Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 07/03/2008 09:37 -
Fünf Krisen laufen derzeit parallel ab und werden jahrelang anhalten: eine Weltwährungskrise, eine Weltkreditkrise, eine Weltenergiekrise, eine Welternährungskrise und die Umweltkrise. Diese schweren Schocks werden die Welt, die wir kennen, in den nächsten fünf Jahren so ziemlich auf den Kopf stellen. Dabei hängen diese Krisen eng zusammen. Doch um der leichteren Darstellung willen, muß man sie auseinanderhalten.
1. Die Weltwährungskrise
Die enormen Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen , die verstärkt seit 2001 aufgebaut wurden, haben die USA mit 6 % ihrer gesamten Wirtschaftsleistung ins Minus gebracht, China aber mit 12 % ins Plus und auch Deutschland mit mehr als 5 % (Abb. 12382).

Die USA als reichste Volkswirtschaft der Welt wurden dabei das größte Schuldnerland mit einer Gesamtverschuldung nach Drinnen und Draußen von fast 50 Billionen Dollar oder 353 % des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (Abb. 05091).

Nun stürzt der Dollar immer mehr ab, nachdem in den USA die Rezession anklopft (Abb. 13118). Der Dollar-Index gegen einen Korb der Hauptwährungen ist auf einen absoluten historischen Tiefststand gefallen (Abb. 05094).


Dabei wird die Einkommens- und Vermögensverteilung in USA immer extremer (Abb. 05092).

Nun vermindert sich auch noch mit fallenden Immobilien- und Aktienkurse zum ersten Mal seit 2002 das Vermögen der amerikanischen Haushalte insgesamt (Abb. 05093), so daß normale Verbraucher - zusätzlich zu der immer ungleichmäßigeren Verteilung - unter weiteren Druck geraten. Sie werden in Zukunft weniger Kredit bekommen und auch sonst weniger ausgeben können. Damit wird die Maschine ausfallen, die in den letzten Jahren Lokomotive der Weltwirtschaft war und Exportländer, wie vor allem China, Deutschland und Japan mitgezogen hat.

2. Die Weltkreditkrise und wahrscheinlich auch Börsenkrise
Die globale Kreditkrise arbeitet sich immer weiter in die Realwirtschaft hinein. Es wird geschätzt, daß das Bankensystem zu seiner Rekapitalisierung zwischen 300 und 1000 Mrd Dollar braucht. Allein die Kredit-Verluste aus den minderwertigen amerikanischen Hypotheken werden auf 400 Mrd Dollar geschätzt. Derzeit bewegt sich in USA der Anteil verspäteter Hypothekenzahlung auf dem höchsten Niveau seit 23 Jahren. Es wird erwartet, daß in USA neue Hausverkäufe in diesem Jahr um ein Drittel unter dem Wert von 2005 liegen werden. Die Hauspreise fallen steil(Abb. 03714).

Die Angst vor dem Zusammenbruch weiterer Hedgefonds treibt die Banken, die die Hauptkreditgeber der Hedgefonds sind, wieder zum Horten von Geld, was sich am erneuten Steigen der Zinsen für Kredite zwischen Banken zeigt (Abb. 03718), und dies trotz der gewaltigen Liquiditätsspritzen der Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantik.

In Europa bewegt sich der Versicherungsaufschlag für die Versicherung von Junkbonds auf Rekordhöhen von fast einem halben Prozent mehr als vor Ausbruch der Krise (Abb. 03636). Die Unternehmensfinanzierung über Bonds wird weltweit immer teuerer. Selbst General Electric, eines von nur fünf amerikanischen Unternehmen mit dem besonders sicheren AAA-Rating, mußte in der vergangenen Woche für einen Bond von etwa 2 Mrd Euro 17 Millionen mehr an Zinsen bieten als noch vor 9 Monaten. Die Preise selbst der AAA-Bonds sind auf 53 % ihres Wertes gefallen (Abb. 03719).


Nun mehren sich die Anzeichen, daß die Kreditkrise auf die Börsen überspringt (Abb. 03712).

Vor allem stürzen die Finanztitel ab, z.B. die Commerzbank auf fast die Hälfte, während Allianz ein Drittel und Deutsche Bank ein Viertel des Wertes vor der Krise verlor (Abb. 13316). Die Zentralbanken geben den Banken immer wieder hohe Kredite, z.B. die Fed jetzt wieder 200 Mrd Dollar, und nehmen dafür die miesen Hypothekentitel in ihre eigenen Bücher. Die EZB tut dies derzeit in besonders großem Stil mit spanischen Banken. Müßten die Banken ihre miesen Papiere wirklich "market to market" bewerten, d.h. zum gegenwärtig auf dem Markt erzielbaren Preis, wären einige in der Pleite.

3. Die Weltenergiekrise
Der Ölmarkt ist, nicht zuletzt durch die gewaltig ansteigende Nachfrage aus China, total aus dem Lot gekommen. Der Ölpreis bewegt sich in Höhen, die sich nur noch mit der letzten großen Ölkrise in den 70er Jahren vergleichen lassen (Abb. 07198). Die Internationale Energieagentur schätzt, daß der globale Energiesektor in den nächsten 20 Jahre die gespenstische Summe von 22 Billionen Dollar braucht, um der Energienachfrage der Welt zu entsprechen, jedes Jahr also etwa 1,1 Billion Dollar und damit fast so viel wie alle deutschen privaten Haushalte in einem Jahr ausgeben (1,37 Billionen).

Im Verlauf dieser Entwicklung zu immer höheren Ölpreisen wird immer mehr Kapital in den Ölländern landen. Das wirtschaftliche Machtverhältnis in der Welt wird sich so dramatisch ändern (es sei denn, daß äußere Mächte sich der arabischen Ölquellen bemächtigen).
4. Die Welternährungskrise
Ebenfalls unter dem Eindruck der verstärkten Nachfrage aus Schwellenländern, vor allem wieder China, gestiegener Energiepreise und ungünstigerer Umweltbedingungen steigen die Nahrungsmittelpreise weltweit sprunghaft an. Schon jetzt sind die Nahrungsmittelpreise seit 2005 etwa um die Hälfte gestiegen. Der Preis für Sojabohnen, ein Grundprodukt der Nahrungsmittel- und Viehfutterindustrie steigt gigantisch, seit Beginn letzten Jahres schon auf mehr als das Doppelte (Abb. 07212). Dazu tragen die verzweifelten Versuche der stark motorisierten Länder bei, dem Klimakollaps u.a. durch Biotreibstoffe zu entkommen.

Während der Fleischverbrauch pro Kopf weltweit zwischen 1961 und 2005 um 1,8 % gestiegen ist, sprang er in China um 14,6 % hoch und liegt nun schon über dem der EU. Der Fischverbrauch pro Kopf stieg weltweit um 1,8 %, in China jedoch um 5,4 % und erreichte ebenfalls das EU-Niveau. Soviel ist klar, weder die Fleischproduktion noch der Fischfang werden sich sehr lange so weiter steigern lassen, wie dies seit den 60er Jahren geschehen ist (Abb. 07214). Man kann sich kaum vorstellen, wie arme Lände und arme Menschen in reichen Ländern mit den sich abzeichnenden Belastungen fertig werden sollen, ohne daß es zu Unruhen kommt.

5. Die Umweltkrise
Die größten Umweltkrisen bereiten sich in den Bereichen Klima und Wasser vor. Die OECD erwartet in ihrem Grundszenarium bis 2050 einen weiteren Anstieg der Treibhausgas-Emissionen um etwa die Hälfte (Abb. 07215). Um die Konzentration von Treibhausgasen bei 450 ppm anzuhalten und eine Klimakatastrophe zu vermeiden, müßten die Emissionen bis 2050 auf 39 % unter dem Niveau von 2000 abgesenkt werden. Angesichts der Entwicklung in China und anderen Schwellenländern ist das wenig wahrscheinlich.

Wegen des unverantwortlichen Wasserverbrauchs und des Klimawechsels erwartet die OECD einen Anstieg der Zahl der Menschen, die in Gegenden mit schwerem Wasserversorgungsstreß leben bis 2050 um eine weitere Milliarde auf 3,9 Milliarden (Abb. 07216).

Die neoliberale Variante der Globalisierung wird diese Krisen jedenfalls nicht lösen, sondern wahrscheinlich noch verschlimmern. Eine Welt im wirtschaftlichen Chaos kann noch weniger eine immer
stärkere Aufspaltung in Arm und Reich vertragen. Haben sich die neoliberalen Kapitalisten schon den Strick gekauft, an dem sie sich aufhängen werden (frei nach Lenin)?
Und dies habe ich von einem Blog geklaut: "Jetzt wird's auch Zeit für einen kleinen Trip in die Metro. Zwei Metrokisten voll mit dem wichtigsten Kram: Thunfisch, Linsensuppe, Müsli, Nudeln, Zucker, Mehl, Salz, Damenbinden,
Babywindeln (falls Kinder in dem Alter sind), Schokolade, Kaffee, Tee. Grad in der Metro gibts große Säcke mit Nudeln (1/2 Ztr.) sehr günstig." Es ist natürlich
nicht ernst gemeint! (hoffentlich jedenfalls)
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