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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 26/02/2009 09:37 -

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1. Vorbemerkung zur Qualität der Arbeitsmarktzahlen

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für Dezember lassen Zeitphasenvergleiche und damit eine Beurteilung der Entwicklung kaum noch zu, weil immer neue Veränderungen und Manipulationen in der statistischen Basis erfolgt sind. So wurde Ende 2006 eine neue Saisonkurzarbeitergeld-Regelung eingeführt, bei der praktisch arbeitslose Bauarbeiter in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes enthalten und damit anders als früher nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Aufgrund einer anderen Neuregelung in 2007 werden viele der über 58-Jährigen nicht mehr als arbeitslos geführt, obwohl sie noch arbeiten wollen. Nach einem weiteren Gesetzentwurf zur Neuregelung von Arbeitsmarktinstrumenten sollen künftig alle Arbeitslosen, die durch private Träger betreut werden, nicht mehr als arbeitslos gezählt werden (im Oktober 08 fielen darunter rund 149.000 Arbeitslose, insgesamt waren es 2008 rund 300.000 Erwerbslose). Außerdem hat die Arbeitsverwaltung in 2007 die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus verschärft, ohne den darauf entfallenden "Rückgang" der amtlich gezählten Arbeitslosigkeit zu benennen. Die Zahlen vom Dezember 2008 sind also kaum noch mit denen des Vorjahres vergleichbar. Jedenfalls werden nur noch 59 % der Arbeitslosengeldbezieher als arbeitslos registriert.

Dennoch ist nun unübersehbar die Krise am Arbeitsmarkt angekommen. Die Zahl der Kurzarbeiter steigt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften fällt deutlich. Gegenüber Januar stieg saisonbereinigt die Arbeitslosigkeit weiter deutlich an, der Beschäftigungsaufbau brach weiter ein.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland weiter den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen und landet in der allgemeinen Arbeitslosigkeit unter 18 alten Industrieländern nur auf dem 13. Platz.

2. Immer mehr Kurzarbeit

Zahlen zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld liegen jeweils erst zwei Monate nach Quartalsende vor und sind daher als Konjunkturindikator vom Arbeitsmarkt wenig geeignet. Doch muß Kurzarbeit vorher angezeigt werden. Die Anzeigen sind deshalb als potenzielle Zugänge in die Kurzarbeit zu interpretieren. Rechnet man aus den Anzeigen die saisonal geprägten heraus und bildet damit den konjunkturell bedingten Arbeitsausfall ab, kommt man für Januar auf 291.000 gegenüber 296.000 im Dezember und 137.000 im Dezember 08. Damit waren es etwa zwölfmal mehr als vor einem Jahr (Abb. 14615).


3. Immer weniger Nachfrage nach Arbeitskräften

Relativ unbehelligt von statistischen Manipulationen ist auch die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage einzuordnen, die von der Bundesagentur als „Stellenindex BA-X" monatlich bekannt gegeben wird. Dieser Index ist laut Bundesagentur der aktuellste Stellenindex in Deutschland und beruht auf konkreten Stellengesuchen der Firmen. Er signalisiert die Einstellungsbereitschaft und bildet die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage am ersten Arbeitsmarkt ab. In den saisonbereinigten Index fließen die bei der BA gemeldeten ungeförderten Stellen für "normale" sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, die Stellen für Freiberufler und Selbständige sowie die gemeldeten Stellen aus der privaten Arbeitsvermittlung ein. Nach Mitteilung der Agentur hat sich dieser Index im Februar 2009 weiter deutlich abgeschwächt (Abb. 14616).


4. Beschäftigte und Arbeitslose

Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres Monat für Monat immer stärker abgeschwächt (Abb. 14041). Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich das Minus auf 0,2 % (Abb. 14625).



Ebenso schwächte sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz von einer Jahresrate von 17,1 % auf nur noch 1,8 % kontinuierlich ab. (Abb. 04772). Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat weiter um 40.000 zu (Abb. 04596).



Die amtlich ausgewiesene unbereinigten Zahl der Arbeitslosen lag im Februar bei 3,6 Millionen (Abb. 04595).


Die so wichtige Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat in den 5 Jahren seit 2003 kaum zugenommen (Abb. 04008), und ist im Dezember wie schon im November wieder gefallen. Erst recht zeigt sich eine enttäuschende Entwicklung, wenn man langfristig mit 1995 vergleicht. Da ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an allen Beschäftigten von 75 % in 1995 auf nur noch 68.0 % im Dezember 2008 zurückgefallen. 2,24 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus - gegenüber dem Vorjahr 81.000 oder 3,8 % mehr -, was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.


5. Struktur-Effekte der Beschäftigung: Mc Jobs

In den Worten der Bundesagentur: " Auch bei unternehmensnahen Dienstleistungen war der Anstieg noch deutlich (+1,9 Prozent bzw. +70.000)'" Arbeitnehmerüberlassung ist die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für Leiharbeit. Im Klartext: 65,4 % der Gesamtzunahme an Erwerbstätigkeit über ein ganzes Jahr entfiel zum größten Teil bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge.

Seit vielen Monaten übertrifft nun die Zuwachsrate der Leiharbeit die der Erwerbstätigkeit insgesamt bei Weitem (Abb. 14527).


Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten, die nicht als arbeitslos gemeldet werden, liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Dezember 4.87 Mio betragen. Abb. 04922 zeigt, daß der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung erheblich überkompensiert ist. Leider verrät uns die Bundesagentur nicht, obwohl ihr die Zahl bekannt sein sollte, wie viel des Rückgangs an Arbeitslosigkeit auf der von ihr angedeuteten systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruht. Außerdem wird uns nicht verraten, wieviele derer über 58 Jahre nach der neuen gesetzlichen Regelung nun nicht mehr als arbeitslos geführt werden.


Diese Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosengengeldempfänger, von denen nur 58,4 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.


6. Internationaler Vergleich

Auf der Basis der letzten Eurostat-Erfassung für das 3. Quartal 2008 verzeichnet Deutschland (mit Portugal) den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022). Auch sonst landet im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit im unteren Mittelfeld auf Platz 12 von 18 (Abb. 04068).



7. Ausblick

Mit einem Wort: Trübe. Internationale Erfahrungen mit ähnlichen Krisen aus der Vergangenheit lassen mit einem mehrjährigen Zuwachs an Arbeitslosigkeit rechnen. Noch bremst das Kurzarbeitergeld den Anstieg der Arbeitslosigkeit, doch bei längeranhaltender Krise werden die Unternehmen die Kurzarbeiter nicht weiter durchschleppen können, zumal die Fördermittel auf 18 Monate begrenzt sind.