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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 30/09/2008 09:37 -

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Arbeitsmarkt im September: Das "letzte Hurra" vom Arbeitsmarkt?

Der Bundeswirtschaftsminister meldet sich wieder einmal zu den Arbeitsmarktzahlen, wie er das immer tut, wenn sie ihm günstig erscheinen. Nun setzt der die Schlagzeile: "Arbeitslosenzahl so niedrig wie seit 16 Jahren nicht mehr" und fügt gleich noch die Aussicht auf einen weiteren Abbau unter 3 Millionen hinzu. Da schlägt er auch noch den Bundesarbeitsminister, der nur von einer "Bemerkenswerten Entwicklung" spricht.

Niemand verrät uns, daß schon 37 % des gemeldeten Beschäftigungsaufbaus auf unsichere zeitlich befristete und schlechter bezahlte Leiharbeit entfällt. Aus den Einzelzahlen der Bundesagentur für Arbeit muß man sich das aus dem Kleingedruckten erst mühsam herausrechnen. Offensichtlich bereit sich die Arbeitgeber angesichts der drohenden Rezession bereits seit einiger Zeit auf rasche Entlassungen vor. Außerdem hat sich der Aufbau der Erwerbstätigkeit und der Abbau der Arbeitslosigkeit über die letzten Monaten verlangsamt. Der gesamte Abbau an Arbeitslosigkeit über das vergangene Jahr ist schon durch Anstieg von Leiharbeit, von vesicherungspflichtiger Arbeit mit der Notwendigkeit von Nebenjobs und durch die demographische Entwicklung zu erklären. Nur noch 54 % der Empfänger von Arbeitslosengeld werden als arbeitslos registriert.

1. Beschäftigte und Arbeitslose

Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres Monat für Monat leicht abgeschwächt (Abb. 14041), gegenüber dem Vormonat waren es nur noch 0,28 % mehr. Ebenso schwächt sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz ab. (Abb. 04772). Saisonbereinigt, ging die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat nur noch um 29.000 oder 0,9 % zurück; dagegen hatte der durchschnittliche monatliche Abbau im Zeitraum Februar bis August noch bei 34.000 gelegen.



Die amtlich ausgewiesene unbereinigten Zahl der Arbeitslosen verharrte im September bei 3,1 Millionen (Abb. 04595). Soviel zur Papierform, die meist allein in den Medien hängen bleibt.


Die so wichtige Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat in den 5 Jahren seit 2003 praktisch nicht zugenommen (Abb. 04008). Erst recht zeigt sich eine enttäuschende Entwicklung, wenn man langfristig mit 1995 vergleicht. Da ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an allen Beschäftigten von 75 % in 1995 auf nur noch 68 % im Juli 2008 zurückgefallen. 2,22 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus - gegenüber dem Vorjahr 170.000 oder 8,3 % mehr -, was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.


2. Stellenangebot

Der gemeldete Stellenbestand geht bereits seit Beginn letzten Jahres zurück oder stagniert zuletzt (Abb. 14133).


3. Struktur-Effekte der Beschäftigung: Mc Jobs

In den Worten der Bundesagentur: "Vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen gab es einen kräftigen Anstieg (+ 5,6 Prozent bzw. + 206.000), der wiederum zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung getragen wird." Arbeitnehmerüberlassung ist die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für Leiharbeit. Im Klartext: Bereits 36,9 % der Gesamtzunahme an Erwerbstätigkeit über ein ganzes Jahr entfällt zum größten Teil bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge (Abb. 04970, 14491).



Seit vielen Monaten übertrifft nun der Zuwachs der Leiharbeit den der Erwerbstätigkeit insgesamt bei Weitem (Abb. 14527, 14528).



Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten, die nicht als arbeitslos gemeldet werden, liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Juni 4.85 Mio betragen.

Abb. 04922 zeigt, daß der Rückgang der Arbeitslosigkeit fast vollständig durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist. Leider verrät uns die Bundesagentur nicht, obwohl ihr die Zahl bekannt sein sollte, wie viel des Rückgangs an Arbeitslosigkeit auf der von ihr angedeuteten systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruht. Außerdem wird uns nicht verraten, wieviele derer über 58 Jahre nach der neuen gesetzlichen Regelung nun nicht mehr als arbeitslos geführt werden.


Gerade die unsicheren, zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnisse werden nun teilweise sehr schnell wieder verschwinden, wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt. Dagegen wirkt das amtliche Geschwafel von der bevorstehenden "Vollbeschäftigung" ziemlich hohl. Ein Skandal ist auch das Anwachsen der unfreiwilligen Teilzeitarbeit, die natürlich in der Statistik als volle Arbeit gewertet wird. Der Anteil der Teilzeitarbeiterinnen und Teilzeitarbeiter an allen Beschäftigten, der 1996 bei 21,6 und 2000 bei 27,2 Prozent gelegen hatte, ist auf 33,5 Prozent gestiegen. Über 70 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Männer und rund 30 (Westdeutschland) bzw. 40 Prozent (Ostdeutschland) aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind unfreiwillig nur in Teilzeitarbeit beschäftigt.

Diese Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosengengeldempfänger, von denen nur knapp 54 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat keinen richtigen Job.


4. Internationaler Vergleich

Auf der Basis der letzten Eurostat-Erfassung für das 1. Quartal 2008 verzeichnet Deutschland den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022). Auch sonst landet im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit im unteren Mittelfeld unter dem Durchschnitt der Alt-EU (Abb. 04068).