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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 11/08/2007 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Die USA haben es schon lange verstanden, über ihre Verhältnisse zu leben. Sie haben sich teuere Kriege geleistet, wie in Vietnam und Irak, und das Ausland dafür mitzahlen lassen, weil sie die Reservewährung Dollar drucken konnten und in unruhigen Zeiten nicht einmal einen Sturz der als „safe haven" betrachteten Währung befürchten mußten. Sie konnten sich aus der letzten Wirtschafts- und Börsenkrise besser als alle anderen befreien, indem sie (a) das Haushaltsdefizit und die öffentliche Verschuldung hochgefahren haben, (b) die Binnenwirtschaft durch billige und - wie man jetzt sieht - zu einem großen Teil faule Kredite angekurbelt haben, die dann zu großen Teilen an ausländische Käufer verscherbelt wurden, und (c) sich bei einer stark negativen Handelsbilanz überhaupt massiv im Ausland verschuldet haben. Das reichste Land der Welt ist so zum größten Kapitalimportland geworden.

Die öffentliche Verschuldung der USA ist auf fast 7 Billionen Dollar hochgesprungen (Abb. 05006), die private auf mehr als 36 Billionen Dollar (Abb. 05007); diese Zahlen sind inflationsbereinigte Dollar. Der Gesamtbetrag von 42 Billionen Dollar entspricht mehr als dem Dreizehnfachen der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung eines Jahres.



Die Verschuldung der amerikanischen Haushalte sprang dabei auf mehr als 12 Billionen Dollar hoch (Abb. 03469).


Von der Verschuldung der amerikanischen Haushalte sind jetzt 16 % im Bereich der minderwertigen Hypotheken. Seit 2001 ist die Gesamtverschuldung der Haushalte um rund 6 Billionen Dollar gestiegen; davon entfielen auf minderwertige Hypotheken allein 1,6 Billionen Dollar oder mehr als ein Drittel. Der durch das Hypothekengeschäft beförderte Immobilienboom hat den amerikanischen Haushalten einen falschen Reichtum vorgespiegelt und sie in die Kreditaufnahme getrieben. Im vergangenen Jahr war die Sparquote in USA mit -1,1 % des Bruttoinlandsprodukts negativ (Abb. 12041).


Um einen Eindruck von der Faulheit der minderwertigen Hypotheken zu vermitteln, die an Schuldner mit einer schlechten Bonität gegeben wurden: Hauskäufer bekamen in USA Darlehen, die 105 % des Kaufpreises decken, und tatsächlich haben ¼ aller Käufer im vergangenen Jahr keine Anzahlung geleistet. Es gibt sogar Hypotheken, bei denen nur Zinsen gezahlt werden oder sogar nur ein Teil der Zinsen ("negative amortisation loans"), während die Differenz in die Hypothek integriert wird. Eine in USA besonders attraktive Form von Hypotheken werden „teaser loans" oder auf Deutsch Lock-Hypotheken genannt, bei denen die monatlichen Zahlungen anfangs gering sind und dann stark steigen. Diese Art von Hypotheken hatten im vergangenen Jahr bereits einen Anteil von mehr als 22 % aller Hypotheken. Mit steigenden Zinsen der Zentralbank kommt es bei der Refinanzierung solcher Hypotheken absolut zwangsläufig zu Problemen und Konkursen.

Übrigens, nach einem Bericht in der Financial Times gibt es bei den minderwertigen Hypotheken zudem noch einen groß eingespielten Betrug. Wer eine Lohnbescheinigung braucht, obwohl er kein Arbeiteinkommen hat, kann sich z.B. an eine Webseite wenden und erhält von dort eine Lohnbescheinigung für 50 $; für 25 $ mehr ist auch ein Telefondienst zu haben, der jedem Anrufer bestätigt, was für ein hervorragender Mitarbeiter der Hypotheken-Interessent ist. Ich selbst habe den Test hier gemacht. Die Webseite besteht immer noch.

Hier sind die Tricks: mit

    der Bündelung solcher minderwertiger Hypotheken,
    einer Vermengen mit anderen Krediten und
    der Verpackung in Asset Backed Securities (Wertpapiere mit Sicherung durch die angeblichen Werte der dahinterstehenden Objekte),
    dem Gütesiegel der Rating-Agenturen (die alle amerikanische sind!) und
    dem cleveren Vertrieb durch die Investmentbanken (die alle amerikanische oder britische sind)

haben es die USA verstanden, einen großen Teil dieses oberfaulen Risikos an den Rest der Welt loszuwerden. Natürlich gehören zum Tango immer Zwei. Mitgetanzt haben kaufende Banken (auch in Deutschland), Hedgefonds und andere Fonds (auch in Deutschland) in ihrer Gier nach etwas höher verzinsten Anlagen. Mitgetanzt haben leider auch die staatlichen Aufsichtsbehörden im Rest der Welt, die die Faulheit nicht gerochen haben, obwohl sie schon seit mindestens fünf Monaten internationales Gespräch ist (diese Webseite hat schon im März darüber berichtet hier.und hier).

Nun verteuert die Kreditkrise die Finanzierung und erschwert damit weltweit die Realwirtschaft auch der Unternehmen, die auf billiges Geld für riskante Investitionen angewiesen sind (Anstieg des Zinsaufschlags von 2,7 % auf 4,3 %, siehe Abb. 03640). Ein Bericht der Ratingsagentur Fitch zeigt, daß zwischen 2008 und 2011 nicht weniger als 680 Mrd Dollar an riskanten Unternehmenskrediten fällig werden und zu heutigen Bedingungen am Markt kaum refinanziert werden können.


Im Gefolge des Umstandes, daß die USA immer mehr auf Kosten des Auslandes leben, ist auch die Billanz des Handels mit Waren und Dienstleistungen stark negativ geworden (Abb. 0302) und hat sich trotz des Falls des Dollars nur sehr wenig erholt. Das gilt auch für die Leistungsbilanz (Abb. 03670).



Jetzt zahlen wir Nicht-Amerikaner durch eigene Gier unserer Finanzinstitutionen und neoliberal verklärte Dummheit unserer Regierungen und Behörden also kräftig für die amerikanische Krise mit.

Für mehr Analysen zum Platzen der Kreditblase siehe hier.


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.