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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 31/01/2007 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Da jubeln sie wieder, Bundesagentur, Bundesregierung und Medien (SPIEGEL: „JANUAR-SENSATION - Winterschock am Jobmarkt bleibt aus"). Der Bundesarbeitsminister sieht zum xten Mal die Wende: "Das ist die Wende." Ich für meinen Teil habe aufgegeben, die Arbeitsmarktzahlen jeden Monat vertieft zu analysieren und damit den Eindruck zu vermitteln, als seien sie eine wenigstens einigermaßen brauchbare Basis für eine solche zeitaufwendige Arbeit, der sich die deutschen Wirtschaftsjournalisten in der Regel natürlich nicht unterziehen.

Viel zu viel an statistischer Kosmetik hat seit dem letzten Jahr stattgefunden (abgesehen vom Sondereinfluß der milden Winterwitterung). Kranke Arbeitslose werden auf einmal nicht mehr als arbeitslos gezählt. Im Dezember 2006 wurde eine neue Saisonkurzarbeitergeld-Regelung eingeführt, bei der praktisch arbeitslose Bauarbeiter in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes enthalten und damit anders als früher nicht mehr als arbeitslos gezählt werden; das mag sinnvoll sein, verzerrt aber in den Wintermonaten die Statistik gegenüber dem Vorjahr erheblich. Außerdem räumt die Bundesagentur selbst ein, daß ein Teil der Abnahme der Arbeitslosigkeit auf der systematischen Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruhe, also einer gegenüber früher veränderten Sortierungspraxis. Schließlich kann nach Andeutungen der Bundesagentur ein erheblicher Teil der neuen sozialversicherunspflichtigen Arbeitsplätze durch eine ziemlich künstliche Umwidmung ehemals nicht sozialversicherungspflichtiger weil nur geringfügig entlohnter Beschäftigungsverhältnisse in der Größenordnung von 146 Tsd kommen, weil die Pauschalbeträge für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse ab dem 1. Juli 2006 angehoben wurden. Neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen ohnehin vor allem im Niedriglohnbereich und auf der Basis unsicherer Zeitverträge.

Fest steht nach den amtlichen Zahlen jedenfalls, daß die Arbeitslosigkeit um 332 Tsd mehr zurückgegangen sein soll, als die Beschäftigung im Vorjahresvergleich zugenommen hat - ein gewaltiges kaum erklärtes Loch von 44 % des angeblichen Rückgangs an Arbeitslosigkeit.

Die einzige wenigstens etwas verläßlichere Zahl ist die der Langzeitarbeitslosen, und die ist im Vorjahresvergleich nur von 1,88 Mio auf 1,78 Mio zurückgegangen, also nur um etwa 100 Tsd (Abb. 04033). Bezeichnenderweise meldet die Bundesagentur diese Zahl nicht mehr direkt (anders als in anderen EU-Ländern), so daß sie aus deren IT-System hochgerechnet werden muß. Nach Eurostat ist der deutsche Anteil der Langzeitarbeitslosen an der aktiven Bevölkerung vor Griechenland der weitaus höchste in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022).



276 Tsd Menschen waren im Dezember in sogenannten 1-Euro-Jobs (oder "Zusatzjobber") beschäftigt. Jetzt hat auch das Institut für Arbeits- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in einer auf Umfragen beruhenden Untersuchung herausgefunden, was ohnehin zu vermuten war: 1-Euro-Jobs verdrängen reguläre Beschäftigung, ohne daß daraus reguläre Arbeitsplätze werden. Nur bei 2% aller Zusatzjobber, die generell geeignet sind, haben die Betriebe eine Übernahme fest geplant. Bei weiteren 5% denken sie darüber nach, eine tatsächliche Übernahme ist jedoch ungewiss. Obwohl sie als geeignet, leistungsfähig und leistungsbereit eingeschätzt wurden, haben nur maximal 7% bzw. jeder Vierzehnte von ihnen über die Arbeitsgelegenheit die Chance auf den Einstieg in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. Bei insgesamt 78% aller geeigneten Zusatzjobber erklären die Betriebe, dass keine finanziellen Mittel für eine Einstellung zur Verfügung stehen. Der Trend zum Personalabbau wird auch durch 1-Euro-Jobs nicht gestoppt - im Gegenteil: Soweit Substitutionen stattfinden, wird er sich in Zukunft sogar verstärken. Seit Jahren ist die Zahl der neu begonnenen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse tendenziell rückläufig (Abb. 04712).


Der Bestand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geht in der Öffentlichen Verwaltung und den Sonstigen privaten und öffentlichen Dienstleistungen zurück, in den Sozialen Dienstleistungen stagniert er. Ein Beschäftigungspotential im Sinne von neuen Beschäftigungsmöglichkeiten und einem merklichen Arbeitsplatzzuwachs, der auch von ehemaligen Zusatzjobbern bedient werden könnte, ist vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zunächst nicht absehbar. Rund 4% der Betriebe, die Erfahrungen mit Zusatzjobbern hatten, gaben an, Personal eingespart zu haben, hier gibt es also deutliche Indizien für eine direkte Substitution von Arbeitsplätzen. Rund 20% aller Betriebe beantworteten diese Frage aber gar nicht erst. Nach Ansicht des IAB geben die Ergebnisse der Studie deutliche Hinweise darauf, dass in einem nicht zu vernachlässigenden Anteil der Betriebe solche Substitutionen auf die eine oder andere Art stattfinden. Denn insgesamt berichten 45% aller dazu befragten Betriebe (hochgerechnet 28.400 Betriebe) über mindestens einen der Effekte, die das IAB als Indizien werten (keine zusätzlichen Tätigkeiten, Personalabbau, erweiterte Öffnungszeiten, bessere Vertretung, Überstundenabbau).

Noch gewaltiger ist der Aufbau der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten (sogenannte 400-Euro-Jobs), deren Zahl nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im November 2006 4,74 Mio betragen haben soll.

Bei so viel Unstimmigkeiten und unechten Jobs überlasse ich das Jubeln gerne anderen!


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