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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 28/02/2008 16:37 -

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Für Februar verzeichnet die Statistik der Bundesagentur gegenüber Vormonat einen Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit um 75.000. Allerdings bröckelt der Aufbau an Beschäftigung bereits seit März 2007 ab. Innerhalb nur eines Jahres stieg der Anteil der nicht als arbeitslos registrierten Arbeitslosengeldempfänger um 362.000 oder von 35 % auf über 42 % aller Empfänger von Arbeitslosengeld, was zeigt, wieviel Manipulation mit dem Arbeitslosenbegriff betrieben wird.

Im internationalen Vergleich sieht Deutschland bei den Arbeitslosenzahlen, besonders denen der Langzeitarbeitslosen (letzter Platz) ziemlich schlecht aus.

Angesichts des im Vorjahresvergleich starken Aufbaus an prekären Beschäftigungsverhältnissen, besonders der unsicheren Leiharbeitsverhälnisse, des hohen Sockels an geringfügig bezahlten Arbeitsverhältnissen und der fortgesetzten "administrativen Bereinigung" und der - von der Arbeitsmarktpolitik unabhängigen - demographische Entwicklung ist die Arbeitsmarktsituation trotz aller Erfolgsmeldungen immer noch als schwierig einzuschätzen. In einer Nettogegenrechnung des Aufwuchses solcher prekärer Arbeitsverhältnisse und der statistischen Sonderfaktoren bleibt vom angeblichen Boom am Arbeitsmarkt viel weniger übrig.

Gerade die unsicheren zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnisse werden teilweise sehr schnell wieder verschwinden, wenn sich die Konjunktur - wie erwartet wird - weiter abschwächt. Nicht vergessen: Bei einer kaputten Verbraucherkonjunktur hängt die Entwicklung des Arbeitsmarktes gefährlich am unsicher werdenden Export. Der Rückgang der Nachfrage der privaten Haushalte im 4. Quartal 2007 hat wieder gezeigt, wie kaputt die deutsche Verbraucherkonjunktur ist.

Trotzdem triumphiert Bundesminister Scholz heute wie schon sein Vorgänger Müntefering: „Bemerkenswerte Entwicklung am Arbeitsmarkt: Entgegen dem üblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Februar erleben wir einen Rückgang von Januar auf Februar um 42.000. Da will natürlich der Bundeswirtschaftsminster Glos nicht zurückstehen und meldet: „ Arbeitsmarkt weiter schwungvoll."

1. Unbereinigte Zahl der Zahl der Beschäftigten und Arbeitslosen

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat nach der jüngsten Statistik für Dezember gegenüber Vormonat um 177.000 abgenommen. Auch über einen längeren Zeitraum gab es relativ wenig positive Entwicklung und die Zahl liegt jetzt immer noch in der Größenordnung von vor fünf Jahren (Abb. 04008). Erst recht zeigt sich eine enttäuschende Entwicklung, wenn man langfristig mit 1995 vergleicht (Abb. 14011). 2,1 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus - gegenüber dem Vorjahr 109.000 mehr -, was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.



Die unbereinigten Zahl der Arbeitslosen lag im Februar bei 3,6 Mio (Abb. 04595). Gegenüber dem Vorjahresmonat schwächte sich der Abbau an Arbeitslosigkeit seit seinem Gipfelpunkt im März letzten Jahres deutlich ab (Abb. 14042).



2. Saisonbereinigte Zahlen

Im Vorjahresvergleich bröckelt der Zuwachs der Beschäftigung schon seit März letzten Jahres ab (Abb. 14086). Bei der Arbeitslosigkeit errechnet sich saisonbereinigt im Dezember ein Abbau der Zahl der Arbeitslosen um 75.000 gegenüber dem Vormonat und damit fast ein Fünftel weniger als noch im Januar (Abb. 04772).



3. Struktur-Effekte der Beschäftigung: Mc Jobs

In den Worten der Bundesagentur: "Vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen gab es einen kräftigen Anstieg (+6 Prozent bzw. +225.000), der wiederum zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung getragen wird." Arbeitnehmerüberlassung ist die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für Leiharbeit. Im Klartext: 43 % der Gesamtzunahme an Erwerbstätigkeit (Monatsdurchschnitte) über ein ganzes Jahr entfällt zum größten Teil bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge (Abb. 04970).


Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten, die nicht als arbeitslos gemeldet werden, liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Oktober 4,83 Mio betragen. Nach einer neuen Studie des öffentlichen Instituts für Arbeitsmarktforschung müssen inzwischen 1,33 Millionen Menschen ihr mageres Gehalt durch Hartz IV-Leistungen aufstocken lassen - das sind über eine halbe Million mehr als noch vor zwei Jahren. Unter ihnen befanden sich im November 2007 fast eine halbe Million Menschen, die einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob haben.

Abb. 04922 zeigt, in welchem großem Umfang der Rückgang der Arbeitslosigkeit durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist. Leider verrät uns die Bundesagentur nicht, obwohl ihr die Zahl bekannt sein sollte, wie viel des Rückgangs an Arbeitslosigkeit auf der von ihr angedeuteten systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruht.


Gerade die unsicheren, zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnisse werden teilweise sehr schnell wieder verschwinden, wenn sich die Konjunktur - wie erwartet wird - weiter abschwächt. Die negative Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte (Abb. 14010) bei wachsenden Problemen im Export läßt das Gerede vom „robusten Aufwärtstrend" ziemlich hohl klingen.

Diese Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosgengeldempfänger, von denen nur 57,5 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980, 14087); vor einem Jahr wurden noch 64,9 % registiert. Damit ist die Zahl der nicht als arbeitslos registrierten Empfänger von Arbeitslosengeld I und II innerhalb nur eines Jahres um 362.000 gestiegen.



4. Langzeitarbeitslose, internationaler Vergleich

Dabei verzeichnet die Statistik trotz aller Aussortierungsmanöver, die gerade auf dieses Segment konzentriert sind, mit rund 36 % weiterhin und unverändert einen hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen, auf der Basis der letzten Eurostat-Erfassung für das 3. Quartal 2007, den höchsten in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022).


Auch sonst ist im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit auf dem 14. Platz von 18 Vergleichsländern immer noch hoch (Abb. 04068). Angesichts des deutschen Dauertriumphes bei den Arbeitsmarktdaten sollte man die der Nachbarn zur Ernüchterung im Auge behalten.


5. Aus dem Kleingedruckten

Und hier noch einiges aus dem Kleingedruckten der Bundesagentur, das die Untiefen und eigenen Unsicherheiten im Umgang mit dieser besonders wegen verläßlichen Statistik zeigt:

    » Die Arbeitslosenzahl ist saisonbereinigt erneut deutlich gesunken, wenn auch verstärkt durch Sonderfaktoren.
    » Dass sich der Trend kräftiger saisonbereinigter Abnahmen in den Wintermonaten sogar noch verstärkt hat, hängt auch damit zusammen, dass es vergleichsweise wenig witterungsbedingte Einschränkungen gegeben hat.
    » Von größerem Einfluss dürfte aber die Entlastungswirkung des im Winter 2006/2007 eingeführten Saison- Kurzarbeitergeldes sein. Die Winterarbeitslosigkeit fällt damit tendenziell geringer aus als vor der Einführung dieser Regelung, was vom Saisonbereinigungsverfahren erst zum Teil berücksichtigt werden kann.
    » Außerdem hat im Februar die Ausweitung von Qualifizierungsmaßnahmen zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen.
    » Geholfen haben außerdem ein rückläufiges Arbeitskräfteangebot, das nach aktuellen Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2008 jahresdurchschnittlich um 94.000 abnehmen wird.
    » Darüber hinaus dürften die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus für den Vorjahresvergleich noch von Einfluss gewesen sein, allerdings mit abnehmender Tendenz.
    » Nach den Regelungen der §§ 428 SGB III und 252 Abs. 8 SGB VI müssen 58-Jährige oder Ältere dem Arbeitsmarkt nicht mehr voll zur Verfügung stehen und werden auch nicht mehr als Arbeitslose gezählt.

6. Fazit

Ins kritische Auge springt vor allem der auch im Februar im Vorjahresvergleich starke Aufbau an prekären Beschäftigungsverhältnissen, besonders der unsicheren Leiharbeitsverhälnisse, und die fortgesetzte "administrative Bereinigung", die - neben der von der Arbeitsmarktpolitik unabhängigen demographische Entwicklung - eine bessere Entwicklung vortäuscht. Innerhalb nur eines Jahres stieg der Anteil der nicht als arbeitslos registrierten Arbeitslosengeldempfänger von 34 % auf über 42 % aller Empfänger von Arbeitslosengeld, was zeigt, wieviel Manipulation mit dem Arbeitslosenbegriff betrieben wird.

Im internationalen Vergleich sieht Deutschland ziemlich schlecht aus.


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