmacher sind oft Heuchler. Wer „die da oben" schimpft und „uns hier unten" wähnt, wünscht sich nicht selten ein grundsätzlich anderes System herbei. In dem Gemeinnutz mal wieder wichtiger sein soll als persönliche Freiheit. Wer laut eine „Gerechtigkeitslücke" beklagt, träumt leise oft schon wieder von Karl Marx. Das altbewährte Schlagwort heißt „sozial". Damit fängt die Katze Mäuse. Weil: Sozial sein, heißt gut sein - und wer ist schon gerne unsozial? Die Welt in der Wirtschaftskrise ist 2009 eine fabelhafte Gelegenheit, unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen. Ludwig Erhard gegen Karl Marx - die Systemfrage wird gestellt. Von Ludwig Erhard bleibt unsere Marktwirtschaft (mit Fehlern), von Karl Marx blieben nicht einmal mehr die UdSSR oder China, sondern Nordkorea und Simbabwe. Wenn Sie wissen wollen, wie es dort aktuell aussieht, fahren Sie ruhig hin. Falls man Sie rein lässt ..."
Was hat wohl die Forderung nach einer Kontrolle der Spekulation und einer Begrenzung der immer einseitigeren Einkommensverteilung, aus der die Spekulation kommt, mit Simbawe zu tun? Für BILD sind wir wieder bei „Freiheit oder Sozialismus". Aus der Spekulation ist schon einmal eine Weltwirtschaftskrise gekommen und anschließend nicht etwa Marx sondern der Faschismus in Deutschland und ein schrecklich blutiger Weltkrieg. Kann man das in der BILD-Redaktion nicht begreifen?
Gedanken zur Zeit 1149 02-01-09: BILD und die guten Nachrichten
BILD hatte uns versprochen, über die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel nur noch gute Nachrichten zu liefern. Das ist nun wirklich nicht durchzuhalten bei Krieg im Nahen Osten, einem nicht auszuschließenden Gaslieferstop im kalten Winter, der höchsten Inflation in Deutschland des vergangenen Jahres seit 14 Jahren und ähnlichen Meldungen (BILD von heute). Immerhin hat BILD dann doch noch einige Meldungen gefunden, die dort wohl als „gute" eingestuft werden.
Vermutlich zählt BILD dazu die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Doch da muß selbst BILD mäkeln: „Aber schon manche Ankündigung in ihren drei bisherigen Neujahrsansprachen (für 2006, 2007, 2008) erwies sich im Nachhinein eher als frommer Wunsch oder zerstobene Hoffnung." Dafür bekommen wir dann wieder das Wunder der deutschen Exportweltmeisterschaft aufgetischt: „Trotz Finanzkrise: Deutschland bleibt auch 2008 Exportweltmeister! BGA-Präsident Anton Börner schätzt, dass im November und Dezember zwar die Exporte und Importe geschrumpft sind, aber kein Einbruch droht. Der Jahrsbeginn 2009 dürfte ebenfalls schwierig werden."
Eigentlich interessant ist an dieser Meldung, daß nur der Jahresbeginn 2009 schwierig werden soll. Das wäre das eigentlich Gute an der Meldung. Doch kann die Krise schon so schnell vorbei sein, während die meisten Auguren schon 2010 zum Krisenjahr erklären? Doch dafür hat Börner eine verräterische wenn auch wenig plausible Erklärung bereit, daß nämlich ab Sommer die deutsche Exportwirtschaft von den riesigen Konjunkturprogrammen weltweit profitieren werde. Deutschland wieder einmal als Trittbrettfahrer seiner Partner? Und das schon ab Sommer? Wer's glaubt ....
Ich hier mache jedenfalls weiter mit den ehrlichen Meldungen, auch wenn sie leider nicht so gut sein werden, wie Sie und ich uns das wünschen würden. Künstlich gute Nachrichten werde ich Ihnen ersparen. Die Zeit für gute Meldungen von der Wirtschafts- und Sozialfront wird kommen, wenn wirklich die Konsequenzen aus dieser Weltwirtschaftskrise gezogen werden. Hoffen darf man ja noch!