Eigentlich wollte ich die Arbeitsmarktzahlen wegen ihrer notorischen Mängel und ständigen Umstellungen nicht mehr kommentieren. Doch manches an der Meinungsmanipulation ist so provokativ, daß man einfach nicht daran vorbeigehen kann.
Als erstes fällt mir beim Betrachten des April-Berichtes auf, daß die Bundesagentur wieder mit der Nullachse des Titelbildes gespielt hat, was der ahnungslose Betrachter nicht erkennen kann, um einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit optisch vorzutäuschen. Abb. 04750 stellt dem die wirkliche Entwicklung gegenüber. Das sind eigentlich Tricks, die einer staatlichen Stelle unwürdig sein sollten. Prompt steigt BILD mit dem „Jobwunder" in „Happy Deutschland" ein, wobei auch der Sonnenschein für die Arbeitsmarktzahlen hinhalten muß (Abb. 04771).


Saisonbereinigt errechnet sich allerdings nur ein Mini-Minus von 9.000, nach -52.000 im März und -75.000 im Februar (Abb. 04751). Trotzdem läßt der Bundesarbeitsminister verlauten: "Am Arbeitsmarkt gibt es weiterhin eine klar positive Entwicklung." Jedenfalls sind die unbereinigten Zahlen punktgenau auf unter 4 Millionen Arbeitslose abgerichtet worden, nämlich um gerade mal 33.000 darunter auf 3,967 Millionen (Abb. 04595). Und so konnte der Bundesarbeitsminister genau zum 1. Mai die Zahl unter 4 verkünden, ohne auch nur ein Wort zur Stagnation nach Saisonbereinigung zu verlieren.


Dabei verzeichnet die Statistik trotz aller Aussortierungsmanöver, die gerade auf dieses Segment konzentriert sind, mit rund 41 % weiterhin und unverändert einen hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen (Abb. 04033), den höchsten in den Alt-EU-Ländern nach Griechenland (Abb. 04022). Auch sonst ist im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit immer noch hoch (Abb. 04068).



Die Entwicklung der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit, die bis März angegeben wird, verlief zuletzt mit einem Plus von nur 52.000 gegen Februar oder 0,1 % enttäuschend. Wie schon im Vorjahr zeigt sich die starke Abweichung von Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeitsentwicklung in der Höhe, wobei die Arbeitslosen um fast 30.000 mehr zurückgegangen sind, als die Beschäftigtenzahl gestiegen ist (Abb. 04738).

Sehr enttäuschend auch, daß die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze nach den letzten Zahlen für Februar gegenüber dem Vormonat bei 26,5 Millionen stagniert. Der für diesen Zeitraum verzeichnete Rückgang der Arbeitslosen von 25.000 ging also voll auf minderwertige Arbeitsplätze und „Korrekturfaktoren" in der Erfassung der Arbeitslosigkeit (siehe unten). 1,95 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus (gegenüber dem Vorjahr 150.000 mehr), was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.
Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Februar 4,74 Mio betragen. Das sind nur magere 35.000 oder 0,7 % weniger als vor einem Jahr.
Und hier noch einiges aus dem Kleingedruckten der Bundesagentur, das die eigenen Unsicherheiten im Umgang mit dieser Statistik zeigt:
Eine besonders beunruhigende Beeinträchtigung der Verläßlichkeit und Aussagefähigkeit der Statistik ist der "Verschiebebahnhof" zwischen der Arbeitslosenzählung und der Zählung der Arbeitssuchenden, die nicht als arbeitslos gerechnet werden, auf die ich im März-Kommentar ausführlich eingegangen bin.
Fazit
Angesichts des im Vergleich zum Vormonat
schwachen Rückgangs der saisonalen Arbeitslosigkeit, der Stagnation der versicherungspflichtigen Stellen und der im internationalen
Vergleich nach Griechenland höchsten Rate an Langzeitarbeitslosen sowie dieser vielen Ungereimtheiten, ist kaum noch nachvollziehbar, wie die Medien
immer wieder auf die von der Bundesregierung verbreiteten weit übertriebenen Erfolgsmeldungen hereinfallen und alles nachplappern, was da vorgegeben wird. Niemand macht sich die Mühe,
hinter die Kulissen zu blicken. Was hier als Erfolg verkauft wird, sind zu einem großen Teil statistische Manipulationen und prekäre, d.h. zeitlich befristete und/oder gering bezahlte
Jobs.
Wenn es nicht gelingen sollte, bei der derzeit relativ guten internationalen Konjunktur einen stäkeren echten
Rückgang an Arbeitslosigkeit zu erreichen, wird es im nächsten Abschwung wieder sehr schlecht aussehen.