Als erstes fällt mir beim Betrachten des März-Berichtes auf, daß die Bundesagentur wieder mit der Nullachse des Titelbildes gespielt hat, was der ahnungslose Betrachter nicht erkennen kann, um einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit optisch vorzutäuschen. Abb. 04750 stellt dem die wirkliche Entwicklung gegenüber. Das sind eigentlich Tricks, die einer staatlichen Stelle unwürdig sein sollten. Der Bundesarbeitsminister schwelgt in positivem Spiralendenken: "Deutschland hat die Chance, konjunkturell und strukturell in eine langwährende Positiv-Spirale von Prosperität und Beschäftigung zu kommen."

Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit nur um 65.000 gegen Vormonat zurückgegangen. Bei der unbereinigten Zahl bleibt die Arbeitslosigkeit weiterhin über 4 Millionen (4,1 Mio, Abb. 04595) und verzeichnet mit rund 41 % weiterhin einen hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen (Abb. 04033), den höchsten in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022).



Der Trend des Rückgangs der Arbeitslosigkeit hat sich zuletzt etwas abgeschwächt (Abb. 04751).

Die Entwicklung der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit, die bis Februar angegeben wird, verlief zuletzt mit einem Plus von nur 30.000 enttäuschend, nach +44.000 im Januar und monatsdurchschnittlich +51.000 im Dezember und November. Wie schon im Vorjahr zeigt sich die starke Abweichung von Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeitsentwicklung, die immer erst nach dem Gipfel der Arbeitslosigkeit im März korrigiert wird (Abb. 04738).

Und hier noch einiges aus dem Kleingedruckten der Bundesagentur, das die eigenen Unsicherheiten im Umgang mit dieser Statistik zeigt:
Eine besonders beunruhigende Beeinträchtigung der Verläßlichkeit und Aussagefähigkeit der Statistik ist der "Verschiebebahnhof" zwischen der Arbeitslosenzählung und der Zählung der Arbeitssuchenden, die nicht als arbeitslos gerechnet werden:
» So sind die von den Arbeitsgemeinschaften (ARGE) und getrennten Trägern (gT) geführten Arbeitslosen zwar seit Januar 2006 bis März 2007 um 233.342 zurückgegangen, gleichzeitig aber ist die Zahl der Arbeitsuchenden, d.h. Beschäftigte ab 15 Stunden (Einkommen wird durch ALG II aufgestockt) und Maßnahmeteilnehmer um 231.013 gestiegen (Abb. 04752). Die Gesamtzahl Arbeitslose und Arbeitsuchende (Aufstocker und Maßnahmeteilnehmer) hat sich damit kaum geändert. Es fand nur eine Verschiebung von den Arbeitslosen hin zu den Arbeitsuchenden statt (mehr Maßnahmeteilnehmer und Beschäftigte).

» Der Anteil der arbeitsuchenden Älteren ab 55 hat sich dabei deutlich erhöht. Da der Anteil der über 58-jährigen, die arbeitsuchend (beschäftigt oder Maßnahmeteilnehmer) sind, sich nur um 309 erhöht hat, ist Zahl der §428 SGB III-Fälle (keine Erfassung mehr als Arbeitsloser und Arbeitsuchender!) vermutlich drastisch angestiegen.
» Der Anteil der Personen unter 25 Jahre hat sich bei den Arbeitslosen und Arbeitsuchenden um 8,36 % verringert. Bei den erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen nur um 3,46 %. Einzige statistische Erklärung: Der Anteil der Jugendlichen, die in allgemeinbildende und berufsbildende Schulen ausweichen, muss sich erhöht haben (wenn die Statistik stimmt). Diese Personen werden dann nur als erwerbsfähigen Hilfsbedürftige, nicht aber als Arbeitslose gezählt.
» Vor allem: Die Arbeitslosen und Arbeitsuchenden von 25 bis unter 58 sind um 1,34 % auf 3.037.769 gestiegen. Die Zahl der erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen von 25 bis unter 55 Jahre stieg um 3,38 % auf 3.554.651. Eigentlich müßte aber die Zahl der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden größer sein, wenn der gleiche Personenkreis erfasst wäre, da die Altersspanne größer ist. Zwar müssen bei den erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen die wesentlichen Ausnahmen (Schüler/betriebliche Ausbildung, §428er Fälle und Erziehung eines Kindes unter 3 Jahre) noch heraus gerechnet werden, jedoch treten diese Ausnahmen in der Altersgruppe überhaupt nicht (§428) oder fast nicht auf. Es bliebe also als Erklärung nur die Pflege von Angehörigen mit einer erhöhten Pflegestufe übrig. Gegen die Pflege spricht aber, dass diese Differenz 14,5 % ausmacht und viel zu groß ist. Also handelt es sich eindeutig um eine Untererfassung der Arbeitslosen.
Im Ergebnis dieser vielen Ungereimtheiten, ist kaum noch nachvollziehbar, wie die Medien immer wieder auf die von der Bundesregierung verbreiteten weit übertriebenen Erfolgsmeldungen hereinfallen und alles nachplappern, was da vorgegeben wird. Niemand macht sich die Mühe, hinter die Kulissen zu blicken. Was hier als Erfolg verkauft wird, sind im Wesentlichen statistische Manipulationen und prekäre, d.h. zeitlich befristete und/oder gering bezahlte Jobs.