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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 28/02/2007 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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In Deutschland ist wieder Jubeln angesagt: Die Arbeitslosenstatistik für Februar ist da! Und prompt startet der Jubelchor, z.B. WELT: "Stärkster Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 1949".

Nicht zuletzt dank freundlicher Witterung, aber auch einigen „freundlichen" Umstellungen in der Statistik

    kranke Arbeitslose werden nicht mehr als arbeitslos gezählt,
    praktisch arbeitslose Bauarbeiter erhalten in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes und gelten damit nicht mehr als arbeitslos,
    Ausbau der systematischen Überprüfung des Arbeitslosenstatus,
    Aufwuchs von Leiharbeitnehmern in unsicheren Zeitverträgen

und einer in 2006 besseren konjunkturellen Entwicklung hat sich die gemessene Arbeitslosigkeit im Februar um 16 % gegenüber Vorjahr vermindert. Bei den Langzeitarbeitslosen war der Rückgang mit 11 % allerdings weit weniger ausgeprägt (Abb. 04033); auch ist Deutschland hier weiterhin das Schlußlicht des internationalen Feldes vergleichbarer Länder (Abb. 04737).




Vor allem hat die Arbeitslosenstatistik ein recht komisches Phänomen. Jedesmal im Winter, wenn die Arbeitslosigkeit eigentlich bersonders stark steigen müßte, baut sie sich weit weniger auf, als der Rückgang der Beschäftigtenzahlen erwarten ließe. Die jetzt für Januar veröffentlichte Beschäftigungszahl zeigt einen Rückgang gegen Dezember von 688 Tsd, doch der Zuwachs an Arbeitslosigkeit wird nur mit 239 Tsd angegeben. Wo ist die Differenz von 449 Tsd geblieben? Noch nie war sie so groß wie im Januar 2007 (Abb. 04738). Auch die Commerzbank gab zu bedenken, die Februar-Zahlen zeichneten ein etwas zu günstiges Bild: Die Beschäftigtenzahlen seien in den letzten Monaten nicht halb so stark gestiegen, wie die Arbeitslosenzahl zurückgegangen sei; dahinter stünden also auch Bereinigungen der Statistik. Bei so viel Unstimmigkeiten und unechten Jobs überlasse ich das Jubeln gerne anderen!


Nun scheint auf einmal auch der Bundesarbeitsminister, der bisher immer einer der Hauptjubelnden war, kalte Füße bei all den schönen Zahlen zu bekommen. Aus seiner Pressemitteilung von heute: "Der Wettlauf um die schönste Prognose, der in den vergangenen Tagen in Teilen der Politik und der Wissenschaft ausgebrochen scheint, ist kontraproduktiv, ist dumm. Die weltweit beeinflussten Rahmenbedingungen bleiben labil. Wer jetzt die Zukunft am Arbeitsmarkt rosarot malt - 'wenn denn alles ganz und besonders gut läuft' - handelt unverantwortlich."

Die in Deutschland herrschende neoliberale Lehre negiert natürlich die statistischen Sondereinflüsse und die „rote Laterne" im Vergleichsfeld. Für sie ist Lohndisziplin der Vater aller Siege an der Arbeitsmarktfront. Dabei zeigen die statistischen Langfristverleiche eine sehr enge netative Korrelation zwischen der Entwicklung der verbraucherpreisbereinigten Nettolöhne und -gehälter einerseits und der Arbeitslosigkeitsquote andererseits. Je schlechter sich die Löhne entwickeln, umso mehr steigt die Arbeitslosigkeit und umgekehrt. Das kann eigentlich nicht überraschen, weil die negative Entwicklung der Masseneinkommen die private Nachfrage der Haushalte und damit die Binnenwirtschaft gedrückt und so die Arbeitslosigkeit befördert hat. Abbildung 04735 zeigt die Entwicklung mit dem hohen negativen Korrelationsfaktor von -0,83, wobei das Jahr 2006 wegen der vielen Umstellungen in der Statistik nicht einbezogen ist.


Ebenso eng positiv korreliert ist die Entwicklung von Exportüberschüssen (Aussenbeitrag als Anteil am Bruttosozialprodukt) und Langzeitarbeitslosigkeit. Je mehr der Aussenbeitrag stieg, umso stärker hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit entwickelt. Darin zeigt sich, daß die von der Exportwirtschaft teilweise mit Verlagerungsdrohungen erzwungene Lohndisziplin zwar zu den Exportüberschüssen beigetragen hat, der Ausfall an Binnenkonjunktur durch den Entzug von Massenkaufkraft jedoch von den Exportüberschüssen nicht kompensiert wurde. Dieser Zusammenhang (Korrelationswert 0,74) ist in Abb. 04097 dargestellt.



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