Die neoliberale Globalisierung drückt die Arbeitseinkommen überall in den alten Industrieländern zurück. Die seit etwa dem Jahr 2000 einsetzende schrittweise Integration in die Weltwirtschaft von Osteuropa und den großen Schwellenländern China und Indien in Asien mit einer Bevölkerung von ca. 3 Milliarden Menschen hat das Verhältnis von Kapital und Arbeit grundsätzlich und für sehr lange Zeiten geändert. Das weltweite Arbeitsangebot pro investivem Kapital ist seitdem dramatisch größer und vor allem billiger geworden. Dabei kann sich bei weitestgehend offenen Handelsgrenzen das Kapital die weltweit billigsten Standorte aussuchen. Computer und Satellitenkommunikation sowie schnelle Flugbindungen lassen die Welt schrumpfen und erlauben die Verlagerung von industrieller Produktion und Dienstleistungen im großen Stil. In der Folge steigen, wie nicht anders zu erwarten, die Unternehmensprofite und fallen die Arbeitseinkommen.
Zwischen 1995 und 2005 ist der Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt in Süd- und Südostasien bei weitem am meisten gestiegen, gefolgt von Osteuropa, während er in den alten Industrieländern zurückgegangen ist (Abb. 07101).

Parallel dazu hat sich besonders über die letzten fünf Jahre das Handelsdefizit der EU mit diesem Raum fast verdoppelt, wobei die Einfuhren von Industriegütern, vor allem angetrieben durch die Entwicklung mit China, weit stärker gestiegen sind als die Ausfuhren dorthin (Abb. 07102). Das gilt auch für den Handel Deutschlands mit dieser Region. Das EU-Defizit entspricht übrigens bereits 10,2 % des Wertes der eigenen EU-Industrieproduktion. Sie werden diese Information nirgendwo in Deutschland finden.

Besonders China hat die Volkswirtschaften der alten Industrieländer in eine riesige deflationäre Zange genommen. Auf der einen Seite greift es mit Niedrigstpreisen im Export zu, auf der anderen über seinen enormen Nachfragedruck mit einer langfristigen Hausse der Rohstoff- und Energiepreise, die an die Verbraucher in den alten Industrieländern weitergegeben wird.
Die Statistik der Wirtschafts- und Finanzdirektion der Europäischen Kommission zeigt die Folgen für die Arbeitseinkommen in den alten Industrieländern schon jetzt sehr deutlich. Die gewogene Durchschnittsrate der verbraucherpreisbereinigten jährlichen Steigerung hat sich von 2,7 % in der Periode 1995/2000 auf nur noch 1,2 % für die Periode 2000/2006 mehr als halbiert (Abb. 12260).

Besonders brutal war der Rückgang für Deutschland von 1,6 % auf nur noch 0,1 % - ein Rückgang der Wachstumsrate um 97 % (Abb. 12261). Auch in USA ist die durchschnittliche Wachstumsrate um etwa ein Drittel zurückgefallen.

Wer nun in Deutschland wieder auf normale Steigerungsraten der Arbeitnehmereinkommen und der Massenkaufkraft setzt und von daher ein gutes Jahr 2007 erwartet, sollte die internationale Entwicklung bedenken und die enormen Triebkräfte der neoliberalen Globalisierung in die Betrachtung einbeziehen. Für Deutschland kommt in 2007 noch ein weiteres Austrocknen der Kaufkraft durch eingefrorene Renten und Beamtenpensionen, die verbraucherpreisbereinigt ständig absinken, sowie durch die zusätzlichen Steuer- und Beitragsbelastungen hinzu.